SenWfugf. Nach efltia 90— f55 Minuten ist die Desinfektion deendet. Das Desinfektionsgut wird auf der reinen Seite den Apparaten entnommen. Der Ausküftungsraum zum Nach- trocknen der Sachen befindet sich in dem großen luftigen Dach- räum und ist durch Fahrstuhl mit den unteren Räumen der „reinen" seite verbunden. Im Vorgebäude befindet sich das Bureau der Anstalt nebst Laboratorium. Durch die Toreinfahrt der unreinen Seite- ist eine be- sondere Abteilung zur Personendesinfektion zugänglich(Krätze- kranke, Entlausungsstation). Diese Einrichtung ist wiederholt von der Heeresveriualtung in Benutzung genommen worden. Fit den oberen Räumen �des Vordergebäudes befindet sich die Dienstwohnung des Oberdesinfektors. Das Hintergebäude nimmt die Aufenthalts-, Aus- und Ankleideräume und den Baderaum für das Personal der Desinfektionsanstalt auf. Die Einrichtungen sind hier so ge- troffen, daß die in der Anstalt tätigen Leute nur in gereinigtem Zustande die Anstalt verlassen können. Beim Beginn ihrer Tätigkeit betreten die Desinfektoren die Anstalt von der reinen Seite, entledigen sich ihrer Privat- kleidung und legen frische Anstaltskleider an. Das Personal der„unreinen" Seite betritt dann durch den Baderaum die unreine Abteilung und darf nun für die ganze Dauer seiner Tätigkeit diese Räume nicht wieder verlassen. Erst nachdem die Tagesarbeit beendet ist, können die Leute zur reinen Seite zurück, aber nur durch den Baderaum, wo jeder einzelne ein gründliches Reinigungsbad nehmen muß. Die auf der unreinen Seite getragene Kleidung bleibt dort und wandert sofort in die Waschmaschine. Im Ankleidcraum der reinen Seite erhalten die Leute frische Wäsche und können dann ge- reinigt die Anstalt verlassen. Ein Verbrennungsofen zur Vernichtung minderwertiger infizierter Gegenstände, als Strohsäcke, Eßwaren oder dergl. vervollständigt die Einrichtungen der Anstalt. Ferner sind noch Wagenschuppen für die Wagen der»reinen" und„un- reinen" Seiten-vorgesehen. Die Versorgung der Anstalt mit- Dampf für Des- iufektions-. Trocken- und Heizzwecke erfolgt durch eine Fernleitung vom städtischen Eiswerk. Der mit 6 Atmosphären Ueberdruck im städtischen Eiswerk erzeugte Dampf wird der Verteilungs- zentrale in der Desinfektionsanstalt nach vorheriger Messung durch einen Dampfmesser— System Hallwachs— zugeführt und hier durch Reduzierventile für die Desinfektion auf 0,5 Atm. und für die Heizung auf 0,2 Atm. reduziert.' Das Gebäude ist mit einer Niederdruckdampfheizung der- sehen, desgleichen ist für ausgiebige Lüftung Sorge getragen und eine Wasserversorgungsanlage eingebaut. Die Pläne für den Bau der DesinfeftionSanstalt sowie die Bauleitung sind vom städtischen Hochbauamt Neukölln unter der Leitung des StadtbaumeisterS Zollinger, Reg.-Bau-, meister a. D., ausgeführt.__ Kontrollversammlung. Zum ersten Male führte mich der militärische Ruf hinaus, auf's Tempelhofer Feld, allwo die Kontrolle über die im Militärverhältnis stehenden Männer vorgenommen wird. Bis dahin hatte ich es nicht nötig, daS.L. o. W." schützte mich vor dieser Pflicht. Nunmehr aber wanderte ich in der Frühe zum Bahnhof hin, um rechtzeftig ant Platze zu sein. Grauer als alle Theorie spannte sich der Himmel über das Tempelhafer Feld, als ich mit vielen anderen die Station General-Pape- Straße verließ, Zivilisten über Zivilisten. Kontrollpflichtige und zum Heere Einberufene. Sie tragen fast durchweg ihre Hab- seligkeiten in einem Kqrton verpackt, und sammeln sich vor dem Kasernentore. Straßenbahnen kommen angesaust und die , Räder- spritzen das Wasser- der Pfiitzen auf dte umstehenden Männer, die lachend auseinanderstieben. Die Wagen sind knüppel- dick besetzt, ein dunkler Strom quillt aus ihrem Innern: alles Kon- trollpflichtige und angehende Vaterlandsverteidiger. Sie stellen sich zu den andern und warten. Bald ist die Straße und ein' an- schließendes Stück des Tempelhofer FeldeS' schwarz von Menschen. Sie stehen in Gruppen und rauchen und plaudern, manche halten unter ihren Stullen bereits fürchterliche Muste- rung. Für den Humor sorgen Witzbolde.' Ein Schutzmann trabt hoch zu Roß auf und ab. Dann und wann fährt ein Auto vor, dem ein eleganter Herr mit einem Koffer entsteigt. Wie lange und er hebt sich in nichts mehr von den anderen ab. Die Uniform macht alle gleich. Jetzt öffnet sich das Tor für die Einberufenen. In end- losem Zuge schieben sie sich vorüber. Draußen wird rasch noch mal Abichied genommen. „Adje, Mutterken. laß Dirffch jut sehn", sagt ein junger Mann und drückt einer alten Frau kräftig die Hand. Ein großgewachsener Rekrut in reifem Alter küßte seine Frau zum letzten Male und verschwindet im Torweg, ohne sich umzusehen. Ein blutjunges Pärchen, zum zärtlichen Klumpen geballt, löst sich allmählich auseinander. Sie drückt das Taschentuch an den Mund und sieht ihm mit brennenden Augen nach. Ein stämmiger Einberufener, mit einem Tataren- bart, klopft ihr gutmütig auf die Schulter: „Weene man nich, arme K.leene, mußt nich weenen", sagt er tröstend,„er kommt ja wieder, janz bestimmt." Jetzt naht eine hagere Apostelgestalt mit wallendem Haar und Bart. Der Ankommende wird mit lautem Hallo empfangen. „Mensch, uff die Kohlrübe paßt doch keen Helm!" ruft eines Stimme. „Justav, willst Dir woll die Haare uff RestmentSunkosten schneiden lassen!" tönt's von der anderen Seite. Der Apostel schreitet unbekümmert weiter. Zwei vorübergehende Frauen lenken die Aufmerksamkeit von ihm ab. Es regnet und die eine latscht wohlgemut mit Filzparisern durch den Matsch. „Der Olle schenkt' Dir zu Weihnachten wieder neue st schreit ein ganz Kesser. Nun müssen auch die zur Kontrolle Erschienenen sich auf den Kasernenhof begeben. Dort werden sie nach Jahrgang und Ortszugehörigkeit verteilt. Ein scharfer Wind hat das Ge- wölk zerrissen, nun regnet eS wenigstens nicht mehr. Die Stimmen der verlesenden Vorgesetzten schallen über den weiten Hof. Bekannte nicken sich zu. Einer weiß nicht, wohin er gehört, und rennt kreuz und quer, planlos wie ein Huhn, dem inan den Kopf abgeschlagen hat. Nach und nach kann eine Abteilung nach der anderen abtreten. Draußen verlieren sie sich nach rechts und links. Bald haben auch die letzten den Platz verlasien. Da» Militär beherrscht dann wieder au»- schließlich daS Feld. Auch nächsten Morgen dasselbe Bild und so fort, bis die Kontrolle beendet ist. Vor dem Tore stehen Mütter, Frauen und Bräute. Sie stehen wie die Mauer, trotz Regen und Wind. Einige Stunden später werden die Einberufenen den Weg in ihre zukünftige Garnison antreten. So kann man sich noch ein letztes»Lebe- wohl", ein hoffnungsfreudiges„Aus Wiedersehen!" zurufen.
Von der militärischen Vorbereitung der Jugend. lieber die Bedeutung der militärischen Bor- be reitung fürdie Gesundheitspflege der Jugend verhandelte der Berliner Berein für Schulgesundheits- pflege in seiner letzten Sitzung. Einen einleitenden Vortrag gab der Arzt. Dr. Lewan- dowskt, königlicher Kommissar für die militärische Vorbereitung der Jugend in der Provinz Brandenburg . Man müsse die mili- tärische Jugcndvorbereitüng, um sie würdigen zu können, begreisen int organischen Zusammenhang mit der gesamten Jugendpflege, deren Krönung sie sei. Die schulentlassene Jugend habe bis vor wenigen Jahren unter schwerer Vernachlässigung gelitten, trotz der Tätigkeit mancher Vereine von Turnern, Radlern, Schwimmern usw., die sich der Jugendlichen annahmen. Erst der im Jahre 1911 erschienene Erlaß des preußischen Kultusministers über die Jugendpflege, durch den die Pflicht des Staates, auf diesem Gebiet sich zu betätigen, an- erkannt worden sei, habe zu umfassender Organisierung geführt. Die Notwendigkeit auch gesundheitlicher Förderung der Schulentlasienen ergebe sich unter anderm aus der großen Zahl junger Leute, bei denen nicht durch Krankheit, sondern nur durch Körperschwäche die Tauglichkeit zum Militärdienst beeinträchtigt werde. Der Vor- tragende erwähnte, daß er schon vor einigen Jahren neben den Körperübungen eine Gesundheitsaufsicht über die Schulentlassenen für nötig gehalten und empfohlen habe, eine Untersuchung aller in die Vereine für Körperübungen eintretenden jungen Leute, eine ständige Ueberwachung der Schwachen und für Unfälle einen Unter- richt in erster Hilfe. Als dann der Krieg die militärische Jugend- Vorbereitung gebracht habe, seien jene Forderungen als berechtigt anerkannt worden, und von Anfang an habe man sich die Mit- Wirkung der Aerzte zu sichern gesucht. Bei der militärischen Jugend- Vorbereitung in der Provinz Brandenburg ist zum Leiter der Ge- sundheitsaufsicht der Vortragende gemacht worden, der einen Stab von Aerzten zur Mitarbeit geworben hat. Aus den Jungmannen, die man vor Eintritt in die Kompagn-en sämtlich untersuchte, wur- den nur 2— 3 Proz. als untauglich ausgesondert und zurückgewiesen. Auch die Ueberwachung der Schwachen und der Unterricht in erster Hilfe sind eingerichtet. Den das Gebiet des Militärischen streifenden Teil des Vortrages, die Schilderung der von den Jugend- kompagnien auszuführenden Uebungen nach Art und Zweck, müsien wir übergehen. Ob für die Beteiligung der Jugendlichen an dieser militärischen Vorbereitung es bei der Freiwilligkeit bleiben kann, er- scheint Herrn Dr. Lewandowski zweifelhaft. Auf die Dauer werde so. die Aufgabe' nicht erfüllt werden können; schon jetzt bröckele von der großen Zahl freiwillig eingetretener junger Leute etwas ab. Der Vortragende hält Einfügung der militärischen Jugendvorbereitung in unser. Staatsleben für nötig, um sämtliche Jugendlichen erfassen zu können. Er erwartet davon Borteile für die Jugend selber und für das deutsche Volk, bessere Gesundheit der jugendlichen Arbeiter und höhere Leistungsfähigkeit des Heeresersatzes. Auch Schwächliche seien durch planmäßige Förderung, durch bestimmte Hebungen, die ihrem Können angepaßt werden, allmählich zu einer Leistungsfähigkeit zu bringen. Für die Aerzte, durch deren Mitwirkung alles das erreicht werden soll, müsse man eine besondere, zweckentsprechende Bor» bildung wünschen. In der dem Vortrag folgenden Erörterung wurde vor zu West gehenden Anforderungen an die Jugendlichen gewarnt. Ein Redner wies hin auf ärztliche Feststellung von Schäden, die aus anstrengen- den Jugcndwanderungen entstanden feien. Berührt wurde auch die alte, für die Schule bedeutungsvolle Streitfrage, wie weit Körper- stählmig und Geistcsausbildung nebeneinander möglich sind und sich in ein rechtes Verhältnis zueinander bringen lassen. Nachdem man früher so viel von Ueberbürdung des Geistes geredet habe, müsse man. sich jetzt vor Ueberanftrengung des Körpers hüten. Hierzu wühde, obwohl der Bortragende nur von jugendlichen Arbeitern und Fortbildungsfchülern gesprochen hau«, auf die neuere Entwicklung der höheren Schulen verwiesen. Ein Redner hielt für bedenklich, die Jugendpflege jetzt unter den militärischen Gesichtspunkt zu rücken. Unsere Jugend sei nicht nur dazu da, zu Soldaten erzogen zu werden. Fast allseitig wurde bestätigt, daß mst der Freiwilligkeit der Beteiligung an den Jugendkompagnien nicht auszukommen fei. Ein Offizier a. D. führte aus, die Zahl der Beteiligten.nehme ganz bedenklich ab", es werde.nur Zwang übrig bleiben". Gegen Zwang erklärte sich ein einziger Redner. Im Schlußwort versicherte der Vortragende, daß bei der militärischen Jugendvorbereitung keine die Gesundheit beeinträchtigenden Uebertreibungen zu befürchten seien.
, Heimarbeit. Neber diese Frage veröffentlicht Frau Beterin ärrat Goltz im „Lokalanzeiger'' Erfahrungen, die sie bei ihren vielfachen Recherchen gewacht- hat. Sie- schreibt:- „Seit Jahren wandeve ich in die Seitenflügel und Quer» gebände im Norden und Osten und bring« klein« Unter- stützungen im Auftrage. Fast immer sind die Bittenden Witwen. Eheverlassene oder solche, deren Mann arbeitsscheu oder krank ist. Ich weiß noch nicht, welche das schwerste Los hat. Hierzu kommen jetzt die vielen Kriegerfra-ucn. All« erhalten ja eine Unterstützung, unsere städtische Armenpflege und die Kviegsfür- sorge ist wohl vorbildlich. Selbstverständlich mutz und soll die Frau arbeiten und das Fehlende oevdi c neu. Sie wollen ja auch gern. Wie froh zeigen sie die neu« Arbeit und wie laufen und drängen sie sich beim Angebot. Aber wenn ich nun nach dem Verdienst frage, da höre ich fast Unmögliches, da entrollt sich ein Bild von körperlicher und geistiger Fronarbeit, das menschen- unwürdig ist. Um nur irgendoine nennenswerte Summ« zu erreiche», wird als ganz selbstverständlich die halbe Nacht als Arbeitszeit dazugenommen. Weinend erzählte mir eine Witwe, daß sie hatte um 11 Uhr zu Bell gehen müssen, da die Lampe ausging und ihr der Groschen für Oel gefehlt hatte. Sie nähte Knaben- jacken aus..Schnciderarbvit" mit allem Drum und Dran, Futter. Wattierung, Taschen, und erhielt für da» Stück 50 Pf. Mein Büchelchen zeigt viele solcher wahrhaft traurigen Aufzeichnungen. Für ein Dutzend Schürzen.mit Bolant" gab es öv Pf., zwölf Männerhemden für Gefangen« brachten 1 M. 50 Pf. Ein ganzes Dutzend Frauenboinkleider„mit Volant" 1 M. 29 Pf., Morgen- jacken und.Militärunterhosen, all« mußten für 19 Pf. das Stück hergestellt wenden. Sehr anspruchsvolle Schürze« mit Volant. Latz, Trägern, Tasche, alles mit farbigem Paspel abgesetzt, wurden das ganze Dutzend mit l M. 76 Pf. bezahlt. Ein« Frau erhielt für einen„Kojlümrock" 89 Pf., mit Faltenteilen 49 Pf. Diese Frau fragte ich, wie sie überhaupt so etwas annehmen könnte. Sie erzählte mir, sie sei aus der Arbeitsstube hinausgelaufen und habe auf der Treppe sich ausgeweint. Aber so viel« Frauen sah sie mit der Arbeit fortgehen, und so ging sie doch hinein und ließ sich geben. Eine Frau fand ich in kalter, unsauberer Stube an der Nähmaschine, den rechten Fuß dick verschwollen. So trat sie nur mit dem linken Fuß von früh bis abends und die halbe Nacht. Hier waren es Knabenhofen, ganz gefüttert, mit Leibchen. da» Stück brachte 2d Pf. Mst dieser entsetzlichen Mühsal hatte sie laut Lieferbuch die ganze Woche 4 M. 45 Pf. verdient. Sie sah aus wie eine Frau von 69 Jahren und war 41. Mit bitterer Trauer erwähnte, sie, daß sie ihren beiden Kindern nicht die kleinst« Weihnachtsfreude schaffen könnte. Nun. sie hatten dann doch durch Hilfeleistung ein warmes und helles Fest. Bei allen vorerwähnten Arbeiten müssen die Frauen daS Nähgarn zugeben, und als großer Abzug kommt noch die wächent-
liche Abzahlung der Nähmaschine hinzu. Alle Ärbeit mutz ge- bolt und geliefert werden. Zeitverlust und Fahrgeld treten hinzu. Die Heimarbeiterin muß ihren Haushalt vernachlässigen, sie kann ihre Kinder nicht pflegen und in Ordnung halten. Uner- bittlich und drohend steht das Gespenst des sonst zu kleinen Bei- dienstes hinter ihr. Wieviel gesunde Volkskraft, Mut und Froli- sinn werden in dieser beständigen Hetzjagd erstickt! Einer unserer bedeutenden Redner sagte neulich in einer der Reden in ernster Zeit:„Die Zukunft unseres Staates liegt bei den Müttern." Hinter diesen sich unablässig mühenden, abgc- hetzten Müttern stehen Hunderttausende von Kindern. Welche Äaat sollen diese Mütter in die Herzen ihrer Kinder säen? llno wie stehen diese Kinder einst der Arbeit gegenüber, der Arbeit, die uns Segen spendet; die Bringerin von Befriedigung uno Freude— was ist sie ihnen? Ich weiß den Weg noch nicht, der ehrlicher Arbeit den enl- sprechenden Lohn verschafft.'Aber ich hoffe auf kluge Menschen mit warnten Herzen, die ihn finden und gehen werden. Hier geschieht ein Unrecht an Hilf- und Wehrlosen, und das darf nicht sein." Soweit eS sich um Militärheimarbeit handelt, hat ja erfreu- licherweife die Militärverwaltung der Ausbeutung der armen Näherinnen durch Festsetzung fester Löhne ein Ziel gesetzt, aber in der Privatinbustrie geht die Ausbeutung wester. Seit Jahren führen die Arbeiterorganisationen einen heftigen Kampf gegen die Ausbeutung in der Heimindustrie und verlangen gesetzgeberisch- Eingriffe. Was bis jetzt geschehen ist, ist nur Stück- und Flick- werk. Hier muß tiefer eingegriffen werden. Jürsorge für kriegsbeschädigte Brauereiarbeiter. Angesichts der über Gebühr erböhten Bierpteise bat das Publikum auS den in letzter Zeit vetöffentlichten Geschänsberickiten der großen Brauereien mit Beftemden erfahren, daß die Gewinne der Brauereien im zweiten Kriegsjahre sich nicht nur auf der Höhe, die sie im ersten Kriegsjahre erreicht hatten, gehalten haben, sondern in den meisten Fällen noch darüber hinausgegangen sind. Im Hin- blick auf diese Tatsache kann mit Befriedigung davon Kenntnis genommen werden, daß die Aktiengesellschaft Böhmisches Braubaus aus dem Gewinn ihres letzten Geschäftsjahres 26 999 M. zur Verfügung gestellt hat für die Unterstützung derjenigen ihrer Aiigestellien und Arbeiter, welche als Krüppel aus dem Kriege hcimkebren und deshalb ganz oder teilweise unfähig find, ihre frühere Beschäftigung wieder aufzunehmen. Ebenso wie die Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft zur Weiter- beschäfkigung der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten im Ber - liner Braugewerbe wird das bezeichnete Borgehen des Böhmischen Brauhauses von den Brauereiarbeitern freudig begrüßt und zur Nachahmung empfohlen. An Gelegenheit, in diesem Sinne zu wirken, fehlt es nicht, und die Unternehmer, besonders auch in der immer noch gut rentierenden Brauindustrie baben alle Ursache, an der Linderung der Folgen des furchtbaren Krieges mitzuwirken.
600 OOO Zusatzbrotkarten in Berlin . Nach dem Ergebnis der letzten Wochenberichte sind im Stadt- bezirk Berlin annähernd 699 999 Zusatzbrotkarten ausgegeben. Es mutz die? als ein außerordentlich günstiges Ergebnis bezeichnet werden, wenn man sich vergegenwärtigt, daß umer der Herr- schaft des ursprünglichen Zusatzkarten'ysiems nur 69 999 Karten ausgegeben worden find. Durch diese 699 999 Karten ist etwa ein Drittel der Berliner Bevölkerung mit Zusatzbrol- karten versehen. Man kann daher feststellen, daß damit der wirklich brotbedürftige Teil der Bevölkerung eine erhebliche Zulage an Brot erhalten hat. ES wird versucht werden, noch in weiterem Umkreis nach Maßgabe des Bedürfnisses mit Zusatzbrotkarten helfend einzu- greifen. Man wird diesen Gegenstand nicht berühren können, ohnc in anerkennender Weise der außerordentlichen Arbeit zu gedenken, welche die Brotkommiifionen hierbei geleistet haben; hat dock> jede Brotkommisfion durchschnittlich 3599 Zusatzbrotkarten ausgeteilt, wo- bei jeder- einzelne Antrag einer besonderen Prüfung unterzogen werden mutzte._ Buttergewinnung. Der preußische Landwirtsschaftsminister gibt folgendes bekannt: Bei der gegenwärtigen Knappheit an Fetten ist es dringend geboten, für die vollkommenste Gewinnung der vorhandenen Fette Sorge zu tragen. Die Berbutterung der Milch ist vielfach noch recht unvollkommen, weil einerseits mangelhaft arbeilende MUckiseparatoren verwendet werden, andererseits das ganz unzeit- gemäße SattenausrahmungSverfahren noch im Gebrauch ist. Der hierdurch der Bntterversorgung des Deutschen Reicbcs erwachsende Ausfall ist von sachverständiger Seite auf mindestens 269 999 Doppel- zentner berechnet worden, was etwa 59 Prozent der jährlichen Gesamtbuttereinfuhr des Deutschen Reiches entsprechen würde. Wird eS nun auch niemals gelingen, die theoreliich mögliche vollste Entrahmung bei der gesamten zu Butter veratbeuetcu Milchmeuge zu erreichen, so unterliegt eS doch keinem Zweifel, daß sich bei richtigem Verfahren noch ganz bedeutende, jetzt mit der Magermilch meist zur Berfütterung gelangende Buttersitlmengcu gewinnen liehen. Dies muß aus volkswirt'chaftlichen Gründen— wegen der Butterknapphett— wie auS privatwirtichaitlichen— wegen des großen EinnahmeverlusteS bei den hoben Preisen des ButtersettrS— nach Krästen erstrebt werden. Das Ziel wäre am voll- kommensten erreichbar durch Anlieferung aller nicht im eigenen HauSbalt benötigter Milch in die Molkereien. Soweit dies nicht durchgeführt werden kann, müßte die Milch wenigsten» mit guten Separatoren entrahmt werden. Die Aufgabe aller landwirtschaftlichen und milch- wirtschastlicken Interessen vet tretungen. Vereine usw. ist es. auf die Zweckmäßigkeit zeitweiliger Untersuchungen der Mogermilch aus elwa zu hohem Fettgehalt sowie auf die Beschaffung guter Separatoren hinzuwirken, die Landwirte auf brauchbare Geräte hinzuweisen, und vor dem Ankauf dilliger und schlechter, deren es leider noch genug gibt, zu warnen. Ueber die geeignetsten Separatoren würden die Gerätestellen der Landwirtschaftskammern, des Bundes der Land- Wirte, des ReichSverbaude» der deuffchen landwiitschattlichen Genossen- schatten und besonder« auch der Deutschen Landwinschaftsgeiellickaft auf Grund ihrer alljährlichen Geräteprüfungen Auskunft geben können. Die Beseitigung des Sattenverfahrens sollte mit allen Mitteln erstrebt werden. Während bei guter Separatorenenlrahmung etwa 9,19 Proz. Fett svon durchschnittlich etwa 3.36 Proz.) in der Magermilch verbleiben, sind es bei schlechtem Separatoren betneb 9,36 Proz. und mebr, bei der Sattenentrahmung aber oft 9,89 Proz. und mehr. Außerdem ist die Haltbarkeit und Güte der im letztgedochten Verfahren hergestellten Butter sebr viel schlechter, der Preis daher um etwa 9,49 M. je >/, Kilogramm niedriger. Dem ganzen unzeitgemäßen Sattenverfahrrn sowie den schlechten Separatoren muß der Krieg erklärt werden. Da« B u t t e r s e t t gehört den Menschen, nicht den Tieren. Jeder Landwirt und Milchwirt helfe mit, diesem Ziele soweit und sobald als möglich nahe zu kommen._ Zur schnelle» Abwickelung des PostschalterverkehrS während der Weihnachtszeit kann jedermann wesentlich beitragen. Di« Smlies»,ung der Weihnachlspakete sollte nicht lediglich oder vorwiegend bis zu de» Abendstunden verschoben, nament- lich müßte« Familiensendungen tunlichst an den Vor- Mittagen ausgegeben werden. Luch sollte eS die Regel bilden, daß die Absender die einzuliefernden Weihnachtspakete durch Postwertzeichen selbst freimachen. Mit seinem Bedarf an Postwertzeickien müßte sich ein jeder bald versehen. Zeitungen dürsten nicht in den Tagen vom IL. bis 24. Dezember am Schalter der Postanstalten be- stellt werden. Für die Zahlungen am Postschalter sollte der Aus-