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Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Die Rohrleger beschlossen in ihrer letzten Branchenversamm- lung, eine Statistik über die Lohnverhältnisse aufzunehmen, um ein zutreffendes Bild von den jeweiligen Löhnen zu erzielen, die in den einzelnen Betrieben gezahlt werden. Zu diesem Zwecke werden Formulare ausgegeben, auf denen die Angaben zu der- merken sind. Die Teuerungszulagen sollen extra vermerkt werden. Ferner wurde über das mehrfach erfolgte Ersuchen, 10 Stunden zu arbeiten, debattiert. Es wurde auf den Tarif verwiesen, der eine neunstündige Arbeitszeit festsetzt und nur bei dringenden Fällen Ausnahmen zuläßt, und auch das nur, wenn ein Zuschlag von LS Proz. gewährt wird. Gerügt wurde, daß es jetzt noch Ar- beider in der Branche gibt, die zu Löhnen arbeiten, welche nicht den heutigen Lebensmittelpreisen entsprechen. Zum Teil klagten Arbeiter, daß sie keine Seife erhielten, deren Lieferung im Betriebe tariflich festgelegt ist. Die Unter- nehmer erklärten, das Geld hierfür geben zu wollen, da sie Seife infolge der Brotkartenvorschrift nicht mehr liefern könnten. Die Arbeiter wollten aber kein Geld, sondern irgendein Mittel, um sich im Betriebe reinigen zu können. Die Frage ist gelöst worden durch Beschaffung eines Seifenpulvers, das zur Not den Ansprüchen genügt. Der Schneidcrverband nahm am Mittwoch in der Generalver sammlung der Filiale Berlin den Kassenbericht für das erste Quartal entgegen. Daraus ergibt sich, daß die Lokalkasse eine Einnahme von 30 064,02 M. und eine Ausgabe von 13 313,39 M. hatte, so daß ein Bestand von 16 750,63 M. bleibt. Für Unter- stützungen wurden 12 387 M. aus der Haupt- und der Lokalkasse ausgegeben, darunter 4885 M. Kranken- und 4802 M. Familien- Unterstützung. Die Mitgliederzahl hat sich gegen das vorige Quartal nur wenig verändert. Sie belief sich am Schlüsse des ersten Quartals auf 5528. Zum Militär wurden 117 Mitglieder eingezogen. Die Versammlung entlastete den Kassierer und erledigte die Ergänzungswahlen zur Ortsverwaltung dadurch, daß sie beschloß, die bisherigen VeQvaltungsmitglieder in ihren Aemtern zu belassen._ Deutsches ZUSci). Tie Tarifgemeinschaft der Chemigravhen und Kupfer- drucker im Jahre 1S15. Im chemigraphischcn Gewerbe war auch bis Ende des Jahres 1915 eine wesentliche Besserung der Konjunktur noch nicht zu ver- zeichnen. Betrug doch die Zahl der Arbeitslosen und außer Beruf beschäftigten Gehilfen Anfang dieses Geschäftsjahres noch 23,6 Pro- zent. Die niederdrückende Lage des Gewerbes veranlasste das Tarif- amt, sich mit einem Aufruf an die Prinzipale zu wenden, in dem diese gebeten wurden, ihre Anstalten nicht stillzulegen, sondern ihr Personal bei verkürzter Arbeitszeit zu beschäftigen, um so einer allzu großen Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Die schlechte Geschäfts- konjunktur nötigte viele Gehilfen, außerhalb des Berufs Beschäfti- gung anzunehmen. Eine vom Tarifamt aufgenommene Statistik ergab, daß im Januar 27/ Gehilfen in anderen Berufen beschäftigt waren. Durch das Abfluten in andere Berufe und die fort- gesetzten Einberufungen machte sich schließlich eine Stockung in der Arbeitsnachweisvermittelung bemerkbar. Das Tarifamt erließ des- halb einen Aufruf, in dem die außer Beruf beschäftigten Gehilfen aufgefordert wurden, sich wieder bei ihren Arbeitsnachweisen ein- schreiben zu lassen. Auch wurde mit der Umschulung von Gehilfen in den Sparten, in welchen noch ein Ueberangebot von Kräften vorhanden war, erfolgreich vorgegangen. Da in vielen Fällen die Weiterführung mancher Anstalt und damit die Beschäftigung des noch vorhandenen Personals von der Zurückstellung oder Beschaffung eines entsprechenden Ersatzes oder eines Spezialarbeiters abhing, mußte das Tarifamt noch einige andere Maßnahmen ergreisen. Es bat Gehilfen aus neutralen Ländern zu beschaffen versucht und Gesuche um Zurückstellung oder Beurlaubung garnison - und arbeits- verwendungsfähiger Gehilfen unterstützt oder selbst eingereicht. Auch die Frauenarbeit fand im Gewerbe Eingang. Zwecks Hochhaltung der tariflichen Verhältnisse hat das Tarifamt sein Ein- Verständnis zur Einstellung und Anlernung weiblicher Hilfskräfte nicht gegeben. Das Tarifamt will auch bestrebt sein, nach Friedens- schluß den aus dem Felde heimkehrenden Gehilfen-Mitgliedern der Tarifgemeinschaft, soweit es die geschäftliche Lage der einzelnen Firmen zuläßt, wieder ihre früheren Arbeitsplätze einnehmen zu lassen. Das Tarifamt betrachtet es als feine Pflicht, auch für die kriegsverletzten Gehilfen der Tarifgemcinschaft Sorge zu tragen. Deshalb hat es die Prinzipale aufgefordert, ihre früheren kriegs- verletzten Gehilfen, soweit irgendmöglich, wieder an ihre alten Arbeitsplätze zu stellen. Kriegsvcrletzte, die aus irgendwelchen Gründen von ihren früheren Prinzipalen nicht wieder eingestellt werden können oder denen es infolge ihrer Verletzung nicht möglich ist, ihren früher erlernten Beruf auszuüben, werden durch die Tariforgane eventuell in einer anderen Sparte des Gewerbes unter- gebracht. Nach dem Bericht sind bis jetzt 35 Verletzte, aus dem Heeresdienst entlassene Gehilfen, dem Gewerbe wieder zugeführt worden. Mit Genugtuung wird vom Tarifamt festgestellt, daß der Prozentsatz der Mitglieder, welche keiner der den Tarifvertrag stützenden Organisationen angehören, ein sehr kleiner ist. Die Prinzipale battcn insgesamt 25 Klagen eingereicht, die Gehilfen 54. Der größte Teil dieser Klagen wurde zugunsten der Kläger entschieden. Als Anhang bringt der umfangreiche Geschäftsbericht Tabellen über die Arbeitslosigkeit und die Arbeitsvermittelung im Jahre 1915, ferner das Verzeichnis sämtlicher tariftreuer Firmen Deutsch- lands und die Adressen der Tariforgane. Am Schluß des Jahres 1915 waren von 3267 tariftreuen Gehilfen bei Ausbruch des Krie- ges 1002 vollbeschäftigt, 113 arbeiteten verkürzt, 13 waren arbeits- los, 84 arbeiteten noch außer Beruf, 1813 stehen im Felde, ge- fallen sind 131 Gehilfen. Der Gefallenen wird im Bericht ehrend gedacht, den im Felde Stehenden wird versprochen, daß ihnen das Tarifamt nach ihrer Heimkehr seine Fürsorge angedeihen lassen wird. Alles in allem geht aus dem Bericht zur Genüge hervor, daß sich die Tarifgemeinschast auch im vergangenen Jahre gut be- währt hat.__ Glasarbeiterkonferenz. Am 28. Mai tagte in Görlitz eine Konferenz der Glasarbeiter, die von 43 Vertretern aus Brandenburg , Sachsen und Schlesien besucht war. Es galt Stellung zu nehmen zu der Forderung, die der Verband der Glasarbeiter an den Schutzverband Deutscher Glasfabriken bereits im März eingereicht hatte. Der Verbands- Vorsitzende Girbig berichtete, daß an die Unternehmer die Forderung einer zehnprozentigen Teuerungszulage gerichtet worden sei, weiter wurde Bezahlung der Ausfallschichten, die durch den Mangel an Soda hervorgerufen werden, verlangt. Die Unternehmer haben er- klärt, daß augenblicklich keine Zeit zur Verhandlung sei, da sie mit anderen Aufgaben belastet wären; im Juni würden sich jedenfalls Verhandlungen ermöglichen. Da aus der Antwort nicht hervorgeht, ob die Herren dann die Forderungen der Arbeiter bewilligen wollen, sei es Aufgabe der Konferenz, zu der ungenügenden Ant- wort Stellung zu nehmen. Die Delegierten berichteten, daß durch die in den Glashütten herrschende große Hitze und die ungenügende Ernährung der Ar- beiter die Widerstandskraft der Arbeiter und Arbeiterinnen stark herabgemindert sei. Um die Schaffenskrast der Arbeiter und Ar- bsiterinnen einigermaßen zu erhalten, sei es das Mindeste, daß die Unternehmer eine zehnprozentige Teuerungszulage bewilligen. In einer von der Konferenz angenommenen Resolution heißt es daher, daß weitere Schritte zur Ernngung höherer Löhne sofort eingeleitet werden müssen. Die Konferenz betrachtet eine Er-

höhung der Löhne von 10 Proz. als das Mindeste, was gefordert werden muß. Die von den Industriellen gegebene Erklärung, daß zurzeit keine Verhandlungen stattfinden können, kann die Konferenz nicht anerkennen. Es werden die Zahlstellen aufgefordert, sofort die Arbeiterausschüsse zu beauftragen, bei den Fabrikanten vorstellig zu werden und eine 10 Prozent betragende Lohnerhöhung zu for- dern. Lehnen die Industriellen es ab, die Forderung zu bewilligen, dann haben sie die daraus entstehenden Folgen selbst zu tragen. Durch die Beschlagnahme der Soda ist es den Industriellen vielfach nicht möglich, die zur Verarbeitung erforderliche Glasmasse herzustellen, so daß wiederholt die Arbcitsschichten ausfallen müssen. Da sich die Industriellen weigern, diese Schichten zu be- zahlen, und die Hilfsarbeiter von den sogen. Zwischenmeistern bezahlt werden müssen, weil diese Arbciterschichten zu festen Wochenlöhnen beschäftigt werden, so entsteht den Zwischenmeistern ein großer Lohnausfall. Die Klagen über diesen Punkt waren recht groß und führten zu nachstehendem Beschluß: Der Mangel an Soda hat für die Arbeiter aller Betriebe eine besondere Notlage geschaffen. Die Feierschichten und das schlechte Glas haben einen recht bedeutenden Ausfall am Ver- dienst hervorgerufen, der um so schwerer für alle Arbeiter ist, weil die gegenwärtige Teuerung auf die Lebenshaltung sehr stark einwirkt. Die Kraft der Arbeiterschaft hat durch die mangel- hafte Ernährung bedeutend nachgelassen, so daß zu befürchten ist, daß bei der zu erwartenden und bereits eingetretenen Hitze in den Hütten die Glasmacher und deren Hilfsarbeiter unter der Last der Arbeit zusammenbrechen. Aus diesem Grunde for- dert die Konferenz die Vertrauensleute der Glasfabriken Brandenburgs , Sachsens und Schlesiens, daß die Industriellen die Feierschichten und das schlechte Glas bezahlen, denn es kann dem Glasmacher nicht zugemutet werden, daß er einzig und allein den Ausfall zu tragen und die Hilfsarbeiter obendrein zu bezahlen hat. Die Hilfsarbeiter können nicht verlangen, daß sie ihren Lohn vom Glasmacher erhalten, sondern müssen bei Ar- beits- und Lohnausfällen ihren fehlenden Lohn gleichfalls vom Fabrikanten verlangen. Die Konserenz beauftragt den Haupt- vorstand und die Gauleitung, sofort Schritte zu unternehmen, um erneute Verhandlungen durch die Regierung und der Unter- nehmerorganisation zu bewirken." Der Verbandsvorstand wurde beauftragt, erneut an die In- dustriellen heranzutreten und ebenso die sächsische Regierung, die Regierungspräsidenten von Frankfurt a. O. und von Liegnitz zur Vermittlung anzurufen. Da überreichliche Aufträge in der Glas- industrie vorliegen, ist zu hoffen, daß dem Verlangen der Glas- arbeiter endlich Rechnung getragen wird.

flus der Vsrtss. ParteivorstaNdsosfiziLse Denunziationen. Unter dieser Spitzmarke schreibt die �Leipziger Volks- z e i t u n g": Wir haben uns bereits mehrfach gegen die tendenziöse Material- Auslese" der vom Parteivorstand herausgegebenenPartei- ~ orrefpondenz" gewandt. DiePartei-Korrespondenz" setzt diese Art der Berichterstattung, die den Leistungen der I. K. ver- dämmt ähnlich sieht, nicht nur fort, sondern legt sich neuerdings auch auf die Denunziation. Nr. 12 und 15 dieses Jahrganges bringen eine unglaublich sudelhaft zusammengestoppelteBiblio- graphie der sozialistischen Kriegsliteratur". Viele Angaben über Flugschriften usw. weichen völlig willkürlich von denen der Origi- nale ab. Die auch den Leitern von Arbeiterbibliotheken bekannten elementarsten Grundsätze der Anlegung von Bücherverzeichnissen und Zettelkatalogen sind dem Bearbeiter dieserBibliographie" vollkom- men unbekannt. Da nach Mitteilung von Nr. 12 derPartei-Korre- 'pondenz" die Liste auf Grund der Einsendungen an das Partei-' Archiv ausgestellt worden ist, scheinen in dem Archiv ja ganz merk- würdige bibliographische Grundsätze angewandt zu werden. Wahr- 'cheinlich ist der Leiter des Archivs, Genosse Eduard David , von der Bekämpfung der Minderheit so vollauf in Anspruch genommen, daß ihm für die Beaufsichtigung deruntergeordneten" Arbeiten, die in den großen Bibliotheken bekanntlich nur Akademiker ausüben, keine Zeit bleibt. Schlimmer als die völlig unzuverlässige Art der Zusammen- tellung und Wiedergabe der Buchtitel sind indessen die in derBib- liographie" enthaltenen Denunziationen, für die der Leiter des Ar- chivs Eduard David als Einsender der Bücherliste, Georg Schöpflin als verantwortlicher Redakteur derPartei-Korre- pondenz" und der Parteivorst and als Herausgeber v e r a n t- w o r t l i ch sind. In Nr. 15, Seite 243 der �ParteiÄorrespondenz", Spalte 1 findet sich folgende Angabe: Rühle, Otto: Wer hat die Schuld am Kriege? 8 S. 1915. 8°. Die Schrift ist im Sommer vorigen Jahres anonym er- schienen. Genosse Dr. Ernst Meyer ist wegen Bestellung und Ver- breihing dieser Schrift zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Da Genosse Meyer selbstverständlich die Aussage über die Autor- chaft verweigerte, ist es ganz offengeblieben, ob er oder irgendein anderer die Schrift versaßt hat. Die Nennung eines bestimmten Namens als Verfasser ist also eine glatte Denunziation, die nichts an Bosheit dadurch verliert, daß sich die Korrespondenz den betref- 'enden Namen einfach aus den Fingern gesogen hat. Auf Seite 244, Spalte 1 der gleichen Nummer wird unter Flugblättern" genannt: (Wörtlichentnommen!) Duncker, Dr. H.(?): Auf, Sozialisten, schließt die Reihen!(Parodiert.) 1 S.(Schreib- maschinenabzug. Berlin 1914(Mitte November). 4°.) Das? hinter dem Namen soll wohl bedeuten, daß die Korre- (pondenz selbst nichts Genaues über den Autor weiß. Um so un- verschämter ist es von ihr, trotzdem einen Namen zu nennen. Nun weih der Parteivorstand aus einer Verhandlung, die p r o t o k o l- 'arisch aufgenommen worden ist, ganz genau, daß Genosse Duncker nicht der Verfasser jener Parodie ist. Was soll man dazu 'agen, daß sein Organ diese Behauptung trotzdem von neuem wieder- holt?! Auf Spalte 2, Seite 244 der Nr. 15 wird zitiert: M e y e r, Dr.: Die Lehren des 24. März.(Aufforderung zur Nichtabführung von Beiträgen.) 2 S. Berlin 1916. Folio. Auf dem Original findet sich ein anderer Druckort angegeben. Aber die Korrespondenz hält sich für berechtigt, falls ihr irgendeine Angabeverdächtig" erscheint, durch ein Fragezeichen ihre polizeilich- schnüffeligen Zweifel auszudrücken, oder gleich ihre Vermutung frisch und frei als positive Behauptung hinzudrucken. Unvollständig ist weiter die Inhaltsangabe des betreffenden Flugblattes. Aber das Schlimmste bleibt wieder die Nennung eines Namens als Verfasser. Bei allen Verhandlungen, die sich an den Versuch des Parteivor- standes knüpften, den Genossen Ernst Meyer aus der Vorwärts- Redaktion hinauszuwerfen, ist von keinem der Beteiligten die Be- hauptung aufgestellt worden, Genosse Meyer sei der Verfasser des Flugblattes. Diese Frage interessierte schon deshalb nicht, weil Ge- nasse Meyer sofort mitteilte, daß er mündlich innerhalb der Organi- sation den Inhalt des betreffenden Flugblattes vertreten habe._ Der Redakteur derPartei-Korrespondenz" Georg Schöpf- l i n hat für diese dritte Denunziation allerdings eineEntschuldi- gung" nämlich die, daß der Berliner Korrespondent derC h e m- nitzer Volks stimme" Georg S ch ö p f l i n die gleiche Denunziation bereits 2 Wochen vorher publiziert und daß dieV o s- fische Zeitun g", sozusagen die Berliner Filiale der Chemnitzerin für Parteinachrichten, diese Denunziation sofort nochgedruckt hatte. Die Duldung solcher Leistungen durch den Parteivorstand, der unter Bruch des Organisationsswhits die Presse angeblich zur Ob- jektivität erziehen will, beleuchtet sehr gut einen Teil der Gefahren, die aus einer parteivorstandsoffiziöseu Presse dem ganzen Partei- leben erwachsen würden._ Zum Kouigsberger Konflikt. Gegen den von uns in der Dienstagnummer mitgeteilten Be- schluß des Königsberger Gewerkschaftskartells erläßt die dortige Parteileitung folgende Erklärung:

Der Kartellausschuß der freien Gewerkschaften veröffentlicht in derKönigsberger Volkszeitung" vom 27. Mai ein Entschlie- ßung der Sitzung der Ge'werkschaftsvorstände vom 25. Mai, die wir mit den bisherigen Veröffentlichungen des Kartellausfchusses in seinem Konflikt mit uns zu bergleichen und danach zu beurteilen bihen. Für Heute begnügen wir uns mit der Mitteilung, daß bereits die Vorstände mehrerer Gewerkschaften unser Rundschreiben vom 19. Mai in anderem, entgegenkommenderem Sinne beantwortet haben. Der Vorstand einer unserer bedeutendsten Gewerkschaften, dessen Antwortschreiben mit der Entschließung vom 25. Mai sonst viel Aehnlichkeit hat, macht zum Punkt 2 dieser Entschließung den Zusatz:Diese Grenzen(nämlich die das Parteistatut zur Aufrechterhaltung der einheitlichen Organisation der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands vorsieht) sind unseres Er- achtens bisher vom(Königsberger sozialdemokratischen) Ver- ein nicht überschritten worden." Erst dieser Zusatz gibt der Erklärung das erforderliche versöhnliche Gepräge. Wir wollen den Prozeß der Selbstbesinnung in den noch wider- strebenden Kreisen der Gewerkschaftsfunktionäre nicht stören und verzichten daher vorläufig auf weitere Erörterung der Entschlie- ßung vom 25. Mai. _ Eine Glanzleistung. Der Reichstagsabgeordnete Oskar Geck schreibt in der Mann» h e i m e rV o l k s st i m m e": In Zürich wurde am letzten Sonntag wieder einmalpro- testiert". Sozialdemokratische Partei, Gewerkschaften und Sozia- listische Jugend letztere zweifellos die Berufenste! waren die Firmenträger des Unternehmens, das geduldige Sihlhölzli der Ort des weltgeschichtlichen Geschehens.... Der So-gut-wic-Franzose Robert Grimm bedenklichen Angedenkens und die italienisch-rus- fische Genossin Angelica Balabanoff gewährleisteten die strengsteNeutralität" des Protestes. Und diese war denn auch danach:Gegen die Klassen- und Schandurteil« der schwedischen und deutschen Regierung" war die Aktion gerichtet, wie der Bericht darüber in der Nr. 118 des Züricher .Volksrecht" vom 22. d. M. berichtet. Der Fall Liebknecht machte den gesamten Inhalt der Grimm-Balabanoffschen Tiraden gegen die deutschenKlassen- und Schandurteile" aus, mehr Zündstoff vermochten die sauberenNeutralen" zum Scheiter- Haufen nicht beizutragen, auf dem im Sihlhölzli zu Zürich die deutsche Madame Jushtia schmoren sollte. Die schwedischen Schandurteile"(gegen dieJungsozialisten" Heden, Höglund und Oljelund) haben wir hier nicht zu vertreten; was aber Karl Lieb- k n e ch t anbetrifft, so liegt einmal noch gar kein Urteil also auch keinKlassen"- oderSchandurteil" gegen ihn vor; es könnte aus naheliegenden Gründen den schweizerischen Letztrichtern über die Justizaktionen der gesamten Kulturwelt vielmehr leicht passie- ren, daß ihnen dieser anscheinend so fetteantidcutsche Ent- rüstungs- und Protest Happen noch im letzten Augenblick aus den Fingern glitte, eine bittere Ent- täuschung mehr für sie und ihresgleichen zu den übrigen, die sie während des Krieges an dem vielverlästerten Teutschland icbon er- leben mußten. Und dann: muß man im Lande des gleichen Rechtes für alle nicht zugestehen, daß in Deutschland Dr. Liebknechts Trei- bereien gegenüber allerseits ein Maß von Nachsicht und Lang- m u t bekundet wurde, das ihm nirgendwo anders, am aller- wenigsten aber in der Schweiz oder in dem dort wegen seiner an- geblichenFreiheilen" soviel gerühmten Frankreich , während eines Krieges von der Art des gegenwärtigen, zuteil geworden wäre?! Auf keinen Fall kann also das bisherige Bor- gehen der deutschen Justiz gegen Dr. Liebknecht einen vernünftigen Anlaß zum Protest von Bür- gern eines neutralen Landes abgeben, es sei denn, daß es ihnen nicht.um die sachliche Seite des Falles zu tun ist, sondern um die Bekundung einseitiger nationaler Antipathien, der jedes Mittel recht ist." Der so schreibt, ist s o z i a l d e m o k r a t is ch e r Reichstags- abgeordneter, einflußreiches Mitglied derMehrheit" und Re- dakteur des sozialdemokratischen Mannheimer Blattes,(z)

Stellungnahme zu den Parteidiffcrcnzen. Die Kreisverfammlung-des 15. sächsischenWahlkreises Mittweida-Rochlitz-Flöha(Abgeordneter Genosse Stück- le n) beriet u. a. einen Antrag der Organisation Limbach, an Stelle des zweiten Preßkommissionsmitgliedes Köhler-Burkersdorf, der auf dem Standpunkt der Parteimehrheit steht, einen Vertreter der Minderheitzu wählen. Ueber diesen Antrag entspann sich eine rege Debatte. Er wurde schließlich gegen etwa 14 Stimmen angenommen und Granz-Limbach neben Lehmann-Mittweida in die Preßkommission gewählt. Die Ortsgruppe Limbach beantragte außerdem eine Resolution, welche die Zwistigkeiten in der Partei bedauert, aber sie für eine notwendige Folge der Haltung der Fraktionsmehrheit erklärt. Die Bewilligung der Kriegskredite stände in schreiendem Widerspruch zu den grundsätzlichen Auffassungen, welche die Partei seit mehr als 50 Jahren vertreten habe, und zu den Beschlüssen der Parteitage und der Internationalen Kongresse. Die Handlungsweise der Frak- tionsmehrheit, der Mehrheit des Parteivorstandes und der übrigen Partei instanzen sei daher ein schwerer Disziplinbruch, und es sei ein ganz verwerfliches Manöver, die Anhänger der Minderheit, die sich allein nach den Parteitagsbeschlüssen richteten, als Disziplin- brecher hinzustellen. Die Politik der Fraktionsmehrheit, die sich den imperialistischen.... angeschlossen und jede Selbständigkeit preis- gegeben hätte, stünde in schroffstem Widerspruch mit den Arbeiter- interessen und sei in höchstem Maße parteischädigend. Die Kreis- Versammlung solle dieser parteizerrüttenden Tätigkeit der Mehrheit des Parteivorstandes und der Fraktion die schärfste Mißbilligung aussprechen, die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft ersuchen, unbeirrt den.... nach den Parteitagsbeschlüssen weiterzu- führen und alle Mitglieder der Frakhon, welche sich nicht mit Haut und Haaren dem Imperialismus verschrieben hätten, auffordere der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft beizutreten. Auf Wunsch des Abgeordneten Stücklen wurde wegen der vor- gerückten Zeit die Behandlung der Resolution auf die nächste Kreis- Versammlung vertagt. Sie soll vorher in den einzelnen Orts- gruppen erörtert werden. » Eine Kreiskonferenz des Sozialdemokratischen Vereins für M a n s f e l d tagte am Sonntag in Eisloben. Der Geschäftsbericht ergab, daß die Mitgliederzahl unter den Einberufungen ziemlich ge- litten hat, während die Leserzahl des.Volksblattes' nur wenig zu- rückging. Nach einer längeren Aussprache über die Haltung der Reichstags fraktion wurde mit allen gegen eine Stim- me folgende vom Kreisvorstand vorgelegte Resolution angenommen: Die Kreiskonferenz bedauert die Fraktionsspaltung, die durch das diktatorische unsozialistische Verhalten der Fraktionsmehrheit veranlaßt wurde. Sie verurteilt ferner das Vorgehen des Par- teivorstandes sowie des Parteiausschusses gegen die Minderheit und deren Organe. Die einseitige Haltung verschiedener Partei- blätter ist nicht geeignet, die Einigkeit in der Partei zu fördern. Die Konferenz hofft, daß die organisierte Arbeiterschaft den Willen zur Einigkeit in Bälde durchsetzt und sei es über die Köpfe gewisser Führer hinweg." Der letzte Satz fand auch die Zustimmung des einzigen Mehr- heitsanhängers. Ein Antrag, nach welcbem der Kreisvorstand die Partei-Korrespondenz" den Funkhonären wieder zu- stellen solle, wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt. Als Kandidat für die Reichstagswahl wurde Genosse Adolf Hoff» mann- Berlin einstimmig wieder aufgestellt. Berichtigung. In der in der DienstagSnummer abgedruckt«, Zuschrift des Genossen Wels über die Kreiskonferenz in Potsdam - Osthavelland heißt es, daß die dritte Resolution mit 7 gegen 14 Stimmen abgelehnt wunde. Es mutz jedoch heißen mit 12 gegen 14 Stimmen._

verantw. Redakt.: Alfred LZielepV. Neukölln- Inseratenteil verantw. Tb. Glocke. Berlin . Druck u. Verlag: Borwärt» Bucbdr. u. VerlagSanstatt Paul Singer ch Co� Berlin S1V. Hierzu 3 Beilage» u. Uutcrhaltungsbl.