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Nr. 222.

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Telegramm Adresse:

Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 151 90-151 97.

An der Schwelle

des dritten Kriegsjahres.

Ein ungehaltener Vortrag von Ed. Bernstein.

I.

Vor Sonnenaufgang- so lautet der Titel des ersten Dramas, mit dem Gerhard Hauptmann , einer der größten lebenden Dichter Deutschlands , vor das deutsche Volf trat. Er war symbolisch zu verstehen. Es ist Nacht in diesem Stück.

Auch heute, an der Schwelle des dritten Jahres des furchtbaren Krieges, der am 1. August 1914 seinen Anfang nahm, umgibt uns eine geistige Atmosphäre, die wir Sozial­demokraten unserer Weltanschauung gemäß als Nacht be­trachten. Nacht herrscht vor in bezug auf den großen Ge­danken, der unser ganzes politisches Tun beseelte, der uns Antrieb, Kompaß und Ziel war: der Gedanke von der Soli­darität der schaffenden Menschheit.

Wir sind heute, nach zwei Jahren Krieg, wie ihn so mörderisch und zerstörend die Welt noch nicht gesehen, noch völlig im Ungewissen, wann dieses Weltenunheil einmal sein Ende nehmen wird. Alle Berechnung des Stärkeverhältnisses der Kräfte und Gegenkräfte, die sein Walten bestimmen, hat sich noch als trügerisch erwiesen.

Montag, den 14. August 1916.

Meldung des Großen Hauptquartiers.

Amtlich. Großes Hauptquartier, 13. August 1916.( W. Z. B.)

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Weftlicher Kriegsschauplah. Zwischen Thiepval und der Somme faßten gestern unsere verbündeten Gegner ihre ganze Kraft zu einem einheitlichen Angriff zusammen, der nach vor­aufgegangenen begrenzten Kämpfen am Nachmittag im Abschnitt Ovillers- Pozières nachts auf der ganzen Linie vorbrach. Unter den schwersten Verlusten für den Angreifer ist der Stoß zwischen Thiepval und Guille­mont zusammengebrochen. Weiter füdlich bis zur Somme kam es mit den immer wieder anlaufenden Franzosen zu schweren Nahkämpfen; sie wurden die ganze Nacht hin­durch fortgesett und sind bei Maurepas und östlich von Hem noch im Gange.

Hart südlich der Somme scheiterte ein franzöfifcher Angriff gegen Biaches restlos bereits in unserem Feuer. Auf der übrigen Front hat sich nichts von besonderer Bedeutung ereignet.

Unsere Patrouillen machten nordöstlich von Ver­melles, bei Combres und südlich von Lusse in der feind­lichen Linie Gefangene. Unternehmungen gegnerischer Erkundungsabteilungen an mehreren Stellen wurden

abgewiesen.

Ein englischer Doppeldecker ist füdwestlich von Bapaume abgeschossen.

Dem an den erfolgreichen Luftkämpfen füdlich von Bapaume am 9. August beteiligten Leutnant Frankl hat Seine Majestät der Kaiser den Orden Pour le mérite verliehen.

Deftlicher Kriegsschauplak. Front des Generalfeldmarshalls von Hindenburg .

Nuffische Vorstöße südlich von Smorgon und bei Lubieszow blieben erfolglos.

Westlich von Zalocze wurden feindliche Angriffe abgewehrt.

Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl Westlich

von Monasterzyska , sowie an der Bystrzyca­Front südwestlich von Stanislau wurden die angreifenden Ruffen, zum Teil durch Gegenstöße, zurückgeworfen. Balkan - Kriegsschauplah.

Keine Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151 90-151 97.

Der österreichische Generalstabsbericht.

Wien , 13. Augnft 1916.( W. 2. B.) Amtlich wird ver­lautbart: Russischer Kriegsschauplas.

$ eeresfront des Generals der Kavallerie Heti Erzherzog Carl

Südöstlich von Worochta behaupteten unsere Truppen ihre Stellungen gegen neuerliche heftige Angriffe. Der Feind erlitt cinen vollen Mißerfolg.

Unmittelbar westlich von Stanislan wurden zwei russische Divisionen in erbitterten, Tag und Nacht über an­dauernden Kämpfen zurückgeworfen.

Deftlich des Dinestr standen auf unserer Seite nur Truppenteile untergeordneter Stärke im Gefecht. Heeresfront des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg .

Westlich und nordwestlich von 3 alocze wehrte die Armee des Generalobersten v. Bochm- Ermolli abermals russische Massenstöße ab.

Im Raum von Brody schoß ein t. und L. Kampfflieger ein feindliches Albatrosflugzeug in Brand, es stürzte ab.

In Wolhynien und am Stoch od flaute der Kampf ab. Es ist zuverlässig festgestellt, daß bei den letzten großen, pöllig gescheiterten Angriffen des Feindes gegen die Stochodfront auch alle Abteilungen der russischen Garde eingesetzt worden find und daß diese hierbei noch schwerere Verluste als die anderen feindlichen Heereskörper erlitten haben.

Italienischer Kriegsschauplah.

Die Jtaliener gingen an unsere neue Front zwischen dem Meere und dem Monte San Gabriele mit starken Kräften heran. Im Abschnitt östlich des Valonetales hatten unsere Truppen mehrere Angriffe abzuweisen. Zu sehr heftigen Kämpfen kam es wieder auf den Höhen östlich von Goerz, wo ficben starke Stürme des Feindes unter schwersten Verlusten scheiterten. Seit Beginn des italienischen Angriffs blieben fünftausend Gefangene, darunter über hundert Offiziere, in unseren Händen.

Südöstlicher Kriegsschauplak. Außer der gewöhnlichen Gefechtstätigkeit an der unteren Vojusa teine besonderen Begebenheiten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See.

In der Nacht vom 12. auf 13. wurden die Luftschiffhallen von Campalto bei Venedig von einem Seeflugzeuggeschwader vollkommen zerstört. In einer Halle explodierte ein Luftschiff mit 500 Meter hoher Stichflamme. Die andere Halle brannte ohne Explosion nieder. Gleichzeitig belegte ein anderes See­flugzeuggeschwader die Flugzeughalle von Gorgo, die Anlagen in Grade, die Batterien an der Isonzomündung und die Adria­werke mit sehr gutem Erfolg. Mehrere Volltreffer in die Flug­zeughalle und die Batteriestellungen und ein halbes Duhend Brände wurden einwandfrei festgestellt. Ein drittes Geschwader erzielte mehrere Bolltreffer in den Batterien der Isonzo­mündung und militärischen Objekten in Pieris und San Canzia. Trog heftigen Abwehrfeuers bei allen Angriffen find sämtliche Flugzeuge wohlbehalten zurückgekehrt.

Flottentommand's.

Blicken wir zurück auf die Monate des Jahres 1914, die dem Eintritt der Ratastrophe vorangingen. Wer in der Lage ist, die Hefte April bis Juli 1914 irgend einer der Zeitungen durchschen zu können, welche über die Vorgänge auf dem Welttheater ohne hetzerische Absichten zu berichten pflegten, ob es der Vorwärts", ein anderes sozialdemokratisches Blatt oder selbst ein leidlich liberales bürgerliches Blatt sei, der wird er­staunen, auf wie viele Zeichen zunehmender Friedensstimmung und Friedenssicherheit er dort stößt. Die freundschaftlichen Besuche repräsentativer Vertreter der verschiedensten Schichten der Bevölkerung von Land zu Land häufen sich, ganz besonders eifolgreich fällt die zweite deutsch - französische Verständigungs­fonferenz aus, die am 30. Mai 1914 in Basel zusammentrat. Die französischen Delegierten pertreten Parteien, die zusammen vier Fünftel der Deputiertenkammer ihres Landes bilden. Aus Deutschland sind diesmal außer Sozialdemokraten und Volfsparteilern auch Mitglieder der Nationalliberalen und der Zentrumsfraktion anwesend. So hoffnungsfreudig ist die Stimmung, daß beschlossen wird, noch im gleichen Jahr an ein und demselben Tage eine interparlamentarische Versammlung in Frankreich und eine in Deutschland abzuhalten, auf denen Redner der beiden Nationen Ansprachen im Geiste der Konferenz halten sollten, die sich unter anderem sehr entschieden für schiedsrichterliche Regelung der Streitfälle zwischen den Nationen ausgesprochen hatte. Die französischen Teilnehmer konnten darauf hinweisen, daß bei den socben stattgehabten Kammerwahlen die Sozialisten und die ihnen nahestehenden bürgerlichen Verfechter einer ent­schieden friedensfreundlichen Politik die unbestrittene Mehrheit erlangt hatten. In England ernennt im Juni die unionistisch­konservative Universität Orford den deutschen Botschafter Fürsten Lichnowsky zu ihrem Ehrendoktor als Zeichen der hohen Würdigung seiner Verdienste um die Verbesserung der deutsch - englischen Beziehungen, und noch in den letzten Tagen des Juli 1914 wird Herr Ballin, der Generaldirektor der Hamburg - Amerikanischen Paketfahrtgesellschaft, auf einem Be­such in London von der Kaufmannschaft der City von London berbindungen aller Art verknüpften Gewerbetreibende Deutsch - Gawrilo Prinzip, waren von Geburt Bosnier, aber Anhänger mit großer Wärme als Friedensbote gefeiert. Staatsmänner, lands mit solchen dieser Länder. der Idee eines Großserbien, das alle serbisch sprechenden Gelehrte, Industrielle in beiden Ländern betonen in Zu Einzig zwischen Rußland und Desterreich- Ungarn lag Südslawen , also neben den Serben des Königreichs Serbien schriften an angesehene Zeitungen und Zeitschriften die Not- Konfliktsstoff in der Luft, genährt durch die Entwicklung der auch die unter österreichisch- ungarischer Herrschaft stehenden wendigkeit und Möglichkeit andauernd freundschaftlicher Be- Dinge auf dem Balkan , die eine für Desterreich- Ungarn un- Bosnier, Herzegowiner, Stroaten, Slowenen usw. umfassen ziehungen zwischen beiden Ländern und im deutschen Reichstag angenehme Wendung genommen hatte. Indes hatte die sollte; die gegen sie angestellte Untersuchung ergab, daß wurde vom Regierungstisch aus wiederholt hervorgehoben, daß Londoner Botschafterkonferenz von 1912/13 gezeigt, daß sie Mitwisser und Helfer ihres Attentatsplanes in Belgrad die Beziehungen des Reiches zu England sehr gute feien. über diese dornigen Balkanfragen selbst in schwieriger gehabt hatten. Die dafür genannten Personen gehörten der Auch war es nicht bei Worten geblieben. Zwischen Frankreich Situation eine solche Verständigung zwischen den Mächten extremen serbischen Nationalpartei an, die gegen das und Deutschland war Einigung über den Ausgleich in der zu erzielen war, daß wenigstens daß wenigstens ein Krieg dieser serbische Ministerium Paschitsch in Opposition stand. Frage der Kleinasiatischen Bahnen erzielt, zwischen England gegen einander vermieden werden konnte. Zündstoff lag auf Es ist denn auch selbst von österreichisch- ungarischer Seite mit und Deutschland war ein Vertrag über die Bagdadbahn ver- dem Balkan noch immer aufgehäuft. Der Butarefter Friede teiner Silbe der Verdacht geäußert worden, daß die serbische einbart und schon unterschrieben, wonach die Bagdadbahn hatte, gerade weil auf Desterreich- Ungarns Wünsche besondere Regierung irgend etwas mit dem Attentat zu tun gehabt vollständig unter deutsche Verwaltung kommen sollte, und Rücksicht genommen worden war, keine Erledigung der habe. Alle von dieser Seite erhobenen Anklagen gegen sic ebenso ein zweiter Vertrag, der Deutschland eine Ausbreitung zwischen den Balkanvölkern obwaltenden Gegensäge gebracht, lassen sich in den Vorwurf zusammenfassen, daß sie der all­seines Rolonialbesites in Südwest- und dem südlichen Zentral- welche die Geister dort auf die Dauer befriedigen konnte. Aber serbischen Bewegung nicht energisch genug entgegengetreten Afrifa zusicherte, fraft dessen die direkte Verbindung mit im Angesicht der Tatsache, daß die slawischen Baltanstaaten sei, nichts getan habe, deren gegen Desterreich- Ungarn hezende Deutsch- Ostafrika hergestellt worden wäre, das dortige deutsche soeben durch zwei Striege materiell und finanziell start mit- Literatur zu unterdrücken. Was die serbische Regierung mit Solonialgebiet sich somit vom Atlantischen bis zum Indischen genommen waren, durfte man hoffen, daß eine kriegerische dem Hinweis darauf beantwortet hat, daß die durch die Dzean ununterbrochen erstreckt hätte. Es stand überhaupt keine Verwickelung von dorther nicht zu gewärtigen war. Wohl ferbische Verfassung gewährleistete Preßfreiheit und Vereins­wirtschaftspolitische oder kolonialpolitische Streitfrage von irgend- stand das im wesentlichen Desterreich Ungarn zuliebe ge- freiheit ihr nicht die Mittel an die Hand gäben, mit Unter­welcher Bedeutung zwischen dem Deutschen Reich und den beiden schaffene Königreich Albanien infolge innerer Unruhen vor brückungsmaßnahmen gegen Presse und Vereine vorzugehen, Weststaaten zur Diskussion. Ebensowenig gab es Streit über dem Zusammenbruch. Doch waren es Griechen und Mu- auch wenn sie deren Treiben noch so sehr verdamme. solche zwischen Deutschland und dem russischen Reich. Die hammedaner, welche durch Aufstände den Bestand dieses neu­Wirtschaftsbeziehungen der drei Ententestaaten mit Deutschland gebackenen Stunstprodukts der Diplomatie ins Wanken gebracht Der französische Tagesbericht. hatten immer stärkere Zunahme erfahren. Von 31, Milliarde hatten, eine Erschütterung Europas drohte von dorther nicht. Mark Wert am Anfang des Jahrhunderts war Deutschlands Da wurden am 28. Juni 1914 in der Hauptstadt Bosniens , Baris, 13. August. ( W. T. B.) Amtlicher Bericht vom Außenhandel mit ihnen auf gegen 6 Milliarden Mart Wert im Serajewo, bei einer Besuchsreise des österreichisch- ungarischen Sonnabendnachmittag. Nördlich der Somme benüßten die Jahre 1913 gestiegen. Der Wert der deutschen Ausfuhr nach Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand auf diesen zwei Attentate Franzosen die Nacht, um ihre neue Front einzurichten. Ihre Er­jenen hatte sich von Milliarden auf 3.1 Milliarde Mart vollzogen, von denen das zweite diesen und dessen Gemahlin ums fundungsabteilungen drangen in das Gehölz östlich vom Bahnhof erhöht, von welch letterer Summe Großbritannien allein Leben brachte. Die beiden Attentäter, der 21 jährige Typo- bon em ein; sie fanden zahlreiche Leichen vor. Gegen 9 Uhr Waren im Wert von 1438 Millionen Mart aufwies. Handels- graph Nedelito Cabrinowitsch und der 19 jährige Student abends versuchten die Deutschen einen heftigen Gegenstoß und griffen

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