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Nr. 68.- 1917.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Sonnabend, 10. Mär

Erlebnisse einer Frontschauspielerin.

Aus dem Felde wird uns geschrieben: Die Eigentümlichkeit des Grabenkampfes hat schon lange die Anregung verwirklicht, dem Feldgrauen fünstlerische Unterhaltung zu bieten, denn der Kunst­genug bedeutet für die Soldaten nach all den Strapazen und Fähr­nissen des Grabenlebens ein wahres Labfal. Im Laufe der Zeit haben sich nun im Wesien einige feste Künstlergesellschaften gebildet, die naturgemäß des weiblichen Elements nicht entbehren fönnen. Diefe Gesellschaften, die unter der Obbut der militärischen Behörden stehen, reisen von Ort zu Ort, überall dahin, wo sich eine Aufführung ermöglichen läßt. Da ist bald die Turnhalle einer französischen Mädchenschule oder der Speicher einer Zuckerfabrik oder der Lager raum einer Glasfabrik oder ein ehemaliges Lazarett. Feldgraue Handwerker und Künstler forgen für die primitive Bühnen einrichtung, für Garderobenräume und anderes, und die Aufführung fann vor sich gehen.

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Mancher in der Heimat wird vielleicht denken, daß die Künstler an der Front ein angenehmes abwechslungsreiches Leben führen. Allerdings! Abwechslung gibt es genug. Das merkt man schon, wenn man sich das Tagewerk der Künstler anschaut. Morgens früh im Winter besonders angenehm geht es mit der Bahn stunden lang irgendwohin. Am Orte angekommen, begibt man fich zu nächst ins Duartier, wo häufig genug das Lager aus einem Stroh jack besteht. Aehnlich primitiv sind die ganzen Quartiere, ist die übrige Lebenshaltung. Rachmittags wird auf der Bühne" geprobt, und abends findet die Vorstellung statt. Daß man da nach getaner Arbeit müde zum Umfallen ist, fann man sich vorstellen. Den Stünstlern an der Front geht es also nicht so angenehm, als wenn im Frieden die Diva von Stadt zu Stadt reist, erster Staffe fährt und in den ersten Hotels absteigt. Ich habe mich oft gewundert, woher namentlich die Damen die Straft nehmen, all diese Strapazen auszubalten.

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Einmal," so erzählte mir eine Frontschauspielerin, mit der ich fürzlich in einer fleinen französischen Stadt zusammentraf, mußten wir nachts in Sedan bleiben. Ilebernachten fonnten wir nirgends, und so nahmen wir unsere Zuflucht zu dem Gepäckraum am Bahn­hof, wo wir schließlich trotz der Kälte einschliefen, und zwar so fest, daß wir am anderen Morgen fast den Zug verpakt hätten." Wie geiagt. abwechslungsreich ist das, aber nicht gerade angenehm. Und dann der Morast! Wenn nämlich hier im Besten die Regen­periode einießt, dann regnet es auch gründlich, so daß, die Wege bald genug unergründlich werden. Die zahllosen Wagen, Munitions tolonnen, Lastautos, Bagagewagen und andere Striegsgefährte tragen auch nicht dazu bei, die Straßen gangbarer zu machen, so Daß es oft ein Kunststück ist, in diesem fagen wir es ruhig Dred überhaupt vorwärts zu kommen.

nicht nur unsere Bewunderung, fondern auch die derer dabeim ver- rascht, einen englischen Artillerieoffizier seinen Brief mit den bient.

Folgende Borte aus dem an eine Frontschauiwielerin ge­richteten Briefe eines Offiziers fagen das in rührender Einfachheit: Wir freuen uns allein schon, wenn die Außenwelt an uns denkt. Lebewesen aus ihr sind ja in unserer eisenhaltigen Atmosphäre nicht eristenzfähig

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Heber

Das Ziel der Technik.

Dr. Zidimmer, Direktor des Gaswerts Schott u. Genossen, Jena , im Die Philosophie der Technit" sprach am Mittwoch Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht.

Menichen

wat

und feine

Worten beginnend zu sehen: Wenn der Krieg einem eindrudsvolle Erregung berschaffen soll, so ist er eine Enttäuschung." Diese sonderbare innerliche Unbeweglichkeit und Stumpfheit hindert den englischen Soldaten allerdings nicht, es gelegentlich im Aufschneiden mit seinen Kameraden aus anderen Heeren aufzunehmen. Auch er versteht den Münchhausen zu spielen: Entschuldige dieses Ge­fribel" so schreibt z. B. einer ,, die deutschen Granaten haben mich bereits sechsmal unterbrochen und ich mußte zum Bajonett­Briefen im allgemeinen von sachlicher Ehrlichkeit, und besonders angriff vorgehen, che ich mein Schreiben ganz beenden konnte." Solcher Aufschneidereien unerachtet, ist Tommy Atkins in seinen zum ersten Male in die Schlacht geht, wird offen bekannt; ein junger seine persönlichen Gefühle. Daß es entnervend wirkt, wenn es bekennt er viel aufrichtiger, als das je ein Franzose tun könnte, Soldat gesteht, er habe im ersten Gefechte zehnmal nach Mutter sei in der ersten Schlacht nicht bange gewesen, so können Sie sicher gerufen, und summarisch bemerkt einer: Wenn einer erzählt, ihm jein, daß er lügt."

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Wirklichkeiten, deren zwei Grundbegriffe sich nicht widersprechen, aber Bom fantischen Standpunkt aus sind Natur und Kultur atvei auch nicht auseinander ableiten lassen. Raturwissenschaft und Geisteswissenschaft verhalten sich wie Mathematik und Stunit­geschichte-: ohne Widerspruch, aber auch ohne innere Beziehung und hädel für das Recht der Naturforschung fämpften, auch den zu einander." So notwendig es war, daß Männer wie Darwin Diese Sachlichkeit tennzeichnet in der Mehrzahl der Fälle auch stehen, so notwendig ist es heute, zu begreifen, daß Kultur Ausdrüde der Bewunderung über die deutsche Disziplin sind häufig, Geschichte faujalgefeßlich zu ber­die Urteile eines englischen Soldaten über unsere Feldgrauen. mehr ist durch den Stempel des Geistes veredelte Natur." Der Geift ist fein Sunnen und Barbaren findet sich in englischen Feldpostbriefen so als bloße Natur: Kultur ist böher bestimmte, Schmähworte nach übler französischer Art fehlen ganz, und von gasförmiges Wirbeltier", wie Hädel sagt, sondern der Inbegriff gut wie gar nichts. Ein Korporal beschreibt als unvergeßliches Er­ der Ideen. Jbeen sind die allgemeinſten Zwedbegriffe menich eignis einen deutschen Angriff, der in dichten Massen im ruhigen lichen Schaffens, die unableitbaren Grundzwede der Kultur- Marschtempo unter dem Gefange des Liedes Deutschland , Deutsch­geschichte. als Stulturwert zu verstehen. Nach der Idee der Technik müssen wir fragen, um ihren Sinn Kolonnen zusammengehalten habe. land über alles" erfolgte und bei dem eine eiserne Disziplin die Nach Berlin zu gelangen, den Grundpfeiler der Philofophie der Technik". Die Antwort auf diese Frage bildet wird kein billiger Ausflug sein," bemerkt der Briefschreiber, dem wortet sie durch den geschichtlichen Nachweis, daß die Urmenschen sicht gestellt hatten, sichtlich ernüchtert. 3schimmer beaut die famosen Werbeplafate wohl den Ausflug nach Berlin " in Aus­bereits Erfindungen machten, bevor fie Werkzeuge schufen: Soviel geht aus den englischen Feldpostbriefen hervor, daß der Das erste Haus ward ohne Werkzeug erbaut, Den ersten Engländer im Grunde genommen eine ziemlich unfriegerische Natur Herd schentte dem Menfchen die Natur. Sein erstes Schiff ist. Ein Offizier schreibt über seine Soldaten ganz offenherzig, es pflanzen verknüpft." Nicht das Werkzeug, sondern der geistige Bille, aber sie seien felten. Es ist Tommy Atkins nach und nach auf­ein Floß aus Baumstämmen, mit Ruten und Siing gäbe ja wohl Reute, die sich lieber schlügen, als gut frühſtüden, die Absicht des Erfinders, unterscheidet den Urmenschen vom Tier das letzte Ziel liegt aber nicht in den toten Gegenständen, sondern und er muß nun durch, wohl oder übel, aber das Heimweh zieht sich gegangen, daß das Messer in diesem Kriege England am Halse sigt, in dem lebendigen Gebrauch dieser Gegenstände. Nicht das Haus, durch alle seine Briefe. Ein eigentümlicher englischer Zug it sondern das Wohnen ist das Ziel der Bautechnik. Bendet man schließlich die oft wiederkehrende sportliche Färbung der Briefe. Man diefe Betrachtung auf alle Erfindungen an, io exfemt man ihren erhält wirklich oft den Eindrud, daß sie aus einem Heere von Grundzwed in der Abficht, die Freiheit über die Materie Sportsleuten stammen. Vergleiche aus dem Fußball oder dem zu gewinnen. Frei bin ich, wenn ich fann, was ich will." 23eil ridet sind häufig und werden mit Stenntnis bis ins einzelne uns die Natur in Stetten geboren hat, deshalb erwacht mit dem durchgeführt. Funken des Geistes die dee der Freiheit: die dee der Technik. Ohne den beständigen Kampf um die Freiheit würden wir ein fümmerliches Dafein auf diesem Planeten führen und beizeiten zu Bei M...", plauderte die junge Schauspielerin weiter, war Erfindern, in Millionen von schaffenden Technifern aller Berufe Grunde geben. Die Jdee der Technik lebendig in Millionen von die Gegend derartig morastig, daß wir tatsächlich im Schmuze bewahrt die Menschheit vor diesem Schicksal." Reben die drei stecken blieben und nicht weiter fonnten. Fast bis zum Knie fanten wir ein. Aber man tam uns zu Hilfe und verabreichte uns heit, der Schönheit und der Gerechtigkeit tritt mit der Technik die großen, bisher widerspruchslos anerkannten Stulturideen der Wabr­Kommistiefel! Richtige preußische Stommißftiefol. Das Gehen war zwar damit etwas ungewohnt, aber es ging bodi ichließlich! gabe der Philofophie der Technik fann feine andere sein, als: das Jdee der Freiheit das heißt der Macht über die Natur. Die Auf­Hebbels Subith" wird jetzt im Deutschen Theater Als wir nun in den Ort einzogen, stürzten die Soldaten an die technische Schaffen und Leben im Lichte diefer Idee zu erbliden im Rahmen des deutschen Zyklus gespielt. Wegeners grandiofer Fenster und riffen Mund und Augen auf. Es muß auch zu drollig und ausgesehen haben!" Daß die in aller Eile bergerichteten, oft brei übrigen Ideen der Stultur zu bestimmen. aus diefer Erkenntnis heraus ihr Verhältnis zu den Holofernes und Marie Feins Judith sind bekannt. Die letztere ist unterirdisch und bombensicher angelegten Theatergebäude" mit fann Selbstzwed ſein, Steine Idee immer noch problematisch. Hoffentlich wird der deutsche Zyklus in alle dienen der unseren beimischen Vorstellungen solcher Bauten oft wenig Aehnlich bindung zum Ganzen der Kultur. harmonischen Ber - der angefündigten Form durchgeführt und nicht bloß mit alten Für das Ganze ist die Technik Repertoirestücken aufgefüllt. feit haben, läßt sich denken. gab es nur eine einzige von derselben Bedeutung wie die Wissenschaft, die Kunst und das Bühne, faſt nicht größer als ein Rudelbrett," Recht. Die Nache am 3enior. Das eben im Leffingtheater erzählte die Schauspielerin, und inz unierer Garderobe aufgeführte Luftipiel Die Sorina" behandelt allerlei Lächerlichkeitent Es ist die höchste Zeit," sagt 3ichimmer, daß dem llaifischen der ruifiichen Zenfur. Schwerhörige fragten denn auch, was uns durften wir beileibe nicht fest auftreten, sonst fiel unseren Sumanismus flar gemacht wird, daß jedenfalls wir Deutsche die das Stüd folle. Der Verfaffer Georg Staffer gibt die Antwort: Herren, die unter uns hauften, det Stalt in großen dee der Freiheit der Macht über die Natur Stüden auf den Stopf." Und das Spielen an der Front ist natür. Gütern der Menschheit zählen, und daß wir keine Lust haben, das verboten. Und da es sich um einen seit Jahren um den Weg zur zu den höchsten Es find 3-4 Stüde von ihm in verschiebenen deutschen Städten lich auch nicht ohne Gefahr. Besonders find es die feindlichen Recht auf Verwirklichung diefer Jbee bis in alle Zukunft den Briten Bühne ringenden Dichter handelt, fann man es ermessen, was es Flieger, vor deren Bomben man nie sicher ist. Aber unsere Front zu überlassen." In einem Aufruf an die Erzieher zu deutscher heißt, wenn ihm nun schauspielerinnen fennen ebenioweng Angst wie die Feldgrauen. Geistesbildung schließt der Vortragende mit der Forderung, eine alle Zugänge abschneidet. Die Sorina" war ihm ein Ventil, durch wo sich sein Geschick aufhellt die Zenfur Am herrlichsten habe ich immer in einer Billa gefchlafen, vor der Stuitur zu bauen, bei der fein Glied zum Ganzen fehlt, eine das er sich feine Empörung gegen die Zensur vom Halfe schaffte. ich gewarnt wurde, weil sie dicht beim Bahnhof lag und schon mehr Kultur, geitügt auf die vier ewigen Ideen: Wahrheit, Schönheit, fach von feindlichen Fliegerbomben beschädigt war Gerechtigkeit und Freiheit."

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Die Leute dabein denken vielfach, wir sind zum Amusement ba. als ob wir nicht eine hobe, heilige Aufgabe hätten. Dem gegen­

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über muß ich betonen, daß jeder Feldgrane uns mit einer Chr- Tommy Atkins im Spiegel seiner Feldpostbriefe.

erbietung entgegenkommt, die den einfachsten Mann zum Kavalier stempelt. Wie oft werde ich von Soldaten gebeten, doch einige Borte mit ihnen zu sprechen, weil sie gerne mal wieder eine deutsche Frauenitimine erflingen hören möchten. Ein anderer fagte einmal, daß er immer an feine liebe Mutter denken müßte, wenn er mich sprechen hörte!" In der Tat: man fanu fich dabem feine Vorstellung davon maden, wie schwer es für den Frontsoidaten ist, sich all des Heimatlichen entwöhnen zu müssen, und wie beglückt der Feldgraue ist, wenn er einmal wieder deutsche Kunit, deutiche Worte von deutichen Frauenlippen hört. So erfüllen uniere tapferen Frontichauspielerinnen eine hohe, edle Aufaabe, die gange, willensstarte Beriönlichkeiten erfordert und deren Erfüllung

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Der Polizeimeister.

Ein russischer Polizeiroman

von Gabryela Zapolska.

Während er sich seinen Gedanken hingab, ließen sich Schritte in der Dunkelheit vernehmen.

Einer schildert z. B. ein ganzes Gefecht als eint Fußballspiel: Der Kampf um den europäischen Ehrenbecher wird noch ausgespielt, und ich wage zu behaupten, es ist ein Rekordtor, obwohl man vom Felde aus nicht die Zuschauer sehen fann." In diesem Tone geht es weiter und bis zu Ende, und so bleibt der Engländer auch im Schüßengraben, was er im Frieden ist, ein leidenschaftlicher Sportsmann. ( z)

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Notizen.

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Ein deutscher Verein für Buchwesen und Schrifttum wird in Leipzig geplant. Es handelt sich um eine Fortführung jener Bestrebungen, deren gewaltiger Ausdrud die hervorragendites reales Biel wurde die Errichtung eines umfassenden Beltausstellung für Buchgewerbe und Graphik gewesen war. Als Bis zu einem gewissen Grade gleichen sich die Soldatenbriefe Museums in Aussicht genommen. Weiter sollen Vorträge und bei allen friegführenden Völkern, aber bei jedem haben sie auch Wanderausstellungen im Inlande wie dem neutralen Auslande wieder einen gewissen, sie scharf unterscheidenden Zug. Der der unternommen werden. Schließlich wird eine Zeitschrift Nechenschaft englischen Feldpoftbriefe ist ihre Rüchternheit, ihre Sachlichkeit. Sie und Kenntnis aller Bestrebungen und Bemühungen vermitteln. erinnern an den englischen Geschäftsbrief, und man fann mit Das Unternehmen wird einer idealen deutschen Kulturpropaganda einiger Uebertreibung sagen, hat man einen britischen Feldpostbrief dienen können. gelesen, so fennt man alle. Es ist, wie Winfried Lüdede in einem-Arbeiten deutscher Kriegsgefangener werden Auffaze in der Zeitschrift leber Land und Meer" jagt, nicht leicht, auf Veranlassung der Heeresverwaltung vom 14. bis 18. März int in Tommy Atkins Feldpostbriefen persönliche, besondere Züge zu Frankfurt auf einer Muster- und Berkaufs- Ausstellung gezeigt entdecken. Es ist bezeichnend, daß selbst die stärksten Eindrüde den werden. Die Ausstellung wird ein Bild der Tätigkeit der deutschen englischen Soldaten wenig erregen, und man ist immerhin über- Striegsgefangenen in der Schweiz geben.

,, Aber ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie auf der Grenze damit vorsichtig sein müssen." Es sind also

Verbotene Schriften. Wir haben das Vertrauen, daß es Ihnen gelingt, sie hinüber zu bringen."

Alizti zögerte einen Augenblic; noch lehnte fich die Ver­nunft in ihm auf, aber bei der Erinnerung an feine letzten Erlebnisse wehrte er alle Bedenken ab und sagte, indem er die Hand ausstreďte: Geben Sie her!"

II.

Im Städtchen. Eine Abendgesellschaft bei Horsti. Der Protest wir d unterschrieben. Der Herr Polizeitommiffar bummelt Jm Séparé. Seft und Danten. Die Abendgesellschaft bei Horskis verlief sehr lebhaft und geräuschvoll. Jm Speisezimmer glizerte das Silber und Glas im Licht der brennenden Lampen und Kandelaber. Das Erscheinen eines Menschen versetzte Stligki wieder in Auf den Kartentischen, die in zwei Eden des Salons standen, die Wirklichkeit. Seit feiner Rückkehr nach Stratau verfolgte Lagen Kartenspiele und Kreide umher. Aber es wurde nicht ihn unaufhörlich ein solcher Schatten. Aber er war so un­gespielt, obgleich die Tische dicht von Gästen besetzt waren. greifbar und verschivand so unbemerkt, daß Selitti trotz seines Der Fremde reichte ihm das Päckchen, grüßte und wandte Diese steckten die Stöpfe zusammen und schienen über Bemühens ihm nie ins Gesicht schauen fonnte. Früher hätte sich zum Ausgang. etwas zu beratschlagen und zu entscheiden. Es schienen Slipti faum darauf geachtet, aber seit seinem Besuch in Polen " Wahrscheinlich einer von jenen," dachte Stligki, indem wichtige Dinge zu sein, die ihnen seit Jahren am Herzen hatte sich sein Spürsinn verschärft. er ihm nachschaute, die ihr Haus und ihre Familie verlassen lagen. Hauptsächlich waren es Kaufleute, teils wohlhabende, Sollte mich Tagejew auch hierhin verfolgen?" dachte er, haben, weil sie den ungleichen Stampf nicht länger mit an- teils weniger bemittelte, die sich bei Horsfi bersammelt hatten. während er den Nachhauseweg einschlug. sehen konnten, die aber mit ungebrochener Straft den ge- Die Versammlung hatte den Anschein einer Abendgesellschaft, feffelten Zurüdgebliebenen geistige Nahrung zukommen lassen. doch verriet die ausschließliche Gegenwart von Männern und Er freute sich, hierbei vermitteln zu können." zwar von Ladenbesizern, daß es sich nicht nur um einen der " Ich will's vor der Nafe der Gendarmen und aller Spigel üblichen Empfänge handelte. über die Grenze bringen," dachte er.

Es unterlag aber feinem Zweifel, daß er beobachtet wurde. Mit diesem unangenehmen Gefühl erreichte er sein Haus, öffnete das Tor und ging durch einen schmalen Hof, der zu seinem Atetier führte. Zu seinem Erstaunen bemerkte er, daß sich jemand hinter dem fleinen Buschwert des Hofes ver­steckte.

Er machte im Atelier Licht. Er sah sich von ganz all­täglichen Dingen umgeben, aber jeder Gegenstand erinnerte Selbst in meinem Hause sollte ich vor Tagejews ihn an irgendeine Etappe in seinem Leben und war ihm Schatten nicht sicher sein?" dachte er mit Zorn und um lieb. An den Wänden hingen Sfizzen und Zeichnungen, zu flammerte unwillfürlich die Waffe in der Tasche. Jm selben denen er zurückkehren wollte, wenn seine Lage ihm gestatten Augenblick bemerkte er, daß die Gestalt auf ihn zufam. Er würde, sich ganz der Malerei zu widmen. Aber heute betrachtete er die Wände seines Ateliers nur Es war ein schmächtiger, kleiner Mann in einem Capes, mit flüchtigem Blick. Das ihm eingehändigte Päckchen nahm der sich ihm näherte. Seine Bewegungen verrieten Jugend, ihn ganz in Anspruch. Er ließ sich auf den Diwan nieder und aber das blasse Geficht mit den tiefliegenden, seltsam leuchten- begann in den Broschüren zu blättern. Immer tiefer verſentte den Augen hatte nichts Jugendliches. In der Hand hielt der er sich in die Lektüre, bis seine Wangen erglühten. Eine ganz Mann ein kleines, in Zeitungspapier gehülltes Bädchen. Als neue Welt eröffnete sich ihm. er vor Klişki trat, fühlte dieser, daß es kein Feind war.

blieb also stehen und wartete.

Die Kerze war niedergebrannt, aber durch die Gardine " Ich soll Ihnen dies abgeben," sagte der Fremde, drang das unruhige Frühlicht des dämmernden Lages. Klikki ,, bitte!" lag regungslos da, den Blick auf die Wand gerichtet. Wie fonnte ich bisher so leben?" dachte er. Er blickte auf die Skizzen aus den verschiedenen Zeitpunkten seines

Von wem?" fragte Klitti.

"

Was liegt daran... wichtiger ist, für wen. Sie reifen doch wieder nach Polen ... übergeben Sie dieses Lebens. Päckchen mit Broschüren dem jungen. Ah!"

Das war früher mein einziges Ziel und mein einziger Wunsch... und heute?"

Janta servierte den Tee, aber das Mädchen war unter allerlei Vorwänden einige Male in den Salon gekommen, ob­gleich man sich alle Mühe gab, fie fern zu halten.

Horsti machte der Tochter Borwürfe. Ich habe dir doch streng angesagt, feine fremde Person hereinzulaffen. Willst du, daß unser Plan vorzeitig bekannt wird, damit daß Tagejew ihn zuschanden macht? Du weißt doch, wie viel Mühe es mich gefoſtet hat, sie alle hier zu versammeln und zu einmütigem Vorgehen zu veranlassen." Jankas Geficht wurde traurig.

Aber

Ich habe Juzia verboten, hereinzukommen. übrigens kann man sich auf sie verlassen!" Frauen sind immer Plaudertaschen. Ich bitte dich also, deine Juzia heute fern zu halten." Er betrat wieder den Salon.

Die Beratung war zu Ende. Nach langer Debatte hatte man sich endlich entschlossen, einen gemeinsamen Protest aller bedeutenderen Staufleute des Städtchens gegen Tagejews stets zunehmende Willfür zu verfassen. Dieser Protest sollte an den Gouverneur eingeschickt werden.

( Forti. folgt.)