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seien sie, wie sie offen sagten, entschlossen, die Haupt- frage des Krieges nicht der zufälligen Entschei- bung einer Diplomaten-Konferenz zu über- lassen. Bis die Lage so weit geklärt sei, daß eine Konferenz der Ententeregierungen sowie die Stockholmer Konferenz gesichert seien, zweifle er, Henderson, ob die gesamte russische Armee und die Mehrheit der gemäßigten Sozialisten, auf die so viel ankomme, für die Fortführung des Krieges ihr Bestes tun würden. Hinsichtlich der Frage einer internationalen Kon» ferenz fürchteten die russischen Sozialisten eine Majorisierung durch die Vertreter der Ententeländer, die ihre Regierungen bei der Führung des Krieges so stark unterstützt hätten. Sie seien der Ansicht, daß alle Regierungen nur die herrschenden Klaffen, die Kapitalisten und Imperialisten, die sie als Bourgeoisie bezeichnen, repräsentierten, und hegten gegen die französischen und britische» Arbeiter Mißtrauen, bloß weil diese für die gleiche Politik ein. treten, wie die von ihnen stark beargwöhnte Bourgeoisie. Nach einer Petersburger Korrespondenz an denManchester Gurdian" hat sich Hcnderson auf Befragen dahin erklärt, daß er bei den extremen sowohl wie bei den gemäßigten Sozialisten Ruß- lands noch vielMißverständniffe und Irrtümer* über die Inten­tionen der Alliierten in Mesopotamien , den afrikanischen Kolo- nien. Griechenland und Albanien vorherrschend fand:Sie meinen, daß diejenigen, die bereit waren, Rußland den Besitz von Konstantinopel zuzugestehen, unter dem Vorwand, daß Ar- menier, Araber und Afrikaner nicht mehr türkischer und deutscher Bedrückung unterworfen werden dürften, im Grunde Absichten nähren, die mit der Formel: keine Annektionen, keine KriegSent- schädigungen unvereinbar wären, der die Ruffen große Bedeutung beimessen." Merkwürdig, daß die Ruffen dasmeinen"! Den Trade-Unions wird, so meint Henderson weiter, von den Russen viel Schuld an der Lage beigemessen, weil sie den englischen Imperialismus unterstützen, und er fährt fort. Die Zusage, die Kriegsziele zu prüfen und, wenn nötig, zu revi- dieren, hat die Russen nicht zu überzeuge« vermocht, daß unsere Und ihre KricgSziele dieselben sind." Eigentümlich, daß auch dies Versprechen den ungläubigen Russen nicht genügt! Ununterbrochenes Vorüringen im Südosten. Berlin , 23. Juli. (W. T. B.) Am 28. Juli rückten die verbün- beten deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen in Ostgalizien rm Elltempo der Vortage vorwärts. Die geschlagenen russischen Verbände wurden beiderseits der Bahnlinie Kopyczynce Husiatyn gegen den Grenzfluß Zbrucz gejagt und über den Fluß nach Rußland zurückgeworfen. Südlich des Dnjestr machten die Russen abermals einen Versuch, den ungestümen Vormarsch der Unseren zu hemmen. Sie stellten sich südlich Horodenka erneut zum Kampfe und fochten ganz im Gegensatz zu den tendenziösen Meldungen der russischen Regierung mit großer Erbitterung. Der Widerstand wurde indessen in kühnem Ansturm von unseren Trup. Pen gebrochen und die geschlagenen russischen Verbände nach Süden und Südosten abgedrängt. Auch südlich des Pruth machten wir am 23. bedeutende Fortschritte. Südöstlich von Zablotow drangen wir in der Niederung des Pruth-Tales weiter östlich vor, während wir im Karpathenvorgelände das Czeremosz- Flußtal über- schritten und mit unseren Vortruppen bis zum Oberlauf des süd- lichen Sereth vorstießen. Auch in den Karpathen der Bu k o w i n a drangen wir mächtig nach Osten vor. Um die Luczyna- Höhe wird noch gekämpft. Wien , 28. Juli. Aus dem KriegSpreffequartier wird gemeldet: Nördlich des Dnjestr leistet der Feind keinen nennenswerten Wider- stand. Unsere siegreichen Truppen gewinnen zusehends Raum. Von Tarnopol bis Czortkow liegt der Sereth fast einen Tagesmarsch hinter der eigenen Front. Im unermüdlichen Marsche nähern sich dort die Heere der Verbündeten die R e i ch s g r e n z e. Längs dieser zieht sich der etwa S0 Meter hohe Miodo Boro hin. der nach uns zu steil abfällt und sich als Verteidigungsstellung gut eig- jien dürfte. Auch südlich des D n j e st r geht der Marsch der Armee Kritek und jener Teile der Armee Koeveß, die aus den Wald- karpathen in die Nebentäler des Pruth vorgedrungen sind, un- gehemmt vorwärts. Horodenko ist bereits in unserem Besitz, von wo nur mehr ein starker Tagmarsch zu dem ehemaligen Brücken- köpf von Zaleszyki ist. Der Russe hält nur jenen Teil der Waldkarpathenfront, der ihm die Flanke seiner beiderseits des Dnjestr und Pruth zurückgehenden Armee schützt. Südwärts K i r l i b a b a steht er noch in den alten Stellungen. « Russischer Heeresbericht vom 27. Juli. Westfront: N&rd- Ich vom Pripet war das Gewehrfeuer zwischen Smorgon und Krewo heftiger. Nördlich von Tarnopol hat der Feind Plotycza und Tschrstiluw am Sereth besetzt. Feindliche Angriffe östlich von Tarnopol auf der Front Lasorka Smykowetz wurden abgeschlagen. Südöstlich von Trembowla zogen sich unser« Truppen ein wenig auf neue Stellungen zurück. Angriffe deS Feindes in der Gegend von Taudorow nördlich von Tscherikow wurden durch unsere Truppen abgeschlagen. Am 25. Juli hatte unsere Kavallerie eine Reihe van ernsten Gefechten in der Gegend von Korosmiatyn, Kamarupka und südwestlich von KonastajlSko. Sie schlug die Infanterie des Feindes nach Nordwesten zurück. Der rapsere Regimentskommandeur Osetje Ketagurow wurde im Kampf getötet. Zwischen Dnjestr und Karpathen zogen sich unsere Truppen weiter nach Osten zurück. Rumänische Front: Die rumänischen Truppen rückten bis zur Quelle des Flusses Suschitzkt vor, wo sie sich verschanzen. Vorgeschobene Abteilungen rückten aus den Höhen westlich von Sovej weiter vor und machten Gefangene. Im Laufe des 26. Juli machten die Rumänen viele Gefangene und erbouteten sechs Ge- schütze, drei Maschinengewehre, drei Minenwerfer und ein« große Menge Munition und Kriegsgerät. Kaukasusfront: Unverändert. Der Ieuerkampf an üer Westfront. Berlin , 28. Juli. (W. T. 58.) An der Westfront wütete der Feuerkampf in Flandern auch am 28. Juli in gleicher unerhörter Heftigkeit. In der Gegend Boesinghe führten feindliche Jnfanterieunternehmungen zu erbitterten Kämpfen, die die ganze Nacht andauerten. Bei Wieltje wurden feindliche Teilangriffe blutig zurückgewiesen, ebenso zerschellten Angriffsversuche deS Feindes nördlich und südlich des Bellevaarde-TeicheS. Nördlich Waasten gewannen wir bei einem eigenen erfolgreichen Unter- nehmen Gelände. Auch im A r t o i S war das Artilleriefeuer schwer. In zahlreichen Patrouillenunternehmungen errangen wir wichtige Vorteile und brachten eine Anzahl von Gefangenen ein. An der Aisne front vermehrten die Franzosen ihre blutigen Verluste bei erfolglosen Angriffen südöstlich von AilleS um 6 Uhr vormittags und zwischen 3 und 11 Uhr abends, wo sie dreimal er- bittert mit starken Kräften angegriffen. Feindliche Bombenangriffe auf die Industrieanlagen von Diedenhofen und den Bahnhof Mülhausen verursachten keinen militärischen, sondern nur geringen Sachschaden, während unsere Zerstörungsgeschwader die feindlichen Industrieanlagen von Neuve-Maison und Pompey er- folgreich angriff«.,

Rotterdam , 29. Juli. DemNieuwe Rotterdamsche Eourant" wird aus Oostburg gemeldet: Noch immer hört man das ge- waltige Schietzen von der Westfront; nicht einen Augenblick wird es unterbrochen. Alles dröhnt. DemNieuwe Eourant" meldet man aus Aardenburg: Zweifellos wütet in diesen Strecken das heftigste Artrlleriefeuer, das noch je hier gehört war- den ist. Alle Kräfte werden beiderseits eingesetzt; unzählbare schwere Geschütze dröhnen andauernd. Das schwere Schiffsgeschütz mischt sich in den Streit. Nachts fortwährende Flammenglut am Himmel. Leuchtgranaten und Scheinwerfer gehen immer wieder in die Höhe. Die Fliegeraktion findet keine Unter- b r e ch u n g. Kein Tag geht vorüber, an dem wir sie nicht hören. Manchmal sehen wir sie einzeln und dann wieder in ganzen Schwärmen. Heftiges Schießen begrüßt sie. Das Abwehrgeschütz tritt in Aktion. Noch wenigen Minuten ist es wieder ruhig. Kleine Kriegsnachrichten. Die belgische Ministerkrise. Aus Le Havre wird demNieuwe Rotterdamsche» Eourant" gemeldet: Die belgische Ministerkrise ist so gelöst worden, daß iöaron de Broqueville das Kriegs- Ministerium verläßt und Mini st er des Auswärtigen wird. Kriegsminifter wird General de Oeuninck, der seit Ausbruch des Krieges Generalleutnant u»b Kommandeur der 6. Division der Armee an der Front war. Vandervelde behält sein heutiges Amt, aber dieses ist vom Kriegsministerium unabhängig geworden. Der neu« belgische Außenminister hat den Ruf, Interessent für annektionistische Bestrebungen zu sein. Der Fliegerangriff auf Paris . Agence HavaS gibt bekannt: Der deutsche Heeresbericht vom 28. Juli meldet, daß deutsche Nie- ger in der vorhergehenden Nacht in Paris Bahnhöfe und militä- rische Anlagen mit Bomben beworfen hätten und daß einige Treffer erzielt worden seien. Diese Behauptung ist unrichtig. Der Angrifssversuch feindlicher Flieger auf Paris hat keinen Verlust an Menschenleben verursacht und keinerlei Sachschaden angerichtet. Weiter meldet Havas gestern: Heute nacht um 12 Uhr 33 wurde in Paris ein neuer Fliegeralarm gegeben. Sirenen und Hörner der Feuerwehr ertönten. Sicherheitsmaßregeln wurden sofort ergriffen. Die neue norwegische Staatsanleihe von 43 Millionen Kronen ist mit 13 Millionen überzeichnet worden. T-ie Regierung übernimmt den ganzen gezeichneten Betrag von 53 Millionen. Ei» Ire im Unterhaus verhaftet. In der Sitzung am Donners- tag wurde der Ire Ginne ll ans dem Unterhause entfernt. Er hatte auf die Polizeiagenten aufmerksam gemacht, die auf den Galerien saßen und dabei gerufen:Das Leben der Parla- mentSmitglieder ist bedroht. Die Polizei wollte Bomben auf dl- Mitglieder werfen und dann behaupten, es sei ein Attentat von den Sinnfeinern verübt worden!" Als der Ire aus dem Saal entfernt wurde, rief er dem Sprecher zu:Sie sind e,n unheubarer Tor!" Der Vorfall verursachte große Ausregung im ganzen Hau,e. Athen ohne Ententetruppen. Havas meldet: Die französischen Truppen räumen die Stadt. Die Polizei hat eine letzte Frist von 8 Tagen für die Llvlieferung von Kriegswafsen gesetzt. Die Wirkung ües deutschen ßrieüensprogramms. Wo bleibt W. T. B.? Wer sich treuherzig aus W. T. B. verläßt der geht leicht in die Irre. Kaum eine Zeitungsstimme des femdlrchen Auslandes, die der Friedenscntschlietzung des Reichstages günstig klang, wurde der Ehre der Wiedergabe durch das halbamtliche deutsche Nachrichtenunternehmen gewürdigt. Ein schweizerisches Blatt, dieNeue. Züricher Zeitung. füllt diese empfindliche Lücke aus. Ihm entnehmen wir fol- gende Zusammenstellung: Eine Reihe bürgerlicher und sozealistlscher sran- zösifcher Blätter, wie dieInformation", derProgreS de Lyon", dieHumanite" und dasJournal du Pcuple", verlangen, daß die kommende Ententekons erenz in einer un- zweideutigen Erklärung zu der Friede nsrefolu- tion deS deutsche» Reichstags Stellung nehme, damit nicht der Eindruck entstehe, als vertrete nur Deutschland die Fricdenssachc. Diese Organe, die erst heute zur RcichstagSsitzung Stellung nehmen, sehen in der bekannten Friedensresolution ein bedeutsames Anzeichen für die Ernüchterung, aber auch für den ehrlichen V e r st S n d i- g u n g s w i l l c n des deutschen Volkes. DasJournal bu Pcuple", daS Organ der französischen sozialistischen Minderheit, schreibt zur Kanzlerrebc: Man muß taub und blind sein, um nicht sofort die vollkommene Niederlage deS Alldeutschtums zu erkennen. Michaelis scheint zu einem Frieden bereit, der jede Drohung wirtschaftlichen Boykotts vermeidet und jeden Aunexivnsgcdanken ablehnt. Ist daS nicht der gleiche Frieden, den Ribot und Lloyd George definierten? Ueber die Grenzen hinweg scheint man sich über den Grundsatz eine» Böllrrstaates geeinigt zu haben. Warum soll die Rechts- »rganisation, die die Zukunft regeln soll, nicht auch imstande sein, die Gegenwart zu ordnen? ES mangelt der Debatte an Offenheit und Mut. Die Staatsmänner halten sich oft an Kräfte gebunden» die längst tot sind. So geschieht cS auch bei uns, daß die Minister auf eine Stimmung Rücksicht nehmen, die im Lande ohne Ein- fluß ist. Der sozialistische Publizist Bictor Bäsch schreibt imPro- greS de L Y o u": Wenn auch unsere Zeitungen die große Er- schütternng, die sich bei unserem gefährliche» Gegner vollzieht, als Komödie hinstellen es bleibt deshalb nicht weniger wahr, daß die ReichStagSmehrheit die KriegSziclc aufstellt, die auch Wilson, die russische Revolution, England und Frankreich aufstellten: Keine Annexionen und Entschädigungen, Sclbstbestimmungsrecht der Böller, Demokratisierung Deutschlands . Alle Kriegführenden ohne Ausnahme sind über die Kriegszicle einig. Nur ein Punkt trennt uns von Deutschland : die elsaß - lothringische Frage. Wenn Deutschland da» Verbrechen von 1873/71 aner- kennt und zur Sühne bereit ist, ist morgen der Frieden möglich. DieInformation" schreibt: Die Reichstagsresolutio» ist sicherlich eine bedeutsame Kundgebung, obwohl sie nur eine unmündige Versammlung verpflichtet. Erinnert man sich an die Stimmung vor zwei Jahren, so sieht man, welchen Weg die Anschauung Deutschlands vom Frieden durchlaufen hat. R e- naudel sagt in derHumanitc": Die Kanzlerrcde bringt wiederum keine Klarheit über die deutschen Kriegszicle. Man sieht aber, daß sich der Ton feit der Rede Bcthmann HollwcgS im April 1916 geändert hat. DasO c u v r e" sagt: EL ist klar, daß Deutsch- land den Alliierten nicht nur Zugeständnisse, sondern sogar Avancen macht. Hier ist eine neue große Tatsache, baß sich zwei Drittel de» Reichstages bereit erklären, die Gründung einer internationalen Rechts- organisation aktiv zu unter st ntzcn. Mit anderen War- ten: Deutschland bittet, man möge ihm einen Platz im Völkerbünde reservieren, der nach Wilson das Ziel des Friedens ist. Das Oeuvre" fügt hinzu: Ob man diesen Wunsch erfüllen wird, ist allerdings eine andere Frage."> Mit Verlaub: Warum schien dem W. T. B. unwichtig und unwert der Wiedergabe, was einem neutralen Blatt be- achllich schien? FüHll sich W. T. B. berußen, nicht nur Herr

Sinn deutscher Erklärungen, wie sängst festgestellt� Nmzu- biegen, sondern auch dem deutschen Leser die Meinungen wichtiger Parteizeitungen zu verheimlichen und dadurch sein Urteil in die Irre zu führen? Und wenn ja, w a r u m?.! Mieterschutz. Beschlüsse des Bundesrats. Der Bundesrat hat dieser Tage eine Bekanntmachung zum Schutze der Mieter erlassen. Danach können die Landcszentral- behörden, soweit in ihren Gemeinden Einigungsämter be- stehen, den Einigungsämtern bestimmte Machtbefugnisse verleihen. Sie können auf Anruf eines Mieters über die LLlrksanckeit einer nach dem 1. Juni 1317 erfolgten Kündigung des iLermieters, über die Fortsetzung des gekündigten Miet- Verhältnisses und seine Dauer sowie über eine Erhöhung des Miet- zinses im Falle der Fortsetzung Bestimmungen treffen. Das Cinigungsamt kann ferner auf Anruf des Vermieters einen mit einem neuen Mieter abgeschlossenen Mietvertrag, dessen Erfüllung von einer der vorgenannten Entscheidungen betroffen wird, mit rückwirkender Kraft aufheben. Der Antrag des Mieters ist sofort, nachdem ihm die Kündigung zugegangen ist, zu stellen. Das EinigungSamt entscheidet nach billigem Ermessen. Es kann vor der Entscheidung eine einstweilige Anordnung erlassen. Seine Entscheidungen sind unanfechtbar. Ordnet es die Fortsetzung des Mietverhältnisses an, so gelten die Bestimmungen des Eint- gungsamtes als vereinbarte LZestimmungen des Mietvertrages. D i e L a n de sz e n t rai be h ö r d e n können die Gemeinden zur Errichtung von Einigungsämtern anhalten und die in der Verordnung vorgesehenen Befugnisse, wenn Eini- gungsämtcr nicht bestehen, einer anderen Stelle übertragen. Im Anschluß an diese Bekanntmachung wird imRcichsan- zeiger" eine Anordnung für das Verfahren vyr den Eimgungs- ämtern veröffentlicht. Danach verhandelt das Cinigungsamt in nichtöffentlicher Sitzung. Vor der Entscheidung ist der Gegner des ZlntragstellerS zu hören. DaS Einigungsamt kann Zeugen und Sachverständige eidlich vernehmen. Für das Verfahren werden Gebühren nicht erhoben. Das Einigungsamt bestimmt, wer die baren Auslagen zu tragen hat und setzt die Höhe fest. Die Ent- scheidung hierüber ist vollstreckbar.

Lette Nachrichten. Oesterreich als Fricdensbrückc. Wien , 28. Juli. Das offiziös«Fremidenblatt" schreibt zu der Erklärung Czernins: Jeder Versuch, einen Keil zwischen uns und daS Deutsch « Reich zu treiben, ist von vornherein zur Aussichtslosig» keit verurteilt. Erscheint es aber als völlig ausgeschlossen, eine Kluft zwischen uns und Deutschland zu schaffen, so lehnt anderer. seits Oesterreich»-Ungarn, falls ein solcher Gedanke auftauchen sollte, es nicht ab, vielleicht eine Brücke zu bilden, die zum Friedensweg führt. Die russischen Sozialisten in Paris . Bern , 29. Juli.ProgreS de Lyon" meldet aus Paris : Die russischen sozialistischen Delegierten erklärten über den Zweck ihrer Reise und ihr Programm, sie wollten die Reibungsflächen zwischen den französischen und italienischen Sozialisten einerseits und den russischen Sozialisten andererseits aus der Welt schaffen; es sei ihr direkter Auftrag, die französischen Sozialisten zu veranlassen, nach Stockholm zu gehe». Ihre Absicht sei nicht nur die Sozialisten, sondern alle Parteien Frankreichs zu besuchen und mit ihnen Rücksprache zu nehmen. GrofrBerlln Keine Magermilch für Zehn- bis Vierzehnjährige! Der Magistrat teilt mit: Der geminderte Eingang an Milch gestattet nicht mehr, die Kinder, welche in der Zeit vom 1. Juli 1333 bis 33. Juni 1937 geboren sind, mit Magermilch zu bedenken. Vom 1. August ab werden daher die Magermilchkarien C und D für ungültig erklärt. Die Belieferung der Magermilch-Bezugs- berechtigten, welche im Besitz der Karte A und B sind, erfolgt in derselben Weise wie bisher.

Ein Beirat für Städtebau im Arbeitsministerium. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat, wie wir von zu- ständiger Seite erfahren, einenBeirat für Städtebau und Sied« lungswesen" gebildet, der als begutachtende und beratende Körper- schast für alle Fragen des besonders nach dem Kriege einer großen und tiefen Umgestaltung dringend bedürftigen städtischen Wohntvesens dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten zur Seite stehen und vor Erlaß neuer Bestimmungen gehört werden soll. In den Beirat sind die hervorragendsten Vertreter der Kunst und Wissenschaft des Städtebaues und gesamten Sied- lungSwesens berufen worden, ferner als Vertreter der Großstädte und größeren Landgemeinden eine große Zahl von Oberbürger- meistern und Siadlbauräten, Vertreter gemeinnütziger Siedlungs- gesellschaflen, gewerblicher Großbetriebe und privater Bodengesell- schaften sowie der beteiligten Verwaltungsbehörden. Insgesamt gehören dem Beirat für Städtebau etwa 63 Mitglieder an. Er wird voraussichtlich im Nühherbst d. I. zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Für besondere Fragen sollen Unterausschüsse ge- bildet werden. Welcher Art der Arbeitsplan des städtebaulichen Beirats im einzelnen ist, dürfte erst in der ersten Sitzung des Beirats bestimmt werden können. Schon heute läßt sich aber sagen, daß eine Besse« rung unseres städtischen Siedlungswesens nur in der Ablehc von dem bisher übertriebenen und überschätzten reinen Straßenbau und in der Durchführung eines wirklichen StadtbaueS mit Hilfe neuer Bauordnungen und zweckmäßiger Bebauungspläne bestehen kann. Nur aus diese Weise kann auch dem Kleinhaus, dem Reihen- und GruppenhauS in gelockerter Bebauung zu seinem Recht innerhalb deS städtischen Weichbildes verholfen werden.

Ausländische Seife". Amtlich wivd bekanntgegeben: Mit Rücksicht auf die vielfachen Gesuche der Seifenhänd- ler, eine Ausnahme von den Höchstpreisbestim� m u n g e n für Seif« zu gewähren, da sie noch im Besitz großer Mengen ausländischer Seife seien, die sie zu hohen Preisen ein- gekauft hätten, hat der Stellvertreter des Reichskanzlers laut 5Le- kanntmachung vom 21. Juli 1317(intReichsanzeiger" Nr. 173) die örtlich zuständigen Preisprüfungsstellen ermächtigt, denjenigen Kleinhändlern, die nachweislich noch über ausländische Seife ver- fügen, die sie vor dem 13. Mai 1317 zu höheren als den in§ 5 Abs. 1 Ziffer 3 5 der Ausführungsbestimmungen vom 21. Juni 1317(Reichs-Gesetzbl." S. 516) festgesetzten Preisen eingekauft haben, zu gestatten, diese Bestände zu einem unter Zu- gründe legung des Einkaufspreises von den Prvisprüfungsstelhen festgesetzten angemessenen Preise während der Zeit vom 1. bis z u IN J51. A u g u st 1917 z u verkaufen. WohnungSmangel nach dem Kriege. Je länger der Krieg. dauert, je mehr die Bautätigkeit eingejchränkt wird und je mehr die Zahl der Kricgstrauungen und Eheschließungen zunimmt, um so intensiver wird der Mangel an Wohnungen, besonders aber an Kleinwcchnungen ngch�sz Kriege i» die Erscheinung treten.. Dazu