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2. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt.

Nr. 135.

Donnerstag, den 14. Juni 1894.

4 gold and pric

11. Jahrg.

Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!

Arbeiter- Sanitäts- Kommission. aber der Backstube resp. Backofen; bewohnt von 8 Erwachsenen genoffen hielt am 5. b. Mis. eine Verſammlung ab. Zunächſt

Reichenberger ftr. 97a, Geitenflügel I. Berliner Stube Der Verband der Geschäftsdfeuer, Packer und Beruf Schon wiederholt hat die Thätigkeit der Arbeiter- Sanitäts- und 3 Kindern. Klagen über heftige Kopfschmerzen und Uebel- wurde beschlossen, am 10. b. Mts. einen Familienausflug nach Kommission die Aufmerksamkeit bürgerlicher Kreise erregt. Bei keit durch die große Size, namentlich während der Backzeit. Von Wilhelminenhof zu veranstalten. Der frühere Vertrauensmann aller sonstigen Verschiedenheit der Beurtheilung war in einer Wanzen soll es wimmeln. Der Wirth weigerte sich mehrfach, die Barnewitz bat die Kollegen, umgehend abzurechnen. Kollege Beziehung stets Uebereinstimmung vorhanden, und das war die Mietherin vom Kontrakt zu entbinden. Schumann machte auf die bevorstehenden Gewerbegerichts­Behauptung von der Ausschmückung und tendenziösen Ueber- Bergmannstr. 53, Lagerplay mit mehreren Baracken be- Wahlen aufmerksam und ersuchte die Kollegen, sich rechtzeitig in treibung vorhandener Uebelstände; sowie sie wirklich existirten, baut, der bereits im Ganzen den Eindruck der Verwahrlosung die Wählerlisten einzuzeichnen. Des weiteren wurde zur strikten mußten sie individuell aufgefaßt und bekämpft werden. Die fich und Unsauberkeit macht. Für ca. 40 Personen 2 Klosets, Tonnen- Innehaltung des Bierboykotts aufgefordert. Sodann erstattete anknüpfenden Verallgemeinerungen, die Zurückführung der Miß- system, sehr unsauber, Siz und Fußboden voll Koth, ohne jede Kollege Grauer Bericht über den Kongreß und erläuterte die ftände auf soziale Zustände, auf die bestehenden Erwerbsverhält- Desinfektion. auf demselben gefaßten Beschlüsse. Die Versammlung erklärte nisse ließen doch den einzigen Zweck zum Vorschein gelangen, Bahnhof Friedrichstraße , Ankunftsstelle in der sich mit diesen Beschlüssen einverstanden und beschloß: 1. auf die einer verheßenden Propaganda willkommenes Material zu liefern. Georgenstraße, Halteplatz für ca. 100 Droschten. Ein abessynischer Tagesordnung der nächsten Verbandsversammlungen Vorträge Allen diefen liegt der sehr richtige Gedanke zu Grunde, daß es Brunnen, mit zwei Schildern Kein Trinkwasser" ist die einzige über Sozialreform zu segen, um so der Reichskommission für teine befferen Waffen für die um ihre Befreiung ringende dortige Wasserversorgung. Ferner stehen dort 15 Dienstmänner Arbeiterstatistik ein gediegenes Material an die Hand zu geben; Arbeiterklasse giebt als die Kritik der bestehenden Zustände und und einige in der Gepäckexpedition beschäftigte Personen. Für alle 2. den Vertrauensmann aufzufordern, gemäß den Kongreß Einrichtungen. Die daran sich schließende Folgerung aber, daß diese Personen nebit etwaigen Reisenden sind nur zwei offene Klosets beschlüssen dafür zu sorgen, daß die am Orte befindlichen Berufs­wir im Rampf um eine Verbesserung der heutigen Lage uns vorhanden, ein drittes verschlossenes wird nur gegen 10 Pfennig vereine baldmöglichst vereinigt werden; 8. daß jeber organisirte einer tendenziösen Bustugung des Materials schuldig machen, geöffnet und nur von dem zahlungsfähigeren Reisepublikum Rollege zur Agitation in Deutschland pro Quartal 10 Pf. zu be müssen wir als eine gänzlich unberechtigte Verdächtigung zurück- benutzt. zahlen hat. Ferner beschloß die Versammlung, auch fernerhin weisen. Wohl nirgends in einem derartigen, bürgerlicher Jni­Neue Hochstr. 38. 1. Hof Seitenflügel und Quergebäude einen zweiten Kollegen im Bureau anzustellen. tiative entstammenden Institute wird so gewissenhaft gearbeitet, parterre, 2. Hof Quergebäude parterre im ganzen 4 Wohnungen Die Versammlung der Lackiver( Filiale IV), welche am wie in der Arbeiter Sanitätskommission, wohl nirgends wird wurden untersucht und sämmtlich naß gefunden, überall stockiger 5. Juni tagte, hatte sich eines sehr regen Besuches zu erfreuen. das eingehende Material vor der Veröffentlichung so gefiebt wie Geruch und Schimmelbildungen, die Möbel und Kleidungsstücke Da der bisherige Schriftführer sein Amt nicht verwaltete, fo bei uns. Wenn nun einerseits unsere Darstellungen infolge ihrer bereits arg beschädigt haben. Das Haus ist ganz neu vollzog die Versammlung zunächst die Neuwahl eines Schrift Korrektheit die schärfste Kritik in bezug auf den Thatbestand aus- die Wohnung 1. Quergebäude parterre rechts führers. Hierauf hielt der Kollege Reinicke einen Vortrag zuhalten vermögen, so auch andererseits unsere Kritik der sozialen war bereits bezogen, als das Haus noch nicht über Religion und Moral". In der Diskussion über den bei­Verhältnisse auf grund dieser Thatbestände. Unsere Schlüsse gehen ganz fertig war. Auf dem 3. Hof befindet sich eine fällig aufgenommenen Vortrag sprachen mehrere Redner im Sinne nicht von falschen Voraussetzungen aus, denn letztere sind nie spekula: Mostrich- und Essigfabrik, deren Fässer direkt vor den Fenstern des Referats. Unter Vereinsangelegenheiten giebt der Kollege tiver, sondern immer höchst materieller Natur. Das ist aber gerade der Wohnungen aufgeftapelt liegen und dieselben so an dem warnte bekannt, daß der Ueberschuß vom Stiftungsfest 20 m. der springende Punkt, durch den unsere Thätigkeit dem bürger- Lüften verhindern. Der Verwalter ist der Ansicht, daß sich die beträgt. Die Vereinsversammlungen finden jeden ersten Dienstag lichen Beschauer ein Dorn im Auge ist, daß unser Blick weit Miether das eben gefallen lassen müssen. Mo 3 str. 74 im Seitenflügel nasse Kellerwohnung. Außer werden die Kollegen aufgefordert, sich an den Zusammenfünften, im Monat bei Schöning, Stallschreiberstr. 29, statt. genug ist, die Einzelerscheinung in ihrem sozialen Zusammenhang zu erkennen und aus dem Zusammenhang ihren Ursprung zu be- dem klagen die Miether sehr über Mäuse. greifen. Wohl schildern wir also die beobachteten Dinge anders, Chauffe eftr. 102. Fuhrgeschäft von Eickermann. Für werden, zahlreich zu betheiligen. Dafelbft werden Mitglieder die Sonntags Vormittags bei Lenz, Alte Jakobfir. 69, abgehalten als unsere Gegner es thun würden, denn wir sehen sie eben mit ca. 40 Personen befindet sich im rechten Seitenflügel im Keller aufgenommen und können Beiträge entrichtet werden; ebenso anderen Augen an. Wir lassen nicht nur den Hygieniker zu ein unfauberes Klofet und ein ebensolches Pissoir. Daneben ein find alle Mißstände aus den Werkstätten dort zu melden. Sort kommen, sondern auch den Soziologen, es wäre verfehlt, gemauerter Müllkasten, dermaßen überfüllt, daß nebenbei bereits ein hygienisches Programm durchführen zu wollen, ohne die für ein Haufen Müll von etwa 3 Rubikmeter liegt. Trotz der seine Verwirklichung erforderlichen sozialen Vorausfeßungen er- niedrigen Kellertemperatur war ein sehr übler Geruch bemerkbar füllt zu haben. Darum dürfen wir auch die Arbeiter immer Bei der ersten Recherche im Februar versprach der Inspektor, die wieder daran erinnern, daß sie der Arbeiter- Sanitätskommission gerügten Mißstände abzustellen. Er besitzt vermuthlich ein ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden haben; denn das Geschwätz der schwaches Gedächtniß. Geguer von der unfruchtbaren, von der Phrase beherrschten Propaganda der Arbeiterklasse wird selten so glänzend ad absurdum geführt wie durch dieses aus der eigensten schöpferischen Kraft der Berliner Arbeiter entstandene und erhaltene Institut. Münzstraße 5. Arbeitsteller von Sturm. Im ersten Raum, der nur 1,50 bis 1,75 Meter hoch ist und 1 bis 11/2 Meter unter dem Straßenniveau liegt, ist ein ohne polizeiliche Er Taubniß gesenter Feuerheerd mit 3 Löchern; die Fenster nicht geputzt, der Lichtschacht voller Straßenschmutz. In den zweiten Kellerraum fällt so gut wie gar kein Licht.

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Ferner

Der Frauen und Mädchen Bildungsverein bes arbeitenden Voltes hielt am 6. Juni feine Vereinsver sammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt die Vor­bende Frau Mes ch bekannt, daß die Kassirerin der Filiale Weißensee, Genossin Schmidt, verstorben ist. Die Versamm Pallisadenstr. 10, Gigenthümer Stadtv. Seibert. Im lung ehrte in der üblichen Weise das Andenken der Verstorbenen. vierstöckigen Quergebäude 18 Haushaltungen mit ca. 90 Perfonen, Hierauf hielt Herr Dr. Weyl einen sehr interessanten Vortrag außerdem find ca. 60 Arbeiter in diesem Quergebäude beschäftigt über Die Ernährung unserer Kinder". Dem mit großem Beifall Für alle diese sind nur drei vernachlässigte Klosets vorhanden aufgenommenen Vortrage folgte eine rege Diskussion im Sinne und ein Pissoir, welches öfter überläuft, so daß die Bewohner des Referats, an welcher sich Frau Schädlich, Frau Lange, Frau durch den Schmuß gehen müssen, was dadurch noch verschlimmert v. Hoffstetten, Frau Reimann, Frau Koselac, Fräulein Bien und wird, daß daneben sich die Waschküche befindet. Die Dach- Herr Kaßler betheiligten. Hierauf gab Frau Scholz die Ab wohnungen sind so feucht, daß sie für unbewohnbar gelten rechnung des letzten Vergnügens, die einen Ueberschuß von 88 M. können. Die Tapeten hängen in Feßen von den Wänden, die 90 Pf. aufweist. Das nächste Vergnügen findet am 28. Juli bei Fenster stehen zollweit offen. Außerdem klagen die Dachbewohner Joel, Andreasstraße 21, statt. Billets find in jeder Versammlung sehr über Ungeziefer, namentlich Mäuse, welche Nachts in die und beim Komitee zu haben. Ein Antrag der Frau Lange, das Vereinslokal der Unruhe halber zu verlegen, wurde angenommen. Betten kommen.

Versammlungen.

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Die Maler und Lackirer hielten in Moabit am Sonntag eine Versammlung ab, in welcher der Genoffe Nät her über: Was lehrt die Gewerkschaften der Brauereiboykott?" referirte. Wie im Jahre 1890 die Gisenindustriellen, so habe diesmal das Brauerfapital einen Vorstoß gewagt, um die Organisationen zu vernichten. Die innige Seelengemeinschaft aller bürgerlichen Kreise lasse sich an dem Jubel erkennen, mit dem der Beschluß der Wirthe, die Säle zu verweigern, aufgenommen sei. Eine ernste Pflicht lege der Boykott den Gewerkschaften auf. Die Organisirten müßten bestrebt sein, aus Anlaß des alle Welt intereffirenden Kampfes die Indifferenten zum Widerstande gegen das verbündete

Serberge der Schmiede- Innung zu Berlin , Mulackstraße 9, Hof, Seitenflügel. Die Schlafräume befinden sich 2 Treppen im Dachraume, der aus zwei Theilen besteht. Der eine ist 6 Meter lang, 6,50 Meter breit und 2,30 Meter hoch, in diesem Raum stehen 16 Bettstellen, davon 6 einzeln und 10 zu je zweien übereinander. Der zweite Raum ift 9,56 Meter lang, 6,50 Meter breit und 2,30 Meter hoch, davon geht ein Verschlag ab von 3,50 Meter Länge und 2 Meter Breite, in Der Verein der Plätterinnen und Berufsgenossen dem übrig bleibenden Raum schlafen 18 Personen, 10 einzeln, hielt am 5. Juni eine Generalversammlung ab. Nachdem die 8 zu je zweien übereinander. In jedem Raume sind je zwei Bersammlung über die Einziehung einiger ausstehender Forde Fenster. Waschgelegenheit für diese 34 Personen ist auf dem rungen Beschluß gefaßt hatte, gab die Kassirerin die Abrechnung Treppenflur, bestehend in einem Becken mit darüber befindlichem vom Maskenball, die einen Ueberschuß von 201,41 M. aufweist. Wasserhahn. Auf dem Hofe befinden sich ein sehr unsauberes Die Maifeier hatte ein Defizit von 25 M. ergeben. Eine An­Biffoir und zwei Klosets, von denen das eine stets verschlossen regung den Verein aufzulösen wurde abgelehnt. Das Sommer- Kapital anzufeuern und denselben die Nothwendigkeit der Dr= ist, das andere total verunreinigt, zumeist verstopft, Spülung feit des Vereins findet am 21. Juni im Lokale Rönigsbant", ganisation an folchem packenden Beispiel vor Augen zu führen. mangelhaft. Frankfurterstr. 117, statt.

Albert Dulk's

***** sämmtliche Dramen.")

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audi( Beifall.) Kollege Hülger begründete an einigen Beispielen

Ansehen Deutschlands war tief herabgefunken. Dieses Konrad ihnen nach dem Reichsgrundgesez die Anerkennung ver. wieder zu erhöhen, das Neich in seinen alten Grenzen sagen muß. Unermüdlich und immer vergebens trachtet Giſela, wieder herzustellen, die Macht der Großen zu brechen und die welche in zweiter Ehe die Gattin Konrad's geworden ist, zwischen Königskrone von ihnen unabhängig zu machen, war das Ziel diesem und ihrem Sohne zu vermitteln. Ihre Bemühungen Der gegenwärtige dritte Band, welcher Konrad der Konrad's, mit dem das Haus der falischen Franken zur Reichs- scheitern daran, daß Ernst, der aus Liebe zur Mutter nachgeben 3weite", historisches Schauspiel in zwei Theilen, und regierung gelangte. Und er war der Mann dazu, dieses Ziel zu möchte, von seiner Gemahlin Agnes und seinem treu ausharren Willa", Schauspiel in drei Handlungen, enthält, schließt die erreichen! Denn er besaß eine seltene Thatkraft und verband den Freunde, dem Grafen von Kyburg , stets aufs Neue gegen Gesammtausgabe von Dult's Dramen ab, Erinnert man sich, mit großer diplomatischer Klugheit eine Härte, die den Stiefvater und Kaiser aufgestachelt wird. Und so verfallen daß in Orla "( 1. Band) der phantastisch- feurige Held für die selbst vor der Grausamkeit nicht zurückschreckte, wenn er und fein Freund denn der Staatsraison, die in dem Schaus Freiheit und Einheit Deutschlands zum Verschwörer wird, kämpit die Hindernisse, die seinen politischen Endzwecken sich spiele das unerbittlich waltende Schicksal sind. Wenn in dem und fällt, so könnte man leicht auf den Gedanken gerathen, daß entgegenstellten, anders nicht aus dem Wege zu räumen nahen Verhältniß dieser Personen zu einander das Politische Dult die Geschichte Konrads II. als ein Spiegelbild der Er waren. Gine kräftige Stüße fand er in den niederen eine starke Beimischung des Menschlichen enthält, so wird die eignisse von 1866 und 1870 dramatisirt und in ihnen den Ab- Adel, den Gemeinfreien, indem er ihnen die Erbfolge in ihren Wirkung des lezteren dadurch leider beeinträchtigt, daß der schluß der Bestrebungen des Grafen Orla erblickt habe. Lehensgütern sicherte. Dem hohen Adel ward dadurch die Dichter die Motive, aus denen Agnes und Wehnlo von Kyburg Nichts wäre irriger. Denn Konrad II. " erschien Hauptquelle seiner Krafts abgegraben. Konrad's weitere Mittel handeln, uns nicht klar erkennen läßt. Es hat den Anschein, als bereits 1867, Dulk war also während des preußisch bestanden in der Verstärkung seiner Hausmacht und in der ob Agnes nicht den Gatten, sondern Wehnlo liebe und daß sie österreichischen Krieges schon mit der Ausführung des Bundesgenossenschaft mit dem Papste. Sein Vorgänger hatte die von diesem wieder geliebt werde. Die Charaktere beider werden Schauspiels beschäftigt. Zudem stand er auf groß- Schwäche gehabt, die Kaiserwahl von dem Heiligen Stuhle abhängig dadurch in eine schiefe Beleuchtung gerückt und unsere Theil. deutschem Standpunkte und die Ereignisse von 1870 ver- zu machen. Obgleich es nun damals, wie nach dem Römischen nahme für sie will nicht warm werden. Erst nach dem Tode mochten ihn in seinen politischen Grundsätzen so wenig zu Konzil von 1870, unter der deutschen Geistlichkeit Strebungen Ernst's und seines Freundes erfahren wir aus dem Munde der erschüttern, daß der Abfall der Demokratie, welche die Freiheit gab, welche auf die Gründung einer von Rom unabhängigen Battin, die der Dichter jetzt in einer Anwandlung von Mystik preisgab, um der fümmerlichen Einheit zuzujauchzen, ihn viel- deutschen Nationalfirche gerichtet waren, so ließ sich Konrad dennoch als Bela erscheinen läßt, daß Liebe zu Ernst allein ihre und mehr entschied, fich der Sozialdemokratie anzuschließen. Aller- nicht von dem Erzbischof von Mainz , Aribo, der zugleich Erz- Wehnlo's Triebfeber gewesen sei. dings hatte sich seit der Thronbesteigung Wilhelm I. , in der tanzler des Reiches war, zu einer Politik bereden, die ihm seinen Wie an diesem Fehler die Verherrlichung der Freundestreue sogenannten neuen Aera, allerwärts die Ahnung und das Gefühl weltlichen Feinden gegenüber die Hände gebunden hätte. Welch scheitert, so waltet auch über Aribo, dem Erzbischof von Mainz , politischer Umgestaltungen zu regen begonnen, und diesen un- furchtbare Waffe der päpstliche Bannstrahl war, sein zweiter ein Dunkel. Wir hören ihn einen Intriguanten schelten, wir bestimmten Erwartungen gab Dult, indem er sich auf die Gesetze Nachfolger, Heinrich IV. , erfuhr es; und Konrad hätte wie dieser fehen ihn als Reichsverräther entlarven und ihn sich selbst der historischen Entwickelung stüßte, in seinem Konrad II. " erst die Demüthigung von Canonja auf sich nehmen müssen, um schuldig bekennen; allein sein Handeln bleibt vor dem Zuschauer einen dichterisch konkreten Ausdruck. Die nachfolgenden Er den Kampf gegen die rebellifchen Reichsvasallen beginnen zu im Verborgenen. Ueberhaupt wird es dem Leser nicht leicht, den eignisse erwiesen ihn als Propheten, auch darin, daß können. vielfach verschlungenen Fäden der ins Episch Breite strebenden es in dem neuen Deutschen Reiche ebenso wenig eine Dult's historisches Schauspiel stellt im ersten Theile: König Handlung zu folgen. Denn Dult schildert die Staatsaktionen Freiheit gab, wie in dem heiligen römischen Reiche Konrad der Zweite" die Begebenheiten bis zur Kaiser - jener Epoche mit einer Spezialfenntniß der Geschichte, über welche deutscher Nation des elften Jahrhunderts, in welchem trönung in Rom und dem Ausbruch der Empörung in Deutsch wohl nur wenige Lefer. verfügen dürften. Wird dadurch das die sogenannten Gemeinfreien das heutige bürgerliche Element ver- land dar. Der zweite Theil: Kaiser Konrad der Zweite" Verständniß erschwert, so läßt sich leider auch nicht in Abrede führt die Kämpfe des Kaisers mit den aufrührerischen Reichs- stellen, daß troh der vorzüglichen Lokalfarbe und meister Die Wahl des historischen Gleichnisses war äußerst glücklich, vasallen und den äußeren Feinden vor und schließt mit seinem haften Charakterschilderung die Staatsaktion, deren Die großen Bafallen, die nur Beamte des Reiches und nur in Siege über beide, der Feitigung der inneren Einheit und der treue Wiedergabe Dult Die Hauptsache war, einen dieser Eigenschaft belehnt waren, hatten unter Konrad II Vor- Wiederherstellung des Reiches in den alten Grenzen, sowie der erkaltenden Hauch um fich verbreitet. Denn fie gängern eine solche Macht erlangt, daß das Staatsoberhaupt Erhöhung Deutschlands zu einer Machtfülle, wie etwa unter fordert nur den Verstand heraus, während die Kunst sich an den völlig von ihnen abhängig war. Grafen und Herzöge betrachteten Karl dem Großen. In ganzen Menschen wenden soll. ihre Reichslehen als ihr erbliches Eigenthum und verfügten dar- In den Vordergrund der Handlung hat der Dichter bas über nach freiem Ermessen. Manches Reichsland war infolge- Verhältniß Konrad's zu seinem Stiefsohn Ernst, dem durch seine dessen der kaiserlichen Oberhoheit entzogen worden, und Abenteuer im Morgenlande zu einem Sagenhelben gewordenen es versteht sich von selbst, daß die äußeren Feinde Herzog in Schwaben gestellt. Beiläufig so bat Dult von diesem die Machtlosigkeit der Kaiser ausbeuteten, um ihre Sagengewebe einen vorzüglichen Gebrauch gemacht. Die Fahrt in diesem Schauspiele jedoch nicht darauf an, ob die historischen Gebiete auf Kosten Deutschlands zu vergrößern. Tas in den Orient liegt vor dem Beginn des Schauspiels. Dieses hebt Greigniffe, die er vorführt, fich wirklich zugetragen haben, ober mit der Verstimmung Ernst's gegen den König an. Der Konflikt nicht. Genug, daß sie in dem Geifte jener Zeit liegen und ihre *) Herausgegeben von Ernst Biel, Verlag von J. H. W. Dies entspringt aus Erbansprüchen, welche Ernst auf ein Reichslehen erhebt, Seele athmen. Ein wilder Geist, vom Dichter meisterhaft in Stuttgart . und die er schließlich durch offene Gewalt durchzusehen sucht, da charakterisirt, erfüllt die Zeit; jeber ist bereit, fogleich das Schwert

traten.

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Beschränkt bier die Auseinanderfaltung der politischen Aktion den Raum des Menschlichen, so ist diesem eine um so fretere Bethätigung in, Willa" gestattet. Die Handlung ist in das Jahr 864 unter Ludwig dem Deutschen verlegt. Es kommt Dult