Nr. 75. 35. Jahrg.
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Die Frage der Kriegsschuld.
Woher kommt es, daß die Frage der Kriegsschuld nicht zur Ruhe kommen fann? Am Donnerstag hat wieder der frühere Reichsfanzler v. Bethmann Hollweg über fie gesprochen und heute soll sie, wie es heißt, abermals im Hauptausschuß unter Heranziehung von Dofumenten, die weiten Streifen in Deutschland bisher noch nicht befannt find, ausführlich erörtert werden. Die Debatte über die Kriegsichuld hat den ganzen Strieg begleitet und sie wird ihn zweifellos überdauern.
Das leidenschaftliche Intereffe an diefer Frage rührt daher, daß das Gewissen einer reifer gewordenen Menschheit sich leidenschaftlich gegen die furchtbare Notwendigkeit dieser Weltfatastrophe aufbäumt. Nach diesem Kriege, meinte einst Herr b. Bethmann Hollweg , werde ein Schrei durch die ganze Welt gehen nach einem Mittel, das die Wiederkehr einer solchen Ratastrophe unmöglich mache. Und so sucht die Welt nach den Ursachen dieses Krieges nicht aus bloßem Wissensdrang, sondern in dem Willen, sie, sobald sie erkannt find, zu beseitigen,
Auf beiden Seiten hat die Kriegspolitik versucht, sich aus diesem Willen ein Instrument des Sieges zu schmieden. Unser Sieg, so versichert vor allem die Entente, ist der Frieden. Einzige Ursache des Krieges ist der deutsche Militarismus, und wenn der zerschmettert ist, dann ist der bauernde Frieden gesichert.
Aber auch die Ententestaaten waren vor diesem Striege feine Lämmer, die' friedlich neben einander weideten. Nuß Land führte Krieg gegen Japan , England gegen die Buren, Stalien gegen die Türkei , Amerifa gegen Spanien . Die Baltanstaaten befämpften einander in zwei blutigen Striegen. Nicht zu reden von den unzähligen Kolonialfriegen, von denen die Welt überhaupt niemals Ruhe befommen hat.
Daraus folgt ohne weiteres, daß die Ursache der Kriege nicht dadurch beseitigt werden kann, daß fie auf der Sette einer der friegführenden Teile beseitigt wird. Und was die Gegner die Zerschmetterung des deutschen Militarismus nennen, würde die Striegsurfachen nicht beseitigen, sondern nur neue schaffen. Wer glaubt, daß die siegreiche Entente ihre imperialistischen Appetite zügeln, fie nicht vielmehr auf Kosten des Vierbunds befriedigen würde? Und wenn fie fürchten, daß mit der Bergliederung Rußlands neue Kriegsursachen gefest sind, würde dann ein niedergeworfenes und berstümmeltes Deutschland von Vergeltungsgelüften frei bleiben?
Sonnabend, den 16. März 1918.
Franzöfifcher Angriff bei Prosnes Bandenkrieg in der Ukraine Besetzung von Bachmatsch.
Amtlich. Großes Hauptquartier, 15. März 1918.( W. 2. 8.)
Weftlicher Kriegsschauplah.
Seeresgruppe Kronprins Rapprest
Die tagsüber schwache Artillerietätigkeit verstärfte fich bor Einbruch der Dunkelheit in wenigen Abschnitten. Während der Nacht lebte sie in Verbindung mit eigenen und feindlichen Er fundungsvorstößen vorübergehend auf.
Geeresgruppe Deutscher Kronprina Die Blinkstelle der Franzosen auf ber Rathedrale Reims wurde erneut in Tätigkeit beobachtet. Heftiges Zerstörungsfener lag von Mittag an auf unseren StelInngen nördlich und nordöstlich von Prosne 8. Starte französische Abteilungen, die am Abend in breiter Front vorstießen, fonnten nur westlich von der Straße Thuizy- Rauroy in unserem vorderen Graben Fuß faffen; im übrigen wurden sie im Nahkampf zurückgeworfen.
Auf dem öftlichen Maasufer hielt tagsüber gesteigerte Feuertätigkeit an. Often.
Feindliche Banden, die in der Ukraine bie von Gsme! und Kiew nach Bachmatsch führenden Bahnen bedrohten, wurden in mehrjachen Kämpfen zerstreut. Bachmatsch wurde besetzt.
Bon den anderen Kriegsschauplägen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister.
Bubendorff.
Abendbericht.
Berlin , 15. März 1918, abends. Amtlich. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der österreichische Bericht. Wien , 15. März 1918. Amtlich wird verlautbart: Rights Neues.
Der Chef bes Generalfabes.
jegt einzelne Personen das Bedürfnis fühlen, sich gegen er
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Ferufbrecher: Amt Mortsplan, Mr. 151 90-151 97.
In einem Leitartikel Blond George und Hollands Lage" erinnert das„ Nieuwe van den Dag" Lloyd George daran, daß, wenn in Holland Lebensmittelmangel herrsche und die Aussicht auf Hungersnot bestehe, Holland dies größtenteils Lloyd George und seinen Freunden zu verdanfen habe. Eine Regulierung der niederländischen Schiffahrt, die niederländi schen Schiffe nicht nur an eine der friegführenden Mächte zu bermieten, sondern sie auch in der Sperrzone zu verwenden, müffe für die holländische Regierung durchaus unannehmbar jein. Das Blatt fragt sodann, ob die Finanstidende" in Kopenhagen denn recht habe, wenn sie schreibe, daß man beabsichtige, die Neutralen die Kastanien aus dem Feuerholen zu lassen? Warum liegen denn die franzöfifchen Schiffe noch in ihren Häfen und auch die italienichen? Wolle man sie bis nach dem Striege sparen? Dem Blatt ist auch das Gerücht zu Ohren gekommen, daß italienischerseits insbesondere gewisse Forderungen betreffs der neutralen Schiffahrt für Nahrungsmittelversorgung gestellt worden seien, Forderungen, welche selbst den Charakter bon Bedingungen trügen.
Man braucht nicht daran zu ziveifeln, daß die Schiffe. raumpolitik, die der Weltkrieg gezeitigt hat, neben den Gründen der Raumnot auch noch von Konkurrenz. frag en des Weltverkehrs bedingt ist. Es liegt auf der Hand, daß eine unversehrte Handelsflotte, wie das neutrale Holland fie bis jetzt sicher halten fonnte, den Alliierten für die Zeit nach dem Kriege als ein höchft unbequemer Fak tor gelten wird. Wenn ihr Ziel die monopolistische Beherr schung des Ueberseehandels ist, so gehört dazu vor allem ein gewaltiger Vorsprung in der Masse der Transportmittel. De holländische Blatt meist im rechten Augenblick auf diejen Bunft hin.
Die Dezimierung der holländischen Handelsflotte in den deutschen Sperrgebieten würde den Alliierten in die wirt schaftsfriegerische Rechnung gerade passen. Sie stellen die Schiffe der Konkurrenz in die Schußlinie und halten die eigene Handelsflotte zurück. Daß fie fich bereit zeigen, die zerstörten Schiffe zu vergüten, kann die Tatsache nicht beseitigen, daß der Konkurrent zunächst, bei Wiederbeginn des Weltjeehandels, weniger Schiffseinheiten einzuseßen hat. Zumal die Bereinigten Staaten, die fich erst jetzt eine Handelsflotte fchaffen, haben großes Interesse an diesem Druck" auf den Frachtwettbewerb. Das also ist bei Stritif des ultimatums und bei Erwägung des Ausganges dieser Alliiertenaktion in die Wagschale zu legen.
Aus der Voraussehung, daß die herrschenden Mächte hobene Anklagen zu rechtfertigen, so tönnen wir nicht tlar Deutschlands an dem Ausbruch des Krieges die alleinige genug aussprechen, daß das ihre und nicht unsere Sache ist. 2ondon, 15. März.( Neuter.) Ein Telegramm aus Schuld trügen, folgt also keineswegs, daß auf der Grundlage Der Weltkrieg ist keine romantische Oper, in der ein Lohen Petersburg meldet folgendes: Trotki ist zum Boltsbeauftragtew einer deutschen Niederlage ein dauernder Frieden sicher auf- grin für die Unschuld einer Elsa in die Schranken fritt, und für militärische Angelegenheiten an Stelle von Bodwoysel, der gebaut werden kann. Und darum ist auch die deutsche die unzähligen, die ihr Blut vergossen, haben es nicht getan, zurüdgetreten ist, ernannt worden. Der Post en des Höch stSozialdemokratie einig darin, eine Niederlage Deutschlands um für die Richtigkeit offiziöser Zeitungsartitel zu zeugen, ommandierenden ist abgeschafft worden. in diesem Ariege nicht zu wollen, wie immer der einzelne in fondern um das deutsche Volf vor der furchtbarsten BeAus Stockholm wird der Frankfurter Zeitung " mitgeteilt: ihr über die verwickelte Frage der Striegsschuld denken mag. brohung zu schützen, die je gegen ein Bolt heraufgezogen ist. Der Rat der Boltstommiffate, die Zentrale des Wir haben stets an dem Standpunkt festgehalten, daß Solange nicht der Frieden eingefehrt und die Distuffion im Striege, in diesem Kriege, in dem es um Sein und Nicht von allen äußeren und inneren Hemmnissen befreit ist, werden Tätigkeitsausschusses des Arbeiterrates und die Regierungsfein geht, der geeignete Zeitpunkt für eine fachlich er- Kriegsschulderörterungen nur einen episodischen Charakter be- organe übersiedelten in der Nacht auf den 12. März schöpfende Aufklärung der Kriegsschuldfrage nicht gegeben ist. halten. Als Wortführer sprechen die Regierungen von beiden von Petersburg nach Mostau. In Petersburg wurde Wenn wir einmal, unter günstigen Verhältnissen, in eine Seiten, die den Ball der Beschuldigungen herüber- und hin- unter der Bezeichnung kommunistischer Rat" ein besonderes Volkskommissariat errichtet, das unter dem Vorfiz Trottis Untersuchung dieser Frage eintreten werden, so werden wir überschleudern, aber der Chor der Wassen, soweit er sich nicht beauftragt ist. die Drdnung aufrecht zu erhalten und nötigenes tun, um der Welt zu nügen, nicht aber um Deutschland in bloßem Nachsprechen gefällt, bleibt stumm. Wenn der zu schaden. Was von deutscher Seite vor dem Kriege gefehlt Strieg glücklich vorbei ist, wird der Streit um die Ursachen falls die Hauptstadt gegen einen feindlichen Angriff zu verund gefündigt worden ist, soll nicht vertuscht, es soll aber des Strieges wieder aufleben, nicht als ein Kampf, in dem teidigen. auch nicht zur Waffe gemacht werden in der Hand von um Sieg und Niederlage der Völker gerungen wird, sondern
Gegnern, denen es nicht wie uns darauf ankommt, der wahr als ein entscheidender Abschnitt im Befreiungstampfe der heit und der Sache des Friedens zu dienen, sondern nur wird eine große Aufgabe zu leisten sein, und für sie wollen Menschheit gegen den Alpdrud fommender Striege. Dann darauf, den Sieg über Deutschland zu gewinnen. Daß die Politif, die das Deutsche Reich vor dem Striege wir uns die Arme freihalten! trieb, unter den Politikern des eigenen Landes die allerschärfsten Gegnerschaften fand, ist ebenso wenig ein Geheimnis wie die Tatsache, daß die englischen Minister John Burns , Morley und Trevelyan bei Beginn des Strieges, eben auch nicht zufälligerweise, zurücktraten.
Jene Gegnerschaften
"
Die japanische Aktion im Unterhand
Balfours Liebeswerben um die Bolschewifi. London , 14. März. Unterhaus. Lee Smith fragte den Staatssekretär des Auswärtigen, ob er dem Hause betreffs der Gerüchte über die japanischen Absichten im asiatischen Rußland Mitteilungen machen könne. Welche Stellung nehme die Regierung in diefer wichtigen Frage ein? Es bestünde teinerlei Gefahr, daß Deutschland Sibirien besepte. Aber den Gebiets berlust, der für Rußland aus dem Dazwischentveten Japans folgen würde, stände feinesfalls im Einklang mit der Forderung Wilsons. Soffentlich werde die Regierung der von Wilson festgeleg ten politischen Richtung folgen.
zu verleugnen stünde uns umso weniger an, als wir Amsterdam , 15. März. Nach Berichten aus London deutschen Sozialdemokraten selbst ihre haupt- meldet der Washingtoner Korrespondent der Associated Press , fächlichsten Träger gewesen find. Was die sozialdemokratische daß England und die Vereinigten Staaten von Nordamerifa Bresse Deutschlands vor Kriegsausbruch über die serbischen eine letzte Warnung an die holländische Regierung hinsichtlich Macallum Scott unterstübte Lee Emith. Er sagte, Die Händel geschrieben hat, ist ebensowenig ein Geheimnis wie der schwebenden Hebereinkunft mit den Alliierten gerichtet Intervention der Japaner habe alle russischen Barteien gegen die die Tatsache, daß die Arbeiter Berlins Unter den Linden für haben und daß, wenn vor dem 15. März hierauf keine ein- iierten vereinigt und Rußland Deutschland in die Arme ge die Erhaltung des Weltfriedens demonstrierten. willigende Antwort eingelaufen sei, die holländischen Schiffe trieben. Mac Neill erklärte, daß er mit der Erklärung Lord Wir müßten die geschichtliche Wahrheit geradewegs auf von den Alliierten in Gebrauch genommen werden sollen. Robert Cecils einverstanden sei. Es sei wünschenswert, daß Japan den Stopf stellen, wenn wir nachträglich behaupten würden, bag wir uns damals mit der Politik der Regierung in irgend- der holländischen Regierung über die Anträge der Alliierten, ebenso im 3ntereffe bes russischen Bolles liegen, wie Ein Amsterdamer Blatt berichtet, daß die Entscheidung als Mandatar der Verbündeten energisch eingreife. Wenn die japanische Intervention ausführbar wäre, so würde sie einer Uebereinstimmung befunden hätten. Eine folche Ueber die niederländischen Schiffe auch für die Fahrt in der Ge- im Interesse Japans und der Verbündeten. Gecil, einitimmung stellte sich erft ein, als weder mit Worten noch fahrenzone abzutreten, noch in dieser Woche entgegengesehen Wilson und alle übrigen wünschten dem russischen Bolte das beste, mit Taten an der furchtbaren Tatsache des Weltkrieges noch werden fönne. Die Stimmung in parlamentari und da das Ideal mur erreicht werden könnte, wenn Stußland von etroas zu ändern war. Sie bezog sich nicht auf die Ver- schen Kreisen sei ruhig, aber man fei sich vollkommen der deutschen Bedrohung befreit würde, seien die Verbündeten entgangenheit, sondern auf die Zukunft, und ihr Gegenstand war der großen Tragweite der zu treffenden Entscheidung, die für schlossen, mit allen Mitteln die deutsche Macht in Rußland zu be nicht irgendeine geschichtliche Erkenntnis, sondern der Wille, die zufünftige holländische wirtschaftliche Stellung von jo tämpfen. Das Eingreifen Japans sei freudig zu begrüßen. in diesem Kriege nicht zu unterliegen. einer weitreichenden Bedeutung sei, bewußt und hoffe, daß Japan vor eine sehr ernste Lage, England dürfe ihm keine VorCaptain 2loyd sagte, der Zusammenbruch Rußlands stelle
Diesen Willen tann feine Enthüllung der Welt erschüttern. betreffs des heiflen Bunftes der etwaigen Bewaffnung der schriften machen, da sein Vorgehen mit seinen eigenen Schwierige Wenn jetzt diefes oder jenes Dokument veröffentlicht wird, niederländischen Schiffe noch ein Modus vivendi gefunden feiten und Gefahren zusammenhänge. Japan babe während des das zu denfen gibt, so tann darüber nur der aus den Wolfen werden könne. Die beiderseitigen Erwartungen auf eine be- Krieges jebe Gelegenheit und eine große Versuchung fallen, der die Leute, die im Jahre 1914 die deutsche Politit friedigende Lösung gäben jedoch ein ziemlich peffimistisches gehabt, im Often eine 3ntrige anzulegen, die ihm in bestimmten, für reine Zugendspiegel gehalten hat. Und wenn Bild. ipäteren Jahvem in Indien , Birma und sogar in Austra