Nr. 136. 35. Jahrg.
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Berliner Volksblatt.
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Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Ferniprecher: Amt Morisplat, Nr. 151 90-151 97.
Sonntag, den 19. Mai 1918.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernioremer: Amt Morinplas, Nr. 151 90-151 97.
Vierte Kriegspfingften!
An die Partei!
Die Sozialdemokratische Partei hat seit vielen Jahren für das gleiche Wahlrecht in Preußen gekämpft. Die zum Hinumel schreiende ungerechtigkeit des preußischen Wahlrechts trat im Laufe des Krieges so offenkundig für alle Welt zutage und löfte einen so großen Unwillen im Voile aus, daß schließlich nicht nur der König von Preußen, sondern auch das preußische Staatsministerium sich für das gleiche Wahlrecht einsetzten und seine Durchführung feierlich anfündigten.
Trotzdem hat das Abgeordnetenhaus das gleiche Wahlrecht wiederholt abgelehnt; die Regierung aber hat die AufLösung des Landtags, die von Millionen an der Front und daheim als eine Selbstverständlichkeit erwartet wurde, nicht ausgesprochen. Diese Unentschlossenheit der Regierung muß die reaktionären Feinde jeder Erweiterung der Volksrechte in ihrem Widerstande gegen das gleiche Wahlrecht bestärken. Statt in absehbarer Zeit das gleiche Wahlrecht zu erhalten, wird das deutsche Volk zunächst mit einer Verkürzung der Brotration zu rechnen haben. Die Ankündigung der Regierung, daß vom 16. Juni ab die Brotration verkürzt werden soll, wird unter allen Umständen durchgeführt werden. Das zögernde Verhalten der Regierung gegenüber dem preußischen Bandtag wird den Massen des Volkes dadurch nicht in befferes Richt gerückt.
Es ist selbstverständlich, daß der Parteivorstand die erafte politische Situation nicht nur aufmerksam verfolgt, sondern auch entschlossen ist, seine Pflicht und Schuldigkeit nach besten Kräften zu tun. Dazu gebraucht er jedoch die tatkräftige Unterstützung der Gesamtpartei.
Der Parteivorstand fordert deshalb auf, zielflar im Sinne der letzten Mitteilungen zu verfahren, die er den Drganisationen und der Parteipresse gemacht hat. Es müssen überall Versammlungen abgehalten werden, in denen die Auflösung des Landtages mit Entschiedenheit gefordert wird.
Der Parteivorstand tritt binnen fürzester Frist mit der preußischen Landeskommission und dem Parteiausschuß zusammen, um zur Wahlrechtsfrage und der Verkürzung der Brotration Stellung zu nehmen.
Der Parteivorstand.
Rücktritt Tschitscherins?
Aus Niew wird dem B. L." bon gestern gedrahtet:
Erkundungen und Artilleriekämpfe
Nahkämpfe bei Laffigny.
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Berlin , 18. Mai 1918, abends. Amtlich. Von den Kriegsschauplägen nichts Neues. Großes Hauptquartier, 18. Mai
Amtlich.
1918.( W. Z. B.)
Weftlicher Kriegsschauplah.
An den Kampffronten nahm die tagsüber schwache Artillerie. tätigkeit vor Einbruch der Dunkelheit erheblich zu. Startes Störungsfeuer hielt die Nacht hindurch an. Rege Ertun dungstätigkeit führte namentlich in der Gegend von 2 assigny zu heftigen Nahtämpfen. Mehrfach wurden Gefangene eins gebracht.
Gestern wurden 16 feindliche Flugzeuge und 1 Fesselbabon abgeschoffen. Bon den anderen Kriegsschauplägen nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff.
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Berlin , 17. Mai. Unsere Unterseeboote haben im Kermelfanal und an der Ostküste Englands wiederum 13 000 Br. Reg. o. feindlichen Handesschiffsraumes versenkt. Zwei Dampfer wurden aus start gesicherten Geleitzügen herausgefchoffen. Der Chef bes Admiralstabes der Marine.
Der österreichische Bericht. 23iex, 18. Mai 1918. Amtlich wird verlautbart: Die italienische Erkundungstätigkeit an der Südwestfront ist aubauernd rege.
Die Kämpfe zwischen Dsum und Devoli wurden fortgefest. Der Chef des Generalstabes. Ereignisse zur See.
Eines unserer U- Boote, Kommandant Linienfchiffsleutnant Holub, hat am 14. Mai vor Valona einen großen englischen Zerstörer burch Torpedoschuß verfentt.
Flotten kommando.
Wien , 18. Mat. Die amtliche Wiener Beitung" beröffentlicht eine Rundmachung des Ministeriums des Innern, durch die bekannt gegeben wird, daß das Armecoberkommando mit Wirksam leit bom 20. 5. 1918 folgendes verfügte: Das östliche Kriegs gebiet entfällt, das füdwestliche weitere und engere Kriegsgebiet bleibt bestehen.
Pfingstvakuum.
Am 4. Juli 1917 erklärte im Hauptausschuß des Reichstages der sozialdemokratische Redner Genoffe Dr. Landsberg: Hunger und Not erträgt das Bolt; es foll aber auch die Gewißheit haben, daß die Zeit der politischen Entrechtung vorüber ist."
Zufällig werden wir an das Wort erinnert. Wir finden cs als Zitat in einem gegen die Sozialdemokratie gerichteten Hetzflugblatt der Stonservativen Schristenvertriebsstelle G. m. b. H.". Dort soll es zum Beweis der ungeheuren StaatsEinem normal feindlichkeit der Sozialdemokratie dienen. denkenden Menschen wird es wohl nur ein Beweis für. den tiefen sittlichen Ernst der sozialistischen Staatsauffassung sein.
Gerade die konservativen Hintermänner des Flugblattes, die den Sinn dieses Ausspruchs zu verdrehen suchen, hätten aber allen Grund gehabt, seinen wirklichen Inhalt zu beherzigen; denn wenn je, so ist dieses Wort heute am Blaze.
Eine Herabsehung der Brotration hat sich nach Ansicht der für die Voltsernährung verantwortlichen Behörden notwendig gemacht. Mit Recht vermutet man, daß die Kunde nicht freundlich aufgenommen wird. Man sucht zu beschwichtigen, von der Notwendigkeit zu überzeugen, an das Vaterlandsgefühl zu appellieren. Wir können auch heute nur antworten: Hunger und Not erträgt das Bolt; es soll aber auch die Gewißheit haben, daß die Zeit der politischen Entrechtung vorüber ift."
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Da aber liegt der Hund begraben. Zu derselben Zeit, zu der das Vakuum des Magens vergrößert wird, schafft ein überaltertes, jeder Eristenzberechtigung bares, auf einem von allen Seiten für ungerecht anerkannten Wahlsystem aufgebautes Klaffenparlament ein Vatuum des Staatsbürgerrechts. Eine in Einlösung feierlichster Regierungsversprechen eingebrachte Vorlage macht es zur Farce, indem es an der entscheidenden Stelle einen leeren Raum läßt. Anstatt die Verminderung der Lebensmittelbezugsrechte durch eine Vermehrung der Staatsbürgerrechte erträglicher zu machen. unterstreicht es in plumper Brutalität das förperliche durch das geistige Vakuum und wirkt so direkt in sta a tsfeindlichem Sinne. Den alldeutschen Streisen, die nicht genug über den Reichstag im Kriege zu schimpfen wissen, fann an dieser Stelle zu Gemüte geführt werden, daß nicht der Reichstag , sondern das preußische DreiIassenhaus das Parlament ist, das eine von der Regierung in höchstem Maße für triegsnotwendig erklärte Vorlage abgelehnt hat.
„ Nowoja Wjedomost." melden aus Petersburg , daß der Rat Ein Kühlmannsches Friedensfühlerdementi. blizen, wird fünftig gähnende schwarze Leere sein. Auch das
Litowst teilgenommen.
,, Ein reines Märchen."
der Volkskommissare an Stelle Eschitscherins Karachan mit der borläufigen Leitung des Kommissariats für auswärtige Angelegenheiten betraut habe. Karachan hat bekanntlich auch an den Friedensverhandlungen von Brest Courant berichtet von einem Gespräch, das er mit StaatsDer Berliner Storrespondent des„ Nieuwe Rotterdamsche Ob die vorläufige Ernennung Karachans zum Kommissar sekretär v. Stühlmann über die sogenannte Sendung des des Auswärtigen den Rücktritt Tschitscherins einleitet, bleibt früheren Kriegsministers Colijn nach England hatte. Herr also abzuwarten. Ueber die Ursache dieses Personenwechsels b. Kühlmann sagte: Ich habe gehört, daß das niederländische verlautet nichts. Nur der Hinweis auf Karachans Tätigkeit Ententeblatt zweimal behauptet hat, daß Herr Colijn im Aufin Brest- Litowsk fällt auf. trage von mir in England gewesen sei, um über den FrieNatürlich kann nicht ausbleiben, daß das Ausscheiden den zu sprechen. Es ist mir nicht bekannt, ob Herr Colijn Tschitscherins an dessen legten Notenaustausch mit der deutschen mit einigen seiner Freunde in England über den Frieden Regierung erinnert. Wir wiesen jüngst auf Noten aus Anlaß der gesprochen hat. Offenbar wird im Augenblick in England Vorgänge in der Krim hin, die von Unstimmigkeiten ziemlich viel über den Frieden geredet. Die Behauptung, zwischen Moskau und Berlin zeugten, aber die zurzeit vorhandene Lage nicht ganz gaben und nur im gröbsten Umriß erkennen lassen. Der Rücktritt Zschitscherins wäre vielleicht eine bemerkenswerte Ergänzung.
Auch an anderen Stellen naht ein Bakuum. Wo am Pfingsttage Türklinken und Fenstergriffe festlich geputzt ließe sich am Ende ertragen. Sicherlich ist dieses Opfer nicht das größte, das vom Volfe während des Krieges verlangt wird, lichkeit empfunden wird. Aber auch dieses Opfer muß vom wenn es auch als recht unmittelbarer Eingriff in die HäusDreiklassenhaus noch unterstrichen und ins Geistige übertragen werden. Die Türklinkenbeschlagnahme erscheint ihm als günstige Gelegenheit, für ein fommendes besseres Parlament die vielberufene Klinke der Gesetzgebung zu beschlagnahmen.
Noch immer tuschelt es ja hinter den Kulissen von Verständigungsversuchen, als deren Kernstück nach wie vor der Vorschlag erscheint, die Verfassung gegen alle späteren Aenderungen zu verbarrikadieren. Man will für Verfassungsänderungen unerreichbare Mehrheiten vorschreiben und gleichzeitig alles, was das Wesen des alten reaktionären Preußens ausmacht, in die Verfassung hineinschmuggeln. Will dann ein fünftiges aus gleichen Wahlen hervorgegangenes. Abgeordnetenhaus einmal in dringender Notlage nach der Klinke der Gefeßgebung greifen, so wird es mit Schmerzen bemerken, daß diese Klinke während des Krieges von heimlichen Händen abgeschraubt worden ist.
als fei Herr Colijn , den ich übrigens seit meiner Amtszeit in Holland kenne und verehre, in meinem Auftrage, auf meinen Wunsch oder in Uebereinstimmung mit mir nach England gereist, um dort über den Frieden zu sprechen, ist ein reines Märchen. Ich Senatsdiktatur in Finnland ? habe mit Herrn Colijn seit Monaten weder unmittel bar noch auf einem Umwege in irgendwelcher BeStodholm, 18. Mai. Laut einem Telegramm aus ziehung gestanden und habe von seiner Reise erst aus den Helsingfors an Svenska Dagbladet" beabsichtigt der finnische Beitungen gehört. Ob freilich ein Kompromiß auf dieser Grundlage wirklich Senat dem Landtage vorzuschlagen, dem Präsidenten Der Dementierapparat arbeitet lebhaft gegen die zustande kommt, ist genau so fraglich wie vor Wochen. Eine des Senats souveräne Macht zu übertragen. Ob. Friedensfühlergerüchte. Aber die Gerüchte, daß für den Meldung, daß die Lohmann- Gruppe zu weiteren Verständiwohl sich die Jungfinnen und Agrarier diesem Plane wider. Frieden etwas unternommen werden soll, wachsen eifrig nach. gungen nach links hin geneigt sei, hat diese mit großer Hast setten, glaubt man doch, er werde gelingen. Man schließt Wie das„ Berner Tageblatt" wissen will, sei in Bern die dementieren lassen. Auf der anderen Seite nimmt allerdings daraus auch, daß die Umwandlung Finnlands in eine Mon- Rede davon, eine Konferenz der Neutralen zu der Umfall des Zentrums nach rechts immer archie für den Augenblick aufgeschoben ist. organisieren, um eine Friedensbewegung auf deutlichere Formen an. In ihrem Abgleiten vom gleichen Kopenhagen , 17. Mai. Berlingske Tidende" meldet aus breiter Grundlage in die Wege zu leiten. West- Wahlrecht ist die Zentrumsfraktion nun bereits so weit geHelsingfors: Die Festung Ino wurde von finnischen schweizer Blätter behaupten, der türkische Gesandte in Bern langt, daß sie nach Mitteilung der Zentrums- ParlamentsTruppen besett. Die Russen zogen sich zurüd, nach- fei über Wien nach Konstantinopel abgereift, um für den Fall Korrespondenz eine 3us abstimme für das Alter dem sie eine Reihe von Befestigungsanlagen zerstört hatten. einer derartigen Besprechung die nötigen Weisungen zu holen. zugestehen will. Freilich ist diese Basis den Lohmännern Letten Dienstag sind Tausende von Russen von Helsingfors Wir fürchten, diese Schweizer Meldung bereitet ein neues noch nicht ausreichend, und so bleibt, nachdem alle Möglichabgereift. Dementi vor. feiten durchprobiert sind, den Gläubigen der Verständigung