Nr.328.36.Jahrg.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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BRO
Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.
Ferusprecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.
Montag, den 30. Juni 1919.
Vorwärts- Verlag 6.m.b. 5., 6. 66, Lindenste. 3. Bernsprecher: Amt Mortyplay, r. 11753-54.
Der Streikerlaß aufgehoben.
Der aus Anlaß des Eisenbahnerstreifs vom Reichswehr- Die Arbeiterzeitung" betont, daß dem Frieden vor
minister herausgegebene Streiterlas ist am Sonntag läufig jede verföhnende straft mangelt. Das habe sich schon in dem Ein internationaler sozialistischer
abend aufgehoben worden.
äußerlichen Vorgang gezeigt, dem jedes warme herzliche Wort fehlte
Diese Regelung ist sofort allen Eisenbahnbediensteten und der in seiner Kälte grausam gewirkt habe. und allen Eisenbahndienststellen bekanntgegeben worden.
Erklärungen General Smuts.
... den erhofften Frieden nicht gebracht. London, 28. Juni .( Reuter.) Der südafrikanische General Smuts erklärte auf Befragen einem Vertreter des Reuterschen Bureaus, er habe den Friedensvertrag unterzeichnet, nicht weil er ihn befriedige, sondern weil das unbedingt nötig gewesen sei, um den Krieg zu beenden. Der Vertrag sei lediglich eine Liquidation der Kriegslage der Welt.
Versailles, 28 Juni. Laut emps" beröffentlicht General Smuts eine Erklärung, die über seine von dem Reuterschen Bureau gemeldeten Aeußerungen hinaus noch besagt: Der Frie bensvertrag babe den erhofften Frieben nicht gebracht, und seine wahre Ausarbeitung beginne erst jetzt. Manche Wbmachungen über Bandabtretung feien änderungsbedürftig, unb manche Sicherungsbestimmungen stünden mit der neuen friedlichen Gefiinnung und der Entwaffnung des früheren Feindes nicht im Ginklang. Die vorgesehenen Strafen müßten bei ruhiger Er. wägung gestrichen werden. Die geforderten Entschädi. gungen würden die industrielle Wiedergeburt Europas beträcht lich schädigen und müßten zum Wohle aller magvoller gestaltet werden. Der Völkerbund fei noch unvolltom men und müsse zu einem wahren Werkzeug des Fortschritts umge
wandelt werden.
General Smuts hat bereits am Sonnabend gleichzeitig mit seiner Unterschrift einen Protest gegen die Bestrafung des deut schen Staisers und gegen einige andere Punkte des Vertrages abgegeben.
Umschwung in der Behandlung der Ehrenpunkte?
Untersuchungsausschuß!
Von Victor, Schiff.
Schande, die ihresgleichen in der Welt sucht. Stockholm, 27. Juni. Unter der Ueberschrift„ Sieg und Nicht allein jeder Jurist, sondern auch jeder Mensch mi Schande" führt Hauptmann Liljedahl im Aftonbladet" normalem Rechtsembfinden wird dem sogenannten Schuldaus: Die Entente hat physisch geftegt, aber Deutschland hat, wie geständnis, das Deutschland durch die erpregte Unterzeich wohl nie zubor ein besiegtes Bolt, die ungeteilten Sympathien der nung des Artikels 281 abgelegt haben soll, auch nur den gerechtlich deutenden Neutralen der Welt. Die Entente hat ihren ringsten moralischen Wert ab streiten müssen. Wenn daSieg auch in gewissem Grade moralisch gewonnen, wenn sie die zwei gegen etwas als Schuldgeſtändnis gelten könnte, so wäre es Gintrände in der Schuldfrage und die Auslieferung des Kaifera, pielmehr die ständige Weigerung der Sieger, auf den deutwelche die deutsche Stegierung in letzter Stunde machte, angenommen ichen Gerichtshofes zur Briiffing der Schuldfrage einzu schen Vorschlag emes internationalen unparteihätte. Aber dieser Appel Deutschlands an den Rest von mensch geben. Wo ist das schlechte Gewissen zu suchen, auf der Seite lichen Gefühlen, ber vielleicht noch bei den Moralprebilanten in jener, die den Streitfall vor dem unparteiischen Richter ausVersailles zu finden war, wurde mit einem ebenso hartherzigen wie tragen wollten, oder jener, die es vorzogen, das Urteil mit unerhört dummen„ Nein" beantwortet. Damit hat die Entente ihren Sieg mit einer dan de befudelt, die ihresgleichen beere und auf die sofortige Wiederverhängung der unger einem drohenden Hinweis auf ihre intakten millionenin der Weltgeschichte sucht. blodabe felbft zu fällen: Die afliierten und assoziierten Mächte erklären und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und dessen Bundesgenossen die Berantwortung tragen..."? Bilden sich die Ententemachthaber jetzt ein, daß die Akten über die Schuldfrage damit endgültig geschlossen sind? Wir Wien, 28. Juni. Wie das Neue Wiener Abendblatt werden im Gegenteil schon dafür sorgen, ja, wir müssen meidet, trafen heute etwa 40 1tlinge aus Budapest in Wien dafür sorgen, daß der Schuldprozeß vor den Weltgewissen und ein, barunter mehrere namhafte Politiker und Bankdirektoren unb der Weltgeschichte heute lieber als morgen wieder aufviele Damen, die ohne Gepäck, nur um das Leben zu retten, die fer einleiten wollte, ohne in der Schuldfrage wirklich reinen gerollt werde. enn man die Wiederversöhnung der Völseimat verlichen. Sie erzählen furchtbare Einzelheiten über die Tisch zu machen, so wäre es, als baute man eine Alpenhütte Schießereien in Budapest. Während ihrer Reise durch die Provins auf einem Sturmumbrausten Gipfel ohne jegliche Fundamenta tennten sie sich überall davon überzeugen, bez bie Bauernschaft Das wird übrigens einer der zahlreichen Gründe sein, weshalb der Näterepublik starken Widerstand leistet. Die Budapester Be- der Wilsoniche Völkerbund totgeboren ist. völkerung beabsichtige, fich an die Wiener Ententekommission zu Wir stimmen mit den französischen Genossen der„ Huwenden zur Heftfiellung der Bergewaltigungen, Blinderungen und manité" und das Populaire" vollkommen darüber ein, daß der Morde in der Näterepublik, und um die unschuldige Bevölkerung wahre, der einzige Bund der Völker nicht der ist, der im Bergegen Bluttaten zu schüten, In Budapest biltiere Sae- falller Bertrag einseitig ifizziert wurde, sondern erst gegrünmuely noch immer Zobesurteile, die in feiner Gegen det werden muß, und zwar durch die Internatiowart vollstreckt würden.
Die Auslieferung des Kaisers und der Offiziere. Amsterdam, 29. Juni. Chicago Tribune" schreibt: Seit Beginn der Konferenz waren die Amerikaner fortwährend gegen die Auslieferung des Raisers und gegen feine Ber urteilung, weil kein Mittel besteht, um diesen Prozeß auf geseyliche Weise zu führen und weil man nicht aus dem früheren Kaiser einen Märtyrer machen und die monarchistische Bewegung" in Deutschland unterstützen will. Der Tribune" zufolge haben fich inzwischen auch Frankreich und Belgien zu diesem Standpunkt bekannt. Das Blatt glaubt auch nicht, baß man bie deutschen Offiziere, deren Auslieferung im Sertrag verlangt
wird, verurteilen wird.
Italiens innere Schwierigkeiten.
nale der Arbeiter. Diese allein besitzt das moralische Recht, die moralischen Mittel und die moralische Kraft, die große, leider wiederum verpfuschte Idee einer Gemeinschaft aller Bölfer zu verwirklichen. Aber ihre erste Aufgabe wird dabei die,, Avanti" für ein Bündnis. mit bisherigen Gegnern. jenige sein müssen, der die Ententeregierungen aus guten GrünBern, 28. Juni. Der Historiker Ferrero entwirft im ben entgegen dem wiederholten deutschen Vorschlage ausgeSecolo" ein trübes Bild bon ber 3ukunft wichen find, nämlich die Untersuchung der Schuldfrage. Das, 3taliens. Die Minifterkrise sei ein Vorspiel der kommenden was die bürgerlich- fapitalistischen Ententemächte abgelehnt Edwierigkeiten. Die repräsentative Staatseinrichtung Italiens haben, muß die Internationale Sozialdemo bätte völlig abgewirtschaftet. Es brohe ein Sufammenbruch. Fratie durchführen: die Einsegung eines gemischten unparteiischen Ausschusses, dem alle vorhanSweifellos werde die Krife in Italien furchtbar sein; denn die benen Akten, die zur Klärung der Schuldfrage beitragen können, Bolkswut sei durch den Absolutismus der zahllosen Diktatoren ausgeliefert werden und der auszusprechen haben wird, wer an aufgepeitscht worden. Das Land stehe plöglich vor un aufgepeitscht worden. Das Land stebe plöglich vor under Entstehung des Krieges schuldig und mitschuldig ist. geheuren Schwierigkeiten, ohne führende Ohne Abänderung oder Vorbehalt". Wir sagen: alle vorhandenen Alten, denn es ist anbesonderer Befähigung, ohne Ein dringendes Gefuch Wilsons au das ameri- Biele und Bege, ohne finansielle mittel uub zunehmen, daß die Alliierten sich wohl hüten werden, ihre fanische Bolt. Archive der Deffentlichkeit preissugeben. Wir meinen aber, So habe das Bolt nur von sich daß einem unparteiischen Ausschuß. in dem z. B. Washington, 28. Juni .( Meuter.) In einer an das amerita- felbst die Rettung zu erwarten. Männer, wie Snowden, Enrico Ferri, Longuet, Huysmans, nische Volf unmittelbar nach Unterzeichnung des Friebensvertrages„ Avanti" erblidt in dem Rabinett Nitti- Littoni einen Troelstra, Stauning, Romain Rolland, Serrati, MacDonald zu gesandten Botschaft dringt Präsident Wilson auf Annahme Schritt zur Rückkehr aur Freiheit. Eine politische Krise tönne nur fammen mit Vertretern der deutschen Sozialdemokratie( Mehrbes Friedens und Bölkerbundvertrages ohne Abänderung oder vermieden werden durch ein Weltfyftem, daß die Produktions- heit und unabhängigen) und der deutsch- österreichischen SozialEr nennt den Friedensvertrag das große Abkommen quellen der Welt zum Allgemeingut mache. Italien folle fich demoftratie figen würden, die Berliner und Wiener einer neuen Ordnung der Dinge, das Grund für eine Hefe Genug daher mit gleichgestellten Mächten verbünden, Akten ohne weiteres ausgehändigt werden tuung und allgemeine Beruhigung biete. die ,, Avanti" bei den bisherigen Gegnern finden will.
Vorbehalt.
Kräfte
Verbündete,
Kein deutscher Soldat mehr in der Türkei. Bremen, 28. Juni. Hente tam in Bremerhaven der stattliche Friedens in Bersailles stellen die Blätter fest, daß der unter- General von Streß, den Rest der deutschen Delegation im Rautajus, Bien, 20. Juni. Bei Besprechung der Unterzeichnung bes Dampfer Gü! Djemal ein, der aus Konstantinopel ben zeichnete Frieden schlecht für die Besiegten, schlecht für die Sieger die legten noch im Raulajus befindlich gewesenen Truppen und die und schlecht für die Gesamtheit der Bölter ist, und daß der Proteft legten Mitglieder der Konstantinopler deutschen Kolonie in die bes Generals Smuts der erste Schritt fei zur Beendigung des Seimat geführt hat. Nach der Abfahrt der Gül Djemal sind keine furchtbaren Totentanzes, der die Welt fünf Jahre in Atem hielt. Deutschen mehr in der Türkei verblieben, so daß vorläufig das Die Neue Freie Breife" sagt: Der Friebe, der heute in Deutschtum im naben Often als ausgerottet ange Versailles geschlossen wurde, ist ein Meptstein in der Eniwidung fehen werden muß. Die Zurüdgelehrten erzählen, daß ihnen vor der Menschen, weil durch den Vertrag eine Weltherrschaft ge- und bei der Abfahrt von allen Streifen der Beoölferung Ronstanti schaffen wurde, wie unter Staiser Qadrian, als der Erdkreis den nopels zum Ausbrud gebracht worden ist, wie ungern sie die Deut Römern untertan geworden war. Jetzt sind England und Amerita schen scheiden sähen. fast unbeschränkte Gebieter über viele hundert Millionen. Sie sind Bon den deutschen in Südrußland geweſenen Truppen find noch Herren zu Wasser und zu Lande. Der Friede wird sein, was Engfand und Amerita aus ihm machen. Der schmerzensreiche Zag für Deutschland ist vorüber. Es hat den Strieg verloren und ist grau jam mißhandelt worden. Aber früher, als die Feinde denken, wird es auf feinem Blage in der Weltwirtschaft wieder zu finden fein.
etwa 6500 Mann unter Führung des Admirals Hopmann unter wenig angenehmen Verhältnissen in. Saloniti. Deuffdierfeits werden jest in Konstantinopel Schiffe zur Heimführung dieser Truppen gechartert. Der erste dieser Dampfer dürfte in etwa vierzehn Tagen an der deutschen Küfte eintreffen.
fönnten. Diese Männer würden ftets genug Objektivität au bewahren wissen, um nicht zu vergessen, daß wir allein unsere Archive geöffnet hätten, während die diplomatischen Dokumente des Quai d'Orian uns der Downing Street das Licht der Deffentlichkeit weiter scheuen würden. Da ferner eine Unsich aufgefunden wurde, so wäre die Kommission jedenmenge bon amtlichen Schriftstücken in Petersburg durch die Sowjet- egierung enthüllt und in Brüssel falls arbeitsfäbig und der Nachteil der einseitigen Ausich aufgefunden wurde, so wäre die Kommission jedenfalls arbeitsfähig und der Nachteil der einseitigen Auslieferung für Deutschland gewissermaßen wettgemacht.
Die Berner Konferenz im Februar dieses Jahres hat sich allerdings bereits mit der Schuldfrage beschäftigt, aber die Diesbezügliche Debatte war noch etwas von den Leidenschaften des formell noch nicht abgeldloffenen Krieges getragen, ihr war feine jachliche, forafältige Briifung von Atten vorangegangen und die schließlich mühsam zustandegekommene Resolution war abfichtlich ziemlich nichtssagend und verfolgte offensichtlich den Swed, die erste Sozialistenkonferans feit Beginn des Krieges und die erste of me Aussprache nach außenbin einen etwas verfönlichen Abschluß zu geben. Diese taftisch gerechtfertigte Oberflächlichkeit genügt aber nicht mehr. Sept stehen wir vor wichtigen neuen Tatsachen: die endgültige Weigerung der Alliierten, die Prüfung der Schuldfrage einem internationalen Gerichtshof