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Nr.384.36.Jahrg.

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Morgen- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.

Fernsprecher: Amt Moritplan, Nr. 15190-15197.

Mittwoch, den 30. Juli 1919.

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 117 53-54.

Neuorientierung Deutschösterreichs.

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Nach Wiener und ententistischen Aeußerungen unterliegt es feinem Zweifel, daß mit dem Rücktritt des Genossen Otto Bauer von der Leitung des Auswärtigen Dienstes Deutsch Desterreichs des glühenden Verfechters des Anschluß­gedankens an die große Schwesternrepublik Deutschland der größte Sieg der Pariser Gewalthaber abgeschlossen ist. Deutsch - Desterreich steht vor einer äußeren Neuorien­tierung. Die Hungerpeitsche, die man rücksichtslos über dieses zu Boden getretene Land geschwungen hat, ist als Zwangsmittel wirksam gewesen.

Eine interessante Erklärung.

Bon dem apostolischen Nuntius, Erzbischof Pacelli , geht uns aus Rorschach folgende Mitteilung zu:

In den Erklärungen des ehemaligen Reichskanzlers Michaelis iu der Täglichen Rundschau liest man, daß schon beim Empfang des Schreibens des Nuntius sich herausgestellt hatte, daß Erzberger von dem Brief wußte. Der Nuntius muß erklären, daß Erzberger von ihm über den Juhalt des Briefes keineswegs unterrichtet war.

Nach verlorener Schlacht.

Weimar , 29. Juli 1919.

Die konservativen und nationalliberalen Kriegsverlän gerer und Annexionisten saßen heute im Parlament mit be­trübten Gesichtern da. Von der Kampfeslust und der An­griffsfreude, die die Rede ihres Graefe getragen hatte, war heute nicht eine Spur mehr zu bemerken. Ihre Redner Rießer und Warmuth versuchten nach der verlorenen Schlacht zu retten, was noch zu retten war, nämlich einige Worte zu machen, um dadurch Nebelschwaden zu erzeugen, die die Ge­fchlagenen

Deutsch - Desterreich wollte sich mit Deutschland zu einer Wirtschaftliche Angliederung"! genen berhüllen sollten. Aber der Eindruck der gestrigen

großz- deutschen Republik vereinigen. Frankreich widerstrebte dem aufs heftigste. In Italien stand man diesem Gedanken sympathisch gegenüber, weil die von der Entente betriebene slawische Politik zu einer Lebensgefahr für Italien zu werden drohte.

Nun wird Deutschösterreich zu einer starken Annäherung an die Entente und zu einem Werkzeug der französischen Zersplitterungspläne in Zentraleuropa gezwungen. Man will den Plan einer Donaukonföderation, also eines in sich ausbalancierten, aber dem deutschen Einfluß feindlichen flawisch- magharisch- deutschösterreichischen Bündnisgebildes auf dem Boden der ehemaligen Donaumonarchie wieder auf­nehmen.

Es steht zwar im Augenblid noch nicht fest, ob Dester­reich den Friedensvertrag unterschreiben wird. Es ist jedoch sicher, daß die bereifliegenden Zwangsmittel biel stärker sind als die österreichische Widerstandskraft. Unter dem un­geheuren Druck wird Desterreich alle Wünsche von Paris erfüllen müssen hält.

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solange wenigstens, bis der Druck nach­

Auch Deutschösterreichs wahre Freiheitsstunde liegt noch in gewisser Entfernung. Wenn die Brutalität entkräftet vor der Geretiofeit fapitulieren wird, dann wird sich die Stimme des Blutes den Weg zur Vereinigung aller Brüder deutschen Stammes erzwingen.

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Mit besonderem Stola beruft sich die alldeutsche Klique der Michaelis- und Ludendorff- Männer darauf, daß sie Belgien gar nicht hätten annettieren wollen, sondern nur die wirtschaftliche Angliederung Belgiens " an Deutschland erstrebt hätten. Die National- Zeitung" ist in der Lage, ein Aftenstüd zu ber­öffentlichen, aus dem hervorgeht, wie sich die Annexionisten die wirtschaftliche Angliederung Belgiens dachten. Darunter bcr­standen sie u. a.:

Eingliederung Belgiens in das deutsche Zollsystem, Rechts­fraft aller gegenwärtigen und fünftigen Reichssteuer- und Reichsmonopolgefehe in Belgien , Uebernahme aller Bertrefun­gen Belgiens in Boll und Handelsvertragsangelegenheiten gegen über dritten Staaten durch die deutsche . Regierung, Austritt Belgiens aus der lateinischen Münzunion und Uebernahme der deutschen Münz - und Notengesetzgebung, Einführung der Mark­währung usw. Vor allem aber gehörte auch zu der wirtschaft lichen Angliederung die Annullierung aller Entschädigungsan fprüche Belgiens für Requisitionen, Beschädigung industrieller Anlagen, Kriegsschäden und Kontributionen, sowie die Aner­tennung der Eingriffe in die Privatrechte, die durch die Offu­pationsberwaltung borgenommen wurden, und schließlich noch die Bildung einer unter deutschem Kapitalsübergewicht stehenden Attiengesellschaft zur Uebernahme der belgischen Eisenbahnen. Also eine wirtschaftliche Slaberei Bclgiens in aller Form, schlimmer noch als die wirt­fchaftliche Beritlabung Deutschlands durch den Sie michaelis- Ludendorff herum wirtschaftliche Angliederung"! Versailler Friedensvertrag. Das nannte man um Es ist flar, warum die damalige deutsche Regierung zu einer un zweideutigen Erklärung nicht zu bewegen war.

zuzufügen:

Ribots Erklärungen.

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Die Finanznot Deutschösterreichs. Ueber 4 Milliarden Defizit. Zu den in unserem gestrigen Abendblatt wiedergegebenen Er­Wien, 28. Juli. ( Corrbureau.) Der der Nationalversammlung flärungen Ribots bezüglich des Friedensschritts 1917 ist noch hin­heute vorgelegte Staatsvoranschlag für 1919 meist an Ausgaben 8441, Gaspari gab die englische Note an den Bapst nach Berlin an Ginnahmen 3454 Millionen Kronen, also einen Fehlbetrag von weiter, um weitere Sicherheiten wegen Belgiens präzisiert zu er 4987 Millionen aus, einschließlich Staatsausgaben und Ginnahmen halten. Deutschland antwortete jedoch nicht, weil es damals der der deutschösterreichischen Verwaltung zurzeit entzogenen Ge- biefe Sicherheiten nicht geben wollte, und der Ge biete, insbesondere Deutschböhmens und des Sudetenlandes; ohne fandbe, der auch Frankreich beim Vatikan vertrat, brach die Ber­diese bleiben einschließlich des Anteils an den Liquidationsaus. Handlungen ab. Frankreich wußte nichts von der englischen Ant­gaben und-einnahmen des früheren Desterreichs 6546 Millionen wort an den Vatikan und erhielt auf ausdrückliche Anfrage beim Staatsausgaben, 2548 Millionen Staatseinnahmen und ein Fehl- englischen Auswärtigen Amt den Bescheid, daß es sich lediglich um betrag von rund vier Milliarden. Die Gesamtstaatseinnahmen be- eine höfliche Empfansbestätigung der päpstlichen Anfrage ge­tragen nur 40,9 Proz. der Ausgaben. Die Ginnahmen aus öffent- Diese ausweichende Antwort Englands vor Frankreich beweist lichen Abgaben allein( 1030 Millionen) deden nicht einmal den nicht, daß es sich nicht um einen ehrlichen Versuch Englands, einen Bersonalaufwand. Die Staatsbahnen haben einen Fehlbe- Verständigungsfrieden herbeizuführen, handelt. trag von 416% Millionen, die Post von 165 Millionen. Das Finanzgesetz erhöht die im Budgetprovisorium bewilligte Aredit ermächtigung von zwei auf vier Milliarden Kronen. Der Staats­voranschlag berücksichtigt die Wirkungen des Friedensvertrages noch nicht; sie werden nach der Ratifizierung des Friedensvertrages in einem Nachtrage zum Staatsvoranschlag zusammengefaßt werden. Die Auslieferung des Ex- Kaisers.

Verhandlungen begonnen.

Bern , 29. Juli. Republicain de Lyon" meldet aus Baris, daß die Unterhandlungen mit holland über die Au 3. lieferung des Kaisers begonnen hätten. Man beabsichtige, das Verfahren gegen den Kaiser nicht in London , sondern an einem schwer zugänglichen Orie stattfinden zu lassen. Man spricht von Scapa Flow .

handelt habe.

Entwaffnung der bulgarischen Armee.

Die Folgen eines Zwischenfalles.

Enthüllungen war so stark, daß noch nicht einmal dieser letzte Dienst, den sie ihren Parteien und früheren Machthabern zu erweisen sich bemühten, gelingen wollte. Stockend und un­beholfen kamen die lendenlahmen Entschuldigungen, die sie fich abpreßten, zu Gehör. Wirkungslos gingen die sogar an ihren eigenen Barteifreunden vorüber.

Nießer versuchte noch einen schwachen Angriff auf Erz­berger, indem er von einer Unterredung eines namenlos Ge­bliebenen mit Erzberger Mitteilung machte. Diese Unter­redung soll über das Erzbeden von Longwy und Brien ge­pflogen worden sein. Rießer schloß daraus, daß im Jahre 1917 der Abg. Erzberger ebenfalls für die Annerion von Longwy und Brieg eingetreten sei. Erzberger, der heute als einziger Minister das Wort nahm, parierte den Hieb, indem er hinzufügte, die Unterredung hätte allerdings stattgefunden, wahrscheinlich mit einem Bertrauensmann der Obersten Heeresleitung. In dieser Unterredung sei er, Erzberger , aber nicht für die Annexion von Longwy und Briey einge­treten, sondern für einen wirtschaftlichen Aus. gleich zwischen Deutschland und Frankreich dergestalt, daß Deutschland an Frankreich Koks und Kohlen liefere und dafür von Frankreich Minette zurückerhalte.

Erzberger gab außerdem heute noch einmal die Erklä­rung ab, weshalb die Reichsregierung erst jest mit den Ent­öffentlichungen aus den Aftenstücken so lange zu unter­hüllungen beginne. Die Regierung hat sich gesagt, daß Ver­bleiben haben, wie der Friede noch nicht geschlossen ist. Aus diesem Grunde haben die Mitglieder der früheren Regierung während des Wahlkampfes und in den Monaten nachher auf alle Angriffe und Anzapfungen geschwiegen. Sie haben lieber persönliche Verdächtigungen schwei­gend ertragen, als daß sie das Land in Gefahr brach­ten, durch vorzeitige Veröffentlichungen die Annexionisten der Entente zu noch schlimmeren Bedingungen gegen Deutschland anzustacheln. Ein weiterer Grund für das Schweigen der bisherigen Minister ist darin zu erblicken, daß Schweigen der bisherigen Minister ist darin zu erblicken, daß diese das ganze Material über die Schuld am Ausbruch des Krieges wie über seine Verlängerung und über die Vereitelung der Friedensabsichten dem Staatsgerichts­hof überweisen wollten, damit dieser frei von aller Partei­leidenschaft über diese Schicksalsfrage für das deutsche Volk objektiv unter allen Rechtsgarantien hätte entscheiden können. Die Reaktionäre sind die Schuldigen, die diese Rüd­sichtnahme der Regierung bereitelt haben. Sie sind mit un­qualifizierbaren Angriffen gegen die Minister wie gegen die neue Staatsform vorgegangen. Sie haben Geschichtslügen auf Geschichtslügen gehäuft und infolgedessen die Regierung gezwungen, mit einigen Dokumenten jetzt an die Deffentlich­feit zu treten.

Als gestern nachmittag französische Truppen durch Bom Palanka marschierten, wurden sie von bul- die Angriffe und Verleumdungen noch fortseßen wollten, Wenn sie nach ihrer jezigen zerschmetternden Niederlage garischen Soldaten beschossen. Es kam zu einem dann zwingen fie die Regierung, noch weiteres Material aus Feuergefecht, in welchem neun französische Offiziere und den Archiven dem Volfe zur Entscheidung vorzulegen. Dann zwanzig Soldaten schwer verwundet wurden. Die Schuldigen riskieren die alldeutschen Kriegsverlängerer unter Umstän­find verhaftet und das ganze in Lom Palanka befindliche den, daß auch auf die Auslieferungsliste der Regiment entwaffnet worden. Entente Namen gesetzt werden, die jetzt in ihr noch nicht Auf Anordnung Franchet d'Espereys wird eine stehen. Die Parteien der Rechten seien daher gewarnt, französische Division nach Bulgarien entfandt schlagen fie diese Warmung in den Wind, wollen sie die Fort­um die bulgarische Armee werden, zu entsegung dieses Kampfes, dann werden sie die Regierung be­reit finden, ihn mit aller Araft und Energie zu führen.

waffnen.

Bulgarien muß gestraft werden. Der internationale Gewerkschaftskongreß. Homme libre", das Blatt Blemenceaus, schreibt, offenbar unter start offiziösem Einfluß: Noch mehr vielleicht als das deutsche Entlastung für das Berliner Finanzbureau. Bolt mus bas bulgarische Volf von seinen obersten Führern an Der internationale Gewerkschaftstongrez beschloß, dem Berliner bis hinab zum lesten Soldaten für die während des Bureau für seine Finanzgebarung Entlastung zu erteilen. Bur Krieges begangenen Greueltaten verantwortlich gemacht und ihm deutsch - belgischen Frage erklärte Sassenbach im Namen der dafür Buße auferlegt werden. Man wird seine nächsten Nachbarn deutschen Delegation, daß sie mit dem Geist seiner Erklärung vom Sonnabend einverstanden sei und die Hoffnung ausspreche, baburch diesem Gesichtspunkte müßten zum Schuße des serbisch- kroatischen vor weiteren Angriffen Bulgariens fchen müssen. Unter zum Zustandekommen der neuen Internationale auf breiterer Grundlage beizutragen. Der Bericht der Stommission, in welchem Grundlage beizutragen. Der Bericht der Kommiffton, in welchem Königreichs längs der Eisenbahnlinie Risch- Konstantinopel und im Notiz genommen wird von dem Bedauern der deutschen Delegation, Strumisatale einige Berichtigungen der bugarischen wurde hierauf angenommen. Grenze vorgenommen werden.

Die geschlagenen Parteien der Rechten hatten im Vor­gefühl eines Erfolges fühn ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung eingebracht. Das Ergebnis dieser Ab­ftimmung war nach den Ereignissen kaum zweifelhaft. Gleich­wohl wagten die Alldeutschen nicht, ihren aussichtslosen An­trag zurückzuziehen. Es wäre das ein allau glattes Einge­ständnis ihrer Niederlage gewefen. So kam es denn auf ihr gierung betierten 58 Abgeordnete, für die Regierung Verlangen zur namentlichen Abstimmung. Gegen die Re­dotierten 243. Das Vertrauensvotum, das von den Sozialdemokraten und dem Sentrum eingebracht war, wurde danach in einfacher Abstimmung erledigt. Es wurde