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Nr. 69. 37. Jahrg.

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Der Borwarts" mit der Sonntags­beilage Bolt u. Reit erichent wochene täglich weimal. Sonntags einmal.

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Sozialdemokrat Berlin".

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

erufbrecher: Amt Morisvlas, Nr. 15190-15197.

Sonnabend, den 7. Februar 1920.

19

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Ferniprecher: Amt Morigplas. Nr. 117 53-51.

In Erwartung der Note.

avre, 6. Februar.( Eig. Drahtbericht des Bor .| Drachenfaat säen, die Kindern und Kindeskindern gefährlich| die Selbstachtung und die Achtung der anderen Böller bringen wärts".) Die Note, deren Eintreffen in Berlin erwartet werden fann. müßte. Die erdrückende Mehrheit des deutschen Voltes dentt wird, bringt, wie hier zuverlässig verlautet, nur das Indes noch haben sie es nicht erreicht. Allerdings, wenn nicht baran, wirkliche im Strieg begangene Verbrechen unge. prinzipielle Berlongen der Alliierten nach der Aus- ihnen unsere nationalistischen Hezer weiter io helfen wie fühni zu laffen, aber die Bergewaltigung des Menschenrechts lieferung zum Ausdrud, enthält aber nichts darüber, wie bisher, dann werden sie es erreichen! Die deutschnationale durch Auslieferung von Wolfegenoffen an den Feind wird nicht cr die Durchführung dieses Berfahrens gedacht with. Am Presse Deutschlands scheint seit drei Tagen nur zu dem einen tragen. In dieser Auffassung ist das ganze bayerische Wolf einig Schlusse dieser Rote wird eine weitere angekündigt, 3wed redigtert zu sein, der Kollegin von der anderen Seite und steht geschlossen hinter der Reichsregierung" die die Antwort auf die deutsche Rote vom 25. Januar dar- Material für den Beweis zu liefern, daß man in der Ausliefe­Rönigsberg, 6. februar. Der stellen wird. Erst in dieser Note, deren Eintreffen in rungsfrage fein Verständnis und kein Entgegenkommen zeigen Berlin faum vor Mitte nächster Woche zu er- dürfe. Nach dem Amerikageschrei, nach dem verschärften warten ist, wird des näheren dargelegt werden, wie die 11- Boot- Krieg bietet die Haltung der deutschnationalen Bresse richtet in der Auslieferungsfange folgenbes Telegramm an den Durchführung des Berlangens der Entente gedacht ist. von heute ein Bild eisenstirniger Beschränktheit, das alles vor- Ministerpräsidenten Hirsch: Die Behauptung des Corriere della Sera", die in angegangene übertrifft. Berlin erwartete erste Note enthalte kein Borlangen nach Auslieferung, dürfte jedoch den Tatsachen nicht ent­sprechen. Bielmehr wird in dieser Note der bekannte grundfäßliche Standpunkt der Entente fe ft

gehalten.

Oberpräsident Winnig

Jch bitte auf die Reichsregterung eingutvirken, daß sie die Or

Die Herren täuschen sich aber gründlich, wenn sie glauben, füllung des Auslieferungsbegehrens ablehnt und diesmal auch die sozialdemokratische Partei in ihr Schlepptau nehmen und gegenüber Drohungen fest bleibt. Zugleich im Namen des Po­die Massen mit ihren Phrasen trunken machen zu können. Das lizeipräsidenten Lübbring und der höheren Beamten des Ober­Empfinden der Wassen ist ein ganz anderes als das jener engen präsidiums erkläre ich, daß wir unsere Wemter nieder­Kreise, die diese Angelegenheit doch wiederum nur vom legen, wenn die Regierung durch Beihilfe zur Auslieferung den Interessenten standpunkt aus betrachten und deren ganze Sorge doch nur darum geht, daß bestimmten Herrschaften nichts eten Rest deutscher Würde preisgibt. paifiert

Inmitten der begreiflichen Erregung, die in allen Schich ten der Bevölkerung herrscht, ist es nicht überflüffig, daran zu erinnern, daß wir zwar die Liste der Personen fennen, die von Wir erwarten, daß die Regierung die Noten, die fie nod der Entente strafwürdiger Verlegungen des Kriegsbrauchs be- erhalten soll, ruhig und sorgfältig prüfen wird. Da wir schuldigt werden, nicht aber auch die Note, von der sie be- die Scote noch nicht kennen, ist noch kein Grund, anzunehmen, gleitet ist. Diefe und ihre Nachfolgerin müffen erst noch in daß sie alle Wege der Berfiändigung völlig verschließt. An Berlin eintreffen und erst dann kann man beide wie andere der Tatsache, daß die Auslieferug der Beschuldigten an feind diplomatische Schriftstüde behandeln, das heißt ihren Inhalt liche Kriegsgerichte eine unmenschliche und unausführbare aufs sorgfältigste überlegen und dann Stellung zu ihnen Forderung ist, wird sich nichts ändern. Hendern aber fönnen sich die Auffassungen und Stimmungen, die bisher für die Behand. lung dieser Frage auf der anderen Seite maßgebend gewesen find. Dafür zu wirken ist jetzt die Aufgabe aller im Lande, die noch ruhiger Ueberlegung fähig sind und die noch nicht- wie gewisse Leute vor Angst den Verstand verloren haben.

nehmen.

Bielleicht wäre es beffer gewesen, wenn auch in diesem Fall der regelmäßige Geschäftsgang häfte eingehalten werden fönnen, der neben feinen Schattenfeiten ja auch seine Vorteile besitzt. Es kann aber auch nicht schaden, daß das Ausland schon im voraus die Wirkung eines Auslieferungsbegehrens im Er­periment studieren fonnte. Es wird sich mittlerweile von fol­gendem überzeugt haben:

erstens, daß kein Mensch in Deutschland das Auslieferungs­verlangen für gerecht hält,

zweitens, daß fein Mensch in Deutschland an die technische Möglichkeit seiner Erfüllung glaubt,

drittens, daß die monarchistisch- militärische Reaktion in diesem Auslieferungsverlangen nur ein Mittel fieht, sich wieder zu kräftigen, ja aus ihm die Hoffnung schöpft, wieder zur Macht zu gelangen.

"

Der Versuch, das Rechtsempfinden des deutschen Volkes in diesem Fall aus seiner besonderen Mentalität" zu erflären, scheitert an der Tatsache, daß der größte Teil der neu­tralen und selbst ein beträchtlicher Teil der früher leider auch jetzt noch feindlichen Welt dieses Empfinden teilt. Die besondere Mentalität" ist nur bei jenem Teil des deutschen Volkes vorhanden, für den jeder schon ein Held und Märtyrer ist, weil er auf der Liste steht, und der den Entschluß einer Ver­fammlung von Seerführern a. D., auf keinen Fall freiwillig zu gehen, als höchsten Triumph deutscher Männlichkeit feiert. Man kann gar nicht deutlich genug sagen, daß die Masse des deutschen Volkes mit dieser Mentalität" nicht das aller­geringste zu tun haben will.

Was die Durchführungsmöglichkeit der Auslieferung be­trifft, so zweifeln wir nicht daran, daß die Entente im Laufe des Notenwechsels das sachverständige Gutachten ihrer in Deutschland weilenden Miffionen einholen wird. Sie wird auch von ihnen hören, daß die deutsche Regierung wohl imstande wäre, ein Blutbad anzurichten und alles, was im Lande noch steht, ins Banken zu bringen, daß sie aber nicht imstande wäre, einen einzigen Mann zwangsweise über die Grenze zu bringen.

Die Auslieferungsfrage.

Noske und Trotha.

Ein Amerikaner über die Auslieferung. Dem Rektor der Berliner Universität ist von ameri nischer Seite ein Schreiben zugegangen, dem wir folgende geilen entnehmen:

Ais meritaner erlaube ich mir, den ameritanischen

Standpunkt, betreffs der verlangten Auslieferung Ihrer Mitbürger au bertreten.

Weber die Regierung der Vereinigten Staaten,

noch unser amerikanisches Belt find beteiligt an jenem jüngsten Schritt der alliierten Mächte, im Gegenteil wird dieses unge= heuerliche Verlangen von allen besten Elementen in Ame rifa aufs jchärfte verabscheut und mißbilligt. Dies ist auch die Stellungnahme aller unserer höheren Offiziere und angefehensten Akademiker, eingebent der leberlieferungen inferer Vorfahren, die ihren besiegten Feinden gegenüber immer den Großmut der Gehässigkeit vorzogen. Nach diesen ritterlichen Grundsäßen verführ George Washington gegenüber den geschlage nen Engländern, die Generale Scott und Taylor gegenüber ben Merikanern und die Admirale Dewey und Sampson gegenüber ten Spaniern. Niemals in der Geschichte der Bereinigten Staaien fit cs üblich gewesen, daß an unterlegenen Feinden Kleinliche ,, An den Reichswehrminister Noske in Berlin. Die Nachricht, Rache genommen wurde, nicht einmal nach unserem blutigen daß unter den Namen von Hunderten der besten deutschen Männer Bürgerkriege, der durch seine Greueltaten die schlimmiten auch der des Chefs der Admiralität, Bizeadmiral von Trotha, Leidenschaften aufgetpühlt hatte. Nicht nur in früheren Zeiten. auf die Auslieferungsliste gefest ist, löst in dem mir unterstellten sondern auch in diesen Tagen haben unsere führenden amerika Befehlsbereich nur eine Stimme aus: In unwandelbarer Treue mischen Männer und besten Zeitungen ausdrücklich Stellung ge wollen wir Mann für Mann vor Vizeadmirat von Trotha, unserem nommen gegen jegliche gehässige Verfolgung früherer militärisc Führer, stehen und erwarten, daß er, gestützt auf das unerschütter- oder diplomatischer Gegner nach Beendigung des Kriegsguftandes liche Bertrauen der ganzen Marine, auf seinem Boften verbleibt, sowie gegen die Verlegung des Asylrechtes politischer Büch tomme, was kommen mag. linge im Auslande.

Rief, 6. Februar. Der Chef der Marinestation der Offee hat am 5. Februar folgendes Telegramm an den Reichswehrminister Roste gerichtet:

gez. Konteradmiral v. Leve how, Chef der Marinestation der Ostsee." Darauf hat der Reichswehrminister folgendes geantwortet: An den Konteradmiral von Levezow, Chef der Marinestation, Kiel. Der Marine versichere ich, daß weder die Ausliefe ung des Bize admirals von Trotha noch eines an nicht daran, mich von meinem gefchätten Mitarbeiter, dem deren Deutschen in Frage kommen darf. Ich denke nicht daran, mich von meinem gefchätten Mitarbeiter, dem Chef der Admiralität, zu trennen, weil sein Name auf der gez. Roske, Reichswehrminister. Auslieferungsliste steht.

München, 6. Februar. Der Bayerische Landtag

In Anbetracht dieser Tatsachen, die Ihnen, Herr Profeffor, in Ihrer Eigenschaft als Hiftoriter und Stenner Ameritas gewiß in Erinnerung sind, werden Sie es verständlich finden, daß kein Amerikaner und kein Mitglied der Harvard Universität sich von der bedauerlichen Doktortitels auf Grund der gehässigen Handlungsweise der euro­freiwilligen Niederlegung Ihres amerikanischen päischen Widersacher Deutschlands getroffen fühlen tann.

Mit vorzüglicher Hochachtung

gez, Edwin Emerson. Ein englisches Urteil. London, 6. Februar. Das Blatt Union of democratic control" schreibt zum Auslieferungsbegehren der Alliterten:

Noch sechs Monate, nachdem die Alliierten einen der boll­hat heute im Finanzausschuß folgende Kundgebung beschloffen: fommensten Siege, den die Geschichte tennt, dabongetragen hatten, Im übrigen war an einem Schulbeispiel zu sehen, wie sich Der Baherische Bandtag gibt in voller Uebereinstimmung mit als sie nichts mehr zu fürchten brauchten, hielten sie kaltblütig ihre an der nationalistischen Leidenschaft der einen Seite auch die der Stellungnahine der Reichsregierung und der Haltung des Reichs. Blodade gegen Deutschland aufrecht und handhabten gegen das der andern entzündet. Unzähligemale haben wir gehört, daß rats den Gefühlen der Empörung Ausdbrud über das allen hilflofe unbewaffnete deutsche Volk diese gransamste aller Morb die Völker, mit denen wir im Kriege lagen, ein demo- Grundsäßen des Rechts und der Gesittung Hohnsprechende Aus- waffen in rücksichtslofefter Weise. Dadurch machten sie sich am kratisches und friedliebendes Deutschland lieferungsverlangen der deutschfeindlichen Mächte. Der Landtag Tode hunderttausender deutscher Männer, Freuen und Kinder miinschen, aber man wird sich inzwischen davon überzeugt haben, ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß das ganze bayerische schuldig. Die Regierungen, die an diefem gewaltigen Berbrechen, daß ein Ueberspannen des Bogens in der Auslieferungsfrage Bolt mit ihm einig ist in dem Widerspruch gegen das Borgehen der das in der Geschichte nicht seincsgleichen hat, schuld ſind, wagen, sich nicht geeignet ist, ein solches Deutschland zu schaffen und zu Entente, welches das deutsche Volf entehren soll. Die sämtlichen selbst zu Richtern der Taten Tausender Bersonen unter ihren erhalten. Parteien schlossen sich einstimmig der Kundgebung an. Namens der früheren Feinden aufzuwerfen. Das ist monströse Heuchelci. Wenn man auf dieser Forderung besteht, so wäre das Bild der Gerechtig­Staatsregierung keit für immer verstümmelt und Europa mit den Giften der Leiden. schaften und des Hasses infiziert. Und dadurch werde jeder Ver­such, cine internationale Annäherung zuwege zu bringen zum Scheitern verurteilt."

Die nationalistischen Heber von drüben hoffen, nun sei die Gelegenheit gekommen, die langsame Todesart, zu der der Frieden von Versailles Deutschland verurteilt, durch eine gab Ministerpräsident Hoffmann folgende Erklärung ab: schnellere zu ersetzen. Sie bestehen auf ihrer Forderung; nicht Die Bayerische Staatsregiereung schließt sich dem Protest des weil sie meinen, daß sie erfüllbar ist, sondern weil sie wiffen, Landtages vollinhaltlich an. Die Reichsregierung hat unter dem daß sie unerfüllbar ist. Sie wollen nichts als einen Vorwand Druck des Feindes den Friedensvertrag unterzeichnet und keinen zur Bertrümmerung Deutschlands und zu feiner Entvölkerung, Zweifel darüber gelaffen, daß sie auch beim besten Willen die Be­um dann ein paar Jahre lang ruhig schlafen zu können. In dingung der Auslieferung von Wolfsgenossen an den Feind nicht ihrer Dummheit denn fie find faft genau so dumm wie erfüllen tann. Noch nie in der Geschichte der zivilisierten unsere nationalistischen Herber übersehen sie, daß man wohl Menschheit ist einem besiegten Bolf eine gleiche Forderung ge­Menschen, aber nicht Völker töten kann, und daß fie eine ftellt worden, eine Forderung, deren Erfüllung das deutsche Volt um

Die neutrale Presse

wendet sich auf das schärfste gegen das Verlangen der Entente. Selbst die Neue Züricher Zeitung". die noch in der Numiner vor. her Deutschland die Annahme des Begehrens der Entente empfahl, wendet sich nunmehr mit Vorstellungen an die Entente.