Nr.364+ 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 45
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Donnerstag, den 22. Juli 1920
Fast genau sechs Jahre nach dem Beginn des Weltkrieges mel-| In Galizien nähern sich die Russen Lemberg , Tarnopol det ein öftlicher Kriegsbericht wieder das Auftauchen russischer soll bereits in ihrn Händen sein. Im bolfchemistischen Heer soll Truppen an der oftpreußischen Grenze. Nach der Besetzung Grod- eine ausgesprochen nationale Stimmung herrschen. nos sind die Russen nur noch etwa 75 Kilometer von der Grenze Das diplomatische Zwischenspiel zwischen London und entfernt. Im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten behauptete Moskau hat zu einer drohenden, Erwiderung Eng= der Abg. Hoesch sogar, daß nach ihm gewordenen Nachrichten lands auf die ironisch- ablehnende Antwort Tschitscherins auf das die russische Kavallerie die Grenze bereits erreicht habe. englische Vermittlungsangebot geführt.
Die Russen nähern sich diesmal dem deutschen Boden aber nicht, um gegen Deutschland Krieg zu führen, sie stehen im Kampfe mit den Polen , und ihr Vormarsch in der Richtung auf Ost preußen gilt nur dem Zweck, den einen Flügel der polnischen Armee zu überflügeln und den militärischen Zusammenbruch Polens vollständig zu machen. Für diesen Zweck ist das Betreten deutschen Bodens keine militärische Notwendigkeit, Gründe der politiſchen Klugheit aber müssen den Ruffen raten, jede Berlegung der deut schen
Neutralität zu unterlassen..
Die deutsche Regierung fühlt sich dessen ungeachtet verpflichtet, fich nicht allein auf den guten Willen und die Disziplin der Ruffen zu verlassen, sondern die deutsche Neutralität aus eigener Kraft zu schützen. Zu diesem Zwed hat sie, wie der Minister Dr. Si mon8 in der gestrigen Sigung des Reichstagsausschusses berichtete, den militärischen Grenzschuß durch Ortswehren verstärkt und eine Mitteilung hierüber der Entente zugehen lassen. Zugleich hat sie die Notwendigkeit betont, die äußeren Grenzen der Abstimmungsgebiete durch deutsche Truppen schüßen zu lassen, da diese neutral find, während die Franzosen , die im Krieg mit Rußland stehen, die russischen Truppen angreifen und damit den Krieg auf deutschen Boden tragen würden.
Zu Beunruhigung gibt der gegenwärtige Augenblid teinen Anlas, doch könnten sich leicht im Verlaufe des russisch - polnischen Krieges, zumal wenn er sich zu einem Krieg der gesamten Entente erweiterte, noch schwierigere Verhältnisse als die augenblicklichen einstellen.
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Ueber die militärische Rage an den polnisch- russischen Fronten besagen polnische Meldungen, daß die Kämpfe nördlich bon Grodno andauern und daß bei der Besetzung der Festung auch Litauische Truppen mitgewirkt haben, die jedoch bestreiten, gemeinsam mit den Russen zu operieren. In Wolhynien streifen die Russen am Styr und in der Gegend von Dubno an.
London , 21. Juli. ( Meldung des Hollandsch Nieuwsbureaus.) Lloyd George hat gestern seine Rede über die allgemeine Lage in Europa gehalten. Er sprach in erster Linie über die Lage in Polen und wies darauf hin, daß Polen ein Freiwilligenhaar, von 300 000 Mann aufgestellt habe, daß es im Interesse Europas liege, daß Polen nicht verschwinde. Der englische Gesandte
in Berlin sei nach Polen gereist und es sei möglich, daß Mar= schall Foch später gleichfalls dorthin gehen werde.
gen.
raum hin, der den Alliierten bereits ausgeliefert wurde, ferner auf die Kohlenlieferungen. Er sagte, man habe jetzt die Ueberzeugung, daß Deutschland sich ernstlich um
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✓ Entgegnung an Stinnes.
Von Steiger V. G. Werner.
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In einigen Parteiblättern, u. a. in der Essener Arbeiterzeitung" vom 16. Juli, ist unter obiger Ueberschrift ein Artikel von mir erschienen, der sich mit Plänen befaßt, die allem Anscheine nach von Herrn Stinnes gehegt und die am Schlusse des Artikels wie folgt zusammengefaßt werden:
Rechnet man alles zusammen, den Einfluß, den Stinnes in Frankreich zu gewinnen sucht, die von ihm beabsichtigte Einschränkung der Hoheitsrechte Deutschlands im Nuhrrevier, die Wigdor Kopp verneint Einmarschpläne. Macht, die die von ihm gekaufte Presse besigt, die Spaltung, die Berlin , 21. Juli. ( DA.) Der Berichterstatter der„ Baseler er in die Arbeiterschaft hineinzutragen versucht, wenn man weiter Machrichten" hatte eine Unterredung mit dem Sowjetgesandten bedenkt, daß er durch seinen Einfluß auf den französischen KohlenWigdor Kopp, der sich u. a. folgendermaßen äußerte:„ Eroberungs- handel der größte Befizer ausländischer Devisen wird, so find gelüfte liegen uns fern. Wir wollen uns nur die Möglichkeiten des die drohenden Gefahren zu erkennen. Wenn nicht mit der schärfsten wirtschaftlichen Anschlusses an das übrige Europa sichern. Bei Aufmerksamkeit alle diese von diesem weitschauenden und energischen dieser Gelegenheit möchte ich dem vielfach verbreiteten Glauben Bertreter des Unternehmertums verfolgten Pläne auf das schärffte entgegentreten, daß wir in Deutschland oder nur in Oft- beachtet werden, wenn nicht mit der gleichen Voraussicht ihm entpreußen einzurüden beabsichtigen. Erstens würde das gegengetreten wird, gelingt es diefem rücksichtslosen Führer des den Krieg mit einem Lande bedeuten, mit dem wir in Frieden Unternehmertums, die Arbeiterschaft wieder unter die alte Botleben und mit dem in enge wirtschaftliche Beziehung mäßigkeit zu bringen." zu tommen unser dringendster Wunsch ist. Zweitens würde unser In der Abendausgabe des Lokal- Anz." vom 20. Juli Einmarsch in Ostpreußen sofort in Deutschland die schärfste ist Herr Stinnes in einem offenen Brief an mich auf den Innationale Reaktion hervorrufen, an der uns gar nichts halt des Artikels eingegangen. Er glaubt, daß meine Ausgelegen ist. In unserem militärischen Vorgehen liegt ja auch ein führungen in den Kreisen des Ruhrbergbaues Unheil stiften sehr starker Beweis dafür, daß wir einen Einmarsch in Deutschland werden und will sie deshalb nicht unwidersprochen lassen. nicht planen. Hätten wir sonst Litauen geräumt, das den Ich behaupte das Gegenteil. Gerade weil ich Unheil für nächsten Weg nach Ostpreußen bietet, den Weg, den seinerzeit unsere Arbeitnehmerschaft und im weiteren Sinne für unser Rennenkampf bei seinem Einfall nach Ostdeutschland benutzt hat? ganzes Volk verhüten möchte, habe ich den Artikel geWir haben uns es so lange überlegt oder überlegen es uns sogar schrieben. Ohne nochmals auf den Inhalt näher einzunoch, ob wir in das eigentliche Gebiet Polens ein- gehen, halte ich es doch für notwendig, auf einzelne marschieren sollen. Wie sollten wir dann dazu kommen ich Bunkte zurückzukommen. Wenn von der Arbeitnehmerschaft wiederhole es in ein Land einzubrechen, mit dem wir enge Unheil abgewendet werden soll, muß unbedingt eine scharfe wirtschaftliche Verbindungen brauchen? Unsere ganze Politit in Grenzlinie zwischen ihr und Herrn St. gezogen werden. den Randstaaten ist ja darauf gerichtet, uns den freien Vers fehr nach Deutschland zu sichern."
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Das offizielle Organ der Sowjetregierung" Prawda" schreibt über den polnischen Feldzug: Rußland werde den Krieg bis zum siegreichen Ende fortführen, Bolen habe auf gehört zu existieren. Das Ziel der Sowjetregierung fei die Errichtung einer polnischen Räteregierung, über die man nach Deutschland gelangen werde. Auch in London dürfte der Sieg Sowjetrußlands nicht unbeachtet bleiben.
Herr Stinnes hat zu verschiedenen Malen ausgeführt, 3. B. einmal im Reichstohlenverband, daß er mit französischen einflußreichen Großindustriellen über die Kohlenlieferung verhandelt habe und daß es möglich sein würde, in freier Vereinbarung mit diesen weniger Stohlen nach Frankreich abzuliefern als von der Entente gefordert werden, denn deren Forderungen seien unerfüllbar. Dabei spielte auch die Belieferung der Bergleute mit Lebensmitteln und Kleidungsstücken eine Rolle. Herr Stinnes wirft mir vor, es sei eine leichtfertige oder wissentlich falsche Darstellung von mir, wenn ich von seiner starten Beteiligung bei dieser französisch deutschen Hälfte der ausgelieferten Gewehre ist bereits zerstört worden. Von Einkaufsgesellschaft spreche. Er habe stets betont, den übrigen. Gewehren werden wöchentlich etwa 1000 zerstört. Es daß auf deutscher Seite die Beteiligung nur bei den Gewerkist aber noch sehr viel Kriegsmaterial in Deutschland vorhanden, schaften und dem Kohlensyndikat liegen könne. Ja, das besonders Gewehre, die nicht ausgeliefert wurden, da die Stohlensyndikat und Herr Stinnes sind so eng verbunden, daß politischen Parteien in Deutschland sich gegen eine starke Beteiligung des Kohlensyndikats eine starke Befeitig miktranen. Die Alliierten haben die Notwendigkeit teiligung von Herrn Stinnes ist. Außerdem aber sind die betont, eine Bekanntmachung herauszugeben, um eine Waffenab- Verbindungen von Herrn Stinnes, so vermute nicht nur ich, gabe bis zum September in Deutschland zu erzielen. Wenn die sondern auch sehr viele andere, mit französischen Unternehmern, Konferenz von Spa 1914 abgehalten worden wäre, hätte man die auf der anderen Seite eine Rolle spielen, so gut, daß er auch dort einen sehr großen Einfluß gewinnt, also leichtfertig oder wissentlich falsch ist meine Ansicht auf keinen Fall.
feinen Krieg gehabt.
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Dann sprach Lloyd George über die Konferenz in Spa. Er Smillie gegen das Kohlendiktat. Herr Stinnes sagt dann weiter:„ daß er im Gegensatz erklärte, man hätte es den Deutschen ermöglicht, eine Begegnung zu vielen seiner Berufsgenossen nicht auf dem Standpunkt mit den Alliierten in einer etwas ruhigeren Umgebung Der Bergarbeiterführer Smillie wies Haag, 21. Juli.„ Nieuwe Courant" meldet aus London : Stände, daß die Beseitigung des Achtstundentages als Aüheilund Atmosphäre zu haben, wo beiderseits auch das Tempera- Northumberland darauf hin, daß die Kohlenerzeugung Deutschlands sei von mir unerhört, daß ich das Gegenteil behaupte." Das in einer Rede in mittel gegen das Anhalten der jetzigen Notzustände sei. Es ment etwas ruhiger sein könnte und man hätte den Eindruck ge- infolge der un genügenden Ernährung der Bergleute ist ein Streit um Worte. wonnen, daß der deutsche Reichskanzler und Dr. Simons Er verhandelt fortzwei fehr ehrenwerte Leute seien, die ihr Bestes feiste- fehr zurüd gegangen sei. Er ist der Ansicht, daß, wenn die während wegen der Verlängerung der Arten, um den Versailler Friedensvertrag zur Durchführung zu brin- Entente an ihren Forderungen festhält, die Deutschen niemals im- beitszeit der Bergleute. Wird diese verlängert, Sehr wichtige Entscheidungen seien in Spa getroffen wor- stande sein werden, die verlangte Kohlenmenge zu liefern, ohne daß ist es ganz selbstverständlich, daß die Forderungen auf Ver den , sowohl für jedes Land besonders, als auch für die Einheit Schaden zugefügt wird, daß von der Bezahlung einer außerordentlich starke Förderung erfahren. Daß gerade er gleichzeitig der deutschen Industrie ein derartiger längerung der Arbeitszeit der übrigen Volksschichten eine der Alliierten. Lloyd George wies besonders auf den Schiffs Entschädigung keine Rede mehr sein könne. Schiffs- haben die Verlängerung der Arbeitszeit für Bergleute auf das Entschiedenste vertritt, wird er nicht bestreiten können. Die Folgen, ob von ihm gewollt oder nicht gewollt, treten eben ein. Herr Stinnes sagt dann weiter:" Wenn Sie ohne Wissen oder gegen besseres Bissen Zwietracht und Mißtrauen zwischen den Arbeitern und den Werksvertretern im Kohlenbergbau stiften wollen, so werden Sie lediglich die Geschäfte unserer gemeinsamen Bedrücker betreiben." Nicht ohne Wissen oder wider besseres Wissen, sondern mit bewußter Absicht Die Frage der Entwaffnung wäre eins der schwie habe ich die Scheidelinie zwischen der Arbeiterschaft und Herrn rigsten Probleme. Was die Schiffe anbelangt, könne man Stinnes auf das Schärfste herausgearbeitet. Daß Herr Stinnes fast teine weiteren Fortschritte mehr erzielen. Es seien nur noch mit allen Mitteln bestrebt ist, es so hinzustellen, als ob Arbeiter wenige Schiffe und wenig Material abzuliefern. Alle und Unternehmer in der Kohlenfrage vollkommen einig gehen und daß sie auch in Spa brüderlich zusammengestanden großen Kriegsschiffe, Unterseeboote und Torpedojäger feien b= hätten, ist eine große Gefahr, der begegnet werden muß. Er reits abgeliefert. Ende September werde alles weitere Rom , 21. Juli. ( Stefani.) Manifestanten drangen in die will absichtlich mit Hilfe seiner Presse die Scheidelinie Kriegsmaterial ausgeliefert sein. 25 000 schwer: Geschüße felen Druckerei der römischen Ausgabe des„ Avanti" ein, zerstörten verwischen. Die Bergarbeiter würden aber in der ganzen bereits von Deutschland abgegeben worden. Die Deutschen be- die Maschinen und schleppten die Zeitungen nach einem benach- Welt an Achtung verlieren, wenn dieses Zusammengehen mit fizen, fuhr er fort, nur noch 5000 Maschinengewehre, eine grö- barten Blaz, wo sie sie verbrannten. Den Zeitungsverkäufern Stinnes in der Welt Glauben fände. Die Arbeitnehmerschaft mug here Anzahl Minenwerfer und 1½ Millionen kleine Waffen und wurde der" Avanti" entrissen und daraus unter Absingung auf das Entschiedenste betonen, daß sie, wenn sie gezwungen Munition, sowie eine Anzahl Flugzeuge. Die deutsche Armee vaterländischer Lieder in den Straßen im Zentrum der wird, sich gegen die Besegung des Ruhrreviers ist bereits auf 200 000 Mann herabgesetzt worden. In Deutschland Stadt Fade In gemacht. Epoca" versichert, daß ein 24 zu wehren, es ihr vollständig gleichgültig ist, wie Herr Stinnes find jezt noch 3 Millionen Gewehre, die nicht ausgeliefert find. Die stündiger Generalstreit ausgerufen werden wird. Idenkt, daß fie, ganz gleichgültig, ob er damit einverstanden
Genf , 21. Juli. ( Telunion.) Nach einer Erklärung des Gedie Frage der Wiedergutmachung fümmere und versuche, neralsekretärs der französischen Bergarbeiterverbände haben diese Frage zu lösen. Man trage sich ernsthaft mit dem Gedanken, die Delegierten der französischen Bergarbeiter, die sich im Monat eine internationale Anleihe aufzunehmen, um deutsch - August zum Kongez nach Genf begeben werden, die Diskussion land in die Lage zu versehen, seinen Verpflichtungen auch wirklich der Internationalisierung der Bergbauproduk. nachkommen zu können. Die Sachverständigen würden in tion, wie von deutscher Seite vorgeschlagen worden ist, ab den nächsten Wochen diese Frage näher beraten. gelehnt. Sie werden nur die Verstaatlichung der Bergwerke jomie rein professionelle Fragen diskutieren.
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