e. 108 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 54
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Sonnabend, den 5. März 1921
Nachtsitzung des Reichstages.
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Gewerkschaften und Sklavenarbeit
Lloyd George gegen die Gewerkschaftsinternationale. Bor einigen Tagen erschien in der Preffe die Antwort
Der Reichstag wird heute nachmittag erst am günftigen Formulierung feines Angebots veranlaßt. Das Ergebnis des englischen Premierministers auf ein Telegramm des 5 Uhr zusammentreten, um eine Erklärung des war, daß die Entente empört mar. Die Sache wurde nicht beffer Internationalen Gewerkschaftsbundes in Reichstanzlers über die Londoner Berhandlungen ent- baburch, baß verschiedene Mitglieder der deutschen Delegation überall Amsterdam , die zu den Anforderungen der Entente gegenüber gegenzunehmen. Nach den bisherigen Vereinbarungen wird verkündeten, daß dies jeßt das äußerste Angebot sei. Simons Deutschland Stellung nahm. In seiner Antwort bemerkte bestärkte fie scheinbar in dieser Taftit. Es ist als ein Glück anzuunmittelbar nach der Rede Fehrenbachs eine Pause eintreten, sehen, daß die Engländer durch Indiskretion darüber unterrichtet Lloyd George , er könne sich durchaus nicht erinnern, daß um noch einmal den Fraktionen Zeit zur Stellungnahme zu waren, daß die Deutschen tatsächlich an Stelle der 12prozentigen Ab- während des Krieges die Arbeiter Hollands gegen die Vergeben. Alsdann werden in einer neuen Sigung, die wahr- gabe etwas anderes anzubieten beabsichtigten. Die Engländer fchickung französischer und belgischer Arbeiter, die in Deutschfcheinlich bis in die Nacht hinein dauern wird, die Parteiver- fcheinen den ursprünglichen deutschen Plan auf jeden Fall land hätten Sklavenarbeit verrichten müssen, protestiert treter die Stellung der Fraffionen darlegen. Für unsere als mohl geeignet für eine erste Grundlage zu Berhandlungen worden sei". Fraktion wird Genoffe Hermann Müller - Franten angefehen zu haben. Sie hatten vor allem an der Verwertung der Exportabgabe Anstoß genommen. Sie wollten sich bezüglich dieses dies vorgestern in seiner Rede noch ausdrücklich erklärt.
fprechen.
Es ist auch möglich, daß der Reichskanzler infolge mangelnder Information aus London heute auf irgendeine Regierungserklärung verzichtet. Soweit wir die Stimmung im Reichstag kennen, wird wahrscheinlich auch ohne eine Regierungserklärung eine Aussprache der Parteivertreter ftattfinden, und zwar ist es wahrscheinlich, daß die Sigung mit der gestern verhinderten Geschäftsordnungsdebatte beginnen wird. Wie wir hören, haben die Demokraten bisher noch teine Stellung zu den Londoner Borgängen genommen.
Buntes auf eine andere Formulierung festlegen, ond George hat
ist
Das Ergebnis von Dr. Simons Taffit
Aus Gewerkschaftstreifen wird uns hierzu geschrieben: Diefem mangelnden Erinnerungsvermögen des englischen Ministers fönnen wir etwas nachhelfen, zumal da diese Gedächtnisschwäche dazu angetan ist, im Ausland die Gewerkschaftsinternationale- Lloyd George spricht absichtlich nur von den holländischen Gewerkschaften!- in falschem Licht erscheinen zu lassen. Ein Zweck, der wahrscheinlich nicht unabsichtlich erreicht werden sollte.
if leht, daß die Lage der Deutschen viel schlechter ist als nötig gewesen wäre. Es ist schwer zu fagen, wie die Lage fein würde, wenn die Allierten ein Ultimatum gestellt hätten in dem Glauben, daß die Deutschen tatsächlich nichts befferes anbieten wollten, als Dr. Simons am Dienstag vorschlug, und nicht zufällig in Erfahrung ge- Bir tönnen zunächst den holländischen Gemertbracht hätten, was hinter den Kulissen vor sich gegangen war. Dann schaften bezeugen, daß sie sich mit großem Eifer bemüht haben, würde wahrscheinlich die Aufnötigung einer Reihe von Be- diefe von Lloyd George erwähnten Maßnahmen des deutschen dingungen die Folge gewesen sein, weil eine Weigerung der Deutschen Militarismus zu befämpfen und daß mehr denn einmal Broden Abbruch der Berhandlungen bedeutet hätte. Die Aniierten test von ihrer Seite gegen die Behandlung der belgischen, nehmen an, daß die Deutschen einen Ausweg finden können. In zwischen beraten die verschiedenen Sektionen der deutschen Delegation; französischen und polnischen Arbeiter eingelegt wurde. denn neue Sachverständige find aus Deutschland nicht angefordert.
Paris , 5. März.( EE.) Aus London liegen teinerlei pofifive Nachrichten vor. Die deutschen Delegierten arbeiten eiftig an der Ausarbeitung der Borschläge, die fie am Montag machen werden. Frankreich im Kohlenüberfluß. Es deinen auch private Unterredungen zwischen dem englischen Botschafter in Berlin Cord d'Abernon und Dr. Bergmann Bochum , 5. März.( Frf. Stg.") Kürzlich verbreitete Havas ftattgefunden zu haben. Von einer Einigung läßt sich vorläufig eine Meldung, nach der sich die franzöfifchen Bergleute für höhere nicht sprechen. Die französische Preffe fragt besorgt, was geschehen Rohlenlieferungen Deutschlands ausgesprochen haben follen. Der müsse, wenn Deutschland Lloyd Georges Bedingungen annehme, Vorstand des Deutschen Bergarbeiterverbandes erkundigte sich dardas heißt, in welcher Welje Frankreich Garantien finden würde, auf bei den Führern der französischen Bergarbeiter und erhielt die daß Deutschland die Verpflichtungen, die es unterschreibt, auch wirt- Auskunft, ihnen sei die Havas- Meldung unbegreiflich. Schon fich erfüllen werde. Vielfach wird der Vermutung Ausdrud gegeben, auf dem Internationalen Bergarbeiterfongres in Genf hätten sich die das Deutschland sich weigern werde, in vollem Maße dem Abtom- Franzosen gegen das Ueberschichtverfahren ausgesprochen. Anmen of Baris feine Zustimmung zu geben und daß es eine 2b- gesichts der Abfaktrise in manchen französischen Kohlenbezirken änderung der Zahlungsmodalitäten anzubieten versuchen werde. Es tönnten fie naturgemäß erst recht fein Gewicht auf die Lieferung ift auch nicht anzunehmen, daß heute irgend ein pofitives Ergebnis großer Mengen deutscher Kohle nach Frankreich legen. Schon seien in London fich ergeben wird. zahlreiche Bergleute in Frankreich arbeitslos.
London , 5. März.( WTB.) Die Morgenpreffe ergeht sich in Bermutungen über die Haltung der Deutschen . Bemerkenswert ist das Bestreben, Nachrichten, die die Möglichkeit neuer deutscher Gegenvorschläge betreffen sowie zuversichtliche deutsche Presseäuße rungen hervorzuheben. Daily News" fordert, daß die Alliierten die deutsche Darstellung der wirtschaftlichen Lage Deutsch lands fowie das angebliche Defizit im deutschen Budget prüfen und dann einen flaren, praitischen Bezahlungsplan aus arbeiten, der sich auf eine vernünftige Ansicht der Leistungsfähigkeit Deutschlands gründet. Es sei auch jedenfalls flar, daß die übertriebenen Bedingungen des Parifer Abkommens aufgegeben werden müßten.
London , 5. März.( Hollandsch Nieuwsbureau.) In einer Unterredung mit dem Vertreter der Pall Mall Gazette " fagte der Setre tar der deutschen Delegation: Wenn die Alliierten uns für so er bärmlich halten, hat die Fortsetzung der Ronferenz über. haupt teinen Zwed. Drechsler war im übrigen hinsichtlich des Ergebnisses der Untersuchung der Ausführungen Lloyd Georges durch die deutsche Delegation wenig hoffnungsvoll. Als der Interviewer fragte, wie die deutsche Delegation das Wochenende zu Der bringen gedente, antwortete Drechsler lachend: Glauben Sie, daß man uns nach Chequers einladen wird?
Scharfe Kritik an Simons.
Der Londoner Berichterstatter des N. Rotterd. Courant" be Der Londoner Berichterstatter bes R. Rotterd. Courant" be hauptet, daß die deutschen Pläne in Ententetreifen nicht so ganz unbekannt waren. Hätten die Deutschen durch einen gefchidten Vorschlag die Außenwelt angenehm überrascht, so wäre die allgemeine Stimmung in der Welt mit einem Schlage um ein gutes Teil beffer, auch die Atmosphäre in der Konferenz günftiger gewefen. Von der vorgeschlagenen Anleihe hoffte man, daß alle fremden Staaten bicle Steuerfreie Anleihe zulaffen würden. Man erwartete jedoch einen ganz besonderen Erfolg in Deutschland , da das geflüchtete Rapital dann in der Form diefer steuerfreien Anleihe zurüdfehren
fännte. Es wäre also etwa
Versaillesvertrag
tabu!
Paris , 5. März.( Rammer.) Bei der Beratung des Gefeßentwurfs auf Einberufung der Jahresflaffe 1921 verteidigte der Militärdienst schon von jetzt ab. Kriegsminister Barthou lehnte Sozialist Boncourt einen Gegenvorschlag auf nur einjährigen den Gegenvorschlag ab; diefer würde nur 190 000 ausgebildete Soldaten ergeben, während allein am Rhein und im Auslande 140 000 erforderlich seien. Der Gegenvorschlag wurde mit 407 gegen 146 Stimmen abgelehnt. Blum verlas eine Erklärung der fozia liftischen Gruppe. die die Verantwortung für die Folgen der europäischen Politit der Regierung ablehnt. Renaud verlas eine tommunistische noch schärfer gehaltene Erklärung, in der es heißt, daß man die
Urheber des Versailler Bertrages vor Gericht ftellen müffe, und daß man dem Rampfe zwischen dem franzöfifchen und dem deutschen Imperialismus beimohne, Die ganze Rammer mit Ausnahme weniger Rommunisten" geriet in große Erregung. Der gegen die kommunistischen Worte. Die Rede Renauds sei unzulässig. Redner wurde zur Ordnung gerufen. Barthou protestierte energisch Bäre er an feinem Blake geblieben, ohne darauf zu antworten, so hätte das Land ihm seine gleichgültige Haltung zum Borwurf machen fönnen. Es sei eine annenubare Beleidigung, denn über ihre Bersonen hinaus richte sie sich gegen Frantreich. Barthou wiederholte gegenüber dem Kriegsbeschädigten Abg. Renaud, Frant. reich sei überfallen worden, und zwar unter Bedingungen, daß die Rammer einmütig dagegen Stellung genommen hätte. Auch in diesem Augenblid gebe Frankreich den Beweis der Mäßigung. Deshalb fönne er Frankreich nicht beleidigen laffen. Der fommunistische Brotest sei eine Schande. Er sei das Echo der von Minister Simons jenseits des Rheins unternommenen Kampagne. Frankreichs fei. Er sagte: Wir sind am Rhein und wir haben Abg. General Castelnau fragte, wie die augenblidliche Lage
Indes nicht nur von dieser Seite fam der Protest, auch die deutschen Gewerkschaften setten alle ihre Kräfte ein, um Diesen unwürdigen Zustand zu beseitigen. Wir verweisen nur auf den Rechenschaftsbericht der Generalfommission der Gemertschaften Deutschlands , den sie im Jahre 1919 herausgab:
Im Jahre 1916 stieg der Arbeitermangel in der deutschen In duftrie derartig, daß die deutsche Regierung neben der Durchführung bes auf Arbeits3wang aufgebauten Hindenburgprogramms das gleiche Mittel auch gegen die Bevölkerung der besegten Gebiete in Anwendung bringen zu können glaubte. Besonders wurde die polnische und belgische Bevölkerung von diesen Maßnahmen, von denen die Gewerkschaften zuvor feinerlei Kenntnis erhielten, betroffen. Als die ersten Mitteilungen darüber in die Prefse tamen, unternahm die Generalfommission sofort bei der Re gierung dagegen Schritte, ohne einen Erfolg zu erreichen. Schließlich fegte sie es durch, daß ein Vertreter der Generalfommission in dieser Angelegenheit nach Belgien reifen fonnte, um sich mit der belgischen Gewerkschaftskommission darüber auszusprechen. Im Januar 1917 fam Genoffe Bauer im Auftrag der Generalfommission nach Brüssel und verhandelte mehrere Tage lang mit dem Sekretär der ihm, die belgischen Genossen davon zu überzeugen, daß die deutschen Gewerkschaftskommission sowie mit dem Gouvernement. Es gelang Gewerkschaftsleitungen von der Berschleppung belgischer Arbeiter nach Deutschland nichts gewußt hatten und diese Maßnahmen nach ihrem Bekanntwerden auch aufs schärffte verurteilten. In der behördlichen Behandlung der Angelegenheit selbst fonnten aber nur gewiffe Rüdfichtnahmen erreicht werden. Die Zwangsbeschäftigung sollte sich nur auf fubsistenzlofe Bersonen erstrecken; auch sollten diese Personen möglichst in den besezten Gebieten beschäftigt werden. Soweit solche Personen bereits in Deutschland untergebracht seien, sollte ein Ber lehr derselben mit den Gemerffchaften nicht unterbunden werden. Die Generalfommission veranlaßte auch eine Bes handlung dieser Angelegenheit im Reichstage, bei der es an scharfer frafie nahm diese Borgänge jogar zum Anlaß, der Regierung die ZuKritik des Vorgehens der Regierung nicht fehlte. Die Sozialdemoftimmung zum Budget zu verweigern. Einer Remedur widersetzten sich auch hier Regierung und Reichstagsmehrheit. So mußte fich die Generalfommission darauf beschränken, das Los der belgischen Arbeiter in Deutschland möglichst zu erleichtern und für diefelben nach Kräften einzutreten. Sie tam deshalb mit dem Kriegsminifterium wiederholt in scharfe Differenzen, da diefes bestrebt war, in Beschwerdefällen jede gewerkschaftliche Bermittlung auszuschalten. ministerium war, daß dieses gegen die Zulassung der belgischen Ar... Das Endergebnis der Auseinandersetzung mit dem Kriegsbeiter zu den deutschen Gewerkschaften nichts mehr einzuwenden
hatte.
Auch für die polnischen Arbeiter mußte die General eflatante Beweise unferer Mäßigung gegeben. tommission wiederholt vermiteln, da sich bei ihrer Beschäftigung Miß wir nähren teine aggreffioen Gefühle gegen Deutsch stände ergaben. In Bolen hatte die Berwaltung das System der land. Wir verlangen nur, was es uns schuldig ist. Wir wollen Anwerbung von Arbeitsfräften nach Deutschland , bevorzugt, da eine Umnestie für verschobene deutsche Bermögen nicht zur Gewalt zurüctehren, aber wenn Deutschland uns zum gewesen. Daß Dr. Simons die zwanzig Milliarden als bereits be. Aeußersten zwingt, dann muß es wiffen, daß, wenn wir einmal dort es dort nicht an Arbeitern fehlte, die freiwillig die nach ihren Be zahlt angab und noch dreißig Milliarden als noch zu bezahlende find( find ja schon! Oder ist Linksrhein schon Frankreich ? Reb.), griffen hochbezahlte Arbeit in Deutschland annahmen. Die Ent Summe andeutete, war bereits ein großer Fehler, besonders des wir nicht ohne Garantien das Retourbillett lösen werden. Deutsch- täuschung nach näherer Kenntnis der deutschen Lebensverhältnisse wegen, weil er nicht der Psychologie der öffentlichen Meinung Rech land kann gegen uns nichts unternehmen, wir aber alles gegen nung trug und nicht genügend befonte, daß er nicht 14 Broz. vom Deutschland . Die Heeresfommission vertritt den Standpunkt, daß die nung trug und nicht genügend betonte, daß er nicht 14 Broz. pom Betrage der Pariser Beschlüsse bot, sondern mit den Zinsen einen Stunde noch nicht gekommen sei, die militärische Schraube au lodern. niel höheren Betrag. Außerdem war Dr. Simons als Red. ner unglücklich.
Das war jedoch nicht das Schlimmste. Fataler war folgendes: Simons erhielt, wie er meinte, von zuverlässiger Seite, die MitBudapest, 5. März.( TU.) Die rumänische Regierung hat die teilung, daß Lloyd George die Absicht habe, einen Berglei 3 Grenze gesperrt und die Reisenden, die dort eingetroffen find, mterstützen. Man hielt dies für um so wahrscheinlicher, als das aleiche in ähnlicher Weise bereits in Spa der Fall gewesen war. wieder nach Budapest zurückbefördert. Den Konfulaten wird mit Simons beschloß daher, die Abgabe von 12 Broz. vorläufig ganz geteilt, daß die Grenzsperre auf unbestimmte Zeit angeordnet werde. fallen zu lassen. Wahrscheinlich hat ihn dies auch zu einer jo un- Ueber beren Urfache Lönne jezt nichts angegeben werden.
blieb nicht aus und bildete den Anlaß zu zahlreichen Diffe. rengen, in denen die Gewerkschaften eingreifen mußten. Besonders erbitternd wirften die Schwierigkeiten, die den polnischen Arbeitern megen eines Stellungswechsels sowie bei Urlaubsgesuchen gweds vor. übergehenden Heimatbesuches und bezüglich des Versammlungsrechts gemacht wurden. Auch hierüber wurde wiederholt im Reichstag ver handelt, aber erst der Waffenstillstand brachte eine Aenderung dieser Berhältnisse. Doch gelang es der Generalfommiffion, die Heraus gabe des sogenannten Polen Erlasses durchzusehen, wonach ben polnischen Arbeitern der Anschluß an die Gemert. Ihaften freigegeben wurde."