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fragen verpflichtet, bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit zu zahlen. Man braucht dabei nicht nur an die Zal)lung von Annuitäten für ein oder zwei Jahre, d. h. für eine Zeit, die zur Prüfung der Streitfrage mehr als ausreichend wäre, zu denken. Sondern Deutschland müßte außerdem in dieser Zeit schon praktisch etwas für den Wiederaufbau tun. In Uebereinstimmung mit dem Amsterdamer Beschluß der Zweiten Internationale bin ich der Auffassung, daß Deutsch- land den Wiederaufbau nur durch ein gemischtes System von Each-, Arbeits- und Geldesleistungen bewerkstelligen kann. Bis über die Sach- und Arbeitsleistungen eine liebereinstim- mung zu erzielen ist, wird nach den bisher gemachten Er» fahrungen immerhin einig« Zeit oergehen. Es kommt hinzu, daß man in Belgien die Beschäftigung von deutschen Arbeitern für den Wiederaufbau zurzeit noch nicht für möglich hält, weil die Stimmung weiter Kreise der Bevölkerung in Erinnerung an die von der deutschen Heeresleitung angeordneten grau- samen Deportationen noch zu sehr deutschfeindlich ist. Für Belgien stehen deshalb die Geldleistungen im Vordergrund und auch Frankreich braucht wegen seines eigenen Finanz- elends flüssige Mittel, wenn in den nächsten Iahren das Gros der zerstörten Häuser wieder aufgebaut werden soll. Um hier zu helfen, müßte sich deshalb die deutsche Re- gierung verpflichten, unabhängig von der Prüfung der deut- fchen Leistungsfähigkeit in den nächsten Jahren die Anleihen zu verzinsen und zu tilgen, die für den Wiederaufbau der zer- störten Gebiete auf dem internationalen Geldmarkt überhaupt zu haben sind. Wieviel für dieseü Zweck zu haben ist, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. In deutschen Finanz- kreisen wird angenommen, daß für Wiederaufbauzwecke hoch- stens 68 Milliarden zu haben sind. In Amsterdam hörten wir, daß nach Auffassung neutraler Sachverständiger weit mehr flüssig gemacht werden könnte, wenn auch vielleicht nicht durch Deutschland . Auf letzteres darf es nicht ankommen. Die deutsche Regierung müßte sich vielmehr jetzt schon verpflichten, nicht nur für die Anleihen, die Deutschland selbst, sondern auchfürdie.dieetwaderVdlkerbundoderdie beteiligten Mächte selb st zugunsten des Wiederauf- baues aufnehmen würden, durch Iahreszahlungen die Verzinsung und Tilgung zu garantieren. Wenn auf diesen verschiedenen Wegen, z. B. in den nächsten fünf Iahren z. B. 25 bis 36 Milliarden Goldmark für den Wiederaufbau aufzubringen wären, so wäre für den gesamten Wiederaufbau viel geschafft. Jedenfalls muß die deutsche Re- gierung jetzt schon in jeder Weise jeden guten Willen zeigen, wenn auf solchen Wegen mit ihrer Hilfe eine Lösung gesucht werden soll. Herr Reichsminister Simons hat durch denMatin' die Welt wissen lassen, daß die deutsche Regierung in wenigen Tagen auf einfache und wahre Art den guten Willen zeigen werde, Deutschlands Verpflichtungen bis zur äußersten Grenze der Zahlungsfähigkeit zu erfüllen. Darauf kommt es tatsäch- lich an. Und es ist wahrlich hohe Zeit, hier Initiative zu zeigen. Allein deutsche Initiative kann Deutschland rn der Welt die Atmosphäre schaffen, die es braucht, um leben zu können. Wunder werden nicht von außerhalb kommen. Trotzdem gibt es bei uns heute noch unzählig« Taffachenblinde, die da glauben, daß wir in Wer Geruhsamkeit Amerika nur davon zu überzeugen brauchen, daß Wilhelm II. den Weltkrieg eigentlich nicht gewollt hätte, und daß Amerika den Deutschen dann schon helfen würde. Wir haben nicht die Zeit, solche nutzlosen Versuche zu machen. Amerika treibt amerikanische Politik., Es hat nicht vergessen, daß es mit Frankreich und England und Belgien gegen Deutschland Krieg geführt hat. Amerika kennt die französischen und belgischen Ruinenfelder. Außerdem erinnerte zurzeit Herr Viviani die Amerikaner! an das alles. Seine Arbeit wird ihm erleichtert durch das weltfremde Gerede und Geschreibsel der Deutschnotwnalen und der Deutschen Volksparteiler. Diese U-Voot-Helden und Sieg- friedenkämpfer von vorgestern reißen heute noch so den Mund auf, als ob nicht wir. sondern die anderen den Krieg verloren hätten. Diese politischen Urheber der deutschen Niederlage, diese Agitatoren für die Rückwanderung der Hohenzollern ,

Der Müller vsn Sanssouci . Uns wird geschrieben: Gelegentlich einer Kritik des Urteils in Sachen des Prinzen Friedrich Leopold wird wieder einmal auf die historische Windmühle von Sanssouci zurückgegriffen:.als ein Wahrzeichen für die sprichwörtlich geworden« Gerechtigkeitsliebe der preußischen Richter, die auch vor einem gekrönten Hohenzollernhaupt nicht zurückschreckte". Friedrich der Große wäre aber der Letzte ge- -wesen, der sich vom preußischen Richter irgend etwas hätte verbieten lassen. Er war darin Despot erster Ordnung, wie es der berüchtigte Müller-Arnold-Prozeß seinerzeit gezeigt hat. Merdings befindet sich die Geschichte von dem Handsesten Müller von Sanssouci (.wenn es kein Kammergericht gäbe") in allen Schullesebüchern, wohl auch heute noch, trotzdem wiederholt und eindringlich von Historikern daraus hingewiesen ist, daß ein derartiger Prozeß und dergl. sich niemals zu Friedrichs und anderer Zeiten ereignet hat. Der erst«, der den wahren Sachverhalt darbot, war L. Schneider in den»Mär» tischen Forschungen" im Jahre 18S8. Dort kann mau die Geschichte der historischen Mühle nachlesen. Die wirtliche Geschichte der Müller von Sanssouci ist gerode das Gegenteil der rührsamen Geschichte, wie sie Liebedienerei gegen die Hohenzollerndynastie phantasievoll erschaffen hat. Der Müller -Graevenitz beschwerte sich bei Friedrich II. daß durch den Neubau in. Sanssouci ihm der Wind zur vollen Ausnutzung abgeschnitten sei. Nicht der König, sondern der Müller wünschte, die Mühle zu verlegen. Dieser Wunsch wurde aber von Friedrich abgewiesen, da ihm die Mühle in das Landschastsbild zu passen schien. 1733 ver- kaufte Graevenitz die Mühl«, und fein Nachfolger ging pleite. Sie kam dann«m einen gewisien Vogel, der wieder die Mühle des Windes wegen verlegen wollte. Wieder beschied Friedrich abschlägig. dagegen übernahm des Königs Schatulle all« Reparaturen und Aus- befferungen. Als Vogel gestorben wor, boten dt« Erben dem König die Mühle zum Kcnff an, aber Friedrich lehnte den Erwerb ab, bis sie später(18ä1) Fideikommißbesitz wurde. Ist an der ganzen Geschichte des Müllers von Sanssouci also nicht ein wahres Wort, so kann bloß noch die Frage interessieren, wie«ine solche Fabel überhaupt entstehen konnte. Darüber gibt es nur Vermutung, und die wahrscheinlichste ist, daß hier eine ähnlich liegend« Geschichte zur Unterlage gedient haben wird. Nicolai er- zählt in seinen Anekdoten(1789) folgendes: Den König verdroß es, daß die Hauptallee von Sanssouci bei der Anlage einen Wmkel machen mußte. Ein Häuschen, von einer alten Rentnerin bewohnt, störte die Führung. Bei einer Tafel legte Friedrich seinen Höflingen die Sachlage vor und bat um Ratschläge. Di« militärischen Ratgeber war-n natürlich alle dafür, daß«in König machen könne, was er wolle: die alle Dame exmittieren und dos Häuschen abreißen! Einzig der Franzose Marquis dArgens

Baker und Scchn, werden über den Wassern drüben sehr ernst genommen, weil ihnen die Presse der Schwerindustrie zur Per- fugung steht. Solange die maßgebenden Schichten des deut- fchen Bürgertums sich aber nicht gleich der Arbeiterschaft ehrlich zur Republik bekennen, ist in Amerika für uns keine Atmosphäre zu schaffen. In den wenigen Tagen bis zum 1. Mai darf man eine solche Umstellung aber nicht einmal von den früheren Nationalliberalen verlangen. Wir Sozialisten werden am 1. Mai feststellen müssen, daß die Vertreter der großkapitalistischen Kreise und die Kraut- junker auch aus diesem schrecklichen Weltkriege nichts gelernt haben. Aver diese Feststellung nützt niemandem, solange dem deutschen Bürgertum die Führer fehlen, die es für die ein- fachsten Tatsachen sehend machen. Werden sich, diese Führer finden, wenn Gefahr im Verzug ist? Es geht in den Kon- flikten, denen wir nach dem 1- Mai entgegengehen, nicht nur um die ideellen Werte, die dem deutschen Volke duxch den Vcrsailler Wertrag noch gerettet wurden, sondern es geht auchummate>ielleGüter. In letzterem Punkte sind die Vertreter der Rechtsparteien besonders empfindlich, und das sollte sie veranlassen, mit uns zusammen die deutsche Re- gierung zu drängen, damit rechtzeitig vor dem 1. Mai neue Vorschläge gemacht werden, die unter Berücksichtigung der deutschen Leistungsfähigkeit den Weg zu einer Verständigung zu ekmen versuchen. Denn es trennen uns nur noch 18 Tage von dem 1. Mai!

Proletarier, erftbießt Euch! Der kommunistische Putsch ist nach Darstellung seiner Urheber bekanntlich mißglückt, weil die Disziplin in der DKPD. immer noch zu wünschen übrig ließ und man so viele.Verräter" in den eigenen Reihen hatte. Deshalb wird jetzt eine neue Parole e r- h ö h t e r Disziplin ausgegeben, die der Stuttgarter.Kommunist" in Nr. 48 folgendermaßen formuliert: Das Parteimitglied muß bereit sein, flch«ms Befehl der Partei zu erschießen. Kurz, jeder Eigenwille hört auf. Wenn man das lieft, erscheint einem der Kadavergehorsam der oltpreußischen Armee fast in versöhnlichem Lichte. Verlangte der preußische Militarismus auch, daß der Soldat so manche Mißhandlung und Ehrenttänkung durch seine Vorgesetzten schweigend hinnehmen mußte, so war doch Selbstmord auf höheren Befehl selbst in dem sriderizianischen Heer unbekannt. Diese Ent- deckung blieb der BKPD. vorbehallen. Aber sie mag nur auf diesem Wege fortfahren. Auf solchen Satzungen läßt sich wohl ein kleiner Verschwörerklub, aber keine Massenpartei aufbauen. Ein gekränkter Verräter. In unserem Erinnerungsarttkel zum 13. März.Vergeht es nicht" hatten wir u. a. geschrieben: Admiral v. Trotha, der mit Ehrhardt verhandeln sollte, benutzte seine Mission, um die Regierung zu täuschen und zu Ehrhardt überzugehen. Hierzu versendet Admiral v. Trotha erst jetzt folgend« Er- klärung an die reakttonär« Presse: 1. In der Voruntersuchung gegen mich beim Reichsgericht ist im Schlußvotum ausgesprochen:An der Vorbereitung des Kapp- Unternehmens war v. Trotha nicht betelligt. er hat sich vielmehr alle Mühe gegeben, den Korvettenkapitän Ehrhardt von seinem Vorhaben abzubringen. 2. Ich habe mich der Regierung Kapp erst zur Verfügung ge- stellt, als die Regierung Dauer, ohne mich irgendwie zu unter­richten oder mir etwas zu hinterlassen, für mich verschwun- d e n w a r. v. Trotha, Vizeadmttal a. D. Dazu ist zu sagen: Punkt 1 Ist rein« Widerlegung, Punkt 2 eine Bestätigung unserer Darstellung. Trotha hat die Regierung getäuscht, indem er au« Döberitz berichtete, dort sei alles ruhig und Ehrhardt plane nicht» Feindliches. Daß v. Trotha sich sonst an der Vorbereitung des Käpp-Putsches aktiv beteiligt habe, haben wir nicht behauptet. Seinen Uebergang zu den Rebellen gesteht v. Trotha selber zu. Seine Ausrede ist so schwach, daß es sich kaum lohnt, darauf einzugehen. Wenn während des Weltkrieges jeder gemeineSoldat, für den im Schützen- groben sein General spurlos verschwunden war. de».

sprach heftig dagegen. Kein König, so meint« er, habe das Recht, einem Untertan selbst gegen Entgelt etwa» mit Gewall hinwegzu- nehmen. Auf dÄrgens hielt Friedrich viel, und so unterblieb der Gewaltakt. Deshalb macht die Allee von Sanssouci heut« noch den Winkel. P. K. vom BStterkundemuseum. Prof. Dr. Heinrich C u n o« hat die von ihm übernommene Gründung und Leitung einer ent w ick- lungsgeschichtlichenAbteilung.fürdieer 1919 ans Der- liner Museum für Völkerkunde berufen worden war, aufgegeben, um sich ganz der Pollttk und seiner Lehrtätigkeit an der Universität zu widmen. Es ist zu hoffen, daß der für die Zukunft des Völler- kundemuseums so bedeutungsvolle Plan deshalb nicht aufgegeben wird. MU Prof. Walter Lehmann , dem vor kurzem aus München herberufenen Leiter des Ethnologischen Forschungsinstttuts, und mit seinen anderen wissenschaftlichen Beamten müßte das Mu- feum auch so die Aussonderung einer Wteilung bewerkstelligen können» die einen entwicklungsgeschichtlichen Querschnitt durch olle sonst geographisch und technologisch gegliederten Museumsabteilungen bietet. Ein schalldichte» Zimmer. Das Physiologische Institut in Utrecht dürste den merkwürdigsten Raum der Well besitzen: ein viereckiges Zimmer von 7l� Fuß Breite und Länge, das für ieden Laut, der von außen eindringen könnte, vollkommen unzugänglich ist. Es liegt, zwischen andere Räum« eingebaut, im obersten Stock eines Labora- roriumsgebäuöes, kann aber durch sinnreiche Einrichtungen gelüftet und auch mit Sonnenlicht erleuchtet werden. Wände. Dach und Boden bestehen aus einem halben Dutzend Schichten verschiedener Stoffe. deren Zwischenräume und Fugen mll schalldämpfenden Stoffen ge- füllt sind. Man hat den merkwürdigen Raum natürlich zu dem Zweck eingerichtet, hier akustische Versuche anzustellen. Bei den Der- suchen werden manche Laute im Raum selbst erzeugt; andere werden von außen durch ein Kupferrohr hineingeleitet, das, wenn es außer Gebrauch ist, stets mit Blei gefüllt ist. Die Rettungsstation In der Luft. Ilm bei Unglücksfällen und be- sonders in gebirgigen und weglosen Gegenden rasche Hilfe bringen zu können, hat dos englische Ministerium für Lustwesen ein Ambu- lanzflugzeug bauen lassen. Dieses zum Transport von Verwundeten geeignete Flugzeug kann ssch noch einem Bericht der Münchener Medizinischen Wochenschrist bis zu einer Höhe von 2000 Meter er- heben und 3 Stunden lang mit einer Geschwindigkeit oon 170 Kilo­meter in der Stunde fliegen. Es bietet außer für den Führer Platz für 4 liegende oder 8 sitzende Kranke, für einen Arzt, eine Schwester und einen Mechaniker. Diese Rettungsstation in der Lust besitzt Ein- richtungen, um sich auf der Meeresoberfläche niederlassen zu können, ist mit drahtloser Telegraphie, Ventilationsanlagen und Kuhloorrich- tungen für tropisches Klima ausgerüstet. ver Araber zu Hause. Wenn ein Araber in sein Heim tritt. zieht er die Schuhe aus, behäll aber die Kopfbedeckung auf. Er be- steigt fein Pferd von rechts, dafür melken aber die arabischen Frauen ihre Kühe von der linken Seite. Im Scmmer geht der Araber mll bedecktem Kopf, selbst wenn es noch so heiß ist, dagegen hat er kein« Furcht, im Winter barfuß zu gehen. Der arabische Händler wiegt

wegen' zum Feind« übergegangen wäre, so hätten wir nach sechs Wochen nur noch die halbe deutsche Armee gehabt. Aber vzrn einem Admiral kann man freilich nicht das gleiche verlangen wie von«wem gewöhnlichen Muschkoten. Deutschnationale Gewaltmenschen. Hamburg . 12. April. (Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".) Der deutschnationale Abgeordnete Oberfohren hat im Reichstage eine Anfrage eingebracht, betreffend das Verbot der Hamburger Zeitung Die Hamburger Warte" durch den Regierungskommissar Genossen Hense. Es wird in der Anfrage zum Ausdruck gebracht, daß dieses Verbot nicht gerechtfertigt und aus nichtigen Gründen erfolgt sei. Demgegenüber ist festzustellen, daß die.Hamburger Warte" durch aufreizende republikfeindliche Artikel schon zum Kapp-Putsch ihr Test beigetragen hat. Seit längerer Zeit kolporttert sie das Märchen, daß in Hamburg eine Rote Armee bestehe. Die Untersuchung ergab, daß diese Nachrichten, die zum Teil auf Spitzelberichten beruhten, stark Übertrieben waren und daß von einer Roten Armee nicht die Rede sein könne. Die Unruhen in Hamburg im März haben die Richtigkeit dieser Untersuchung ergeben dadurch, daß Waffen in der Hand von Kommunisten nur in ganz verschwindend geringem Um- fange vorhanden waren. Trotzdem setzte das Blatt die Hetze gegen den Polizeiherrn in Homburg fort, indem es die Bevölkerung aufforderte, selbsttätig gegen den Polizeiherra vorzugehen. Es beschuldigte ihn öffentlich, die Beoöllerung wissentlich belogen zu haben, und sprach von einer Schlappheit und Berständnislostgkeit des genannten Polizeiherrn. Schließlich heißt es in der betreffenden Nummer wörtlich:Nun säubere man die Polizeibehörde, auch an ihrer Spitze, oon unzuverlässigen und un- fähigen Elementen und schmeiße den Herrn Senator Karl Hense zum Fenster hinaus!" Noch diesen Ergüssen wird es wohl keinem Menschen mehr zweifelhast erscheinen, warum das Verbot erfolgte. Da in Hamburg auch das kommunistische Blatt wegen Austeizung zu Gewalltaten Immer noch verboten ist, wird man die Aufrechterhaltung des Verbotes dieser alldeutschen Hetzschrift, solange der Ausnahmezustand besteht, verstehen können. Selbst wenn Deutschnationale sich darüber aufregen, daßOrdnung geschafft" wird!

Kommumftenprozesie. Essen. 11. April. (WTB.) Vor dem außerordentlichen Gericht hatten sich heute zehn Bergleute aus Borbeck unter der Anklage des Hochverrates zu verantworten. Die Angeklagten hatten in den Putfchtagen eine Verschwörung angezettelt mit dem Ziele, daß Schloß Borbeck und das Bürgerbrauhaus in Borbeck , zwei Stützpunkte der Schutzpolizei zu stürmen, in der Essener Kreditanstalt die Bant- gelder zu beschlagnahmen und eine bewaffnete Aktion gegen die Stadt Essen ins Werk zu setzen. Der Plan scheiterte, da die erwarteten Verstärkungsmannschaften ausblieben und die erforder- lichen Waffen nicht zur Verfügung waren. Das Gericht verurteilte sechs Angeklagte zu Zuchthausstrafen von S bis 7 Zahreu, 4 Angeklagte erhiellen je drei Jahre Festung. In Anbettacht des Umstandes, daß es sich hier um einen nicht zur Ausführung gelangten Plau handelte, erscheint das Urteil außerordentlich hart. Von den in Stuttgart verhaftete» Kommunisten find drei aus der Haft entlassen worden. Wie derKommunist" schrefHt, wird wohl auch die Entlassung der übrigen Verhafteten in Den nächsten Tagen erfolgen._ Die weltlich« Schule in Schlefien. Man schreibt uns: Mit Be- ginn des neuen Schuljabres, am 3. d. M. wurde in Weihstein im Kreise Waldenburg in Schlesien die erste weltliche Schule eröffnet. Sie besteht aus 11 Klassen und 10 Lehrkräften. Damit dürste die erste wellliche Schule Ostdeutschlands zur Tatsache ge- worden sein. Die neuen Schulklassen bleiben einstwellen noch dem evangelischen Schulsystem äußerlich angegliedert, doch dürften dle tecknischen Schwierigkeiten bereits in absehbarer Zell zu einer Ver- selbständigung der neuen Schule hindrängen, die auch von den Gemeindekorperschasten als zweckmäßig anerkannt worden ist. Auch in anderen Orten des Kreises Waldenburg hat eine lebhafte Bewegung zur Schaffung von welllichen Schulen eingesetzt, so daß dieser ersten bald neue wellliche Schulen folgen dürften.

flüssige Waren: aber er mißt Korn usw. Der Araber liest und schreibt oon rechts nach links. Er ißt und trinkt fast nichts, bis er gegen Abend seinen Laden Zugemacht hat. Dann aber sitzt er lange bei seiner Mahlzeit, die oft in Oel imd geschmolzener Butter schwimmt. Seine Söhne sitzen mit ihm bei Tisch: aber die weiblichen Famllienmitglieder müssen ruhig warten, bis die anderen fertig sind. Wenn der Araber mit seiner Frau eine Reise macht so reitet er aus seinem Esel, während sie hinterhergeht. Es wird ihm niemals einfallen, aus der Sttaße neben seinem Weibe zu gehen oder abzu» steigen und der Frau seinen Platz einzuräumen. ver Scheinheilige. Als sich einst der österreichische Botschafter in Rom vom Papst nach einer Audienz verabschiedete, äußerte er im Scherz den Wunsch, heilig gesprochen zu werden. Mein Sohn, antwortete der Papst lachend,man kann un- möglich kanonisiert werden, solange man lebt. Nun, dann kann ich mich ja scheintot stellen." schlug der Diplo- mat vor. Gut, ttit das," antwortete der Papst, gvann werde ich euch für scheinheilig erklären." Zellmigssport. In die britische Postzellungs liste wurde dieser Tage eine neue englische Zeitung aufgenommen. Sie führt den Titel Die Lustpost", uns hat den Zweck, die auf drahtlosem Weg« unter- megs aufgenommenen und während des Flugs im Aeroplau ige- druckten Nochrichten zu verbreiten. Die npue Zeitung fft zun,cchst für den Dienst der Flugzeuglini« Paris London bestimmt und wird in zwei Sprachen gedruckt. Die letzten Meldungen der Politik, des Handels, des Sport und der Kunst werden in London kurz vor dem Abflug an Bord genommen: diese Meldungen werden fortlaufend durch den drahtlosen Dienst unterwegs ergänzt, ins Französi'che über- setzt und an Bord gedruckt. In Boulogn« wird die französische Aus- gab«: der.Luftpost" durch Fallschirm auf die Erde befördert. Spätere Ausgaben werden dann je noch der genommenen Route abgeworfen. Die in englischer Sprache hergestellte Ausgabe, die auf der Rück- reis« gedruckt wird, gelangt ebenfalls durch Fallschirm m einer Anzahl von Städten zur Verteilung. Die Sache liest sich wie ein April- scherz, ist aber ein« ernsthafte Meldimg der.Daily News".

Große BolkSober verliu. In der Tarmen-vnffübrung am Freitag. den IS. d. M., im Dolialla-Tdeatcr, singt Hertha Stolzenberg vom Deutschen Opernbaus die Titelrolle und CorneliS ZronZgeeft den EScamillo. Ansang 7 Uhr. Auch die Berliner Nationalgalerie mutz jeht mitteilen, das jyjih dem Erlag deZ Kultusministers amilich zugelassene Führungen küniliazjSr-r an Zahltagen gegen Erstattung von 1, M. pro Perloii stattfinden. ZaliNchge im alten Hause der Oaleiie find Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, in- Kronprinzen-Balais Donnerstag, Freitag und Sonnabend, in der Bildnis. f.tMmIung Dienstag, Freitag und Sonnabend. Dr. Tolin Roß. de? anderthalb Jahre die füdamerikamlchen Republike» vereiste, ist loeben von Rio de Janeiro kommend tn Deutschland wieder ein- getroffen und hält am 14.. abends S Ubr. im Oberlichtsaal der.Philharmonie". Bernburger Str. 14. einen Vortrag über seine Relseertolge. Vorträge. Der Geologe der KreifSwalder Universität, Gebennrat Prof. Dr. I a e k e I hält Donnerstag, den U. April, abends TL Ubr. i» der Aula deS Margareten -LhzeumS, Jfflandstr. 10, nahe Residenztheater, einen öffentlichen Lichtbilderdorttag überDie Ahnenrsihe des Menschen» geschlecht».'