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Nr. 218 38. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Arbeit und Wohnung.

Die Stadtverordneten gegen die Vororttariferhöhung.

3wei wichtige Fragen, die Arbeitslosigkeit und der Woh­numgsmangel, beschäftigten gestern die Stadtverord­

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Bom Magistrat ist die Schaffung der Stelle eines Städtebaudirektors

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Mittwoch, 11. Mai 1921

Die neuen Gebührenordnungen für die Baupolizei und für das Statistische Bureau werden genehmigt.

Im Anschluß daran nimmt die Versammlung auch einen An­trag des Ausschusses zur Durchführung der Erwerbslofenfürsorge an, der die Aufsetzung eines weiteren Stockwertes auf Geschäfts­häuser und Verwaltungsgebäude befürwortet, sowie einen Antrag des Stadtv. Rosemann( Ü.S03.), der die Uebertragung der

Baupolizei

Dom Staate auf die Stadt verlangt und im wesentlichen einem im Ausschusse abgelehnten früheren Antrage der Demokraten entspricht. Fraktionen unterschriebener Antrag Koch- Dörr, den Magistrat zu Zur einstimmigen Annahme gelangt weiter ein von allen ersuchen, an die Reichsregierung das dringende Ersuchen zu richten, von der in Aussicht genommenen weiteren

Erhöhung des Vororttarifs

Abstand zu nehmen.

netenversammlung. Eine Reihe von Anträgen, die d. h. eines Generaldezernenten für Städtebau, Siedlungs- und Woh­von den drei Fraktionen der Linken zum Beschluß erhoben nungswesen, vorgeschlagen. Von den Soz. und U. Soz. ist dazu wurden, wollen die Arbeitsgelegenheit vermehren. beantragt, die Stelle auszuschreiben, die Anstellung einstweilen auf In diesem Zusammenhang tam auch der Tiefbau- Dienstvertrag zu vollziehen und als Bedingung vorzuschreiben, daß arbeiterstreit und das Verhalten der Unternehmer zur die Bewerber organisatorische, verwaltungstechnische und volkswirt­Erörterung. Ein gleichfalls von den drei linksstehenden Frat- schaftliche Kenntnisse, auch besondere fachtechnische Befähigung be­tionen gefaßter Beschluß, der den Streif betrifft, fordert vom figen müssen. Ein Antrag der Demokraten vom 24. Februar Der Magistrat unter anderem, die von ihm beschäftigten Tiefbau- langt refiloſe Zuſammenfassung aller für eine vorausschauende Sied Sinne eine Lebensfrage für Groß- Berlin. Eine Voraussetzung für Bürgermeister Ritter: Der Antrag berührt in gewiffem unternehmer zur Zahlung der im Baugewerbe üblichen Löhne und die Anstellung eines technischen Generaldirektors. Ein Antrag die Siedlung sind erleichterte Berkehrsmöglichkeiten. In diesem lungs- und Wohnwirtschaft Berlins unentbehrlichen Arbeitsgebiete zu verpflichten. Das Wohnungs- und Siedlungs- der Kommunisten fordert schnellstens geeignete Schritte zur Nutzbar Sinne wird sich der Magistrat der Sache eifrig annehmen. problem wird eingehend erörtert bei der Magistratsoor machung der leerstehenden Kasernen für Wohnzwede. Bom 35 000 m. werden an Reparaturfosten für sofortige Inst and lage betreffend die zu schaffende Stelle eines Städtebau 14. April datiert der Antrag der Soz. und U. Soz., zur Behebung fegung von 60 Feldfüchen für die Außenspiel­direktors. Zur Debatte standen hier auch mehrere auf der Wohnungsnot und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit pläße bewilligt. die Wohnungsnot sich beziehende Anträge, darunter der von unverzüglich einen technischen Generaldireitor für Wohnungs- und Der Umbau des Krankenhauses Moabit Sozialdemokraten und Unabhängigen gemeinsam eingebrachte Siedlungswesen zu bestellen, dem alle speziellen Arbeitsgebiete mit wird genehmigt und aus Anleihemitteln ein Betrag von 12 843 000 Antrag, der ein groß angelegtes Programm von achtechnisch vorgebildeten Abteilungsdirektoren an der Spize zu Mark zur Verfügung gestellt. Mahnahmen zur Bekämpfung der Wohnungs Fingerzeige für die Belebung der Bautätigkeit und Grundsäge für unterstellen sind. Im weiteren gibt der sehr umfangreiche Antrag Schluß gegen 10 Uhr. not und zugleich der Arbeitslosigkeit aufstellt. die Bauausführung, fordert verschärfte Erfassung und Verteilung Es fennzeichnete die rechtsstehenden Fraktionen, daß sie an des verfügbaren Wohnraums an die Wohnungsuchenden, Freigebung dieser Wiederaufbauarbeit nicht teilnehmen wollen. Sie der aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge bereitgestellten Mittel fonnten aber nicht verhindern, daß die Stelle des Städtebau für Reparaturen an Häufern in Zwangsverwaltung oder in Stif­direttors genehmigt und die Anträge zum Beschluß erhoben tungsbefiz und beschleunigte Bereitstellung weiterer Baufosten wurden. Nachher fom es zu einer Rundgebung seltener Ein aufchüsse für Neubauten, Umbauten und Notwohnungen. Endlich mütigfeit. Man erlebte das in der Stadtverordnetenversamm Erd- und Betonarbeiten durch die Stadtgemeinde und die Bermal ein Antrag Weyl vor, bei allen Vergebungen von Hoch-, Tief, lung ganz ungewohnte Ereignis eines dringlichen Antrages tungsbezirke Angebote der Neuköllner Stadtbaugesellschaft und der mit den Unterschriften aller Fraktionen von Koch fozialen Baubetriebe und Bauhütten einzufordern. bis Dörr. Er wandte sich gegen die neue Erhöhung der Vororttarife und wurde einstimmig angenommen.

Sitzungsbericht.

Die Verhandlungen werden vom Borsteher Dr. Ben I pünktlich um 5 1hr eröffnet. Zu Beginn der Sigung sind etwa 15 Mitglieder anwesend. Die Sommerferien werden auch in diesem Jahre in die Monate Juli und August fallen.

Die

Der Ausschuß zur Borbereitung von Maßnahmen zur

Behebung der Arbeitslosigkeit

hot gestern getagt und einstimmig beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, Mittel zur Fortführung der Arbeiten am Notauslaß in der Koloniestraße zur Verfügung zu stellen. Dieser Beschluß wird heute als dringlicher Antrag eingebracht und in der Beratung mit ciner Reihe von Anträgen gleicher Tendenz der U. Soz. und der munisten verbunden. tei zur Annahme, der die alsbaldige Einrichtung der im Gesez Berher gelangt ein Dringlichkeitsantrag der Deutschen Bolks. Groß- Berlin vorgesehenen Schiedsstelle fordert. fucht den Magistrat, die von ihm beichäftigten Tiefbauunternehmer Bon den U. Soz. ist der Antrag gestellt: Die Versammlung er zu verpflichten, die im Baugewerbe üblichen Löhne zu zahlen und die Bezahlung der während des Streifs der Tiefbauarbeiter eingefeßten Technischen Nothilfe abzulehnen, weiter aber auch die Aptierungs arbeiten in Schönow und die Kanalisationsarbeiten in der Reiniden­

dorfer Straße fortzuführen."

Die Kommunisten haben am 10. März die Bewilligung von

Mitteln für den

Sport- und Volkspart auf dem Tempelhofer Felde und für die Weiterführung der Arbeiten am Zentralfriedhof in

Rudow somie die sofortige Wiederaufnahme der stillgelegten Not standsarbeiten an der Untergrundbahn und an den Hafenanlagen Reutöln beantragt.

Der Ausschußantrag wird mit großer Mehrheit angenommen; die anderen Anträge gelangen mit den Stimmen der drei sozialistis schen Parteien zur Annahme, für den Antrag betr. die stillgelegten Notstandsarbeiten ftimmen auch die Demokraten.

Eine Geschäftsordnungsdebatte tnüpft sich an die Beschwerde des Stadtv. Dr. Caspari( D. Vp.), daß die Sizung unter Nicht­beobachtung des akademischen Viertels so früh begonnen habe. Der Borsteher erwidert, daß fünftig die Sigungen pünktlich um 5 Uhr beginnen werden.

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Stine Menschenfind.

III. Der Sündenfall.

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Luxushotel oder Volkshotel?

In einer von dem Zentralperband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten einberufenen Bersammlung wurde jüngst mit aller Schärfe gegen die unaufhörliche Schließung wichtiger Gafiſtätten Ein­lebhaft erörtert und es wurde mitgeteilt, daß die Deutsche Bank bas spruch erhoben. Auch in bürgerlichen Blättern wird die Hotelfrage altbekannte Berliner Hotel Zur goldenen Gans" in der Heiligen Geist- Straße, die AEG. den Bidinger Hof" in der Invalidenstraße, in dem sich vor Jahren das bekannte Lofal Alter Kuhstall" be­funden, angekauft haben. Auch diese Gaststätter werden somit dem Berkehr entzogen. Zweifellos bedeutet der augenblidliche Abbau der Hotels eine schwere Schädigung fämtlicher im Hotelwesen beschäftig ten Angestellten. Es fragt sich nur, ob in absehbarer Zeit eine Besse rung dieser Zustände eintreten kann.

Ueber alle diese Anträge wird die Diskussion mit der der Ma­giftratsporiage verbunden. Hüttchen( D. Bp.) lehnt lettere ab, will aber den Anträgen immerhin eine Prüfung im Ausschusse gönnen. großzügigen Plane, den die beiden sozialistischen Barteien am Dr. Herz( U. Soz.) führt aus, daß die Vorlage dem 14. April vorgelegt haben, nicht gerecht werde, Es handle sich um die Schaffung der Verwaltungseinheit auf dem Gebiet des ge­Spricht man vom Hotel, so muß man auch von denen sprechen, samten Wohnungswesens; die neue Stelle merde u. a. auch die drin- um derentwillen die Hotels da sind, nämlich von den Reifenden. Wer gende Aufgabe haben, die Probleme zu lösen, bei denen die Woh aber kann sich heute leisten, in einem Berliner Hotel abzusteigen? In nungsämter versagt haben. Bender( Dnat.) läßt dem Antrag erster Linie die Auslärder, die durch den Stand ihrer Baluta auch die der Soz. und U. Soz. in manchen Beziehungen Gerechtigkeit wider höchsten Hotelpreise ausgleichen können, sodann unsere eigene Bluto­fahren, spricht fich gegen den Antrag der Kommunisten aus und tratie und schließlich ein Teil der Berufsreifenden, die die Hotel­befürmortet Heberweisung aller Anträge und der Vorlage an einen untoften auf die Spesen verrechnen fönnen. Hinsichtlich der Ver­Ausschuß. Holz( Soz.): Man wolle nicht einen neuen Bureau- gnügungsreifenden aber vollzieht sich ein deutlicher Umschwung, fie­traten, sondern eine überragende Kraft, die, nicht durch ein De- fteigen in fleineren Hotels, viel mehr aber noch in Privatpensionen zernat gefesselt, in das Hoch- und Tiefbau-, wie in das Wohnungs- ab. Außerdem aber wird mehr und mehr der Tauschverkehr üblich. mesen bestimmend eingreifen könne. Stadtrat Wuzti: Alle Im Sommer fahren die Berliner zu Berwandten und Bekannten aufs Was der Antrag Weyl- Heimann verlangt, bedeutet für den Mann, Tagung abhielt, hat es durch Aufruf verstanden, ihre sämtlichen aus­Kafernen find zurzeit befekt; damit erledigt sich der Antrag Gäbel. Land. Dafür kommen diese im Winter nach Berlin . Eine große den wir brauchen, eine unerhörte Belastung, unter der er ersticken dafür fchafft, daß die Bautätigkeit, menn sie wieder fräftiger ein fann bie Unfosten für einen mehrtägigen Aufenthalt in einem Bers muß. Borauf es ankommt, ist, daß der Mann die Voraussetzungen wärtigen Bertreter gegen Erstattung der Unkosten in privaten Haus fett, sich in gefunden Bahnen bewegt Shubert ( Dem) er liner Hotel erschwingen; weder er noch feine Organisation. einhalten unterzubringen, denn fein Mensch mit einem Einkommen lärt sich für den Magiftratsvorschlag. in dem Antrag Weyl- Heimann einen der früher von der Mehrheit führen. Die immer stärkere steuerliche Belastung der großen Gin­Die Entwicklung wird aber noch zu ganz anderen Verhältnissero abgelehnten fommunistischen Anträge wieder, der in etwas verän fommen und Vermögen wird diese Kreise zu einer Einschränkung für den Antrag und für die Vorlage stimmen und Ausschußberatung Ausländer und die obersten 300 zu erschwingen sein. Es wird olja derter Gestalt wieder auferstanden sei. Die Kommunisten würden ihrer Bedürfnisse zwingen. Luxushotels werden schließlich nur für Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. menige ganz große und feudale Hotels geben und eine Anzahl für da nicht kommunaler oder sozialistischer Unternehmungsgeist ein­die minderbemittelte Bevölkerung. Und da entsteht die Frage, ob sehen soll. In der Schweiz und in Amerika sind die gemeinnütigen Boltshotels längst heimisch. In Memel wird ein kommunales Hotel gebaut, in Bochum ein ähnliches.

ablehnen.

Dörr( Komm.) erkennt

Der Antrag auf Uebermeifung der Anträge on einen Ausschuß wird gegen die Bürgerlichen abgelehnt. Mit der Ergänzung nach dem Antrage Benl- Heimann wird die Borlage angenommen; eben­so gelangen die sämtlichen Anträge mit den Stimmen der 3 Bar teien der Linken zur Annahme.

Zur Beratung fommt sodann die Vorlage megen Bildung einer einheitlichen Bezirksschuldeputation

und eines einheitlichen Bezirksschulausschusses für die Bermaltungs bezirke I- VI. Nach längerer Aussprache wird die Borlage mit einer non Frau Riedger( Soz.) beantragten Erweiterung der Zusammenfeßung der Schuldeputation angenommen.

Will Berlin seinen Ruf als Fremdenstadt fich erhalten, so wird es eines Tages auch an die Lösung der Frage der Fremdenunterkunft hevantreten müssen. Das deutsche Unternehmertum ist viel zu egoistisch, als daß man von ihm gemein­wird immer wieder an die teuren Luxushotels herangehen. Deshalb nügige Boltshotels mit geringer Geminnquote erwarten dürfte; es muß das Bolf versuchen, sich seine eigenen Gaststätten zu schaffen, sei es auf genossenschaftlichem Wege, sei es durch die Gemeinden. Wie auf fo vielen tommunalen Gebieten stehen auch auf diesem noch alle Bege offen.

In dem einen Bett lagen zwei Kinder und prügelten sich; fie mochten sechs und acht Jahre sein. Sind sie frant?" fie. fragte Stine.

Nein, Stine hatte Eile. ,, Sonst frieg' ich Schelte!" sagte Sie wollte teine von den Pfannkuchen effen. ,, Na jaja , es war gut, daß du gekommen bist. Mein ,, Nein, das sind sie nicht," erwiderte die Frau. Aber Mann wird ganz mürrisch davon, wenn er nichts zu tun hat, mir haben nicht genug Kleider, um alle anzuziehen, darum Gtwas Ordentliches vorzusehen hat man ja nicht, wenn man müssen immer je zwei im Bett bleiben. Es ist ein recht schlimmer Winter gewesen, wahrhaftig."

Bon Martin Andersen Nero. nichts verdient, und dann weiß man ja, mie, es um den An einem solchen Tage trabte sie über die Felder nach häuslichen Frieden bestellt ist. Hätten wir nicht ein paar der Koppel hin. Sie sollte Rasmus Rytter bitten, am nächsten Stine mußte marten und Kaffee trinten. Wenn nicht Heringe in der Tonne gehabt und Kartoffeln in der Grube, Tage zu kommen; das Frühjahrspflügen sollte seinen Anfang das Unglück wollte, daß einem das Fettzeug abhanden ge- dann hätt's ganz schlimm ausgesehen. Für uns hier is es nehmen. Er war nicht auf dem Hof gewesen, seit sie vor tommen wäre, jo hättest du' nen Pfannkuchen zum Kaffee ge- ein garftiger Winter gewesen. Trist war das Wetter, trist cinem Monat mit dem Dreschen fertig geworden waren, da friegt," sagte die Frau und lief aus und ein und suchte. Ich is es auf dem Battehof, und trift is er selber, wie soll man nichts für ihn zu tun gewesen war. Das Waffer an den lehmi- hatte den Kindern Pfannkuchen zum Mittag versprochen, da da anders sein? Es wird gut tun, wenn man ihn mal für gen Stellen war noch nicht gesunken, jeden Augenblick behielt mit fie ruhig sein sollten, und den Teig hab' ich auch gerührt,' ne Zeitlang los wird." der aufgemeichte Boden einen von Stines Holzschuhen zurück; aber nun fehlt einem das Fett für die Pfanne. Es is ganz und sie mußte auf einem Bein stehen, während sie ihn loszu- merkwürdig!" sagte sie. Ich weiß ganz bestimmt, daß die Die Tage wurden lang und hell. Stime durfte in ihrer bekommen suchte. Die Erde hielt den Schuh pie ein gieriger Jungen heut morgen, eh sie zur Schule gingen, herumliefen fleinen Kammer fein Licht brennen, aber jetzt war's hell Saugmund fest; und gab sie ihn endlich frei, fo geschah's mit und sich damit schlugen." Sie lief um die Hütte herum, daß genug, wenn sie nur die obere Halbtür offen stehen ließ. Ein einem lauten Seufzer, der Stine lachen machte. die Röcke um fie flogen, und blieb eine Weile fort. Ja ,, nu Fenster war nicht porhanden. Sie war guter Laune. Es war so schön, eine Zeitlang haltet's Maul!" rief fie den Kindern zu, die die Hälse aus vom Hof wegzukommen; und vor allem war es gut, daß das dem Bett redten. Man fann wohl nicht mehr tun, als man Licht tam und in allen Winkeln nachfah. Da war so vieles, tut!" Dann tauchte sie von der andern Seite her auf. In dem heimgeleuchtet werden mußte. der Hand hielt fie etwas, das einem langen schmußigen, zu Saufe geaoffenen Talglicht glich. Hier ist es doch, ich hab's mir ja gedacht," sagte fie und warf die Pfanne übers Feuer. Dann nahm sie den Gegenstand und rührte mit seinem Ende in der Pfanne herum; diese wurde schwach angefettet, und sie begann ein wenig zu brukeln.

Rasmus Rytters Hütte lag ganz draußen an dem ent fernten Ende der Koppel, ein gut Stück jenseits der Beide. Unten im Sumpf, wo sie gehütet hatte, stand Baffer; fie mußte darum herumgehen, am Rande der Felder entlang. Aber es machte Spaß, hinunterzusehen und alle die Nefter wiederzuerkennen, obwohl der Winter fie unbarmherzig ab­get hatte; ein eigentümilches, trautes Heimatgefühl schlug ihr von dort unten entgegen, und sie sehnte sich noch stärker nach dem Sommer..

Der Tagelöhner war nicht zu Hause. Seine Frau han tierte am Schornstein, als Stine fam; sie war ungefämmt und in der Unterjacke, obwohl es bald Mittag war. In der Hütte sah es ärmlich und schmukig aus. Ja, du darfst mich nicht ansehen," fagte fie und hielt mit ihrer schwarzen Hand die Unterjade über der Brust zusammen. Man hat so viel zu tun gehabt, um das Haus in Ordnung zu halten, da hat man noch feine Zeit gehabt, sich selbst zurechtzumachen." Ja, Stine fah, welche Ordnung hier herrschte alles lag drunter und drüber, die Betten waren noch nicht einmal gemacht!

Licht?"

Was ist das?" fragte Stine verwundert. Ist das ein Das,- das ist eine Eberrute. Sonst hängt sie immer hier am Schornstein, aber heut morgen hat mein Alter damit feine Holzschuhftiefel eingeschmiert, und dann haben die Jun­gens fie genommen."

,, Biel Fett ist aber nicht dran," fagte Stine, äußerst interessiert an dem Resultat; sie wollte den sehen, der es fertig brachte. damit die Pfannkuchen von der Pfanne loszufriegen. ,, Nein, ein bißchen trocken ist sie allerdings, sie ist von einem alten Eber. Am besten eignet sie sich zum Gefäß­einfetten. Mein Alter gebraucht sie immer, wenn die Kinder bestraft werden sollen. Aber nu tomm und seh' dich, dann fommt Raffee!"

Ihr Kämmerchen lag im ältesten Hofflügel, der einst­vielleicht vor zweihundert Jahren Wohnhaus gewesen war. Das Pflaster war noch da aus jener Zeit, als der Raum als Vorfüche diente. Auch der offene Komin stand noch, aber in Deckenhöhe war er mit Stroh verschlossen, das auf Stangen gelegt war; da drinnen in dem Kaminraum stand ihr Bett wie in einem Alfoven, es war gerade Plak dafür. lleberm Bett saß noch die gezadte Eisenstange, an der der Kochtopf gehangen hatte. Wenn's regnete, troff uralter Ruß die Mauer an ihrem Kopfkissen herab; der starte Geruch erinnerte an Großchen und rief wehmütige Träume hervor. Es geschah. daß die Mäuse sich durch den Battenboden nagten und auf Stines Dedbett herabfielen.

Aber sie mar entzückt von diesem Loch, zum erstenmal in ihrem Leben hatte sie ihr eigenes Zimmer. Sie hatte es sich da drinnen ein wenig gemütlich gemacht mit einer alten Rifte, die fie auf die hohe Kante gestellt und über die sie ein weißes Tuch gebreitet hatte. Die Kiste erfekte Kommode und Wasch­tisch. Und an der. Kante des offenen Schornsteins hatte sie eine lange blaue Gardine mit Fransen befestigt, die sie auf dem Speicher gefunden hatte; fie hatte einmal zu einem Himmel­bett gehört und bildete einen großartigen Alkovenschmuck. Auf der Kommode" stand ein Stüd Spiegel.( Forts. folgt.)