Auf Versammlungen und Meetings dür- fen nur Mitglieder d»r Kommunistischen Partei das Wort ergreifen. Von den politischen Parteien des Landes hat sich den Kommunisten nur eine win- ?iige Gruppe der„Föderalisten"(eine Art chauvinistischer Nationalbolschewisten ohne jeglichen Anhang) angeschlossen: alle übrigen Strömungen verhalten sich schroff ablehnend. In ihren Kundgebungen an das internationale Prole- tariat spricht die georgische Räteregierung im Namen der georgischen Arbeiter- und Bauernräte. Wie bereits erwähnt, existieren keine Räte in Georgien . Es herrscht dort eine gänzlich unverhüllte russische Militärdiktatur: alles ge- schiebt auf direkten Befehl aus Moskau . Die Stimmung der Volksmassen ist äußerst deprimiert. Vieles erinnert an die Zustände von 1906, als die Strafexpeditionen des berüch- tigten zarischen Henkergenerals Alichanow sengend und mor- dend das Land durchzogen. Und dieser nackte imperialistische Raubzug wird von den Pressebedienten der„Rosra", des„Nowy Mir" usw. als „Sieg des Proletariats" dargestellt!
heuchlerische Entrüstung. Der„Nationalverband deutscher Offiziere", der„Verband notionalgesinnter Soldaten" und der„Deutsche Offiziersbund" haben an die deutsche Regierung ein Schreiben gerichtet, das heute morgen von der gesamten Rechtspresse mit Genugtuung abgedruckt wird. Es wird darin der Protest der unterzeich- neten Verbände ausgesprochen, daß die Regierung in ihrer Antwortnote an die Interalliierte Militärkontrollkommission auf deren Note vom 14. Mai d. I. von der Unterdrückung des Freikorps Unwesens gesprochen habe. Weiter heißt es: Die jetzige deutsche Regierung ist aus denselben Parteien gebildet worden wie die seinerzeit aus der Nationalver- fömmlung hervorgegangene Regierung. Diese Regierung war die Nachfolgerin der sozialistischen Volksbeauftrag- t e n. Beide hatten im Winter 1918 zur Bildung von Frei- willigenformationen aufgerufen. Diese Freikorps haben nicht nur bis in das Jahr 1929 hinein die Ruhe und Ordnung im Lande aufrechterhalten<s. K a p p- P u t s ch. Die Red.), sie bildeten nicht nur den Stamm für die vorläufige Reichswehr und das jetzige R e i ch s h e e r, sie haben auch die Regierung geschützt und ganz allein sie waren es, die es der Regierung ermöglichten, ihre Macht auszuüben. Es muß daher auf das allerentschiedenste zurückgewiesen werden, daß eine deutsche Regierung jetzt und dazu noch in einer Rote an unsere Feinde von einem Freikorpsunwcsen sprich:. Wenn man diesen Protest liest, so möchte man den unter- zeichneten Offizieren und„nationalen" Soldaten den Rat er- teilen, sich lieber nicht mit politischen Dingen zu befassen. Be- kanntlich ist die jetzige Regierung die Nachfolgerin des Fehrenbach-Simons-Kabinetts, das an seiner jedes inneren Haltes entbehrende? Politik zugrunde ging. Es ist also zunächst eine geschichtliche F ä l s ch u n g, die Regierung W i r t h- V a u c r als Nachfolgerin der Regierung aus der Zeit der N a t i o n a l v e r s a m'm l u n g zu bezeichnen. Ferner übersieht das Protestfchreiben geflissentlich die völlig geänderten Verhältnisse, die in der ersten Zeit der Revolution im Vergleich zu heute herrschten. Die nationalen Verbände sind im Irrtum, wenn sie sich als Geister, die man rief, bezeichnen zu können glauben. Durch die Schaffung der Reichswehr ist eine verfassungsrechtlich militärische Formation gegründet worden, durch die alle übrigen Truppenorganisationen überflüssig gemacht wurden. Wenn die Regierung in ihrer Note von einem Freikorps unwesen sprach, so hat sie sich hierbei außer ordentlich milde ausgedrückt: sie hätte in nahe- liegender Erinnerung an die B a l t i k u m e r und sonstige Helden mit gleichem Recht auch von Freischärlern und Räuber- banden sprechen können. Uebrigens noch eine Bemerkung: Die Erklärung ist nicht nur unterzeichnet von den beiden sattsam bekannten nationa- listischen Verbänden, sondern auch vom Deutschen Offi-
Der erste Zoll. Don Hans Bauer. Der Küfer H e y n e n aus Barmen hätte das gewiß noch vor drei Iahren niemals für möglich gehalten, daß fein Name ein- mal nicht nur durch sämtliche Tageszeitungen Deutschlands , sondern auch durch alle belangreichen der ganzen Welt geht, daß englische Unterhausmitglieder und sogar ein leibhafter englischer General- staatsanwalt ihm stunden-, ja tagelang gegenübersitzen und daß er sich vor seinen ehemaligen Gefangenen einmal zu verant oorten haben werde. Daß es geschieht, ist höchstens deshalb ungerecht,»eil bei uns und jenseits der Grenzen Schlimmere existieren, die nicht auch ein Kläger vor den Richter schleift, und höchstens deshalb unwürdig, weil es erst des Druckes der Entente bedurfte, um wenigstens einige der Ueblen vor die Schranken zu stellen. Der große Sitzungssaal des Reichsgerichts, in dem gegen die Kriegsbeschuldigte?, verhandelt wird, fällt durch zweierlei unange- nehm auf: durch eine schlechte Akustik und durch zwei hohe Bilder, Aber wie die Zeugen nacheinander aufmarschierten und'eils Könige darstellen. Säbelklirrend thronen diese wie Schutzgeister über den Eingangspforten. Die Tische der Ententevertreter sind aufmcrksamerweise so gestellt, daß die Herren aus London und Paris direkte Aussicht auf die ExHerrscher haben. Es ist schließlich nicht schlimm, daß trotz einer Revolution, die wir doch immerhin batten, an einem lo exponierten Orte ausgerechnet zwei Königs- Porträts den einzigen Bildschmuck darstellen und hoffentlich nicht symbolisch gemeint sind für den Geist, der hier herrschen soll. Unter dem wilhelminischen System hätte man kaum durch das Bildnis Bebels die Berhandlungsfäts geschmückt....! Heynen ist kein Kriegsverbrecher im üblichen Sinne. Nicht einer, der mit dem Leben von Millionen leichtfertig spielte. Nur ein kleiner Schubiak, der schlug und stieß und schimpfte. Er scheint nicht unintelligsnt zu sein. Er weiß die Sätze gut zu fügen und hat vor den Richtern Courage. Zuweilen aber, wenn ein englischer Zeuge abtittt, wirft er dem einen Blick noch— einen Blick, den wir kennen. So tasteten die Ausbildungsunteroffiziere mit den Augen die Rekruten danach ab, ob die Knöpfe spiegelblank waren. Als ein englischer Zeuge ausgesagt hatte, daß er von Heynen eines Morgens mit dem Besen geschlagen worden sei, entgegnete der ent- rüstet, er habe den Zeugen nicht mit dem Besen geschlagen, sondern ihn nur mit dem Besen geweckt. Der Präsident machte darauf aufmerksam, daß ein Besen. kein geeignetes Weckinstrument sei. Heynen zuckte fragend die Achseln. Auf diesen Einwand schien er nicht gefaßt gewesen zu sein.... So ist Heynen. Gewiß: eines weckenden Besens und dieses und jenes wegen brauchte die Entente nicht das Augenmerk der Well auf einen subalternen Beamten des alten deutschen Militarismus zu lenken.
s z s e r s k> u n d. dem der Reichswehrminister bisher ! eine Vorzugsstellung in der Reichswehr eingeräumt dat. Während verfassungstreue Verbände, die die Regierung unterstützen wollen, wie die Offiziersvereinigung der Republik und der Republikanische Führerbund in der Reichs- wehr verboten wurden, ist der Deutsche Offiziersbund als „gänzlich unpolitisch" erlaubt worden. Herr Geßler erntet jetzt die Früchte dieser unterschiedlichen Behandlung, indem der Deutsche Offiziersbund die Regierung beschimpft. Natürlich zur Erhöhung und Festigung der Disziplin! ♦ In bemerkenswertem Gegensatz zu diesem anmaßenden Schrift- stück stehen Ausführungen, die in der„Deutschen Allgem. Ztg." von einer Seite gemacht werden, die das Blatt als„besonders beachten?- wert" bezeichnet. Hier heißt es: Tausende von jungen Leuten stnd nach Oberschlesien geströnit, um dort bedrohtes deutsches Land zu schützen. Niemand bezweifelt ihre gute Absicht, und man oersteht ihre vater- ländischen Gefühle. Die wenigsten wissen ober, daß die Politik nur kühle und nüchterne Köpfe verträgt und daß das Problem Oberschlesien heute zu einer hochpolitischen, weit über die Grenzen Deutschlands hinausragenden Frage' geworden ist. Es kann gar nicht ernst genug davor gewarni werden, hier die nüchternen Erwägungen der Polllik durch Gefühle ersetzen zu wollen. Die Folgen können verhängnisvoll werden. Die deutsche Rechtslage ist in Oberschlesien für uns günstig. Daß das Recht auf unserer Seite steht, das weiß in oller Welt jeder, der sich das Gefühl für Recht und Gerechtigkeit bewahrt hat, und alle Der- suche der Franzosen , insbesondere des Herrn Briand , die Rechtslage zu verdunkeln und zu verwirren, müssen v e r g e b- l i ch bleiben. Weiter wird in dem Artikel darauf hingewiesen, daß Polen und Frankreich auf den Vormarsch deutscher Freiwilliger nur warten. Die Frage, ob es klug sei, zu tun, was die Gegner wollen, wird in folgender Weise beantwortet: Dreierlei spricht dagegen. Zum ersten: die außenpolitische Lage, in der wir zurzeit, wie erwähnt, eine unanfechtbare Rechtsstellung haben. Sie darf uns durch Kurzsich tigkeit und aufwallende Gefühle nicht wieder verloren gehen. Zum zweiten: die i n n e n p o l i- tische Lage. Der Geist der Freikorps verbirgt nach bisheriger Erfahrung nicht jenes hohe Maß von Dlsziplln, das in der heiklen Sage erste Voraussetzung wäre. Bereits geschehene ll ebergriffe gefährden die deutsche Innenfront und per- schärfen den häßlichen Kamps der politischen Parteien; dieser raubt uns wiederum unsere Geschlossenheit nach außen. Die Kommunisten buchen— zum dritten— die Unvorsichtigkeit undisziplinierter Freikorps , um die Arbeiter gegen diese aufzuhetzen: sie suchen in die Reihen der Freikorps selbst ihre Gewährsleute hineinzubringen und durch provokatorische Handlunacn die Erregung gegen die Freikorps zu steigern. Schon wurde Radek in Breslau gesehen, ein Beweis, daß die Kommunisten Morgenluft wittern! Bis auf den dritten Punkt, der reichlich nach„Bolfchewisten- schreck" aussteht, kann man diesen Ausführungen nur zustimmen, wobei besonders bemerkenswert der— wenn auch vorsichtig oer- klaufulierte— Hinweis auf die mangelnde Disziplin der Freikorps ist. Der Artikel schließt mit der Warnung vor einem zweiten Baltikum -Abenteuer und mit dem Hinweis, daß es nicht unsere Ausgabe sein dürfe, zum Borteile Frankreichs Fehler zu begehen, die uns letzten Endes zum Verhängnis werden müssen. verfahren gegen Sklarz eingestellt. In der„Deutschen Zeitung" finden wir an ziemlich ver- steckte? Stelle folgende Erklärung: „In verschiedenen Nummern der„Deutschen Zeitung" stnd im Vertrauen auf sonst zuverlässige Gewährsleute Herrn Georg Sklarz verschiedene strafbare Handlungen vorgeworfen worden. In dem von Herrn Sklarz gegen unfern Redakteur angestrengten Privat klageverfahren hat der Herr Vorsitzende ein a m t- liches Schreiben des General st aatsanwalts des Landgerichts Berlin I mitgeteilt, aus dem sich ergibt, daß die dieser- halb gegen Herrn Georg Sllarz eingelcilelen Ermittelungsversahren ein guter schien. Aber die Heynen: Die knisten und drosch. m und korrekt, präzis, sachlich, teils verworren und widerspruchsvoll breit von diesem Hiebe und jenem Stoß erzählten, überschlich mich doch ein Gefühl der Genugtuung. Gerade well die Schikanen des Heynen, verglichen mit den Grausamkeiten des Krieges überhaupt, so belanglos und nichtig sind, war es eigenartig, sie hier dar- gelegt zu sehen. Man denke: vor 4 bis 5 Jahren einmal schubste Heynen den Tommy soundso eine Kellertreppe hinunter, dachte sich nicht viel dabei, hielt Roheit für Soldotenpflicht— heut« muß er sich in Gegenwart von Vertretern aus aller Welt wegen dieses Schubses verantworten. Ob das nicht erzieherisch wirkt? „Kriegsverbrecher"? Ach nein: bitte, ohne Gänsefüßchen: Kriegsoerbrecher- Auch die Heynen. Nicht nur die großen Ver- wüster verdienen so genannt zu werden. Die in einem gewissen Sinne sogar noch weniger als diese kleinen Rohllnge. Die Großen, die Anordner, hatten wenigstens noch einen Wahn: sie glaubten durch Brunnenvergiftnng, Väumeausjätung, Hospitalschifsoersen- kung, Bergwerksvernichtung in einem Sinne zu wirken, der ihnen ein guter schien. Aber die Heynen? Die kniffen und droschen und weckten mit dem Besen aus reiner Brutalität. Die Gemeinheiten, die sie auf dem Exerzierplatz lernten, mögen sie erst zur Ausübung eigener Gemeinheiten angespornt haben. Schön. Daß sie sich an- spornen ließen, ist ihre Schuld. Die Richter von Leipzig demütigen nicht ihr Baterland, sie er- heben es, wenn sie strenge Justiz nicht n»r an den großen Ver- brechern des Militarismus, sonderen auch an deren gelehrigen Kreaturen üben. In der Nürnberger Meistersinger-Kirche. Der Nürnberger Stadt- rat hat jetzt beschlossen, die alte, seit 17b3 profanierte Katharinen- kirche, die im Kriege als Getreidelagerraum diente, mit einem Auf- wand von über einer halben Million zu einem städtischen Kon- zert- und Vortrags bau? umzubauen. Sie soll schon im kommenden Winter fertig sein. Eine Akustikprobe ergab ein gutes Resultat, der Philharmonische Verein begann hier sein Programm mit dem Meistcrsinacr-Norspiel— der erste Akt von Wagners Werk spielt ja in dieser Kirche. Denn hier haben die Meistersinger ihre Singschule gehalten, bis in die zweite Hülste des 18. Jahrhunderts hinein tagten sie da, so wie es Wagner in jenem Akt auf Grund der Erzählung des Kunsthistorikers August Hagen dargestellt hat. Haoens einst weitverbreitete„Rarika", Nürnbergische Novellen aus alter Zeit, 1329 zuerst erschienen(jetzt bei Reclam ), sind heute fast vergessen, aber für Freunde kulturgeschichtlicher Schriftstellerei immer noch eine hübsche Lektüre. In einem Hauptpunkt allerdings irrt Hagen , wenn er seine Meistersinger in der Katdori neu kirche vor Kaiser Maximilian ihre Singschule abhalten läßt. Die„Liebhaber des Meistergesanges" tagten zur Zeit des Hans Sachs nicht in der Katharinen-, sondern in der kleineren Martha-Kirche , die der heute Nürnberg vom Haupt- bahnhof her Betretende hinter dem Tor gleich zur linken Hand liegen steht. Erst 1620 schlugen die Meistersinger in der Kathorinenkirche ihren Sitz aus.
eingestellt worden sind. Mit Rücksicht hierauf sollen die Behaup- tungen gegen Herrn Georg Sklarz nicht mehr aufrecht erhalten werden." Hieraus ergibt sich, daß das Verfahren gegen Sklarz, durch das zum mindesten die Sozialdemokratie, wenn nicht die ganze Republik zusammenbrechen sollte, sang- und klang- los eingestellt ist. Dabei war dieses Verfahren von einem Staatsanwalt geführt worden, dem auch sein größter Feind keine Sympathien für die Republik oder für Herrn Sklarz nachsagen kann. Sklarz hat sich mehrfach über den Staatsanwalt E u t j a h r beschwert, und im preußischen Land- tag ist von sozialdemokratischer Seite gegen Herrn Eutjahr der Verdacht ausgesprochen, daß er den Abschluß der Untersuchung. die nichts positiv Belastendes ergeben habe,� nur deswegen so lange hinauszögere, damit die reaktionären Parteisn noch recht lange mit dem„Fall Sklarz" krebsen könnten. Ob das zutrifft, wissen wir nicht, aber jedenfalls wissen wir, daß Herr Staatsanwalt Gutjahr gegen den Verdacht gefeit ist, das Ver- fahren etwa zugunsten Sklarz' geführt zu haben. Trotzdem hat er es einstellen müssen. Und damit hat der Riesenrummel sein charakteristisches Ende erreicht. Schon im Sonnenfeld-Prozeß wurde festgestellt, daß die Kronzeugen der Reaktion eine Bande von Dieben und Betrügern war, die hinter der Gaswolke des Kprruptionsgeschreis Millionenunterfchleife in Sicherheit bringen wollten. Nun bricht die letzte Stütze zusammen. Die.Deutsche Zeitung" nimmt d e- und wehmütig alle An schul- digungenzurück. Ebenso klein und unauffällig, wie sie vorher riesengroß mit fetten Ueber- s ch r i f t e n verleumdet hat. Die übrige Rechtspresie wird es akkurat machen, falls sie überhaupt die Einstellung des Ver- fahrens meldet. Und wenn man darüber selbst drei Zeilen bringen muß, was tuts? Achtzehn Monate oder darüber hat der Fall Sklarz als Borspann eines unerhörten Verleumdungs- feldzuges gegen die Sozialdemokratie seinen Zweck erfüllt. Die drei Zeilen Wahrheit werden nicht den Eindruck aus- löschen, den 30 000 Verleumderzeilen in die Herzen der Leser geprägt haben. Es war ein lieber Schwindel, ein braver Schwindel, ein Schwindel, der anderchalb Jahre nicht nur seinen Mann, sondern die Gesamtheit der„Patrioten" ernährt hat. Jetzt ist er endlich gestorben. Aber mm, wird sich e i n e n neuen ausdenken, und wenn der nur halb so lange reicht, wie der Fall Sklarz, dann ist das geistige Waffenarsenc-l der Nationalen gefüllt. Und fängt der neue Schwindel an zu stinken, läßt man Herrn Helfferich mal wieder vom„blanken Schild" der Nationalen redewj
Angehaltene<l>rgej<htransporte. Bom Hauptbetriebsrat der Eisenbahn-Gene» raldirektion Dresden erhalten wir neue Nachrichten, aus denen hervorgeht, daß die Durchfahrt von Orgeschzügen durch Dresden jetzt ziemlich regelmäßig vereitelt wird. Am Montag nach- mittag sollte ein von der Dresdener Werbezentral« zufammenge- stellter Transport abgehen.(Trcmsportführer». Arnsdorf .) Cr wurde aber durch die Polizei aufgelöst. Es stellte sich heraus, daß die Leute unter lügenhaften Versprechungen an- geworben waren und nach Aufklärung froh waren� wieder nach Hause gehen zu können. Am Dienstag früh kam mit dem Zug v. 101 München - Breslau wieder ein Transport von etwa 60 Mann aus Mün- ch e n an. Die Reise ging auf Blankoscheinen vor sich, in den D.-Zugwagen(nicht im Packwagen) wurden auffällige Kisten mitgeführt. Der Transport wurde angehalten. Der Transport- führer drohte anfangs, die Weiterfahrt mit Gewalt zu erzwingen, nahm aber davon Abstand, als ihm erklärt wurde, daß der Gewalt alsdann Gewalt entgegengesetzt würde. Trotzdem fuhren etwa 10 Mann, die sich E i n z e l f a h r k a r t e n bis Breslau lösten, weiter. Bekanntlich hat die sächsische Regierung einen Erlaß her- ausgegeben, daß geschlossene Formationen nicht zu transportieren sind. Dies wird von einzelnen Leuten der Formation durch- kreuzt, indem sie sich ab Dresden Einzelfahrkarten lösen.
Maiglöckchenkulkuren. Das Maiglöckchen ist im Lauf der letz- ten drei Jahrzehnte zu einer so begehrten Handelsware geworden, daß sich die Gärtnerei mit seiner Züchtung befaßt. So haben sich in gewissen Städten Maiglöckchenkulturen größten llmfanges ent- wickelt, sogenannten Maiglöckchentreibereien. Es bs- steht eine Vereinigung deutscher Maiblumenzüchter: auch ein Verein deutscher Maiglöckchenexporteure wurde begründet, gingen doch deutsche Maiglöckchenkeime vor dem Kriege in großen Mengen nach England, Rußland , nach den Dereinigten Staaten usw. So bildet die Maiglöckchentreiberei einen Haupterwerbszweig der märkischen Stadt D r o s s e n: bis 1914 gingen jährlich für über 300 000 M. Maiblumenkeime ins Ausland. Der wöchentliche Versand von Maiglöckchenkeimen, der stets im Herbst erfolgt, belief sich in Drofsen 1913 auf rund 100 000 M. In den Vierlanden bei Hamburg wurde die Maiglöckchentreiberei anfangs der 60er Jahre zunächst in bescheidenem Umfange aufgenommen. Sie erwies sich als so rentabel, daß sie sogar den altberühmten Vierländer Gemüsebau zurückdrängte und die Vierländer Gemüsezufuhren nach Hamburg bedeutend zm-ückginqen. Auch in Wittenberg werden Mai- blumenkeime in größtem Umfange, vorzugsweise in der Schloß. vorstandt, kultiviert. Jeden Herbst gehen Maibiumenkeime in un- geheuren Massen in die Ferne. Die Wittenberger Stadtväter sind soeben auf den rentablen Einfall gekommen, diesen.Duftenden" Erwcrbszweig zu besteuern und auf je 1000 Keime eine kommu- nalc Abgabe zu erheben. Große Maiglöckchentrcibereien befinden sich ferner in der alten Markgrafenstadt Schwedt a. d. Oder, die auch Spargel und Tabak in größtem Umfange baut, ferner in Brandenburg a. d. Havel . Berlin ist Hauptabnehmer dieser Kulturen.
Svlelplanändernng. Die im Renen VollStheater für Freitag angclchte Erstaufführung.Die St. Jakobsfahrf ist auf Dienstag, 31. Mai, verschoben. „Heber das Wesen de? GxpressloniSmuS» spricht»enosse Dr. S ch i k o w§ I i Donnerstag 7 Uhr in der Arbeiterkunst ausstellung Petersburger Straße 39. Tic Steiermark, Notcggers Heimai, ein Gebiet, überreich an Natur- schönhcilcn. wird in der Urania am Sonnabend zum erstenmal vor« oeiübrt. Der Vortragende, Wilhelm Marls, wird über 100 an Ort und Stelle aufgenommener Lichtbilder zeigen. Eine Iseftichrist der Gesellschaft znr FSrdernng der Wissen- schalten ist anläßlich ibre-Z Ivjöbrigen Bestehens von Ihren Instituten bcr- ausgegeben worden sVeriag Julius Springer). Sie entbält wesentlich naturwissenlchaltliche Beiträge(darunter von Abderhalden, Correns, Ein« stein, Franz Fischer. Haber, Rnbner). Die GeschichtSwissenfchaster find ver- treten durch Beiträge von Bailleu und Kranier über König Wilhelm I. und den Frankfurter Fürstentag sowie Wilhelm 1. in Ems und vor Sedan, die seine Briese und Auszeichnungen benutzen. Kloster Eberbach in Eefalir. Eine sür die alle deutsche Kunst betrüblich: Nachricht kommt aus dem Nheingau. EincS der schönsten nnterer mittelalterlichen Klöster, die einmalige Cislercicnser-Abtei Ebersbach soll in ihrem ConoentZgebäude zu Kleinwohnungen umgestaltet werden. Der preußische Konservator der Kunftdentmäler hat bereits Schritte rmteruomme», um eine Schädigung zu verhindern. Direktor Gustav Amberg. ein bekannter amerikanischer Bühnenleiter der Schub erb Companh, ist am Soiiülag gejtorb«.