Str. 287 38. Jahrgang
Beilage des Vorwärts
Dienstag, 21. Juni 1921
mit der weitaus größte Teil ihrer Aufgaben in Fortfall käme. Die gender Arbeit. Falsch ist es, wenn aus diesen Kreisen die Beseitigung Preistreibereiverordnung er der Preisprüfungsstellen gefordert und für den Fall der Erreichung
der
Abbau der Preisprüfungsstellen? eint aber unmöglich, solange die Staatsgewalt im Innern diefes Zieles eine Briifung von Wahnahmen zur Bekämpfung der
Groß- Berlin
Wie lange noch?
nicht voll gefestigt gefestigt und Bon Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. C. Fald, Berlin . die Gefahr politischer Unruhen Preistreiberei in Aussicht gestellt wird. Der umgekehrte Weg ist der noch nicht gebannt ist. Solange große Lohnbewegungen richtige. Erst müssen die berufsständigen Vertretungen im Wege In der Groß- Berliner Stadtverordnetenversammlung ist am mit Aussperrungen und Generalftreifs, solange Berkehrs der Selbstverwaltung die erforderlichen Maßnahmen ergreifen und 9. Mai d. J. ein Antrag der Demokratischen Partei, bei der Reichs- stockungen aller Art fortgesetzt im Bereiche der Möglichkeit sie zu einem wirksamen Berbraucherschutz ausbauen. Dann allerregierung eine Aufhebung der gefeßlichen Verpflichtung der Städte liegen, fann die Masse der Verbraucher nicht einem hemmungslosen dings würden die Preisprüfungsstellen von selbst über 10 000 Einwohner zur Errichtung einer Breisprüfungsstelle hin- Gewinnstreben der Erzeuger und Händler ausgeantwortet mer überflüssig werden und der Staat froh sein, gerade im Hinzuwirken, einer Erörterung unterzogen und schließlich abgelehnt den. In dieser Hinsicht verweise ich auf meinen Auffah in Con- blick auf diese Selbstverwaltung von weiterer staatlicher Tätigkeit worden. Dieser Antrag ist in Anbetracht der heute noch be. rabs Jahrbüchern:" Die Preisbewegung der wichtigsten Bedarfs auf diesem so umstrittenen Arbeitsgebiet Abstand nehmen zu können. gegenstände in Groß- Berlin während des Kapp- Putsches ", in der die stehenden Mängel des Preisprüfungswesens durch schamlosen Preistreibereien von Berliner Ladenbesizern aus jenen aus verständlich, wenn er auch in seinem rein verneinenden Tagen dargestellt sind. Ziele die noch vorhandenen Aufgaben der Preisprüfungsstellen durchaus verkennt. Die zweifellos bestehenden Mängel man beren noch immer nicht vollkommen beseitigte Einstellung auf Das Bestreben auf Aufhebung der Preisprüfungsstellen ist, wenn des Preisprüfungswesens haben feineswegs überall zu feiner eine polizeiliche Tätigteit berücksichtigt, verständlich. Wie Wirkungslosigkeit geführt, insbesondere nicht in den füddeutschen überall, so würden aber auch hier Handel und Industrie ihr Ziel eher Staaten, die dem Preisprüfungswesen stets weitgehendes Verständnis durch schaffende Arbeit erreichen, als durch Mäteln und Nörgeln. entgegengebracht, es gefördert und zweckentsprechend ausgebildet Allein berufsständige Selbstverwaltung kann die Arbeit der PreisImmer wieder haben wir festzustellen, daß es Behörden haben. Vor allem hat in diesen Ländern die Errichtung von Landes- prüfungsstellen entbehrlich machen. Die Wirtschaftsverbände der ein- gibt, die dreist sich heute noch föniglich oder preisstellen die für alle Preisprüfungsstellen notwenidge einheitliche zelnen Gewerbezweige müssen Grundsäge für die Aufstellung der kaiserlich" nennen. Wir können nicht alle uns hierüber Leitung und damit die Borbedingung einer gedeihlichen Wirksamkeit Breisberechnungen und Richtsätze für die Preise der wichtigsten Bezugehenden Mitteilungen wiedergeben, aber von Zeit zu Zeit wollen geschaffen. Wo es, wie in Preußen, an dieser Einheitlichkeit man- darfsgegenstände herausgeben. Diese müßten in den Tageszeitungen wir doch eine Auslese daraus veröffentlichen. gelte, entbehrten die örtlichen Preisprüfungsstellen jeder Zusammenfaffung ihrer Arbeit sowie jeder Anleitung für ihre Tätigkeit. Diese einzelne vor Ueberforderungen schüßen kann, andererseits aber auch zeichnen, ist uns wieder mehrfach gemeldet worden. Man sieht solche zur Kenntnis der gesamten Bevölkerung gebracht werden, damit sich der Daß Postämter noch in Hausinschriften sich als„ faiserlich" be= blieb überdies von vornherein auf die großen Städte beschränkt. Die Landwirtschaft war somit der überwachenden Tätigkeit der Preisprü- die Deffentlichkeit zu den sich aus diesen Preisforderungen für den Inschriften z. B. in Berlin am Postamt W. 9( beim Potsdamer fungsstellen fast vollkommen entzogen. Durch die örtliche Beschrän- einzelnen Kaufmann ergebenden Gewinnfäßen Stellung zu nehmen Bahnhof), in Lichterfelde - Ost( Bismarckstraße), in Köpenid. Auch fung ihres Machtbereichs wurde ihre Arbeit naturgemäß erschwert und der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie besondere Stellen über den Gebrauch eines Handstempels, der einem Postamt noch vermag. Daneben müßten dann die großen zentralen Organisationen einseitig auf einzelne Teile der Bevölkerung, vorzugsweise den reinen zur Nachprüfung dieser Richtfäße der einzelnen Geschäftszweige ein- die Kaiserlichkeit" bescheinigt, wird uns berichtet. Das ist noch in Handel, beschränkt, was von vornherein dessen Widerstand auslösen feßen, damit diese bet ihren Breisforderungen der wirtschaftlichen Ge- diesem Monat Juni auf dem Postamt Berlin 21( Turmstraße) vorges und verstärken mußte. samtlage und der Kaufkraft der Verbraucher eingehend Rechnung tommen. Ebenso ist noch in diesem Monat Juni auf dem Postamt Wenn heute die Frage des Fortbestehens der Preis trügen. Das ist notwendig, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß die Berlin 65( Nazarethkirchstraße) ein Postausweis mit dem Stempel prüfungsstellen erörtert wird, so muß man sich hinsichtlich einzelnen Fachverbände man denke nur an die Preis- und Ab- Kaiserl. Deutsches Postamt" ausgefertigt worden. In Tirol, wo der Erzeugung und der Einfuhr Dor Augen fagvereinbarungen im Bekleidungsgewerbe zu sehr ihre eigenen der Inhaber den Ausweis benutzen will, wird man Augen machen. halten, daß eine wirtschaftlich zutreffende Preisberechnung wirtschaftlichen Vorteile im Auge haben und daneben die höheren Vor einiger Zeit berichtete ein bürgerliches Blatt, daß der preußische durch die starken Schwankungen in der gesamten Preis- Belänge der Gesamtheit leicht außer acht laffen. Die Hauptverbände bemessung, durch den ständigen Wechsel des Wertes unserer Reichs- der Kaufmannschaft müßten auch dazu übergehen, bei Preisüberfor Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung über einen Bemart auf dem inländischen und ausländischen Markte sowie durch die derungen den einzelnen Händler zur Strafanzeige zu bringen und amten der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin eine Geldstrafe fortgesetzten Erhöhungen der Löhne und Gehälter und anderes mehr auf seine Unschädlichmachung hinzuwirken. Das fönnen natürlich die von 300 m. verhängt habe, weil in dem Vordruck eines Berichtes start behindert ist. Daher ist die Strafverfolgung wegen nicht ange Fachverbände nur sehr schwer, weil die persönlichen Beziehungen der der Hochschule das Wort„ föniglich" nicht durchstrichen worden war. meffener Breisforderung, insbesondere im Hinblick auf den Schutz des einzelnen Fachangehörigen vielfach sehr enge sind und einem der Wir glauben nicht, daß gegen den besonders bei der Post sehr verguten Glaubens durch die Irrtumsverordnung, vielfach unmöglich. artigen Vorgehen hindernd im Wege stehen. breiteten Unfug, ihre ehemalige Kaiserlichkeit" zu konservieren, der Der Aufgabe, fachgemäße Preisberechnungen aufzustellen, find Wenn Handel und Industrie immer klagen, daß ihnen durch Reichspostminister schon mal in ähnlicher Weise eingeschritten ist. nun allerdings viele örtliche Preisprüfungsstellen wirtschaftliche Untenntnis und die Unvernunft behördlicher Stellen Auch andere Behörden möchte man manchmal fragen, ob ihnen nicht nicht gewachsen. Die Behebung dieses Mangels ist schwerer Schaden verursacht werde, so kann darauf nur erwidert weraber im wesentlichen eine Personenfrage. Leitung und Zu- den, daß es Ehrenpflicht jedes Berufes ist, den Auswüchsen seiner Be- bekannt ist, daß es verfassungsgemäß im Deutschen Reich und seinen sammensetzung der Preisprüfungsstellen in persönlicher Hin- rufsangehörigen selbst entgegenzutreten und daß die Staatsgewalt Bundesstaaten feine Monarchie mehr gibt. Als„ föniglich" hat das ficht bedürfen vielfach einer Neuordnung. Wo diese nicht erst in zweiter Reihe, nämlich beim Bersagen des Berufes selbst, Amtsgericht Angermünde sich noch im März 1921 durch Handstempel möglich ist, würde ich allerdings schon im Hinblick auf die hierzu berufen ist. Von diesen Gesichtspunkten aus habe ich auch bezeichnet, und vielleicht ist dort noch heute dieser Stempel in GeKostenfrage eine Aufhebung der Preisprüfungsstelle ihrem weiteren gelegentlich der zweiten Tagung des Beirates des Preußischen Kriegs- brauch. Zu Pillupönen in Ostpreußen gebraucht der Pfarrer noch Fortbestand vorziehen, da eine Preisprüfungsstelle mit ungeeigneter wucheramtes im Sommer 1917 an den Bertreter des Deutschen In- einen Handstempel, der die dortige Kirche eine„ königliche" nennt. Leitung und Besetzung zur Bekämpfung des Preiswuchers nicht nur duftrie- und Handelstages die dringende Aufforderung gerichtet, im Uebrigens ist auch dem Polizeipräsidium Berlin zu empfehlen, daß untauglich ist, sondern auch in unnötiger und gefährlicher Weise Han- Wege der berufsständigen Selbstverwaltung es ältere Bekanntmachungen zeitgemäß abändert. In ihrer ehedel und Verkehr beunruhigt. Diesen Erwägungen tragen auch die Einrichtungen zur Begutachtung von Preisen zu schaffen Ausführungen meines im Auftrage des Reichswirtschaftsministers und die staatlichen Behörden mit Strafanzeigen und son- maligen Königlichkeit" präsentiert sich diese Behörde noch auf einer gehaltenen Vortrages Wirtschaftspolizei und Preisprüfungsstellen" stigen Maßnahmen im Kampfe gegen Preisausschreitungen Tafel, die an der abschüssigen Veteranenstraße steht und Schritt Rechnung, in dem ich die Frage einer zwedentsprechenden Abgren zu unterstützen. Das ift aber nicht geschehen, fahren!" gebietet. Von der preußisch- oldenburgischen Grenze wird zung der Arbeiten der Preisprüfungsstellen und Polizeibehörden be- die Möglichkeit hierzu meines Erachtens gegeben war. In dieser uns gemeldet, daß eine Grenztafel( und wahrscheinlich nicht nur diese handelt habe. Dort hatte ich vorgeschlagen, den lediglich den Ermitte- Beziehung sei nur auf das wirken des Zentralverbandes des Deut eine) noch von einem Königreich" Preußen erzählt. Die Preußische lungen dienenden, reinen Bollzugsdienst der örtlichen Preisprüfungs- schen Bank- und Bankiergewerbes sowie des Vereins gegen das Be- General- Lotterie- Direktion soll, wie man uns schreibt, noch auf stellen auf die örtlichen Polizeibehörden zu übertragen. In diesem ftechungsunwesen verwiesen, welche bei der Bekämpfung der bucket- ihren jetzt zur Ausgabe kommenden allerneuesten Losen im Stempel Sinne ist auch das Reichswirtschaftsministerium feit langem tätig. shops und der Korruption zum Besten der Allgemeinheit und nicht fich föniglich" nennen. Da ist es fein Wunder, daß auch ein Bereits auf der Tagung der deutschen Preisprüfungsstellen zu Co- zuletzt auch des Handels und der Industrie Borbildliches geleistet Lotterieeinnehmer in der Büschingstraße auf einer gedruckten Postburg im Oktober vorigen Jahres hat der Vertreter des Reichswirt haben. In vollster Deffentlichkeit werden die Richtfähe über die für farte noch„ königlich" heißt. Bei einem Lotteriéeinnehmer in der schaftsministeriums den Preisprüfungsstellen eindringlich eine Ab- notwendig und angemessen erachteten Gewinnfäße aufzustellen und fehr von der polizeilichen Bollzugstätigkeit empfohlen. Die Haupt- deren Einhaltung selbst zu überwachen sein. Wer sich solchen von Bandelstraße darf man den Titel„ föniglich" noch in seinem an der aufgabe der Preisprüfungsstelle, einen Vertrauenstörper der gesam- den eigenen Berufsgenossen aufgestellten Forderungen nicht fügt, Hausfront angebrachten Schaufaften bewundern. ten Bevölkerung als Ausgleichsstelle der Interessengegenfäße der müßte von den Berufsvertretungen öffentlich gebrandmarkt werden. Berbraucher auf der einen, sowie der Händler und Erzeuger auf der Von diesem Mittel hat die Kaufmannschaft z. B. in der Vorkriegszeit anderen Seite zu bilden, erscheint unvereinbar mit rein polizeilicher gegen diejenigen Gebrauch gemacht, die bei Verlusten aus BörsenVollzugstätigkeit. geschäften den Differenzeinwand erhoben haben. Damals hat die Was die mittleren Preisprüfungsstellen anlangt, deren Not- Kaufmannschaft zur Selbsthilfe gegriffen gegenüber denjenigen, welche wendigkeit der eingangs erwähnte demokratische Antrag nicht bestrei- fich so, allerdings in unschöner, aber doch gefeßlich zulässiger Weise tet, so fönnten sie späterhin gemeinsam mit den statistischen Aemtern gegen Ansprüche aus verfehlten Börsenunternehmungen geschütt auf die neu zu schaffende Wirtschaftsverfassung unseres Reiches und haben. Es ist Ehrenpflicht des ehrbaren Kaufmannes, mit densel- Einigermaßen zögernd und noch immer sehr wortlarg äußert beren Organe übergehen, mögen diese nun Bezirkswirtschaftsräte oder ben Kampfmitteln gegen denjenigen vorzugehen, der in moralisch un- sich jetzt eine amtliche Meldung zu dem geheimnisvollen Tode des fonstwie heißen. Eine Zusammenfassung der gesamten wirtschaftlichen verantwortlicher, durch die Geseze unseres Landes unter Strafe ge- Oberwachtmeisters Buchholz von der Schutzpolizei . Kräfte unferes Boltes ist aber angesichts unseres Zusammenbruchs stellter Weise aus der Not der armen und ärmsten Volksgenossen und der Ansprüche des Feindbundes unbedingt notwendig. übermäßigen Nugen ziehen und feine eigenen Taschen bereichern BTB. teilt mit: Zu dem Falle des Oberwachtmeisters Buchholz Lediglich die vielfach vertretene Forderung auf Aufhebung der will. Dieses Streben würde die Unterstützung der gesamten Deffent- teilt das Polizeipräsidium amtlich mit, daß die UnterPreistreibereinerordnung würde, falls fie erfüllt werden sollte, aller lichkeit, insbesondere der breitesten Schichten aller Berbraucher fin- suchung auf Grund der hier angeordneten, eingebenden Ermittedings den Bestand der Preisprüfungsstellen in Frage stellen, weil da- den. Hier fänden Handel und Industrie ein reiches Feld nugbrin- lungen bei der Staatsanwaltichaft ich webt. Gedanke an die plögliche Freiheit Sie berauschte... Diese" Ich! Und wenn mein Fall auch äußerlich mit dem erste Stunde! Diese Dankbarkeit! Diese Liebe, die zunächst Ihrigen teine Aehnlichkeit hat, so war er ihm innerlich doch auch gar fein Ziel hat und die sich doch in blinden Haß ver- um so verwandter." wandelt, bei dem ersten hämischen Blick, der zwinkernd zu dem Entlassenen fagt: Ja, dich, dich kenne ich!"
9]
"
Die Rächer.
Roman von Hermann Wagner.
"
Der Justizrat wiegte den Kopf. Eigentlich kommt mir, in meiner Privatwohnung jeder ungelegen, besonders dann, wenn er Geschäfte zu haben vorgibt."
,, Es war mir peinlich, Sie in Ihrem Bureau aufzusuchen," murmelte Reisner.
" Nun also," rief der Justizrat aus, wenn Ihnen das peinlich war, dann fommen Sie doch als entlassener Sträfling!" Reisner wurde rot. Zorn und Scham nahmen ihm die Stimme. Nun, so gehe ich wieder," sagte er rauh.
"
"
Der Justizrat sah Reisner scharf an. Es ist immer dasselbe. Ich kenne das. Sie sind nicht der erste!"
Reisner freuzte die Beine übereinander und maß den Justizrat mit schadenfroher Erwartung. Nun gut, wenn Sie das alles wissen: was raten Sie mir?"
Der Justizrat kniff die Augenlider zusammen, strich sich die glatt rasierten faltigen Wangen und sagte:„ Ich kann Ihnen zweierlei raten, etwas Gutes und etwas weniger Gutes. Der Rat, den Sie weniger ernst nehmen sollen, lautet: VerDer Justizrat sah ihn mit einem unbeschreiblichen Lächeln reisen Sie! Verlassen Sie die Stadt! Für immer oder für an und machte ihm ein befehlendes Zeichen. Bleiben Sie," eine lange Zeit! In der Fremde werden Sie der sein, der forderte er ihn auf.„ Es ist unbedingt nötig, daß Sie bleiben!" Sie sein wollen!" Warum?" " Und Ihr zweiter Rat?" " Weil es nötig ist. Weil Sie gerade jetzt jemanden" Mein zweiter Rat, den Sie nur befolgen sollen, wenn brauchen, der Ihnen das fagt, was Sie erfahren müssen. Und Sie sich start genug dazu fühlen, lautet: Bleiben Sie da! ber es Ihnen so sagt, daß Sie es verstehen.' Bleiben Sie da und fürchten Sie sich nicht! Denn die GeEr hatte sich erhoben und zwang den Unschlüssigen auf sellschaft verachtet Sie nur so lange, bis sie sieht, daß Sie sie einen Stuhl nieder. Er bot ihm eine Zigarre an und ver- felber verachten!" föhnte ihn halbwegs wieder, indem er ihm mit einigen Scherz- Der Justizrat beschrieb mit den Händen einen Kreis, der worten Feuer gab. Gestehen Sie es doch," drang er noch die Abgeschlossenheit seiner vier Wände andeutete. Sehen halb scherzhaft auf ihn ein, daß Sie voller Haß sind. Wie?" Sie mich an," fuhr er fort. Seit einem Menschenalter lebe Reisner sah schweigend zur Seite. ich zwischen diesen vier Wänden und gestatte niemandem, der „ Aber voller Haß, der fein Ziel hat. Oder doch eines, mir nicht paßt, hier einzutreten. Schaffen Sie fich einen bas abfurd ist.. Denn Sie haffen die ganze Welt." gleichen Raum. Einen Raum, den zu betreten niemand das " Durchaus nicht," warf Reisner widerwillig ein. Recht hat. Was geschehen ist, ist geschehen, es liegt hinter " Nicht die ganze Welt? Also wen? Wen haffen Sie?" Ihnen und Sie müssen fertig damit sein. Nun beginnen Sie Aber der andere schwieg. ein neues Leben. Da es andere Voraussetzungen hat, darf es dem alten nicht gleichen. Sie sind ein neuer Mensch, Sie müssen es sein! Sie müssen sich neue Beziehungen fuchen. Sie werden sie auch finden. Wenn Ihre Augen streng nach vorwärts gerichtet bleiben, dann werden Sie das, was hinter Ihnen liegt, nicht mehr sehen. Die Vergangenheit wird ausgelöscht sein, und die Zukunft wird das werden, was Sie aus ihr machen!"
Also doch: die ganze Welt! Ich weiß es. Sie sind nicht der erste, der aus dem Gefängnis kommt und dem ich das fage. Aber Sie sind ein Besonderer, denn Sie sind reich und haben die Mittel, Ihren Haß in die Tat umzusehen. Und das wäre vielleicht bedauerlich. Bedauerlich für die Menschen und noch bedauerlicher für Sie!"
Sie täuschen fich," sagte Reisner spöttisch, ich will nicht tämpfen. Ich hasse die Menschen nicht, fie interessieren mich nicht einmal. Ich will nur meine Ruhe. Sonst nichts."
Ja, das glauben Sie! Das glaubten Sie die erfte rat. Stunde, als Sie aus dem Gefängnis ins Freie traten und der
Rann man das?" fragte Reisner zweifelnd.
Niemand wird uns glauben machen, daß solche Dinge nur aus Nachläffigkeit zu erklären seien. In manchen Fällen können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, daß eine Verböhnung beabsichtigt ist.
Untersuchung schwebt!
" Das,... das müßten Sie mir beweisen," stammelte Reisner unbeherrscht, mit der Gier eines Menschen, der, im Begriffe zu ertrinken, sich an einen Strohhalm flammert. Der Justizrat versant noch tiefer in seinem Klubfefsel und schwieg zunächst.
"
Dann überfiel er den anderen plöglich mit der Frage: Was ist nach Ihrer Meinung schlimmer: von der ganzen Welt oder von einem einzelnen Menschen verraten zu werden?" Wie?" fragte Reisner.
"
,, Nun," fuhr der Justizrat, indem er die Frage überhörte, rasch fort, Ihr Fall liegt so, daß Sie sich von der ganzen Welt verraten glauben. Jeder einzelne Mensch, glauben Sie, ist Ihr Feind Ich frage aber: fennen Sie nur einen Menschen, von dem Sie mit Bestimmtheit wissen, daß er Thr Feind ist?" Nein," gab Reisner nach einer Weile zu. " Und umgekehrt: fennen Sie einen Menschen, von dem Sie mit Bestimmtheit wissen, daß er Ihr Freund ist,- Ihr wirklicher Freund?" Einen weiß ich," sagte Reisner langsam,„ einen, ja!" Die fnöchernen Hände des Alten krampften sich zu Spizigen Fäusten zusammen. Einen? Gut. Und glauben Sie an seine Freundschaft?" " Ja, ich glaube daran." " Fest?"
Fest. Ganz fest."
-
Der Justizrat lachte. In seinem Lachen war ein unschöner, blecherner Ton.„ Und wenn dieser Freund, dieser eine,... dieser einzige Freund Sie doch eines Tages verriete?"
Die Frage war mit mühsam verholtener Wut hervorgestoßen worden. Sie flang in einen heiseren Schrei aus, und dieser Schrei blieb in einem langen und schwülen Schweigen steden.
Reisner ftredte ein wenig ben Kopf vor, um den Alten zu betrachten. Desen Kopf war zur Seite gesunken und lag bleich und schlaff auf dem braunen Leder des Klubseffels. " Ob Sie es fönnen, weiß ich nicht," antwortete der Justiz- Die Lider maren wächsern und greisenhaft schwer über die Ich habe es gefonnt." Augen gefallen. Sie?"
( Forts, folgt.)