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Nr.385 38. Jahrgang Ausgabe A nr. 195

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Bierteljährl. 30,- M., monatl. 10,-- M frei ins Haus, Doraus zahlbar. Poft bezug: Monatlich 10,- M. einschl. 8u. stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland , Danzig , das Saar - und Memelgebiet, sowie die ehemals deut schen Gebiete Bolens. Desterreich, Ungarn und Lugemburg 20,- M., für bas übrige Ausland 27,- M. Bost. bestellungen nehmen an Defterreich, Ungarn , Tschecho Glowatet, Däne mart, Holland , Luxemburg , Schweden und die Schweiz .

Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal

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Morgen- Ausgabe

Vorwürts

Berliner Volksblatt

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Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 8 Uhr nachmittags tm Hauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden traße 8, abgegeben werden. Geöffnet Bon 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3

Redaktion Moritplatz 15195-97

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Mittwoch, den 17. August 1921

Sozialdemokratischer Parteitag.

Parteigenossen!

Auf Grund des Organisationsstatuts der Partel beruft der Parteivorstand den nächsten Parteitag auf

Sonntag, den 18. September, abends 6 Uhr

nach Görlitz ( Stadthalle) ein.

Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt:

1. Bericht des Parteivorstandes:

a) Allgemeines. Referent: Franz Krüger .

b) Organisation und Kaffe. Referent: Bartels.

2. Bericht der Kontrollkommiffien. Referent: Brühne. 3. Bericht der Reichstagsfraffion. Referent: Gustav Hoch . 4. Die Wirkung des Versailler Vertrages auf die innere und äußere Politit Deutschlands . Referent: Hermann Müller . 5. Das Parteiprogramm. Referent: Hermann Molkenbuhr . 6. Anträge.

Vorwärts- Verlag G.m.b.H. , SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag. Erpedition und Inseraten.

Abteilung Moritplay 11753-54

Englands Kriegswirtschaft.

201

Durch faft ein halbes Jahrzehnt sind die Völker vonein­ander abgeschlossen gewesen: jetzt, wo sie wieder anfangen,

Am 17. September, vormiffags 10 Uhr, findet in Görlig zueinander zu kommen, möchten sie nur schnell und gründlich ( Stadthalle) eine

statt.

Reichsfrauenkonferenz

Borläufige Tagesordnung:

1. Die Arbeit der Frau in der Gemeinde:

a) wirtschaftlich( Gen. W uhf y);

b) fozial( Fr. Dr. Schöfer);

c) Bereinsarbeit( Hedwig Wachenheim ).

2. Bericht über den Stand der Frauenbewegung. Referenfin: Marie Juch a c 3.

Zur Teilnahme berechtigt find aus jedem Bezirk 1 bis 2 Dele­gierte, die weiblichen Delegierten zum Parteitag und die weiblichen Mitglieder des Reichstags. Sofern männliche Genoffen von ihrer Bezirksleitung mit Mandat versehen werden, sind sie zur Teilnahme an der Reichsfrauenkonferenz berechtigt.

werden können.

Berlin , den 25. Juni 1921.

Der Parteivorstand.

jene trüben Kriegsjahre vergessen, wie einen bösen Traum von Mord und Haß und Sinnlosigkeit. Sie wollen neu zu­einander kommen, wollen wissen, wie die anderen heute leben, unter welchen Verhältnissen sie arbeiten. Der deutsche Arbeiter erblickt im französischen, im belgischen, im englischen Arbeiter den Kameraden, deffen Lebens- und Arbeitsverhält nisse ihn wie die eigenen angehen, und die amerikanische. Truſtentwicklung wird ihm ebenso wichtig als Symptom einer gemeinsamen weltkapitalistischen Entwicklung, wie dem eng­lischen Gewerkschafter die deutschen Betriebsräte als Beispiel und Vorbild seiner eigenen Politik.

Aber so sehr auch Wort und Begriff Kriegsmirt­fchaft" uns allen noch nachträglich einen Schauer über den Rücken jagt, so wird doch auch der deutsche Arbeiter es be­grüßen, wenn ihm einmal Gelegenheit geboten wird, etwas Umfaffenderes über die Entwicklung der englischen Wirtschaft im Kriege und furz danach. zu erfahren. Ein uns vorliegendes Buch von Dr. Charlotte Mendelsohn Wandlungen des liberalen England durch die Kriegswirtschaft"( Ergän­zungsheft 18 des Archivs für Sozialwissenschaft und Sozial­politif") stellt unter den Hauptgesichtspunkten Rationalisie= rung, Konzentration und Demofratisierung die Entwicklung der englischen Wirtschaft im Kriege dar.

Die Bezirksleitungen werden dringend ersucht, dem Parteivorstand die Namen der gewählten Delegierten unter genauer 7. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollfommission und des Adressenangabe möglichst bis zum 25. August mitzuteilen, damit ihnen Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. das Mandat, die Vorlagen und sonstigen Mitteilungen zugestellt Parteigenoffen! Wir fordern Euch auf, die Vorarbeiten für den Parteitag, besonders die Wahlen der Delegierten und die Stellung Wegen Wohnungsbeschaffung wenden fich die Delegier­von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge der ten möglichst sofort nach ihrer Wahl, spätestens jedoch bis 31. August, Wenn die Arbeit auch zunächst den reinen Erkenntnis­Parteiorganisationen müssen spätestens am 20. 2 u- nur an den Borfihenden der Wohnungskommission, Adresse: Gott- zweden der Wissenschaft dienen will, so fann sie auch für die guft im Besitze des Parteivorstandes fein, wenn sie nach den Be- hold Liste, Görlig, Luisenstraße 8. Praris und die Arbeiterpolitit des Augenblicks Bedeutung fimmungen des Organisationsstatuts veröffentlich werden und in 3n allen anderen örtlichen Parteitagsangelegenheiten an den haben. Man sieht, wie der Ausbruch des Krieges auch für der gedruckten Vorlage Aufnahme finden sollen. Die an den Partei- Borsigenden des Hauptausschusses, Adresse: Redakteur Wilh. Baum- das weltbeherrschende, Schiffahrt und Handel treibende Eng­vorstand einzureichenden Anträge sind, jeder für sich, auf ein beson- gart, Görlih, Luifenstraße 8. land einen Augenblick der stärksten Bestürzung her. deres Blatt Papier zu schreiben. Nur eine Seite des Papiers darf vorruft. Die Zahl der Arbeitslosen steigt in den ersten Kriegs­beschrieben werden. monaten ungeheuer, Ein- und Ausfuhr sind gelähmt. Aber bald ist die innere Umstellung der leitenden Kreise vollzogen, eine Verschiebung der Arbeitsfräfte setzt ein, deren Nachwir­fungen noch heute nicht überwunden sind. Dann fommt im Sommer 1915 das Munitionsgeseh, das Vorbild unferes Hilfsdienstgesezes. Ein offizieller Hilfsdienst zwang London , 16. Auguft.( Unterhaus.) Lloyd George fam heute unternommen, um einen nachträglichen Protest gegen die Anerten- ist nicht eingeführt worden, wie überhaupt die Not so viel auf die letzte Tagung des Obersten Rates zu sprechen und erklärte, es nung dessen, was als fait accompli gelten fönne, zu erheben. Es geringer war als in dem blockierten und zur Niederlage ver habe dort Fragen gegeben, die das Zusammenhalten der Allianz sei wesentlich, daß eine Warnung erteilt werde, soweit die Re- urteilten Mitteleuropa , daß in der Hauptsache ohne Gewalt­bedroht hätten. Große Genugtuung habe es daher hervorgerufen, gierung Großbritanniens in Betracht komme, die, wie erfolgreich mittel ausgekommen wurde. daß gegen Ende der Zusammenkunft eine Entschließung gefaßt auch immer der Aufstand für eine gewisse Partei sei, diesen Aufstand worden sei, nach der die Allianz nicht nur fortdauere, sondern ge- nicht anerkennen fönne, und daß nur eine Entscheidung das Schick festigter dastehe denn je. Dann ging der Bremierminister auf die sal Oberschlesiens bestimme, nämlich die Entscheidung der Körperschaft, oberschlesische Frage über. Bezüglich des westlichen Teiles Ober- die vom Friedensvertrag selbst geschaffen, nach den Grundsäzei. han schlesiens, der in seiner überwiegenden Mehrheit für Deutschland ge- dele, die in dem Friedensvertrag niedergelegt wurden. Lloyd George ftimmt habe, bestehe unter den Alliierten vollkommene Uebereinstim sprach sich anerkennend aus über die Hilfe, die Sir Harald mung, desgleichen darüber, daß Pleß und Rybnit, die für Stuart dabei geleistet habe, der mit großer Urteilstraft, Ent­Bolen gestimmt hätten, Polen zugewiesen werden sollen. Die schlossenheit und Taft gehandelt habe und dem es im Berein mit den italienischen und britischen Sachverständigen, desgleichen die ita- übrigen Kommissaren vor allem zu verdanten sei, daß der Aufstand lienische und britische Kommission stimmten darin überein, daß das in Oberschlesien liquidiert und fehr wichtige

Lloyd George begründet seine Haltung

Industriedreied auf der Grundlage der Abstimmung der Be­

die Autorität der Alliierten

Uns Deutsche, glaubten die offiziellen Stellen, mußte die durch die Zenfur gefnebelte Breffe immer wie fleine Kinder durch beschwichtigende gute Nachrichten", durch Fahnen und Siegesflimbim bei guter Laune halten. Es ist tief beschämend und erschütternd, dagegen die harte Offenheit Eng and s zu halten, die auch die ernſteften Gefahren nicht ver­barg, und mit der es der geniale Organisator und große Menschenkenner Lloyd George fertigbekam, seine Landsleute zu freiwilligen Opfern zu veranlassen. Nicht nur die Arbeiter, auch die Kapitalisten haben viele folche Opfer bringen müssen. Vielleicht in einem höheren Sinne prinzipienlos, aber feines momentanen Ziels, des Sieges, bewußt, hat Lloyd George wiederhergestellt wurde. Lloyd George erflärte weiter, es sei in fie nicht geschont. Wo bei uns mit farcenhaftem Zahlenjong­der Einberufung der Konferenz des Obersten Rates seinerzeit eine lieren von Anleihe zu Anleihe angeblich jedesmal von neuem Berzögerung entstanden, und es sei nach einigen Erörterungen bald eine Schlacht gewonnen wurde", was ja im Grunde nichts flar gewesen, daß vollständige Uebereinstimmung vollkommen un- anderes hieß, als die Profite der Kriegsgewinnler und Heeres­möglich sei. Es habe von Anfang an die Schwierigkeit der Frage lieferanten zu schonen, hat England von Anfang an den einzig der Sicherheit bestanden. Auf englischer Seite habe man empfunden, vernünftigen Weg der Gewinnbesteuerung beschritten. daß, sobald die statistischen, geographischen und wirtschaftlichen Auch sonst hat der Krieg den Unternehmern bedeutsame Fragen besprochen wurden, bei den Franzosen immer die Erwägung Wandlungen gebracht. Die hoch tapitalistische Be­der Sicherheit vorherrschte und daher die Franzosen teinerlei Bor- riode der industriellen Konzentrations. schlägen zustimmen konnten, die den übrigen Alliierten annehmbar bewegung, der großen Trusts, Kartelle und sonstigen waren. Unter diesen Umständen habe man in voller Uebereinstim- Unternehmerverbände, ist durch die Kriegswirtschaft erst recht mung beschlossen, die oberschlesische Frage der schiedsrichterlichen eigentlich in das englische Wirtschaftsleben eingedrungen. Entscheidung des Bölkerbundes zu unterbreiten. Man könne ein- Borher existierten eine ungeheure Anzahl fleinerer, vonein­wenden, daß dies bereits früher hätte geschehen können. Es hätte ander unabhängiger Unternehmen, was wie vor allem im jedoch bestimmt nicht früher getan werden können, ohne daß man Bergbau und Eisenbahnwesen einer vernünftigen volts­einen politischen Mißerfolg riskiert hätte. Die eine Schwierigkeit, wirtschaftlichen Ausnüßung im Wege stand. Im Krieg die bestanden habe, sei die gewesen, daß man wurden eine Reihe von Industrien und das gesamte große Berkehrswesen unter Staatsfontrolle genommen und ein­

völkerung Deutschland zugeteilt werden müsse. Es wäre vollkommen unmöglich, Inseln zu schaffen, und deshalb hätten sie zu beschließen gehabt, an wen das gesamte Gebiet fallen solle. Die französischen Sachverständigen feien ganz anderer Ansicht gewesen. Die italienische und britische Stom mission hätte in dieser Frage nur das eine Interesse gehabt, beiden Barteien Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die französische hätte genau dasselbe Interesse gehabt, nur daß fie unzweifelhaft durch andere Umstände bewogen worden sei, die ihr Urteil mit bestimmten, nämlich die Frage der Sicherheit, indem sie die Bergwerke, das Zink und das Eisen Deutschland wegnehmen und den Polen aushändigen wollten. Dies sei feine Erwägung, die in dem Friedensvertrag enthalten sei. Der Vertrag gebe die klarsten Richtlinien bezüglich dessen, was in Betracht gezogen werden müsse, nämlich die Bevölkerung sowie wirtschaftliche und geographische Er wägungen. Jene anderen Erwägungen gehörten jedoch nicht zu den Richtlinien des Bertrages und feien deshalb als außerhalb des Kreises der Erwägungen liegend angesehen worden. Wenn einer Ungerechtigkeit zugestimmt würde, so würde dies einen Ron- mußte. Man hätte dieses Problem nicht dem Bölterbund über- heitlich geleitet, sie haben dadurch bessere volkswirtschaftliche flift in der nahen Zukunft, bestimmt in der ferneren Zukunft ver­ursachen und in Europa würde es teinen dauernden Frieden geben. Das Haus werde sich erinnern, daß ein Bersuch unternommen worden sei, um die Entscheidungen des Obersten Rates Dorweg zu nehmen. In Oberschlesien habe ein

polnischer Aufffand

ftattgefunden, die eine sehr bemerkenswerte Aehnlich feit hatte mit den gleichen Bewegungen, die bereits in Wilna und an der ruffifchen Grenze stattgefunden hatten und wie sie fich auch vorher in Oberschlesien ereigneten. Man sei in London der An­ficht gewesen, daß, wenn diese Dinge ohne Einspruch geduldet wür­den, die Herrschaft des Bölkerrechtes zu Ende sein würde, und daß Gewalt die Oberhand bei der Entscheidung dieser großen Grenzfrage erlangen würde. Dies würde für den Frieden verhängnisvoll ge wesen sein. Aus diesem Grunde habe er den energischen Schritt

zunächst den Aufstand erledigen

geben fönnen, da er nicht über die Ausrüstung verfügte, um damit fertig zu werden. Der Oberste Rat sei die einzige Körperschaft ge­wesen, die sich mit dem Aufstand habe befassen fönnen. Er sei sicher, daß der Vorschlag, den Bölferbundrat entscheiden zu laffen, in dem einzigen Augenblick gemacht wurde, in dem er annehmbar war und Aussicht auf Erfolg hatte.

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Erträge geliefert. Das brachte die Einstellung vieler unwirt fchaftlicher Unternehmungen und die technisch vollkommenere Ausnutzung anderer mit sich. Das Kapitel" Rationalisierung" zeigt diesen durch die beiden Ziele der Kriegswirtschaft­Sicherstellung der Versorgung und Förderung der nationalen Wirtschaft erzwungenen Prozeß: beffere Ausnußung tech­nisch- wissenschaftlicher Kenntnisse, Ausschaltung aller unren­tablen 3wischenfunktionen, wie z. B. Berbrauch in großer Entfernung vom Produktionsort, genaue Einstellung von Produktion und Verbrauch aufeinander ufm.

Lloyd George erklärte weiter, es sei nicht seine Aufgabe, dem Böfferbundrat zu diftieren, wie er sich mit dem Problem be­faffen soll. Er nehme jedoch an, daß der Rat nicht versuchen werde, fich selbst damit zu befaffen, sondern daß er die oberschlesische Frage Auch die Arbeiter merden von diesen Rationalisierungs­entweder an einen Ausschuß von Juristen oder an einen Schieds= richter( Arbitrator) verweisen werde. Es sei sehr wichtig, daß, bestrebungen betroffen. Die sogenannten Gewerkschafts­bevor irgendetwas unternommen werde, Frankreich , Italien , Japan beschränkungen( Trade unions Restrictions), Berbot und Großbritannien sich verpflichten, die Entscheidung dieser der Zusammenbeschäftigung der unorganisierten, unqualifizier vom Böllerbundrat ernannten Rörperschaft anzunehmen. Die ten Arbeiter mit Gewerkschaftern an bestimmten Maschinen Parteien würden zweifellos vor diesem Gerichtstribunal erscheinen. und ähnliches, werden 1915 aufgehoben. So dringen in