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Nr.344 39.Jahrgang

Wirtschaft

Die Mark finkt.

2. Beilage des Vorwärts

Die Hoffnung, daß die Abwärtsbewegung der Mart vorüber gehend aufgehalten sei, nachdem die deutsche   Regierung auf Beit­weilige Zahlungserleichterung hoffen zu können glaubte, ist wieder einmal enttäuscht. In der letzten Woche stiegen bereits wieder die fremden Zahlungsmittel im Preise und sie gelangten dicht bis an die Grenze, die während der großen Marksturzes am Monats anfang erreicht wurde. Nach amtlicher Notierung zahlte man gestern für den Dollar, der am 7. Juli feinen letzten Höchststand mit 527 erreicht hatte, bereits wieder 508 m., während vor acht Tagen ein Kurs von 438,45 notiert worden war. Die Flucht vor der Mart hat wieder in vollem Umfange eingefeßt, nachdem Poincaré   mit seinen Drohungen der internationalen Spekulation die nötigen Hinweise gegeben und die Aussicht auf eine internationale Bufammenarbeit zur Beseitigung des Valutaelends vermindert hat. Diefer Mangel an Einsicht in die Lebensbedingungen Deutsch­ lands   bei der Entente ist es, der eine Stabilisierung der Mark   immer wieder hintanhält. Die Verhandlungen mit dem Garantiefomitee, die noch in einem sachlichen Geiste geführt wurden, und ihr Gegen­stud, nämlich die Bemühungen Boincarés, wirkliche Zahlungsmil berungen zu hintertreiben, sind Beispiele für den Zickzackkurs der Politik der Entente. Die Unsicherheit, die daraus hervor= geht, ist der beste Nährboden für eine Balutaspekulation größten Stils. Dabei handelt es sich nicht immer um eine Spekulation auf ben Wertunterschieb, sondern um überlegtes ökonomisches Handeln. Wenn die Industrie immer noch mit Aufträgen voll versehen ist, so fühlt sie sich natürlich angesichts der erneuten Verschlechterung der Mart verpflichtet, so schnell und so vorteilhaft wie möglich sich mit Devisen einzudecken, um die fremden Rohstoffe bezahlen zu förnen. Die steigende Nachfrage aber ist den Besizern von Devisen ein An­sporn, diese nicht auf den Markt zu werfen, und so ergibt sich ohne weiteres das Bild, das der Devifenmarkt in leẞter Zeit wiederholt gezeigt hat: die Nachfrage staut sich, und das Angebot geht zurück in einem Maße, daß aus den vorhandenen Beständen die Nachfrage nicht gedeckt werden kann und daß Buteilungen erfolgen müssen. Daß außerdem noch die spekulativen Treibereien der Devije­hamster eine Rolle spielen, ist wiederholt betont worden. Aber ihr Treiben wäre unmöglich, wenn eben nicht immer die Pessimisten recht behielten und wenn nicht jeder Ansturm auf die Mart unter stützt würde durch die Haltung der Entente und insbesondere Frank­ reichs  , das sich bisher zu einer vernünftigen, auch in seinem Inter­effe liegenden Regelung der deutschen   Zahlungspflicht nicht ent­Jchließen fonnte.

H

Sonntag, 23. Juli 1922

Mart, baneben find noch 570,3 Millionen Mart Darlehnsfaffenscheine trägt seit dem 17. Jufi der regelmäßige Berfaufspreis 16 000 m. für neu in den Verkehr gegeben worden. Aber der Bedarf an 3ah 1 hektoliter Weingeist, der allgemeine ermäßigte Berkaufspreis für lungsmitteln ist bedeutend größer, als daß ihm die Notenpresse den zu gewerblichen Zweden vergällt oder unvergällt und für den folgen könnte. Wenn jetzt lebhaft erörtert wird, ob man zur Mil- in Kleinhandelsbehältnissen abzugebenden vollständig vergällten derung der Kreditnot das Bankgeheimnis wieder einführen sollte, Branntwein vom 14. Juni 1922 ab 1800 M. für 1 hektoliter Wein­so spricht dagegen die Tatsache, daß damit auch der Steuerhinter geist. ziehung gerade der Besitzenden Vorschub geleistet wird. Als vor mehr als zwei Jahren schon einmal das Gespenst der Kreditnot chisch russisches Synditat gebildet worden, dem die her­Deutschösterreich und Rußland  . In Wien   ist ein österrei auftauchte, unterhielt man sich eingehend über gemeinwirt vorragendsten Industriefirmen angehören. Der Zwed des Syndikats haftliche Maßnahmen zur Kreditbeschaffung. Damals ist die Wiederaufnahme direkter Geschäftsbeziehungen zwischen der vorragendsten Industriefirmen angehören. Der Zweck des Syndikats bewältigen fönnen, und die geplante Aktion unterblieb. Warum behaupteten bie Banken, sie würden einen steigenden Kreditbedarf öfte österreichischen Industrie und dem russischen tommt man jetzt nicht auf den Gedanken der solidarischen Kredit- Markt. beschaffung zurück? Die Anzeichen verdichten sich, daß eine Erhöhung des Banknotenumlaufs auf außenpolitische Schwierigkeiten stoßen tommiffariat für Außenhandel hat, wie gemeldet, die Beschi cung Rußland und die Königsberger Osimesse. Das russische Bolts­wird, und die von der Entente geforderten Kontrollmaßnahmen der diesjährigen Königsberger Oftmesse wegen der schwierigen zeigen ja die einseitige Art, mit der man auf die Finanzgeschäfte Wirtschaftslage Sowjetrußlands, der Transportfrisen usw. abge= des Reiches einwirken und beschleunigt ein Abftoppen der lehnt. Wie dazu mitgeteilt wird, ist seinem Vertreter im Mos­der Erhöhung des Banknotenumlaufs, die auch durch die propagierte worden, die Organisation des Kommissariats fei noch zu jung und Notenpresse herbeiführen will. Geschieht das aber, dann ist fauer Außenhandelskommissariat als besonderer Grund angegeben Einführung der Warenwechsel nicht verhindert werden würde, eine müsse deshalb zunächst Bezugsquellen suchen, bevor sie neue obere Grenze gefeht. Deshalb ist es dringend erforderlich, daß man Absatzgebiete zu gewinnen strebe. Doch intereffiere fich das Kom­fich über weitergehende Mittel zur Abhilfe der Kreditnot missariat lebhaft für die Königsberger Oftmesse und sei einver verständigt. standen, daß die Vertreter russischer wirtschaftlicher Organe auf der Für die Entwicklung der deutschen Mark   seit dem Jahresbeginn Messe Geschäftsverbindungen anfnüpfen. Doch fönnte dies info­ift bezeichnend, daß die meisten östlichen Devisen dieser Bewe- fern nur vorbereitenden Charakter haben, als sämtliche Geschäfte, gung gefolgt sind. Im Anfang des Jahres stand der Dollar auf etwa die auf der Messe geschlossen werden, der Genehmigung der 190, er hat fich inzwischen auf rund 500 erhöht. Während die hoch ruffifchen Sowjethandelsmission bedürfen. Zur wertigen Devisen im allgemeinen von dem Sturz der Mart wenig Erleichterung werde die Berliner   Sowjethandelsmission eine eigene 3u spüren bekommen haben und selbst die Verschlechterung des frans Bureaustelle auf der Königsberger Messe einrichten. 3öfifchen Franken gering ift gegenüber einer Verminderung der Mart auf fast den dritten Teil von damals, ist inzwischen die öfter reichische Krone noch stärker in Mitleidenschaft gezogen. Bahlte man damals für sie noch 6,2 Pf., so gilt sie heute faum mehr als 1,4 Pf. Aber auch die ungarische Krone hat sich im gleichen Berhältnis verschlechtert wie die Mart, sie fostet heute etwa 32 Pf. und hatte am Jahresanfang etwa 31 Pf. gekostet. Aehnlich erging es der polnischen Mart, die sich trotz des Sturzes der deutschen  Mart zu ihr nicht wesentlich günstiger stellt als am Jahresanfang. miniſterium." Kostete sie damals 6,2 Pf., so zahlt man jetzt dafür etwa 8,4 Pf. Dagegen hat die tschechische Krone einen mächtigen Aufstieg gegen die Mark zu verzeichnen, sie erhöhte sich nämlich von 2,77 auf 10,89 Mart. Immerhin zeigt die Kursbewegung der östlichen Baluten, daß es sich bei dem Kurssturz der Mark nicht mehr um ein deutsches Devisenproblem, sondern um eine mitteleuro- appen. Dienstag, 5 Uhr, in der Schulaula, Stallschreiberstr. 54a, Gruppen­päische Balutafrage handelt. Die Auswirkung der Friedens­diftate von Versailles   und Sevres   erstreckt sich eben nicht nur auf die wirtschaftlich so ungeheuer geschädigten Staaten der Besiegten, sondern auch auf die neuen Staatengebilde, selbst wenn sie, wie Polen  , noch von französischen   Franten zehren. Es ist daher zu be grüßen, daß gerade in Deutschösterreich sich immer mehr die Ueber­zeugung Bahn bricht, eine Hilfe für die Krone set nur durch einen

Vorträge, Vereine und Versammlungen.

Zentralverband der Angestellten. Blusen, Damen, Mädchenmäntel, Serren- und Senabenkonfektion und Serrenwäschebranche. Mitgliederversamm lung, ben 24. Juli, nachm. Uhr, Muſiker- Säle, staiſer- Wilhelm- Str. 31. im Gewerkschaftsbauſe, Engelufer 24/25, Gaal 3, Branchenversammlung. Unsere Dentscher Holzarbeiterverband. Achtung, Holzbildhauer! Montag, 7 br, Löhne und die Teuerung. Beitragserhöhung. Die BranchenIommission. AfA- Metallindustrie! Montag, 6% Uhr, Sophien- Sale, Sophienstr. 18/19, AfA- Funktionärversammlung. Bericht über die Verhandlungen im Arbeits­AfA- Bund, Ortskartell Groß- Berlin. Verband der Buchbindex und Papierverarbeiter. Montag, 5 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, Mitgliederversammlung. Die deutsche   Arbeiterflasse Dr. Rudolf Breitscheid  . Zu diesem äußerst wichtigen und intereffanten Thema und die Internationale." Referent: Genosse unserer Mitglieder. erwarten wir eine rege Propaganda in den Betrieben und zahlreichen Besuch Die Ortsverwaltung. Deutscher   Transportarbeiterverband. Branche 7, Gruppe C. Papier und bersammlung. Bericht von der Lohnverhandlung. Gruppe D, Verbandstoffe.

Dienstag, 7 Uhr, in Wilfes Beſtiale, Gebaſtianſtr. 39, Gruppenversammlung: Stellungnahme zur Lohnforderung für August. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Donnerstag abend 7 Uhr, Schulaula, Niederschöneweide  , Bezirksversammlung des 15. Verwaltungsbezirks.

Geschäftliche Mitteilungen.

Die Verhandlungen mit der Reparationskommission über die Rohlenlieferungen zeigten das wieder recht deutlich. Bisher lieferte Deutschland   an die Entente 1 916 000 Tonnen zum größten Teil hoch wertige Kohle, die der deutschen   Industrie einen großen Ausfall an wertvollen Brennstoffen brachten. Die Folge davon und des Berluftes von Oberschlesien   war, daß Deutschland   in erhöhtem Maßengen Anschluß an die deutsche   Wirtschaft zu er aufhaus den Borwärts"-gejern im heutigen Anzeigenteil. auf die Zufuhr ausländischer, insbesondere englischer Kohle angewiesen war. Allein im Juli mußten davon 1,2 Millionen

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warten.

Tonnen eingeführt und mit hochwertigen Devisen bezahlt werden. von 10 Millionen Mart ist in Dresden   die Gesellschaft Sächsisches Ein genossenschaftliches Bekleidungswert. Mit einem Kapital Diese 1,2 Millionen Einfuhrbedarf sind nichts anderes als versteckte Bekleidungswert errichtet worden. Daran ist beteiligt die Barzahlungen Deutschland   gibt Kohle her, um sich durch Großeinkaufs- Gesellschaft Deutscher Konsumber. Einkäufe für den Ausfall schadlos zu halten. Nun verlangte die eine mit acht Teilen, die Produktivgenossenschaft der Schneider in deutsche   Regierung eine er abfehung der Kohlenlieferungen Seifhennersdorf   und Dresden  , sowie die Sächsische Staatsbant   mit um 30 Proz. unter besonderer Berücksichtigung der Tatsache, daß der Berluft Oberschlefiens und der Rückgang der Rohtohlenförderung einen monatlichen Kohlenverlust von 3 325 000 Tonnen brachten. Die Reparationsfommission hat daraufhin die Lieferungspflicht um noch nicht 200 000 Tonnen, das sind also etwas mehr als 10 Broz, herabgesetzt. Die Folge davon wird sein, daß Deutschland   weiter große Devisenbeträge für Kohleneinfäufe verwendet, die mittelbar im Interesse der Entente liegen. Berücksichtigt man dazu noch die Transportschwierigkeiten, fo ergibt sich, daß die Leistung der gefor­derten Rohlenmenge ohne schwere Schädigung der deutschen   Wirt schaft unmöglich ist. Erfolgen fie gleichwohl, so erhält damit die deutsche Zahlungsfraft einen neuen Stoß. Aber man will draußen nicht einsehen, daß diese Kohlenlieferungen letzten Endes die Inter effen der Alliierten selbst schädigen, indem sie den Niedergang der Mart beschleunigen und damit die Aussicht auf Barzahlungen Deutschlands   vermindern.

je einem Teil. Diese Gesellschaft bezweckt nach ihrem Gesellschafts­vertrag die Uebernahme des Reichsbekleidungsamts Dresden, die Herstellung von Bekleidungsgegenständen aller Art, deren Vertrieb, den Erwerb ähnlicher Unternehmungen und die Beteiligung an folchen. Das Bekleidungsamt Dresden   hatte nach feiner ursprüng­lichen Bestimmung die ehemals fächsischen Kontingente des deutschen  eeres mit Kleidung und Schuhwerk zu versorgen. Die Betriebs­ftätten für Schneiderei und Schuhmacherei. Die reu errichtete Ge­anlagen enthalten umfangreiche und zweckmäßig ausgestattete Wert­sellschaft hat die gesamten Anlagen auf 30 Jahre mietweise, die Be­fäuflich übernommen. Der gesamte Betrieb wird nunmehr für die triebseinrichtungen, Maschinen, Werkzeuge und Inventargegenstände neue Aufgabe umgestaltet, die maschinellen Anlagen und technischen Einrichtungen ausgestaltet und, soweit dieses notwendig ist, erweitert und vervollkommnet werden. Mit der Errichtung des sächsischen Be­nehmen entstanden, das die gesamten angefertigten Bekleidungs­fleidungswerts ist ein gemeinwirtschaftliches Unter­gegenstände unter Ausschaltung privater Erwerbsinteressen reftios dem unmittelbaren Verbrauch zuführen wird.

Es ist kein Wunder, wenn durch die fortgesetzte Berschlechterung der Mark und das rapide Heraufschnellen der Preise der Bedarf an Zahlungsmitteln in der deutschen   Wirtschaft start zunimmt, so daß man jetzt schon allgemein von einer Kreditnot der Industrie spricht. Auch der letzte Reichsbanfausweis brachte eine Bermehrung Das Reichsbranntweinmonopol hat unter Erhöhung seiner des Banknotenumlaufs von 2,7 Milliarden auf 175,4 Milliarden| Uebernahmepreise auch die Verkaufspreise heraufgefeßt, und zwar be­

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