GewerMafisbewegung pfingftgeift. Die große Masse des arbeitenden Volkes ahnt wohl den Geist des Sozialismus, doch wie viele sind immer noch nicht von ihm er- füllt und durchdrungen! Mehr denn je leiden wir heute unter den schweren Schäden der kapitalistischen Wirtschaftsweise, stärker denn je ist das Sehnen, sie zu überwinden, das Drängen, sie zu beseitigen. Größer denn je aber auch bei vielen ein Ohnmachtsgefühl, der Zweifel an der eigenen Sache. Es werden allerlei Klagen erhoben, die unnütz sind gegen die Nutznießer und Verfechter unserer heutigen Wirtschaft, unberechtigt und ungerecht aber gegen deren Vekämpfer, zumal gegen die an führender Stelle Stehenden. Nicht„die andern*, nicht„die da oben", wir selber sind es, die das Veraltete Stück für Stück abtragen und zugleich das Neue schaffen, dem Werdenden die Bahn frei machen müssen. So sehr wir alle es wünschen, so notwendig es ist, an die Stelle der gegenwärtigen die sozialistische Wirtschaftsordnung zu setzen, so wenig ist dies von heut« auf morgen möglich Diel zu viele sind noch unter uns und um uns, die auf„die andern" warten, ihrer Tätigkeit müßig zusehen und sie dann schmähen, weil es nicht bester und schneller vorwärts gehe. Es wird ober um so langsamer und mühsamer vorwärts gehen, je gleich- gültiger die große Mäste ist, je mutloser, haltloser, gedanken» und hoffnungsloser sie ist. Jeder einzelne muß sich mühen, in den Geist des Sozia- lismus einzudringen, den sein« Apostel uns verkündet und feit Jahrzehnten gelehrt haben. Nur wenn jeder von uns, wenn wir alle in diesem Geist« leben und wirken, im Kreis« unserer Familie, unserer Verwandten, Bekannten und Arbettsgenoflen, nur dann können wir weiter kommen. Wie viele veraltete Anschau- ungen und üble Gewohnheiten müssen noch verdrängt werden, ehe die sozialistische Gedankenwelt zur vollen Entfaltung kommt, bis wir unser Alltagsleben in ihrem Sinne gestalten können! Unter den Ungeduldigen, die da klagen, sie zahlten schon jähre- lang ihre Beiträge zur Gewerkschaft und zur Partei und es fei innner noch nicht besser geworden, ist so mancher, der gestehen muß, daß es ihm nicht gelungen sei, seine Frau für unsere Ideen zu gewinnen und seine Kinder im sozialistischen Geiste zu erziehen. Bei sich selber muß jeder beginnen, dann wird es bester werden. Dann wirb er auch dos rechte Verständnis für die Ding« gewinnen, euch für die Arbeit der anderen und sich mehr als bisher an der ge- meinsamen Arbeit für das große Ganze beteiligen. Darauf aber kommt es an! Noch macht sich Unkultur in erschreckendem Maß« breit. In Berlin werden 200 000 Hunde gehalten. Wie viele Kinder, denen es an der nötigen Nahrung und Pflege, Beaufsichtigung und Er- Ziehung fehlt, könnten mit dem gleichen Aufwand, der gleichen Sorgfalt, die auf das Hundehalten verwendet werden, zu körper- lich, geistig und sittlich wertvolleren Gliedern der menschlichen Ge- fellschaft emporgehoben werden. Von 100 Schulkindern sind noch nicht zehn vom Religionsunterricht befteit. In Hunderttausenden von Exemplaren werden in den Kreisen der Arbeitnehmerschaft noch bürgerliche Blätter gelesen, der Kapitalismus unterstützt, und die Arbeiterpresse an der nötigen Entfaltung behindert. So stoßen wir in unserem Alltagsleben noch Schritt für Schrit auf Mängel, die längst als überwunden gelten müßten, überwunden werden müsten, wenn wir uns sin« neue Welt erobern wollen. Die vielen schönen Kulturansätz«, die die Kleinarbeit in der modernen Gewerkschaftsbewegung, der Sozialdemokratischen Partei, Jugend- und Bildungsbewegung, in der konsumgenossenschaftlichen Organi- sation, der„Volksfürsorge* hervorgerufen hat, müssen stärker ge- pflegt und gefördert werden. Dringen wir tiefer ein in den sozialistischen Geist, lassen wir unser Werk- und Feiertagsleben mehr von ihm durchwehen, dann erwächst uns auch die nötige Macht, unseren Ideen, unseren An- sprächen ans Leben allmählich mehr Geltung zu verschaffen. Neuer Lohukampf im Holzgewerbe? Bereits am 8. Mai wurde den Berliner Holzindustriellen eine Lohnforderung von 30 Proz.«ingereicht, um den jetzigen Lohn von 1890 M. auf einen erträglichen Stand zu bringen. 7 Proz. Lohn- erhöhung sollten ursprünglich genügen, um die wucherische Preis- treiber«, auszugleichen. Nachdem wohl die Arbeitgeber selber die Lächerlichkeit ihres Angebotes einsahen, erhöhten sie ihre Dorschläge endgültig auf IS Proz., jedoch nur unter der Bedingung, unter allen Umständen ein Lohnabkommen auf drei Wochen abzuschließen. Diese Zumutung, mit einem auf 1829 Mk. erhöhten Lohn für drei Wochen zu vegetieren, in einer Zeit, in der die not- wendigsten Lebensmittel sich im Preis« fast verdoppelt haben, lehnten die Holzarbeiter einstimmig ab. Ja sie faßten dieses Angebot der Arbeitgeber als eine direkte Herausforderung auf. Di« Organi- sationsleitung trat daher sofort an den Arbettgeberverband zwecks
neuer Verhandlungen heran. Ihrem Ansuchen ist denn auch statt- gegeben worden. Wann die Verhandlungen vor sich gehen, ist zur Stund« noch nicht bestimmt. Bvn dem Ausgang« dieser Verhand- lungen wird es abhängen, ob der Friede im Gewerbe erhalten Um die Dertrauensniänner über das Ergebnis der Befprechun- gen der Verwaltung vom 17. Mai zu informieren, finden am Mitt- wach, abends 7 Uhr, in sämtlichen Tischlerbezirken Bezirksvertrauens- männerversammlungen statt, an denen sich auch die in Frage kam- Menden Branchenangehörigen beteiligen, um zu der augenblicklichen Situation Stellung zu nehrmn. Die Beschlußfassung über das Der- Handlungsergebnis bzw. über die etwa zu treffenden Kampfesmaß- nahmen bei Schettern der Verhandlungen erfolgt in einer erneuten Funktionärversammlung, die umgehend bekanntgegeben wird. Zum Streik der Kouditoreiangestellten. Wie uns die Streikleitung mitteilt, würde nach dem neuen Lohnangebot der Innung, das sie im Laufe des Streiks machte, über die Löhne eine Verständigung möglich ftin. Allein die Innung bleibt dabei, einen großen Teil des Personals von dieser Vereinbarung, wie vom Tarifvertrag über- Haupt, einfach auszuschließen. Die Streikenden fordern, daß bis zum Abschluß eines neuen Tarifvertrags die Bestimmungen des bisherigen Tarifvertrags Geltung behalten sollen. Ferner, daß über die strittigen Punkte des neu abzuschließenden Tarifvertrags ein Schiedsgericht entscheiden soll, dessen Spruch sich beide Parteien von vornherein unterwerfen sollen. Das lehnt dieJnnungab und straft damit ihre Angaben Lügen über ihren Willen zur Verständigung. Der Streit in den nichtbewilligten Kon- ditoreien muß deshalb fortgesetzt werden. Die Streikenden appellieren an die Solidarität der ge- samten Arbeitnehmerschast._ Beendeter Kinomufiker Streik. Die Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Mufikeroerbandes berichtet: Nachdem sich die Direktton des Kinotheaters„Alhambra, Müllerstraße 13 6, verpflichtet hat, unserer Aufforderung nach einer besseren Bezahlung der Musiker zu entsprechen, haben die Musiker dort die Arbeit wieder aufgenommen. Es be- steht somit kein Grund mehr, daß sich die organisierte Arbeiter- und Angestelltenschaft vom Besuchs des Alhambra-Kinos, MLllerstr. 136, fernhalt._ Nene Löhne für Kellerarbeiter. Zwischen dem Deutschen Verkehrsbund(Abtlg. Transport- arbeiter) und dem Arbeitgeberverband der Getränkeindusttie und verwandter Gewerbe von Groß-Berlin E. V. sind am 17. Mai vor dem Schlichwngsausschuß Groß-Berlin für die in den W e i n- großhandlungen beschäftigten Arbeiter, Arbetterinnen, Kut- scher und Kraftwagenführer durch Vergleich neue Löhne vom 6. Mai bis 3. Jurtt vereinbart worden. In einer Funkttonärversammlung berichtete hierüber Liebe- n o w. Di« Beteiliyten erklärten hierzu, daß die jetzigen Löhne von 82 000 bis 86 000 M. pro Woche mit Rücksicht auf die kolossal stei- genden Preise aller Lebensmittel und Bedarfsartikel nicht befriedi- gen, um so weniger, als die Vereinbarung sich auf volle vier Wochen erstreckt. Nach reger und sachlicher Aussprache und nachdem die Lohn- kommission sich für die Annahme des Vergleichs ausgesprochen hatte, stimmte die Versammlung den neuen Vereinbarungen zu. Jedoch mit der Maßgabe, daß. falls eine weitere Steigerung der Lebens- Haltung eintritt, neue Forderungen vor Ablauf der festgelegten Zeit einzureichen sind.(Gedruckte Lohntarife sind gegen Mitgliedsaus- weis im Verbandsbureau, Engelufer 24/26, Zimmer 26 und 32 zu haben.)_ Eine Plenaro erfammlung der Berliner Gewerkfchafiskommissioa ist zu Mittwoch, 6!-l Uhr, nach den Residenzsestsälen. Landsberger Sttaße 31, einberufen worden. Die Versammlung wird sich mit Not- standsarbeiten und der Festsetzung der Beittäge an die Gewerkschafts- kommission beschäfttgen. Die Delegierten müssen ihre Kart« und die Einladung zur Versammlunug als Legittmatton mitbringen. Aufstieg der österreichischen Getverkschasten. lleber die zahlenmäßige Stärke der österreichischen Gewerk- schastsbowegung bringt der Tättgkettsbericht der Gewerkschaftskom- Mission Deutschösterreichs für das Jahr 1922 folgende Zahlen: imW der V�-hler d-r Rückgang der ZnwachS 1S17 142 296— 11698 ISIS 262 808— 120 613 1919 378 381— 116 573 1920 771586— 393 204 1921 641 659 129 926— 1922 850394— 208 735 Der Rückgang der Zahl der Vollmitglieder im Jahre 1921 ist mit der ausständigen Abrechnung von 11 Verbänden mit einer effektiven Mitgliederzahl von rund 130 000 begründet. Es müssen daher zum Vergleich 771 659 Dollzahler für 1921 angenommen werden. Für das Jahr 1922 ergibt sich ttotz der im letzten Jahresviertel stark einsetzen» den Krise eine Vermehrung der vollzahlenden Mitglieder um 78 736. Daraus ist zu ersehen, daß die Unternehmer nach der Veröffentlichung
des Berichtes für 1921 Wer die Schwächung der freien Gewerkschaste» zu früh gejubelt haben: ja es zeigt sich, daß ttotz der schweren Krise, die schon im September 1922 furchtbar zu spüren war, die Gewert- schaften unerschütterlich standhielten. Die Verschmelzung berufsverwandter Berbände hat im Laufe- des Jahres wettere Fortschritte gemacht. Es haben sich vereinigt: die Bildhauer mit den Holzarbeitern, die Buchchandlungsgehilfen mit den kaufmännischen Angestellten und die Buchdruckererhilssarbeiter mit dem Verband der Buchdrucker. Auf dem Gebiet der Kartellierung mehrerer Gewerkschaften, die den gleichen Unternehmungen gegen- überstehen, kann aus erfreuliche Fortschritt« hingewiesen werden. So haben der Reichsverband der Gemeindeangestellten und der Bund der öffentlichen Angestellten einen Kartellverttag abgeschlossen, ferner haben stch der Handels- und Transportarbeiterverband, der Verband des Krankenpflegepersonals und der Bund der öffentlichen Ange- stellten zu einein Kartell vereinigt. Di« Güterbeamten und die Land- und Forstarbeiter halben eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Die Bühnenarbeiter, Schauspieler und Musiker haben sich zu einem Kar- tell vereinigt, in dem ein Vertreter der G«verkschaftskommission den Borsitz führt. Degen Ende 1922 kam noch ein Kartell zustande, in dem alle Verbände vereinigt sind, deren Mitglieder im Dienste der Gemeinde stehen.
Beilegung des belgischen Eisenbahner- und Poststreiks? Im belgischen Eisenbahnerstreik zeiot sich eine wesentliche Enstpannung. Die Kammer hat gestern mit 103 Stimmen und 67 Sttmmenthaltun- gen ein Vertrauensvotum für die Regierung angenommen. Der Ab- stimmung enthielten sich die sozialistischen Abgeordneten, die erklärten, st« wollten nicht gegen die Tageordnung sstmmen, weil nach den E-klärungen des Ministerpräsidenten damtt zu rechnen sei. daß in kurzer Zeit wesentlich« Derbesserungen orwarttt werden könnten. Unter diesen Verhältnissen wird in allen belgischen Kreisen das End« des Stteiks für die allernächste Zukunft vorausgesagt. geutralicrbaud der Airge stellte». Ortsgruppe»rsk-Berli». Pfingste» ilewe» unser« Burrauriium« Montag und Dienstag geschlossen. Bode»leger»»d Bohaer. Dienstag vormittag 10 Uhr dei Schilling. Berlin , Rungestr. 30, Vollversammlung. Das Resultat unserer Lahnforderuug. Boll- zähliae. Erscheinen ist Pflicht.— Di« Orisverioaltuno. Ketriebe-ät«! Di« Eruppenvollversammlung der Gruppe II(Bauindustrie) ist Mittwoch 5 Uhr in Graumann« Festsälen, Raunnnstr. 27. Jahresbericht der Gruppenlcitung. Neuwahl der Gruppenleitung. Gruppenanaeleaenheiten. Es ist Pflicht sämtlicher Betriebsräte dieser Gruppe, in der Vollversammlung zu erscheinen. Als Legitimation dient die Betriebsrätekart« und das Berbands. buch.— Freigewertsqaftllch« Betriebsrätezentrale fllr den Wirtschaftebeziri Droß-Derlin. Bekleidungsarbeiter» erdand. Damen -, ttindermäntel, stostitmtonfektion: Mitgliederversammlung Donnerstag 0 Uhr in der Schule stochstr. 13. Bericht über die neuen Lohnverhandlungen.
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gl>A..Betried»iäte de» graphisch«» Gewerdc«. Dienstag abend 5 Uhr im Lokal von Drstndlrr, gimmerstr. 30, wichtige Sitzung der Angestellten- betriebsrate. Tagesordnung: Neuwahl des Gruppenrats und der Dele- gierten. Der»ruppcnrat.
Verantwortlich kür den redakt. Teil: Biet» Schiff, Verltn: für Anzeigen: Th.»locke, Berlin . Verlag Vorwärts.Verlag S. m. b. t.. Berlin . DÜich: Vorwärts-Buchdruckerei u. Berlaasanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin . Lindenstr. 3 vier,» 2 BeUagen
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