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Deutschland ohne Aufschub aufsetzen. Die Grundzüge eines Entwurfes der Arbeiterpartei würden sein, daß die Reparation aus das beschränk werden müsse, was in den vierzehn Punkten enthalten war, die die Bedingungen des Waffenstillstandes bildeten, sowie aus jene anderen Punkte, die wiederholt auf den internationalen sozialistischen Konferenzen vereinbart worden sind. Das ist die einzige Politik, die den Anfang des Wieder- aufbaues bilden kann. Als Ergänzung dieser Antwort müßten wir eine energischere Haltung innerhalb der Rheinland- kommission und der Reparatioiisiommission einnehmen, und zwar mit dem Entschluß, diesen Kommissionen jenen unab- hängigen Charakter wieder zu verleihen, der ihnen ursprllng- lich zugedacht war. Nur dann, wenn wir eine größere Aktivi- tat im Sinne einer richtigen Politik entfalten, werden wir imstande sein, jener tödlichen Entwicklung Einhalt zu gebieten, die zur Aufrichtung einer Militärherr­schaft in Europa führen muß. Das ist jetzt unsere große Aufgabe. Das war eine Auf- gäbe, deren Notwendigkeit wir bereits viele Jahre vor dem Kriege erkannt hatten, als unsere auswärtige Politik, die in den schwachen Händen eines liberalen Staatssekretärs des Auswärtigen lag(gemeint ist Edward(Brey. Red. d.SS."), nur von der einen Furcht getragen war, ja nicht Rußland zu verletzen. Wir wissen jetzt, wie dieses kleinmütige Zögern, wie dieses schwachmütige Verharren im Hintergrund, wie diese Abneigung gegen eine klare und offene Formulierung derjenigen unserer Ziele, die den Zielen unserer Bundes- genossen entgegengesetzt waren, schließlich den Kriegstreibern in die Hände gespielt hat. Was wir jüngst gegen Bonar Law vorgebracht haben, ist genau dasselbe wie das,«s wir 1906 gegen Sir Edward Grey ausführten. U n fe r W e g ist d er einzige, der zum Frieden und zur internationalen Demokratie führt. Jetzt, nach dem ver- nichtenden Krieg und nach dem erbärmlichen Kriegsabschluß von Versailles , hat eine Regierung endlich die ersten Schritte auf der von uns gewiesenen Bahn getan. Es ist ganz natür- lich, daß wir mit einiger Spannung der Entwicklung einer Politik entgegensehen, die in ihrem Geiste scheinbar die gleiche ist wie unsere eigene. Es mag sein, daß wir mit manchem nicht einverstanden sein werden, was geschehen wird, aber alles in allem war es ein verheißungsvoller Anfang._

Die geheime Mobilmachungsorüer. Reaktionäre Hochfommcrphantafien. Der Parteivorstand hat» kürzlich aus Anlaß des faschistischen Attentats auf den Münsterer , V o l k s w i l l e n" ein oertrauliches Rundschreiben an die Parteifunktionäre gerichtet, in dem er' empfiehlt, die Abwehr solcher Angriffe auf das Parteieigentum zu organisieren. Seit nun derDresdener Lolkszeitung" das bekannte Malheur passierte, eine Stelle dieses Zirkulars rn völlig verdrehter und gefälschter Form abzudrucken, kann sich die Rechtspresse über diese Angelegenheit nicht mehr beruhigen. Beispielsweise schreibt dieDeutsche Tageszeitung": Es ergibt sich also, daß der Vorstand der gesamten Sozial- demokratischen Partei in Berlin eine geheime Anweisung an ihre sämtlichen Geschäftsstellen im Reiche versandt hat, des Inhalts, Hundertschaften im ganzen Reiche genau nach dem Vorbild Sachsens aufzustellen, also den Bürgerkrieg parteioffiziell zu organisieren. Man darf gespannt sein, was gegenüber diesem organisierten Hochoerrat der Sozialdemokratischen Partei von der Reichsregierung aus geschehen wird.... Das ist talsächlich die Aufforderung zur Gewalt, ein schweres Vergehen gegen die Verfassung. In Preußen aber ist ein Sozial- demokrat Polizeiministerl Wir fragen Herrn Seoering nochmals, wie er sich zu dem verfassungswidrigen Vorgehen seiner Freund« stellt. Schweigt er weiter, dann muß die Reichsregierung reden. DieDeutsche Tageszeitung" ist also der Meinung, die Sozialdemokratische Partei sei verpflichtet, ihr Eigentum von

Schön ist öas Saöeleben! Von Ernst Precznng. Schön ist das Vadelsbenl Strahlende Sonne; blaue Flut; weiße schimmernd« Segel . Helle, luftige Kleider; lachende, blinkende Augen. Und Musik. Gute, vornehme Musik mit einem berühmten Kapellmeister. Fröhliche Weisen wecken den Kurgast am Morgen. Was reiche Leute halt soMorgen" nennen. Man trinkt seinen Kaffee auf der Terrvsi« des Kurhauses, blickt auf das leuchtende Meer hinaus und lauscht der Musik, die dies Leben als ein herrliches preist. Man wandert zum Strande hinunter, kühlt felne Haut in den perlenden, schäumenden Wellen und fühlt alle Lebensgeister zu neuem,'freudigem Kraftbewußtsein erwachen. Elastischer als vorher promeniert man am Strande dahin. frnbsche Kinder, halbnackt, schaufeln und buddeln im Sande, bauen Purgen und plätschern lachend und jauchzend in dem seichten Wasser. Hübsche Frauen lehnen in den Strandkörben und schauen in träumerischer Muße über die blau«, blitzende Unendlichkeit des Meeres hinweg. Musik zum Mittag: Musik zum Nachmittagskaffee; Musik am Abend, wenn wieder Teller und Gläser klappern und farbige Lampen in Restaurants und Gärten aufleuchten. Geplauder und Lachen an den Tischen. Ein Strom wandelnder Menschen in den Gängen. Rauschende Seide, wogende Busen, lockende Blicke. Lässige Muße. Nur die Kellner eilen. Von einem Tisch zum anderen. Nach dem Büfett, nach der Küche. Denn die Seeluft macht Appetit. Auf ihren Stirnen stehen große Tropfen. Hals und Gesicht glänzen von Schweiß. Und sie jagen hin und her, her und hin. Unermüdlich. Vom Morgen bis in die Nacht hinein. Sie dürfen nicht müde werden. Dürfen ihre brennende Haut nicht im Meer kühlen. Erst wenn die Lichter erloschen sind und die See schwarz daliegt und ihr regelmäßiges Atmen in das Dunkel schickt, steigen die Ge- hetzten empor zum heißen Dachgeschoß und sinken aufs Bett. Rur aus der Bar tönen noch gedämpfte Geigenklänge heraus. Schön ist das Badeleben! SciHn ist das Bodeleben! Hoch oben am Meeresufer liegt die Sommervilla in einem schattigen Part. Unten singen friedlich die Wellen. Segelboote und Dampfer mit langen Rauchsahneu gleiten auf der sonnigen Flut dahin. Wie heiter ist das Haus! Jetzt!

faschistischen Geheimbündlern in die Lust sprengen zu lasten, ohne dagegen auch nur die geringsten Vorsichtsmaßregeln er- greifen zu dürfen. Ueber die Art dieser Abwehrmaß- regeln sind wir derDeutschen Tageszeitung" zu allerletzt eine Auskunft schuldig. Für die breitere Oeffentlichkeit sei aber bemerkt, daß es sich keineswegs um die Auf- stellung sog.proletarische 5)undertschaften handelt. Für vernünftige Leute bedarf der Blödsinn, daß die So- ziakdemokratie durch geheime Mobilmachungsorders den Bür- gerkrieg vorbereite, ohnehin keiner Widerlegung. Es bleibt nur übrig, die Frechhest anzunageln, mit der das reaktionäre Blatt die Dinge auf den Kopf stellt, indem es aus den sim- pelsten notwendigsten Abwehrmaßregeln gegen die gewalt- tätigen Angriffe ihrer Schützlinge eine Vorbereitung des Bür- gerkriegs macht._

Exkronprinz gegen Preußen. Der Kampf um die Herrschaft Oels. Zu der Klag« des vormaligen Kronzeugen g«gen den preußischen Staat auf Feststellung des Eigentums an dem Thronlehen Oels wird von amtlicher Seite eine juristische Information veröffentlicht, nach der sich die Feststellungsklage zunächst nur auf das Domi- nium Rathe, den Kernbesitz des Thronlehens Oels bezieht. Die Entscheidung über den Besitz desDominiums Rathe üb« nach Ansicht des Klägers aber auch rückwirkende Kraft auf das gesamte Lehen. Thronlehen sei ein Lehen, an dem das Obereigentum dem Staate gehöre, dessen Repräsentant vor der Staatsumwälzung der Landesherr war. Oels sei bis zum Jahr« 1329 reichsunmjttelbar gewesen, seitdem Kronlehen und 1884 mit der preußischen Krone verbunden worden. Die Velehnung erfolgte anSeine Kaiserliche und Königliche Hoheit den Kronprinzen iies Deutschen R«iches und von Preußen Friedrich Wilhelm und höchstdessen fürstlichen Mannes- stamm.... auf ewige Zeiten, und zwar dergestalt, daß dieses Lehen nach den Regeln der in unserem Königlichen Hause sowohl Haus- gesetzlich als reich?- und landesversastungsmäßig bestehenden Pri- mogeniturerbfolge auf den jedesmaligen nach st en Thronerben, mithin wenn derfelb« auf Grund jener Erbfolg« auf den Thron als Deutscher Kaiser und König von Preußen be- rufen wird, auf den dann nach derselben Successionsordnung wiederum nächsten Thronerbfolger dcvolvieret und verfället werden soll." Die im Prozeß zu entscheidende Frag« ist nun die, ob das Thronlehen dem damaligen Kronprinzen unabhängig von seiner Stellung als Thronfolger, also als Privatperson ver- liehen worden ist, oder dem jedesmaligen Thronfolger, in dieser seiner staatsrechlli heu Eigenschaft.

Wer ist öer Landesverräter! Geheimrat Held oder die Sozialdemokratie? München , 21 Juli.(Eig. Drahtb.) Der Fraktionsoorsitzcnde der Bayerischen Volkspartei . Geheimrat Held, hat in einer Pcrsamm. lung davon gesprochen, daß sein« Partei stolz darauf sei, eine Reichs- regierung zu besitzen, die es nicht dulden würde, daß Deutschland ein zweites Mal durch die Schuld sozialdemokratischer Führer zur Kapi- tulation gebracht würde. Diese Verleumdung hat Genosse Acker- mann im Landtage mit außerordentlicher Schärfe zurückgewiesen und denselben Geheimrat Held auf Grund eines Lorganges am 28. Oktober 1918 des vollendeten Kriegsverrates beschuldigt. Darauf ungeheure Aufregung bei den Partei- freunden des 5)errn Held und der Zuruf, daß diese Darstellung unseres Genossen Ackermann unwahr sei. Um nun außerhalb des Landtags demKriegsverräter" Held die Möglichkeit einer g e- richtlichen Klage unter Feststellung des wahren Sachverhalts zu geben, veröffentlicht am Sonnabend dieM ünchener Post" dos Material, auf das sich der Vorwurf des Genossen Ackermann stützt. Vielleicht unternimmt es bei dieser Gelegenheit der pro- minente Führer der Bayerischen Volkspartei , den Beweis zu er- bringen, daß durch die Schuld sozialdemokratischer Führer Deutsch - land zur Kapitulation gezwungen worden sei.

Im Winter freilich lag es tot da, umbraust von eisigen Stür- wen, die über das gifchtende Wasser kamen. Die Herrschaft war natürlich fern. Aber sie hat einen Verwalter hier. Der wohnt in einer versteckten Ecke des Parks in einem kleinen, engen Haus«. Er hat im Winter den Schnee von den Balkon? der Villa geschaufelt, hat immer wieder Türen und Fenster gesichert, hat im Frühjahr Bäume und Hecken beschnitten, hat Blumen gepflanzt und den Rasen gepflegt. Aber sein Haus wollen sie nicht sehen. Di« in der Villa kommen doch zur Erholung her und lasten alles daheim, was an Arbeit erinnert. Nur die Köchin natürlich und die anderen Hsifskräfte des Hauses, die müssen mit. Unid sie freuen sich. Denn es ist schön, in einer Villa dicht am Meer zu wohnen, wenn auch in einer Bodenkammer. Schön, ins Bad zu steigen, wenn auch zu besonderer Stunde, die für Dienstboten angesetzt ist. Denn es geht natürlich nicht an, daß Herrschaft und Personal zu gleicher Zeit baden. Zwar der See ist es gleichgültig. Die fragt nicht danach. Sie ist plebejisch und demo- kraüsch und umspült alle mit gleicher Liebe. Gnädige Frau," sagt am Nachmittag die Anna,die Arbeit ist fertig. Darf ich baden gehen?" Es ist ein freudiger Klang in ihrer Stimme. Baden, Anna, baden? Ja, haben Sie denn die Strümpfe ver- gesten?" Strümpfe?" Ial Wir haben doch einen ganzen Sack voll zum Ausbessern mitgenommen. Wenn Sie damit fertig sind, hätte ich natürlich nichts dagegen, daß Sie baden gehen. Aber bis dahin.. Und Anna senkt den Kopf, geht in dos kleine Hinterzimmer und nimmt sich die Strümpfe vor. Sie rechnet. Und rechnet aus, daß sie mit diesem Sack voll löcheriger Strümpfe ungefähr fertig sein kann, wenn es wieder nach Hause geht. Bande!" sagt sie laut.Bande!" Weiter nichts. Und beginnt zu stopfen. Schön ist das Badeleben! * Schön ist das Badeleben I Am allerschönsten aber ist es im Familienbad, wo Papa, Mama, die Töchter undBubi" sich gemeinsam tummeln. Wo schöne und minderschöne Damen ihr« Reize entfalten und ihre Aadetoiletten spazier entragen. Wo«in Lachen und Jauchzen und Pantschen ohne Ende ist. Auf einer offenen Galerie sitzt die Musik und spielt. Spielt fröhliche Weisen in den Lärm hinein. Ein Restaurant ist auch da. Du kannst Bier und Wein, Kaviar und Austern und Sekt haben, wenn es dich gelüstet und du es bezahlen kannst. Keine Sorge! Die hierher kommen, können es! Rur neulich Ja, neulich ist doch einer gekommen, der konnte es nicht. Der war so arm, daß er nicht einmal dos Eintrittsgeld zahlt«, sondern

Teuerungsunruhen in Hleiwih. Gleiwih. 21. Juli. (TU.) hier ist es heute nachmittag zu Lebens miltelunruhen gekommen. Die Masseu drangen in einige Lebensmittelgeschäfte ein und erzwangen herabsetzuug der Fettpreise. Die Erregung hält an. Zu Beschädigungen ist es uirgends gekommen. 1200 Verhaftungen in Sreslau! Breslau , 21. Juli. (WTB.) DenNeuesten Nachrichten" zu. folge sind bis heute morgen 1290 Verhaftungen vorge- n o m m e n worden. Ein großer Beamtenstab ist damit beschäftigt, die Verhafteten zu oerhören, um die eigentlichen Fübrer der Bewe- gung zu ermitteln. Unter den Verhasteten befinden sich zahlreiche Frauen und Jugendliche. Heute früh trafen auf dem Hauptbahnhof Verstärkungen ein. In den Morgenstunden traten die Vertreter der städtischen, staatlichen und Polizeidien st st ellen zusammen, um über weitere Maßnahmen gegenüber etwaigen neuen Tumulten zu beraten. Es herrschte Einstimmigkeit darüber, daß der ungeheuren Not, unter der die Bevölkerung leidet, mit ollen Mitteln gesteuert werden müsse, daß aber dem selbstherrlichen Bor. gehen von unverantwortlichen, lediglich politische Ziele verfolgenden Elementen, mit allen Machtmitteln begegnet werden müsse. Di« Haltung der Schutzpolizei fand ollgemein« Anerkennung. Breslau . 21. Juli. (MTB.) Im Laufe des Spätnachmittag« waren noch 150 Personen in Haft, die anderen mußten entlassen werden, da die Voraussetzungen für die Beschuldigung eines schweren Landfriedensbruches nicht vorlagen, sondern lediglich die Teilnahme an Zusammenrottungen. Em Teil der geraubten Waren ist bereits zurückgeschafft worden. 100 venvunöete! Breslau . 21. Juli. (TU.) Der weitaus überwiegende Teil der Geschäftshäuser sowie auch die Wein- und Likeurstuben hielten heute geschlossen. Fortgesetzt durchstreifen Patrouillen der Schutzpolizei Straßen und Plätze der Stadt, die von Passanten überfüllt find. Da die Teuerungsrevolte teilweif« sich gegen jüdische Geschäfte richtete, hat der Bund jüdischer Frontsoldaten sich z u r Verfügung g« st e l l t, um bei den Patrouillen durch die Stadt die Schutzmannschast zu unterstützen. Zwischenfälle sind bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Die Breslauer Ge- t r e i d e b ö r s e, auf die auch ein Angriff geplant sein sollte, war heute überaus schwach besetzt. Geschäfte kamen nur in spärlichem Umfange zustande, so daß die Notierungstommission von jeder No- tierung Abstand nahm. Fondsbörse fand heute in Breslau nicht statt, und es ist noch zweifelhast, ob sie am Montag stattfinden wird. Für den heutigen Tag waren Streifzüge in die Umgebung in Aussicht genommen, doch liegen hierüber noch kein« näheren Meldungen vor. Die Zahl der Schwer- und Leicht- verletzten wird auf ungefähr 109 angegebm. Die Kran- tenhäuser sind" stark belegt._

Beichsralsbeschlüsse. Der Reichsrat erklärte sich am Sonnabend- nachmittag mit der Ausprägung von 240 Milliarden Mark in 1000-Mart-Stücken aus A l um i nium, deren äußere Ausstatung dieselbe sein wird wie bei den 200- und 500-Mark-Stücken, einverstanden. Seit dem 15. Juni haben sich die Bierpreise un- gefähr um das Fünffache erhöht. Entsprechend den Bestimmungen des Biersteuergefetzes ist der Reichsrat damit eiitoerstanden, daß ob 1. August die Bi e r st e u e r verfünffacht, d. h. von 4100 bis 5000 Mark aus 20 500 bis 25 000 M. erhöht wird. Di« Steueranteile der süddeutschen Freistaaten wurden entsprechend erhöht: für Baden auf 1,3 Milliarden, für Württemberg auf 1,0 Milliarden und für Bayern aus 10 Milliarden. Schließlich billiate der Reichsrat, daß ab August das dem zehnprozentigen Lohnabzug unter- worfene Einkommen auf monatlich vier Millionen Mark festgesetzt wird und die Abzüge von der Lohnsteuer verdreifacht werden. Wigdor Kopp, der ehemalige Sowjetbotschafter in Berlin , leitet jetzt die baltische Äbteilung im russischen Äußenministerium. ver mexikanische Sroßbandensührer B i l l a ist mit seinem Sekretär und drei anderen seiner Begleiter erschossen worden.

von der offenen See hereinkom, was eigentlich verboten ist. Aber er kam doch. Ganz plötzlich. Urplötzlich war er mitten unter ihnen. Mitten unter den feinen, reizenden Damen, den behäbigen Männern, den hübschen Kindern. Mitten unter dem Lochen und Jauchzen und Pantschen, unter dem Tafeln, Trinken und Musizieren! Eine Welle trug ihn herein. Eine mitleidige Welle. Auf ihren blinkenden, weißen Rücken hott« sie ihn genommen und trug ihn sacht, ganz sacht herein, wiegte und schaukelte ihn in ihren weichen Armen zur Walzermelodie da oben. Aber als die anderen sein blasses Antlitz sahen, da, in den sonnigen, blauen Himmel stierte, da erbleichten sie. Die Kinder schrien auf; Damen waren der Ohnmacht nahe, und die Männrr standen wie erstarrt. Und andere fuchtelten mit den Armen in der Lust herum und brüllten:Musik oufhörenl Musik aufhören!" Aber sie verstand es nicht uyd spielte ihren Walzer weiter, bis die Bademeister ins Wasser sprangen und den Eindringling herausholten und auf den Sand legten. Da verstummte die Musik. Und während sich die Gäste mit bloßem Antlitz um ihn dräng- ten. beugte sich ein badender Arzt nieder und sagte:.Tot." Wer Ist es?" fragte eine flüsternde Stimme. Man uniersucht« die Taschen des abgetrogenvn Anzuges. Rur ein kleiner Zettel war darin. Einer las ihn mit halblauter Stimm« vor:.Ich find« keine Arbeit und habe seit drei Tagen nichts gegessen." Weiter nichts. Kein Name, keine Adresse. Einige Damen weinten leise. Die Badediener warfen ein Laken über die Leiche und trugen sie fort. Und«in Herr sagte entrüstet:Man sollte ein Drohtgitter um den Badeplatz ziehen! So etwas dürft« nicht vorkommenl" Rein, so etwas dürfte nicht.... Aber die Musik spielt schon wieder. Einig« Kinder lachen schon wieder. Kognaks werden herumgereicht. Sekt. Die Stimmung hebt sich. Schön ist das Badeleben!

Da,Lesebuch der Republik" schreibt uns ein Leser ist so beschaffen, wie es m Nr. 23 dargestellt wird. Daß es aber so ist. ist nicht allein Schuld der Schulbehörd«, sond-rn in weit höhar-m Maße Schuld der Eltern. Mit dem Schlußsatz der Aussüh- rungcn des Genossen Blumenthal allein ist es nicht getan. Zweck- mäßig dürft- es sein, wenn die Genossen so handelten, wie ich e» getan habe. Als mein Sohn, der in Alt-Glienicke die Schule besucht, mir das vom Lehrer besorgte Lesebuch zeigte, teilt« ich dem Lehrer unter eingehender, nicht mibzuverstehender Begründung mit,