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zuführen als iff Großstädten� aber miZ> hier Muß es geschehen, und zwar ohne Verzug! Das sicherste Mittel ist und bleibt dafür die bezirksweise oder wo angängig die be triebs­weise Kassierung der Beiträge gegen geringe pro- zentuale Entschädigung. Wo die Kassierung nicht so schnell einzurichten ist, schaffe man vorerst schleunigst K a s se nste l» len in Wohnungen oder Geschäftsräumen aber möglichst nicht in Wirtschaften, in denen die Mitglieder zu bestimmten Stunden und zwar ohne überlange Wege, Fahrkosten usw. ihre Beiträge selber entrichten können. Die ein- kassierten Beiträge dürfen an keiner Stelle lange liegen bleiben. Wo man früher monatlich oder wöchentlich abrechnete, muß man jetzt akontoweise schon nach Tagen mindestens das Geld abführen, wenn die Abrechnung selber auch für längere Zeiträume weiter erfolgt. So kommt neben den Ortskassen auch die Kasse der Unterbezirke und der Bezirke und schließlich auch die Zen- tralkasse der Partei beschleunigt zu den Geldmitteln, die sie für die Parteiagitation brauchen, ehe das Geld bereits wieder zum größten Teil entwertet ist. Die hier aufgerollte Frage ist geradezu eine Lebens- frage für die Partei für jede Partei übrigens! Mit Recht fordern unsere Parteigenossen van unseren Organs- sationsleitungen erhöhte Aktivität. Ohne materielle Grundlagen ist aber keine politische Aktwn möglich. Wer diese wünscht, muß auch ihre Vorbedingung wollen. Deshalb wende ich mich mit den vorstehenden Darlegungen vor allem gerade an die politisch Aktiven unter unseren Ge- Nossen . Sie müssen die Frage in den Organisationen so- fort in Angriff nehmen, damit die Partei vor den verheerenden Wirkungen der Geldentwertung geschützt wird und weiter im- stände bleibt, ihre geschichtliche Mission für den Sozialismus zu erfüllen.

volkisther Wahnsinn. Exzeß gegen französische Pazifisten. Aus Eöttingen wird uns berichtet: Zwei Pariser Theologie-Studentev, die dem Christlichen Versöhnungsbunde angehören, wellten, mit dem amt- liehen deutschen Paßvisum versehen, vergangene Woche in Mar- b u r g e r theologischen Kreisen. Die französischen Gäste sind aus- gesprochene Gegner der zurzeit geübten französischen Gewaltpolitik. Sie wollten Fühlungnahm« mit den ihren Gedankengängen nahe- stehenden deutschen Kreisen gewinnen und so eine Lösung der Spannung durch ein« wahrhafte Verständigung zwischen den bei- den Ländern anbahnen. In Marburg konnten sie ungestört für ihre Idee wirken. Anders in G ö t t i n g e n, ihrem nächsten Reiseziel. Dort fan- den sie Aufnahme bei dem Privatdozmten der Theologie Piper, in dessen Wohnung auch Besprechungen mit geladenen Theologen stattfanden. Aber auch unter diesen Jüngern Christi befand sich ein Judas, der Verrat und Verleumdung beging. Denn tags darauf prangten an den verschiedensten Stellen der Musenstadt Hand- geschrieben« Plakat« mit der Ueberschrift:.Franzosen tu Göttingen i"' In diesen Anschlägen, die von Lügen und Der- drehungen strotzten, wurde die Studentenschaft aufgefordert, das Verhalten der deutschen Theologen nicht zu dulden, sondern die , Franzosen aus der Wohnung des Privatdozenten zu holen. Tat- sächlich zog ein Haufe Studenten, Mitglieder des Iungdeut» scheu Ordens, des Hochschulringes deutscher Art und der Göttinger Gesellschaft adliger Studenten, etwa Ivo Mann stark, vor die Wohnung Pipers, aus der sie die Franzosen gewaltsam herausholten. Polizei ließ sich nicht sehen. Di« Rohlinge zwangen die Franzosen , entblößten Hauptes, ihr Gepäck tragend, zu Fuß zum Bahnhof zu gehen. Imnitter.' einer johlenden Menge. Auf dem Bahnhof zwang man die beiden Theo- logen, Fahrkarten 2. Klasse zu lösen. Dafür sollten sie im Gepäck- wagen Platz nehmen. Das verhinderten Eisenbahner. Ein Teil des akademischen Mobs fuhr indes mit bis nach Cassel; erst dort griff Schutzpolizei ein und machte dem Skandal ein Ende. In

Göttin gen sprach d'erwellen eine Abordnung bei dem Prkvakdozeillen der Theologie vor, um ihm die»tiefste Mißachtung" auszusprechen. Zudem erschien tags darauf in dem nationalistischen.Göttinger Tageblatt " ein blutrünstiger Aufruf zur Selbsthilfe der Stu- dentenschast gegen den.Landesverräter" Piper. Das llnglaublichste aber ist, daß sich dieser bübische Exzeß einer hirnverbrannten Studentenschaft gleichzeitig zu einem Justiz- s k an d a l auswächst. Assessor I ü n« m a n n hat als Staatsanwalt auf Grund der Verordnung des Reichsprästdenten vom 3. Mai die Verhaftung des Privatdozenten verfügt wegen.Be- Herbergung von Spionen", obgleich eine einwandfreie Schilderung des Marburger Professors Dr. Rade über den Zweck der Reise der französischen Theologen vorliegt und die internationalen Frie- densfrennde im Besitz aller ordnungsmäßigen Papiere für eine Durchreise durch Deutschland nach Dänemark waren. Di« Geschichte mutet wie ein Stück aus dem Tollhaus an und ist geeignet, im Auslande das unliebsamste Aufsehen zu erregen. Wir nehmen als felbstverftöndlich an, daß gegen die Personen, die sich an dem unsinnigen Kesseltreiben beteiligt haben, auf das schärfste vorgegangen wird. Ein Staats- amvalt, der mit der Verordnung des Reichsprästdenten einen derartigen Unfug treibt wie Assessor Jünemann, ist ebenso falsch an seinem Platz, wie ein Leiter des Ordnungs- dienstes, der den Ausschreitungen einer wildgewordenen Studentenschaft gegenüber versagt.

Winkelzüge.

Unser« Anfragen an den Reichsjustizminister wegen seines Ein- greifens in das Perfahren gegen Ehrhardt find bisher noch unbeant- wortet geblieben. Wohl ober teilen einige Blätter geheimnisvoll mit, das Reichsjustizministerium habe die Absicht, ausführlich zu ont- warten. Wir halten das auch für dringend nötig. Inzwischen fühlt sich dieZeit" verpflichtet, den Vormund Dr. Heinzes zu spielen. Sie setzt wie wir versichern können: ganz irriger weise! voraus, daß unser« Zuschriftvon be- sonder« Seite" von der sächsischen Regierung stamme und polemi- siert nun gegen diese, weil sie in der Bewachung Ehrbardts ihre Pflicht verletzt habe. Der Reichsjustizminister habe ihrdie B e- wachung Ehrhardts anvertraut", ermußte der festen Ueberzeugung fein, daß er sich in diesem Punkt auf die sächsisch« Regierung verlassen könne, denn wenn Ehrhardt in sächsischer Haft nicht sicher war, so gab es überhaupt keine Türen und Schlösser mehr, die vor diesem Häftling dichthielten." Diese harmlos scheinenden Spitzen ssnd hoffentlich in der Redak- tion des volksparteilichen Blattes selbst ausgedacht worden. Denn daß sie ihr vom Reichsjustizministerium suggeriert worden seien, können wir schon deshalb nicht annehmen, weil eine solche Annahme ein« respektwidrig tiefe Einschätzung des Intellekts dieser Behörde darstellen würde. Es ist selbstverständlich, daß Ehrhardt nach Sachsen gebracht wurde, weil Leipzig als Sitz des Staatsgerichtshofs nun einmal in Sachsen liegt. Um der schönen Augen der sächsischen Regierung willen kann doch selbst Dr. Heinz« keinen Untersuchungs- gefangenen nach Leipzig transportieren lassen, wenn er nach Königs- berg gehört. Aber ganz abgesehen davon, steht gar nicht zur Debatte, ob einzelne Gefängnisbeamt« fahrlässig oder böswillig gehandelt haben. Wenn man das beweisen kann, wird man diese kleinen Schächer schon rechtzeitig an dem betreffenden Paragraphen baumeln lassen. Diel wichtiger ist die Frage, ob nicht durch die behauptete und bis- her in keiner Wesse bestrittene sagen wir: Toleranz, die dem U ntersu chung sgesan g en en Ehrbardt von dem Vorsitzen- den des Staatsgerichtshofes zuteil wurde, das Bewußtsein der Pflicht zur strengen Bewachung gerade bei untergeordneten Beamten erschüttert oder eingeschläfert worden ist. Wenn dieZeit" be­hauptet, die sächsische Regierung habe allein über die Maßnahmen zur Bewachung des Untersuchungsgefangenen zu entscheiden und niemand hätte ihr irgendwelche Vorschriften zu machen gehabt, so zeugt das von einem so tiefgründigen Mangel an Kenntnis der straf­prozessualen Vorschriften, daß wir diese ganz« Behauptung nur als einen der Winkelzüge bezeichnen können, die bestimmt sind, die Aufmerksamkeit von der Haupssache abzulenken.

Gehme und§ürft Wilhelm von �ohenzollern. Zweierlei Maß? Korrespondenz BL. meldet: Der seit Monaten erwartete Prozeß gegen den Journalisten Walter Oehme , der beschuldigt ist, Landesverrat dadurch oerübt zu haben, daß er Nachrichten, die dos Interesse des Reiches schädigten, an ausländische oder deutsche Zei- tungen weitergegeben habe, ist nun abermal» sehr er- heblich oerzögert worden. Oehme ist bekanntlich am 13. März dieses Jahres oerhaftet worden. Obwohl seit Monaten neues Be- lastungsmaterial nicht mehr beigebracht werden konnte, wurde erst einenTagvorAblaufder gesetzlichen Frist die Eröffnung des Berfahrens, nämlich am 13. Juni, beantragt. Jetzt hat nun der zuständige Senatspräsident den Beginn des Pro- z e f s e s auf den 1. Oktober festgesetzt. Gegen diese Verzögerung des Verfahrens hat der Verteidiger Oehmes, Reichstagsabgeordneter Paul Lern, energische Beschwerde eingelegt. Oehme selbst hat dem | Reichsanwalt mitgeteilt, daß er in den Hungerstreik eintreten ! werde, falls bis zum 31. Juli der Prozeß nicht eröffnet werden sollte. Die Hinausschiebung des Prozesses ist einigermaßen befremdlich, wenn man damit die Entscheidung des Reichsgerichts in ähnlichen Fällen oergleicht. Reichstagsabgeordneter Dr. Lern hatte nämlich gegen den in Sigmaringen wohnenden Fürsten Wilhelm von Hohenzollern-Sigmaringen Sttaftantrag gestellt, da dieser einer fremden Macht Nachrichten übermittelt habe, die das Interesse des Deutschen Reiches zu schädigen geeignet seien. In einem Brief an seinen Bruder, dem König von Ru- m ä n i« n, schreibt der Fürst nämlich am 23. Mai d. I., daß Mi- nister Severing eifrig am Werk« sei, die Regierung Cuno zu stürzen, daß Bayern bei einem neuen Kanzlerwcchsel nicht mehr mittun werde und daß die süddeutsche Reichswehr , die durch und durch nationalsozialistisch eingestellt sei, bei einem abermaligen Regierung?- Wechsel der neuen Regierung den Gehorsam aussagen werde. In der Strafanzeige betonte Dr. Levi. daß Fürst Wilhelm mit diesen Be- hauptungen weit über das Maß dessen hinausgegangen sei, was man Oehme zur Last lege. Auf diese Strafanzeige hat der Abgeordnete jetzt ein Schreiben der Reichsanwaltschaft erhatten, in dem erklärt wird, daß ein« Strafverfolgung des Fürsten Wik- Helm nicht angängig sei, da die von ihm behaupteten Tassochen schon vorher die Press« beschäftigt hätten, also allge- mein bekannt gewesen wären._ Die Not öer Leitungen. DieVereinigung großstädtischer Zeitungsverleger" erläßt folgende Kundgebung an da» Publikum: .Die Teuerung schrettet unaufhaltsam fort, sie folgt dem Per- fallderMarkin immer schnellerem Tempo. All« Rohstoffe, alle Fertigfabrikate, alle Löhne und Gehälter müssen dem Zwange un- «ntrlnnbarer, wirtschaftlicher Gesetze folgen. In dem Bcwuhssein, den Interessen der Gesamtheit unseres deutschen Volkes zu dienen, ssnd die Zeitungen bisher der allgemeinen Preisentwick- l u n g nur w weitem Abstanid gefolgt und mit ihren Preisen erheb- lich hinter der notwendigen Steigerung zurückgeblieben. Sie hofften auf eine günstiger« Entwicklung der Ding«. Diese Hoffnung hat ge- trogen und die Berlage sehen sich jetzt genötigt, angellckts der rapid steigenden Papierpreise, der unablässig aufwärts gehenden Kosten für Nachrichtendienst und Redaktion, sowie der gewaltigen Mehrauf- Wendungen für Löhn«, Gehälter und Vertrieb, die Bezugspreise ihrer Blätter der Geldentwertung mehr als bis- her anzupassen. Schwer ringen heute alle Zeitungen ohne Ausnahme um ihre Existenz, aber niemals war ihre Erhaltung aus politischen und wirtschaftlichen Gründen notwendiger, als gerade jetzt. Wir zweifeln nicht, daß jeder Leser da»»insieht, und daß er es verstehen wird, wenn jetzt die Berlage vom Bezieher forder», was sie haben müssen, wenn die Zeitungen nicht verkümmern oder ihre Unabhängigkeit gefährden wollen."

Die Presseknebelung in 2 lallen hat AuselnandersetzunA-n in der italienischen Pressevereinigung verursacht, in Folpe deren Bar- zilai den Vorsitz niedergelegt hat.

Nusikalisthe hunöstage. Von Dr. K u r t S i n g e r. Die Ferien der Kunst sind da. Alles stiebt auseinander und grüßt die Sonne. Friede überall? Rein, Waffenstillstand. Lärm und Fehde greifen die Nerven an, die ja gerade Erholung suchen. Die Stummheit der Bureaus ist fast unheimlich. Gar kein De- menti mehr, dos mehr Unwahres berichtet, als berichtigt. Alles wiegt sich in Ruhe und Sicherheit. Von Inten da irtenwelsheit spürest du keinen Hauch. Warte nur. bald« schläfst du auch. Aber vielleicht arbeiten sie hinter den Kulissen der Well krampf- hast. Wir kriegen dann das lsit»ocompli vorgesetzt, wie einen unabwendbaren Pfannekuchen. Wird er durchgs backen sein? In Charlottenburg sollte vor«inigen Monaten ein Klemperer ganze Arbeit tun. Da er von der Oper nicht viel mehr stehen lassen wollte, als den Srundbau, da viel Mörtel, Zement und Stuck abfallen sollten, so sicherte sich die Verwaltung schnell ein« große Menge Blech. Der neue Generalmusikdirektor wird dort langsame, aber nicht weniger energisch« Remedur schaffen. Wir vertrauen ihm ganz. Di« Strohwitwerschaft dieser Eharlotten- burger Oper ist vorbei. Und nur ein Rappelkopf wird künftig sagen dürfen, daß aus Blech kein Gold gewonnen werden kann. Und derselbe Klemperer wollte auch die Staatsoper demo- liereii. Sie sollte nur noch einen Kopf, gar kein« Glieder mehr haben. Oder vielmehr: vor dem einen General sollten alle Re- kruten stramm stehen. Wer sich rührte, wurde erschossen. Otto der Große verzichtete auf die Zugkraft aller anderen um ihn her. Er stabllisterte die Befugnisse des Publikums, er stabilisiert« die Rechte der Beamten und Musiker, er stabilisierte sich, dte Kunst, die Re- gierung, die Mark, den Dollar und den Schilling. Rur Lumpe sind bescheiden. Wer aber wird den hochbegabten, hochragenden Mann aus Köln ersetzen? Das eben ist eine Sache der Bureaus geworden. Wie dem auch sei: der kommende Musitchef wird gegen manche Schlamperei aufmucken, wird ein unabhängiger, universeller Kunst- Walter sein müssen. Herr M ö r i ck e hat sich in Amerika zum Generalmusikdirektor machen lassen. Warum nicht? Mittel schaffen Titel. Und wie heißt es doch in Deutschlands hehrem Kunftwörterbuch?.Das haben die Mädchen so gerne..." Der Groll um Kroll ist begraben. Die Staatsoper zieht ein in das neu« Haus, und die Konsuln mögen sehen, daß die Kunst keinen Schaden leidet. Bei doppelter Belastung darf nicht halbe Arbeit geleistet werden. Das Programm, das die Intendanz für die Mitglieder der Volksbühne bekanntgibt, ist vielseitig und er- probt. Nur ein Werk vermissen wir, dos in einer Stadt wie Berlin unbedingt auf dem Spielplan sein muß: Boris Godounow von Muflorgski. Wer bringt es heraus? Da müßt ihr lange fragen. <Da müßt ihr Lange fragen.),

Das Schicksal der Großen Volksoper? Es liegt auch uns am Herzen, die wir ziemlich einsam waren, als es galt, einen Vertrag als Vertrag gellen zu lassen. Schließlich sind selbst Ufa- Palast oder Großes Schauspielhaus noch besser, als gar kein Dach über dem Kopf. Wir wünschen dem strebsamen Institut ein sicheres Heim. Dos Ministerium hilft. Mit Gastspielereien ist den drei Opernhäusern nicht gedient. Stars zerrütten das Ensemble. Den Dollarwütigen gebe man Urlaub unter der Bedingung, einen bestimmten Prozentsatz der Einnahmen in Dollar» dem Heim- Institut zukommen zu lassen. Mit diesem Fonds kann dann selbst ein armes Staotsinstitut Staat machen, etwa durch Engagement eines Schaljapin (in der Roll« des Boris Godounow). Auch in den Hundstagen liest sich die dem Landtag vorgelegte Schrift des preußischen Ministers für Bolksbil- d u n g gut. Wenn auch nur ein Teil davon in Erfüllung geht, d. h. in Praxis umgesetzt wird, so kommen wir in 2 bis 3 Jahr- zehnten zu einer wahren, inneren Musikkultur des Volke».

Neuer Ansturm auf den Südpol . Es scheint, daß in den nächsten Iahren eine Südpolexpedition allergrößten Stils vom Stapel ge- lassen werden soll. Zurzeit schweben darüber Verhandlungen zwischen den Regierungen von Südafrika , Australien , Argentinien , den Bereinigten Staaten und Großbritannien . Da die Borbesprechungen in London stattfinden, nimmt man an, daß England den Löwenanteil an dem Unternehmen leisten soll. Nach der Menge und der Lage der beteiligten Nationen möchte man schließen, daß ein gleichzeitiger Borstoß in den Südpolkonttnent von verschie- denen Seiten aus erfolgen soll. Der Malaria -Entdecker. In England gedenkt man demnächst die sünsundzwanzigjährige Wiederkehr der Entdeckung des Sir Ronald R o ß zu feiern. Roß war Major in der englischen Kolonialarmee und beschäftigte sich in den Tropen mit Malaria-Studien. Es ge- lang ihm nachzuweisen, daß die Trypanosomen, weiche di» Malaria- Parasiten bilden, einen Wirtswechsel durchmachen, und daß es die Anapheles-Mücken find, welche die Parasiten von Mensch zu Mensch übertragen. Diese Feststellung, die später von Ge- lehrten, z.B. von Koch , bestätigt wurde, erwies sich ats ungemein segensreich und fruchtbar. Gerade jetzt wird aus Amerika gemeldet, daß die Malaria aus vielen Gegenden, wo sie früher grassierte, voll- kommen verschwunden ist, infolge der Maßnahmen, die aus den Forschungen des Sir Ronald Roh beruhen. Eine chinesische Bücherverbrennung von 2000 Zahren. Die chinesische Geschichte sieht eine Kulturtragödi«, die etwa dem Brande der alexandrinischen Bibliothek im Altertum zu verqleichen ist, in der sogenannten.Bücherverbrennung, die im Jahr« 213 v. Chr. im Beginn der Tschin-Dynasti« stattfand. Der Untergang sämtlicher chinesischer Literaturdenkmäler des Altertums wurde da- von hergeleitet. Artur Rost Horn, der soeben als 10. Band der Hartmannschen Weltgeschichte bei Fr. A. Perthes in Stuttgart -Gotha eine vortrefflicheGeschichte Chinas" er- scheinen läßt, führt diese übertriebenen Angaben auf«in richtiges Maß zurück und läßt uns die.Bücherverbrennung", wie so manches

andere Ereignis au» der Geschichte de» himmlischen Reiches in neuem Lichte erscheinen. Die Ts chin- Dynastie bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte Chinas , indem sie«inen neutralisierten Beamtenstaat schuf und rücksichtslos mit der Vergangenheit brach. Aus diesem Grunde erschien es auch dem Reformkaiser Schi-huang-ti notwendig, die alten Schriften und Lehren zu unterdrücken. Er errichtet« das Kollegium der Akademiker, die einzig« Hochschul « des Reiches, wo die vornehme Jugend in das Studium der Geschichte und Philosophie«Ingeführt wurde. Aber dl« alten Ideen wollte er ausrotten Deshalb erklärt« bei einem Bankett, das der Kaiser gab. der Kriegsminister Lt Sst, daß im Altertum das Reich zersplittert gewesen sei und erst jetzt oereinigt. Dies sei ein Verdienst, das die bornierten Literaten nicht zu würdigen müßten. Di« Gelehrten beschäftigten sich mit dem Altertum. um di« bestehenden Einrichtungen zu kirtisieren und die Meng« irrezuführen. Sie müßten aber die Gegenwart zur Richtschnur nehmen und sich mit ihr beschäftigen, anstatt immer nach rückwärt» zu schauen. Deshalb beantragte LI Sst, daß alle Auszeichnungen der Chronisten mit Ausnahme der Annalen von Tschin ver- b rannt werden sollten: Dichtungen, geschichtliche Dokument« und philosophisch« Wert«, die in Verwahrung der Akademie befindlichen ausgenommen, sollten an die Behörden zur Vernichtung abgeliefert werden. Di« Erklär, mg von Urkunden imd Liedern, die Kritik der neuen Ordnung und die Berufung auf das Altertum sollt« mit dem Tode bestraft werden. Wer nicht innerhalb 30 Tagen die in seinem Besitz befindlichen Schriften abliefere, sollt« zur Strafarbeit an der großen Mauer verurteilt werden. die damals von vielen Hunderttausenden von Zuchthäuslern und Armen erbaut wurde. Werke über Landwirtschaft, Heilkunde und Wahrsagung sollten von dem Verbot ausgenommen sein. Der An- trag wurde zum Gesetz erhoben und hatte die berüchtigte.Bücher- Verbrennung" zur Folge. Die Annahm«, daß durch dieses Autodafe der Untergang der alten chinesischen Literatur herbeigeführt worden sei, ist zum min- besten stark übertrieben. Wenn man von den Archiven der Fürsten - Höst, also von den Chroniken und polltischen Urkunden der Staat-m absieht, aab es so gut wie keine geschrieben« Litera- tur. Di« schriftlichen Aufzeichnungen wurden in Holz tafeln und Bambus stöben«ingeritzt, später mit Lackfarbe aufge. tragen. Wenn man bedenkt, welchen Umfang die uns noch erbal- tenen Werte des Altertums in diesem Material gehabt haben müssen so ist es klar, daß der Privatbesitz an geschriebemn Texten ver- schwindend klein war. Die Texte mit der Lehre des Konfu- zius, qegen die sich da- Gesetz vornehmlich rich- t«te. sind uns k« ft v o n st S n d I g erhalten, ebenso die meisten Werk« der Philosophen: dagegen ist von den Werken, di« von der Bernichtung ausdrücklich ausgenommen waren, kein ein- ziges überliefert. Di« Ueberlieferung erfolgt« damals noch oorwie- gend mündlich, und für die Frag«, ob ein Text der Nachwelt erhalten blieb, war es entscheidend, ob eine Schule vorbanden war, die ihn von Generation zu Generation weitervererbt«. Di« Chinesen legten auch stets den größten Wert darauf ob ein Text durch dirette und unterbrochene Ueberlieferung erholten sei, und stellten dmur förmliche Stammbäume auf. Di«.Bücherverbrennung" hat daher nicht die schlimmen Folgen gehabt, die man mit ihr beabsichtigte.