Gewerkschaftsbewegung
Mühlen -, Sprit- und Brauereiarbeiter.
Erfolge und Kampf um werfbeständige Löhne. Der Berband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Deutsch unds, Drisverein Berlin , hat mit dem Arbeitgeberverband der Mühlenindustrie Groß- Berlins zwecks Sicherung der Wertbeständigkeit der Löhne für die Zeit vom 12. bis 25. Juli 1923 für zwei volle Lohnwochen folgendes vereinbart:
1. Die Grundlage der Lohnermittlung bildet ein fest stehen der Basislohn. Als solcher gilt der im Monat Juni 1923 an den A: beitnehmer( Ungelernte) tatsächlich gezahlte Durchschnitts
Ichn von 252 100 m.
2. Der diesem Basislohn inneliegende Wert soll zunächst für zwei Lohnwochen in der Art gesichert werden, daß der an die Un gelernten zu zahlende Wochenlohn für jede Woche um soviel Pros zent gegenüber dem Basislohn erhöht wird, als der wöchentlich rom Statistischen Reichsamt veröffentlichte Reich sinder fü: die Lebenshaltung gegenüber dem Reichsinder der Lebenshaltung im Durchschnitt des Monats Juni 1923 gestiegen ist. Der Juni- Durchfanitisinder( Bafisinder) betrug 7650.
3. Die Löhne der Gelernten und Arbeiterinnen werden aus dem festgesezten Lohn der Ungelernten ermittelt. Es erhalten die gelernten Arbeitnehmer 102 Broz. des Lohnes der Ungelernten und die weiblichen Arbeitnehmer 68 Proz.
4. Nach Maßgabe der vorstehend genannten Bestimmungen merden die für die einzelnen Wochen in Frage kommenden Lohnfäze fofort nach Bekanntwerden bes wöchentlichen Reichsinder für die Lebenshaltung durch den Arbeitgeberverband für die Mühlen industrie Groß- Berling berechnet. Das Ergebnis dieser Berechnung mird den beteiligten Arbeitnehmerverbänden zur Prüfung unter Ereitet und den angeschlossenen Mühlerfirmen zweds Auszahlung der Löhne mitgeteilt,
In der Lohnwoche vom 5. bis 11. Juli betrug der Wochenlohn für Gelernte 575 000 t., für Ungelernte 565 000 m. und für Frauen 405 000 m.
Auf Grund des am 16. Juni veröffentlichten Reichsinder für die Lebenshaltung betrug die Inderzahl 28 892. Nach dieser Steigerung famen für die Woche vom 12. bis 18. Juli 1923 folgende Löhne an die Mühlenarbeiter zur Auszahlung: GeTernte 971 000 m., Ungelernte 952 900 M., Frauen 648 000 9.
Am 23. Juli wurde laut Reichsinder eine weitere Steigerung ter Lebenshaltung in der letzten Woche von 28 892 auf 39 336 gemeldet, das sind 36,1 Proz. Mithin betzugen die Wochenlöhne ber Mühlenarbeiter für die Zeit ab 19. bis 25. Juli für Gelernte 1322 000 m., Ungelernte 1296 000 M. und Frauen 881 000 m. Das find in Stundenlohn umgerechnet 27 540 M., bzw. 27 000 M., bzw. 18 354 M.
Wenn auch mit diesen Löhnen noch schlecht auszukommen ist, so wurde doch in beiden Wochen die tatsächlich festgestellte Teue rung im Lohn ausgeglichen. Die Mühlenarbeiter sind sich darüber klar, daß sie auf dem Bafislohn von 252 100 m. nicht tehen bleiben fönnen. Allein der Anfang ist gemacht und nun fann ufgebaut werden. Vorläufig haben die Funktionäre befchloffen, Dieses Abkommen bis zum 29. August zu verlängern. In dem Kreise der Arbeitgeber machen fich Stimmen bemerkbar, die den Basislohn von 252 100 M. zur Berechnung noch für zu hoch halten. Sollten die Mühlenbefizer den Versuch machen, hier eine Aenderung| nach unten eintreten zu laffen, werden sie den geschlossenen Wieder ftand der Organisation finden. Einen Lohnbetrug, wie er bis jetzt stattgefunden hat, laffen sich die Mühlenarbeiter nicht mehr gefallen, insbesondere, da ja die Mühlenbefizer wertbeständige Preise für ihr pertauftes Mehl nehmen.
industrien( ber bie Monopolverwaltung vertritt) den Antrag gestellt, wertbeständige Löhne einzuführen.
Der Arbeitgeberverband verhielt sich ablehnend, insbeson dere noch, als cuf Grund der vorgenommenen Berechnung der Basis lohn für den Monat Juni ron der Lohnkommissin als zu niedrig befunden wurde und man beantragte, den in Frage kommenden Wochenlohn zu erhöhen. Der angerufene Schlichtungsausschuß er höhte denselben um 10 000 m., und tommt nun als solcher 250 000 Dlart für tie Ungelernten in Betracht. Wir find neugierig, wie fich die Reichsmonopolverwaltung zu diesem Schiedsspruch vom 25. Juli überhaupt stellt. Glaubt sie, daß Schiedssprüche nicht eingehalten merden brauchen, dann soll sie der Organisation feine Vorwürfe bei eventuell eintretenden ernstlichen Differenzen machen. Die Dr ganisation steht hinter ihre Mitglieder. Borläufig wurte bis zur Beilegung der Streitigkeit allen Arbeitnehmern ein Vorschuß zu dem jezt gezahlten Lohn gegeben.
Die Brauereiarbeiter fämpfen ebenfalls um wertbeständige Löhne. Die Brauereien erklären, daß ihnen die Sache noch zu neu fei. Der Durchschnittslohn der Brauereiarbeiter betrug im Juni 260 000 m. Sie verlangen ebenfalls eine Regelung ihrer Löhne auf Grund dieser Summe als Basislohn.
Der ADGB . zu den neuen Fahrpreisen.
schen Reichsbahnen steigert die ohnehin für Arbeiter unerschw.ngDie ab 1. August eintretende Fahrpreiserhöhung auf den deutlichen Fahrpreise in der 3. und 4. Wagenklasse um weitere 250 Prozent. Für Arbeiter, die gezwungen find, weit vom Wohnort in Arbeit zu treten, bedeutet diese Erhöhung eine unerhörte BeI aftung des fom.efo überaus färglichen Verdienstes. Für Arbei ter und Wochenfahrkarten wird seither Fahrpreiser mägi. gung nur bis 150 km Entfernung vom Wohnort gemährt. Liegt der Arbeitsort über diese Entfernung hinaus, dann ist der volle Fahrpeis zu zahlen. Dieser Zustand führt dazu, daß viele Arbeiter es vorziehen, nur monatlich oder n noch viel längeren Zeitabschnitten ihre Familie zu besuchen. Viele Familienväter werden durch die erhöhten Fahrpreise ab 1. August gezwungen, die Beziehungen zur Fam lie noch mehr als bisher zu lösen. Der chronische Wohnungsmangel verbietet ihnen, am Arbeitsort überhaupt eine Wohnung zu finden, und wenn wirklich ein Glüdlicher nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten eine solche gefunden hat, dann scheitert der Wohnungswechsel an den riesigen limzugsfosten.
Es war daher zu erwarten, daß das Reichsverkehrsministerium mit der neuen bisher noch nie dagewesenen Tariferhöhung eine weitere Bergünstigung für Arbeiterfahrkarten eintreten lassen würde, nichts ist bis heute darüber bekannt geDer Borstand des DGB. hat deshalb die Reichs. Bom 28. Juni bis 4. Juli 1923 Tariflohn 475 000 m.( Inder- ministerien auf die unsoziale Birtung der neuen Fahrprei'e giffer 16 180). Demnach müßte der tatsächliche Lohn 551 926 m. hingewiesen und eine durchgreifende Bergünstigung für betragen. Vom 5. Juli bis 11. Juli 1923 Tariflohn 500 000 m. Arbeiterfahrkarten verlangt, die auf alle Entfernungen ( Inbegziffer 21 511.) Der Lohn müßte alfo 733 292 m. betragen. innerhalb des Reichsbahngebietes auszudehnen ist. Es wird erBom 12. Juli bis 18. Juli 1923 Tariflohn 825 000 M.( Inderziffer wartet, daß die Regierungsstellen fich den vorgetragenen Gründen 28 892). Der Lohn müßte 985 170. fein. Tom 19. Juli bis zugänglich erweisen und das Reichsverkehrsministerium noch vor 25. Juli 1923 Angebot der Brauereien 1125 000 m.( Inderziffer bem 1. Auguft dahinzielende Bekanntmachungen erläßt. 39 336.) Nach dem Reichsinder müßte der Lohn betragen 1340 816 Mart. Daß die Arbeitnehmerorganisationen einen derartigen Lohnbetrug nicht mehr mitmachen dürfen, ist selbstverständlich. Auf beiderseitige Zustimmung wurde beschlossen, den Schlich tungsausschuß entscheiden zu lassen. Vorläufig wurde auch hier vereinbart, einen Borschuß von 300 000 m. zu dem jegt gezahlten Lohn zur Auszahlung zu bringen.
Bei einem Vergleich zwischen den tatsächlich gezahlten Löhnen eines ungelernten Brauereiarbeiters von Ende Juni bis Mitte Juli und dem sich ergebenden Inderlohn unter Anwendung der vom Reichsstatistischen Amt ermittelten Inbegziffer in derselben Zeit worden. tommt man zu folgendem Ergebnis:
Hungerlöhne und Luxuspreise.
Am Donnerstag nahmen die im Deutschen Hutarbeiterver band und dem Zentralverband der Angestellten organisierten Be fchäftigten Stellung zu dem Angebot der Arbeitgeber, welches 175 Proz. auf die Junilöhne betrug. Das Angebot wurde einstim mig mit Entrüstung abgelehnt und die Organisationsleitungen be auftragt, unverzüglich neue Berhandlungen zu verlangen. In de: Diskussion fam zum Ausdrud, daß der Preis eines einzigen Filzhutes einen ganzen Monatslohn für eine Puhmacherin bebeute, die infolge der wahnsinnigen Leuerung gar nicht mehr in der Lage sei, ihr Leben zu friften. Die Stimmung sei eine verzweifelte. Leider stehe ein großer Teil Berufsgenoffinnen den Organisationen fern, hierzu gehören in allererster Linie die Kolleginnen in den meisten Warenhäusern.
Die Gewerkschaften und Mussolini .
Aus Rom meldet„ Europa- Breß": Im Bordergrund des pos litischen Intersses stehen gegenwärtig die Unterredungen Mussolinis mit den Führern des Gewerkschafts. bundes. Der Gewerkschaftsvertreter d'Aragona trat in einer Rede für die Organisationsfreiheit aller Gewerkschaften, für freie Betätigung derfelben somie für eine bessere Beachtung der Arbeitsverträge ein. Der Ministerpräsident verschloß fich angeblich diefen Notwendigkeiten nicht. Einige Gewerkschaftsführer erklärten nach dieser Unterredung, daß sie nichts gegen eine direkte Mitarbeit einzuwenden hätten, sobald alle in Betracht kom. menden Fragen geregelt feien.
Mussolini hat bekanntlich lehthin in einer Barlamentsrede den Gewerkschaften einen Sitz in seinem Rabinett angeboten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln.
Der Breslauer Metallarbeiterstreit geht weiter. Die Streifenden lehnten bei der Abstimmung in den einzelnen bestreiften Betrieben das Ergebnis der Ausgleichsverhandlungen mit 80 Proz. der abgegebenen Stimmen ab. In
Cohnauszahlung in Goldrechenwährung in Rußland . Hier wenden sich die Versammelten an die Berliner Arbeiter. Petersburg ist erstmalig mit der Lohnauszahlung an Arbeiter und schaft, um sie in ihrem gerechten Kampfe um die Erringung einer Angestellte in Tschermoneznoten( 1 Ticherwonez gleich 1 Goldrubel) Den Anfang haben bei Auszahlung der JuliEristenzmöglichkeit zu unterstützen. Sind es doch hauptsächlich begonnen worden. Arbeitertinder, welche in diesem Berufe beschäftigt find. gehälter die bekannte Gummifabrit„ Treugolnit", das Petersburger Dazum, ihr Arbeitsbrüber und schwestern, sorgt dafür, daß diese Induſtriebureau und die Petersburger Hafenverwaltung gemacht. ihren Organisationen zugeführt werden, um so geschlossen und geeint Während der Auszahlung ist ein Raffenbote der Staatsbant zugegen, unseren gerechten Forderungen zum Durchbruch zu verhelfen. Am der jedem Gehaltsempfänger die Tscherwonezbanknoten auf Wunsch Dienstag findet im Gewerfschaftshaus, Engelufer 24/25, eine Ber in Sowjetnoten nach dem Tageskurse der Börse umwechselt. fammlung für alle in der Buzbranche beschäftigten kaufmännischen Berantwortlich für Tolitik: Bictor Schiff, Berlin : Wirtschaft: Artur Saternus, und gewerblichen Angestellten statt. Eorgt für Massenbesuch! Friedrichshagen : Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin ; Feuilleton: Nähere Auskunft erteilen der Deutsche Hutarbeiterverband, Engel, Dr John Schilowski, Charlottenburg : Lokales und Sonstiges: Willy Möbus, Berlin- Pankow ; Anzeigen: Th. Glade, Berlin . ufer 24/25, Telephon Morigplak 11 500, und der Zentralverband Berlag: Bormärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin . Drud: Borwärts- Buchdru' erct Getränte- Der Angestellten, Kommandantenstr. 63/64, Telephon Dönhoff 2500. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68 Lindenstraße 3.
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