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Aufrollung der Rechtsfrage durch England.]

Condon, 11. Auguft.( WIB.) Westminster Gazette" meldet, der überraschendste 3ng der britischen Note an Frankreich sei die Verurteilung der Politit der Besehung der Ruhr aus juristischen Gründen. Nach brifischer Auffassung sei somit alles, was im Ruhrgebiet geschehen Geldstrafen Einterte. rungen und Ausweisungen rechtswidrig.

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London , 11. Auguft.( WTB.)" Reuter" erfährt, daß für die nächsten 14 Tage teine Kabinettsfigung erwartet wird, es sei denn, daß sich etwas unvorhergesehenes ereignet. In britischen Kreisen werde über den Inhalt der Noten an Frankreich und Belgien Stillschweigen bewahrt. Es sei in dessen kaum zweifelhaft, daß die britische Regierung an einer Stelle der Noten erklären werde, daß sie bei der von Bonar Law im Januar verkündeten Bolitit verharren werde. Großbritannien werde betonen, daß es entweder an Reparationen oder sonst von feinen europäischen Schuldnern eine Summe erhalten müsse, die ausreiche, um seine Schulden an die Bereinigten Staaten zu bezahlen.

Die Verfassungsfeiern.

Unmittelbar darunter die

Die schwarzrotgoldenen Fahnen wehten heute aus Anlaß des den Klängen eines Marsches, der das Deutschlandlied enthält, die Berfaffungstages über einer Stadt, die aus der furchtbaren Be Front der in Barabe aufgestellten Reichswehrtompagnie drängnis der Zeit heraus menig Feierstimmung aufbringen fonnte. abzuschreiten. Eine Salve von Hochrufen springt unter den Zu­Trotzdem boten die Straßen der Innenstadt vielfach ein geradezu schauern auf. Der Saal des Reichstages ist einfach, aber eindrucks­festlich anmutendes Bild. Bon vielen öffentlichen Gebäuden wehten voll geschmückt. Grün und Schwarzrotgold sind die herr­die Farben der Republik . Dicht gedrängt flatterten die Fahnen im schenden Farben. An der Stirnwand der große Reichsadler, links Ministeriumsviertel in der Wilhelmstraße, in der Leipziger Straße und rechts von ihm die gewaltige Schrift, der Einleitungsfaß der im Reichspoft- und Kriegsministerium. Die Stadt Berlin hatte auf Reichsverfassung: Das deutsche Volt, einig in seinen Stämmen allen ihr zugehörigen Gebäuden die weiße Bärenflagge mit den und von dem Willen beseelt, das Reich in Freiheit und Gerechtig­beiden roten Streifen herausgesteckt. In der Boßstraße sah man feit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren das Weißgrün Eachsens und das Schwarzrot Württembergs. Auf- Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, fällig hingegegn war, daß das Reichsjuftizministerium es vergessen appenschilder derjenigen deutschen Gebiete, die zwar vom Reiche hat sich diese Verfassung gegeben." hatte, feine aFhne herauszustecken. nicht durch den Willen der Sieger losgerissen, aber durch brutale Bom Brandenburger Tor wehte die schwarzrotgoldene Reichs. Gewalt und unter Bruch des Friedensvertrages befeßt find. fahne und die schwarzweiße preußische Fahne. Einen ganz besonders Sobald der Reichspräsident mit dem Reichsminister festlichen Anblick bot der Reichstag , deffen goldene, blizende Kuppel des Innern die ehemalige Hofloge betritt, erhebt sich das Wir haben bereits in unserer Morgenausgabe auf die von vier schwarzrotgoldenen Fahnen auf hohen Sinnen umfäumt Bublikum, das den Saal und die Tribünen bis auf den letzten Plaz große Bedeutung der Tatsache hingewiesen, daß sich England waren. Vor dem Hauptportal des Reichstages waren an zwei füllt. Auf den Regierungsbänken sieht man neben der Reichs- und endlich entschließt, die Rechtsfrage aufzuwerfen. Bisher Flaggenmasten riesige schwarzrotgoldene Flaggen hochgezogen ber Republit, darunter Dr. Breu B, den Hauptmitarbeiter am Ber­preußischen Regierung so manches Mitglied früherer Regierungen hatte die englische Deffentlichkeit viel zu wenig Aufmerksamkeit worden. Einen trostlofen und beschämenden Anblick gewährten hin- faffungswert. Auch der Oberbefehlshaber der Reichswehr , General Dieser Seite der Ruhrbesehung geschenkt. Wenn die britische dustriefirmen hatten es für nötig gehalten, zu Ehren der Verfassung, Seedt ist da.- Die Feier beginnt mit der Dregertschen Hymne Regierung nunmehr, nachdem alle anderen Druckmittel ver der Behördenhäuser die Privathäuser der großen Firmen. Weder Hör' uns Herr Gott", vom Berliner Lehrergesangverein imter sagt haben, die Rechtsfrage konsequent durchlämpft, indem sie Warenhäuser noch Bantpaläste, noch die Häuser der großen In- Rüdels Leitung meisterhaft gesungen. Nuh spricht der Heidelberger 3. B. den Völkerbund und den internationalen Schieds- duftrieftirmen hatten es für nötig gehalten, zu Ehren der Berfaffung, Rechtslehrer Professor Anschü 3, der gleich zu Beginn betont, daß gerichtshof anruft, so fönnte sich sehr wohl eine ganz neue bei der nach dem Urteil bürgerlicher Gelehrter und Politiker der der heutige Tag feineswegs eine Freudenfeier fein internationale Situation daraus entwideln. Es ist allerdings Geist Rants und Fichtes Bate gestanden hat, die deutsche Reichs- und önne, womit er den anwesenden zahlreichen Vertretern des Wirt­noch nicht möglich, zu übersehen, inwieweit das neue britische Einheitsfiagge herauszustecken. Man wird sich das doch für später. fchaftslebens, der organisierten Arbeiterschaft, des geistigen Lebens Dokument die Einleitung zu einer derartigen großen völfer hin merken müssen. Unter den Linden sah man auf dem Hotel der Nation aus dem Herzen spricht. Dann würdigt der Redner die rechtlichen Attion darstellt. Indessen ist die Bermutung palast Adlon die Reichsfahne und am Schiffbauer Damm grüßten Bedeutung des Weimarer Werks. nicht von der Hand zu weisen, daß diese Aufrollung der Rechts auch vom Gebäude der AEG. die schönen Farben herüber. Ber frage im Zusammenhang steht mit der bevorstehenden fällig hingegen war, daß das Reichsjuftigminifterium es vergessen Jahrestagung der Bölterbundversammlung Geschäfte und Privathäuser geflaggt sehen. in Genf . Unwillkürlich drägt sich dabei die Frage auf: Was beab­sichtigt die Reichsregierung im Hinblid auf diese Ta­

Auf den Plähen.

Mit dem Vortrag von Sträßers Nacht­

zusammen, daß für die Republit ebenso wichtig wie für die Ber­Prof. Anschüß faßte seine gedankenvollen Ausführungen dahin zusammen, daß für die Republit ebenso wichtig wie für die Ver­fassung das Borhandensein verantwortungsvoller und überzeugter republikanischer Persönlich. teiten ist. Die politische Erziehung des Boltes ist unsere Haupts aufgabe, an ihr müssen wir alle mitarbeiten. Opferfreudigkeit, Ge­gung des Völkerbundes zu tun? Beabsichtigt sie, einen Andenburger Tor, auf dem Pariser Blag und in der follen.( Lebhafter Beifall.) Darauf legte der von der Besazung Gegen 9 Uhr morgens bereits taldeten sich vor dem Bran.meinsinn und Baterlandsliebe müssen unsere Ideale sein, und auf ihrem Grunde werden die Männer wachsen, die uns voranschreiten trag um Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu stellen, wilhelmstraße vor der Wohnung des Reichspräsidenten dichte aus Duisburg vertriebene Oberbürgermeister Jarres das Treu­wie es in der politischen Debatte des Reichstags nicht nur Menschenansammlungen. Als nach dem Programm zu Ehren des gelöbnis des alt- und neubesetzten Gebietes ab. Ohne Beispiel wie vom sozialdemokratischen Redner empfohlen wurde? Oder ersten Beamten der Republit eine Reichswehrwache durch den Tier- das Elend, das der Einbruch gebracht hat, ist auch die Abwehr des gedenkt sie, wieder ein volles Jahr verstreichen zu laffen? An garten mit flingenbem Spiel herannahte, folgten ihr Scharen von Bolles, die heute genau fieben Monate dauert. Manches Bolt hätte den längeren, aber inhaltlosen Ausführungen des Außen- vielen Tausenden. In furzem war der Pariser Blah, die Linden diesen Widerstand mit mehr Temperament geführt, aber feines mit ministers von Rosenberg am Schluß der Donnerstag bis zur Wilhelmstraße und diese selbst von einer Masse erfüllt, die mehr Zucht und Entschlossenheit. Deutschland steht am Rande des fizung des Reichstags war hierüber nichts Positives zu ent- Kopf an Kopf gedrängt stand und das Aufziehen der Wache inter - Abgrundes, aber hinter ihm stürzt auch die Wohlfahrt und Stultur nehmen. Es will uns scheinen, daß die Reichsregierung die effiert und gefeffelt beobachtete. Nachdem das militärische Schau Europas nach, wenn die Welt gefühllos bleibt und dem Boincaré passive Resistenz der Ruhrbevölkerung überlassen unter den Linden und verteilten sich allmählich nach dem Reichstag der Redner damit geschlossen hatte, daß nichts die besetzten Gebiete spiel beendet war, wogten die Maffen weiter durch die Straße schen Freibeuterzug mit seiner Schandjustiz ruhig zusteht. Nachdem müßte und in der auswärtigen Politit etwas mehr Atti­zu. Ganz besonderes Interesse galt der franzöfiffchen Botschaft, an ihrer Treue zu Deutschland abwendig machen fönne, stimmte der vität und Initiative entwickeln sollte. der allerdings äußerlich nichts auffällig bemerkbar war. Der Plaz Symptome erwähnt werden, die dafür sprechen, daß Die grüne Beamtenschaft war, um allen mißlichen Zwischenfällen mitgefungen wurde. In diesem Zusammenhange müssen noch zwei vor ber Botschaft wurde von der Bolizei vollkommen freigehalten. Chor das Deutschlandlied an, das von der Versammlung stehend Poincaré doch nicht ungestört seine auf die Bertrümmerung vorzubeugen, in der Bache am Brandenburger Tor und um diefelbe gebanten wurde die Feier beendet. Deutschlands gerichtete Politit werde fortführen können. Es zahlreich zusammengezogen worden. Weitergehen, weitergehen er­handelt sich einmal um eine Note der offiziösen tönte ununterbrochen die ruhige Mahnung, der von den Anwesen. Reuter Agentur, die behauptet, daß bezüglich den ohne Widerspruch und Widerstand Folge geleistet wurde. In­der englischen Antwortnote an Frankreich wischen wurde die Ansammlung vor dem Hauptportal des Reichstages immer größer. Hier hatte sich besonders die und Belgien das britische Kabinett poll männliche Schuljugend auch der höheren Schulen zahlreich einge tommen einig sei, und daß alle Meldungen über Spal funden. Man merkte es an den Gesprächen der Knaben und jungen tungen innerhalb des Kabinetts tendenziös seien. Da die Leute, daß sie vielfach alles andere waren als junge Republikaner. Gegensäge in der britischen Regierung bereits unter Lloyd Aber ihre Abzeichen, die sie sonst immer sehr aufreizend zur Schau George und Bonar Law und erst recht unter Baldwin offen- tragen, hatten sie ausnahmslos diesmal wohlweislich zu Hause fundig waren, fann der Sinn dieser Reuter- Note fein anderer gelaffen. Pünktlich um 11 h 45 minuten, wie vorgesehen, fein, daß es Baldwin in den letzten Tagen gelungen ist, rüdte die Ehrentompagnie der Reichswehr mit flingendem die Einigkeit innerhalb des Kabinetts gerade im Hin- Spiel an. blick auf diese Antwort an Frankreich und Belgien Auf dem Königsplate fand während der Feier im Innern wiederherzustellen. Das würde natürlich die Wirkung des Reichstages eine öffentliche Feier statt, bei ber das dieser Antwort in Paris wesentlich verstärken. Und es müßte ufitforps der Kommandantur Berlin fonzertierte. Das Deutsch­fogar als ein sehr beträchtlicher Erfolg Baldwins und Curzons angesehen werden, wenn es ihnen tatsächlich gelungen sein follte, fogar die franzosenfreundlichen Kabinettsmitglieder zur Aufrollung der Rechtsfrage in einem für Frank­ reich so peinlichen Sinne zu befehren.

Der Reichspräsident murde bei seiner Abfahrt herzlich begrüßt.

Die Feier der Polizei.

Für die Berliner Polizeibeamten fand die Berfaffungsfeier schon am frühen Vormittag statt. Auf dem Hof der Kaserne leganderftr. 56, in der die Polizeiinspektion Alexander untergebracht it, verfammelten sich gegen 9 Uhr zahlreiche Vertreter aller 3weige der Polizei. Von der mit Laubgewinden geschmückten schlichten Rednertribüne grüßten wehende Fahnen in den Farben der deutschen Republik und Preußens.

Die aus Bolizeibeamten zusammengesezte Musikkapelle leitete mit dem Marsch aus Wagners Meistersingern" die Feier ein. Dann nahm Polizeipräsident Richter das Wort zu der Festrede. Er wies hin auf den Ernst der Zeit, die uns nicht zu frohen Festen ftimmen kann, auf die Bedrängung des Baterlandes durch einen un­erbittlichen Feind und die harte Bedrückung des Bolles durch st ei­gen de Wirtschaftsnöte. Mit Worten des Dantes und der Anerkennung gedachte er der pflichttreuen Bolizeibeamten, die am Rhein und an der Ruhr mit so vielen anderen Deutschen in die Hände der Franzosen gefallen find. In dieser schweren Zeit steht, fuhr er fort, die Polizei an ganz besonders beachteter Stelle, und ganz besonders schwer find jetzt die Pflichten des Dienstes in der Amtsstube, im Straßenverkehr und in der Abwehr des Verbrechens. man begreift die Nervosität der Bevölkerung, darum darf die Bo­lizei sich durch sie nicht aus der Fassung bringen lassen. Denen aber, die unter Anwendung von Gewalt an den Grundlagen des Deutschen Reiches rütteln, sollen und werden die Polizeibeamten, eingedent ihres Diensteides, in festem 3usammenhalten mit Ent Tausende hatten sich heute gegen mittag am Reichstagsgebäude fchloffenheit und eiferner Lattraft entgegentreten. eingefunden, um Zeugen des äußeren Verlaufs der Verfassungsfeier Die alte llebereinstimmung und Einigkeit zwischen Polizeipräsidium zu sein. Außer den Fahnen der Republit, die während der Tagung und der gesamten Polizeibeamtenschaft wird wie ein fester Wall Rampe am Königsplatz zwei hohe Flaggenmasten errichtet, die die in Einigkeit für unseren Dienst am Bolt und in von den Edtürmen des Reichstagsgebäudes wehen, waren vor der weiterbestehen. Halten wir zusammen, schloß der Polizeipräsident, schwarzrotgoldene Fahne trugen. Die staatlichen Gebäude in der Treue zur Reichsverfassung, zur deutschen Repu inneren Stabt, die Gesandtschaften der deutschen Bundesstaaten, blit, zu unserem deutschen Baterland. auch das Brandenburger Tor waren zur Feier des Tages geflaggt. Puntt 12 Uhr fuhr Reichspräsident Ebert vor, um unter

land- Lieb und Beckers Rheinlied wurden gemeinsam gesungen. Der demokratische Reichstagsabgeordnete Kore11- Nieberingelheim hielt eine Ansprache. Ueberall wurde auch zu dem deutschen Bolfsopfer für Rhein und Ruhr gesammelt. Das Wetter hatte ein Einsehen gehabt und die Bormittagsfeier nicht gestört, so daß sich alles pro. grammäßig abwideln fonnte. 3u irgendwelchen Zwischenfällen fam Das andere Symptom, das nicht aus den Argen verloren es nicht. Auffällig war das Fehlen des weiblichen Elementes in den werden darf, ist der fortschreitende Sturz des bel. Straßen und an den Blägen. Die Hausfrauen der Republikaner , gischen Frants, der in Brüssel immer beunruhigender die in anderen Zeiten dem Rufe zu solchen Feiern immer gern und wirft und die Regierung Theunis zu einschneidenden Maß- zahlreich gefolgt waren, hatten diesmal andere Sorgen. nahmen gegen die Derisenspekulation veranlaßt hat. Die bel­gische Valutafrage ist die Achillesferse der französisch­belgischen Einheitsfront in der Ruhrattion. Je mehr der bel­gische Frank nicht mir gegenüber der angelsächsischen Wäh­rungen, sondern auch gegenüber dem französischen Frank finft, desto schwieriger wird es für Poincaré , feinen verderblichen Willen in Brüffel durchzusetzen.

Paris , 10. Auguft.( TB.) Der Intranfigeant beschäftigt fich mit dem Feldzug, der augenblicklich gegen den franzo fischen und den belgischen Franten geführt werde, und macht besonders auf die Tatsache aufmerksam, daß sonst die italienische Lire sich stets der Bewegung des belgischen und des französischen Franten angeschlossen habe, während er diesmal stabil bleibe. Man fehe. daß dies sich nur gegen die beiden Mäcyte richte, die an der Ruhrbesehung beteiligt seien. Der französische Franten habe einen viel größeren Wert als den, zu welchem man ihn handle. Der Tag der Revanche für Frant­reich werde kommen. Wenn Frankreich schwierige Zeiten durch machen werde, dann wiffe es, wo diejenigen zu finden feien, die für diese Schwierigteiten verantwortlich feien.

Teuerungsdemonstration in Ratibor .

Die Feier im Reichstag.

Stadt in Not.

Die Stadtverordneten sollen sofort zusammentreten. Der Magistrat Berlin hat der Berliner Stadtverordnetenver­fammlung eine Vorlage übersandt, in der es u. a. heißt:

Die Kapelle spielte eine Strophe des Deutschlandliedes. einem Borbeimarsch der Schutzpolizei endete die schlichte Feier.

Mit

Scheine mag allenfalls berechtigt sein. Wer aber auch Tausender und Fünftausender nicht annehmen will, soll sich nicht wundern, wenn die Kundschaft fortbleibt. Der Wochenlohn muß mitunter im Rudfad transportiert werden. Ehe dann das Geld in größere Scheine umgewechselt ist, find die Lebensmittelpreise schon wieder gestiegen. Nur nicht zu großspurig, möchte man ben Herrschaften zurufen. Es tommen auch wieder andere Zetten.

Achtung, Bezirksvorstand!

Die Lage erheischt mit zwingender Notwendigkeit, daß die dringendsten Entschläffe sofort gefaßt werden und die wichtigsten Vorlagen, insbesondere diejenigen, die der Stadt neue Einnahmen schaffen follen, unverzüglich erledigt Die Hoch- und Untergrundbahn hat heute früh ihren Betrieb werden, um das äußerfte abzuwenden. In Anbetracht der Um- wieder voll aufgenommen. stände hat daher der Magistrat beschlossen: Der Magistrat beschließt, Das Notgeld der Großbetriebe. Die Firma A. Jandorf angesichts der Zersplitterung der Wirtschaftslage und der Notwen- u. Co. sowie das Kaufhaus des eftens haben sich eben­Rafibor, 11. Auguft. Gestern tam es hier zu großen Teue. digkeit schneller finanzieller Maßnahmen die Stadtverordnetenver- falls bereiterflärt, die von den Großbetrieben herausgegebenen rungsdemonstrationen. Bormittags sprach eine Arbeiter depu. fammlung zu ersuchen, ihre Ferien abzubrechen, und Gutscheine in allen Geschäften in Zahlung zu nehmen. tation im Rathause vor mit der Forderung zu: Behebung bittet, diesem Ersuchen nachzukommen und die regelmäßigen Sigun­der Teuerung. Um 11 Uhr verließen die Arbeiter die Begen unverzüglich wieder aufzunehmen." triebe und versammelten sich am Bahnhofsplaye, wo sie gegen den Hoffentlich hat der Appell des Magistrats Erfolg. Bisher Anmarsch der Verstärkung der Schuhpolizei protestierten. Nach der haben die Kommunisten den Abbruch der Ferien verhindert. vergeblichen Aufforderung auseinanderzugehen, ging die Schupo gegen die Menge vor. Daraufhin fielen Schüsse und die Schutz­polizei machte von der Waffe Gebrauch, zumal da ein mit Hand. Die Es ist glücklicherweise gelungen, größere men gen granaten beladener Wagen der Schupo geplündert wurde. Menge wandte fich nunmehr gegen die Schupo und gab ebenfalls Speisefette für die Stadt Berlin zu beschaffen. Heute und Schüffe ab, auch Handgranaten wurden geworfen. Eine Anzahl morgen werden je 500 000 fund für die Bevölkerung in den Geschäfte, darunter zwei Waffenläden, wurden von der Menge Berlehr gebracht, so daß wenigstens der bringendste Bedarf gebedt ausgeraubt. Während all dieser Tumulte fanden Besprechungen werden dürfte. Es ist bringend zu wünschen, daß diefe Notstands zwischen dem Magiftrat, der Großindustrie, der Bauernschaft und altion audy auf Kartoffeln ausgedehnt und schleunigst fortgeführt der Arbeiterschaft im Rathause statt, in denen dringende Be- wird. schaffung von Lebensmitteln gefordert wurde und die Behörden ihr möglichstes zur Behebung der Lebensmittelnot zu­faglen. Soweit es sich bisher übersehen läßt forderten die geftrigen Bon zahlreichen Seiten kommen Beschwerden, daß Geschäfts­Demonstrationen vier Tote, nämlich einen Schutzpolizeibeamten, leute sich weigern, größere Mengen von Geldscheinen der fleineren einen Arbeiter und zwei Mädchen. 30 Verletzte sind zu verzeichnen, Wertforten bis zu Fünftaufendmarkscheinen anzunehmen. Sie be­barunter befinden sich einige Schwerverlette, die dem Krankenhaus gründen das mit dem Mangel an Zeit, die Scheine Inachzuzählen. Die Abweisung ganzer Batete der Kleinsten zugeführt wurden.

Fette für Berlin

Verweigerte Fünftausender.

Morgen, Sonntag, den 12. August, vormittags 10 Uhr, wichtige Sihung des erweiterten Bezirksvorstandes im Reichs­ tagsgebäude . Eingang: Portal II. Tagesordnung: Die scheinen. genblickliche politische Lage. Alle Mitglieder müffen er­

Jugendveranstaltungen.

Jugendgenoffen, beteiligt euch heute an der Berfassungsfeier abends 6 Uhr in der ,, Reuen Belt", Safenheide. Mariendorf . Morgen, Gonntag. ben 12., Wanderung nach Mohan. Treffpunkt 5 Uhr Bahnhof Mariendorf . Moabit . Spielfahrt nach Bichelsberge. Treffpunkt% 6 Uhr Bahnhof Bellevue. Steglig. Wanderung Güb- Dit offen- Mogener Gee. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Südende. ( Reichenberger Biertel). Wanderung nach dem Möllenfee. Treffpunkt 7 Whe Often( Stralauer Biertel). Treffpunkt zur Verfassungs. feier heute 145 Uhr nachmittags am Rudolfplak. Treffpunkt zur Wanderurg Sonntag früh 6 Uhr Bahnhof Stralau Rummelsburg.

Schlesischer Bahnhof.

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