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Sie kann Frankreich in der. Besitz von Zahlungen setzen, wodurch die von französischer Seite aufgestellten Forderungen für die Räumung des Ruhrgebietes erfüllt wären. Sie bedingt zu ihrer Verwirklichung die Wiederverfügung Deutsch - kmds über das Ruhrgebiet und die Wiederherstellung seiner Sou- veränität über das Rheinland . Sie ist geeignet, die Frage des passiven Widerstandes zu erledigen, wenn man uns die Sicherheit dafür gibt, daß auf Grund einer solchen Vereinbarung das Ruchr-zebiet geräumt wird, und im Rheinland die alten Rechte wiederhergestellt werden. Gibt nian uns die Sicherheit, daß jeder, der Rhein und Ruhr seine Heimat nennt, frei der Heimat wieder- gegeben wird, so besteht kein Grund mehr dagegen, dieses große, einst blühende Wirl'chaftsgebiet seiner alten Arbeitsfreudigkeit wieder zu- rückzugeben. Ich hoffe aus die Möglichkeit einer solchen Regelung. Frankreich hat durch seinen Ministerpräsidenten wiederholt er- klärt, daß es keine Annexionen beabsichtige, daß es nicht an der Ruhr zu bleiben gedenke. England befindet sich mit dieser Auffassung sicherlich in stcbereinstimmung. Belgien würde die Wiederher­stellung normaler wirtschaftlicher Verhältnisse sicherlich begrüßen, und wir sind überzeugt davon, daß auch die Auffassung Italiens sich in derselben Richtung bewegen wird. Für uns ist die Frage, ob die deulfche Wirtschaft die ihr zugemutete Belastung wird tragen können. Wir wissen, in welcher schweren Zeit wir uns befinden, aber ich darf mit Genugtuung darauf hinwesten, daß dem gegenwärtigen Kabinett von führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft ßzistungen angeboten worden sind in der Höhe, die uns die Ausführung der heute von mir vorgeschlagenen Zahlungen ermöglichen wird. Wenn es um die Ent­scheidung geht zwischen Freiheit des Landes oder Besitz des einzelnen, so müssen wir hoffen, daß die deutsche Wirtschaft sich nicht niedriger einschätzt als jene ostpreußische Landschaft, die einst durch Hingabe ihres Besitzes als Pfand für den Staat Preußen die Abtragfing einer großen Kriegsentschädigung ermöglichte, und die 100 Jahre gebraucht hat, um diese Verbindlichkeiten zu amortisieren, dafür aber auch ein leuchtendes Beispiel vaterländischer Pflichterfüllung- gegeben hat. In der von mir vorhin erwähnten Rede des Kronprinzen Rupprecht in München findet sich der gute Satz:Es bandelt sich jetzt nicht um dynastische Fragen, es handellt sich um die Existenz von Reich und Land." Es handelt sich darüber hinaus auch nicht um Fragen der Parteipolitik, um Einzelinteressen von Berufsstanden, sondern um das Leben und Sterben des deutschen Volkes. Irgendein« V e r st ä n- d i g u n g ist allerdings davon abhängig, ob man glaubt, daß eine Stimmung zwischen Frankreich und Deutschland geschaffen werden kann, ans der sich eine solche Verständigung auf- bauen läßt. Ob sto möglich ist, ist eine Frage, die ich nur vom deutschen Standpunkt aus beantworten kann, jedenfalls ist sie n o t- wendig. Der französische Ministervräsident hat in seiner letzten Rede hingewiesen auf die Art und Weise, in de? einst nach dem Kriege 1870/71 die Verhältnisse zwischen Frankreich und Deutschland wieder geregelt worden sind und hat mir empfohlen, die Korre- spondenz zwischen Thiers und dem Grafen Saint-Vallier mit dem Generals« wmarschall von Manteustel nachzulesen, im- daraus Folge- rungen für die deutsche Einstellung gegenüber dem Frankreich der Gegenwart zu zielten. Mir ist diese Korrespondenz wohl bekannt und ich darf darauf hinweisen, daß gerade diese Korrespondenz davon zeugt, daß Deuischland ats okkupierende Macht nach einem gewonnenen Kriege sich sehr wohl, bewußt war, daß ein snedliches Nebeneinanderwohnen von Nationen auch die Schonung berechtig- ter Empfindlichkeiten im Berkehr der Nationen in sich trägt. Graf Saint-Vallier schreibt dem Ministerpräsidenten Thiers unter dem 2. Marz 1873, daß er mehr als jemals die Art und Weife des deutschen kommandierenden Generals Frankreich gegenüber loben müsse, der ihm von seiner Gesinnung mehr als eine Probe gegeben habe, und der unter starkem Druck feine Truppen trotz gewisser Widerstände in Barackenlagern untergebracht hätte, um die französische Bevölkerung zu schoneu. Dem deutschen Generalfeldmarschall gebührt, wie Graf Saint-Vallier in einem anderen Briefe vom 23. September 1873 versichert, eine Seite aufrichtiger Dankbarkeit in den französischen Annalen. Die Art der Wiederausnahme den Beziehungen zwischen zwei Nationen nach einem furchtbaren Krkac trifft vielleicht noch mehr, als in diesem Briefwechsel, in den Memoiren des ersten Botschafters der französischen Republik In Berlin de Gontant-Biron zutage, der fort- gesetzt in der Lage ist, darüber zu berichten, wie sehr Deutschland sich bemühte, der Periode des Krieges die Zlera des Friedens folgen zu lassen. Bai der Antritlsaudienz des französischen Botschafters beim deutschen Kronprinzen fiel die Aeußcrung:Glücklicherweise ist der Krieg zu Ende/ Jetztgiltesden Frieden zu erhalten". Man will den Frieden", so klingt es aus den Berichten dos Bot- schaftcrs nach Paris wieder, und von dem Fürsten Bismarck sagt Thiers in einem Brief an den französischen Botschafter mit Recht, daß große Geister stets ein gewisses Maß von Gerechtigkeit be- sitzen,"das bei gebotener Gelegenheit zutage tritt." Und wenige Tage darauf setzt er diesen Gedanken über die damalige Politik des deutschen Reichskanzlers fort mit den Worten:Danken Sie Herrn von Bismarck, daß er aus unsere Wünsche einganqen ist. Um zu tun, was er getan, mußte man den Preis im Aug« haben, und dieser Preis ist errungen morden. Er besteht in der wesentlichen B e- schwichtigung der nationalen Leidenschaften als der bellen Garantie für den Frieden." Und ein letztes Zitat aus jene'- Zeit: Am 20. März 1873 schrieb der französische Außenminister de Römusat an seinen Botschafter in Berlin :Wir werden nun, soweit wie möglich, in unseren alltäglichen Beziehungen mit Preußen etwas Ruhe eintreten lassen und beweisen, was wir immer ausge- sprachen haben, daß die Räumung tzes Gebietes erst den Frieden vollenden und befestigen werde.. Die Okkupation ist, solange sie dauert, ein Bild des Krieges." Wenn heute unter anderen verhälknisien Deutschland . das bereit ist, die Folgerungen aus einem verlorenen Kriege auf sich zu nehmen, dem Frankreich der Gegenwart gegenübersiehl. so möchte ich wünschen, daß auch diejenigen Persönlichkeiten, in deren Hand heule mehr als das Geschick Frankreichs liegt, von deren Ent­schlüssen die Ruhe und die Befriedigung Europas abhängt, Nch von dem Gesichtspunkt leiten lassen mögen, daß es anch fetzt gilt, den Frieden zu wollest, den Frieden zu erhalten durch eine Politik der Gerechtigkeit, die geeignet ist. nationale Leidenschaften zu beschwichli- gen und damit die Garnnlie für einen wirklichen Frieden zu geben. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.)

Die Erfassung öer �usfuhrüevisen. Wie die Expreß- Korrespondenz erfährt, hat der Reichswirt- schaftsminister v. Räumer dem Rsichsrat den Entwurf einer V e r- o r d n u n g auf Grund des Notgcfetzes(Maßnahmen zum Schutze der Währung) zugehen lassen, die den Zweck verfolgt, die Aus- fuhrdcvisen vollständiger und schärfer als dies bisher möglich war, für die Zwecke des Reiches verfügbar zu machen. Ins- besondere auch, soweit es sich um ausfuhrfrei« Waren handelt. Z 1 der Verordnung stellt den Grundsatz auf, daß Ausfuhr nur gegen Berechnung und effektive Bezahlung in hochwertigen Valuten stattfinden darf. Grundsätzlich ist die Währung des Be- stimmungslandes zugelassen. Darüber hinaus soll in den vier ge- bräuchiichen internationalen Edelwährungen, dem Dollar, dem eng- tischen Pfund, dem holländisch'«» Gulden und dem schweizer Franken fakturiert werden dürfen. 8 2 schreibt vor- daß die Gegenwerte von Exporten nur im Interesse der deutschen Wirts ch oft verwendet wer- den dürfen. 8 3 bringt eine Ergänzung der Verodrnung des Reichspräfi- deuten über Devisenerfassung vom 7. September 1923, in der der Grundsatz ausgestellt ist, daß jeder der ausländische Zoh-

T tili g K ist i tkel M, sie iüf Erfordern des Kommissars für Devifenerfassung abzuliefern hat. Im Z 3 des Bsrordnungs- entwurfes werden zunächst als Mindestsatz der Ablieferung von ausländischen Zahlungsmitteln 30 Proz. des Ausfuhrgegenwertes bestimmt. Zugleich wird im 8 4 dem Kommissar für Devifenerfassung die Befugnis gegeben, diesen Satz zu erhöhen oder zu ermäßigen. Als Gegenwert für die abzulieftrnden Devisen soll entweder Pa- piermark oder Reichsgoldanleihe oder Gutschrift auf Eoldkonto bei der Reichsbank gewährt werden. 8 5 enthält Bestimmungen über ein Verordnungsstrafverfahren und sieht vor, daß die Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Verordnung mit Ordnungsstrafen geahndet werden sollen, die im Einzelfall nicht mehr als 10 000 M. Gold betragen sollen. Die Verordnunz soll mit dem auf ihre Verkündigung folgenden Tage in Kraft treten. WährungsüebatKe im Reichsßnrtschaftsrat. Der ReichSfinanzminister und der ReichSwirtschaftS- minister gaben am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung des währungS» und finanzpolitischen Ausschusses des ReichswirtschaftS- ratcS Erklärungen über die beabsichtigte WährungS« reform und die Devisensrage ab. Diese Erklärungen werden erst im Laufe des heutigen Nachmittag der Presse übergeben.

Die Nack in New LZork. Unter dem Druck der starken Devisennachfrage in Deutsch - land hat sich die Mark an den Auslandsbörsen weiter verschlechtert. An der New Dorker Börse ergab sich, umgerechnet auf Berliner Parität, für den Dollar ein Preis von 114,38 Millionen Mark nach dem Geld- und ein solcher von IVO Millionen Mark irfich dem Brieskurs. Die Mark in Basel gestrichen. Bafel, 12. September. (EP.) Die deutsche Mark wird wegen, ihrer vollständigen Wertlosigkeit an der Basler Börse in Zukunft nicht mehr notiert. Bereits heule kam eine Notie­rung für die Mark nicht mehr heraus. Die Mark teilt damit das Schicksal des Sowjetrubels, der cm den Auslandsbörsen gleichfalls nicht mehr notiert wird. Diese Tatsache muß wie ein A l a r m z e i ch e n auf die verant- wortlichen Regierungsstellen wirken und sie veranlassen, alles aufzubieten, um den weiteren Absturz der Mark aufzuhalten. Wird die Mark im Ausland unverkäuslich, ohne daß ein an- deres Zahlungsmittel vorhanden ist, so muß die deutsche Waren einfuhr und damit die Lebensmittelversorgung auf die größten Schwierigkeiten stoßen. Darum, es ist keine Zeit mehr zu verlieren! Die Kriss in Thüringen . Aufruf der thüringischeu Sozialdemokratie. Weimar , den 12. September. (Gig. Drahtb.) Der Aeltesten- a u s f ch u ß des Thüringischen Landtages Hot am Mittwoch be­schlossen, d-i« nächste Sitzung am kommenden Mittwoch, den 19. Sep- tember abzuhalten. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt die Neuwahl der Regierung und zweitensAuflösung des Landtages". Die sozialdemokratische Fraktion ist der Ausfassung, daß in Anbetracht der schwierigen Gesamtlage eine Auslösung des Landtages nach Möglichkeit vermieden werden soll. Ob es gelingt, zur Neuwahl der Regierung zu schreiten, steht vorläufig noch in Zweifel. Unsere Genossen haben inzwischen mit der kommunistischen Partei Thüringens Fühlung genommen. Bezirksvorstand und Land- tagsfraktion richteten einen Aufruf an die arbeitende Bevölkerung Thüringens und die Mitglieder der Partei, in dem es heißt:Anstatt den sich immer mehr steigernden Kampf der bürgerlichen Parteien in Geineinschaft mit der Sozialdemokratie abzuwehren, versuchten die Kommunisten durch wechselnde Angriffe auf die einzelnen Mi- nister, die in der kommunistischen Presse durch eine Flut von Ver­leumdungen besonders unverantwortlicher Elemente begleitet waren, die Regierung zu unterhöhlen. Trotzdem war die Dereinigte Sozialdemokratie bereit, mit den Kommunisten im Interesse der Arbeiterklasse weiter zusammenzuarbeiten. Schon einmal drohte die gemeinsame Arbeit zusammenzubrechen, als die Kommunisten, ge- zwungen von Moskau , Forderungen stellten, die eine selbständige Partei nicht erfüllen konnte. Auf Grund eingehender Vorschläge der Sozialdemokratie wurde im Mai und Juni d. I. wochenlang mit den Kommunisten verhandelt. Die Kommunisten woll- ten keine Verständigung. Sie brachten i>t die letzte münd- liche Berhandlung eine fertige schriftliche Absage mit. Ihre Ab- stimmung vom 11. September ist das offene Bekenntnis des damals schon begonnenen Arbeiterverrats. Unbeirrt, das Gesamt- intcrcsse der Arbeiterklasse und das Wohl des Volkes im Auge, setzte die sozialdemokratische Regierung ihre Tätigkeit fort. In rastloser Arbeit schaffte sie die Grundlage für eine freiheitliche Selbstverwal- tung der Gemeinden und für eine moderne Erziehung, gestützt von einer öffentlichen Wohlfahrtspflege, begründete eine gemcinwirt- schaftliche Ausnutzung der Energiequellen des Landes, seiner Forsten und Domänen und milderte durch eine weitgehende Anwendung des Begnadigungsrechtes die Auswüchse der Justiz, Voraussetzung ihrer Tätigkeit war ein starker Schutz der Republik . Wir wissen, daß trotz dieser Maßnahmen die Not größer und größer geworden ist, wir wissen aber auch, daß unsere Genossen in der Regierung das Men- schenmöglichste getan haben, um diese Not zu lindern. Unablässig wirkten sie auf die Reichsregierung ein, den Ruhrkampf zu beenden und verlangten, die durch den Ruhrkampf vermehrte Not vor allem bei den Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentnern zu be­seitigen. Von den Kommunisten hängt es jetzt ab, ob Thüringen eine neue Regierung erhält, die wie die bisherige eine Regierung des arbeitenden Volkes bleibt. Die bürgerlichen Parteien haben den Antrag auf Auflösung des Landtages gestellt. Weigern sich die Kommunisten, verfasiungsmäßig eine Arbeiterregierung zu bilden, so sind neue Wahlen unvermeidlich."

�eigner Geß!er. Ueber die gestrige Besprechung in der Reichskanzlei über den Konflikt Zeigner-Geßler wird folgende amtlich« Mitteilung aus­gegeben: An der Sitzung, die vier Stunden dauert«, nahmen neben einer größeren Anzahl anderer Herren sämtliche Kabinetts- Mitglieder, die der Sozialdemokratischen Partei angehören, teil. Das umfanqreiche Materiol wurde eingehend ge- vrüft, und die Prüfung führte zu einer vollständigen Uebersin stimmung unter den anwesenden Konferenzmit- gliedern. Von der R e sich s r e g i e r u n g ist und wird alles ge- fchehen, um diesen gerade in der gegenwärtigen Zeit sehr störenden Konflikt aus der Welt zu schaffen. Es ist zu hoffen, daß in gleichem Sinne van der Gegenpartei gehandelt wird, und daß dann die Akten über den Zwischenfall endgültig geschlossen werden können, Von einer sächsischen Regierungsstelle wird dagegen dem Dres- dener Korrespondenten desBerll Tagebl." versichert, bei den ganzen

Auzyinandsrsetzungen handele es sich nicht um persönliche Konflikte, sondern um grundsätzliche Fragen, da die sächsische Regierung in dem Verbleiben Geßlers und dem Weiterbestehen der Verbindung der Reichswehr mit Geheimorganisationen ein« Gefahr für die Republik seh«.

Herrn v. Graefes Diktaturangft. Der deutschvölkische Herr v. Graes « hat an den Reichstags- Präsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem er schleunig« Einberufung des Reichstags verlangt, damit dieser über die Devisenordnung be- finden könne. Die Dcoisenverordnung ist auf Grund des Art, 48 der Rsichsverfafsung erlassen, sie muß also aufgehoben werden, wenn der Reichstag es verlangt. Bestünde die geringste Wahrscheinlichkeit da- für, daß der Reichstag dieses Verlangen stellen würde, so wäre seine schleunige Einberufung allerdings notwendig. Da aber diese Wahr- scheinlichkeit nicht gegeben ist, wäre die Einberufung«ine leere Förm- lichkeit. Herr v. Graefe benützt die Gelegenheit, um über die Entwick- lunz zur Diktatur bittere Klage zu führen, wobei auch auf die Deutschnationalem«in Seitenhieb abfällt. Denn Herr v. Graes « schreibt: Di« Führer sämtlicher Fraktionen von den Deutsch - nationalen bis zu den Sozialdemokraten dulden diese Entwick- lung erstaunlicherweise, indem sie sich durch persönliche Besprechun- gen beim Reichskanzler abfinden lassen. So muß Herr v. Graefe allein für den Parlamentarismus, den er so sehr liebt, wenn er selber reden kann, und für die bedrohten Interessen der Devisenbesttzer in die Schranken reiten wenn nicht etwa die Kommunisten noch nachkommen.

HakenkreuZlers Sehnsucht. Rache für 1918!" München , 12. September. (Eigener Drahtbericht,) Seit dem mili- tärischen Aufmarsch der Hakenkreuzler aller Schattierungen in Nürn- berg führen die Münchener Mitteilungsblätter der einzelnen Orgcmi- sationen eine außerordentlich herausfordernde Sprache. Allen voranDas Heimatland", das zum Organ der ehemaligen Einwohnerwehr, zu dem derVaterländischen Kampfverbände" und dann zum Sprachrohr aller früheren Offiziere geworden ist, di« bekanntlich in München die fanatischsten Todfeinde der Republik sind. In anerkennenswerter Offenheit schreibt dieses Blatt am Mittwoch:Das große Zeil der deutschen Freiheitsbewegung ist die Rache für 1918. Und darum die Heerschau von Nürnberg , die nicht etwa den Zweck hatte, dem alten Hange der Deutschen zum Soldatenspielen zu frönen, sondern den Zweck, die waffenfähige, national und völkisch eingestellte Bevölkerung, die Schar um Schwarz. weißrot und Weihblau, für den Tag der Abrechnung zu sam- mein." Auch sonst wird der Stimmung in diesen Kreisen unver- hohlener wie früher Ausdruck gegeben. Die Regierung Strefemann wird als die unmittelbare Wegbcreiterin der Bolschewisierung Nord- deutschlonds angesehen. Eine Verständigung mit Frankreich im Ruhrkonflikt wird als der Hebel betrachtet, der die unmittelbare Erhebung der nationalen Bevölkerung gegen dasjüdische" Berlin auslöst. Totengräber öer firbeiterbewegung. Kommunistifch-faschistische Verbrüderung in Bayern . München . 12. September. (Eigener Drahtbericht.) Neuerdings ist in einer Reihe südbayerischer Großbetriebe die Wühlarbeit kam- munistisch-saschistischer Provokateure festzustellen. Sie suchen di« Arbeiter zur Gründung roter Hundertschaften zu ver» anlassen und die Vertrauensleute der Belegschaften in einem so- genannten Aktionskomitee zusammenzufassen. Planmäßig versuchen sie auch in den Gewerkschaften vorzudringen, was besonders deutlich in einer am Dienstag abend hier abgehaltenen Versammlung der freien Gewerkschaften in Erscheinung trat. Der Zln- drang zu dieser Versammlung, die im Zirkus Krone , der Do- mäne Hitlers , stattfand, war so gewaltig, daß lange vor Beginn wegen Uebersüllung die Tore des Zirkus polizeilich geschlossen werden mußten. Tausende fanden keinen Zutritt mehr. Als Referent behandelte Genosse Vogel aus Nürnberg , Mit- glied des Reichstages, in sachlichen Ausführungen sämtliche Fragen der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Not. Schon wäh- rend seines Referates machten sich deutlich erkennbare Störungs- versuche einer organisierten Opposition bemerkbar, die sich während der Diskussion so weit steigerten, daß der Reichstags. abgeordnete Unterleitnsr als Redner niedergeschrien wurde. Als nach Schluß der Rednerliste über eine Entschließung abgestimmt werden sollte, veranstalteten die Kommunisten einen Sk an- d a l und zogen unter Johlen und Pfeifen aus der Arena ab, als plötzlich vom Ausgang her Ruf« wieMörder, Hakenkreuzler" und Hitler kommt" ertönten. Dadurch entstand ein beabsichtigter Tumult, der aber durch di« unerschrockene Haltung unserer Sicher-» heitsabteilungen rasch in seine Schranken zurückgewiesen wurde. Eine Reihe offensichtlicher Provokateure hatte sich daran beteiligt, Hakenkreuzler und Leute mit schwarzireißroten Armbinden mit dem darauf befindlichen Kompagnieabzeichen der H i t l e r i- scheu Sturmtrupps. Das ist wieder ein schlagender Ve- weis von der brüderlichen Zusammenarbeit zwischen den Nationa- listen und den Kommunisten. Der Störungserfolg ist deswegen besonders bedauerlich, weil das ganze reaktionäre München gerade diese Versammlung der Arbeiter- schast mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte, um cm ihr die eigenen Siegesaussichten abzumessen.

Der Schutz öer Republik. Verbot derNationalsozialistischen Partei Grost- Deutschland". Nach einer Münchener Pressemeldung soll sich die für Preußen durch den vom StoatSgerichishof zum Schutze der Republik be« stätigtcn Erlaß de« preußischen Ministers des Innern vom 11. No» vember 1922 verbotene Nationalsozialistische Deutsche Aibeiiei« Partei fortan.Nationalsozialistische Parlei G r oh« Deutschland " und ihre Sturmabteilungen.Vatcrländi« scher Schutzbund" nennen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ersucht der Minister des Innern in einer Wer« fügung, etwaige Unternehmungen der verbotenen Partei in Preußen auch unter diesem Namen mit polizeilichen Machtmitteln zu ver« hindern und gegen Beranstallcr und Teilnehmer gemäß 8 19 Abs. 2 des Republtt-Schutzgesetzcs bei der örtlich zuständigen Staats- anwaltschaft das Strafverfahren anhängig zu machen. Am Schluß der Verfügung ruft der Minister den nachgeordneten Be- Hörden feine Verfügung vom 10. Januar 1923' über das Verbot der Großdeutschen Arbeiterpartei in Erinnerung.

Bei den Zusammenstößen in Dresden zwischen Arbeitslosen und Polizei haben 13 Personen Verletzungen davongetragen. Wie die Krankenhäuser mitteilen, ist keine der Verletzungen lebens« gefährlicher Natur. Die Geschäfte im Zentrum und in der Stühe des Rathauses haben ihre Läden geschlossen.