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Kr. 599 40. Jahrgang

1. Seilage öes vorwärts

Sonntag, 23. Dezember 7923

Seim Meister ües Weihnachtsmarktes.

Der alte eisgraue. Herr, der das Weihnachtsszepter schwingt, war mürrisch und zugeknöpft. Müde und langsam schleppt er sein dünnes Gabensäcklein über die Straße. Keinen Spaß machl es ihm, nach der oerrückt gewordenen Erdenwelt zu pilgern. Jahr um Jahr ist mehr abgebröckelt vom schönsten der Feste. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen? Aber nie hat sich die We'.t Srger belogen. Der Weihnachtsmann hat es gesagt. Er ist älter wie Methusalem und muß es wissen. Sorgen, Sorgen... Anno 19lZ war's gemütlicher Mit vollem Ranzen, aus dem oerlockend die Pferdchcn und Puppen, die Hanipelmänner und Nuß- knacker lugten, zöget ihr schmunzelnd den. Allerweitsweg. Aus Spiel- zeug ist bitterer Ernst geworden. Eure Zinnsoldaten könnt ihr behalten. Die haben bei uns vorläufig abgewirischaftet. Her mit dem Nußknacker! Den können wir brauchen. Es gibt genug Nüsse, die uns noch keiner knackte. An Hampelmännern ist Ueberfluß hüben und drüben... Der Weihnachtsmann strich sich nervös den wallenden Vart: Spaß beiseite, gequälter Erdenmensch du! In mir sieht's gar nicht aus nach Galgenhumor. Wo ist euer Lochen, euer alter schöner Frohsinn, eure Aorfreude auf das Fest, dos meinen erdenumsassenden Namen trägt? Mit Laiernen muß man m der gewaltigen Gemeinschaft, die sich Volt nennt und nicht als rückstchtslese Genießer außerhalb des gemeinsamen heroischen Duldens und Leidens steht, bei euch Menschen suchen, die sich noch wirklich freuen können. Sieht mit Sorgen aus und geht mit Sorgen zur Ruh. Pendelt verzweifelt hin und her und öeiert immer den gleichen Vers: Woher nehm« ich heute Speise und Trank? Sklaven der Kulturl Das hat man mit kultur- schändender Rache, mit tindi'chem Trotz, der einer ganzen Welt seinen Willen aufzwingen will und nicht fähig ist. die unheilbrin- genden Folgen zu überdenken, aus euch gemacht. Sklaven tn Körper und Geist seid ihr, ohne«» in seiner ganzen Schwere recht zu be- greifen... Sklaven eines Siegers, der blind den Abgrund nicht sieht und aus der Geschichte der Welt nicbt weiß, wie kurz der Rausch ist und wie schwer das Erwachen. Wie? Der Wcihnachts- mann soll euch helfen? Der leuchtende Stern, der ausgeht von tiner alles versöhnenden Liebe? Zehn Jahre lang Hab' ich umsonst m Frieden gepredigt. Wie«in Hohn auf Liebe und Vernunft schneite ich zehn Jahr« lang hinein in die konfus? Erdenwelt. Mäch- tige habt ihr gestürzt, Mächtigere halten MenfchengLück und Men- fchenrvcht von euch fern. Vernunft kommt nicht über Nacht. Ehe sie wiederkehrt, purzeln noch viele Götter von Altären. So oft Hab' ich es erlebt bei meiner Wallfahrt zur Mutter Erhe... Was ist uns Weihnachten I Groß und schön ist deine Aufgab«, lieber Weihnachtsmann. Aus alter Gewohnheit, aus treuer Anhänglichkeit an den Lichterbaum hast du uns nicht vergcfsen. Das Volk, das in Myriaden Sorgen seufzt, möchtest du am meisten beglücken... und kannst es nicht. Die Schauläden find alle voll der herrlichsten Sachen. Noch immer legt, was weihnachtlicher Kewerbefleiß ausgebaut hat. beredtes Zeugnis ab von unserer GeMlungskunst. Aufgebaut ist es für alle, die Augen haben zum Schauen, erreichbar nach der Zeiten Ungunst nur für wenig«. Wir vergleichen mit vcr- tlungenen Tagen und haben nichts übrig für festliche Gedanken. Was ist uns noch Weihnachten? Kaum noch das Völker- umschlingende, liebeverklären, de Fest, uns in der überwiegenden Mehrheit nur ein Quell trüben Sinnens, doppelt peinigenden Ge- fühls der Entbehrungen, kein Ausbück auf eine tröstliche Zukunft. Was haben wir von den Trauben, die zu hoch hängen? Hinter blanken Scheiben, unter strahlendem Abendlicht gaukelt man uns die schönsten Genüsse vor, und die Hand bleibt leer wie der knurrende Magen. Lieblicher Weihnachtsvögel köstlicher Duft weht nicht mehr verführerisch um unsere Nase. Nur noch für sich und einig« Auserwählte mästet Freund Martin mit dem Heiligenschein sein« schnatternde Herde. Dürftig ist das we-.hnacht- kiche Tischleindeckdich in Millionen Familien. Froh sein wirst du. armer Sterblicher, wenn du zu brechen und beißen hast, was früher jeden Tag dein Menschenrecht war und dein Erhaltungstrieb ver- langte. Kinderscharen, früh reif und müde geworden in Not, freuen sich nicht mehr. Worauf denn? Sie haben es in sich großgezogen mit der Zeit: Weihnachten ist nur noch ein Schemen... nur noch ein Märchen ist, was in tausend schätzen Büchern steht vom Fest der Liebe und der Freud«. Und auch du, deutscher Wold, trauerst

um den Heimgang weihnachtlichen Glückes. O Tannebaum, o Tannebaum, dein Glanz bleibt nur ein Weihnachtstraum... Rauschgolöene Goldpreise. Der Weihnachtsmann schnitt ein« Grimasse. Dollarsturz, Mark- besserung, Preisabbau, Aufatmen? Will euch die gute Fortsetzung wiin'chen. Der Teufel soll sie holen, die mich und euch um die Weihnachtsfreude betrügen. Hoffet nicht zuviel. Um so leicher trägt sich die Enttäuschung. Nein, schwarz in schwarz male tch nicht. Ist nicht mein Metier als Freudenbringer. Zum rosenroten Zu- kunflsbilde hat's wohl noch lange Weile.' Ihr lebt und vergeßt zu schnell. War's vor euren großen Kalenderfesten jemals anders? Mit Speck längt man Mäuse. Was in den Geschäften aufgestapelt ist, schreit nach Absatz. Weihnachien und Käuferstreik, das wäre eine nette Bescherung. Er st hat man die Lebensmittel zurückgehalten, jetzt werden sie dem Weihnachts- magen aufgedrängt. Und ihr greift zu, wenn ihr irgend könnt, weil es plötzlich ein paar lumpige Goldpfennige billiger ist. Uebers Ohr gehauen werdet ihr auf alle Fälle. Na, ihr wißt schon, von wegen der genudelten' Grundpreise. Ehe die nicht abgebaut sind, ist die Verbillwunq nur eine Bortäuschung falscher Tatsachen. Nullen seid ihr selbst gewochen vom Nullenklaps. Unterschiedslos Hai er euch gepackt. Ob es besser wird vom papierenen Rauschgold, wollen wir erst emmal abwarten. Es geht doch nirgends lo ver- rückt zu wie in eurer Well. Wenn's nicht um alle die Kleinen wäre, auch um die Armen und Arbeitslosen, die bittend die Hand ausstrecken es könnt' unsereinem leid tun mit der Reise um die Erde. So viel möchte man geben, und so hilflos kommt man sich vor. Schafft Weihnachten ganz ab! Werst den Weihnachtsmann zum alten Eisen. Das Fest der Liebe und des Erlösens hat keinen Sinn mehr, wenn ein ganzes Volk nicht erlöst wird von der Not des Jahrhunderts. «» * weihnachtszauber warschauer Straße. Da, wo die Warschauer Straße van der Frankfurter Allee abbiegt, beginnt der Weihnachtsmarkt für den Stadtkreis Berlin . Auf der geräumigen Promenade reiht sich bunt Bude an Bude, große und klein«, einfache und komplizierte, und originelle Verkaufseinrichtungen wechseln. Am Tage läßt hier der Betrieb viel zu wünschen übrig. Er beginnt aber erst in den Dämmerstunden. Dann konzentriert sich das gesamte Straßenpublikum auf den Weih- nachtsmarkt. Während es" hier von Menlchen wimmelt, sind die Bürgersteige menschenleer, und die kleinen Ladengeschäfte haben den Aerger. Den Mittelpimkt bildet immer der Postrmentier und Kleiirkram- Händler, deralles" hat. Er bat zu verkaufen u. a.: Seif«, Kra- matten, Hosenträger, Strumpfhalter urfc Bänder, Schnürsenkel, Notizbücher, Geldtaschen. Handtaschen, Hampelmänner und anderes Spielzeug mehr. Gepfeffert und gewitzt und mit beißender Ironie preist er seine Waren an. Er kann gar nicht oft genug betonen, daß er direkt konkurrenzlos in ganz Groß-Berlin dasteht:Ein paar gilt« Hosenträger nur eine Mark, meine Herrschaften! Wenn Sie lolche Ware wo anders, sei's in Warenhäusern, Ladengeschäften oder Balars billiger kriegen, überlaste Ich Ihnen meine ganze Ware. Solche prima Hosenträger gibt es für«inen solch billigen Preis sonst nirgends. U eberall kosten sie 2,50 Mark bis 4 Mark und noch darüber. Schauen Sie nur die Kernlederschnallen. Jeder biedere Sattlermeister nimmt dafür allein schon t Mark. Dann hier den nuten Gummi, sehen Sie nur, wie elastisch er ist. Mit eigenen Augen lallen Sie sich h>r überzeugen, daß es richtiggehende Gummi- Hosenträger sind, nicht Jymmibosentröger!" Und wirklich, er dehnt die Gummihosenträner aus, läßt sie los, und sie schnellen drei bis vier Me�er hoch. Alle Blicke fliegen bewundernd nach oben. Man reißtMund und Nase aus". Großes Gelächter gibt« aber, wenn so ein Hosenträger auf einen Hut oder kahlen Kopf fällt. Dann aber ist der Händler schlagfertig:Sehen Sie nur an, hier hat das Schicksal gesprochen, Sie sollen meine Ware gleich mitnehmen. Be- halten Sie die Hchenträger gleich. Geben Sie nur den ollen Papier - läppen von eener Mark der, und schon sind wir quitt!" Der Weibnochtsmarkthändler redet und redet. Unausgesetzt, ja nur keine Minute Pause:Kauft, liebe Leute, ehe meine War« alle ist!" Will sich aber kein Käui-r finden, so entsteht immer eine kleine Berlegenheitspause. Sein Mundwerk kommt ihmju Hilf«: Liebe Leute, brauchen Sie denn w'rklich keene Hosenträger? Die 5>osen können Sie doch nicht mit Pflaster off Ihre Fleischpelle kleben.

Aber ich sage Ihnen, wer solche Hosenträger koost, braucht keene Hosen mehr!" Gelächter erschallt. So etwas gefällt. Man will kostenios unterhaken sein. Viel« stehen ja nur aus Neugierde hier. Kaufen können nicht all«, weil's Geld nicht da ist. So warten die Umstehenden darauf, herzlich lachen zu können. Macht niemand Anstalten, zu kaufen, dann meint der Weih- nachtsmarkthändler gemütlich:Na, zum Donnerwetter, k eener koost und keencr klaut, aber meine Schaufenster sind dicke soll von Men» schen. Zu sehen: meine Kundschaft Ist sehr faul. Aber hört, Ihr guten Leute, ick werd's Euch offen sagen, mir is et nich zu tun, daß bloß oeuer koost, sondern alle soll'n se koosen, auch die Aermsten unter Euch, darum is ooch mein« Ware fo billig. Großer Umsatz, kleiner Nutzen! Das is mein Prinzip. Wer schon aus dem vorigen Weihnachtsmarkt bei mir gekooft hat, kooft dies Jahr wieder, wer heute nicht koost, koost morgen. Ick sage Ihnen, nach de Feiertage is olles dreimal so teuer, der Dollar klettert wieder, denn der Kerl hat sich noch lange nich det Genick gebrochen!" Aber nun etwas für unsere lieben kleinen Kinderl Hier der Hampelmann, seht nur, wie schön er kampelt und wie er schmunzelt. Hier babe ick noch einig« klein« Hündchen, da braucht Ihr nur an de Stribbe zu zupfen, und sie'pringen und lausen, als ob sie lebendig wären. Ick garantiere ooch, daß sie steuerfrei und stubenrein sind. Diese schönen Sachen sind etwas für die Kleinen, damit sie lachen und nicht immer weinen! Ick verkoofe sie daher zum Selbst- kostenpreis!" Und es hilft. So mancher Dater, der es nicht geradedicke" hat, greift in die Tasche und kauft.

Die neue Weiöenöammbrücke. Der jung« Berliner , der etwa um das Jahr 1911 geboren ist, wird bis vor einigen Tagen nicht gesehen haben, daß im Zuge der Friedrichstraß« in geroder Linie«ine Brückenverbindung der beider- seifigen Spreeufer bestanden hat. Die in den Jahren 1895/96 er- baute neue Weidendammbrücke mußte Infolg« des Untergrund- bohnbaues abgebrochen und der ganze Verkehr auf zwei Notbrücken umgeleitet werden, denen man im Aeußeren wirklich ansah, daß st« Brücken der Not waren, entstanden in Zeiten der Not. Schauder- Haft und imerträgl'ch für die Bewohner der Nordseit« der Spre« waren dabei ganz besonders die Anrampungen zu diesen Brücken, die die Bewohner des Erdgeschostes jener Häuser auf zehn Jahre in«in Kellerdasein versenkten. Wer nun in diesen Tagen die Friedrichstraße entlang kam, sei es von denLinden" her, fei es vom Oranienburger Tor her, der glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Der gesamte Berkehr ging plötzlich in einer einzigen geradenLintedurch. Aus der Fern« sah man die Autobusse plötzlich sanft emporsteigen und sich ebenso wieder herab- senken! Seit nahezu zehn Jahren fuhren sie jetzt zum erstenmal wieder über die neu entstandene Weidendammbrücke. Das heißt, es ist in bczug auf das Acnßer« wieder die alte. An einem der vier hohen eisernen Pfeiler steht wieder wie einst: Erbaut 1895/96. Jeder dieser Pfeiler trägt hoch oben auf schlankem Sfiel ein« große vergoldete Sonnen- blum«, wie einst. Und auf der Höhe der Brücke bildet das Mittel- stück des mächtigen Geländers der alt« kaiserliche Reichsadler mit der Kaiserkrone darüber wie einst. Maler waren in diesen Tagen damit befchästigt, den angerosteten Symbolen der alten Herr- lichkeit mittels Oelfarbe und Pinsel zum Weihnachtsfest ein wenig neuen Glanz zu leihen. Die Fahrbahn jedoch, besonders aber die Bürgerfttige auf der Brücke sind verbreitert worden, so daß der Anblick des neuerstandenen Vcrk;hrsbouwertes aus beiden Rich­tungen der Friedrichstraße em sehr erfreulicher ist. Auch der Aus- bau des Bahnhofs Friedrich st raße hat erfreuliche Fort- schritte gemacht. Die der Spree zugekehrte Seite in dunkelbraun getönten glasierten Steinen mit schmalen schwarzen steinernen Zier- leisten sieht außerordenllich geschmackvoll au«. Di« dem Winter- garten zugekehrte Seite des Bahnhofs wird hingegen infolge fehlen- der Mittel nicht ganz neu umgebaut werden können, zumal hier der steinerne Unterbau noch außerordentlich gut erhalten ist. Die Bedachung des Bahnhofs wird ganz erneuert und befindet sich, ebenso wie der jetzige noch zu erneuernde Mittelbahnsteig noch in Arbeit, die ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen wird, so daß sich mit Ablauf des Jahres 1924 der Bahnhof Friedrichstraße sowohl bau- wie ocrkehrstechnisch in ganz neuem Gewand« darbieten wird. Merkwürdig berührt, es nur, daß man auf diesem internationalsten aller Berliner Bahnhöfe Stafionv- und andere Schilder gegen alle

Lowrlebt Qeore Minier, München .

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Die Lofolfischer. Roman von Zohan Dojer.

Auch die Mannschaft Per Suzansas kam und mußte das- , selbe durchmachen. Aber der Alte selber. Per, wollte allein in der Küche sein, wenn er sich den Körper wusch. Der Gallbranntwein kreiste ständig. Viele erfrorene Füße bekamen an diesem Abend längs der ganzen Lofotwand einen Schnaps. Es war ein festener Anblick, die reingewaschenen Gesichter zu sehen, alle so sauber, geradezu wie ein Bräutigam schaute jeder aus, alt wie jung. In dieser Nacht schlief mancher Bootsführer mit gut ge- splckter Brieftasche auf der Brust. Sie trugen sie an einer Schnur um den Hals. Sie pflegten ja mit den anderen im Boot erst abzurechnen, wenn der Fang zu Ende war. Aber Arnt Aasan lag allein auf der Pritsche unter der Decke, und träumte, Elezeus Hylla käme und wolle seinen alten Platz neben ihm einnehmen. Er begann sich unten in der Stube bereit zu machen, hinaufzuklettern, er zog die Stiefel aus, streifte die Hosen herunter, steckte sich die Stummelpfeife an.Rücke beiseite/ sagte ei zu Arnt. Und jetzt kam er. obwohl Arnt ganz genau wußte, daß er gestorben und in einem Sarg nach Hause geschickt worden war. Arnt Aasan schrie im Schlaf und fuhr in die Höhe. Gott sei Dank, Traum ist Traum, er konnte sich wieder hinlegen und schlafen., 27. An Ellen Olsdatter Koya. ' Ebendort. Jetzt muß ich die Feder in meine Hand nehmen und dir «inen Brief schicken, damit du weißt, daß wir gesund und munter sind, und dasselbe hoffe ich von dir, da es ein großes Gut ist. Was den Fang betrifft, so kann ich nicht klagen, aber in den Fjorden war es ein ung-mütliches Leben, und wer hätte wohl glauben können, daß es Elezeus Hylla fo ergehen werde? La. das Leben der Fischer ist wihrlich ein mühevolles Leben, und keiner sollte die beneiden, die, solange sie leben, so hart arbeiten müssen, und täte ich es nicht um Vaters willen, so

würde ich nie mehr einen Fuß auf See setzen, da ich mehr Lust zu anderen Dingen habe, besonders in der Welt weiter- zukommen. Aber es ist nicht leicht, Vater mit derRobbe " im Stich zu lasten, solange meine Brüder noch nicht groß genug sind. Hier sind zwei feine Stadtdamen angekommen und gehen am hellen Tage umher und bieten sich an, und unter den dummen Seeleuten sind viele, die in Bersuchung fallen, aber ich gehe stolz an ihnen vorbei, und dasselbe, meine ich, könnte Kanele Gomolt tun, denn er ist ein rechtschaffener Kerl. Ich war auch unten in einem Hafenspeicher und sah eine feine Dame Säbel schlucken, die mindestens einen Arm lang waren, und du magst es glauben oder nicht sie hatte nicht einen Faden auf dem Leibe, und sie war sogar innen mit bengalischem Licht erleuchtet. Sie nennt sich Prinzessin, weil sie die Tochter eines Königs in Indien ist, und viele finden sie ganz wunderschön, aber das finde ich nicht, denn ich kenne eine, die schöner ist. Ich habe eine kleine goldene Busennadel und ein rotes seidenes Halstuch gekauft, und das paßte wohl am besten für ein junges Mädchen, aber sicherlich wird keine es nehmen wollen, denn sie pflegen so stolz zu sein. Ich möchte wohl wissen, für wen du Strumpfbänder machst, aber das darf ich wohl nicht erfahren, denn du hast sicher viele Freunde und wirft noch mehr bekommen, wenn du erst eingesegnet bist. Erinnerst du dich noch an den Tag, als wir in der Scheune getraut wurden ach ja. Jetzt sind solche Spiele vorbei» und du gehst deinen Weg, und ich gehe den meinen, und ehe wir es merken, haben wir uns zum letztenmal gesehen. Aber wenn ich auf das blicke, was ich alles erreichen möchte, ehe ein rechter Kerl aus mir wird, dann kann ich dir heute nicht mehr sagen. Jetzt werden wir bald die Segel hissen und wieder dem Süden zufahren, und dann treffe" ich dich vielleicht als ein großes, erwachsenes Mädchen mit dem Ring an der Hand. Und deshalb leb wohl mit vielen Grüßen, bis wir uns wieder, sehen. Mit fleißigen Grüßen von mir Lars Kristofersen Myran. 28. Die Tage wurden länger und immer länger, aber auf den Fischbänken herrschte wieder einiges Leben. Es geschah, daß ein Netzboot mit vier-, fünfhundert Fischen an Land kam. Also

wurde es doch wohl ein Glanzjahr, obwohl der Fang so un- gleichmäßig gewesen war. Aber jetzt war auch die Zeit der Hausierer gekommen, und selbst Jakob kaufte sich eine blaue Düffeljacke und einen goldenen Ring für sich selbst. Aber Lars saß bis spät in die Nacht in der Hütte und las. Jetzt hatte er ein Geschichtsbuch vor. Und ein solches Buch ist ein wunderliches Ding, du schlägst es auf und siehst, was da steht, und im Umsehen ist die Fischerhütte weit weg, du bist mit Kaisern und Königen zusammen, ja mit Menschen, die vor vielen hundert Jahren gestorben sind. Du bist mit auf einem Kreuzzug nach Asien , du siehst mit an, wie der König von Frankreich den Kopf vorstreckt und er ihm abge­hauen wird klatsch das ist der Kopf des Königs, der auf die Straße rollt, und dann nehmen Per und Paal ihn bei den Haaren und werfen Schneeball damit. Merkwürdige Zeiten. Und all dieses erlebt der Fischerjunge mit, während die anderen ist der Hütte Netz» flicken. Bisweilen eimnal hebt er den Kopf und sieht sie wie aus Wolken an. Dort an der Wand sitzt der Vater und hat so viele Netze auszubessern. Er könnte gut Hilfe brauchen, aber Lars ist weit weg in anderen Neichen und Ländern, er ist nur mit vor« nehmen Herren zusammen und sinnt selber darauf, auch, so ein feiner Mann zu werden. Mit jedem neuen Buch entfernt er sich weiter von hier. Und was Kristaver im geheimen über diese Sache denkt, das jagt er nicht, das geht keinen anderen etwas an. Soll ich dir helfen, Dater? Ö nein. Ich werde scl)0N damit ferkig werden." Der Junge versteht, daß der Pater das aus Stolz sagt. Er ist im Begriff, aufzustehen, zu ihm hinzugehen und ihn, zu helfen, aber das Buch! Das Buch hält ihn fest. Nur noch ein paar Seiten. Und die Hütte verschwindet, und wieder ist er in einer ganz anderen Welt. Später am Abend hebt er wieder den Kopf von der Welt- geschichte, läßt sich auf der Erde zu einfachen Leuten herab und sieht seine Kameraden in der Hülle an. Wirst du auch so werden wie diese da? denkt er. Nicht, daß er sich zu gut dafür hielte. Bater und Groß- vater und all die anderen, die waren so gut, deshalb war es nicht. (Fortsetzung folgt.)