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daran zu benken eine Aufwertung in Befracht tommt, fo wirb das Reich nicht geschickte Börsenjobber prämiteren dür fen; das täte es nämlich mit einer allgemeinen Aufwertung. Das Reich wird vielmehr und hoffentlich sogar ausschließlich solche Kriegsanleihe aufzuwerten haben, die sich in den Händen ihrer Zeichner befindet und durch deren Befizz gutgläubige Sparer betrogen wurden. Wenn diese Absicht von der Regierung ge­billigt wird, so ist es höchste Zeit, daß darüber eine eindeutige Erklärung erfolgt. Dann wird der Börsenmarkt der Kriegs­anleihe, der jetzt zum Tummelplatz von Spekulanten geworden ist, in sich zusammenbrechen und feiner der Kriegsanleihezeichner wird ihm eine Träne nachweinen. Das Reich hat wirklich fein Interesse daran, daß mit seinen durch die Geldentwertung vernichteten Schuld­titeln ein wildes Börsenspiel getrieben wird, von dem nur be= rufsmäßige Spetulanten Vorteil haben können.

Geschäftsaufsicht und Arbeitsmarkt.

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voll auf den beutschen Breisstand, indem die Befiger fie metler feft.| hielten und die Produktion ihre Breise vielfach danach richtete. So blieben die deutschen Preise in den meisten Artikeln wesentlich über dem Weltmarktstande, machten Deutschland insoweit exportunfähig, verteuerten die Lebenshaltung, entwerteten die Löhne, spannten den Geldbedarf übermäßig an und wirkten aus allen diesen Gründen in der Richtung einer neuen Inflation. Wenn eine ver­änderte und wachsamere Kreditpolitit eine solche zu vermeiden mußte, so hätte das auf die Dauer nicht geschehen können, ohne daß infolge der künstlich gesteigerten Kapital- und Kreditknappheit die Produk­tion selbst eingeschränkt worden wäre, was Arbeitslosigkeit in großem Limfange bedeutet hätte.

Die angestauten Warenmengen gehören also auf den Markt. Ihre Befizer müssen gezwungen werden, jia, sei es selbst mit Ber­Iuft, abzustoßen, statt daß sie ihrerseits den Preisstand künstlich hoch­halten. Dem stand aber die Verordnung über Geschäftsaufsicht gegen= über, die nun mehr denn je in Anspruch genommen wurde. Sind doch allein beim Amtsgericht Berlin- Mitte in den Monaten April und Mai 143 Fälle von Geschäftsaufsicht zu verzeichnen gewesen, gegen über 17 im ersten Vierteljahr 1924, 14 im ganzen Geschäftsjahr 1923. Bezeichnenderweise nehmen dabei Nachkriegsgründungen und Barenhandelsgeschäfte einen ganz unverhältnismäßigen Raum ein. Andererseits hat die Zahl der Konkurse, trotzdem auch sie, und türliche Bahnen gedrängt, die Produktion einseitig an seine Zwecke gerade auch im Bereich des Warenhandels, in den letzten Monaten beträchlich zugenommen haben, noch nicht die Hälfte des Ausmaßes der Borfriegszeit erreicht.

Dem ,, Soz. Parlamentsdienst" entnehmen wir zu dieser von uns wiederholt beleuchteten Frage noch folgende Ausführungen:

Als der Krieg die Wirtschaft in erheblichem Ausmaß auf unna­

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gebunden, den Konjum gedrosselt und das Inland vom Auslande ab= gesperrt hatte, war eines der Mittel, die der Wirtschaft über ihre Nöte hinweghelfen sollten, die Geschäftsaufsicht zur Ab­wendung des Konturses" nach Heifferichs Berordnung vom 14. De­zember 1916. Sie hatte zur Folge, daß Konkurse fast völlig auf­hörten. Es ist anzunehmen, daß dadurch mancher lebensfähige und wirtschaftlich wichtige Betrieb, der sonst den Kriegsverhältnissen zum Opfer gefallen wäre, erhalten worden ist, und damit auch manche Arbeitsgelegenheit, wobei freilich einschränkend zu bemerken ist, daß in der zweiten Hälfte des Krieges auch sonst wenig Arbeitslosigkeit und eher ein Mangel an Arbeitskräften, insbesondere an bestimmten

Facharbeitern, herrschte.

In der Nachfriegszeit aber und insbesondere in den legten Monaten haben sich die Wirkungen der Verordnung gründlich geändert. Waren schon im Kriege zahlreiche Unternehmungen ent­standen, deren Lebensfähigkeit fraglich erschien, so haben die folgen den Jahre insbesondere im Handels- und Bankwesen zu einer Fülle von Neugründungen geführt, von denen nur ein verschwindender Bruchteil lebensfähig und notwendig war. Insbesondere die Zu­nahme der am Warenhandel und am Börsengeschäft beteiligten Eri­stenzen, die fich schmarozend in die Kette vom Erzeuger zum Ver­braucher einschalteten, wurde gerade für die wirtschaftlich schwächsten Teile der Bevölkerung eine unerträgliche Plage. Sie gedieh beson­ders üppig im Zeichen der Inflation, die ja überhaupt die schlimmste Feindin des arbeitenden Bolles wurde. Sie gestattete dem Spe­fulantentum fortschreitend Barenmengen zusammenzutragen, die es möglichst lange nicht bezahlte, in der begründeten Hoffnung, daß die Geldentwertung die Schulden von selbst abtragen würde. Die damalige Kreditpolitik und mißbräuchliche Anrufung der Ge­schäftsaufsicht tamen dabei zustatten.

Die vorläufige Währungsfestigung, die der erste Schritt zu einer Gesundung der Wirtschaft sein sollte, machte dann einen Strich durch die Rechnung. Die Spekulation saß auf den an­gehäuften Warenlagern, welche in Erwartung weiterer Geldentwer tung von Erzeugern und Zwischenhändlern mit hohen Risikoprämien belastet, in der gleichen Erwartung von der Spekulation willig viel zu hoch bezahlt worden waren. Diese gehamsterten überteuerten Waren wirften nun auch nach der Währungsfestigung noch unheil­

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So war es hohe Zeit, daß die Geschäftsaufsicht eingeschränkt wurde, wie dies durch die Verordnung vom 14. Juni 1924 geschehen ist. Sie enthält jeht im wesentlichen nur noch die gesetzliche Unter­lage für 3wangsvergleiche außerhalb des Kontur­es, wie sie auch in anderen Ländern geschaffen worden ist. Hin gegen dürfte es mit der Geschäftsaufsicht als Dauerzustand vorbei fein. Schon während sie besteht, hat die Aufsichtsperson" auf Ab­faz der Barenbestände und Abwicklung der Verbindlichkeiten Be­bacht zu nehmen. Die Gläubigerversammlung kann jederzeit völlige Aufhebung beschließen. Aufhebung erfolgt ferner, wenn der Schuld­ner nicht binnen einem Monat die Zustimmung von drei Vierteln der Gläubiger mit drei Vierteln der Forderungen zu einem Vergleich er­langt, fie erlischt ohne weiteres nach drei Monaten. Für die zurzeit schon vorliegenden Geschäftsaufsichten sind die entsprechenden driften auf zwei Wochen und zwei Monate abgekürzt.

Es ist zu erwarten, daß damit ein energischerer Preisdrud und ein Schritt zur Gefundung der Wirtschaft erreicht ist. Leider werden ja die zu erwartenden Konkurse auch Betriebseinstellungen zur Folge haben, woraus wieder Arbeitslosigkeit erwächst. Unmittelbar wird diese Rückwirtung allerdings nicht so sehr groß sein, denn es wird sich überwiegend um Händler, die nur in mäßigem Umfang Arbeit geber find, handeln, wohl aber werden mittelbar die abge­stoßenen verbilligten Waren Betriebsstodungen bei der Ron­furrenz hervorrufen. Früher oder später hat diese Entwicklung aber fommen müssen, und sie trifft die Arbeitnehmer ungleich weniger hart als eine Fortdauer der künstlichen Teuerung und eine dann un­vermeidliche neue Inflation. Aufgabe einer angemessenen Erwerbs.. losenfürsorge und noch mehr einer vernünftigen Wirt. schaftspolitik wird es sein müssen, die Uebergangszeit erträglich zu gestalten und möglichst abzukürzen.

Einheitsverband sozialistischer Unternehmer.

In der konstituierenden Bersammlung der Berliner Ortsgruppe am 20. Juni hielt der Verbandsvorsitzende, Genosse Plottte ( Leipzig ) einen Vortrag über die Zwede dieser Organisation. Der Einheitsverband sozialistischer Unternehmer will allen selbständigen Geschäftsleuten, Gewerbetreibenden, aber auch allen anderen Unter. nehmern mit sozialistischer Ueberzeugung die Möglich­feit eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses bieten, ohne daß sie, wie in bürgerlichen Bereinigungen in Gefahr geraten, mit ihrer fozialistischen Gesinnung in Konflikt zu kommen. Der Ver­band will bei Wahlen zu Gewerbe- und Kaufmannsgericht, zu Ge­

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merbe- und Handelskammer, zu den Schlichtungs Infianzen für ge­werbliche Streitigkeiten, zu den Organisationen für Sozialversicherung sowie auf die Gestaltung der Steuergesetzgebung in Staat und Ge­meinde Einfluß nehmen. Es werden daneben noch Einrichtunge:: getroffen, die den einzelnen Mitgliedern unmittelbar zugute kommen sollen. Der Verband sucht seine Ziele im Einvernehmen mit den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse zu erreichen, denen er durch die proletarische Herkunft der Mehrzahl seiner Mit­glieder und deren politische Auffassung geistig nahe steht.

Nach einer regen Aussprache, in der besonders der Genugtuung darüber Ausdruck gegeben wurde, daß nunmehr auch in Berlin der Zusammenschluß der sozialistischen Unternehmer ohne Unterschied ihrer Parteizugehörigkeit erfolgt ist, wurde der Ortsgruppen­or stand gewählt. Vorsitzender ist Genosse Hermann Knaa, Berlin N. 24, Elsaffer Straße 86/88( Fernsprecher Norden 1198).

Reichsbank. Das hervorstechende Merkmal des Ausweises der Reichsbank vom 14. Juni ist, daß die deutsche Zentralnotenbank durch Anfäufe von Gold in Höhe von 6 Millionen Goldmark ihren Gold. bestand auf 448 Millionen Goldmark steigern fonnte. Offenbar hat sie einen Teil der ihr in letzter Zeit reichlicher zufließenden Devisenbeträge zu Goldankäufen verwendet. Im übrigen geht aus Notenumlaufes hervor, die sich vornehmlich aus der Rück­zahlung von Rentenmarkkrediten und Eingängen im Giroverkehr erklärt. Der Umlauf von Rentenmartscheinen ging dadurch auf 1636 Millionen Rentenmart zurück. Der Umlauf an Reichsbant. noten verminderte sich um 30,7 auf 923,6 Millionen Goldmart.

dem Reichsbankausweis eine erhebliche Verminderung des

Das Micum- Abkommen der Solinger Industrie. Wie die Solinger Industries und Handelskammer mitteilt, haben ihre Ver­treter am 14. Juni in Koblenz über die Verlängerung des Ab­tommens zwischen der Solinger Industrie und der Rheinland­fommission verhandelt. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Kriſe, in der sich Industrie und Handel befinden, wurde eine allgemeine Ermäßigung der Gesamtausfuhrabgabe für alle unter das Abkommen fallende Eisen- und Stahlwaren auf 2% Proz. Soweit bisher für einzelne Waren weniger als zugestanden. 24 Proz. erhoben wurden, bleibt dieser niedrigere Sah bestehen. Ferner ist der 3ollsag für die Einfuhr einer Reihe von Roh- und Halbrohstoffen aus dem unbesetzten Gebiet auf 25 Proz. der bisherigen Beträge her abgeseht worden. Das Abkommen wurde bis zum 21. Juli verlängert.

Dänemark und Sowjetrußland. Die dänische Regierung hat nach längeren Verhandlungen mit einer russischen Delegation in London die jetzige Regierung Rußlands de jure anerkannt. Die di­plomatischen und konsularischen Beziehungen sollen sofort wieder auf­genommen werden. Die im Jahre 1923 vereinbarten vorläufigen andelsübereinkünfte sind in einen Handelsvertrag mit Meistbegünstigungsrecht umgewandelt worden. Dänemark wer­den in diesem Vertrage die gleichen Meistbegünstigungsklauseln ge­währt wie Norwegen und Schweden . Die dänischen Forderungen an Rußland haben eine Erledigung noch nicht gefunden, sondern die Regelung ist auf spätere Zeit vertagt worden. Die Ansprüche der dänischen Regierung an Rußland betragen 60 Millionen Kronen.

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