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Gewerkschaftsbewegung

Jnternationale Arbeitskonferenz.

Genf , 24. Juni. Die Internationale Arbeitskonferenz trat in ihrer heutigen Bollsigung in die Beratung des Berichts des Direttors des Arbeitsamtes ein, und zwar zunächst in den ersten Teil, der die Organisationsprobleme behandelt. Dieser Teil des Berichts stellt fest, daß die Internationale Arbeitsorganisation gegenwärtig 54 Mitgliedstaaten umfaßt, darunter Irland und Argen­ tinien , die im letzten Jahre in den Völkerbund aufgenommen wurden, und gibt dann einen Ueberblick über die Beziehungen zu den der Arbeitsorganisation noch nicht angehörenden Staaten. Der Bericht erwähnt dabei, daß die Vereinigten Saaten von Amerita ihre Beziehungen zu den verschiedenen Bölkerbundsorganisationen enger gestaltet hätten, aber daß im allgemeinen die Bewegung zum Ein­tritt bei den Vereinigten Staaten wenig Fortschritte gemacht habe, sondern in den letzten Monaten vielmehr einen Rückschritt erfahren habe. Ueber das Verhältnis zu Rußland sagt der Bericht, daß offiziell die Sowjetregierung eine dem Bölferbunde feindliche Haltung bewahre, daß aber offiziös die Teilnahme Rußlands an den ver­schiedenen Organisationen des Bölferbundes fich anbahne, die für die Wiederherstellung Rußlands unbedingt nötig sei vor allem, weil Rußland des ausländischen Rapitals bedürfe, wenn es aus seiner Jolierung heraus wolle. Weiter behandelt der Bericht die Frage des wünschenswerten Beitritts Meritos, Aegyptens und der Türkei zur Internationalen Arbeitsorganisation .

In der Debatte über diesen Teil des Berichts sprach der bel­gische Arbeiterdelegierte Mertens den Wunsch aus, daß der Ber­waltungsrat des Arbeiteramtes Schritte tun möge, um den Beitritt Rußlands zur Internationalen Arbeitsorganisation herbeizuführen. Hieran anschließend erklärte der französische Arbeiterdelegierte Jo u- haug in längerer Rede, daß die Teilnahme Rußlands in der Arbeitsorganisation unbedingt notwendig sei. In der internationalen Bolitit habe man bereits, wie die de jure- Anerkennung Rußlands burch verschiedene Regierungen beweise, die Notwendigkeit ein gesehen, Rußland wieder in die internationale Gemeinschaft hinein zuziehen, und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten fei dieser Ein fchluß noch dringlicher. Außerdem müsse das russische Bolt die Wahrheit über das Wesen der Internationalen Arbeitsorganisation erfahren. Jouhaur schlug daher vor, daß die Konferenz durch einen Beschluß an Rußland die Einladung zum Beitritt zur Internatio­ nalen Arbeitsorganisation ergehen lasse. Der irländische Regierungs­vertreter O'R a hilly forderte feinerseits Schritte, um den Beitritt Ameritas anzubahnen.

nicht Mitglieder des Bölferbundes waren, baß bazu aber befondere Verhandlungen notwendig gewesen seien. Was Rußland anbetreffe, so erwähnte Albert Thomas u. a., daß bei einer Eintritt in die Arbeitsorganisation, falls es bis dahin sein Regime nicht geändert habe, noch andere wiederholt von der Konferenz aufgeworfene Fragen wieder afut würden, so die Frage der Zusammenfeßung und Ernennung der Delegation, da ja die russische Regierung nicht nur Ernennung der Delegation, da ja die russische Regierung nicht nur die beiden Regierungsvertreter, sondern vielleicht auch einen Arbeit­gebervertreter ernennen würde.

Der Bericht behandelt in dem Abschnitt über die Organi fationsfragen auch die wiederholt im Verwaltungsapparat des Arbeitsamts aufgeworfene Frage der Anwendung der gefeggebe­rischen Errungenschaften der Internationalen Arbeitsorganisation auf das Saargebiet, wobei festgestellt wird, daß alle erwogenen Systeme einer Beteiligung des Saargebiets an der Internationalen Arbeitsorganisation ernste juristische Einwendungen hervorgerufen haben, und daß eine Debatte über das Problem einen übertriebenen Umfang angenommen haben würde, ohne zu einer praktischen Lösung zu führen. Inzwischen habe aber die im Saargebiet ins Leben ge­rufene Gründung einer Arbeitskammer eine Wendung herbeigeführt, die die Möglichkeit biete, eine der Sonderstellung des Saargebiets entsprechende Regelung der Bestimmungen der Internationalen Arbeitsorganisation zu finden. Man habe daher beschlossen, ehe man die Frage weiter verfolge, die Gründung der Arbeits fammer im Saargebiet abzuwarten. Der englische Arbeiterbelegierte Poulton mies in der Debatte über den Be­richt des Direktors auf diese Darlegung hin und sprach dabei den Wunsch aus, daß Maßnahmen ergriffen würden, um die Arbeits­bedingungen im Saargebiet weniger fläglich zu gestalten. Direttor Thomas entgegnete mit der Erklärung, der Verwaltungsrat fei bestrebt, den Saararbeitern denselben Nugen zu sichern, den die Arbeiter der anderen industriellen Gemeinschaften aus der Inter­ nationalen Arbeitsorganisation ziehen.

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Die Lohnverhandlungen bei der Reichsbahn beendet.

Wie allgemein befannt, waren an bas Ergebnis der letzten Lohn verhandlungen noch einige Bedingungen geknüpft, die auf dem Wege der Nachverhandlungen zur Erledigung gebracht werden sollten. Die Verhandlungen sind nunmehr beendet, so daß auch Aussicht auf Einigung in der Tarifvertragsfrage für Arbeiter besteht. Die Anweisungen bezüglich der Lohnerhöhungen ab 1. Juni werben, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, am heutigen Tage erfolgen, so daß die Erhöhungen am nächsten Freitag sicher voll aus gezahlt werden fönnen.

Die Situation im Berliner Baugewerbe.

Der Direttor der Internationalen, Arbeitsorganisation Albert Thomas, der die Funktionen eines Generalsekretärs der Konfe In der geftrigen Generalversammlung des Baugewerfs­renz ausübt, wies in seiner Entgegnung auf die verschiedenen Reben bundes Groß- Berlin berichtete Thöns über den Konflißt im Ber auf die Widerstände und Schwierigkeiten hin, die dem Beitritt der liner Baugewerbe. In der Sonntagsausgabe des Vorwärts" wurde dem Bölkerbunde noch nicht angehörenden Staaten entgegenstehen, bereits darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen mit den Unter­befürwortete aber mehrfach den Einschluß dieser Länder, vor allem nehmern wiederum gescheitert sind. Die Forderungen der Bauarbeiter Ameritas und Rußlands, wobei er die Rechtslage erörterte und daran werden von den Arbeitgebern als unbegründet bezeichnet. Die Unter erinnerte, daß Deutschland und Desterreich damals in die Internehmer ließen burchbliden, daß fie es auf einen Rampf im Berliner nationale Arbeitsorganisation aufgenommen wurden, obgleich fie Baugewerbe antommen laffen. Gewerberat Rörner deutete an,

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daß er nunmehr ben Schlichter iffett von bem Zohnstreit in Renntnis sezen wird. Es wäre zu wünschen, daß es vor einem Bruch noch zu einer befriedigenden Regelung der Lohnfrage tommt.

Arbeitseinstellungen dürfen nur nach Rüd fprache mit dem Vereinsvorstand unternommen werden. Von Fall zu Fall wird zu prüfen sein, ob es geboten erscheint, die Arbeit einzustellen. Ob die Unternehmer auf die Dauer einen tariflosen 3 ustand vorziehen werden, bleibt abzuwarten.

Die Diskussionsrebner stellten sich im allgemeinen auf den Standpunkt, daß, wenn es zu einem neuen Lohntampf im Ber­ liner Baugewerbe kommen sollte, die Arbeiter zu kämpfen wiffen.

Einstimmig hat die Versammlung die bisherigen Maß­nahmen des Vereinsvorstandes gutgeheißen und ihm die Vollmacht gegeben, alle weiteren Schritte einzuleiten.

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit des ADB.

Der erste Gewertschaftsturfus bes Allgemeinen Deut fchen Beamtenbundes, der vom 16. bis 21. Juni 1924 in den Räumen der Deutschen Hochschule für Politit" zu Berlin ver anstaltet worden war, hat einen glänzenden Berlauf genommen. Mehr als 120 Hörer, darunter etwa 90 von außerhalb, waren für den Rurfus gemeldet. Trog der sommerlichen Hize, trog ber Fülle des Stoffes, die täglich in sechsstündiger Rurfusarbeit bewältigt wer den mußte, haben die Kursusteilnehmer nahezu bis auf ben legten Mann durchgehalten.

Der 3 wed des Rurfus, durch eine möglidyft gefloffene Darstellung wirtschaftspolitischer Fragen ben Boden für eine erfolgreiche Gewerkschaftspragis zu bereiten, fann im vollen Umfange nur erreicht werden, wenn diesem ersten Rurfus weitere Veranstaltungen auf breiterer Grundlage folgen. Was mit diesem ersten Auftakt gegeben werden bonnte, war taum mehr als ein Streifzug durch das Labyrinth der Wirtschafts- und Ge­wertschaftsprobleme.

Die Rurfusleitung hat Wert darauf gelegt, Männer der Praris für die Löfung der von ihr gestellten Aufgabe zu gewinnen. Gemert­schaftler von Ruf, wie Rub. Miffels, Rob. Schmit, Kurt Heinia, Woldt, Rich. Seidel, Knoll, bürgten dafür, daß ihre Vorlesungen mehr waren als rethorische Baradeftüde. Männer wie Stadtrat Dr. Herz. Dr. Cassau, Dr. Potthoff, Dr. Raßner fonnten mit ihren wissenschaftlichen Dorlegungen den Be­weis erbringen, daß ohne Bertiefung des Gewerkschaftsgedantens bie Steigerung gewerkschaftlicher Erfolge unmöglich ist. Die Bearbeitung der Die Beamtenbewegung betreffenden Gebiete war von den Bor­standsmitgliedern Faltenberg und Dr. Böfter übernommen worden. Der Tendenz des ADB. entsprechend, war das Bestreben aller Dozenten auf die Bloßlegung der die Gewerkschaftspolitit und Allgemeinpolitik verbindenden Linien gerichtet. Der für Oftober d. I. in Aussicht genommene Kursus soll u. a. auch die Genossenschaftsfrage behandeln.

Berantwortlich für Bolitik: Ernst Neuter; Wirtschaft: eine Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Cgforn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarftädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3.

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