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Eine Rede Bernstorffs in Lyon  .

Starker Beifall bei den Franzosen.

Lyon  , 2. Juli.  ( BTB.) Die Vollversammlung des Kongresses. ber Bereinigungen für den Bölkerbund genehmigte die R- folution des Wirtschaftsausschusses, die das Sachverständigen gutadten begrüßt, feine Berwirklichung durch Bölferbundorgane empfiehlt und hierfür Deutschlands   Eintritt in den Böiter. bund mit ständigem Ratssig bei Erfüllung der im Paft ge forderten Zusicherung für notwendig erflärt und ben Grundlag des Achtstundentages aufrechterhält. Der Präsident der deutschen  Liga für den Völkerbund Graf Bernstorff

hicht beibei eine oft von startem Beifall unterbrochene Rede, in ber er betonte, daß zum ersten Male eine deutsche Delegation zum internationalen Rongreß nach Frankreich   gekommen fei und in der er der französischen   Böllerbundvereinigung den Dank für ihren liebenswürdigen Gmpfang aussprach. Er hoffe, daß die Wahlen in Frankreich   und England den

Beginn einer neuen Epoche

der europäischen   Geschichte bedeuten. Die deutschen   Wahlen haben zwar ein siartes Anwachsen der radikalen Rechten und Linfen  und eine Schwächung der Mittelparteien gebracht, aber die Reichs regierung verfüge über eine hinreichend starte Mehrheit für die Annahme des Cadyverständigengutachtens. Damit ginge aber die Reparationsfrage der 2öfung entgegen. Er verstehe, daß die Er verstehe, daß die unbedingt notwendige Lösung der Reparationen und die Sicherheit Frankreichs   die wichtigsten Fragen in den Augen der Nachbarn Deutschlands   feien und stelle fest, daß auch die Abrüstungs. frage gelöst fei. Deutschland   sei völlig abgerüstet, und selbst menn es Krieg führen wollte, was nicht der Fall sei, so fönnte es bas nicht. Die Republik sei und werde bleiben; aber man folle Geduld haben und nicht vergessen, daß auch nach den Revolutionen in Eng land und Frankreich   noch lange Schwierigkeiten zu überwinden waren. Bernstorff marnie dann vor Uebertreibungen, die das Aus land in der Beurteilung der nationalistischen Rundgebungen Legeiye. Es sei selbstverständlich, daß in Deutschland   das Nationalgefühl nervöser und lebhafter sei als in anderen Ländern, da wir die Be­siegten und Verstümmelten dieses Krieges sind. Diesen durchaus unvermeidlichen Gemütszustand möge man verstehen und die deutsche Liga für den Bölferbund täte alles, um ihn zu beschwichtigen.

Das Kleingartenwesen.

Ausbau der kleingärtnerischen Organisation.

3immerdeden find manchmal so baufällig, daß es schon richtige Ein­stürze gegeben hat. Was jeßt in Berliner   Häusern möglich ist, lehrt ein Borkommnis, das uns aus Berlin- Mitte   bekannt wird. Auf das schon recht abbruchreif aussieht. Nach den legten Regengüssen dem Grundstück Kurze Straße 9 fteht hinter einem längst nicht mehr neuen Borderhaus ein anscheinend noch älteres Hinterhaus,

während der letzten Jahre weiter fortgeschritten und der Zusammen Die wirtschaftliche Organisation des Kleingartenwesens ist schluß der Ricingärtner im Reichsverband der Kleinerlebien bie Bewohner einer Dadywohnung die Ueberraschung, daß Sertenvereine Deutschlands  ( RBKG) hat sich wesent lich gefefttigt. Um diesen Zusammenschluß, der im wirtschaftlichen Intereffe der Kleingärtner selbst liegt, meiter zu fördern, soll, wie der Amiliche Breußische Bressedienst einem Erlaß des Preußischen Ministers für Bollswohlfahrt entnimmt, fünftig allen Kleingarten, vereinen ber Beitritt zu diesem Berband nahegelgt werden mit dem Hinweis, baß grundläglich feinem Verein die Gemeinnüßigkeit im Sinne der AGD. und damit die Befugnis, als Generalpächter auf zutreten, verliehen werden soll, der nicht dem Berband ange Schloffen ist.

Für die ihnen gewährten Borteile sollen die als gemeinnügig anerkannten Bereine fich ihrerfeits verpflichten, darüber zu machen, daß ihre Unterpächter, bie einzelnen Kleingärtner, überall ord. nungsgemäß und fachkundig wirtschaften. Darunter ist nicht nur eine fachgemäße Bestellung, Düngung, Ungezieferbesetti­gung usw. zu verstehen, vielmehr gehört dazu auch, daß der Garten nebft Zubehör äußerlich in einem ansehnlichen Zustand gehalten mirb, wobei allerdings, je nach Lage des Gariens, im Stadtinnern oder mehr außerhalb die Anforderungen verschieben zu stellen sein werden. Diese Kulturaufsicht" werden die anerkannten Vereine Diese Kulturaufsicht" werden die anerkannten Bereine burch besonders bafür gebildete Ausschüsse, in denen zwemäßig auch die städtische Rieingartenstelle perireten sein sollte, ais General pächter auszuüben haben. Das Kleingartenland umfaßt heute Tausende von Hettaren in der nächsten Umgebung der Städte. Es Das Kleingartenland umfaßt heute daß diese Ländereien überwiegend oder ausschließlich als Blumen ist daher bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands   nicht erträglich, garten oder Kinderspielplaz benutzt werden, es ist das übrigens auch schon seit langer Zeit nicht mehr der Fall. Es muß vielmehr eine gewissenhafte wirtschaftliche Ausnugung der langt werden. Andererseits muß das Gartengelände auch in seinem äußeren Ansehen mehr als bisher gepflegt werden,( Aussehen der Zäune, Lauben, Wege, Blumenpflege usw.), wenn sich die Gemein den mit der durchaus berechtigten Forderung der Kleingärtner nach Anlage von Dauerfolonien befreun­Aber wenn das Ausland wichtige Intereffen habe, so müsse es gärtnerschaft durch die Regierungspräsidenten nach Möglichkeit den sollen. Daneben soll die wirtschaftliche Organisation der Klein­auch die wichtigen deutschen   Fragen begreifen, nämlich die Not weiter gefördert werden, und zwar in der Weise, daß entweder die wendigkeit der Räumung der über den Inhalt des Bersailler leingärtner wirtschaftliche Organisationen aus fich unter Um Bertrages hinaus befezten Gebiete und Amnestie und Heimkehr ständen im Zusammengehen mit den Wohnungsfürsorgegefell. für alle Deutschen  , die sich am passiven Widerstand beteiligten. Burhaften, z. B. Einkaufs G. m. b. 5. für Saat und Düngungs­Frage des Eintritts in den Bölterbund erklärte Bernstorff, baß es mittel, schaffen oder daß die Stadt ihrerseits die Gesamtregelung beffer fei, wenn Deutschland   seine Aufnahme erst nach vor= der wirtschaftlichen Fragen in die Hand nimmt durch Schaffung heriger völliger Berständigung mit Frankreich   und einer jogenannten Stadtlandfultur. m. b. H.", wie dies z. B. England über anderen Fragen ansuche. Er stimme daher der Reso- in Grünberg   i. Schles. mit solchem Erfolg geschehen ist, daß lution bei, auch deshalb, weil sie die Forderung nach dem Rats die Gesellschaft ihre Untesten deckt. fig enthält, auf den die öffentliche Meinung Deutschlands   den größten Wert lege.

Nachdem der lebhafte Beifall fich gelegt hatte, dankte der französische   Präsident des Wirtschaftsausschusses, Deputierter Jean Henneffy,

dem Bertreter der deutschen   Liga für seine Erklärungen, vor allem über die Abrüstung, die die französische   Delegation ungemein befriedigt habe, unterstrich aber eindringlich die Befürchtungen, die man in Frankreich   vor neuen geheimen deutschen   Kriegsmitteln habe, deren deutsche   Nationalisten sich bedienen fönnten, weshalb auch die erste Sorge der neuen Regierung, die ein Einvernehmen mit Deutschland   wolle, die Aufklärung über diese Frage gewesen sei. Er bat Bernstorff, auf die deutsche öffentliche Meinung einzu wirken, daß fie die Kontrolle zulaffe, versicherte, daß Frankreich  teine Annegionen befester Gebiete molle, und gab der Hoff nung auf den Eintritt Deutschlands   in den Bölkerbund mit Rato. fig, der ihm zustehe, Ausdruck.

Der Vertreter des belgischen Vereins, Rollin, sprach hieraus Eurz feine große Befriedigung über Bernstorffs Borte aus, Der polnische Vertreter teilte dem Vorstand des Kongresses niit, daß er den Einspruch gegen den Baffus der Resolution über den deutschen   Ratssiß aufrechterhalte.

Die Wahl Maginots. Erregung der Linken.

Paris  , 2. Juli.  ( Eca.) Im Mittelpunkt der Betrachtungen der politischen Kreise steht jezt die Wahl des früheren Kriegsministers im Kabinett Boincaré, General Maginot, zum Borsigenden des Heeresausschusses der Kammer und die, unerwartete Niederlage des Kandidaten des linken Blocks, Paul Boncourt. Die Niederlage Boncourts ist lediglich dadurch möglich geworden, daß einerseits etwa 6 radikale sozialistische Abgeordnete, die der Kommission angehören, fich der Abstimmung enthalten haben, und andererseits eine Reihe anderer radifaler Abgeordneter, auf beren Stimme Boncourt hätte zählen können, der Sigung ferngeblieben sind. Es ist nicht sicher zu ertennen, auf welche tatsächlichen Gründe die Stellungnahme der jenigen Lintsabgeordneten zurückzuführen ist. die den gemeinsamen Kandidaten des Blods fallen gelaffen haben, zumal in sämtlichen übrigen Rommissionen die Kandidaten des linten Kartells in der vor. gesehenen Weise durchgedrungen find. Ein wenig gelesenes Morgen. blatt, deffen Spezialität es ist, zu allen parlamentarischen Ereignissen furze Interviews mit den führenden Parlamentariern zu bringen, ver. öffentlicht heute früh zu dem Ausfall der Wahl zum Heeresausschuß Erklärungen Boncourts, Maginots sowie des Gefretärs des Heeres. ausschusses. Boncourt sagte:

on dem giebelartig herausgebauten Dachfensier die Bordermand fich löste und hinabstürzte. Das Fenster samt den umrahmenden Steinen des Mauerwerks und einem Teil der den Fenstergiebel deckenden Dachziegel flog auf den Hof, so daß die hinunterproffeinde Last einen Menschen hätte erschlagen fönnen. Niemand wird glauben wollen, daß dieser Absturz( ozu­feit bestand und Gefahr drohte, muß doch schon längere fagen aus heiler Haut" gekommen sei. Daß hier Baufällig Zeit vorher zu bemerfen gemesen sein. Hoffentlich wird die zu ständige Behörde feststellen fönnen, auf weißen Schuldtonio es au fegen ist, daß dem Zusammenbruch nicht rechtzeitig vorgebeugt wurde. Der Eigentümer wohnt natürlich nicht in feinem Hause Kurze Straße 9, das ihm wahrscheinlich nicht obel" genug wäre.

Abbau des Berliner   Magistrats.

In der Polemit der bürgerlichen Bresse   wird es stets so bar­gestellt, als ob die Sozialdemokratie einen Abbau des Berliner   Magistrats verhindern wolle und sich überhaupt gegen den Abbau sozialdemokratischer Magistratsmitglieder wende. Auch eine Anfrage der Deutschnationalen im Preußischen Landtag unterstellte mider befferes wiffen diese falsche Behauptung. Demgegenüber ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daß die preußische Abbauverordnung einen Abbau bis zu 25 Prozent vorsieht. Bon den 18 befoldeten Mitgliedern des Horten, der Stadtmedizinalrat Rab now, der Wohlfahrts­Magistrats find inzwischen bereits ausgeschieden der Stadtbaurat dezernent, Stadtrat Hinge und der Stadtbaurat Hoffmann. feine unbesoibeten Mitglieder unterliegen nicht der Abbauverordnung. Das sind rund 30 Prozent des Berliner   Magistrats, Denn Außerdem ist von der Stadtverordnetenversammlung der Abbau von schläge nicht auf politischen Erwägungen erfolgt feien, wagt niemand brei meiteren Magistratsmitgliedern verlangt. Daß die Bor demokratie fich auch diesem Abbau von vornherein widersetzt hätte. mehr zu behaupten. Trotzdem ist es auch nicht wahr, daß die Sozial­gewefen. Sie wäre zweifellos auch hier zu Zugeständnissen berett

Die Schärfe des Konflikts hat sich erst ergeben, als im Falle Baulsen die bürgerlichen Parteien durch ihre ständig wechselnden Beschlüsse selbst dem Blödesten flarmachten, daß sie die Personal­abbauverordnung zu einem politischen Gemaltatt ausnuten wollen. Ebenso verlogen ist auch die Behauptung, die Sozialdemokratie verhindere den Abbau der Bezirtsämter.

Nachdem jetzt alle Bezirksämter fich geäußert haben, hat der Magistrat sich dahin entschieden, daß, mit Ausnahme einiger größerer Bezirksämter, für die drei Stadträte zum Abbau vorgeschlagen werden, bei der Mehrzahl der Berliner   Bezirksämter zwei be-­foldete Mitalieder abzubauen sind. Wie wir hören, Durchführung noch der gemischten Deputation für die Organisation Berlins   zur Begutachtung vorzulegen. Der endgültige Abbau müßte dann später von den Bezirksversammlungen, die die Ber­fonen zu bestimmen haben, vorgenommen werden und würde spätestens im September erfolgen.

Die Forderung nach möglichst starfer wirtschaftlicher Ausnutzung des Kleingartenlandes darf indessen nicht dazu führen, daß die mit dem Kleingartenwesen eng verbundene Jugend- und Gebeabsichtigt der Magistrat, seine Entschließung vor der endgültigen sundheitspflege dabei vernachlässigt wird. Beides ist mit einander zu verbinden, in der Weise, daß die Gärten einen Frei­plak als Spielplag für die etwas größeren Kinder umschließen, während für die gang fleinen auch im intensiv bewirtschafteten Garten eine Spielede freibleiben muß.

Wieder ein Chloroformüberfall.

Ein Lehrer in der Ringbahn betäubt und beraubt. Nachdem sich vor kurzem ein ähnlicher Fall ereignet hatte, ist gestern wieder der Passagier eines Ringbahnabteils betäubt und be­raubt worden.

Der Lehrer Georg Patidar aus der Aniephofstraße hatte mit dem Behrerfollegium einen größeren Ausflug gemacht. Um 12 Uhr nachts beftieg er auf der Station Stralau ein Abteil 2. Klasse eines Ringbahnzuges, um nach Steglig zurückzufahren. Er wor amar etwas ermüdet, hatte aber nichts getrunden und schlief nicht ein. Mann und wo er aber dann das Bewußtsein verloren hat, weiß er nicht. Erst gegen 1% 11 hr wurde er auf dem Bahnhof Neu­fölln im Abteil aufgefunden. Seine goldene doppeltapfelige Uhr und seine Geldtasche, die nur 3 m. enthielt, waren gestohlen. In dem Abteil war deutlich ein Chloroformgeruch wahrzunehmen. Der Mann war so hinfällig, daß er von Bahnhofsbeamten aus dem Abteil getragen werden mußte. Er zitierte am ganzen Körper und fonnte sich nicht aufrecht halten. Erst allmählich erholte er sich mieder, fo daß er feine Wohnung aufsuchen konnte. Auch nachdem er hier einen halben Tag im Bett gelegen hatte, fühlte er sich noch unwohl. Mitteilungen zur Aufklärung an Kriminalfommissar Dr. Riemann im Polizeipräsidium.

Zahlungsschwierigkeiten der Ersazkaffen?

Fünf raditale Kommissionsmitglieder haben ihre Pflicht nicht erfüllt. Sie haben unter Bernachlässigung der cingegangenen Bernie untergeht" und weil auch sonst die Bielverfchreibung start un pflichtungen Maginot durchgebracht. Dieser Zustand fann nicht an­dauern. Maginot kann nicht Borsigender bleiben. Wenn er es bleiben würde, so würde der augenblickliche Kriegsminister, General Nollet, gegenüber dem Heeresausschuß in einer unmöglichen Stellung sein." Maginot selbst äußerte folgendes: Ich verdante meinen Er­folg dem patriotischen Gefühl von 5 oder 6 Radikalen. Die Sozia­liften mußten das erwarten." Der Sekretär des Heeresausschusses Gon meint: Paul Boncourt ist der Mann der achtmonatigen Dienst. zeit. Seine Perfönlichkeit als Kriegsabgeordneter ift allzu fcharf um rissen. Einige Radikale befamen es mit der Angst, da sie Befürch tungen wegen der nationalen Berteidigung hegten. Maginot flößte ihnen in dieser Beziehung mehr Vertrauen ein."

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Die Lintspreffe zeigt sich mit dem Resultat außerordentlich unzu frieden. Der uotidien" spricht von Verrat und fordert die Regierung auf, dafür zu sorgen, daß Maginot zur Demission ge zwungen wird. Unter Anspielung auf die verschiedenen Mißerfolge, die das Kabinett in der ersten Woche seines Bestehens bereits erlebt hat, schreibt das Blatt: Bir verbergen nicht, daß das Land über die ärgerlichen Anfänge der neuen Majorität auf das höchfte erregt ist, und daß es sich mit Unruhe fragt, was Herriot   und seine Mitarbeiter, die von den eigenen Truppen zu schlecht unterstützt werden, von den gegebenen Bersprechungen werden halten können. Wenn die Kammer vor ihren Ferien nicht das Mittel findet, die öffentliche Meinung zu beruhigen, so soll sie auf der Hut sein. Das Frankreich   des 11. Mai mürde es nicht verzeihen, wenn man ihm feinen Gieg jabotiere."

In anderen linfen Blättern wird die Regierung aufgefordert, möglichst bald den Entwurf zur Einführung der einjährigen Dienst­zeit einzubringen, und die einzelnen Mitglieder des Heeresausschusses au amingen, in öffentlicher Abstimmung Stellung zu nehmen, wobei nach ihrer Auffassung wahrscheinlich eine ähnliche Haltung gemijfer radikalsozialistischer Mitglieder des Ausschusses unmöglich wäre. Auf diese Weise würde ein Konflikt zwischen dem Ausschuß und dem Bor. figenden geschaffen werden, durch den eine Abdantung des Ausschuß Borfizenden notwendig werden würde.

Man schreibt uns: Am letzten Freitag fand eine große Aerzte­verfamlung statt, welche über allerlei interessante Dinge Ausschluß gab. Die Aerzte scheinen immer mehr die von ihnen bisher ge Schmähten parlamentarischen" Umgangsformen übernehmen zu wollen; denn es hat sich gegen Ende der Versammlung eine folenne Reilerei entwickelt, in die auch ein sehr prominenter Arzt eingegriffen haben soll. Dank der Propaganda der Aerzte mährend des vertragslosen Zustandes soll die Groß- Lichter felder Erfagfaffe erheblich an Mitgliedern zugenommen haben, aber trotz der dadurch erzielten ungeheuren Beitragsein nahmen jegt in ernste 3ahlungsschwierigfeiten geraten sein, weil im Reiche vieler Berliner   Stassenärzt die Höhensonne fich gegriffen haben soll, wodurch weniger den Mitgliedern, als den Aerzten genügt würbe. Um diese Krantentaffe wieber flott zu madyen, foll der Leipziger Berband, die Spikenorganisation der Aerzte, alle Zahlungen an die Aerzte gestundet haben; ein ähnlicher all soll für die anderen Erfagfaffen vorliegen, denen für die Monate Mai und Juni 15 Proz. ihrer Gesamtschulden an die Aerzte nach gelaffen werden sein sollen. Man erkennt daraus, daß die von den Aerzten viel geschmähten Einspruchsbemühungen der Ortstranten­faffen durchaus berechtigt waren, und daß die Krankheiten der Ber sicherten felbft nach der Meinung der Aerzte mit bedeutend ge­ringeren Mitteln geheilt werden können, als die Aerzte früher so oft betont haben. Eiwa 30 Proz. der beanspruchten Kassenärzte fallen von der Algemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin   eine Monatseinnahme von etwa 400 m. erzielen, ganz abgesehen von den Einnahmen, die sie noch von anderen Kranfattassen haben. Ueber ein Dutzend Aerzte erhalten allein von der Allgemeinen Orts frankenfasse der Stadt Berlin   mehr als 2000 m. im Monat, ungerechnet ihrer Einnahmen von den anderen Krantentassen. Demgemäß fann man von einem notleidenden Aerztestand in Berlin  doch wohl nicht fprechen. Der berechtigten mehrmonatigen Spar­famfeitspofitit der Ortstrantentassen ist es zu verdanken, daß vom 1. Juli ab die Mitglieder der Ortskrantentaffe auch ihre Familien­angehörigen auf Kosten der Krantentasse ärztlich behandeln lassen fönen und auch vollkommen freie Arznei für Frau und Kinder be­tommen, ohne auch nur einen Pfennig mehr Beitrag bezahlen zu müffen.

Bis die Bude einfällt.

Bas tun die Berliner   Hauseigentümer zur Befferung des bau­lichen Zustandes ihrer Mietstasernen? Wer's wissen will, der braucht nur einen Spaziergang durch die minder vornehmen" Straßen der Stadt zu machen. Das Bild, das sich ihm an den Häuserfronten und im Innern der Häufer bietet, ist die treffendite Antwort auf seine Frage. Nicht nur der Buzz fällt von den Außen­wänden vieler Häuser in großen Fezen herab, auch Hausdächer und

Ein neuer Park in Tempelhof  .

Die frühere Dorigemeinde Tempelhof   hat den Bewohnern des Gemeindebezirts verschiedene Barfanlagen zu sichern verstanden. Bunächst hatte sie nur die Dorsaue, die nach Art eines Ed; mud­plazes ausgestaltet wurde. Im Jahre 1908 erworb die Gemeinde ben großen Gutspart neben her alten Kirche, der jegt liter Barf" heißt und eine vielbesuchte Erholungsstätte geworden ist. Hierzu fam 1913 ein auf der anderen Seite der Kirche gelegener Brivat garten, der jektge Kleine Part", den die Gemeinde den Erholung fuchenden zugänglich machte. Im Jahre 1914 fiel dann an die Ge meinde auch das Gelände, das westlich der Kirche sich bis zur Man­teuffelstraße erstreckt. Hier, in dem jezigen Neuen Bart". bot sich Gelegenheit, Pläge für die spielende Jugend einzurichten. Auch der bei der Bebauung des Tempelhofer   Feldes begonnene, aber nicht vollendete Barfqürtel mit seiner Blanschwiese darf nicht unerwähne bleiben. Jegt ist der Berwaltungsbezirk Tempelhof um eine neue Barkanlage bereichert worden, um den ehemals Franceschex Part an der Albrechtstraße, der einen schönen Baum bestand hat. Der Park wurde gestern der Deffentlichkeit übergeben.

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Feuer in einer Möbelfabrik. Die Berliner Feuerwehr hatte in der bergangenen Nacht ein Großfeuer in der Schlesischen Straße 20 zu löschen. Es war erst in der neunten Abendstunde bemerkt worden, als es schon eine große Ausdehnung erlangt hatte. Bei Ankunft der ersten Löschzüge unter Leitung des Baurats Road stand dort die Möbel und Propellerfabrik Dow Berthold Wöhlert auf dem Hofe schon in solcher Ausdehnung in Flammen, daß unverzüglich Mittelfeuer" an sämtliche Wachen gemeldet werden mußte. Die Feuerwehr mußte wegen der großen Berqualmung und Size über zwei mechanische Leitern vorgehen und mit 10 Schlauchleitungen bis 10 Uhr löschen.

Ein Leichenfund beschäftigt die Kriminalpolizei. In Brig  wurde gestern nachmittag um 3 Uhr in der verlängerten Johannis­thaler Straße am Delfter fer die Leiche eines unbefann ten Mannes aus dem Teltowtanal gelandet. Sie kann nur ganz furze Zeit im Wasser gelegen haben. Bekleidet war sie nur mit einem gewöhnlichen Leinenhemd und braunen gestopften Strümpfen. Andere Kleidungsstücke wurden beim Absuchen des Wassers und des Geländes nicht gefunden. Der Lote ist etwa

Aus der

20 Jahre alt, 1,65 Meter groß und fräftig gebaut und hat dunkel­blondes Haar und einen geftugten Schnurrbart. Mitteilungen zur Feststellung der Persönlichkeit und zur Aufklärung nimmt Kriminal­fommissar Gahmig im Polizeipräsidium entgegen. Spree   gelandet wurde auf dem Hinterlande des Grundstücks Köpenider Straße 12 die Leiche einer unbekannten Frau von etwa 18-20 Jahren. Sie wurde nach dem Schauhaufe gebracht. Die Tote ist etwa 1,60 Meter grok, hat dunkelblondes Haar und trug einen grünblaurot gestreiften Jumper,.ein graudunkelblau ge­streiftes Frottékleid, braune Strümpfe, schwarze Halbschuhe, eine weiße Unterhose und ein weißes Hemd, das K. gezeichnet ist. Die Leiche fann etwa 3-4 Tage im Wasser gelegen haben.

Bei einer Schlägerei getötet. Gegen 1 Uhr nachts wurden zwei Polizeibeamte durch Bajjanten nach der Mariannenstraße gerufen, wo sich eine Schlägerei zwischen mehreren Männern ent wickelt hatte. Als die Beamten eintrafen, hatten sich die Beteiligten bereits entfernt. Nur einer von ihnen, der 40 Jahre alte Dreher Mag Binding. Hafenheide 9, Iag in einer Blutlache be­sinnungslos am Boden. Die Beamten brachten ihn nach dem Be­thanienfranfenhaus, wo er jedoch bald nach seiner Aufnahme per⭑ starb. Von den Tätern hat man bisher noch feine Spur.

Aufhebung der Gebühren für das dänische Durchreifevifum, Die dänische Gesandtschaft in Berlin   teilt mit, daß in der Zeit bis zum 31. August d. I. deutsche   Staatsangehörige, die durch Einreisevisum nach einem anderen Lande nachweisen, daß sie be­absichtigen, durch Dänemark   zu reisen, das dänische Durchreisevisum gebührenfrei erhalten.

Wetter für morgen.

Berlin   und Umgegend: Kühler, vorwiegend trübe mit Regenfällen und start auffrischender itdmeſtlichen Binden.

Deutschland  : 3m äußersten Often Deutschlands   noch warm, bei zu nehmender Bewöllung, sonst meist regnerisch und lühler.