Nr.332 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 170
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Donnerstag, den 17. Juli 1924
Macdonalds Eröffnungsrede.
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| ihre Bemühungen, um die Anwesenheit eines Amerikaners in der Reparationskommission für den Fall eines deutschen Verzuges sicher zu stellen. Sollte sich diese Lösung als unmöglich erweisen, so merden vielleicht Schritte unternommen werden, um so werden vielleicht Schritte unternommen werden, um den Generalagenten für die Reparationen zu berufen. Alle Punkte, die den Kommissionen überwiesen worden sind, haben in hohem Maße technischen Charakter und werden alle in der englisch - französischen Note der letzten Woche unter den Abschnitten c, d und e beschrieben.
Zweifel am Erfolg in London. - Schwarzseherei in Paris . London , 16. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Die Londoner Konferenz ist am Mittwochvormittag 11 Uhr im Auswärtigen Amt eröffnet worden. Die Delegierten hatten sich vollzählig und pünktlich versammelt. An der Spitze der hufeisenförmigen Tafel faßen Macdonald und Herriot. Der englische Kolonialminister Thomas war nicht als Vertreter der englischen Dominions anwesend, sondern mehr als Affiftent Macdonalds. In seiner Er öffnungstede jagte Macdonald, daß die konferenz die Bedingungen festzustellen habe, unter denen der Dawes- Plan durchgeführt werden soll. Die erste sei die fiskalische und ökonomische Ginheit Deutschlands und die zweite sei die Sicherstellung für die
Kapitalgeber, die die Anleihe von 800 Millionen Goldmark aufbringen und das Geld beschaffen sollen, um den Dawes- Plan ins Werk zu setzen. Diese Erklärung Macdonalds wurde von den französischen Delegierten mit Schweigen angehört.
Herriot sagte in seiner Ansprache, daß jeder der Teilnehmer an dieser Bersammlung sein Vaterland liebe, und daß jeder den Frieden wünsche, aber alle hätten den Wunsch, die Intereffen ihrer Bölker, die durch den Krieg gelitten haben, zu schützen und durch Versöhnung der widerfireitenden Intereffen der Konferenz zu dem Ergebnis zu verhelfen, das im Interesse des Friedens erwartet roerden müsse. Für die Bereinigten Staaten sprach der Botschafter Hellogg. Er sagte, daß die Bereinigten Staaten nicht zu den Signatarmächten des Bersailler Bertrages gehören und darum auch auf dieser Konferenz nicht mit demselben Gewicht vertreten feien als die anderen Nationen. Aber die amerikanische Vertretung sei hier im Geist williger mithilfe. Das amerikanische Bolt hoffe mit feiner Regierung, daß die Annahme des Sachverständigenberichts der erste große Schrift zur Stabilisierung Europas sein werde.
Nach Beendigung der Begrüßungsansprachen wurde
Macdonald einstimmig zum Präsidenten gewählt. Generalsekretär wurde Sir Maurice Hapkey. Macdonald übernahm sofort den Vorsitz. Es folgte die Besprechung von Geschäftsordnungs- und Organisationsfragen. Unter anderem wurde darüber beraten, wieviel Sachverständige von jeder einzelnen Delegation zugelassen werden sollten. Insgesamt sind drei Aus schüsse gebildet worden, die alle vorgesehenen Beschlüsse der Konferenz vorbereiten sollen.
Außerordentliche Schwierigkeiten. London , 16. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Die Eröffnung der Londoner Konferenz war gekennzeichnet durch den manget an optimistischer Stimmung, die bei solchen Gelegenheiten meist zur Schau getragen wird. Alles stand unter dem Eindruck der außerordentligen Schwierigkeiten, die in der franzöfifchen Preffe mit großem Peffimismus und in England mit größter Zurückhaltung behandelt werden. Der im Schoße der Reparafi onsfommission ausgebrochene konflikt zwischen dem franzöfifchen Borfißenden Barthou und dem englischen Mitgliede der Reparationsfommiffion Bradbury ist in die Deffentlichkeit gedrungen und hat den denkbar schlechtesten Eindruck gemacht. Dieser Konfüift ist nur eine Teile rscheinung der Schwierig. keiten, die die Londoner Konferenz zu überwinden hat. Viel bemerkt wird, daß Macdonald in seiner Rede die Notwendigkeit der Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit besonders befont hat. Diese Aeußerung wird so gedeutet, daß Macdonald, nachdem er in Paris bis an die Grenze des Entgegenkommens gegangen ist, um ein kompromiß zu finden und die Konferenz zu reften, er nun in Condon den englischen und amerikanischen Standpunkt mit großer Festigkeit wahren will, zumal ihm die Unterhausdebatte gezeigt hat, daß selbst die konservativen einen größe terhausdebatte gezeigt hat, daß selbst die konservativen einen größ e- ren Widerstand Macdonalds gegenüber den Rücksichten auf Frankreichs innerpolitische Lage wünschten. Andererseits erkennen die interaliierten Staatsmänner die wachsende Dringlichkeit zur Regelung der Sicherheitsfrage und der Lösung des Problems der interalliierten Schulden. Da diese Fragen von der Löfung der Reparationskrise abhängig sind und zu erwarten ist, daß fie nur in Angriff genommen werden, falls die Londoner Konferenz Erfolg hat, dürfte auch Frankreich gezwungen sein, alles zu vermei
den, um die konferenz zu gefährden.
Am Mittwochabend wurde in offiziellen Kreisen mitgeteilt, daß die deutsche Regierung an Macdonald am Mittwoch eine 3 u- sammenfassende Darstellung der offiziellen deutschen Stellungnahme zum Sachverständigenplan hat überreichen lassen. Vorläufig nur Ausschußßigungen. Condon, 16. Juli.( WTB.) Reuter erfährt, daß heute keine zweite Plenarsizzung der Konferenz abgehalten wurde, und daß auch wahrscheinlich keine stattfinden wird, bis die drei kommis sionen, die sich mit den verschiedenen strittigen Einzelfragen beschäftigen, ihre Berichte vorgelegt haben. Die drei Kommissionen traten heute abend zusammen und verhandelten ungefähr zwei Stunden. Morgen werten sie wieder zusammentreten. Die Kommissionen, die sich mit der Autorität der Reparations tommission beschäftigen, vereinigen mit Rüdsicht auf die Sicherheit für die Geldgeber in Frankreich und Großbritannien
englischen Regierung wird Bolen an der Rondoner Konferenz Warschau, 16. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Auf Einladung der teilnehmen.
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Wir geben diese Meldung mit Vorbehalt; wird Polen eingeladen, so kann man z. B. die Tschechoslowakei nicht fernhalten. Indessen wenn Griechenland und Südilawien Reparationsmächte find, warum denn nicht auch Bolen und schließlich selbst die Tichecho slowakei, wenn auch das Gebiet der letteren im Krieg zentral mächtlich gewesen ist und Feindesschäden, vielleicht in Karpatrußland. höchstens durch Entente heere erlitten hat.
Der amtliche Bericht.
Condon, 16. Juli.( WTB.) In der Eröffnungsrede Macdonalds auf der heutigen interalliierten Reparationstonferenz heißt es dem heute abend 8 Uhr ausgegebenen Kommuniqué zufolge: Meine ersten Borte und Gedanken sind die des Willkommens im Namen sowohl meines Landes als auch meiner müsteung an die Vertreter der Nationen, die, während der Krieg mütete, an unferer Seite fämpften und die jetzt die Berant wortung teilen , Europa Frieden und Sicherheit zu bringen. Die Nachkriegsprobleme find zahlreich und verwidelt gewesen und es lag in der Natur der Dinge, daß wir bezüglich ihrer nicht im mer gleicher Ansicht sein fonnten. Aber jedesmal, wenn mir verschiedener Meinung waren, haben wir einen neuen Beweis von der gebielerischen Notwendigkeit der Einigkeit erhalten, wenn unser Sieg wirklich Europa sowohl für große Mächte als auch für fleine Nationalitäten sicher machen soll. Nichts hat Krieg entstanden sind und unter diesen sind die Reparationen eins uns mehr gehindert, als die wirtschaftlichen Probleme, die aus dem der schwierigsten gewesen. Zu Beginn des letzten Jahres entstanden ernste Meinungsverschiedenheiten unter uns über diese Frage, die, wenn nicht ein starter Wille in unseren Herzen gewesen wäre, zu üblen Folgen hätten führen können. Schließlich beschloß die Reparationsfommission mit 3uftimmung der Regierungen einen Ausschuß von Sachverständigen zu ernennen, um das ganze Problem zu erforschen und uns bei seiner Lösung zu leiten. Im April lieferte uns der Ausschuß einen Bericht, der nicht nur durch seine Fähigkeit, sondern auch durch seine Einstimmigkeit allen von uns eine gebieterische Verpflichtung auferlegte, ihn unver= züglich zur Durchführung zu bringen. Wir haben
bisher eine Politik verfolgt, die nicht nur verfehlt hat, die erwarteten Reparationen einzubringen, sondern die als Folge zu einer Unbeständigkeit der Gemüter bei den in Betracht tommenden Völkern geführt hat, zu einem Anwachsen des aggreffiven Militarismus und zur Verstärkung einer Furcht, die jedes Sicherheitsgefühl ausschaltete.
Die Nationen haben nicht eine Hoffnung vom Anbrechen eines friedlichen Tages erblickt, sondern in eine graue Aussicht drohender Gefahr geschaut. Es ist unsere Pflicht, dies zu beenden und zu versuchen, die neue Gelegenheit zu ergreifen, um glücklichere Aussichien zu schaffen. Ich unterschäße keineswegs die Schwierigkeiten unserer Aufgabe. Andererseits hoffe ich jedoch, daß Sie nicht die Aufrichtigkeit unseres Wunsches, sie zu überwinden, unterschätzen.
In einigen seiner Vorschläge ist der Bericht vielleicht an= fe chtbar. Aber wir sind von den Sachverständigen gewarnt worihn immer sorgfältig untersucht hat, wird zu demselben Schluß den, daß er als ein Ganzes genommen werden muß. Und wer tommen. Wir dürfen nicht versuchen, seine Einzelheiten abzuändern, sonst fallen wir wieder in die Meinungsverschiedenheiten, in denen wir uns früher so oft befunden haben. Verfuche, Bereinbarungen wir uns früher so oft befunden haben. Versuche, Bereinbarungen über lieine Dinge von geringfügiger Bedeutung zu finden, werden stets fehlschlagen.
Der Bericht fordert nicht nur Berpflichtungen von Deutschland, sondern auch von uns. Wir müssen ihm eine Chance geben. Wir müssen unsere Maßnahmen so anwenden, daß wir Bedingungen schaffen, unter denen der Plan, wie uns gesagt worden ist, arbeiten wird, und von diesen Bedingungen sind zwei unbedingt wesentlich: erstens, daß die wirtschaftliche und fiskalische Einheit Deutsch lands wiederhergestellt wird, zweitens, daß angemessene Sicherheit den Gläubigern gegeben werden kann, die ersucht werden sollen, eine sehr große Anleihe vorzustrecken, welche die Grundlage des Planes ist. Der Mechanismus, durch den dies getan werden soll, bietet einige Sicherheit, und ich bin überzeugt, daß die Schwierigkeiten überwunden werden können, und daß wir als Schluß wort unter unsere heutigen Beratungen das Wort schreiben können, das unseren Beschlüssen lange fehlte, nämlich das Wort:„ Erfog"! Die Methode, durch die die Sachverständigen ihre Arbeit geleistet haben, fann von uns selbst geprüft werden. Der Dames: Ausschuß hat einen scharfen Unterschied zwischen wirtschaftlichen und politischen Erwägungen gezogen und sich auf die ersteren fon zentriert. Der erste Satz, der Schlüssel des Berichts selbst, gibt den Schlüffel zu der Lage.
( Fortfehung auf der 3. Seite.)
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Ratifiziert endlich!
Ein Nachwort zur Internationalen Arbeitskonferenz. I. W . Genf, 14. Juli. Die Presse des Bloc national hat Herriots Arbeitsminister Godard mit ihrem besonderen Zorne verfolgt, weil er in Genf den Deutschen zu weit entgegengekommen sei, Ganz mit Unrecht. Die französische Reaktion mag beruhigt sein, man hat von deutscher Seite aus nichts getan, was ihren geheimen Aengsten, es möge doch noch einst zu einer Allianz der Vernünftigen und Ehrlichen in beiden Ländern kommen, recht geben würde. Wenn eine solche Allianz irgendwo einer aufmerksamen internationalen Zuhörerschaft vordemonstriert werden konnte, so auf der letzten ArbeitskonferenzDeutschland hatte die große Gelegenheit, auf sozialpolitischem Gebiet eine befreiende Geste zu tun, indem es für den Ach t= nationalen Plänen zum Schutze der Arbeit gab. Man wartete stunden tag eintrat und darüber hinaus sein Ja zu den interdarauf-es fam eine unglaublich förichte Rede des Herrn Vogel für die deutschen Industriellen, der eine gewundene Erklärung der deutschen Regierung voranging, und man gab feine Antwort mehr auf die Rede von Thomas. Es sei denn jenes seltsame Wolff- Telegramm mit dem historischen Saze: da das deutsche Bolt beschlossen hat, mehr zu arbeiten
" Deutschland will anscheinend seine Isos lierung," sagte ein neutraler und sonst sehr wohlwollender Beobachter nach diesen Vorgängen. Das ist das Entscheidende. Mehr und mehr schließt sich der Kreis internationaler Abs machungen auf sozialem und politischem Gebiete. Es ist leicht, über den Völkerbund zu spotten, noch leichter, von der Redaktionsstube der Deutschen Allgemeinen Zeitung" aus gegen das Internationale Arbeitsamt zu donnern, das sich erfühnt, dem deutschen Arbeiter wie den Arbeitern der Welt in feinen elementaren Rechten beizustehen. Man übersieht, daß durch eine ständige Zuſammenzunft und Zusammenarbeit der besten Köpfe in der ganzen zivilisierten Welt doch allmählich eine Atmosphäre des Vertrauens und des Verstehens für gegen= seitige Lebensnotwendigkeiten geschaffen wird, in der später einmal die große Bölfergemeinschaft leben tann. Selbst RußDeutschland. Es hat, einer unwidersprochenen Meldung zu= land, um nur ein Beispiel zu nennen, versteht das besser als folge, feine Beobachter auf der Arbeitskonferenz gehabt und es hat dem Völkerbundrat auf seine. Abrüstungseinladung hin in einer Weise geantwortet, die zumindest noch weitere Dis fussionsmöglichkeiten offen läßt. Aber Deutschland rührt sich nicht. Es lebt hinter einer chinesischen Mauer von Vorurteilen und gefällt sich zum Teil in einem törichten Stolze der Ablehnung gegen das Ausland, ein Zeichen einer gefährlichen Verkennung des tatsächlichen Zustandes.
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Gewiß , Deutschland ist zurzeit Objekt der großen Politik, nicht Subjekt. Das mag berechtigte Einwürfe erregen die aber feine Möglichkeit zu lebensfähiger Politik find, mögen sie noch so national" empfunden werden. Man glaubt, flug zu sein, wenn man nur die eigenen Belange" wahrnimmt und ist nicht einmal pfiffig. Der deutsche Industrielle, der die Notlage des Arbeiters zum Mehrarbeitsdiktat benutzt und damit ein neues Dumping plant, dürfte z. B. nur auf den härtesten und vereinten Widerstand des fremden Kapitals stoßen und die Taktik einer Reichsregierung, die vor laufer Bedenklichkeiten und weiter gewünschten Garantien den Eintritt in den Völkerbund verzögert, der von allen anderen Staaten heute als kontinentale Staatsnotwendigkeit betrachtet wird, muß schließlich in den internationalen Verdacht der Indifferenz, wenn nicht von Schlimmerem, kommen.
Jedermann weiß heute, wie verhängnisvoll falsch die Einstellung des deutschen Kaiserreichs zum Ha a ger Schiedsgericht gewesen ist. Und doch scheint es, als ob die deutsche Republik aus der Geschichte nichts gelernt hätte und enteines Saboteurs aller internationalen Bestrebungen weiter schlossen wäre, zu ihrem eigenen schweren Nachteil die Rolle zu spielen.
Statt praktische Politik zu treiben, gefällt man sich in der ewigen Wiederholung, der böse Wille der„ anderen" würde ein Zusammenarbeiten unmöglich machen. Warum etwas vorwegnehmen, was doch schlimmstenfalls erst die Erfahrung rechtfertigen müßte! Heißt das nicht, dem Gegenpartner schon vor Beginn des Spieles Unehrlichkeit zu unterschieben, den eigenen bösen Willen allzu deutlich zu manifestieren? Die Notwendigkeit gemeinsamer Arbeit würde die Möglichkeit der öffentlichen und internationalen Debatte über alle Fragen bringen, die auch deutsche Interessen berühren, und die Auswirkungen würden bestimmtt andere sein, wenn wir mit den anderen" an einem Tische fäßen anstatt allein draußen vor der Tür zu stehen und uns dann der Briefträger, wenn nicht gar der Gerichtsvollzieher, die Ergebnisse träger, wenn nicht gar der Gerichtsvollzieher, die Ergebnisse der internationalen Beſchlüſſe übermittelt.
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Was wird aber nachher sein? Es werden nachher feine Bunder geschehen, die Begrenztheiten sind nun einmal da, aber wir werden aus unserer allzu langen Vereinsamung heraustreten und uns wieder mit den anderen in eine Reihe stellen. Wir werden wieder begreifen lernen, daß man den Interessen des eigenen Landes am besten dient, indem man sie richtig versteht in ihrer notwendigen Verknüpfung und Bedingtheit mit denen der anderen Länder und Völker,