Nr. 332 41. Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
Aus dem Sowjetparadies.
Henkerarbeit: Folterungen und Todesstrafe.
In einigen Tagen erscheint im Buchhandel ein Wert des Pro-| fessors Melgunoff ,, Der rote Terror in Rußland ". Es ist der erste Versuch, das während der letzten sieben Jahre in Rußland geflossene Blut in einem großen Sammelbeden einzufangen und den Quellen dieser Blutströme nachzugehen. Der rote Terror der Sowjetregierung, das gegenseitige Hinschlachten im Bürgerkrieg, hat unzähligen Menschen das Leben gekostet, hat die schlimmsten Instinkte des teils noch auf primitiver, triebhafter Stufe stehenden Volkes entfeffelt. Welchen Grad diese unmenschlich anmutende Grausamkeit erreicht hat, davon zeugt der Ausspruch des größten lebenden Schrift. stellers Rußlands , Gorfi, der in einer seiner neuesten Schriften viel Unerquickliches von der Grausamkeit der russischen Bauern fagt. Dem Uneingeweihten wird vielleicht die eine oder andere allzu blutige Seite dieses Buches übertrieben erscheinen. Derjenige jedoch, der mitten drin gestanden hat, der selbst Augenzeuge der Ereignisse gewesen ist, wird allerdings alles dort Geschilderte als im Bereich der Möglichkeit liegend bejahen.
Die Anwendung der Todesstrafe.
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Die Todesstrafe war sofort nach der Februarrevolution durch die provisorische Regierung abgeschafft, dann aber an der Front wieder eingeführt worden. Die erste Maßnahme der siegreichen Oftoberrevolution war, mit der Todesstrafe von neuem aufzuräumen. Es dauerte jedoch nur kurze Zeit, als sie wiedererstand. Und es waren erst einige Monate ins Land gegangen, als sie zur Generalstrafe erhoben wurde. Während die Gerichte sich an sie nur langsam und vorsichtig heranwagten die ersten Todesurteile des ober= ften revolutionären Tribunals fielen im Juli 1918, das erste Todesurteil des Moskauer revolutionären Tribunals wurde erst im Frühling 1919 gefällt verhängten die zahllosen Tschetas im ganzen unübersehbaren Territorium Rußlands unzählige Todesstrafen für alle nur möglichen Verbrechen und Bergehen. Die Konterrevolutionäre, die ehemaligen zaristischen Generäle und Minister, Polizeibeamte und politische Spigel, Fabrikanten und Grundbefizer, Offiziere und Beamte, Mörder und Räuber, Brandstifter und kleine Diebe, Trunkenbolde und Zuhälter, ganz geringfügige Spefulanten und Händler, Falschmünzer und Menschen, die zufällig ein oder zwei falsche Banknoten zahlten, niemand wurde von ihr verschont, es gab überhaupt kein Vergehen, das mit der Todesstrafe nicht gefühnt worden wäre. Das Recht, unbeschränkt Todesurteile zu fällen, hatten die Tschetaorgane, die selbst in den fleinsten Nestern nicht fehlten. Beschwerderecht gab es nicht. Die Tschekisten, die über Tod und Lebe ihrer Mitbürger entscheiden durften, waren nur in wenigen Fällen ehemalige Revolutionäre. Es waren unter ihnen die verschiedensten Bevölkerungsschichten vertreten, sehr oft rekrutierten fie fich aus unlauteren Elementen, aus Psychopathen, Sadisten u. a. m.
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Formen der Todesftrafe und die Folterungen.
Wie und von wem aber wurde die Todesstrafe vollstreckt? Ihre meist übliche Form war das Erschießen. Gewöhnlich wurden mehrere Berurteilte gemeinsam hingerichtet. Das geschah nicht selten in geschlossenen Räumen, z. B. in Moskau in einer unter dem Hause sich befindenden Autogarage, die sogar mit einem Abflußrohr für das Blut der Hingerichteten versehen war. In der Regel wurden während der Exekution die Motore der Automobile in Tätigkeit gesetzt, damit die Schüsse übertönt wurden. Defters aber fand die Hinrichfung im Freien statt, auf einem Hofe oder irgendwo außerhalb der Stadt. Den Opfern wurden die Augen verbunden und die Militärabteilung der Tschefa gab eine Salve ab, oder die Todeskandidaten wurden einzeln durch einen Schuß in den Naden ins Jenseits befördert. Lebten sie noch, so gab man ihnen mit dem Gewehr- oder Revolverkolben die Gnadenschläge" auf den Schädel. Bei Maffenhinrichtungen wurden die Verurteilten oft gezwungen, sich selbst das Grab zu schaufeln. Es gab aber noch mehr Lodesarten. Besonders mannigfaltig waren sie während des Bürgerkrieges man metts eiferte direkt im Ausheden neuer. Da wurden die Köpfe auf chinefische Art abgeschlagen: die Opfer mußten dabei ihre Hälse recen so fam der berühmte General Rukki ums Leben. Dann wieder vergrub man sie bei lebendigem Leibe oder verbrannte sie; man ver
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Bon Clara Razka.
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,, Gewollt?" sagte Renzo halb träumerisch. ,, Was in aller Welt soll ich gewollt haben?" rief er dann, plötzlich heftig werdend, heraus. Wie ein Ahnen durchzuckte es ihn. Er stürzte vorwärts, stieß beiseite, was ihm in den Weg kam, lief in Gaginis Werkstätte, zum Holzverschlag, riß den Vorhang zur Seite und da entfuhr ihm ein so schmerzvoller Schrei, daß alle still wurden.
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Meine Benus, meine Benus!" jammerte er.
Dann wandte er sich um, einem gereizten jungen Stiere gleich. Wermer!" rief er aus.
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Eine kurze Weile noch blieb es still. Dann prasselten alle Erklärungen zu gleicher Zeit auf ihn ein.
Und immer wieder hörte er: Fiametta, Fiametta!" Diese Gierige, Eifersüchtige, Kindische! Ja, er verstand.
Die vielen Worte schlossen sich zu einem derben, kleinen Gefüge.
,, Wo steckt die Lügnerin, fie mar niemals bei mir in Monreale ," und seine Stimme war so, wie niemand sie je gehört hatte.
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,, um dir zu nutzen ich konnte dich nicht erreichen- du warst in San Martino delle Scala der Fremde reiste ab, nach Rom !" Die Stimme fam hinter den breiten Rücken der Brüder Falconi hervor.
Berfluchte Kreatur!" Renzo wollte auf Fiametta losfahren, doch er befann sich. In größter Wut warf er den Beutel mit den tausend Lire nach der Richtung hin, in der sie stand.
Man sah ihn befremdet an. Tausend Lire!
fich schon befinnen.
Gagini hob den Beutel gelaffen auf. Der Junge würde Als Renzo den Meister so sah, den Beutel an seine Brust drückend, rief er in sprühender Leidenschaft: ,, Judas , alter, elender Judas !"
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Dann versagte ihm die Stimme, und fast flüsternd fügte er hinzu: ,, Es war ja feine Kopie Kopf, Arm und Hand nicht. Meine, neine Arbeit." Und wie er jdas fagte, zerbrach auch seine spielende Leichtigkeit.
wandelte die Menschen in Eissäulen, indem man sie im Winter draußen mit kaltem Wasser begoß oder man tauchte sie in siedende Flüssigkeit; man räderie, pfählte und freuzigte fie, man erhängte sie zu Hunderten und ertränkte sie in Massen.
Das schlimmste jedoch war, daß selbst mittelalterliche Folterungen mit oft eigens hierzu erfundenen Werkzeugen praktiziert wurden. Lekteres ist offiziell bestätigt und sogar Gegenstand von Gerichtsverhandlungen geworden. So äußerte sich die Tochter des Dom Königsberger Hochverratsprozeß her bekannten Professors Reißner, die als Kommunistin tein Blatt vor den Mund nahm, über die Petersburger Tscheta:„ Ich erröte beim Gedanken an Eure Folter fammer". Im offiziellen Organ der russischen Regierung ,, Jsweftija" revolutionären Tribunals in Omst lesen:„ Solche Mittel, die an die vom 12. Dezember 1923 fonnte man die Worte des Borsigenden des spanische Inquisition erinnern, sind unzulässig", meinte er. Doch nicht immer sprachen so die Vorsitzenden der revolutionären Tribunale und direkt entgegengesezt handelnde Vorsitzende der Tschekaorgane. Sie spielten öfters sogar selbst die Rolle von Folterknechten: sie folgten darin übrigens nur den geheimen Anweisungen aus Mosfau. Es wurde dabei nicht allein das durch das Omster revolutio= näre Tribunal gerügte Begießen mit brennendem Siegellad und Abreißen der wunden Haut ausgeführt, sondern noch verschiedenes andere. So wurden Nadein unter die Nägel gestochen, die Geschlechtsorgane gequetscht, Daumenschrauben angelegt, die Glieder auseinandergerenkt, die Augapfel gedrückt, der Schädel mit Revolverkolben blutig geschlagen, fiftives Schießen geübt u. a. m. Ausgegrabene Leichen wiesen unglaubliche Berstümmelungen auf.
Die Henker.
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Die
Wer aber waren die Henker? Im zaristischen Rußland gab es wie in allen anderen, zivilisierten" Ländern Scharfrichter. Größtenteils waren es frühere Kriminelle. Als ehrbar wurde der Beruf nicht angesehen. Der Henter erhielt pro Stüd bezahlt. Es tam unter Umständen sogar zu zivilrechtlichen Streitigkeiten. So erschien einmal in einer juristischen Konsultation ein Henker, dem der Staat statt der vereinbarten 160 Rubel für 10 Hinrichtungen nur 100 Rubel gezahlt hatte. Bei der ersten Hinrichtung nach der Oftoberrevolution machte es nicht selten Schwierigkeiten, einen Henker zu finden die Bluthypnose hatte die Seelen der Menschen noch nicht in ihren Bann genommen. So weigerten sich z. B. die Rotgardisten des Mostauer revolutionären Tribunals, dessen Todesurteile zu vollstreden. Hentersdienste leistete dann freiwillig ein 19jähriger Student, der sonst die Funktionen eines Untersuchungsrichters inne hatte. Später machte es weniger Scherereien: man hatte immer genug Henker zur Hand. Es meldeten sich sogar Freiwillige aus Liebe zur Kunst" Einmal waren es ganze Militärabteilungen der Tichefisten, die diese Todesurteile ohne viel Gewissensbisse in Befolgung der ihnen ge= gebenen Befehle vollzogen. Dann gab es einzelne Henter, oft frühere Banditen, die sich durch diese Tätigkeit ihr Leben erkauft hatten, sie arbeiteten für Stückzahl. Ferner sind die Fälle erwähnenswert, in denen Richter und Henter in einer Person auftraten: nicht selten waren es die Vorsitzenden der Tscheka oder der besonderen Tribunale in eigener Person. So funktionierte in Moskau eine Zeitlang ein besonderes Tribunal bei der Kriminalpolizei, das das Recht hatte, Kriminelle ſtandrechtlich hinzurichten. Als Leiter der Kriminalpolizei fungierte damals ein junger Mensch namens Trepalow, der auch Borsitzender dieses Tribunals war. Er vollzog auf dem Hofe der Kriminalpolizei eigenhändig die Todesstrafe, indem er den Berurteilten einzeln durch den Nackenschuß den Garaus machte. Traf er schlecht, so zertrümmerte seine Frau dem Angeschossenen den Schädel mit dem Revolverfolben. Trepalom wurde später als psychisch nicht einwandfrei feines Postens enthoben.
Frauen als Henker.
Die Frauen als Henter bilden ein Kapitel für fich, und zwar eines der grauenhaftesten. Solche Frauen gab es nur in Odessa , in Wologda , in Baku , in Moskau und wer weiß wo noch. Eine der marfantesten Figuren der allrussischen Tscheka war ein Arzt, namens Kedroff. Er bereiste ganz Rußland mit seinem besonderen Strafeisenbahnzug, stellte überall Listen von Todeskandidaten auf und ließ sie zu Hunderten erschießen. Seine Frau hat eigenhändig Hun
Der Alte hatte ihn eindringlich beobachtet. Jetzt wandte er sich zu Renzo, der wie ermattet an dem Verschlage lehnte. ,, Geht nur, geht alle fort," sagte er den vielen Gaffern, und er drängte sie mit ausgebreiteten Armen hinaus.
Raum waren sie weit genug entfernt, da schluchzte Renzo auf. Doch er fonnte nicht weinen, er fühlte schmerzhafte Stöße in seiner Bruſt.
,, So, das war deine Arbeit, mein Junge," sagte Gagini leise, dann segne dich Gott, du bist ein großer Künstler, Renzo." Der hörte kaum hin. Ich muß sie wieder haben, ich will sie wieder haben," wiederholte er mehrere Male hartnädig verbiffen.
,, Das ist nicht so einfach, sie ist auf dem Wege nach Rom. Gagini erzählte nun alles genau so, wie es sich zugetragen hatte. Renzo sammelte sich, faßte die Worte auf. An eine Ge= fahr für sich selbst, für Livia, für seine Helfer dachte er gar nicht; er bebte vor Erregung, vor But, daß irgendein Kerl daherkam und kaufte, was einzig war. Daß er diese göttliche Benus in sein Haus schleppte und wie einen Tisch oder einen Schrank aufstellte. Daß fie beleidigt und verborgen zwischen allerlei anderem Tand und Kram stehen würde.
In Rom ! Er hatte davon geträumt, sie einmal im Triumphe dorthin zu bringen. Auf einem freien Blaze fah er fie stehen, in heller Sonne, bewundert, geliebt.
Meister, Meister," rief er verzweifelt ,,, sie war ja alles!" und der Alte begriff ihn. Er nickte traurig, wenngleich seine Jahre ihm fagten, daß es andere Wege für Renzo geben würde, und daß dieser erste, schöne, ja nicht ganz verschüttet ſei.
„ Sie war alles!" wiederholte Renzo nochmals ungestüm, und dann rannte er hinaus.
Zunächst wußte er gar nicht, wohin es ihn trieb, er lief siellos geradeaus. Durchbraust von Gefühlen des Zornes, der Enttäuschung, des Verraten- und Verkauftseins, erkannte
er nicht Straßen noch Menschen.
Fiametta? Fiametta hätte er durchprügeln fönnen. Besser, sie gar nicht sehen. Er durchschaute fie ganz und gar. Niemals hatte er sie lieb genug gehabt, um blind gegen ihre Fehler zu sein, sie gar noch hübsch herauszupuzen, diese vielen Mängel ihres Herzens und Hirns! Nie wieder zu Fiametta! Das wenigstens, dieses eine, hatte sich ihm flar enthüllt: eine Verbindung mit Fiametta zog hinab.
Donnerstag, 17. Juli 1924
derte von Menschen ins Jenseits befördert. Kedroff selbst hat in Irrenhause geendet. Berüchtigt war eine Frau als Henter in Mos fau. Sie erschien gewöhnlich mit einer 3igarette im Munde, eine Peitsche in der Hand und einem Revolver am Gurt in dem Gefängni Butyrki, um ihre Opfer abzuholen.
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Nicht selten waren es ganz junge Menschen von angenehmen weichen, echt slawischen Zügen, gutgepflegt und tadellos gekleidet man sah ihnen die wollüftige Grausamkeit nicht an. So gab es u Moskau einen Todeskommissar Iwanow. Er fuhr in regelmäßige Abständen in seinem geschlossenen Auto am Gefängnis vor und abn seine Opfer mit. In den Korridoren, in den Gemeinschafts- und En zelzellen herrschte sofort eine unheimliche Stille, niemand wußte wer nun an die Reihe komme. Die Gefangenen versteckten sich unte den Pritschen, gaben fein Lebenszeichen von sich, wenn sie ihre Eisenstäbe der Pritschen, wenn man sie gewaltsam wegzuschleppe Namen aufrufen hörten, fie flammerten sich frampfhaft an di versuchte; nahmen hin und wieder schnell wirkendes Gift ein, un so der Hand des Henkers zu entgehen. Noch größer war die Bei derjenigen Menschen, die zu früh aus dem Gefängnis in die Tschek abgeführt wurden und dort einige Tage warten mußten, bis ein genügende Zahl von Todeskandidaten sich angehäuft hatte. Nich felten wurden diese Menschen in Erwartung ihrer Hinrichtung geistes frant. Mit Geisteskrankheit endeten aber auch nicht wenige de Henter. Man kann allem Anscheine nach doch nicht aänzlich un gestraft seine Mitmenschen hinmorden. Von diesem Standpunkt aus sind auch die Selbstmorde interessant, die vor nicht allzu lange Zeit zwei deutsche Henker begangen haben. Daß russische Henke sich in der letzten Zeit das Leben genommen hä ren, ist nicht bekann geworden; dagegen wird von verschiedenen Seiten über eine spe zielle Henkerskrankheit berichtet. Der Henter wurde viöglich du Tobsuchtsanfällen betroffen, wand sich in Krämpfen, litt am Ber folgungswahn. Nicht selten passierte es mit Matrosen, die an de Eisenbahntribunalen Henkersdienste zu leisten hatten. Prof. Mel gunoff erzählt u. a. von dem Moskauer Haupthenker Maga. Nac dem er 15 bis 20 Mann in einer Nacht hingerichtet hatte, warf e fich plöglich auf den den Hinrichtungen beiwohnender Kommandan ten der besonderen Abteilung der Tscheka , Pop off, mit den 201 ten: ,, Kleide dich aus!" Es tostete nicht wenig Mühe, ihn zu be ruhigen. Groß ist auch die Zahl der Henker und sonstiger Tchekister die durch kokaingenuß ihr Gewissen betäubten und ihre Nerven au peitschten. Als Foltersknechte fungierten oft die Untersuchungsrichte der Tscheka selbst. So kam es in einen jensationellen Prozeß vo dem Moskauer Tribunal zur Sprache, daß der Untersuchungsrichte Lukirsky die von ihm vernommenen Untersuchungsgefangenen m dem Revolterkolben bearbeite. Daß unter diesen Menschen sich ein ungeheure Zahl von Psychopathen befanden, liegt auf der Hani Ein ausgesprochener, und zwar gemeingefährlicher Dinchopathi der eigentliche Schöpfer der allrussischen Tscheka, ihr früherer Ber fizzender und auch jetzt noch einer der einflußreichsten Kommunister der Pole Felix Dicherfzinski. Ebenso wirkt schon allein seinem Aeuß ren nach als Degenerat einer der bedeutendsten Tschekisten, der Lett Peters, dem übrigens seinerzeit in England für eine Expropriatio die Todesstrafe drohte.
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Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, im Rahmen eines Zeitungs artikels nur annähernd den hundertsten Teil der eigenen Erinnerun gen oder des Inhalts des sensationellen Buches des Prof. Melguno zu erschöpfen. Die Praktiken der Ticheta werden jeder falls mobe der mittelalterlichen Inquisition vielleicht das ungeheuerlichste Sc pitel der menschlichen Verirrungen bilden. Für en Psychopathe logen und Seelenforscher bietet sich aber hier ein schier unerschöp liches Material.
Unlauterer Kampf gegen Konsumvereine.
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In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, daß Kon furrenten der Konsumgenossenschaften Bäcker meister, Krämer usw. die ihnen unbequemen Verbraucherorgan fationen dadurch zu schädigen versuchen, daß sie Angestellte der Ver teilungsstellen verleiten, Waren an Nichtmitglieder abzu geben, was das Genossenschaftsgesetz verbietet Man mißbraucht sc gar Kinder von Vereinsmitgliedern hierzu. Bislang sind diese un sauberen Machenschaften in allen Fällen fehlgeschlagen. Es kan aber nicht schaden, wenn alle Leute, die zu solchen ungehörigen Hant lungen neigen, nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden, da auch die Verleitung zu strafbaren Handlungen stra bar ist, und daß gerade bei dieser Art„ Kampf" gegen die Konsum vereine sich sehr leicht das Sprichwort bewahrheiten kann, daß, we andern eine Grube gräbt, selbst hineinfällt.
Er blieb stehen, sah auf die Stadt zurück, ballte sein Hände zu kräftigen Fäusten, schüttelte sie in das linde Abend getön hinein, und dabei rief er, so laut er nur fonnte: ,, Ber rücktes, dummes, verruchtes Geschöpf!" Und er mußte auch f laut, wie nur irgend möglich, rufen, denn der letzte Rest vo Bärtlichkeit sollte heraus, und zudem mußte irgendetwas ge schehen.
Jetzt erst bemerkte Renzo, daß er fest auf seinen beide Beinen stand, und daß sie ihn wiederum zu den Benediktiner
War schon ganz recht so! Was sollte ihm wohl helfen! Arbeit. Vor allem einmal seine Arbeit. Jetzt wollte er sic und allen anderen beweisen, daß er auch ohne diese Benu ein ganzer Kerl sei.
Diese Benus?
Wie eine ferne, doch keineswegs lichte Wolke kam ei großer Gedankenball herangesegelt. Diese Venus war ja fü jeden, der die griechische Statue nicht kannte, wohl aber de schönen Kopf, die Principessa Livia di San Cataldo.
Bech und Schwefel, das war eine dumme Geschichte! Nicht so sehr für ihn selbst man würde ihm ja nich gleich den Kopf abschlagen- obgleich?
Nein, es war eine ganz niederträchtige Geschichte, für ihr für die Prinzessin, für den Einzigen, für die Talgdrüse- und schließlich vielleicht gar für Mutter Rosina, Ercole un Niccolò.
Ach was, gar so weit durfte man nicht gehen! Hatte di Schar der prinzlichen Abgesandten das ganze Land um sein Befizung herum nicht wie Hunde abgeschnüffelt? Und nich die kleinste Fährte hatten sie entdeckt. Folterkammern gab e nicht mehr; man würde niemals aus ihm herauslocken, wa er verschweigen wollte.
Wenn der alte Prinz an einem Gallenleiden zugrund
ging, so geschah ihm recht. Doch da war Livia, der Einzig
und er selbst.
Renzo schritt eilig dahin. Er versuchte es, sich einzu reden, daß diese Liebesgeschichte der Brinzessin und de Grafen Sisto di Branco Grafen Sifto di Branco- der würde es ja wohl sein- ihn nicht das allermindeste anginge, doch es steckte irgend etwas in ihm, was diesem Gedanken kräftig entgegenarbeitete Die Statue war unterwegs nach Rom .
( Fortsetzung folgt.)