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Mittagstunöe. scheint die Sonn« auf die Strohe hernieder, die so recht tvr Typus der modernen Bureaustrahe ist. Bis in das oberste Stork« werk hinauf ist jedes Haus in«ine Ansammlung von Geschaftsstuben umgewandelt, in denen Tippfräulein, Kontolistenführer und Buch- Halter mehr oder weniger Welthandel treiben. Selbst dle Verkauss- geschäft« zu ebener Erde haben etwas Verschlossenes, Unpersönliches: das einkaufende Publikum fehlt oder ist nur spärlich vertreten durch behäbige Herren, die einein Auto entsteigen und Engrosbestellungen von Waren aufgeben, die man nicht sieht, die anderswogreifbar' sind. Wie fröhlich sieht dagegen ein« wir Ni che Geschäftsstraße aus, in der auch Nichtkäufer flanieren und klein und groß sich vor die Schaufenster stellen und' beratschlagen, was sie kaufen würden, wenn sie Geld hätten. Nein, Poesie hat unsere Bureaustraße nicht, vom Freytagschen Soll und Haben ist man hier meilenweit entfernt. Und doch schlägt auch für diese nüchtern« Straße einmal am Tag« die Stunde, wo sie lebendig wird, wo Jugend und Frische, aber auch arbeitsmüde Alten auf ihr sichtbar werden: es ist die Mittags- zeit, so um 1 Uhr herum. An einer Ecke der Straße ist«in Bier- lokal, einfach, aber sauber gehalten, und dorthin strömt das junge und das alte Volk, um schnell einen billigen Mittagstisch zu sich zu nehmen. Da kommen sie aus allen Häusern her, die Mädchen ohne Hut, meist zu zweien oder dreien, wie die Arbeitszeit es gerade mit sich bringt, die Herren in dem leichten Kontorrock, der zur Schonung des Straßenanzugs frühmorgens angelegt wird. Sie alle kennen sich mehr oder weniger untereinander, das kameradschaftliche Verhältnis, das während der Arbeit herrscht, bleitt auch hier bestehen, und die Kritik des Speisezettels ist dos zunächst einigende Band für die Unter- Haltung. Aber wer öster Augenzeuge ist, findet doch Nuancen her- aus: an diesem Tische treffen sich zur bestimmten Stunde das zier- liche, blauäugige Mädchen und der schlanke junge Mann und der Händedruck ist mit einem Jneinandertauchen der Blicke verbunden: ein«Kameradschaftsehe" bahnt sich an und an jenem Tische sitzen zweifellos schon ehelich Verbundene, was am besten dadurch offenbar wird, daß der weiblich« Teil auch die Speisewünsche des männlichen bestimmt... Zehn Minuten, eine Biertelstunde vergelst, die Ge- speisten machen neuen Ankömmlingen Platz: üter di« sonnen- beschienene Straß« gehts wieder zu den Additions- und Multiplika- tionsstuben, wo die nackte Prosa herrscht. Bald liegt die Straße wieder still da und nimmt nur die Autos derer auf, die sich für das Engros- gefchäft interessieren.... Eine»kleine Spielafföre'. Wie sie ihre Zeit verbringen. Trägerinnen hocharistokratischer Namen, Gräfinnen und Ba- roninnen(die es immer noch gibt!) gaben sich gestern ein Stelldichein vor der Strafabteilung des Anitsgerichts Schöneberg, um sich wegen Glücksspiels zu verantwoitcn. Die Sache liegt schon fast vier Jal>re zurück. Ini Oktober 1320 wurde in der Wohnung der Gräfin v. Fischler-Treuberg ein Spielklub ausgehoben, der dort Nacht für Nacht fein« Sitzungen abhielt. Die Teilnehmer an der Parti« wurden auf Lastkraftwagen zum Polizeipräsidium gebracht. Gegen di« erlassenen Strafbefehle war Widerspruch er- hoben worden. Die gerichtliche Verhandlung hotte sich jedoch bis jetzt hinausgezögert. Die Gräfin Tr« ubcrg war als Spiel- klubieiterin angeklagt. Mit ihr wurde di« Erinnerung an«in oielbewegtes Abenteurerleben wachgerufen. P u s s j U hl, wie sie einst hieß, war einmal eine gefeierte und in der Lebewslt sehr bekannte Schönheit gewesen. Durch«ine Namensheirat mit einem Offizier der Handelsmarine war sie zur Gräfin v. Fischler-Treuberg geworden. In späteren Jahren war sie die Geliebt« des bekannten Geldverleihcrs Hein- r i ch Pariser geworden und war auch als dessen Gehilfin in dem großen Wucherprozeß, der vor einer Reihe von Jahren in Moabit verhandelt wurde mitverwickelt gewesen. Sie hatte eine Strafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis wegen Betrug, Erpressung und Wuchr erhalten und diese auch verbüßt, während Heinrich P a- r i s e r der Strafverbüßung dirrch dauernden Aufenthalt an der Riviara aus dem Wege gegangen war. Dort ist Heinrich Pariser auch gestorben, ohne seine Geliebte und treue Helferin im Testament zu bedenken. Sie war nun bald mittellos und lebt« seitdem vor- wiegend vom Spiel. Zuletzt war ihr Name in der Ocssentlichkeit noch einmal genannt, als sie während des Krieges in ihrer Wohnung diplomatisch« Tees veranstaltet hatte. Dadurch geriet sie in dien Verdacht der Spionage und wurde in Schutzhaft genommen. Unter den damals ausgehobenen Teilnehmern der Spielpartie befanden sich auch die Gräfin zu Sternau o. Hohenau, eine Ungarin von Geburt, die bis zu ihrer Ver- ehelichung mit dein Grasen Hohenau Rosa Stenz«! hieß, ferner ein« Baronin Julie v. Schock,«in Fräulein Löwen st ein, eine Frau Gerda Biber und eine Baronin Schendel. Der letzteren tonnte jedoch eine Beteiligung am Spiel nicht nachgewiesen werden, so daß sie nur als Zeugin geladen war. Außerdem waren noch mehrere Herren mitangeklagt. Die Verhandlung nahm vor dem Amtsgericht Schöneberg ein unerwartetes End«. Rechts- anwalt Dr. Th. A h r e n s regte an, von§ 15 3 Gebrauch zu machen. Di« Sache liege_oi<r Jahr« zurück und es sei dock) schließlich eine kleine wpieleraffäre, so daß es sich recht- fertige, das Strafverfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen. Nach Befragung des Kriminalkommissars Köppen gab Amtsgerichtsrat Dr. B e n e t e diesem Antrag« auch statt und dos Verfahren wurde auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Freudeströhlend und erleichtert lausch'en die Gräfinnen und Baroninnen aus dem Gerichtssaal.

Die Schuhanprobe im Gerichtssaal. Im Oktober u. I. war bei der Filiale des Salamander-Schuh- geschäftes in der Müllerstraß« dreimal hintereinander ein- gebrochen worden, zuletzt mittels Deckendurchbruckw. Bei einer bald darauf erfolgten Durchsuchung wurden in den Wohnun- gen derArbeiter" Erich Schulz, Wilhelm B r e d o r f und Hein- rich Moll größere Mengen von Schuhen und Stiefeln gefunden. Wegen Diebstahls angeklagt, behaupteten di« Angeklagten vor dem großen Schöffengericht Wedding , daß sie di« Schuhwaren für s i ch> u n d ihre B r ä.u t« infolge eines günstigen Angebots gleich auf Vorrat von Händlern in der Münzstraße und in der Gegend des Stettiner Bahnhofes angekauft hätten. Um nun ihre Angaben nachzuprüfen, ordnete der Vorsitzende an, daß di« An- geklagten die vorhandenen Stiefel im Gerichts- laal anprobierten. Dasselbe mußten die als Zeuginnen geladenen drei Bräute der Angeklagten tun. Dabei stellte sich her- aus, daß nur einer der Angeklagten der«inen ziemlich kleinen Fuß hatte, in die Stiefel hineinkommen konnte. Die anderen lebten auf einem so großen Fuß«, daß es ihnen unmöglich war, die Stiefel und Schuhe anzuziehen. Auf Grund der Beweisaufnahme ließ sich den Angeklagten jedoch nicht nachweisen, daß sie den Einbruch selbst verübt haben, das Gericht nahm daher nur Hehlerei an und verurteilte die drei Angeklagten zu 7, 8 und 6 Monaten Gefängnis.

Auf dem Heimwege von einem Veulezug überrascht wurden drei Einbrecher, die. vor einigen Tagen einem nicht ständig bewohnten S o m m e rl a n dh'a u s in der Nähe des Wendenschlosses einen Besuch gemacht hatten. Drei Männer, Arbeiter und Steinsetzer namens Prest, Nerwen und L i e- berg ocrfchnfsten sich mit ihrem Einbruchswerkzeuge Einlaß, ver- wehrten, was sie an Nahrungsmitteln vorfanden, tranken dazu den Kognak des Beftohlenen, rauchten sein« Zigaretten und packten dann Wäsche, die Pardinen, die sie vom Fenster nahmen, usw. in

Mehrere Pakete und gingen unbemerkt davon. In Treptow aber sielen si« einem Kriminalbeamten auf. Dieser untersuchte ihre Pakete und nahm die drei fest. Das Diebeswerkzeug wurde be- schlagnahmt._ Der falsche Polizeiwachtmeister. Er verstand seinGeschäft". Nach dem Muster des Schuhmachers Voigt, desberühmten" Hauptmanns von Cöpenick, war der Werkzeugdreher Ignatz S za l u ck i verfahren, der sich vor dem erweiterten Schöffen- gericht Wedding wegen gewinnsüchtiger Urkunden- fälschung, Amtsanmaßung und Betruges zu ver- antworten hatte. In der Zeit vom Dezember 1918 bis Januar 1919 hatte der Angeklagte sich in Thorn einige Räubcrstückchen geleistet. Nachdem er sich in dm Besitz eines gefälschten Freifahrtauswei- f« s der Eisenbohndirektion gesetzt hatte, fuhr er mehrmals von Berlin nach Thorn und trat dort ebenfalls mit falschen Aus- weispapieren als Polizeiwachtmeister auf. Er hatte auch einen Ausweis des damaligen Berliner Polizeipräsiden- ten Eichhorn, durch welchen er ermächtigt war, nach Schleich - Händlern zu fahnden. Der Angeklagte kommandiert« einfach Soldaten ab, die mit aufgepflanztem Seitengewehr die Eingänge zu den Bahnhöfen besetzen mußten. Der falsche Poli- zciwachtmeister hielt dann Zivilisten und Militärpersonen jeden Ranges, die größeres Gepäck bei sich führten, an und durchsuchte die Gepäckstücke nach Lebensmitteln. Er fand Gelegenheit, zahl- reicheBeschlagnahmen" vorzunehmen. Mit der Beut« verschwand er dann schleunigst. Nach seiner Behauptung hat er einen Teil der Lebensmittel an die Soldatenräte abgegeben, er mußte jedoch zugestehen, daß er große Mengen nach Ber-

Dienstag, den 22. Znli 1924, abends 7'/« Uhr,

in folgenden Lokalen: Germania -Säle. Ehausseestrahe 110. Saalbau Friedrichshain , am Friedrichshain. Erbe(vorm. Slicm), Hasenheide 1Z. Tagesordnung: Die Reichsregierung für Schuhzölle und Rrokwucher gegen die Anerkennung des Acht- flundenlages. Bezirksverband Berlin SPD.

lin geschafft und für eigene Rechnung verkauft hat. Durch die Abtrennung Thorns konnte der Straffall erst jetzt in Berlin zur Aburteilung gelangen. Gegenüber den beantragten vier Jahren Gefängnis wandte R.-A. Dr. Bromberg als straf- mildernd ein, daß der Angeklagte ein Opfer der damaligen un- ruhigen Zeiten geworden sei. Das Urteil lautete auf zweiJahre Gefängnis. Gegen das Verschenkungsfieber. Der preußische Wohlfahrtsminister hat im Einvernehmen mit den übrigen preußischen Ministerien der Justiz, der Finanzen und des Handels«in Rundschreiben an die Oberpräsidenten usw. erlassen, in dem darauf hingewiesen wird, daß Veranstaltungen von Verlosungen von Automobilen, Motorrädern und anderen Gegenständen nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts als Ausspielungen im Sinne des§ 286 Abf. 2 Strafgesetzbuch anzusehen und genehmigungspflichtig find. Auch bei der Mehrzahl der öffentlichen Preisausschreiben ist das wesentliche Merkmal der Ausspielung gegeben, da die Entscheidung über den Gewinn bei den meisten dieser Veranstaltungen in der Hauptsache vom Zufall abhängt. Eine Sonderstellung nehmen die- jenigen Preisausschreiben ein, bei denen es nicht darauf ankommt, zu einer Rätselaufgabe eine bestimmte allein richtige und objektiv feststehende Lösung zu finden, sondern bei denen eine Lösung der gestellten Aufgabe in den mannigfaltigsten Formen denkbar ist, so daß durch den Spruch eines Preisrichters eine Entscheidung über die besten und mithin preiswürdigsten Lösungen getroffen werden muß. Da hier nicht der Zufall, sondern ein Werturteil über den Gewinn entscheidet, ist Z 286 Strafgesetzbuch auf diese Fälle un- anwendbar. Di« Staatsanwaltschaften werden angewiesen, gegen st rasbare Ausspielungen der geschilderten Art nachdrücklich einzuschreiten. * Das Amtsgericht in Dresden (wt gegen den Veranstalter eines Preisausschreibens, der durch die Ankündigung von Gewinnen den Absatz von Waren versuchte, eine Geldstrafe von 10 00 M. verhängt. Dazu erfahren wir, daß di« Zentrale zur Pekänipfung unlauteren Wettbewerbs, Berlin-Schöneberg. nicht weniger als 70 Firmen wegen Preisausschreibens zur Anzeig« gebracht hat.

Die Strompreisberechnung. Ein Beschluß der Stadtverordnetenversammlung hat die Ber - liner städtischen Elektrizitätswerke A.-G. veranlaßt, in allen Fällen, wo einzelne Verbraucher sich wegen des neuen Tarifes an diese ge- wandt haben,«ine Nachprüfung der Grundgebühr und der Zählergröße vorzunehmen. In den meisten Fällen, in denen durch Anwendung des Tarifes große Härten entstehen würden, konnte durch Auswechseln des Zählers die Beschwerde erledigt wer- den. Durch di« turnusmäßige Auswechselung der Zähler wird nach und nach ein« Nachprüfung bei allen Abnehmern vorgenommen werden können. Eine allgemeine Herabsetzung des Meßbereichs von 30 auf 20 Watt ist n i ch t m ö g l i ch. da die Zahl von 30 Watt di« Grundlag « für das wirtschaftliche Ergebnis des neuen Tarifs bildet. Der Magistrat setzt die Stadtoerordnetenver» sammlung hiervon durch ein« Borlage in Kenntnis

DieVersöhnungs".Inschrist kehrt wieder! Aus der in Berlin - Nord, zwischen Strelitzer Straße und Hussitenstraße gelegenen Wohn- häusergruppe des Vaterländischen Bauoereins, deren Zugang alsVersöhnungs-Privatstraße" bezeichnet wird, meldeten wir in Nr. 318, daß die auf einem der Höfe schon vor vielen Jahren angebracht« Inschrift mit Sätzen aus der Sozialfürsorge-Botschaft Wilhelms I.(von 1881) plötzlich beseitigt worden sei. Heute können wir mitteilen, daß die Inschrift, deren Beseitigung mancher im Hin. blick auf das von uns geschilderte Vorgehen der Bauvereinsleitung gegen die rote Opposition(vgl. Nr. 308) fast als ein« sym- bolische Handlung deuten wollte, wiederhergestellt wird. Nach wie vor wird man also auf dem hauptsächlich von kleinen Leuten be-

Dss Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 17. Juli. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bo- kanntgnba der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5,307 Uhr abends: Unterhaltungsmusik CBorliner Funkkapello). 7,30 Uhr abends: Sprachunterricht(Englisch ). 910 Uhr abends: Konzert der verstärkten Berliner Funkkapclle. 1. Krönungsmarsch ausDie Eolkunger". Kretschracr. 2/Ouvortüre zuKgmont". Beethoven . 3. Legende Dvorak . 4. Ungarische Hhapsodie Nr. 2, Liszt . 5. Künstlerleben, Walzer, Job. Strauß. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesuachrichten. Zeitansage, Wetter­dienst. Sportnachrichten. 10,1511,30 Uhr abends: Tanzmusik,

wohnten Grundstück an der Hau-wand jene feierliche Erklärung lesen können, die den Mißerfolg der Reprejsclien in dem Kampf gegen die Sozialdemokratie eingestand und soziale Fürsorge ver, hieß, und das muß an dieser Stelle wie ein auch von dem Bauver- ein aufgestellten Programm wirken. Das seit langem die Hauswand schmückende Programm hat nicht gehindert, daß in diesem Sommer 1924 über einen unbequem gewordenen Sozialdcmoi krat-en die Maßregel des Ausschlusses aus dem Ber ein und der Kündigung seiner Wohnung oerhängt wurde.

Gxfer in öer Großstaüt. Die täglichen verbrechen und Unglücksfälle. Die Zahl der Unfälle und Verbrechen m der Großstadt ist viel größer, als es nach den Zeitungsberichten scheinen mag. Opfer fallen täglich und in wahlloser Folge. Aus der Zahl der Ereignisse eines einzigen Tages seien hier die folgenden wiedergegeben, die tief in das Leben der Familien eingreifen mögen, denen die Verunglückten angehörten. Gesten nachmittag gegen 1% Uhr begab sich der revierkrank ge­schriebene Unterwachtmeister von der Gruppenbereitschaft der In- spektion Neukölln entgegen den bestehenden Bestimmungen nach der Kantin« der Unterkunft Neukölln, Blücherstraße 26, wo sich die frühere Garde-Dragoner-Kasern« befand. Hier begegnete ihm der Hauptwachtmeister Villbrandt von derselben Bereitschaf: und stellt« ihn wegen seines Verhaltens zur Red«. Statt jeder A n t- wort zog Müller feine Dien st Pistole und feuerte auf seinen Vorgesetzten zwei Schüsse ab, durch die Villbrandt auf der Stelle getötet wurde. Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst und jagte sich ein« Kugel in di« recht« Schläfe, di« seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Im Plänterwald bei Treptow fand man die Leiche eines 56 bis 60 Jahr« alten Mannes, dem das Blut aus Mund und Nase gelaufen war. Außerdem bemerkte man eine etwa 4 Zenti- meter lange klaffende Wunde, die von der linken Schläfe nach der linken Wange führt. Man glaubte zunächst an«inen Mord, doch stellte sich bald heraus, daß lediglich ein Selbstmord vorliegt. Der Unbekannt« hatte sich erhängt. Dann war die Schnur ge- rissen und der Tot « hatte die geschilderten Verletzungen durch den Sturz erlitten. Um die Mittagszeit spielte der zehnjährige Günther Thiel«, der bei seinen Eltern Schumannstraße 16 wohnte, mit mehreren anderen Knaben in einem Sandloch der Schön- holzer Heid«. Als Thiele ziemlich tief gegraben hatte, stürzten plötzlich erhebliche Crdmassen nach und begruben den Knaben unter sich. Sein« Spielkam«- raden liefen in ihrer Angst davon und sagten auch niemand etwas von dem Unglücksfall, so daß Thiele ersticken mußte. Erst am Abend, als der Knabe noch nicht zu seinen Eltern zurückgekehrt war, suchte man nach ihm und fand ihn in dem Sandloch als Leiche. Eine Kraftdroschke, die von dem Chauffeur Franz Bielack ge- lenkt wurde, fuhr, von Reinickendorf -West kommend, di« Müllerstraße entlang. Beim Einbiegen in die Ofener Straße prallt« der Wagen so heftig gegen die Bordschwelle, daß die vier Insassen des Autos auf den Straßendamm geschleudert wurden und Verletzungen erlitten. Auf der nächsten Rettungsstelle erhielten sie die ersten Verbände. Im Schwimmbads Plötzensee ertrank abends gegen 7 Uhr der Reichswehrsoldat Wichmann, der in der Kaserne der Rathenower Straße wohnte. Ein herbei- gerufener Arzt stellt« fest, daß er einem Herzschlag erlegen war. Gegen 7% Uhr abends wurde an der Badewies« a us dem Stößensee die Leiche eines Mannes gelandet. Allem Anschein nach handelt es sich um den am 13. Juli ertrunkenen 28 Jahr« alten Architekten Albert S ch u l z aus der Fritscheftraße 47 in Charlottenburg . Man brachte den Toten nach der Leichenhalle in Spandau. _ Als sie in fremde Taschen griffen. Einen guten Fang machten 5krimincilbcamte der Taschendiebes« streife in den Räumen der österreichischen Gesandtschast in der Bendlerstraße. Hier, auf der Reichsbonk, der Rentenbant und dem Postscheckamt wurden in der letzten Zeit T a s ch« n d i e b st ä h 1 e verübt, die keinen Zweifel darüber ließen, daß geübte Spezialisten an der Arbeit waren. Beamte der Sonderdienststelle beobachteten scharf, und so gelang es ihnen, drei altbekannte gewerbsmäßige, internationale Diebe unschädlich zu machen, als sie in der öfter- reichischen Gesandtschaft wieder in fremde Taschen griffen. Zwei tonnten sofort festgenommen werden, der dritte entfloh durch eine Anzahl Räume des' Gebäudes, wurde aber mit Hilfe des Ge- sandtschaftspersonals endlich auch entdeckt und mit den beiden anderen nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die Verhafteten sind ein gewisier Fischt Bender aus Lowicz in Polen , ein Goldenberg aus Odessa und ein Moritz Mühlenbach aus Warschau . Sie gingen sehr elegant gekleidet. Bender und Mühlenbach gelten in ihren Kreisen alsKanonen", als die Zierden ihres Berufes". Bestohlene, die in der letzten Zeit auf einer der genannten Stellen Brieftasche oder Wertsachen eingebüßt haben, werden ersucht, sich zum Zweck der Gegenüberstellung heute, Dienstag, vormittags zwischen 10 und 11 Uhr bei Kriminal- kommissar Dr. Riemann im Polizeipräsidium einzufinden.

Dergrausige" Fund in Neukölln hat eine ziemlich harmlose Aufklärung gefunden. Der Nachtwächter, den der Gllrtter Hleuset auf den Rucksack in dem Flur des Hauses Ganghoserstr. 12 aufmerksam gemacht hatte, bekundet, daß dieser Rucksack keineswegs einen menschlichen Körper, sondern ohne Zweifel Diebesgut enthalten Hab«. Der Wächter war nur auf einen Augenblick nach der nahe gelegenen Städtischen Sparkasse gegangen, um die Kontroll- uhren zu stechen. Als er zurückkehrt«, war der Rucksack bereits ver- schwunden. Wahrscheinlich hatten ihn Einbrecher hier auf einen Augenblick abgelegt, um sich auszuruhen, und ihn wieder auf- genommen, sobald sie aus ihrem Versteck heraus sahen, daß sich der Wächter entfernt hatte. Hleuset hat, wie schon vermutet wurde, phantasiert. Er war nicht nur angeheitert, sondern stark betrunken. Der Mord im Forstbezirt Geisberg ist noch nicht aufgeklärt. Die Durchforschungen der Kreise, in denen der ermordete junge Kaufmann Paul Z e l l e r verkehrt, hat noch keinen Anhalt gebracht. Zeller hatte immer eine Abneigung dagegen, sich photographieren zu lassen. Trotzdem ist es Kriminalkommissar Dr. Koch jetzt ge- liingen, sich ein Lichtbild von ihm zu verslbaffcn. ES ist ohne sein Wissen und ohne seinen Willen ausgenommen worden, als er mit einem Motorrad ausfuhr. Dieses Momentbild wird jetzt in ver- schiedenen KinoS gezeigt werden, um weitere Mitteilungen über den jungen Mann' und' seinen Umgang zu erhalten. Festgestellr ist, daß er in Turnerschaften und Sportvereinen in der Gegend de? Schlesijchen Bahnhofs verkehrt hat. Eine nähere Spur ist aber auch nach dieser Richtung noch nicht gefunden. Eine neue Aulobuslinie. Am Sonnabend, den 19. Juli, wird von der Omnibusgesellschaft die Krastomnibuslinie 12, Greifswalder Straße(Arnswolder Platz) bis Ludwigskirchplatz (Emser Straß«) eröffnet. Di« Wagen durchfahren die Elbinger, Greifswalder, Neue Königstraße, Alexonderplatz, Königstraße, Schloßplatz, Werderscher Markt, Hausvogteiplatz, Jsrusalcmer Kirche, Kochstraße, Anhalter Bahnhos, Potsdamer Brücke, Magd«- burger Platz, Kursürstcnstraße, Bahnhos Zoologischer Garten, Kur- fürstendamm, Uhlandstraße bis Ludwigskirchplatz Am gleichen Tage wird die Kraftomnibuslinie 8 von der Elbinger Straße durch di« Greifswalder Straße und Berliner Allee nach Weißenjee (Antonplatz) verlängert. Fcrienspiele finden im Bezirk Mitte für die Kinder, die nicht auf die Außenspielplätzc gehen können, aus folgenden Schulhöfen statt: Für Knaben Ruppiner Straß« 48 und Köpenicker Straße 125, für Mädchen Hannoversche Straße 20. Die Spiele werden dort vor- mittags von 9 bis 12 und nachmittags von 3 bis 6 Uhr durchgeführt,