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Gewerkschaftsbewegung

Deutschland als Vorbild".

Die Entwicklung in Oberschlesien zeigt mit er fchreckender Deutlichkeit, zu welchen Zuständen wir fommen werden, wenn es nicht gelingen sollte, in furzer Frist den werden, wenn es nicht gelingen sollte, in kurzer Frist den Achtstundentag in Deutschland wieder restlos herzu

stellen.

Geite bas 3weischichtensystem aufrechterhalten werben müssen, wie oft die Umsatzsteuer entrichtet werden mußte. bleibt.

Und nicht in Oberschlesien allein. Die Unternehmer in Franfreich, Belgien und Luremburg werden der Einführung des Zweischichtensystems in der Schwerindustrie des Ruhr gebietes gewiß nicht lange zusehen, ohne für sich in Anspruch zu nehmen, gleichfalls das Zweischichtensystem durchzuführen. durch die kommunistische Spaltung außerordentlich geschmächt Daß die Widerstandskraft der französischen Arbeiterschaft ist, braucht nicht besonders unterstrichen zu werden. Wie leicht es die Unternehmer jenseits der Grenze aber haben, auf die öffentliche Meinung und somit auf die Gesekgebung einzu­wirken mit dem Hinweis auf Deutschland als den Friedens störer, liegt auf der Hand. Die deutschen Friedens störer, liegt auf der Hand. Die deutschen Unternehmer und die ihnen hilfreiche Reichsregierung findes, die durch ihr Vorgehen das Ansehen Deutschlands im Aus­lande aufs schwerste schädigen. Wenn wir die Ratifizierung des Abkommens von Washington fordern, so vertreten wir damit nicht nur die Intereffen der Arbeiterschaft, wir ver­teidigen damit das Ansehen Deutschlands in der Welt und die Möglichkeit, zu einer internationalen Aussöhnung zu gelangen.

Wie erinnerlich ist durch einen sogenannten Schieds­spruch, d. h. mit den Stimmen der Unternehmer und den Stimmen der vom Reichsarbeitsminister ernannien Unpartei ischen für die Eisenhüttenindustrie in Oberschlesien das Zwei­schichtensystem eingeführt worden. Darauf haben die Eisen­hüttenbefizer in Polnisch - Oberschlesien erklärt, daß sie, um ihre Betriebe fonkurrenzfähig zu erhalten, gezwungen feien, gleichfalls zum 3weischichtensystem überzugehen. Die polnische Regierung hat sich bemüht, zu vermitteln, aber schließlich auf Berordnungsweg die Eisen­hüttenbesizer ermächtigt, eine zweistündige Ver­längerung der Arbeitszeit vorzunehmen. Raum hatten die Unternehmer in Bolnisch- Oberschlesien ihr Borhaben angekündigt, als die Unternehmer in Deutschschaft Oberschlesien durch Anschlag den Arbeitern mitteilten, daß eine weitere Reduzierung der Löhne vorgenommen werden müsse, um die Betriebe in Deutsch - Oberschlesien ton­furrenzfähig zu erhalten. Das Wettrennen um die längste Arbeitszeit und die niedrigsten Löhne tann also weiter gehen, jolange die Arbeiterschaft nicht imstande ist, in Deutschland den Achtstundentag sicherzustellen.

Die Rote Fahne " beruft sich triumphierend auf die Ver­fügung der polnischen Regierung, die bekanntlich vor kurzer Zeit das Abkommen von Washington ratifiziert hat. Das wäre nach der Roten Fahne" ein Beweis dafür, daß die Ratifizierung des Abkommens von Washington durch Deutschland den Achistundentag feineswegs sicherstellen würde. Das tommunistische Blatt, das sich im Schweiße seiner Redakteure bemüht, den Unternehmern Argumente gegen die Ratifizierung des Abkommens von Washington zu liefern, hat offenbar übersehen, daß der Konflitt bzw. die Serfügung der polnischen Regierung gerade darauf zurück­zuführen ist, daß in Deutschland das Abkommen von Washing­ ton nicht ratifiziert ist und daß in Deutsch = Oberschlesien das 3weischichtensystem eingeführt wurde.

Wer die Konstellation des oberschlesischen Industrie­gebietes fennt, der weiß, daß die Einführung des Zwei­schichtensystems in Deutsch - Oberschlesien unweigerlich dieselbe Maßnahme in Polnisch- Oberschlesien zur Folge haben mußte. Es ist gerade so, als wenn man willkürlich das Ruhrgebiet entzweischneidet und die Betriebe oder Teilbetrieb, die auf der einen Seite der willfürlich gezogenen Grenze liegen, ermäch­tigt, das Zweifchichtenfuſtem einzuführen und dann verlangt, daß auf der anderen Seite das Dreischichtensystem aufrecht­erhalten bleiben soll.

Die Kommunisten haben bekanntlich ein sehr einfaches Rezept. Sie sagen, der Achtstundentag müsse durch eine revolutionäre Erhebung" der Arbeiterklasse Deutschlands erfämpft werden. Dieses Rezept haben sie unter besonders günstigen Umständen in Deutsch - Oberfchiefien zur Anwendung zu bringen versucht. In Polnisch- Oberschlesien bestand das Dreiichichten system. In Deutsch - Oberschlesien follte durch den schon erwähnten Schiedsspruch das 3 mei schichten in stem eingeführt werden. Die Kommunisten, Die es verstanden haben, sich in Oberschlesien einzunisten und die Gewerkschaften auszuschalten, riefen die Arbeiter nach be= fanntem Muster zum Kampf auf. Sie fetten alle ihnen zur Berfügung stehenden Mittel in Bewegung, um diesen Kampf zum fiegreichen Ende zu führen. Bon den Gewerkschaften fonnten ihnen in diesem Kampfe schon deshalb feinerlei Schwierigkeiten bereitet werden, weil sie ja durch die Kom munisten vollständig an die Wand gedrückt waren. In diesem Rampfe wie in allen anderen Kämpfen, die von den Kom= munisten bisher geführt wurden, haben sie jedoch nur ver= mocht, die Arbeiterschaft in eine schwere Niederlage hineinzuführen. Es wird langer und intensiver Auf­bauarbeit der Gewerkschaften bedürfen, um die Scharte in Oberschlesien wieder auszuweken. Gegenwärtig scheint die Widerstandskraft der Arbeiterschaft in Deutsch - Oberschlesien gebrochen zu sein, was von den Unternehmern weidlich aus­genutzt wird.

Infolge der eigenartigen Konstellation des oberschlesischen Industriegebietes und der willkürlichen Grenzführung gibt es, insbesondere nach der durch die Kommunisten herbeigeführten Niederschlagung der Arbeiterschaft in Deutsch - Oberschlesien , mur ein Mittel, den Achtstundentag zu sichern: das ist die Ratifizierung des Abkommens von Washington durch Deutsch land und somit die gefeßliche Festlegung des Achtstundentags. Wer sich dem widersetzt, wer die Ratifizierung des Abkom mens von Washington zu verhindern sucht, der tritt praktisch dafür ein, daß in Oberschlesien auf polnischer wie auf deutscher

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schaft Dft- Oberihlefien zahlreiche Bersammlungen aller ge Warschau , 21. Juli. ( WTB.) Gestern fanden in der Wojewod­werkschaftlichen Richtungen statt. In den Versammlungen wurde scharf Stellung genommen gegen die Verlängerung der Arbeitszeit. In den meisten Versammlungen lehnte die Ar­beiterschaft die Regierungsverordnung ab, jedoch erklärten einige, daß fie heute, wo eine soziale Errungenschaft nach der anderen ver­loren gehe, fich dem Diktat doch beugen müßten.

Die Metallindustriellen auf hohem Pferd. Wie wir erfahren, hat der Verein Berliner Metallindustrieller nunmehr das Abkommen abgelehnt, das vorige Woche zwischen feiner Verhandlungskommission und den AfЯ- Gewerkschaften abge­schlossen wurde, wonach für die Monate Juli/ Auguſt der Vorschuß von 25 Prozent als Abfindungssumme für die Lohnforderungen zu gelten hat. Dieser Beschluß zeigt die Berliner Metallindustriellen in ihrer ganzen Größe. Die AfA- Gewerkschaften werden zu der neuen Sachlage in den nächsten Tagen in Betriebs- und öffent­lichen Verfarmlungen Stellung nehmen.

Zum Personalabbau im Bankgewerbe.

Eine Darstellung von Benno Marg, des Geschäftsführers des ,, Allgemeinen Berbandes der deutschen Banfangestellten", gibt ein erschütterndes Bild. Von 250 000 Banfangestellten, die zu Ende der Inflationszeit im Bankgewerbe tätig waren, sind bereits mehr als die Hälfte abgebaut und mit weiteren Entlassungen ist noch zu rechnen. Die mittleren und fleineren Bankgeschäfte haben ihr Personal bis zu 65 und 70 Prozent, die Großbanten zum Teil bis 40 und 50 Prozent abgebaut; eine Großbant, die Mitteldeutsche Kreditbant, fogar bis 70 Prozent. Ungefähr zwei Drittel der Ent­laffenen haben überhaupt feine Abfindungssummen erhalten. Bei laffenen haben überhaupt feine Abfindungssummen erhalten. Bei einer Beschäftigungsdauer von einem bis anderthalb Jahren wurde teine Abfindung zuerkannt. Diejenigen aber, denen eine Abfindungs fumme zuerkannt wurde, erhielten durchschnittlich eine Abfindung von 100 bis 130 Mart, während bei dem österreichischen Bant­beamtenabbau den gefündigten Angestellten 9 bis 30 Monatsgehälter ausgezahlt wurden. Bei dem Abbau wurde häufig auch versucht, die Betriebsvertretungen abzubauen, was jedoch in der Regel verhindert werden fonnte. Der notwendige Personalabbau gab auch oft Gelegen heit, die Maßregelung mißliebiger Angestellter zu verdeden. heit, die Maßregelung mißliebiger Angestellter zu verdeden. 80 Proz. der Abgebauten ist gegenwärtig erwerbslos. Die übrigen fuchten als Zeitungshändler, Zigaretten- und Streichholzverfäufer, Brovisionsreifende oder Versicherungsagenten Beschäftigung. Eine Anzahl Bankbeamte find Straßenbahner, Hilfskutscher, Hausdiener oder ähnliches geworden. Die staatliche Erwerbslosenfürsorge stellt sich im Durchschnitt auf rund 5 Mart wöchentlich und reicht selbst verständlich nicht für das bescheidenste Lebensminimum aus. Der Algemeine Berband der deutschen Bantangestellten" war bisher in Algemeine Verband der deutschen Bantangestellten" war bisher in der Lage, feinen Mitgliedern Unterstützungen in der Höhe zwischen 7,50 und 45 Mart monatlich, je nach Dauer der Mitgliedschaft, zu zahlen.

Der nene Reichsmanteltarif für die Gemeindearbeiter. Berlin , 21. Juli( TU) Der neue Reichsmanteltarifvertrag für die Gemeindearbeiter( m. 1924) ist in Kraft getreten. Er be­steht zum größten Teil aus einer Vereinbarung zwischen dem Reichs­arbeitgeberverband deutscher Gemeinden und Kommunalverbände, dem Verbande der Gemeinde- und Staatsarbeiter und dem Zentral­verband der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und Berwaltungen. Einige Bestimmungen, wie z. B. die Arbeitszeitregelung, beruhen auf dem Schiedsspruch einer Schlichtungstammer des Reichsarbeitsministeriums vom 1. Juli der unter dem 21. Juli vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt worden ist, obwohl er vom Gemeindearbeiterverband abgelehnt wurde.

Das Scheitern der Textiluntersuchung.

Mit Recht kann der vorläufige Bericht der mit der Untersuchung der Preisgestaltung im Tertilgewerbe betrauten Kommission so über schrieben werden. Die Untersuchung erftredte sich nicht auf das ganze Gewerbe, sondern es wurde die Preisgeftaltung einzelner Tertil­fabrikate untersucht. Die Verschiedenheiten unter den einzelnen Syer­tellern waren zu groß, um allgemeine Schlüffe zu gestatten. Ent­scheidend waren die Faktoren: zu welchem Zeitpunkt der Rohstoff getauft wurde, welche Zinsen nach geliehenem Betriebsfapital gezahlt

( Bei tonzentrierten Betrieben weniger häufig als bei den übrigen.) Die Verhältnisse liegen bei den Unternehmern sehr verschieden. Die von den Unternehmern angegebenen Gewinnfäße waren nicht über­mäßig, es besteht aber wie der Bericht hervorhebt- teine Gewähr dafür, daß die Selbstt oftenberechnung wahrheits. getreu mitgeteilt wurde. Das einzige, was festgestellt werden kann. ist, daß der Lohnanteil an beshalb die Löhne für die Ueberteuerung der Textilprodukte in gegenwärtig geringer ist als vor dem Krieg und einer Weise verantwortlich sind.

Mißglückte Versammlungssprengung.

Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten stellten, des männlichen Hilfspersonals und der Hoteldiener und hatte für Freitag eine öffentliche Versammlung der weiblichen Ange­immemädchen einberufen. Die Rote Fahne " hatte durch eine besondere Notiz die sogenannte Opposition zu dieser Versammlung kommandiert. Unter anderem stellte sich auch der Berichterstatter der ,, Roten Fahne" ein, der bereits beim Betreten des Versammlungs­

faals die Bemerkung fallen ließ: Die Versammlung ist unser." Während der Bersammlung glaubte der Berichterstatter durch Zwischenrufe und Reden eine Sprengung herbeiführen zu können. Er hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Er wurde von dem Versammlungsleiter aus dem Saal gewiesen. Im übrigen fanden die Kommunisten feinen Anklang mit ihren Versuchen, fich als Helfershelfer der Unternehmer zu betätigen, sie erlebten vielmehr eine gehörige Abfuhr.

Die Versammlung, die sehr gut verlief, beschäftigte sich mit der des Urlaubs und der allgemeinen Lage der Angestellten. Wiedererringung des Achtstundentages, mit der Frage der Ruhezeit,

Lange Arbeitszeit und Hungerlöhne.

Bochum , 21. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Die Belegichaft der Zeche Verlorener Sohn" bei Bannt ist zum 1. Auguft ge­Kündigt worden. Als Begründung dieser Massenkündigung gibt die Verwaltung Geld- und Kreditmangel an; fie teilt gleichzeitig mit, daß der Betrieb zum 1. Augnst wieder aufgenommen werde, wenn die Belegschaft fich mit einem 15 prozentigen Lohnabbau einverstanden erklärt, da nur so der Betrieb ohne Verlust weiter­geführt werden könne.

Ein seltsamer Konflikt.

Paris , 21. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Seit Jahren dauert der Konflikt zwischen dem Personal und dem Aufsichtsrat der Berrerie Ouvrière"( Arbeiter- Glashütte ), eine Produktiv­genossenschaft, die vor einem Bierteljahrhundert durch Sammlungen errichtet wurde, um die gemaßregelten Glasarbeiter im Wahlkreise von Jaurès vor der Rache eines übermächtigen und reaktionären Kapitals zu schützen. Das Unternehmen, das unter unsäglichen Mühen und Opfern der Glasarbeiter gebaut wurde, entwickelte sich in der Folge ausgezeichnet und beschäftigte zuletzt 1000 Personen. Die fortgesetzten Konflikte der legten Jahre führten zu Streifs, zur gewaltsamen Besetzung des Betriebs durch die Streifenden, zur Bertreibung der Betriebsleitung und Uebernahme der Leitung durch das Personal. Als der Aufsichtsrat einen Gerichtsbeschluß erwirkte, der die Räumung des Betriebes durch die Streikenden an­ordnete, und als dieser Beschluß mit Waffengewalt durchgeführt werden sollte, wurde das Unternehmen von den Streifenden in Brand gestedt. Der angerichtete Schaden war erheblich, eine Anzahl Arbeiter wurde gerichtlich verfolgt.

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Um den Aufsichtsrat zu zwingen, sich mit dem Personal zu verständigen und die gerichtlichen Klagen zurückzuziehen, hat der frühere langjährige leitende Ingenieur Spinetta Woche einen Hungerstreit begonnen. Alle Verhandlungs­versuche sind bisher erfolglos geblieben, und da das Leben des bereits über eine Woche hungernden Ingenieurs, dessen Initiative ein Kommuniqué des Aufsichtsrats als pathologisch bezeichnet, ernstlich in Gefahr schwebt, scheint die Erregung in den Arbeiter­freisen gefährliche Formen anzunehmen. Deshalb hat nunmehr das Exekutivkomitee des Gewerkschaftsbundes beschlossen, zu venieren und beide Parteien zu Berhandlungen einzuladen. Es hat zu gleicher Zeit an Spinetta ein Telegramm gerichtet, in dem es feinem Opfermute Anerkennung zollt und ihn bittet, im Interesse der Arbeiterschaft selbst der zwedlosen Demonstration ein Ende zit machen.

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Die eigentliche Ursache der fortgesetzten Konflikte dürfte in der Tatsache zu suchen sein, daß das Personal ohne jedes Mit­bestimmungsrecht im Betrieb ist, der Verwaltungsrat seiner­feits recht autoritär verfährt.

Buchbrucker! Der Fraktionsvorstand tritt heute nach der Auszählung( 6 Uhr) zu einer bringenden Gigung zusammen. J. A.: Otto Fiedler.

Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter ; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton : Dr. John Gaikowski; Lokales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin . Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68, ndenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen.

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