Nr. 344 41. Jahrgang
Beilage des Vorwärts
Feinde unserer Wälder.
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Ungeheuerlich ist die Schar der Insekten auf der Erde, beziffert man doch die Zahl der bisher bekannten, d. h. von der Forschung beschriebenen und mit Namen belegten Arten allein auf etwa 300 000 und schätzt die noch nicht bekannten auf viele weitere hunderttausende. Verschwindend wenige nur bringen, wie die Biene, dem Menschen dirkten Nutzen, eine recht stattliche Zahl nüht ihm indireft durch Befämpfung von Schädlingen aus dem eigenen, dem Insettenreiche, die große Mehrzahl müßt ihn nicht, schadet ihm aber auch wenigstens nicht, aber der immerhin noch gewaltige Rest wird ihm entweder direkt lästig Mücken, Fliegen, Wanzen usw. oder seinen Kul turen schädlich. Alle Ordnungen": Käfer, und Schmetterlinge, Wespen und Ameisen, Heuschrecken und wie sie sonst noch alle heißer mögen, stellen ihre Vertreter in den Dienst des Zerstörungswertes. In der Minderzahl ist es außer seiner Larve auch das fertige" Insekt, das imago, das, wie z. B. der„ Maifäfer", durch seinen Fraß unseren Bäumen bezw. unseren Pflanzen schadet, viel mehr aber schaden die Larven, die aus dem Ei schlüpfende erste Zwischenform, die, soweit sie zu den Phytophagen, D. i. den Pflanzenfressern, gehören, durch ihre oft ungeheure Anzahl und ihre unerhörte Gefräßigkeit Zerstörungen in Garten, Wald und Flur anrichten.
„ Die Kiefernverderbende".
Kiefernspinner.
Kiefernfpinner( Dendrolimus pini) und Kiefernprozeffionsspinner schreckenden Maße wie Forleule und Nonne, auch schon häufig genug ( Thaumetopoea pinivora) haben sich, wenn auch nicht in dem er= als Schädlinge unserer Kiefernwälder in mehr wie unliebsamer Weise hervorgehoben. So wurden wiederum nach Brehm im Jahre 1869 von Elern des Kiefernfpinners im Revier Mölbih bei Wurzen ca. 1½ Zentner Eier, 64 Scheffel weiblicher Schmetterlinge und 124 Scheffel Raupen gesammelt, ohne den Feind bewältigen zu fönnen. Die Raupen des Kiefern, wie übrigens auch die des Eichen
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In den folgenden Zeilen wollen wir uns nur mit einigen Beriretern der Ordnung der Lepidoptera, der Schmetterlinge, beschäftigen, die die im allgemeinen bekanntesten und größten Schädlinge ftellt, und das auch nur, soweit sie unseren Nadelholzforsten, die hier in der Mark fast ausschließlich von der Kiefer oder Föhre bestanden sind, gefährlich werden. Wohlgemerkt: nicht ein Schmetterling schadet als solcher, ais fertiges Imago, alle, ohne Ausnahme, haben saugende Mundteile, Rüssel, die sie wohl befähigen, Honig aus Pflanzen zu naschen, nie aber solche oder, wie etwa unsere Pelzoder Kleidermotten, Pelze oder Wollstoffe zu zerstören. Das be forgen dafür leider um so gründlicher ihre Larven, hier Raupen genannt. Dem Laien, vorzüglich dem Großstädter, sind, wenn er sich überhaupt um das„ Ungeziefer" fümmert, meist nur wenige Raupen, sei es vom Sehen, sei es dem Namen nach, bekannt. Aber 1. Nome. auch mancher, der sich sonst nicht um diese Dinge fümmert, dürfte,
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Donnerstag, 24. Juli 1924
Außer den in vorstehenden Zeilen genannten Schädlingen aus dem Reiche der Schmetterlinge gibt es deren noch manch anderen, doch würde die Aufzählung aller zu weit führen.
Eines aber jei zum Schlusse noch bemerkt: ein Laubbaum, und sei er auch seiner Blätter bis auf das letzte beraubt, geht durch den Raupenfraß nicht ein, er schlägt meist noch im Spätsommer, sicher aber im kommenden Frühjahr von neuem aus der Nadelbaum ist weit empfindlicher. Unter günstigen Umständen treibt auch er nach im nächsten Sommer von neuem heruntergefressen, so ist er fast einmaliger Entlaubung von neuem Nadeln, werden aber auch diese immer verloren. Und diese Gefahr besteht wie immer, so auch diesmal in unseren von der Forleule befallenen Wäldern. Trotz aller von der Forstverwaltung angewandten Mittel, troß ihrer Dezimierung durch tierische und pflanzliche( Spaltpilze) Feinde gelangen meist noch ungezählte Scharen von Raupen zur Verpuppung und der ausschlüpfende Schmetterling sorgt für ausreichende Nachkommenschaft- ausreichend zur Fortsetzung und oft genug Vollendung des Zerstörungswertes.
Jugendgericht und Geffentlichkeit.
Zum zweitenmal steht in diesem Jahre die Deffentlichkeit vor dem Problem Berichterstattung und Jugendgericht. Das erstemal war es beim Fall des Gymnasiasten S., der die fleine Portiertochter Bortkowski getötet hat; und eben wieder bei der Gerichtsverhandlung gegen die beiden Brüder P., die ihre Stiefmutter ermordet haben. Jetzt wie damals sind die Berichte in der Presse erschienen. Das Zustandekommen dieser Berichte und ihr Inhalt machen aber das benannte Problem aktuell.
Das Jugendgerichtgesetz vom 15. Februar 1923 erklärt im§ 23 die Verhandlung vor dem erkennenden Gericht, einschließlich der Berkündung der Entscheidung, für nicht öffentlich. Nur bestimmte Gruppen von Erwachsenen ist der Zutritt zur Verhandlung ge= stattet. Dem Ermessen des Jugendrichters ist es an= heimgestellt, Vertreter der Pre ffe zuzulassen. Der Sinn dieses Gesezesparagraphen liegt auf der Hand. Die Aufgabe des Jugendgerichts ist, Erziehungsmaßregeln gegen den jugendlichen Uebeltäter zu treffen. Selbst die Gerichtsverhandlung bildet einen Bestandteil dieser Erziehungsmaßregeln; sie soll für den Jugendlichen ein Erlebnis sein, die Einwirkung des Jugendrichters auf ihn soll bleibenden Wert haben. Jedes an dem Jugendlichen gerichtete Wort zielt auf diesen erzieherischen Zweck hin, auch die
Prozessionkspänner. Begründung des Urteils hat nur diefes allein im Auge. Durch Aus
ofs er in den legten Lagen über die Bermiüftungen, die die Raupe 2. Kiefernspanner. 4. Frostspanner.
der Forleule piniperda, Panolis
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in den Kiefernwäldern der näheren Umgebung Berlins anrichtet, las, der Name dieses Schmetterlings völlig neu gewesen sein. Und doch handelt es sich um ein dem Entomologen( Insektenforscher) und dem Forstmann wohlbekanntes und von legteren mit Recht gefürche tetes Mitglied diefer Insektenordnung. Schon der Name piniperda die Kiefernverderbende fagt genug. Und als solche ist die Raupe dieses Schmetterlings nach Brehm schon im Jahre 1725, dann in den 80er Jahren desselben Jahrhunderts, bann 1808 und 1815 in den sächsischen und fränkischen Kiefernwäldern, 1815, dann wiederum 1866 bis 1869 auch in Ostpreußen , dann in den 30er Jahren in Bommern , Mecklenburg , Udermart und um Berlin , in den 50er Jahren in Preußen, Bosen und wiederum in unserer Mart verheerend aufgetreten. 1867 fiel: n ihr allein in der Mainebene 15 000 Morgen, 1829 in Mecklenburg 100 Heftar, 1887 bei Bunzlau 825 Hettar zum Opfer. Was in diesem Jahre die Forleule anrichtet, tan im nächsten Jahre die Raupe eines anderen Schmetterlings in unseren Nadelwäldern leisten. Ich denke da in erster Linie an die Nonne. ( Lasiocampa monacha.) Beim Lesen des Namens" Nonne" horcht auch die Mehrzahl der Laien auf, mit Recht ist sie überall, wo Nadelholzwälder sich erstrecken, gehaßt und gefürchtet, denn Umheimliches hat die Raupe dieses Schmetterlings an Berwüstungen in solchen schon geleistet. Brehm berichtet, daß am 29. Juli 1853 im Rothes burger Forst im damaligen Königreich Sachsen der Schmetterling in moltenartigen Massen erschienen sei und in wenigen Stunden sich über die angrenzenden Reviere verbreitet habe. Im Walde sei es gewesen„ wi: im ärgften Schneegestöber, so daß die Bäume von der Maffe der Schmetterlinge wie beschneit ausgefehen hätten". Troß der energischsten Maßregeln an Eiern allein, von denen etwa 15 000 cuf ein Lot gehen, wurden vom August 1853 bis Mai 1854 300 Bfund, an weiblichen Schmetterlingen 1½ Millionen Stück gesammelt und unendliche Massen von Raupen getötet wurden 1854 etwa 800 Morgen Fichtenbestand und ungeachtet aller weiteren verzweifelten Anstrengungen bis zum Jahre 1862 in diesem Revier allein 32 931 Morgen Wald vernichtet. Dies nur ein Beispiel für leider gar viele.
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Bon Clara Razka.
Es erschien ihm zudem ganz unwahrscheinlich, daß man ihn einterfern oder aufhängen würde. Je weiter er in die schöne Welt, in das Leben hineinblickte, um so mehr Wege, Tore, Möglichkeiten sah er.
Im Grunde war er ganz und gar begierig auf Rom . Er träumte nachts davon.
Leider kam er in der Nacht dort an, und Nacht war es auch in dem dumpfen Steinfämmerchen, das man ihm zuwies. Die Menschen hingegen schienen sehr freundlich zu sein, abgesehen von den Uniformierten.
Gleich am ersten Tage fam ein gewisser Fratelli, der ihn zunächst betrachtete, als sei er ein seltener Käfer, dann fragte er ihn in der umständlichsten Weise aus, schließlich zog er aus allen Taschen Leckerbissen hervor.
Vor allem schien sich der runde Mann herrlich zu amüsieren. Auch die Uniformierten lachten, als er davonging. Später erzählte man ihm, es sei der Käufer der Venus gewesen. Nun, der hatte allen Grund zu lachen und freundlich zu sein.
Aber die andern!
Menschen tamen und besuchten ihn, denen man es ansah, daß sie auf vergoldeten Stühlen saßen. Auch sie fragten, doch nur ziemlich farg, denn der Uniformierte erhob abmehrend seine Hand, wenn es ihm zu viel schien.
Eines aber ging aus allem hervor: fie tannten seine Benus. Es freute ihn, doch es machte ihn auch ungeduldig und grimmig. Er wollte sie sehen, er selbst! Das wenigstens follte man ihm gewähren. Er fragte eindringlich danach.
Du wirst fie früh genug sehen," sagte eines Tages sein Bärter mit düsterer Miene.
Nun wußte Renzo: das war der Gerichtstag. Es war merkwürdig genug, daß er nicht vernommen wurde. Zwar besuchte ihn mehrere Male ein alter, recht an
prozessionsspinners( Thaumedopoea processionea), legterer 3. B. in unserem Liergarten in manchen Jahren außerordentlich häufig und demnach schädlich, werden übrigens auch dem Menschen direkt oft überaus lästig, unter Umständen fogar gefährlich. Ihre äußerst spiken, jedes zudem noch mit mikroskopisch fleinen Spizen bewaffneten und start ameisensäurehaltigen, leicht abbrechenden Haare bleiben beim Kriechen der Tiere über die nicht von der Kleidung geschützten Körperteile, vornehmlich dem Nacken, in diesen stecken und bringen dort ein äußerst heftiges Brennen und Juden, bei sehr empfindlichen Personen unter Umständen heftige Entzündungen her vor. Im Walde werden sie aus den Gespirsten der Raupen durch die Luft oft auf das Effen der Waldarbeiter und auf das Gras, das com Bieh abgeweidet wird, in Massen verstreut und gelangen so in das Innere des Körpers, woraus die bedenklichsten Entzündungen der Schleimhäute entstehen, ja der Tod herbeigeführt werden kann. Ein weiterer, unter Umständen sich durch den Fraß seiner Raupen recht unliebsam bemerkbar machender Schmetterling ist der Kiefernspanner( Bupalus piniarius), doch ist sein Schuldkonto nicht mit dem feiner, ihn ja auch an Größe weit übertreffenden vorgenannten Arben zu vergleichen.
Zwei Kleinschmetterlinge.
Zum Schluffe sei noch zweier Kleinschmetterlinge, zur Familie der Widler( Tortricina) gehörig, gedacht, die trotz ihrer Kleinheit doch recht ansehnlichen Schaden anzurichten vermögen: des Kieferngallenwidlers( Retina resinella ) und des Kieferntriebwidlers( Retina buoliana), dessen Raupen nicht die Nadeln der von ihm befallenen Bäume fressen, sondern in deren jungen Trieben hausen, sich also Dom jungen Holze nähren. Wer aufmerksamen Auges durch jüngeres Stangenholz geht, wird oft genug Bäumchen sehen, deren gerader Wuchs plößlich eine feitliche Krümmung macht, um dann wieder ferzengerade weiterzuwachsen. Diese Verunstaltung ist das Werk der Raupe des Kieferntriebwicklers.
genehmer Herr, dem er immer wieder die ganze Geschichte erzählen mußte, doch Renzo entzweite sich mit ihm, da er nicht zu bewegen war, seine Helfer zu verraten.
Er ahnte es nicht, daß viele Gewalten um ihn kämpften. Mit der schlichten Gerechtigkeit kam die nun einmal in Bewegung geratene obere Schicht der Römer nicht mehr aus. Die Damen hätten es vor allen Dingen in Ordnung gefunden, wenn man Renzo zunächst auf dem Forum romanum oder auf dem Blaze vor dem Kapitol ausgestellt hätte; doch ihr gerader Sinn wurde immer wieder von den Paragraphen= einwänden der Männer durchkreuzt.
Es gab eine feierliche Gruppe Anhänger Casapis-, die ohne viel Hin und Her ein knappes strenges Verhör vor wenigen Ohren und eine harte Strafe verlangten, und es gab eine gewaltige Partei, die nach einem großen öffentlichen Tribunal rief.
Es gab Frauen, die es als Kränkung ihres ganzen Geschlechtes ansahen, wenn dieser Fall still begraben würde, und es gab Männer, die den zynischen Mut hatten, ihre Frauen allabendlich allein spazierengehen zu lassen.
Ehen, die bis dahin glücklich gewesen waren, fingen an, in früher unbekannten Tiefen zu erbeben. Freunde gerieten aneinander, daß es Funken gab, Künstler wurden gemieden oder überlaufen je nachdem man sie für gefährlich hielt oder nicht kurzum, die Wintersaison begann. Man hatte sein Ereignis, und es war eine öffentliche Angelegenheit.
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Daß die Richter nicht allesamt mit der gesellschaftlichen Anficht übereinstimmten, war ohne Belang; die Gesellschaft hatte Kraft genug, ihre Meinung fühlbar zu machen.
Zumal wollte Gott , was die Frauen wollten, und so mußte es zu einer Verhandlung im größten Gerichtssaale der Stadt tommen, in der sich die Kläger und der Angeklagte zum erster Male gegenüberstanden.
Man versprach sich Großes davon, zumal vom Wiedersehen Renzos mit der schönen Livia.
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Renzo, dieser hübsche Junge! Was würde er tun, wenn er unerwartet leine angebetete Prinzessin wiedersähe.- Die Nacht vor dem mit Spannung erwarteten Tage strich der Schlaf nur ganz leicht über die Augen vieler, um so früher rollten die Wagen. Die ganze römische Gesellschaft, zumal
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schluß der Deffentlichkeit soll eine innere Befangenheit des Jugendlichen vermieden werden und die Verhandlung selbst einen inoffiziellen Charakter erhalten. Der Jugendliche soll durch Presseberichte nicht bloßgestellt, an seinem weiteren Fortkommen nicht behindert, sein Schamgefühl nicht unnüz verletzt werden.
Er soll sich auch durch Erwähnung seines Namens in den Zeitungen nicht als bewunderter Held fühlen dürfen. Eine falsche Darstellung des Falles kann unter Umständen den Zweck der pädagogifchen Einwirkung der Gerichtsverhandlung und der weiteren Maßregel durchkreuzen und zunichte machen. Der Ausschluß der Deffentlichkeit ist somit mehr als berechtigt. Nun gibt es aber Fälle, in denen die Veröffentlichung unvermeidlich erscheint. So ist bei schweren Verbrechen die Kriminalpolizei auf die Hilfe des Publikums angewiesen. Zwecks Aufklärung der Tat kann ihre Veröffentlichung in der Presse notwendig sein. Nach Feststellung des Täters wird dann in der Regel auch sein Name bekanntgegeben. So entsteht die erste Frage: Ist es mit der Idee des Jugendgerichts vereinbar, daß der Name des Jugendlichen unter 18 Jahren auch dann genannt wird, wenn es kriminaltechnisch nicht erforderlich ist? Jedes schwere Verbrechen ruft eine gewisse Beunruhigung in der Bevölkerung hervor. Insofern ist das Interesse, das die Bevölkerung an dem Berlauf der Gerichtsverhandlung und an deren Ergebnis hat, leicht ver= ständlich. Aber auch hier erscheint die Namensnennung unter Umständen überflüssig. Noch mehr beim Jugendgericht. Auch hier gibt es allerdings Fälle, die dazu angetan sind, die Deffentlichkeit aufs schwerste zu beunruhigen. So lagen die Dinge bei der Tötung der fleinen Barikowski. Die Bevölkerung fonnte ein reges Interesse am Verlauf der Sache haben. Trotzdem wäre es vielleicht doch richtiger gewesen, wenn der Name des Schuldigen nicht genannt morden wäre. Die Pressevertreter waren nicht zugelassen, die Berichte der Zeitungen wichen daher wesentlich voneinander ab. Das Urteil schien unverständlich, weil seine Begründung eben nicht gegeben werden konnte. Als dann dieselbe Sache vor die Berufungsinstanz fam, verlor der§ 23 plötzlich seine Wirkung, der Fall des jungen Menschen wurde in breiter Presseöffentlichkeit verhandelt, und seine Darstellung war mehr als geeignet, den letzten Rest des Selbstvertrauens des Berurteilten zu zerstören. Allerdings war ja auch d Begründung des Urteils durch den Vorsitzenden selbst alles andere
die neu- und noch nicht gut ausgebackene, wünschte einen Plaz zu haben, wollte Augen- und Ohrenzeuge sein. Doch auch das Volk sollte teilnehmen, man brauchte einen Resonanzboden.
Der wichtigste Mann aber war Carlo Fratelli. Drei verflucht gescheite Advokaten hatten sich darum gerissen, seine Berater und täglichen Begleiter zu sein, und da er sich ihrer gar nicht erwehren fonnte, übergab er dem einen Renzo Adriani. Die Zukunft des Dritten war zerspalten.
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Dem Rate seines Leibadvokaten folgend, fam Fratelli an dessen Seite in den Saal, als Rom schon versammelt war. Es erhob sich ein sehr vornehmliches Geraune. Fratelli grüßte.
Ein wenig erhöht, vor dem Richtertisch, stand seine Venus, verhüllt. Nun ging alles wie auf einer Bühne. Die Römer verstanden sich noch immer auf das große Theaterspiel, auf Wirkungen. Bon rechts tam die Prinzessin, stolz und kühl, der etwas zerfallene Prinz, Beatrice, Casapi und der ganze dazugehörige Troß
Bon links tam Renzo zwischen den Uniformierten, mit ihm der Advokat.
Es schien, als wollte Renzo zurückweichen, als er in den großen, mit Menschen dicht angefüllten Saal trat; dann aber machte er rasche, trozzige Schritte vorwärts.
Dort, das Verhüllte, das fonnte nur seine Venus sein! Sie fonnte nur für, niemals gegen ihn sprechen.
Aufmerksam blickte er in die Menge hinein. Irgendwo war gewiß auch die Prinzessin.
Unten, ganz vorn, das war ja wohl der Conte Sisto di Branco. Der hatte damals im Dunkel des Zimmers zu Taormina auch besser ausgesehen.
Die Prinzessin? Die Prinzessin?
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Ach, da war ja auch sie. Renzo war enttäuscht. Nein, hätte er sie so gesehen, so fremd, so faltschmal, mit finsteren Augenniemals hätte er nach ihr seine Benus geformt. Wahrlich, heute sah sie nicht der Vision jenes ersten Abends ähnlich, an dem er in Syratus zu ihren Füßen stand und innerlich betete. ( Forts. folgt.)