Unsere Politit wuchs empor aus der tiefsten Liebe zum Boltstum und zum deutschen Staat und aus einem Element, das irdische Hand nicht in Begriffen ausschöpfen fann, nämlich aus dem Glauben und der Hoffnung, daß das deutsche Bolt bei planmäßiger politischer Arbeit trotz der großen Ratastrophe des Jahres 1918 zu retten ist und eine Zukunft haben wird.
Dieser Glaube wird lifion die politische eine hüttert, wenn eine Rechtstoa. lifion die politische Linie, die nunmehr energisch beschritten ist und die weitergegangen werden muß, verbiegt. Bringen die Mittelparteien eine selbständige Führung nach eigenem Geist nicht mehr auf und verfagen fich ihrer Führung die links und rechts von uns befindlichen Parteien, so verfällt dieser Reichstag der Auflofung.
Schaschreibt Scharf ablehnend äußert sich auch die demokratische Preffe. So schreibt die„ Boff. 3tg.":
Wenn der Kanzler auch in seiner gestrigen Besprechung eine glaubensum brbung für die nächsten 18ochen Regierungsumbildung für die nächsten Wochen angekündigt hat, so
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hat, terung des Kabinetts in dem Sinne seine Hand geben wird, wie die Volkspartei die Rabinetts. erweiterung anstrebt. Denn das, was die Volkspartei fordert, ist der Bürgerblod und nichts anderes. Darüber vermögen auch die geschmeidigsten Wendungen in der volksparteilichen Entschließung nicht hinwegzutäuschen. Eine Volksgemeinschaft, die zwar die sechs Millionen deutschnationaler Wähler mit einschließt, aber die sechs Millionen sozialdemokratischer Wähler aus fchließt, ist beine Boltsgemeinschaft. Sollen die sozialdemokratischen Wähler dafür bestraft werden, daß ihre Abgeordneten im Herbst vorigen Jahres nicht allen Wünschen des schwerindustriellen Flügels der Deutschen Volkspartei nachgefommen sind und deshalb aus der Regierung herausgedrängt worden find? Wir glauben, daß es wenig zweckmäßig und bestimmt nicht im Geiste einer„ Boltsgemeinschaft" ist, diese Schuldfrage neu aufzurühren. So leicht, wie es die Deutsche Bolkspartei sich macht, ist jedenfalls die Frage, wer an dem Scheitern der großen Koalition im vorigen Herbst Schuld hatte, nicht zu beantworten. Der Vorstand der Deutschen Volkspartei hat anscheinend vergessen, daß damals noch die Herren Marefn und Quaaz in ihren Reihen faßen, und daß die Abfpaltung der Nationalfiberalen Bereinigung aus der Deutschen Bolkspartei doch wohl nicht ganz grundlos gewesen ist.
Die vorstehenden Pressestimmen ergeben insofern ein flares Bild, als fie zeigen, daß weder die Demokraten noch das linte Zentrum die neue Sammelpolitif gegen die Sozialdemokratie mitmachen wollen. Am 15. Oktober foll der Reichstag zusammentreten, bis dahin soll die neue Bürgerblockregierung fertig sein. Einstweilen hat die Volkspartei mit ihrer Krisenmacherei nichts anderes erreicht als einen großen Brei, aus dem sich noch keine feste Gestalt kristallifieren will, nichts als eine Verwirrung und trifenhafte 3uspigung der politischen Lage, die für die deutsche Wirtschaft außerordentlich gefährlich ist. Das Ganze heißt: Politik des deutschen Bürgertums!
Kommunistische Verlegenheit.
Erft morden, dann schänden.
Unsere gestrigen Feststellungen über die Hintergründe des Aufstandes in Georgien haben das Berliner Organ der russischen Regierung in eine nicht geringe Berlegenheit versetzt. Sachlich weiß fie unseren Anflagen nichts entgegenzujegen. Sie zieht es deshalb vor, mit eiserner Stirne ihre bisherigen Behauptungen zu wiederholen, deren unrichtigkeit selbst durch die sowjetamtlichen Publikationen erwiesen ist. Es wird darüber noch manches zu sagen sein, für heute jedoch nur zwei kurze Anfragen:
von
1. Wenn es richtig ist, wie die„ Rote Fahne" schreibt, daß der Aufstand in Georgien innerhalb von 48 Stunden ( bisher hieß es in der Roten Fahne" innerhalb 24 Stunden) von der dortigen Bevölkerung liquidiert" wurde, weshalb wurden dann 43 gefangene Sozialdemo traten, von denen der größte Teil viele Monate vor dem Aufstand eingeferfert wurde, von der Tscheta er schossen?
Volksbühne.
Der tole Tag" ist die Tragödie des ewigen Rampfes zwischen Mutter und Sohn, des Krieges zwischen dem männlichen, dem Bater- Prinzip, und dem weiblichen, der egoistischen Liebe der Mutter. Das Ewig- Mütterlich- Weibliche zieht uns hinab, zurüd in die animalische Region des Schoßes, der wir, die Söhne, zwar entsprossen sind, aber nicht mehr angehören. Wir sind, im Gegenteil, dem Kampf, der Welt, dem Leben entgegengeboren. Es ist die Tragödie des jungen Parsifal, ehe er herzeloide, seine Mutter, verläßt und sie mit dem Abschied tötet. Ernst Barlach , der Bildhauer und Dichter, verkehrt das Parsifal- Thema ins Tragisch- Ausweglose. Die mütterliche Kraft ist stärker als des Sohnes Berufung. Die Mutter tötet das Zauberpferd, das draußen, freudig wiehernd, auf den Sohn gewartet hat, das geflügelte Tier, den Pegasus der Genies. Im alten Parzival- Epos ist das Pferdmotiv auch vorhanden.
Da sattelt Frau Herzeloide dem Knaben einen alben Klepper, der den
Reiter lächerlich machen und vielleicht in die Arme der Mutter zurüd
führen soll. Aber der Optimismus des mittelalterlichen Dichters, seine südliche Lust, in einigen tausend Versen die Taten seines Helden zu erzählen, läßt das Unglaubliche wahr werden: Parzivals Lebensmut beflügelt den lahmsten aller Klepper. Der Mutter Hoffnung
schwindet. Sie stirbt. Der Sohn triumphiert über den mütterlichanimalischen Egoismus. Bei Ernst Barlach ist die Muttersohntragit fonfequenter, dramatischer und voller. Die Mutter erträgt den Schmerz des Sohnes um das verlorene Sonnenroß nicht und tötet fich. Der Sohn folgt ihr in den Tod.
Dieses einfache Geschehen ist im„ Toten Tag" eingebaut in die phantastisch- gruselige Welt boshafter Hausgeister. In dem Hause,
in dem Mutter und Sohn leben und gegeneinander kämpfen, lauern Steißbart und Besenbein. Der Alb erscheint, sehr förperlich und im magischen Licht eines blauen Scheinwerfers, bereit, sich vom Sohn ermorden zu lassen, auf daß die Welt von ihm und er von sich selbst erlöst werde. Des Jungen Kräfte sind zu schwach, zu sehr ist er der Sohn der Mutter, zu wenig der Sohn des Vaters, des Unbekannten des Gottes, wie die Mutter behauptet. Der Alb geht hohnlachen davon. Als der Morgen graut, erweist es sich, wie recht er hatte: an diesem Morgen tötet die Mutter das Roß, schneidet sie mit dem Küchenmesser dem Sohn die Zukunft ab. Kule ist da, der alte Blinde, heimgekehrt zur Frau, die er vor Jahren verlassen, er sitzt am Herd und hat keine andere Aufgabe, als die: Sentenzen zu sprechen und den vergeblichen Versuch zu machen, die Schulb der Mörderin eine Zeitlang auf sich zu nehmen: bis die Mahnung Steißbarts, des unsichtbaren Hausgeistes, die Blutschuld der Mutter an das trübe Licht des toten Tages bringt und die bekannten Kensequenzen zeitigt.
In diesem trüben Licht spielt sich alles ab: die Worte haben einen dunklen Sinn, fie liegen gewissermaßen wie Nebel oder Mäntel
2. Wenn es richtig ist, daß die Sowjetregierung ,, alles getan" habe, um ,, den verrückten Sput zu verhindern", weshalb ist der Aufruf Dshugelis, der vor dem Aufstand warnte, mochenlang zurüdgehalten und erst am 29. August, nach Ausbruch des Aufstandes in der Presse veröffentlicht worden?
Erst wenn die Rote Fahne" diese Fragen zu friedenstellend beantwortet, wird weiter darüber zu reden fein, wer die Schuld an den unheilvollen Ereignissen in Georgien trägt.
Das Recht auf die Bahnen. Ministerpräsident Brandenftein in der Klemme.
In Mecklenburg bilden bekanntlich die Deutschvölkischen das Bünglein an der Wage. Ohne ihren Willen kann das Bürger Sie haben von dieser macht bereits einmal Gebrauch gemacht, als ber blodtabinett Brandenstein feinen Tag regieren. deutschnationale Ministerpräsident v. Brandenstein seiner ehrlichen Ueberzeugung folgend für die Annahme des Dawes Planes eintrat. Er wurde gestürzt und es bedurfte eines Rüdzugsmanövers, um das Ministerium wieder flott zu machen. Seitdem ist Ministerpräsident v. Brandenstein vorsichtiger geworden, und als es darauf ankam, zu den Dames- Gesegen Stellung zu nehmen, Er überließ es 30g er es vor, nicht Farbe zu bekennen. seinen deutschnationalen Freunden im Reichstag, für die Annahme den im Reichstag, für die Annahme der Dawes- Gesetze zu forgen.
Aber auch dieser Winkelzug hat ihm die Gnade der Deutschvöllischen nicht eingetragen. Die nationalsozialistische Frattion des mecklenburgischen Landtages fordert von dem Rabinett Brandenstein, daß es die medlenburgischen Staats. bahnen wieder in Besiz nimmt, um auf diese Weise die DawesGefeße in Stücke zu schlagen. Brandenstein antwortete darauf, daß die medlenburgische Regierung zwar alles täte, um die Rechte des Landes zu wahren, aber die Uebernahme der mecklenburgischen Bahnen in Landesregie widerspreche den Reichsgesetzen und sei verfassungswidrig. Davon will jedoch die deutschvölkische Fraktion nichts wiffen. Sie weift in einer Antwort an den Minister. präsidenten auf den Staatsvertrag zwischen dem Reich und den Ländern hin und sagt:
Zur Frage der Exportabgabe.
Die deutsche Regierung hat heute an die franzöfifche zur Frage der Exportabgabe eine Note gerichtet, die im Laufe des Tages veröffentlicht werden wird. Diese stellt eine Antwort auf die französische Note dar, die vor kurzem in Berlin eingetroffen ist.
Die deutsche Regierung bedauert in der Note, daß die französische Regierung sich in der strittigen Frage nicht vor= her mit der deutschen Regierung in Verbindung gesezt hat und weist darauf hin, daß die französische Forderung gegen den Grundgedanken des Sachverständigen= gutachtens verstoße und die Währungsstabilisierung bedrohe. Die deutsche Regierung schlägt vor, daß vor weiteren Berhandlungen zunächst ein Gutachten des Transferkomitees eingeholt werden soll.
Die deutsche Note bedeutet also prattisch einen Appell an das Transferkomitee.
Das deutsche Memorandum zur Frage des Eintritts in den Völkerbund ist heute an die im Bölkerbundrat vertretenen Staaten abgegangen. Es wird zunächst noch nicht veröffentlicht werden.
Die dentsch- englischen Verhandlungen.
London , 26. September. ( Eca.) Das englische Schazzamt füna digt an, daß die deutsch englischen Vertragsverhandlungen wahr scheinlich noch im Laufe der nächsten Woche wieder aufgenommen würden. In offiziellen Kreisen erklärt man, Großbritannien wünsche ver allen Dingen dieselben Ronzessionen, die in dem englischa ruffischen Vertrag enthalten seien, d. h. daß gewisse Kategorien englischer Waren, die nach Deutschland exportiert würden, nicht von fo hohen Zollfäßen betroffen werden würden, wie die Deutschen es beabsichtigen und die sozusagen prohibitiven Charakter hätten. Man glaubt aber trotzdem, daß in dieser Frage eine Einigung zwischen England und Deutschland zu finden sei.
3wed des Staatsvertrages war, wie ftreitos ist, die leber. Die Verhandlungen in Koblenz .
führung der medienburgischen Bahnen in die Verwaltung des Reiches. Nachdem das Reich diese Verwaltung einer internationalen Attiengesellschaft rechtswid rig übertragen hat und sich um feinerlei Verpflichtungen aus dem Staatsvertrage mit Mecklenburg fümmert, ist der medlen burgische Freistaat berechtigt und bei richtiger Bürdigung der Lebensbedürfnisse Mecklenburgs auch verpflichtet, feiner feits von dem Bertrage zurückzutreten und die medien. burgische Staatsbahn wieder in feinen Besig zu nehmen. Wir sind auch der Ueberzeugung, daß der nach § 43 des Staatsvertrages anzurufende Staatsgerichtshof, der ja lediglich nach rechtlichen Erwägungen au urteilen hat, ben mecklenburgischen Standpunkt billigen wird."
Man darf neugierig fein, was Herr v. Brandenstein darauf zu erwidern haben wird. Weist er die völkische Fraktion zurüd, so führt das zu einem Konflikt im Landtag, bei dem das Minifterium, wenn die Bölkischen bei der Stange bleiben, den fürzeren zieht. Kommt er den Böllischen entgegen, so ist er der erste deutschnationale Minister, der die Sabotage ber Dawes
Gesetze betreibt. Das gibt einen fleinen Borgeschmad von den möten einer Bürgerblodregierung.
Der Zusammenbruch der Anleihehausse.
Die Börse stand auch heute noch unter den amtlichen Mitteilungen zur Aufwertungsfrage. Der Rurssturz am Anleihemartt fetzte sich weiter fort, man handelte gegen mittag: Kriegsanleihe mit 410 bis 430, 3mangsanleihe mit 9%, 3% prozentige Konsols mit 700, Schuhgebietsanleihe mit 4% Brief, 23er R.- Schäße 120, 24er R.Schätze mit 325, Hamburger Bantanleihe mit 140.
Rückgabe der Forsten am 21. Oktober.
Koblenz , 26. September .( WTB.) Die Verhandlungen über die Forstenunternehmen, die om 10. September in Roblenz begonnen haben, sind noch im Gange. Bereits seit 21. September geschieht die Bewirtschaftung der Forsten nach den deutschen Vorschriften. Die endgültige Rüd gabe der Forstenunternehmen an die deutschen Behörden erfolgt am 21. Oftober. Schon während der Uebergangszeit finden weitere Holzfällungen nicht statt. Die Verhandlungen über die schwierige Frage der Fortgeltung der laufenden Berträge sind noch nicht abgeschlossen.
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Aachen , 26. September .( WTB.) Vor dem hiesigen belgischen Rriegsgericht hatten sich, wie das„ Echo der Gegenwart" meldet, zehn junge Leute aus Aachen wegen Zugehörigkeit zu einer von der Befagung verbotenen Organisation zu ver
antworten, die sich Aachener Pfadfinderschaft nennt, und die nach Ansicht des Gerichts einen Erfaz für den deutschen Pfadfinderbund
darstellt. Die beiden Führer wurden zu sechs bzw. drei Monate Gefängnis und zu je 1000 Mart Geldstrafe, die anderen acht Angeklagten zu je 500 Mart Geldstrafe verurteilt. glum d
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9 sozialdemokratische Mandate. Stodholm, 26. September. Bei den Reichstagswahlen in Stockholm erhielten die Sozialdemokraten 9, die Rechte 6 und die Liberalen 1 Mandat. Die kommunisten haben ihr einziges Stockholmer Mandat an die Sozialdemokraten verloren. Unter den Gewählten befinden sich die Sozialdemokraten Branfing, Lindquist, Hansson, ferner der frühere konservative Die Aiche Jaurès wird am 23. November in das Pantheon Ministerpräsident Lindmann und der ehemalige Juffizminister übergeführt werden. Löfgren( liberal).
über ihren eigenen Sinn. Der Haß wühlt unsichtbar, wie der Haus geist in den Menschen. Nicht nur Kule, der Blinde, ist blind. Auch die scheinbar Sehenden find es. Sie tasten im Metaphysischen , wie der Blinde im Zimmer. Die Handlung, den Gesetzen und Bedin gungen der unterbewußten" Welt entsproffen und ihnen folgend, bekommt niemals feft umgrenzte Kontur. Alles Faßbare ist symbolisch. Die Menschen sind es auch. Deshalb werden sie nicht Gestalten". Ihre Umrisse verschwimmen. Diese Dichtung ist noch im Fluß. Der Bildhauer Barlach behandelt Worte wie Marmor. Aber im Stein gewinnt das Wert durch die Materie allein schon Grenze und Bestimmtheit. Die Worte aber, die Worte sind selbst fließendes Material. Man muß sie länger meißein als den Stein.
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Die Spielleitung( Paul Günther) unterstützte das Verschwimmende der Dichtung, statt es zu verbannen. Sie legte Wert und Gewicht auf das Musikalische. Sie hätte plastischer sein müssen. Sie gab schließlich Frau Johanna Koch- Bauer die unendlich diffizile Rolle der Mutter. Frau Koch- Bauer war ihr nicht gewachsen. Man vermißte den großen Schmerz. Es war nur der phyfische, fichtden unsichtbaren Steißbart. Es war ein Experiment, ein sehr oft bare und hörbare Ausdrud des Schmerzes. Fränze Roloff sprach gelungenes physikalisches Wunder: durch akustische Mittel eine optische Scheinwirkung hervorzurufen. Den Sohn gab Carl Ludwig Achaz, der einzige an diesem Abend, der das Gestaltlofe zur Gestaltung reifen ließ und dessen Ekstase glaubhaft wurde. Er ist eine berechtigte Hoffnung der neuen Bühne.
Die musikalische Untermalung besorgte Wolfgang 3 eller. Aber die Herren Hannemann, wäscher und Frau Koch- Bauer fangen ihre Rollen, als hätten sie die Aufgabe gehabt, Beller zu ergänzen. Mehr Gestaltung und weniger Melodie wären beffer gewesen...
th.
Ein lustiges Nachkriegsstück. Bittoria" ist der etwas feierliche Titel für das durchaus feierliche neue Stüd des Theaters in der Königgräger Straße von William Somerset Maugham . Berlin hat das Bergnügen den Autor schon aus der letzten Saifon zu fennen, in der seine„ Lady Frederic" ihre kosmetischen Künfte leuchten ließ. Auch„ Viktoria" spielt in dem beruhigenden Milieu der Welt des aufgefüllten Bankguthabens. Die verwöhnte Frau, die an Stelle ihres gefallenen Gatten feinen Freund geheiratet und diesem eben die Vorzüge ihres ersten Mannes mit schmerzlicher Trauer geschildert hat, gerät ebenso wie die ganze Familie in peinlichste Ber. legenheit, als der Totgeglaubte plößlich auf der Bildfläche erscheint. Den uralten tragischen Stoff hat Maugham originellerweise nach der luftigen Seite hin ausgeschöpft und einen entzückenden Einafter zurecht gezimmert. Geift, Wis, Humor fprühen in dem Stückchen und schaffen froheste Laune. Der Autor Maugham ist offenbar ein Berehrer Bernard Shaws, der aus zahllosen Winkelchen des Luftspiels liftig hervorzminfert. Wenn die Figuren aus der noblen Gesell schaft mit aller Unbefangenheit herzlose Dinge in verbindlicher Form
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aussprechen, wenn Situation und Dialog die überraschendste Wendung erfahren, dann wissen wir schon, aus welcher Quelle sich Maugham feine reizenden Einfälle vershamt hat. Leider hat den Autor ein ebenfalls überraschendes Mißgeschid getroffen. Bon weiß der Rudud welchem elenden Stümper beraten, hat sich Maugham fleben, die das Stück allmählich in bedenklicher Dede verfanden lassen. verleiten lassen, dem übermütigen Einafter noch zwei Atte anzus Immerhin blieb die angeregte Stimmung aus dem ersten Aft bis zum Schluß bestehen
Gespielt wurde unter der flotten Regie des Paul Marr recht mader. Die Viktoria der Camilla Spira war ein reizendes Salonpüppchen, das feine Banalitäten mit einem ständigen origi nellen, leeren Lachen aussprach. Sie brachte ihre Herzlosigkeit mit füßer Schelmerei und zarter Anmut über die verführerischen, rot. geschminkten Lippen. Kurt Vefpermann spielte den totgeglaubte 1 Helder mit der ihm eigenen äußerst uftigen Schnuppigkeit und junge haften Natürlichkeit, so daß vom ersten Augenblick an herzlicher Kontaft mit dem Bublifum entstand. Ernst Karchow , Ernst Behmer , Frieda Richard , Olga Engel stellten ein paar sehr luftige Inpen hin.
Ernst Degner.
„ Der Tanz um die Liebe". Im Künstlertheater, das
bisher dem Schwant geweiht war, ergibt sich bei dieser Uraufführung ein Novum: sobald die beiden Hauptträger der Handlung spieien, ist man müde; fobald die Nebenpersonen auf der Bühne sind, wird man fuftig. Man lacht über Späße und Improvisationen, über Einfälle und Pointen bei dem erschütternd fomischen Baul Gräß, der eine wahre Götterschnauze hat und eine Mischung von talmudischem Geist und Berliner Frechheit auf die beweglichen Beine stellt, die ihresgleichen sucht. Er ist ein Ragout fin aus Sabo, Herrnfeld und Lilien und doch eine Klasse für sich. Er würde einer guten Operette zur Gefahr werden, aber diefer mittelmaäßigen wird er zum Retter. Seine wundervoll quedsilberige Suada setzt sich direkt ans Zwerchfell fest. Ihm zunächst gefällt Erifa v. Thellmann, dieses wirklich füße und doch schon bewußte Mädel mit den Schelmenaugen und den schwungvollen Beinen. Martha Serat hat das Unglüd, an eine Rolle zu geraten, die eine Massary wegen des Grundtones der Weinerlichkeit und der Sentimentalität glatt abgelehnt hätte. Thr Temperament und ihre Laune wurden nicht sichtbar. Alle Datapos tamen auf das gefcheidte und gescheitelte Haupt von Baul und den blonden Bubenkopf von Erika. Also etwa das Couplet„ Mit dem Auto, mit dem Luftschiff, mit der Eisenbahn" oder der Jiminy„ Die Welt ist ein Tanzlokal". Der großgedachte Walzer des Mitteiaftes fchlägt leider nicht durch, weil er blaß erfunden ist, ein Klischee aus alter, guter Zeit. Der Liebestenor näst Iberger ist ein lieber, primitiver, freundlicher Bariton. Auch er fann, wie sämtliche andere Männer im Spiel, nicht fingen. Es fehlen also( dies der Fehler der Tegtdichter Jacobsohn und Saltenburg) richtige Operettenrollen. Wenn man will, fann man die Tradition des Schwank theaters in der Nürnberger Straße auch mit dieser Operette weiter pflegen. Die eigentliche Mufit stammt von Grah, Strauß gibt nur den anständigen, bewährten, nie verlegenden Kontrapunkt dazu. Seine Mufit begann in der Luft Wiens und endet nun in Berlin .