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Abendausgabe

Nr. 51541.Jahrgang Ausgabe B Nr. 258

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SW

Vorwärts

Berliner Volksblatt

5 Goldpfennig

Freitag

31. Oktober 1924

Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr

Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin $. 63, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 2506-2507

Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Vor dem Rücktritt Macdonalds.

Das endgültige Wahlergebnis.

London , 31. Oftober.( WIB.)" Daily Expreß " berichtet, Macdonald habe für heute vormittag eine Bollfigung des Kabinetts einberufen. Es sei so gut wie sicher, daß er danach dem König feinen Rüdfritt unterbreiten werde. Baldwin werde, wenn der König ihn auffordere, eine tonfervative Regierung zu bilden, den Antrag annehmen und fofort mit der Kabinettsbildung beginnen. Der politische Berichterstatter der Westminster Gazette" feilt mit, fonfervative Führer redneten damit, daß die Regierung unverzüglich zurücktreten werde. Jn fonservativen Kreifen haben die Vorarbeiten zur Kabinetisbildung bereits begonnen. Austen Chamberlain werde ein wichtiges Mitglied des Kabin: ttes Baldwin sein und habe zum Ausdrud gebracht, daß er mit Cord Birkenhead zufammengehen werde. Wenn Churchill in die Regierung aufgenommen würde, fo werde er wahrscheinlich ein hohes Amt erhalten.

London , 31. Oktober. ( Eca) Bon den bis heute früh feft­gestellten 604 Unterhausfitzen entfallen auf die konservativen 410, auf die Arbeiterpartei 152, auf die Eib zalen 43 und auf die fleinen Parteien 4. Bei den 1hten Wahlen hatten erhalten: Die Konservativen 254, die Arbeiterpartei 193, die Liberalen 158 und die übrigen Parteien 5 Sige. Von den 11 noch ausstehenden Re­fultaten entfallen 10 auf die Univerſitäten, von denen wahrscheinlich

8 den Konservativen und 2 dm Liberalen zufallen werden.

Jn 568 Wahlbezirken waren für die Konservativen 7 597 894 In 568 Wahlbezirfen waren für die konservativen 7 597 894 Sfimmen, für die Liberalen 3 105 329 Stimmen, für die Arbeiter partei 5501934 Stimmen, für die Kommunisten 56 355 Sfim­men und für die Unabhängigen 82 964 Stimmen abgegeben worden.

Gedämpfter Bürgerblockjubel.

London , 31. Oftober.( WTB.) Die konservative Bresse feiert den unerwartet großen konservativen Wahlerfolg als Sieg über den Sozialismus, betont jedoch, daß die Gefahr angesichts der 3u nahme der sozialistischen Stimmen feineswegs befeitigt fei. Bon mancher Seite wird bereits die Forderung nach dem fo.

fortigen Rücktritt der Regierung erhoben.

Times" schreibt, der fonservative Sieg sei für den Augenblic Times" schreibt, der fonfervative Sieg fei für den Augenblid wohl entscheidend, es würde aber ein großer Irrtum fein, wenn die Sieger sich einbildeten, daß die Gefahr endgültig beseitigt fei oder daß sie etwa auf lange Zeit vom Gozialismus und feinen Anhängern im Auslande nicht mehr behelligt werden würden. Die Arbeiterpartei bleibe nicht nur die zweitstärkste Partei im Unter­hauje, fie habe auch ihre Anhänger im Land: zusammengehalten. Die Abstimmung zeige, daß die Niederlage der Arbeiterpartei nicht auf ein Nachlaffen ihrer Energie und ihrer Disziplin zurückzuführen jei: fie fei geschlagen worden, nicht weil sie es weniger gut gemacht hätte als bei den letzten Wahlen, sondern weil es die konservativen viel besser gemacht hätten als jie. Der Energie und der Organisation pes Sozialismus müßte entgegengetreten werden, und zwar mit nicht geringerer Energie und Organisation von seiten seiner Gegner. Für Neutrale gebe es in diesem Kampf feinen Platz." Times" er flärt weiter, die Wahlen feien unter Umständen abgehalten worden, die für die Liberolen besonders ungünstig gewesen seien. Niemand, ber mit der Lage vertraut sei, werde es sich auch nur einen Augen­Eid lang vorstellen können, daß die 2 817 000 Stimmen, die für sie abgegeben worden feien, ihre wirkliche Stärke im Bande darstellten. Stein Zweifel bestehe darüber, daß viele Taufende von Liberalen bei den lehten Wahl tonfervatio geftimmt hätten, weil sie der Ansicht gvejen jelen, daß nur so die sozialistischen Kandidaten zu fchlagen gewesen felen.

" Daily Telegraph " nennt den Sieg der Konservativen über wältigend, betoni jedoch, daß in den meisten Wahltreifen die für die Arbeiterpartei abgegebenen Stimmen um Taufende augenommen hätten. Wenn die andere Seite ebenso apathisch gewesen wäre wie vor einem Jahre, so würde dies Macdonald zu einem leichten Elege verholfen haben. Die wahre Bedeutung diefer Wahl liege in der völligen Ablehnung des Sozialismus in den Industriebezirken,(?) Für Macdonald und feine Kollegen bleibe nur noch der Weg des fofortigen Rücktritts übrig, noch nie fei einem Rinisterium in so gebietender Weise gekündigt worden.

" Daily Expreß schreibt, die Wählerschaft sei dermaßen bestrebt gewesen, den Sozialismus zu vernichten, daß sie der Konservativen Partei eine überwältigende Mehrheit verschafft hätte, warnt jedoch Davor, die Opposition im neuen Barlament als gefährlich schwach" anzusehen, und führt weiter aus, die Konservativen würden gut tun, dem Streben, entschieden nach rechts zu rüden, zu widerstehen. Die Gefahr des Rechtsrabitalismus sei in mancher Hinsicht ebenso wirklich wie die des Lintsradikalismus.

" Daily Herald"( foz.) schreibt: Jest wiffen wir, wo wir stehen. and welche Kräfie wir zu befiegen haben. Wir haben falfde Freunde abgeschüttelt. Wir haben unsere Feinde gezwungen, fich offen zu erklären. Jest tönnen wir uns ans Wert machen, um den Seg für das nächste Mal zu organifleren. Daily Herald" führt die Niederlage der Arbeiterpartei im besonderen auf das Bestehen ber fommunistischen Bartei zurüd, da ohne den lärmenden Drud der britischen Kommunisten die Gegner der Arbeiterpartei die Furcht der Wählerschaft, insbesondere der Frauen vor dem Sozialis, mus nicht hätten ausbeuten fönnen.

Macdonald über den Wahlausfall. London , 31. Oftober.( TU.) Macdonald wurde bei seiner Ab­reise aus seinem Wahlkreis nach London von einer großen Menschen menge stürmisch begrüßt. Auf wiederholte Aufforderungen hielt er eine turze Anforade, in der er sehr bedauerte, daß die Arbeijer pariei einen Sig in Cardiff verloren habe und daß die Eroberung

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zweier anderer Size nicht gefungen sei. Wenn man jedoch die Tat fache betrachte, daß im ganzen Lande die Arbeiterpartei fünf Mil­lionen Stimmen erhalten habe, so bedeute dies ein Zeichen für die Macht der Arbeiterpartei. Er beneide die Konservative Partei nicht um die großen Aufgaben, die sie in Anbetracht der Lage des Handels und der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Ver­hältnisse zu lösen haben werde.

Internationalismus der Reaktion.

Fernwirkung der englischen Wahlen.

"

Es gehört zu einem immer wiederholten Ariom der deutschnationalen Presse, daß die deutsche Politit in feiner Weise durch die Entwicklung der Politik anderer nehmende demokratische Entwicklung in Frankreich und Eng­Länder beeinflußt werden könne. Der Hinweis auf die zu­land ist von unseren Patentpatrioten stets als das dümmste Argument der deutschen Demokratie" bezeichnet worden. Die Annäherung zwischen den einzelnen Staaten ist von Deutsch nationalen stets als Landesverrat bezeichnet. nationalen stets als Landesverrat bezeichnet. Die Reaktionäre wollen von internationalen Fernwirkungen nichts wissen, wenn sie gegen sie gerichtet sind. Um so enger hängen fie aber mit ihren Gesinnungsfreunden im Ausland oder denen, die sie dafür halten, zusammen, Gott er halte uns Poincaré !" war der Ruf der Deutschen Beitung" zu Beginn des Ruhrkampfes. Millerand ist in den deutschen Rechtsblättern heftiger perteidigt worden als in Frankreich selbst. Wen fann es wundern, daß die Deutsch Sieg empfinden? Was scheren diese Leute nationale Inter nationalen den fonservativen Wahlfieg in England als ihren essen, wenn sie glauben, inner politisch voran zu tommen? Daß Deutschland mit einem England Mac­donalds sich leichter verständigen fonnte als mit einem Englands Baldwins, ist ihnen höchst gleichgültig. Für fie fommt nur das eine in Betracht: die Niederlage der Labour Barty ist für sie eine Niederlage des Sozialismus. Sie hoffen ihre Propaganda jetzt durch den Hinweis auf England stügen zu fönnen. Ein förmliches Triumphgeheul ertönt in den Spal ten der Deutschen Tageszeitung":"

Zahlreich und eindringlich sind die Lehren, die dieser Erd­rutsch" in England, wie der große Stimmungsumfchwung in der englischen Bresse bezeichnet wurde, auch für Deutschland ergibt. mit Neld müssen wir sehen, daß das britische Volt sich gefährliche sozialistische Experimente einfach nicht gefallen läßt, daß es auch bei der Arbeiterregierung Achtung vor der Tradition und Schutz gegen den Bolschewismus erwartet und nicht zögert, sofort die Konsequenz 34 ziehen, wenn es in dieser Erwartung getäuscht wird. Wir sehen, wie schon betont wurde, weiter, daß es unwahr ist, von einem unaufhaltsamen Bordringen der sozialistischen Welle in der Welt zu sprechen, daß mindestens in England diefe Bewegung vielmehr in schnellem Maße rüd läufig ist. Ueber diese Wahrheit wird man das deutsche Volt in der jüdiſch- demokratisch- sozialistischen Bresse vermutlich hinwegzutäuschen versuchen. Daß die maßgebenden Kon­fervativen in England einen sozialistischen Wahlfieg in Deutschland ichon im Hinblick auf dessen Rüdwirtungen auf England nur mit stärkstem Mißbehagen sehen würden, kann keinem Zweifel unter liegen.

" Die maßgebenden fonservativen Führer Englands sind inner lich völlig frei von pazififfifchen 3diologien, wenn sie diese auch als Exportartikel gelegentlich schätzen. Sie haben im Grunde für das Gewinsel unserer deutschen Pazifisten nur Verachtung. Daß es Daß es gerabe in ihren Kreisen einflußreiche Politiker gibt, die es schon heute für eine wesentliche Aufgabe der britischen Politik halten, Gegengewichte gegen die übermäßige Macht Frankreichs zu schaffen, steht fest. Trotzdem müssen auch sie mit dem starten Ruhebedürfnis des Engländers und Gegenströmungen im eigenen Bager rechnen und können daher nur vorsichtig handeln. Je stärker fich Deutschland felbst zu machen versteht, je mehr es Moren Willen und innere Ge­schlossenheit mit nationaler Front zeigt, desto eher hat es Aussichten, auch in England als politischer Faktor Beachtung zu finden."

"

Natürlich darf in dem allgemeinen Chor der Freuden­tänze das Leibblatt der Firma Stinnes nicht fehlen. Das einzige Rechtsblatt, das andeutungsweise feststellt, wie sehr das englische Wahlergebnis durch die Unzulänglichkeiten des besonderen Wahlrechts bedingt wird, ist der okal- An zeiger". Natürlich sind die Rechtsblätter nicht so naiv, wie sie fich stellen. Die Mera Macdonalds ist es gewesen, die zusammen mit dem Wahlfieg Herriots Deutschland den 2 usweg aus der Katastrophe des verlorenen Ruhrkampfes geöffnet hat. Die Aera Macdonalds hat sicher den deutschen Interessen nicht geschadet. Wenn ein Tell der Rechtspreffe jetzt allen Ernstes glaubt, mit einem machtpolitisch gesinnten England zusammen gegen Frankreich angehen zu fönnen, wenn die Rechtspresse of en die Geschäfte der franzöfifchen Poincaristen betreibt, hält sie die en gli fchen Konservativen für so dumm wie die deutschen und macht in Deutschland die Rechnung ohne den Wirt. Die Ar­beiterschaft weiß, daß die englische Arbeiterpartei feinen Stimmenrüd gang, sondern im Gegenteil einen beacht­lichen Stimmenzuwa ch s zu verzeichnen hat. Die deutsche Arbeiterschaft weiß, daß die englische Arbeiterregierung ihr außenpolitisch die wertvollsten Dienste geleistet hat, fie wird den deutschen Reaktionären am 7. Dezember nicht in den Sattel verhelfen.

Schwedische Arbeiterregierung.

Sozialdemokratie und Regierung in Schweden .

Bon Ricard Lindström, Stockholm .

Wahlen stand die Wehrfrage an erster Stelle. Bald stellte In den Wahlmanifesten aller Parteien bei den letzten es sich heraus, daß die Volksstimmung entschieden für den Abbau der Rüstungen war. Auch in den Kreisen der Regie­rung und der Rechten erkannte man diese Strömung; man nahm deshalb davon Abstand, die Stellung der alten Regie­rung durch Betonung ihrer militaristischen Wehrfreundlichkeit noch mehr zu erschüttern. Der Regierungschef Trygger brachte vielmehr das Schlagwort auf, die Wahl gehe in erster Linie für oder gegen die Sozialdemokratie! Das war die neue Parole. Die große aktuelle Sachfrage mußte einer groben parteiagitatorischen Kampfparole weichen. Indessen konnte nichts Herrn Tryggers Mißerfolg auf­halten. Freilich gewann feine Rechtspartei zwei Mandate und erhöhte ihre Stimmenzahl um 11 527 Stimmen, freilich erhielt der der Rechten nahestehende Bauernbund drei neue eigentliche Siegerin ging die Sozialdemokratie mit Pläge trotz einer kleinen Stimmenverminderung. Aber als 5 neuen Mandaten und 104 Sigen in der Zweiten Kammer fowie mit einer Erhöhung der Stimmenzahl um 48 658 auf 725 844 aus den Wahlen hervor. Mit den 5 Kommunisten verfügt die Arbeiterklasse nun über 109 Bläge von insge­famt 230. Ein neuer Schritt vorwärts der absoluten Mehrheit entgegen!

der Wage ist nun die sogenannte Freifinnige Volfspartei, eine Aber es wurde doch keine Mehrheit. Das Bünglein an reformfreundliche bürgerliche Kleineleutepartei, die besonders in der Rüstungsabbaufrage bereit ist, der Sozialdemokratie entgegenzukommen. Es ist infolgedessen eine klare majorität für einen weitgehenden Rüstungsabbau vorhanden. Für den worden, für die Regierung jedoch nur 651 186 Stimmen. Die Abbau der Rüstungen sind 1040 600 Stimmen abgegeben Tragweite des Urteils war also vollkommen klar.

fall unbeachtet zu lassen. Er verharrie in seiner Fragestellung Herr Trygger schien geneigt, diesen deutlichen Wahlaus­aus den letzten Tagen der Wahlbewegung, daß es sich in erster Linie um den Sampf gegen die Sozialdemo Pratie handele. Bollkommen unbekümmert darum, daß wenigstens die Freifinnige Volkspartei gar nichts davon wissen wollte, daß Trygger auch ihre Sache gegenüber der Sozial­demokratie vertreten sollte, ermahnten die bürgerlichen Zei­tungen die Regierung, fest zu bleiben. Die Behrfrage sollte bis nach der geplanten Abrüftungskonferenz des Völkerbundes vertagt werden. Indessen sorgte sowohl die Sozialdemokratie als auch die Freifinnige Bolkspartei dafür, daß Herr Trygger feinen Platz verließ. Man sagte ihm frei heraus, daß der Linksparteien erforderlich mache, und daß diese Parteien die Wahlausfall eine rische Lösung der Wehrfrage im Sinne der Möglichkeit befäßen, im Reichstag eine feste Mehrheit für den Abbau der Rüstungen zu schaffen. Stun gab Herr Trygger feinen Widerstand auf und trat am 14. Oftober zurück.

Es wurde nun Brantings dritte Regierung gebildet, die rein sozalistisch ist. Sie hat in keiner der Kammern Reichstages und hat Aussicht, in gewissen grundlegenden die Majorität, aber sie stüßt sich auf die größte Partei des Fragen von der bürgerlichen Linken unterstützt zu werden. Vor allem gilt dies für die Wehrfrage. Aller Wahrscheinlich­feit nach wird es der sozialdemokratischen Regierung gelingen, dem Reichstag des Jahres 1925 einen radikalen Borschlag auf Abbau der Rüstungen vorzulegen, der in allen wesentlichen Teilen gutgeheißen werden wird. Der Rüstungsabbau steht auch im Regierungsprogramm an erster Stelle.

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In ihrer Programmerklärung rollt die Regierung Bran­ ting auch die auch die Frage des Berhältnisses Schwedens zum zum Genfer Genfer Protokoll auf. Es heißt, daß Schwedens Anschluß nicht entschieden werden könne, bevor es fich gezeigt habe, in welchem Maße der Plan die Zustimmung der anderen Staaten langt habe. Die Regierung stellt eine eingehende Unter­suchung des ganzen Problems in Aussicht. Die endgültige Entscheidung bleibt selbstverständlich der Bolksvertretung por­behalten. In der Erklärung wird es nicht direkt ausgesprochen, aber man kann doch vermuten, daß die Stellung Englands zu dieser wichtigen Angelegenheit für die Stellungnahme Schwedens von entscheidender Bedeutung sein wird.

Schließlich wird in der Regierungserflärung die Fort führung der sozialen Reform arbeit verkündet. Auch in dieser Beziehung kann auf die Unterstützung durch die bürgerlichen Lintselemente gerechnet werden. Zunächst wer­den wohl die Arbeitslosenfrage und die großen Bodenprobleme auf die Tagesordnung gestellt werden. Die schwedische Gesetz­gebung über den Achtstundentag hat einstweilen noch einen provisorischen Charakter. Das nun geltende Gesez erlischt mit dem Jahre 1926. Die fozia demokratische Regierung wird nun die Aufgabe haben, diese für die Arbeiterklasse so wichtige Errungenschaft endgültig gefeßlich festzulegen.

Dieses Reformprogramm ist ein flares politisches und soziales Fortschrittsprogramm, das das meiste in fich faßt, was unter den bestehenden parlamentarischen Machtverhältnissen in Schweden gewonnen werden kann. Es bildet auch eine natürliche Fortsetzung der Arbeit, die mit so glänzendem Re­fultat feit 1918 hier im Lande in Zug tam.

Die dritte Regierung Branting wird sich von Anfang an auf eine vorsichtige Politik einstellen. Ihre Rage zwingt fie zu einer solchen Taktif. Man fann nämlich mit einer an Ge­wißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit annehmen, daß eine Rechtsregierung ans Ruder kommen würde, falls das