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Abendausgabe

fr. 52741. Jahrgang Ausgabe B Nr. 264

Bezugsbedingungen und Anzeigenpretfe Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin

NO

Vorwärts

Berliner Dolksblatt

5 Goldpfennig

Freitag

7. November 1924

Berlag und Anzeigenabteilung:

Geschäftszeit 9-5 Uhr

Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 2506-2507

Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Der Faschismus in Tobsucht.

Vorzeichen der Agonie.

Rom , 7. November. ( WIB.) In Brescia wurden gestern abend Faschisten auf der Rückkehr von einer Siegesfeier von Unbe­fannten angeschossen. Zwei Faschisten wurden leicht verlegt. Als heute früh dort der sozialistische Abgeordnete Fi otto auf dem Rathaus in einer Wohnungsangelegenheit erschien, wurde er von einem faschistischen Deputierten aufgefordert, sich zu entfernen, und als er fich weigerte, ins Gesicht geschlagen und von anderen Faschisten aus dem Rathause getrieben.

Rom , 7. November. ( WTB.) Giornale d'Italia" schreibt| Secolo" ermahnt die Regierung, den Streif beizulegen, und den in einem Leitartikel, welcher die in den lehten Tagen vorgekommenen Bruch mit den beiden Vereinigungen zu vermeiden. Gewalttätigkeiten der Faschisten tommentiert, daß zwar der Minister des Innern alles aufbiete, um die Ordnung auf­recht zu erhalten, und in diesen Bemühungen von den beiden libe­ralen Kabinettsmitgliedern sowie von den Ministern des Krieges und der Marine und sogar auch von einigen faschiffifchen Mini­stern fräftig unterstüht werde, daß aber der Ministerpräsi­dent und die faschistische Partei von diefer Mäßigung nichts wiffen wollen. Das mache den Eindrud, als ob es in Italien nicht eine, fondern zwei Regierungen gebe. Ein solcher Zustand fönne nicht länger andauern, und die Parteien, welche gegen alle Gewalttätigteiten feien, dürften dem nicht länger un tätig zusehen.

Bonzio di San Sebastiano, Inhaber der goldenen Tapferfeits­medaille und Präsident der Kriegsteilnehmervereinigungen der Pro­vinz Rom, reichte in einem Brief an Mussolini feine Entlassung aus der Faschistischen Partei ein mit der Begründung, daß die Fa schisten bei dem Umzug am 4. November die Kriegsteil­

Rom, 7. November. ( Tul.) Tribuna" meldet, daß bei Mon ferroto die Leiche eines Faschisten aufgefunden wurde. Die mutmaßlichen Täter find verhaftet. Das Blatt meldet wetter, daß gestern abend in Neapel zwischen Faschisten und den Mitgliedern der Vereinigung Italia Liberata" eine Schlägerei stattgefunden hat, bei der ein Faschist getötet wurde.

Der Gegensatz zwischen den Bereinigungen der Kriegsteilnehmer beleidigt hätten. nehmer und Kriegsverstümmelten einerseits und der Regierung und der faschistischen Partei andererseits verschärft sich immer mehr, wozu nicht nur der Angriff am 4. november, fondern auch persön­fiche Angriffe des Popolo d'Italia" gegen die Leiter dieser Ber­einigungen beigetragen haben. Die Kriegsverftümmelten und Kriegs­tellnehmer haben jetzt beschlossen, ihren Generalvorstand einzuberufen, um zu der geschaffenen Cage Stellung zu nehmen. Nach den Blättern werden beide Bereinigungen verlangen, daß die faschistische Partei und die Regierung die Angreifer des 4. November öffentlich fadele und besser regiere.

Der finanzielle Wiederaufbau. Dawesplan und Auswärtige Anleihen. Zeitung" aus New York gemeldet wird, macht die Finanzierung des Köln , 7. November. ( Eigener Drahthericht.) Wie der Kölnischen Wiederaufbaues Deutschlands , die nach der erfolgreichen Unterbrin­gung der deutschen Anleihe und mit der Gewährung einer Anleihe an die Stabt Berlin einfegte, weitere Fortschritte. De Stadt Köln hai ein furzfristiges Darlehen von 2 millionen Dollar erhalten. Auf der Grundlage der mit Berlin getroffenen bmachungen wird eine langfristige Anleihe erfolgen, sobald die Frage der Aufmertung der städtischen Borkriegsverpflichtungen ge. regelt sein wirb. Hamburg verhandelt zurzeit ebenfalls über einen Kredit. Außerdem haben Borbesprechungen stattgefunden, um für zahlreiche andere deutsche Städte Gelber flüffig zu

machen.

Während die Aufwertung die Hauptschwierigkeit bei den Rom munalbarlehen darstellt, liegt für die Finanzierung der beutschen Industrie nach Ansicht der beteiligten Finanzkreise das größte Hindernis in den sich aus dem Dawes- Plan ergebenden Berpfändungen, d. h. in der ersten Hypothet, die bei der Industrie auf Grund dieses Blanes für die Regelung der Entschädi gungsfrage ruht. Die beteiligten Finanzkreise erörtern zurzeit einen Plan, wonach die gewährten Kredite teilweise dazu dienen sollen, die Berpflichtungen aus dem Dames Plan ab zuzahlen, so daß die privaten Gläubiger alsdann die erste Hypothet auf die betreffenden Unternehmungen erhalten.

Der Prozeß gegen die Rote Fahne ".

Rom , 7. November. ( WTB.) Das Gericht von Pifa hat zwei Rommunisten, welche im August 1922 ben Faschisten Turchi ermordeten, in Abwesenheit zu je 30 Jahren 3uch haus verurteilt.

Die Arbeiterpartei im Vormarsch.

Ein Wahlrückblick Macdonalds. London , 7. November. ( Eigener Drahtbericht.) Mac­

Landarbeiter und Brotwucher.

Haben die deutschen Landarbeiter einen Vorteil von den Getreidezöllen?

Bon Wilhelm Bernier, Borstandsmitglied des Deutschen Landarbeiterverbandes.

Die agrarische Presse bemüht sich nachzuweisen, daß durch die Einführung des Schutzzolles auf die agrarischen Produkte auch die Landarbeiter einen Vorteil hätten. Diese Methode ist nicht neu. Sie wurde bereits in der Vorfriegszeit geübt. Die Mitglieder des Bundes der Landwirte, des Vorläufers des heutigen Reichslandbundes, setzten sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen. Bastoren, Lehrer, Kaufleute, Per­fonen, die nur irgendwie mit der Landwirtschaft in Berührung tamen, Handwerker, ja, selbst Arbeiter waren neben dem Klein­und Großbesig in diesem Bunde vertreten. Die wirklichen Nutz­nießer des Bundes der Landwirte, die Großgrundbesitzer, ge­brauchten diese Schichten zur Erreichung ihrer wirtschaftlichen und politischen Forderungen. Mit Hilfe dieser Massen war es den Agrariern möglich, ihren Willen durchzusetzen. Diese länd­lichen Schichten haben sich leider bisher von den Großgrund­befizern betören laffen.

Es gibt auch heute noch Kleinbesizer und Arbeiter, die immer noch mit den Agrariern zusammengehen, ganz besonders in der Bollfrage. Auch der christliche Zentralverband der Land­arbeiter mit seinen deutschnationalen Abgeordneten Behrens, Hülfer, Meyer an der Spize ist bereit, sich für die Getreide­Bölle einzusetzen und betätigt sich vollkommen im Sinne des Landbundgedankens. In Birklichkeit haben meder die Ar­beiter noch die bäuerlichen Besitzer bis zu den Mittelbauern einen Vorteil von den Getreidezöllen. Nur die ganz großen Betriebe, die in den meisten Fällen auf Körnerbau angewiesen find, haben einen Gewinn vom Zoll. Für die Klein- und Mittelbetriebe wirkt der Getreidezoll ebenso verteuernd wie auf alle anderen Schichten der Bevölkerung. Die Viehzucht wird meistens von fleinen und mittleren Befizern betrieben.

einem großen Teil der Urbeiferabgeoroneien eine Rede. Er erfläcie, donald hielt gestern vor allen früheren Arbeiterministern uno Diese haben durch die Einführung der geplanten Schizzölle einem großen Teil der Arbeiterabgeordneten eine Rede. Er erfläcie, zum Teil noch Schaden, indem sie noch Futtermittel zukaufen daß die kommunisten, die lediglich die Reaktion fördern, eigent müssen. Aber auch bei den größeren Betrieben ist es fehr lich noch größere Feinde der Arbeiter feien, als die Koujer- weifelhaft, ob sie wirklich auf die Dauer einen Vorteil von vativen. Die Arbeiterpartei fiehe jeht vor einer weitaus flareren den Geireidezöllen haben. Cage, als zu jener Zeit, als sie zur Regierung gelangte. Sie verfüge im Lande über 5% Millionen Stimmen, das heißt über eine mit. lion mehr als vor einem Jahr. Die Liberalen häffen Selbfi m'ord begangen. Sie würden die Verantwortung für ihren Zusammenbruch zwar auf die Arbeiterpartei abzuwälzen ver­suchen, aber zu Unrecht, denn es habe sich nicht um einen Mord, sondern um einen Selbstmord gehandelt. Man wohne jezt dem sonderbaren Schauspiel bei, daß die Konservativen versuchten, die liberale Partei wieder zum Leben zu erwecken und damit einen Schuhwall gegen die Arbeiterpartei aufzurichten. Ungeachtet dieser Verfuche, fchreite aber die Arbeiterpartei im Geist der Einig teit und Entschlossenheit vorwärts. Als Oppositions­partei werde fie der Nation ebenso große Dienste leisten, wie als Regierungspartei. Dabei werde sie aber verstehen, ihre Opposition nach der Art von Gentlemen zu führen.

Nach der Ansicht der Großgrundbefizer sollen nun die Arbeiter ebenfalls einen Nuzen von den Getreidezöllen haben. In demagogischer Weise sagt man den Landarbeitern, daß sie nur dann einen höheren Sohn bekommen fönnten, menn die landwirtschaftlichen Betriebe durch die Einführung der Bölle leistungsfähiger würden, ebenso hätten die Arbeiter auch infolge ihres hohen Körnerdeputats ein Interesse an der Einführung der Zölle. Derartige Versprechungen sind von den Großgrundbesizern immer dann gemacht worden, wenn man glaubte, die Arbeiter als Vorspann zur Durch bei der agrarischen Forderung der Aufhebung der Getreide­führung der agrarischen Ziele zu benutzen. Es geschah auch zwangswirtschaft. Nachdem die 3mangswirtschaft aufgehoben war, dachte fein Arbeitgeber mehr daran, das Versprechen der ländlichen Arbeiterschaft gegenüber zu erfüllen. Im Gegen­teil verlangten die landwirtschaftlichen Unternehmer, genau wie in der Industrie, Lohnabbau und Arbeitszeitver= längerung. In diesem Jahre ist fast nirgends der Lohn erhöht wor London , 7. November. ( WTB.) Ueber die Zusammensehung des neuen Robinetts wird weiter gemeldet: Lord Salisbury Wood den. Die Landwirte lehnen auch jeht noch eine ausreichende für Landwirtschaft, Lord Cave Lordkanzler, Sir John Gilmour Erhöhung der miserablen Löhne fast durchweg ab. Dies ge­für Schottland , Lord Eustace Berey Unterricht, Neville Cham- schieht, troßdem die Getreidepreise in den letzten Monaten eine berlain für Wohlfahrt und Douglas Hogg Generalftaatsanwalt, ganz große Steigerung erfahren haben. Hiermit ist die Ministerliste vollständig. Der Generalstaatsanwalt war bisher nicht Mitglied des Kabinetts, andererseits waren der Generalpostmeister, der Kanzler des Herzogtums Lancaster und der Erste Kommiffar. für die Arbeit( drei Ernennungen, die noch nicht erfolgt find) Mitglieder des Arbeiterkabinetts, werden aber offenbar

Genoffe Clynes fagte gleichfalls: Ich erkläre offen, daß wir die kommunisten als die größten Feinde der Ar­die Kommunisten als die größten Feinde der Ar­beiferschaft betrachten, als größere, als die Konservativen.

in das fonservative Rabinett nicht eingeschlossen sein.

Interalliierte Schwierigkeiten.

1 Jahr 9 Monate Feftungshaft beantragt. Leipzig . 7. November.( Eigener Drahtbericht.) Der letzte Brozeß in dieser Sizungsperiode des Staatsgerichtshofes beginnt Brozek in dieser Sigungsperiode des Staatsgerichtshofes beginnt unter dem Borsiz des Reichsgerichtsrats Drehn furz nach 9 lihr gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Berliner Roten Fahne" Apelt wegen Hochperrat bzm. Borbereitung dazu, wegen Vergehen gegen§ 8 3iffer 2 des Republik- Schn.h gefeßes und§ 20 des Reichspreffegesetzes vom 7. Mai 1874. Apelt hat die Artikel, welche die Errichtung der proletarischen Paris , 7. November. ( Eigener Drahtbericht.) Der Matin" Dittatur durch Waffengewalt fordert, nicht selber ver will über die Besprechung, die am Donnerstag unter dem Vorfiz faßt, übernimmt aber die gefeßmäßige Verantwortung. Der Reichs von Herriot im Auswärtigen Amt über die von der interalliierten anwalt sieht in diesen Artikeln öffentliche Aufforderung zur Aus- Finanzkonferenz zu regelnden Fragen stattgefunden hat, folgendes führung des Hochoerrats, wenn er auch den Schriftleiter nicht erfahren haben: Der Nettoüberschuß der Ruhrbefehung und der als mittäter bei diesem Berbrechen bezeichnet, weil dies hoch. Pfänderpolitit foll 651 Millionen Goldmart betragen, seine verräterische Beginnen ein Teil der Aufgaben der KPD. - Sentrale endgültige Regelung bzw. Berteilung stoße auf besondere Schwierig ist. Er hält den Angeklagten für schuldig fortgesetter Hand- Beiten, nämlich auf die von England bekämpften Ansprüche Frant fungen gegen§ 85 des Strafgesetzbuches, außerdem der Beleidigung reichs und Belgiens , von diesen Einnahmen die Kosten der Rubr. der Reichsfahne durch Berbreitung eines Gebichts von besetzung in Abzug zu bringen, und auf die Forderung Heinrich Heine mit entsprechendem Zusaß der Redaktion, Ameritas auf Rüderstattung seiner Befagungs welche die Farben Schwarz Rot Gold als altgermatoften aus den Jahren 1918 bis 1921, bie nach einem früheren nischen Blunder bezeichnet. Der Reichsanwalt beantragt gegen Abkommen in zwölf Jahresraten zu tilgen sind. Ueber die Ber­den Angeklagten in Anbetracht des Umstandes, daß der Angefiagte teilung der aus dem Dames- Plan erwachsenden Einnahmen soll unbestraft ist und aus politischen Gründen gehandelt hat, anderer England folgenden Standpunkt vertreten: Der Gegenwartswert England folgenden Standpunkt vertreten: Der Gegenwartswert feits aber die Rote Fahne " das Hauptorgan der KPD. ist, eine der Zahlungen, die die Alliierten aus der Durchführung des Dawes Festungshaft von 1 Jahr 9 Monaten wegen des Ber- Planes zu erwarten haben, betrage rund 34 milliarden Gold gehens gegen§ 85, eine Gefängnisstrafe von 1 Monat marf. Der in Spaa auf 8 Proz. festgesetzte Anteil Belgiens mart. Der in Spaa auf 8 Proz. festgesetzte Anteil Belgiens würde sich auf 2,7 Milliarden belaufen, von denen Belgien auf wegen Vergehens gegen§ 8 des Republit- Schußgefehes und 500 m. Geldstrafe. Von der Untersuchungshaft foll 1 Monat als verbüßt Grund seiner Briorität bereits über 2 milliarben erhalten betrachtet werden. hat. Da infolgedeffen der belgische Anteil eine starte Schmale. rung erfährt, fann der Anteil der anderen Gläubiger erhöht Leipzig , 7. November. ( Eigener Drahtbericht.) Das Reichs werden. Darüber hinaus aber sei aus dem finanziellen Ergebnis gericht verurteilte am Donnerstag den Königsberger Kommu- des Dames- Planes noch die Schuld zu begleichen, die Belgien wäh­nisten Seeger wegen Waffenverschiebung zu 5 Jahren Ge- rend des Krieges bei seinen Alliierten aufgenommen habe. Da fängnis und 300 Mart Geldstrafe. Bier weitere dies zu einer sehr beträchtlichen Verzögerung der Befriedigung Mitangetlagte erhielten Gefängnisstrafen zwischen der eigentlichen Reparationsgläubiger führen würde, schlägt Eng­ Jahren und 8 Monaten. land vor, daß Belgiens Ansprüche um 50 Proz. herabgesetzt werden.

Wenn die Agrarier es mit ihren Versprechungen ehrlich gemeint hätten, und menn man den Arbeitern wirklich helfen wollte, so wäre angesichts dieser gewaltigen Preissteigerung Landarbeiter haben auch längst eingesehen, was sie von diesen die Möglichkeit zur Lohnerhöhung vorhanden gewesen. Die Bersprechungen ihrer Arbeitgeber zu halten haben. Immer mehr dringt jetzt wieder die Auffassung durch, daß nur durch organisatorischen Zusammenschluß es möglich sein wird, den Arbeitgebern höhere Löhne abzuringen.

Die Landarbeiter in ihrer großen Mehrheit treten des­halb auch nicht für höhere Getreidepreise ein. Sie sehen hierin feine Verbesserung, sondern eine weitere Verschlechterung ihrer Lage, weil sie genau wissen, daß durch Getreidezölle automa­tisch die gewerblichen und industriellen Bedarfsartikel verteuert merden. Es bedarf in dieser Beziehung nur eines Hinweises auf die Kleiber, Schuhwerk und Haushaltungsartikel.

Ebenso verhält es sich mit der Behauptung, die De­putatsarbeiter hätten durch den Verkauf ihres Körner­deputats ein größeres Einkommen bei höheren Getreidepreisen. Wie steht es hiermit in Wirklichkeit? Der allergrößte Teil der ländlichen Arbeiter befommt Körnerdeputat überhaupt nicht oder nur in so flenien Mengen, daß er hiervon nichts ver­taufen tann, sondern noch zulaufen muß. Als Deputanten fommen im höchsten Falle 10 Proz. aller landwirtschaftlichen Arbeiter in Betracht. Die Freiarbeifer, die Frauen und ebenso die jugendlichen Arbeitskräfte erhalten meistens feine oder nur ganz geringe Deputate. Wie sich das Körnerdeputat in Deutsch­ land gestaltet, ist aus den Tarifverträgen ersichtlich. Es er­halten die Deputanten pro Jahr zwischen 3 und 33 Zentner. Dieses Körnerdeputat ist für die Deputantenfamilie be= rechnet. In einigen Provinzen muß von diesem Deputat auch noch der von dem Deputanten zu stellende Hofgänger, das ist eine jugendliche Arbeitskraft, die der Gutsbesiger stellen muß, miternährt werden. In dem Deputat liegt weiter ein Teil der Bezahlung der Arbeitskraft der Deputantenfrau, die verpflichtet ist, eine bestimmte Anzahl Stunden im Jahre mitzuarbeiten. Wenn diese Mitarbeit nicht erfolgt, werden als Druckmittel