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noch hochbeglückt sind durch die Helfersdienste, die ihnen von Bayern aus geleistet werden. Das kommt gerade jest in er­schreckender Klarheit zum Ausdruck in einem Artikel, den der bekannte französische Propagandist Maurice Muret in der Gazette de Lausanne" veröffentlicht. Dieser Muret schreibt:

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archisten mit freundwilliger Hilfe jener nationalistischen| Dabei hat man alle Staaten um das entwaffnete Deutschland herunt Kräfte des Auslandes, die eine solche Zerstückelung nach durch Zuteilung ehemals deutscher Gebiete an der Aufrechterhaltung Murets Beugnis mit Freuden begrüßen". Die dieser Einteilung Europas zu interessieren versucht. Daher wäre Wähler haben die Wahl! Ihre Entscheidung fann nicht eine Irredenta rundum der größte Unfinn. Ein neues zweifelhaft sein... Blutbad würde zunächst die Auslandsdeutschen aufs schwerste treffen.

Deutschland muß in den Völkerbund eintreten, auch um für die deutschen Minderheiten eintreten zu können und um die Freiheit für uns und für Deutschösterreich zur Vereinigung nach freier Selbst­bestimmung zu erlangen. Die Reichsaußenpolitif muß mit aller zialdemokratie wünscht die Bereinigung aller von förperlicher und Energie für diese Forderung eintreten.( Lebhafter Beifall.) Die So­

,, Wir haben niemals so recht sicher an die Möglichkeit eines Kommunistische Wahlarbeit. durch die Alliierten verffümmelten und zerstüdelten Deutschlands Versammlungsflamant mit Prügelszenen. geglaubt. Aber es ist offenbar, daß diese Lösung des deutschen Hamburg , 21. November. ( Eigener Drahttericht.) In Hamburg Problems die allergünstigste märe. Unter diesen Umständen kann man eine separatistische Bewegung, die aus einem Ten wurde der Wahlkampf am Donnerstag von der SPD . mit 17 Vergeistiger Arbeit Lebenden in einer Partei, ist aber in der Außen­Deutschlands selbst tommt, nur mit Freuden begrüßen; eine Be- fammlungen eröffnet. Zu allen Versammlungen hatten die wegung dieser Art vollzieht sich gegenwärtig in Bayern , das ist ordneten Verlauf der Versammlungen unmöglich zu machen verfuch Kommunisten Störungstrupps gestellt, die einen ge­nicht zweifelhaft, und sie vollzieht sich in Bayern zum Nuzen Bayerns . Die Bayern haben Ludendorff schmählichten. Sie wurden vom Saalschutz überall zur Ruhe ver­Dertrieben, der im vorigen Jahre in München für den König von Breußen arbeiten wollte. Bavaria fara da se.( Bayern wird das

felbst machen.) Prinz Rupprecht unterſtützt dieſe nationale Be­wegung. Die persönliche Bolkstümlichkeit des Prinzen spricht zu Gunsten der Tiefe und der Wirklichkeit der Entwicklung, bei der wir zugegen sind. Ein fürzlich erschienenes Buch Das bayerische Problem" entwickelt das Programm der bayerischen Sepa­ratisten und Neumonarchisten: Es soll sich darum handeln, das Königreich Bayern im Rahmen der Deutschen Republif" wieder herzustellen. Das neue Reich soll sich zusam­mensetzen aus freien Staaten, die sich nach ihrer Eigenart regieren und die der Zentralverwaltung einzig und allein diejenigen Funktionen anvertrauen, die das gemeinsame Intereſſe des deutschen Volkes berühren. Man will damit beginnen, daß man in München einen bayerischen Staatspräsidenten wählt, unabhängig von dem Reichspräsidenten in Berlin . Dann soll der bayerische Landtag eine verfaffunggebende Versammlung fordern und den Staatspräsidenten durch einen König, den gegenwärtigen Prinzen Rupprecht, ersetzen. Alle Leute, die aus Bayern tommen, erflären, daß diese nationale und monarchistische Be. wegung fehr start ist. Es wird gut sein, ihre Fortschritte zu

verfolgen."

wiesen bzw. aus der Versammlungen entfernt. Dabei tam es im Stadtteil Hamm - horn zu einem ernsten Zwischenfall. Nachdem ein kommunistischer Diskussionsredner, der sich bei der Widerlegung feiner Ausführungen wie wild gebärdete, aus dem Seal entfernt wurde, inszenierten die Kommunisten eine Prügelei. Hierbei wurde von einem leider nicht ermittelten kommunistischen Schüßen ein Pistolenschuß abgegeben, der einen Mann des soziali. ftischen Eaalschutes verlegte. Darauf wurde der gonge fommunistische Störungstrupp mit Nachdruck aus dem Saale ent­

fernt.

Donnerstag- Ausgabe der kommunistischen Hamburger Wie planmäßig die Kommunisten vorgehen, ergibt sich aus der Volkszeitung". In einem Artikel:" Severing zum Gruß" ( Severing spricht am Freitagabend in Altona ) wird zum Schluß ge­fogt: Darum weg mit allen Severingen, mit allen Offizieren der Bourgeoisie, zum Teufel mit ihnen. Das muß auch die Antwort der Altonarr Arbeiterschaft am morgigen Freitag fein, wenn Seve­ring es wagen sollte, unter dem Schutz der schwarzrotgoldenen Alto­ naer Faschisten in Altona zu sprechen."

Daß die Kommunisten es nicht nur bei Drohungen bewenden laffen, zeigt die Schießerei in den Hamburger Bersammlungen.

Oesterreicher und Reichstagswahl.

Muret hat recht: Es wird gut sein, die Fortschritte dieser Bewegung zu verfolgen! Aber nicht nur in Frankreich , son­dern auch in Deutschland . Und zwar hier nicht nur als stiller Beobachter, sondern durch attive Gegen wirkung. Es ist ein unerträglicher Gedanke, daß das einheitliche Gefüge der deutschen Republik dauernd durch die Treibereien der amtlichen und nicht amtlichen Monarchisten erschüttert wird. Dies Treiben erfolgt unter unverhohlener Billigung der franzöfichen Nationalisten, der Clemenceau und der Poincaré . Nur aus dieser monarchistisch- Reich erhebt und durch deren Erfüllung vor allenf die Berwirklichung separatistischen Atmosphäre ist das Urteil gegen Fechen­bach erklärlich, das heute noch als Schandfleck für die bayerische Justiz weiter vollstreckt wird!

leber die banerische Frage fann nicht nur in Bayern selbst entschieden werden, darüber hat das ganze deutsche Bolt ein Wort mitzusprechen. Die Zeiten, da um die Ein­heit Deutschlands erst in innerdeutschen Kriegen gefämpft werden mußte, liegt noch nicht einmal sechs Jahrzehnte zurück. Soll das Treiben der Dynasten aus der Zeit vor 1866 jetzt wieder auferstehen? Soll noch einmal das ganze Klein. staatenelend zu allem übrigen, das der verlorene Belt­frieg uns gebracht hat, wieder in die Erscheinung treten?

Jeder, dem es um das Schical der deutschen Republik nach innen und außen ernst ist, wird sich bemußt sein, daß am 7. Dezember nicht nur abgestimmt wird über die Zusammen­fegung der neuen Reichsregierung, sondern daß das Wahl ergebnis zugleich ein Bolt surteil über und gegen die Feinde der Republit merden muß, gleichgültig, ob fie in ehemaligen Königsschlössern, auf oftelbischen Klitschen oder auf dem Amtsseffel deutscher Ministerpräsi­denten sigen mögen,

Mag der Held aus Bayern die Frage auch verschleiern wollen, sie ist flar gestellt: 2 m 7. Dezember wirbent fchieden für die Einheit des Reiches in der Republik oder für seine Berstückelung durch die Mon­

Suẞtag an der Litfaßsäule.

Bon Erich Gottgetreu .

Bußtog die Proletarier müssen für die Tatsache ihrer Existenz eigentlich täglich büßen, die firchliche Spezialeinrichtung hat für sie eigentlich wenig Interesse. Aber für die lieben firchlichen Kreise" ist so ein Bußtag schon ette recht bequeme Institution, wenigstens bilden sie sich ein, daß Reue in fonzentrierter Form bedeutende Er folge bei der himmlischen Gerichtsbarkeit garantiert( der irdischen Man muß repräsentieren, wenn man wer ist, und man muß des. halb seine Frömmigkeit auch nach außen hin dokumentieren. Der Wallenstein " des Anstoßes, den man der Republif in den Weg ge­legt hat, wurde zwar zur eigenen Blamage; die Republik ist ge­stolpert, aber fie iſt nicht gefallen. Aber an den Plakatfäulen, da konnte sich die pfäffische Seele austoben. Die antipazifistische und antisozialistische Auslegung der Bibel ist ja schon so schmierig, das Thrafengewäsch, deffen man sich zur Verbreitung des offiziellen Schwindels bedient, iſt ſo klebrig, daß es wohl niemanden gewundert fäulen in schwarzen Lettern auf weißem Grund u. a. las: Aus haben wird, als er am Bußtagmorgen an den Berliner Litfaß­der Tiefe rufe ich dich, o Herr!"

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Ja, wenn ein Mensch in Not aus der Tiefe seiner sozialen Lage", meinetwegen auch aus der Tiefe feiner Seele ruft um Arbeit, um Hilfe, um Brot, dann hört ihn selten jemarid viele fönnen nicht helfen, viele wollen nicht helfen, es gibt baufend Gründe und es gibt doch teinen- Ohnmacht der Bersönlichkeit ist Schicksal, Ohntat ist Fluch: Schickfel und Fluch liegen irgendwie auf jedem. Aber die Menschen foilten, wenn sie im besten Bortfinn modern sein wollten, aufhören, mit ihren Günden zu fofettieren, fie follten cufhören, sie als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, die durch stete Ronstatierung durch den Herrn Pfarrer und durch Platatierung an Den Säulen den Glorienfchein eines göttlichen Willens erhält. Der Ruf zu Gott hallt im Herzen. im eigenen Himmel wider, aber nie an der Litfabfäule am Ku.fürstendamm, und der Ruf aus der Tiefe der Seele halft nur dem wider, der den Ruf aus der Tiefe menschlicher nicht durch Mord mit Waffen oder Maschinen, fondern positiv durch Hilfe, brüderliche Hilfe von Mensch zu Mensch. Das ist religiöse Lat, und der Borsaß zu ihr heiligt den Bußtag, während die Blafotierung eines Bibelspruchs, geschieht es nicht aus Dummheit, ihn entheiligt. Ihr Pfaffen fagtet öfter schon zu uns: ,, Gott ist in euch!", mir aber fragen eud), die ihr kleistert: Ist er in euch?

Not verhindert.

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Gerade in diesen Tagen tam die Meldung, daß die Staatsan­waltschaft in sterburg ein Berfahren wegen Gotteslästerung gegen einen Lehrer eingeleitet hat, der in einer öffentlichen Bersammlung den euch ruchlos erscheinenden Mut besaß, zu behaupten, Jesus märe, falls er überhaupt gelebt habe, bestimmt ein uneheliches Kind gewesen. Habe ich da nicht recht, wenn ich frage: 3ft Gott in euch? It Ober ist der Gott, den ihr hier durch den Insterburger Staatsan­walt schützt, etwa ein ganz anderer als der, zu dem wir im Innersten beten, damit er uns befreie vom bösen Willen und auch von der Dummheit?

Gestern Donnerstag abends veranstaltete der Desterreichisch­Der Borsitzende Hermann Rien 31 wies daraufhin, daß eine halbe Deutsche Boltsbund eine öffentliche Bersammlung im Reichstagssaal. Million eingebürgerte Desterreicher deutsche Wähler und ebensoviel nicht eingebürgerte Desterreicher auf Ententegebot zwar Nichtwähler, aber nichtsdestoweniger an den inneren Zuständen im Reich, aufs stärkste interessiert sind. Dr. Mischler brachte die Forderungen zur Kenntnis, die der Volksbund für die deutschen Desterreicher im der Bereinigung angestrebt und bis dahin vorbereitet werden und weitere Baß- und Eichtvermerks un fug gegen unsere Bolksgenossen weitere behördliche Schifanierung dieser Deutschen sowie der unmöglich gemacht werden soll. Dabei trug der Redner einen Brief des Reichsministers für die besetzten Gebiete vor, wonach das Reich Befagungsschadenersatz an deutschösterreichische Ruhrgebietsbewohner ablehnt, weil nach dem Gesez nur Reichsdeutsche ein Anrecht auf Deutschösterreichs zur Wilderung der Ruhrkampf- und Inflationsopfer folchen Schadenersatz haben. Und dies trok der gewaltigen Opfer Deutschösterreichs zur Milderung der Ruhrkampf- und Inflationsopfer in Deutschland

Für die Demokratische Partei sprach Reichsminister a. D. Koch für Verständigungspolitik nach außen und für Stärkung der Republit im Sunern, und erklärte sich mit dem Programm des Boltsbundes durchaus solidarisch. Mit lebhaftem Beifall nahm die Bersammlung des Redners antimonarchischen Hinweis auf die

schlichte aber weitfichtige Pflichterfüllung des Reichsprafi

benten auf.

Der Berlesung von Entschuldigungsschreiben des Deutschnationalen v. Remniz und des Stresemannen Cre. mer folgte eine Ansprache des Genossen Friedrich Stampfer . Er stellte zunächst fest, daß infolge mangelnden Vorhandenseins der Gegenfeite in dieser Versammlung Meinungsfämpfe nicht aus. gefochten werden fönnen. Die Schwarzweißroten find wohl deshalb reggeblieben, weil es für die einige deutsche Republif bis zur Donau ja doch keine andere Fahne geben kann, als die schwarzrot­golbene. Das schwarzweißrote Kaisertum fonnte erst erstehen, nachdem ber nationale Realpolitiker Bismard zehn Millionen Deutsche hinaus gedrängt hatte. Die sich heute nationale Realpolitiker nennen, tun so, als fönnten sie die großdeutsche Idee auf einmal verwirklichen.

Bewegungschor der Freien Turnerschaft. Im Rahmen des Musterriegen- Betturnens, das die Frete Turnerschaft Groß- Berlin am Nachmittag des Bußtags in der Zentralturnhalle Brinzenstraße veranstaltete, frat zum ersten Male der im Juli d. 3. gebildete, unter der fünstlerischen Leitung von Jutta Klamt stehende Bewegungsch or vor die Deffent. lichkeit.

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Männlicher

wurde gezeigt. In schweren Schritten, langfam, gedrückt, schiebt der Eine Szene Die Lost", erster Teil einer dramatischen Folge, Chor der Belasteten sich in den Saal. Üneinigkeit der Mutlosen Spaltet die Maffe in zwei feindliche Lager. Versöhnung und zu Kampfmut und Arbeitswille durch einen äußeren Kreis verkörpert jener durch einen inneren, dieser von den Gruppen der Frauen gepflegt und unterstützt, lassen den Entschluß zur Befreiung wachsen und reif werden. Die Laft wird obgeworfen, die Mutlosen werden ausgerichtet und in freier Haltung schreitet der Chor hinaus. So etwa läßt der Inhalt der Szene sich erzählen, die in Wirt lichkeit nichts Schauspielerisches, nichts Pantomimisches enthält, son­dern alles rein gefühlsmäßig durch abstrakte rhythmische Körper­Dungen, von proletarischen Laien aus den ihnen noturgemäßen bewegung zum Ausdruck bringt. Schritte, Gesten, Beugungen, Wen­tümlichen Massenkunst. Künstlergeist hat das Ganze des Runstwerks Bewegungsformen entwickelt, sind die Sprache dieser wahrhaft volls­organisch aufbauend geschaffen, Laiendhöre führen es cus. Wenig technischer Einzeldrill, dafür ein begeistertes Zusammenwirten gleich kunst. Eine Reimzelle erft, aber eine solche, die die schönsten Ent geftimmter Kräfte. Die Grundlage einer ganz neuen szenischen Bolts­widlungsmöglichkeiten in fich schließt und eine große Zukunft der heißt. Die Wirkung, schon jetzt über Erwarten start, wird ins Un ermeßliche wachsen, wenn statt einiger Dutzend viele Hunderte sich zusammenschließen und der Schauplatz ins Freie verlegt werden ausfchließt, verlangt größte räumliche Expansion, denn er ist auf fann. Dieser Kunststil, der die Effekte technischer Einzelleistungen Maffenwirkung gestellt. Mögen die Wintermonate zur Weiterarbeit und steigenden Bergrößerung der Chöre benutzt werden, damit im Frühling eine neue Stufe der Entwicklung erreicht ist. Beranstaltung der Freien Turnerschaft eine Durch das erste Auftreten des Bewegungschors erhielt diese Bedeutung. Alle, die hier mitwirften und die sich ihnen in der näch Art historischer ften Zeit anschließen werden, dürfen von sich sogen, daß sie die Mit schöpfer einer neuen Kunst geworden sind, die berufen erscheint, der gesamten szenischen Kunst der Zukunft neue Wege zu erschließen. John Schitomsti.

Dilettantenschwant. Viel Liebe, Arbeit und Geld hat das Residenz Theater an sein neues Repertoirestüd Gauner­lieb chen" gewandt und es wird doch nicht ein so hübscher Raffen­erfolg werden, wie ihn tas legte Sid, die harmlose Altberliner Poffe Die vier Schlaumeier" erzielt bat. Nicht als ob der neue musikalische Schwant von Bordes Milo nicht harmlos wäre. Er ist sogar zu harmlos. Wenn man nicht wüßte, daß Bordes Milo eine altrenommierte Boffenmanufattur befizt, tönnte man annehmen,

politik mit den Demokraten fast durchwegs einig. Ihnen aber, An­sonst stehen, großdeutsch, wählen Sie auf alle Fälle Schwarz­schlußfreunde, rufe ich zu, wählen Sie am 7. Dezember, wie fie auch rotgold!( Lebhafter anhaltender Beifall.)

Fiebiger( Gemeinschaft der Sudetendeutschen ) schilderte die Entnationalisierungspolitit, die die tschechoslowakische Republit gegen die Sudetendeutschen treibt und mahnte, diese traurigen Borgänge nicht als Auslandsangelegenheit von sich weg zu ſchieben. reger Wahlarbeit im Interesse der großdeutschen Sache.

Darauf schloß Kienzl die Versammlung mit der Aufforderung zu

Reichsregierung und Fall Nathufsius.

Die deutsche Regierung hat schon bisher im Einvernehmen mit dem er überzeugt war, daß er seine völlige Unschuld nachweisen dem General a. D. v. Nathufius und seinen Angehörigen gehandelt und ihn in seinem Wunsch, den Prozeß durchgeführt zu sehen, von werde, in jeder Weise unterſtüßt. Nach Ansicht derjenigen deutschen Regierungsstellen, die sich mit der Angelegenheit beschäftigt haben, steht die Unschuld zweifelsfrei feft.

Die Bemühungen der deutschen Regierung, diese Unschuld im Prozeß einwandfrei nachzuweisen, sind dadurch vereitelt worden, daß der Gerichtsvorsitzende den Verhandlungstermin so überstürzt fest­fetzte, daß es unmöglich war, das entsprechende Entlastungsmaterial und die Entlastungszeugen herbeizuschaffen.( Bon einem öffentlichen Aufruf dieser Zeugen ist uns allerdings nichts befannt geworden. D. Red.)

Das seinerzeit in Abwesenheit des Herrn v. Nathusius vom Liller Kriegsgericht gefällte Versäumnisurteil ist der Reichsregierung wärtige Amt zufammen mit den Reichsministerien, der Reichswehr erst vor acht Tagen zugegangen. In diesen acht Tagen hat das Aus­und der Justiz sowie mit dem Oberreichsanwalt alles nur mögliche getan, um Entlastungsmaterial zu bekommen und die Entlastungs­zeugen ausfindlich zu machen. Das fonnte aber in der kurzen Zeit mur zu einem geringen Zeil geschehen. Die Regierung erwartet jetzt den Bericht des Vertreters der deutschen Botschaft in Paris , der der Verhandlung beigewohnt hat, und sie wird auch in Zukunft von Nathufius' und im Interesse der deutschen Ehre und des deut­alles tun, was in ihrer Kraft steht, um diese Sache im Interesse schen Ansehens weiter zu treiben. Sollte die Revision gegen das neue Urteil mur auf Formfehler des Gerichts geftügt werden tönnen, so dürfte die Beschränkung der Verteidigung einen genügenden Revisionsgrund abgeben.

Franzöfifche Kritik.

Paris , 21. November. ( EP.) Mit Ausnahme der Ere Nouvelle" tommentiert die Preffe die Verurteilung des Generals v. Nathufius noch nicht. Die Ere Nouvelle" möchte lediglich fest­stellen, daß die Verurteilung wenig zwedmäßig gewesen sei. Es sei nicht nußbringend, wenn man sechs Jahre nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes ben alten 5 und die Leidenschaften wieber ermede, von denen man hätte glauben tönnen, daß sie be= ruhigt, wenn auch nicht erloschen feien. Gerade jetzt aber, mo in Deutschland die Reichstagswahlen vorbereitet werden, foi Dieses Urteil in höchstem Grade ungeschid t. Man fönne sich doch leicht vorstellen, daß die National sten und Militar sten diese Gelegenheit aufgreifen und versuchen würden, wieder die Stützen des Kaisers und die treuen Freunde Ludendorffs ins Parlament zu delegieren. Was den Inhalt der Fragen anbelange, müffe aber ge­fagt werden, daß es lächerlich sei, den Taten einiger einzelnen, ob sie auch noch so bedauerlich sein mögen, irgendwelche Bedeutung bei­zumessen, da doch diese Einzeltaten in dem blutigen gigantischen Chaos des Weltkrieges vollständig untergingen.

,, Gaunerliebchen" hätten ein paar Dilettanten zu einem heiteren Familienfest fabriziert. Es ist ein Schwant für ganz Anspruchslose. Der Gentlemaneinbrecher setzt sich in der Villa einer verreisten Erzellenz fest, spielt selbst die Erzellenz und düpiert alle Welt, auch die Polizei. Bloß nicht das Bublifum, das sich verzweifelte Mühe gibt, unter Ausschaltung seines Ueberlegungsapparates an der un­wahrscheinlichen Situation Feine Freude zu haben. Die Schwank Auf ein Stichwort beginnen plötzlich die anderen zwei zu spredjen, vier Personen auf der Bühne, von denen zwei den Dialog führen. techmit zeugt von rührender Kindlichkeit des Verfassers. Da stehen während die ersten zwei zusammenfniden und stummes Spiel zu machen haben. So geht das hin und her wie im Marionettentheater. Die zum Schwant gehörige Musik von Willn Rosen ist laut, auf­dringlich, caffenhauerhaft, aber ohne den haftenden Klang des Gassen­bauers und mit winzigem Gehalt an Einfällen. Wenn sich das Bublifum trotzdem amüsierte, fo lag das an der übersprudeinden Laune des Hauptdarstellers Felix Meinhardt, der in der Rolle des Gentlemaneinbrechers eine famose Mischung von schwerem Jungen und gewolltvornehmer Exzellenz hinlegte. Auch die prächtigen Kleider der Emmy Kreuzer und Lotte Ducqué Modenschau künstlerisch erheben lassen will. entzückten den Teil des Publikums, der sich im Theater durch eine Dgr.

Bereinigten Staaten von Amerita jahrhundertelang die Rolle der Aufstieg der schwarzen Raffe. Man weiß, daß die Neger in den Entrechteten gespielt haben. Der Mann der schwarzen Raffe galt als vogelfrei und war wehrlos der brutalen Justiz des Richters Lunch schwarzes Blut in feinen Abern zu haben, war gesellschaftlich neachtet. ausgeliefert. Wer im Verdacht stand, auch nur einen Tropfen Indeffen scheint sich in den Beziehungen der Negerrasse zu den Weißen eine tiefareifende Bandlung zu vollziehen. Die National Negro Busineß League" hat dieser Lage in Chicago ihr fünfund­zwanzioftes Bestehen gefeiert. Anfäßlich der Feier sind bemerkens intellektuellen Fortschritt der amerikanischen Neger im Laufe der werte Ziffern mitgeteilt worden, die den ökonomischen, sozialen unb letzten 25 Jahre beleuchten. So ift in diefer Zeit das Vermögen der Schwarzen von 300 auf 1700 Millionen Dollar aeftiegen: ihre Bus gaben für Unterrichtszwede von 10 auf 32 Millionen Dollar: ihr Bermögen an gottesdienstlichen Gebäuden von 45 auf 90 Millionen 20 000 Negerinnen als Leiterinnen von Unternehmungen angestellt. Dollar. Im amerikanischen Geschäftsleben sind zurzeit mehr als In den freien Berufen ist die schwarze Raise ebenfalls start vertreten: mehr als 2000. Neger wirken als dramatische Künstler, 50 als Archi­tef'en, 259. darunter 108 Frauen, als Maler, Bildhauer und Lehrer der schönen Künste, 315. darunter 44 Frauen, als Schriftsteller, Journalisten und Berichterstatter. 19 671, banon 228 Frauen, als Geistliche der verschiedenen Religionsbekenntniffe, 207 als Apothefer, 1063, davon 496 Frauen, als Letter und Lehrer an Univerfitäten, 1100 als Zahnärzte, 1000 als Juristen und Richter, 3800 als Mulifer und Mufitprofessoren, 200 als Ingenieure, 500 als Bhotographen, 3500 als 2lerze und Chirurgen und 3200 als Krantenwärter.

Hans Baluschef ist vom Verein Berliner seinitler einstimmig zum erften Borfitenden der kommission für die Große Berliner unstausstellung 1925 gewählt worden.