Einzelbild herunterladen
 

suchen würden, war vorauszusehen. Aber sie wurden still, als Lobe bei Auszählung der nächsten Aufgaben des Reichs- tags ihnen sagte, er würde mit mehr Zuversicht von dem Schicksal der politischen Gefangenen sprechen können, wenn die Kommunisten das nicht durch ihr Betragen erschwerten! Die Wahl der B i z e p r ä s i d e n t e n und der S ch r i f t- f ü h r e r ging ohne Schwierigkeiten vor sich. Nur der erste Vizepräsident wurde durch Stimmzettel gewählt. Unsere Ge- noisen hatten keine Lust, dem von den Deutschnationalen vor» geschlagenen Abg. Eraef-Thüringen, einer besonders unange- nehmen Blüte auf dem schmarzweißroten Felde, durch Zuruf- Wahl besonderes Vertrauen auszudrücken, obschon sie im Interesse der parlamentarischen Arbeiten die Notwendigkeit anerkennen, daß die Stärke der Fraktionen bei der Be- setzung des Präsidiums berücksichtigt wird. In diesem Falle stimmten sie für den Zentrumschbgeordneten Bell, während Graes mit 2ä7 Stimmen von 448 abgegebenen gewählt wurde. Dr. Bell und Rießer wurden als weitere Vizepräsidenten wiedergewählt. ch Den Schluß der Sitzung bildete eine längere Geschäfts- ordnungsdcbatte über die Freilassung der politischen Ge- fangenen, insbesondere der inhaftierten kommunistischen Ab- geordneten, deren Freilassung zu erwirken der Reichstag um seiner selbst willen anstreben sollte. Der Antrag stand auf der Tagesordnung. Er mußte nach altem Brauch des Reichs- tags ohne Debatte dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen werden, damit er schleunigst die Einzelheiten prüfen und seinen Bericht zur Beschlußfassung vorlegen kann. Den Kommunisten liegt aber an der glatten Erledigung der Dinge gar nichts. Sie wollen ihr Amnestiegeschrei möglichst oft ertönen lassen und schickten deshalb auch gestern ihren Koenen ein über das anderemal vor, damit erzur Geschäftsordnung"' eine Be- gründung des Antrags erzwinge. Nachdem ihnen von Löbe und Dittmann mehrfach aber vergeblich ins Gewissen geredet worden war, im Interesse der Beschleunigung der Beratung auf die sofortige Begründung ihres Antrags zu verzichten, zog Koenen dann ganz plötzlich sein Verlangen zurück und beantragte selbst die Ueberweisung an den Ge- fchäftsordnungsausschuß. Was denn auch beschlossen wurde. » Die Rechtsparteien suchten für heute bereits eine große polltische Aussprache aus die Tagesordnung zu bringen ohne Rücksicht auf die Regierungsbildung. Sie blieben damit in der Minderheit. Es wird heute nur ein gewisiermaßen neu- trales Gebiet behandelt werden, wie Präsident Lobe es vor- schlug. Doch soll morgen der Auswärtige Ausschuß zu- sammentreten, um über die mit der Räumungsfrage und den deutsch -französischen Verhandlungen zusammenhängenden Dinge zu beraten. Noch einZwischenfall"': Als der neue Präsident unter lebhaftem Beifall des Hauses seinen Platz eingenommen hatte, entstand auf der rechten ein großer Lärm, dessen Ursache zu- nächst nicht zu erkennen war. Man hörte nur Rufe:.Hinaus, hinaus!" Die Entrüstung war ebenso groß, wie unecht. Erst im weiteren Verlauf der Sitzung ward klar, warum die Herr- schaften so erregt waren: In den Logen zu ihren Häupten war bei Verkündung des Wahlresultats geklatscht worden. Dort oben sitzen auch die Diplomaten. In den Hirnen der völkischen) deutfchnationalen Volksvertreter hatte sich so- fort die Kombination ergeben, die ebenso prompt in der Nacht- ausgab« des.Tag"" sich widerspiegelt: Das.Ausland" klatscht Beifall, wenn ein Sozialdemokrat gewählt wird! Zu der Entrüstung die heitere Aufklärung: Der Beifall kam aus der Loge, wo preußische Landtagsabge» ordnete als Gäste saßen. Zwar ist Preußen trotz Boelitz und Richter noch immer keinAusland", aber die Loge für die preußischen Abgeordneten liegt unmittelbar neben der Diplomatenloge. Deshalb die Verwechslung mit all ihren geistreichen Kommentaren!

Der Kampf um Preußen. Das Zentrum bleibt fest scharfe Kampfansage der Volkspartei. Die Zentrumsfraktion des Preußischen Land- tags schloß am Mittwochabend gegen S Uhr ihre Aussprache über die politische Lage mit der Annahme einer Entschließung ab, die nach der parteioffiziellen Fassung den folgenden Wort- laut hat: Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages hält die ver­fassungsrechtliche Auslegung des Artikels 4S der Preußischen Per- snssung durch die Deutsche Volkspartei , wonach die Neuwahl des Landtages die Demissionierung des Kabinetts zur Folge haben müsse, für unrichtig. Sie schließt sich der Auffassung, die ihre Kabinettsmitgliedcr Dr. A m Z e h n h o f f und H i r t s i e f e r in der Kabinettssitzung am 6. Januar vertreten haben, vollinhall- lich an." Aus Kreisen der Volksparlei geht dem Nachrichten­bureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger darauf fol- gende Erklärung zu: Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages hat den Unterhändlern der Deutschen Votkspartei, Dr. v. Campe, Schwarzhaupt und S t e n d e l, die formelle Mitteilung ge- macht, daß die Zentrumsfraktion in ihrer heutigen Sitzung den Be- lchluß gefaßt habe, daß sie die Auffassung des Staatsministeriums. nach der ein verfassungsrechtlicher Anlaß zum Rücktritt des Gesamt- Ministeriums durch die Neuwahl nicht gegeben sei, billige. Die weitere Aussprache ergab, daß das Zentrum auch für das Rumpf- kabinett keinen Anlaß zur Demission sehe, daß man vielmehr vor wetteren Verhandlungen in Preußen die Entwicklung der Dinge im Reich abwarten müsse. Die oolksparteilichen Ver­treter haben dem Z e n t r u m s v e r t r e t e r darüber keinen Zweifel gelassen, daß da« Rumpfkabinett im Landtag von der Deutschen Volkspartei mit allen parlamentarischen Mitteln bekämpft werde." Das Bureau fügt der Erklärung noch hinzu: .Die maßgebenden Kreise der Deutschen Volkspartei sind, wie wir hierzu hören, der Auffassung, daß nach dieser Mitteilung die- jenigen sich getäuscht sehen werden, die glauben, daß irgendein Wandel in der bisher von der Landtagsfraktion der Deutschen Volks- parte! eingenommenen Stellung eintritt. Die ausweichend« Haltung des Zentrums berge die Gefahr in sich, daß durch die Austragung der Gegensätze im Plenum des Landtages eine starke Verstimmung zwischen den Parteien eintritt, die für die Bil- dung der bürgerlichen Regierung in Frage kommen." Dieselbe Quelle teilt mit,daß die in Verbindung mit dem Rücktritt der beiden Minister aufgetretenen Pressemeldungen von einer dissentierenden Minderheit ohne jede Unterlage sind."_ Eine öeutstbnationale Wahrheitsquelle. DieDeutsche Wocheuzeituug für die Niederlande ". Um die Korruption der Sozialdemokratischen Partei ins rechte Licht zu stellen, bedient sich die Rechtspresse andauernd einer Deutschen Wochenzeitung für die Niederlande", von der wir gut- gläubig annehmen, daß sie existiert, obwohl niemand in den Nieder- landen sie abonniert und liest. DieWochenzeitung" verfügt zwar über keine Informationen, aber dafür über ein« unerschöpflich« Phantasie. Sie läßt z. B. den Gen. Dittmann in Amsterdam erscheinen, wo er nie gewesen ist, sie läßt Fritz E b« r t jun. im Jahre 1919 Volontär bei Barmat in Holland sein, sie läßt Hermann Müller Feste feiern mit einem Herrn Kahn, den er gar nicht kennt. Das alles wird dann in den Blättern der Rechten in großer Auf- mcchung abgedruckt, denn da es gegen die Sozialdemokraten geht, ist es doch selbstverständlich wahr. Unverständlich ist nur, warum dies« Lügen in Holland produziert werden, in Deutschland kann man das doch billiger. Wer bezahlt denn eigentlich jene im verborgenen blühende Auslandsblüte deutscher Journalistik? Kann vielleicht das Auswärtige Amt darüber Auskunft geben?

Unter Oberaufsicht üer Zentrale. Berpflichtungsscheiu kommunistischer Abgeordneter. Der Reichsminister des Innern, Dr. I a r r e s, hat dem Reichstagspräsidenten Löbe Kenntnis gegeben von einer Erklärung, die die kommunistischen Reichs- tagstandidaten zu unterzeichnen hatten und die durch Beschlagnahme in die Hände der Behörde gelangt ist. In dieser Erklärung wird nach einer längeren theoretischen Ein- leitung wörtlich gesagt: Infolge dieser grundsätzlichen Einstellung zum Parlament gibt e» für den kommuuisllschen Abgeordneleu kein Schweigegebot und kein sogenaunies diplomatisches Amtsgeheimnis für SeaaliUsse. die er als Abgeordneler in Parlamentsausschüssen und Kommissionen erlangt... Ausgehend von diesen Grundsätzen erklärt der Unterzeichnete, daß er als Kandidat und Abgeordneter für dos Parlament lediglich Veauftragler der kommunistischen Partei Deutschlands ist und nicht ein sogenannterfreier Erwählter des Volkes", der nur seinem Ge- wissen verontworttich sei. Der Unterzeichnete erklärt sich berett, daß er alle Beschlüsse der parleizculrale der KPD. ausführt und sich in ollen Handlungen und seiner Leläligung diesen Beschlüssen unterordnet. Insbesondere erklärt der Unterzeichnete sich bereit, sofort auf Aufforderung der Zentral« der KPD. sein Mandat als Abgeordneter niederzulegen oder von der Kandi- datur zurückzutreten und jeden als Verräter am Proletariat zu brandmarken und zu bekämpfen, der als kommunistischer Abgeord- neter den Beschlüssen der Parteileitung nicht Folge leistet. Der Unterzeichnete erklärt, daß die Berufung auf dieVerantwortung vor den Wählern" eine alberne demagogische Heuchc- l« i und Lüge ist, daß ein solcher Verrat am Proletariat automatisch den Ausschluß aus der kommunistischen Partei zur Folge haben muß." Eine ähnliche Erklärung, wenn nicht dieselbe, hat schon bei den M a i w a h l e n vcm den kommunistischen Reichs- tagstandidaten unterzeichnet werden müssen. Als aber da-n dieser Vorgang im Auswärtigen Ausschuß, dessen VerHand- wngen nach der Verfassung vertraulich sind, zur Sprache gebracht wurde, erklärten die kommunistischen Abgeordneten. daß sie die Vertraulichkeit der Ausschußoerhandlun- gen wahren würden. Ausgeschlossen wurden sie deshalb von ihrer Zentrale nicht!

Ein Gruß aus Nußlanü. Putilow- Arbeiter an denVorwärts". Ein« Grupcp von Arbeit« rn der Putilow-Werke, ein«s der größten Metall- und Maschinenbauwerke in Petersburg , Hot an die Redaktion desVorwärts" folgenden Brief gerichtet: Wert« Genossen! Niemals war die russische Arbeiterklasse politisch so rechtlos wie gegenwärtig Sowjettußlemd. Im Vir- lauf ewig« Jahre wird unser Geist, unsere Seele von der gewissen. losen offiziösen Presse der Sowjetgewalthaber vergiftet. Wir ersticken in der Atmosphäre dieser Presse. Die Sowjetdiktatorcn haben»in großes Land in einen Friedhof verwandelt. Die illegale Press« erfordert in den entsetzlichen russischen Verhältnissen un- geheure Opfer. Wegen dieser Tätigkeit ist gegen die russische Sozialdemokratie ein Kreuzzug eröffnet worden. Di« russischen Ge- fängnisse und Derbannungsorte find mit Sozialisten überfüllt, deren ganze Schuld darin besteht, daß sie durch Wort und Schrift für die politische Freiheit kämpfen. In der letzten Zett sind in der offiziellen Sowjetpresse häusig Auszüge aus EuremVor- w ä r t S" veröffentlicht worden. Ihr werdet natürlich in unflätigster Weise beschimpft, aber aus diesen Auszügen ersehen wir, daß die deutsche Sozialdemokratie, wie kewe andere Partei der sozialistischen Internali onat«, die entsetzliche russisch« Wirklichkeit er- kannt hat und unser« Loge als die der Anhänger der europäischen Arbeiterbewegung richtig einschätzt. Ihr gewährt un» dadurch moralisch« Unterstützung in unserem schweren Kampfe, den wir in der Sowjet-Sottapie für Demokratie und Sozialismus führen."

keine politischen Erwägungen l Zum Weimarer Bauhaus - Skandal. Auf die Presseerklärung des thüringischen Volksbildungs- nünisteriums, daß die Regierung bei der Regeiung der Bauhaus- st?« von keinerlei politischen Erwägungen beein- flußi werden sei, daß vielmehr nur sachliche und silvougielle Gründe den Ausschlag gegeben hätten, stellt die Leitung des Bau- Hauses jetzt folgende Tatsachen fest: 1. Bei der letzten Landtagswahl(Februar 1924) wurde dos Bau. Haus in den politischen Kampf u. a. mit folgendem Wahlausruf hin- eingezogen: Handwerk! Gewerbe! Einzelhandel! niederzuknüppeln n«r dos Ziel der Sozialistifchen-Kommunistischsn Regierung! Denkt an Sozial« Bauhütten, Staatliches Bauhaus ! Alles hatte bewußt den Zweck, den schwernngenden Mittelstand zu vernichten! 2. In einer Sitzung des Weimarer Kulturrats wegen der Ge- fährdung des Bauhauses wurde von unterrichtetear Seite bestäligt, baß die Regierung schon bei ihrer Konstituierung aus p o l i t i- scheu Gründen Bindungen gegen das Bauhaus eingegangen fei. 3. In der Besprechung mit den für die Erhaltung des Bau- Hauses entsandten Präsidialmitgliedern des Mitteldeutschen Industrie- Verbandes am 13 Dezember 1924 hat der Volksbildungs- mini st er selbst zum Ausdruck gebracht, daß die Bauhaus- frag« leider zu einer politischen geworden sei. 4. In einer Besprechung mit der Bauhansleitung im Dezember wünschte der Volksbildungsminister überrvschenderweffe den Rück- tritt des M« sters Kandmfky, obwol� der Leiter entgegenhielt, daß hierzu keinerlei sachliche Gründe vorlägen und dies auch vom Herrn Minister nicht in Abrede gestellt werden konnte. K a n d i n s k u i st bekanntlich Rufs«. Es scheint, daß die thüringisch« Regierung sich über den Begriff Politik" nicht ganz klar ist. Jedenfalls aber fallt« sie sich endlich darüber klar fein, daß alle ihr« lachträalichen PresseerNärungen sie nicht von dem Borwurf reinwafiben können,«wen Kultur'kandal hervorgerufen zu haben dessen Andenken ihr« sonstige Tätigkeit um Jahrzehnte überdauern wird._

Ein Nakurschuhpark im ewigen Eise? Wie überall, nimmt auch in den Polargegenden die Zahl der frei lebenden größeren Tiere be- ständig ab. Seebären, Seeleoparden, Eisbären und besonders die Pelztiere sind von völligem Aussterben bedroht. Um wenigstens für die Wiffenschast zu retten, was noch zu retten ist, hat der inter - nationale Kongreß der Naturforscher den In Frage kommenden Re- gierungen die Anregung aegeben, Naturschutzgebiete in den Regionen einzurichten. Die französische Regierung hat dem Ersuchen nunmehr siattgegeben und legt einen Gesetzentwurf vor, wonach in der Ant- arttis mehrere in französischem Besitz befindliche Inseln als Natur- fchutzgebiet erklärt werden sollen. V»»«osttim'rst her Zvev'rele» findet»vi 7. Februar w der viil- b a r m o n i e statt. Einladungen durch Kunstheini Twardh, Potsdamer Slrahe 12.

Zwischen sp unö 20. Konzertumschau von Kurt Singer . Zu Ehren des fast SOjährigen Berliner Komoonlsten und Musik- fchriftstellers Paul E r t e l wurde in der Philharmoni « ein söge- nanntes Festkonzert veranstaltet. Das Arrangement war nicht gerade vorzüglich. Hier entdeckte man, daß auch da« Fehlen einer Konzertdirektton zuweilen verderblich sein kann. Der Bortrugenöe Fritz Stege entschuldigte sich mit einer Mandelentzündung, sprach aber dennoch über Ertels Werdegang und musikalisches Schassen ln herzlichster Form. Stege will, wie bekannt wird, Verehrer der Kunst Paul Ertels zu einer Gemeinde zusammenschließen. Solche Versuche find höchstens einmal bei Wagner, Wolf, Bruckner und Reger glücklich zustande gekommen. Das vielseitige Schassen Paul Ertels scheint mir Anlaß genug zu sein, um seine Werke wieder einmal In großem Umfange aufleben zu lassen, aber nicht, um ihn als einen Führer einer neuen Schule hinzustellen. Das Festkonzert wurde im übrigen gestört durch die nun schon aar zu bekannten Indisposttionsabsagen von Walter Kirchhoff und Alexander Dickstem. Der Schwerpunkt im Schaffen Ertels liegt in seinen großen sinfonischen Dtchtungen, in denen er mit Glück versucht, sestumrissene Stimmungsbttder pro- grammatisch zu umreißen. Er ist darin ein Nachfahre von Richard Strauß und hat auch die musikdromatische Ader aus der neudeutschen Schule übernommen. Wirken diese Werte, wieHarald",Nächt­liche Heerschau",Pompeji " undDer Mensch" äußerlich stark und wirkungsvoll, so gehen die mit kontrapunttischer Meisterschaft ge- schriebenen Orgelwerke in die Tiefe des Empfindungslebens. Zu den besten Stücken dieser Art gehört die Passacaglia über die O-Moll-Tonleiter, die nach den mannigfaltigsten und komplizier­testen, sehr phantasiebegabten Variationen schließlich in den Choral Ein feste Burg ist unser Gott " endet.(Drwenski spielte sie vor- züglich.) Die Schweizer Suite, von der Ertel selbst zwei Sätze vor- trug, ist eine Frucht der Beschäftigung mit Debussys Kunst. Sie zeigt, wie wenig eingeschworen Ertel auf eine bestimmte Richtung ist, und wie er vermöge seines reichen Könnens imstande ist, sich inner- lich mit Zeltströmungen, solange sie künstlerisch sind, abzufinden. Auch von seinen Liedern hörte man einige der bekanntesten: die Stadt Berlin wird in ihrem nächsten Rathauskonzert den seit Jahr- zehnten hier ansässigen und wirkenden, seinen kritischen Berus mit Güte, aber auch mit Schärfe ausübenden Meister, durch Aufführung einiger Werke ehren. Aus der Reihe der Solisten ragt Basa Prihoda turmhoch auf. Wir haben ihn vor zwei Iahren schon als einen modernen Paganiui gefeiert. Dies Urtett läßt sich jetzt nicht nur bestätigen, sondern dahin ergänzen, daß er im Laufe der Zelt zu dem märchen- basten Reiz und der unerschütterlichen Sicherheit der verwegensten Technik noch die Werte eines empfindenden Musikanten hinzufügt Eine ganz außergewöhnliche Erscheinung. Auch wenn man einen solchen Geiger nicht mehr in der Erinnerung hat, wird seine Kollegin Elfriede Bindczek. Harth abfallen: ja, man dürfte zwei derartige Namen nicht in einem Atem nennen. Die noch junge Geigerin behandelt ihr Instrument weder mit weiblicher Innigkeit noch mit männlicher Sicherheit. Sie tastet sich durch die Technik

hindurch und kratzt aus ihrem Instrument. Sehr selten einmal spürt man das Walten eines künstlerischen Temperaments. Da sie zudem die schwersten Werke der Biolinliteratur aus ihr Programm setzte (Brahms, Joachim, WIeniawski ), so wird man gut tun, sie allseits auf die von der Natur ihres Talents gesetzten Grenzen zurückzu- weisen. Walter Freund stellte sich als Klavierspieler vor. Was ich hörte, war nicht dazu angetan, ihm Lorbeeren zu winden. Mit der Griffsicherheit steht es noch nicht vollkommen gut, wenn auch hier gewiß Schlacken allmählich ausgleichbar sind. Was aber besonders stört, ist«in brutaler Anschlag und eine massive Auffassung zarter Musik, die, wie In Chopin -Etuden oder bei Debussy unter so stark auftrumpfenden Händen ganz ihren Reiz verlieren. Hier wird«ine Gesamtumstellung des Musikers, ja des Menschen statthaben müssen, damit das Spiel Kunst in unserem Sinne werde. Drei Sängerinnen seien mit besonderer Hochachtung genannt. P a u l i n e D o b e r t hat sich im Laufe der letzten Jahre in Oratorienaufführungen schon gut bekannt gemacht. Ihr eigener Liederabend zeigt, daß diese sehr musikalische Frau viel an sich arbettet und es zu einer eindrucksvollen Reife des Bortrages und Beweglichkeit des Ausdrucks gebracht hat. Ohne irgendwelchen sensationellen Anstrich, ohne Primadonnenallüren singt sie Arien alter ttalienischer Meister mit jenem herben und doch innerlich getragenen Ausdruck, der uns besonders bei schönen?lltstimmen so sehr gefällt. Gelänge es Frau Dobert, eine gewisse Schärfe der hohen Töne abzudämpfen, so würde sie in die Reihe der wenigen absolut schön singenden und großen Künstlerinnen aufrücken. Auch Elisabeth Rothwell hat diesen Zug zur Bedeutsamkeit. Ihr Sopran ist von großer Fülle, Weichheit und Jugendlichkeit Sie singt so frei und aus spontaner Empfindung heraus, auch in so unge- zwunaener körperlicher Haltung, als sänge sie für sich allein. Lieder von Wolf und Brahms , die ich hörte, dürfen auch in der stilistischen Ausprägung als mustergültig gewertet werden. B. Ernst Wolf begleitete in bester Verfassung, so daß aus Gesang und Begleitung ein ebenmäßiges Kammermusizieren wurde. Unter vielen schönen Stimmen eine außergewöhnlich schöne der Fall trifft zu auf Bertba von V i g i e r, die Meister Ochs ent- deckt oder wieder entdeckt zu haben scheint. Ein üppig quellender, fülliger, dabei edler und sicherer Sopran, ohne jede merkbar« Ueber- spanung der Kehle und gehorsam dem Temperament einer dramatisch akzentuierenden Frau. Ein Kolorit, das uns sofort nefangen nimmt. Ochs hatte eines der vopulären Kornette in der Philbarmonie selbst- los übernommen. Mendelssohns.Lorelev"-Eböre tönten frisch und frob zu uns herüber, obne veroellen zu machen, daß diese gar zu sinn- fälliae, einfach-melodische Mendelsfobnlade mit Recht veraessen wird. Wolfsche Lieder waren für die Sollstin. für Ocks und die'"bilharmo. niker schönster Anlaß, sich in reiner Höbenlust der Musik zu be- wegen. Und erst recht dieWawurgisnacht" des gleichen genialen Iünollnas Mendelssohn, den die Over nickt geliebt hat, der in dieser balladesken DiiWima ober das Beste seines ganzen Lebens her- gegeben hat Mit 19 Jahren. Wer hat das seitdem zuwege gebracht?

ZtiNus 8«b fiält am Sonntag, den 11., adend» 8 lldr, im Bilraersaal Pe8 Ralhaust« den»weiten seiner Porttaee über da«Drama der Megen- wart- für die Mitalieder und Freunde der Volksbühne ab. Slnlahkarten zum Preise von 50 Pf. am Iaaleingang.