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Als ob sie bezahlt wären...

Die Kommunisten und die Entschädigungsgewinner. Die Note Fahne" für Dr. Deerberg.

Die Deutsche Boltspartei handelt in Preußen auf Rom­mando der Entschädigungsgewinner, wenn sie für den Rechts­blod eintritt. Sie hat von denselben Leuten, die 700 millio nen Entschädigung erhalten haben, die Wahlgelder für die Wahl am 7. Dezember erhalten und muß nun den Wechsel ein­lösen. Dabei helfen ihr die Kommunisten getreulich. Der demokratische Landtagsabgeordnete Riedel teilt fol­gende interessante Einzelheit mit:

Das widernatürliche Bündnis geht schon so weit, daß am ichten Freitag furz vor der Abstimmung fich ein bekannter Abgeordneter der Rechten angelegentlichst bei den Rommunisten erfundigte, ob sie auch alle ihre Fraktions­

mitglieder zur Stelle hätten."

Man sieht, die Herren von den 700 Millionen behandeln die Kommunisten genau wie ihre bezahlten Hilfstruppen von der Volkspartei. Bande vollständig angetreten? Daß bei Abstimmung tein Schweinehund kneift!"

In diesem Zusamenhange muß auch der Borfall erwähnt werden, der sich am Mittwoch nachmittag im preußischen Als der Borsigende Untersuchungsausschuß abgespielt hat. Dr. Leidig sein Amt vorübergehend an den deutschnatio­nalen stellvertretenden Dr. Deerberg abtrat, stellten die Sozialdemokraten einen demonftrativen Bertagungsan. trag. Bekanntlich hat die Mehrheit des Ausschusses wegen der efelerregenden Parteilichkeit Deerbergs als Borsigenden bei der Bernehmung Falls und Klinghammers einen Mißtrauens antrag gegen ihn eingebracht. Dr. Deerberg zog zunächst die Konsequenzen, ließ sich aber von seiner Fraktion ein Ver trauensvotum ausstellen und wollte nun wieder in Abwesen­heit Leidigs den Vorsiz führen, als wäre nichts passiert. Daher der Bertagungsantrag. Die Kommunisten aber famen den Deutschnationalen zur Hilfe, indem sie mit der Rechten gegen die Bertagung stimmten, die sie als ein Berschleppungs­manöver" hinstellten, obwohl sie feinen 3wed durchaus tannten. Die Rote Fahne " nimmt heute Dr. Deerberg aus­drücklich in Schuh. Als ob sie bezahlt wären....

Die 700- Ruhrmillionen. Für arme Geschädigte nur Almosen.

Die Rote Fahne " will aus zuverlässiger" Quelle er fahren haben, daß die Reichsregierung bemüht ist, den Kor­ruptionsskandal mit den Ruhrindustriellen mit allen Mitteln zu vertuschen. Die vom Reichstag geplante Untersuchung soll unterbunden werden. Besprechungen mit derartigen Absichten hätten bereits stattgefunden und den Erfolg gezeigt, daß die fozialdemokratische Presse dem Ruhrsfandal nur noch schwache Aufmerksamkeit widmet.

Daß der Reichsregierung und den bürgerlichen Regierungsparteien die Aufklärung des Ruhrsfandals un bequem ist, ist sicherlich richtig. Ebenso richtig ist, daß diefe Barteien den Bersuch machen werden, die Untersuchung zu hindern, zu erschweren oder gar zu vertuschen. Derartige Ab fichten hat die 3eit", das Organ des Herrn Stresemann, vor einigen Tagen unverhohlen angekündigt, durch die Mit­teilung, daß nicht der Untersuchungsausschuß, sondern der Haushaltsausschuß in erster Linie sich mit den Ruhrmillionen beschäftigen werde.

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Saltlos und ohne jede Begründung aber ist die Behauptung der Roten Fahne" über die Haltung der Sozialdemokratie. Der fozialdemokratischen Reichstagsfraktion allein verbanft die Deffentlichkeit die Kenntnis von dem 700­Millionen Geschent. Ohne sie hätte man vermutlich nie etwas davon erfahren. Die sozialdemokratische Reichs tagsfrattion war es auch, die zuerst die Forderung nach der Rüdzahlung der geschenkten Beträge erhoben hat. Es ist lächerlich, angesichts dieser Tatsachen anzunehmen, daß irgend

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Anna Holberg.

O, das wissen wir, wie es bei uns aussieht: Not und Hunger und Schmuz und Elend in den dunstqualmigen Quartieren der Arbeiter, Rulissenpracht in den Häusern der Bürger und Lurusglanz in den Balästen des Kapitals. Wir fennen auch das verbitterte Antlitz des Arbeiters, das ftumpfe Gesicht des Spießers und den brutalen Zug im Aussehen der Geldmächtigen. Die Menschen quälen fich und freuen sich, peitschen sich und streicheln sich, sie haffen und sie lieben fich und wollen doch nicht den Weg zur Gemeinsamkeit, die sie veredelt, finden. Daß sich die Leiber peinigen und die Seelen sich immer und immer zerstechen, muß es wirklich so sein? Soll es so fein, da doch der Mille der Unterdrückten zur endlichen Befreiung, da ihr Streben zum Licht einheitlich ist? Und da doch der Unterdrückten an Bahl unendlich mehr ist als der Herrscher? Soll es so fein? Einmal muß das Wert gelingen.!" Ein neues Buch vom ewigen Brudertum grüßt deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen aus Schweden : Anna Holberg" heißt es, Maj Hirdman hat es verfaßt und Felig Bodinski überfekt, in der Berlags und Druckereigesellschaft m. b. H., Ravensburg ist es erschienen. Wir freuen uns sehr über das Buch, denn nichts tennen mir sonst von den schwer übersehbaren Arbeiterdichtern Standi naviens, nichts von dem leider früh verstorbenen Dan Anderson , dem schwedischen Dostojewski, nichts von Erik Lindorm , dem Lyriker, nichts von Jondel, einem Naturalisten, der start an den jungen Hauptmann erinnert, von Frodij, von dem man erzählt, daß er alle seine Stipendien an die Arbeiter verschenkte. Biele tennen Andersen Nerö mit seinem prächtigen Belle, der Er. oberer", aber wem ist es zum Beispiel bekannt, daß da in Nor : wegen einer war, der die ganze Geschichte der skandinavischen Ar­beiterbewegung in einem sechsbändigen Roman niedergelegt hat? Anna Holberg" schildert den Lebensweg eines Proletarier­mädchens, aber es ist nun nicht etwa ein irgendwie tendenziöses, son­dern ganz einfach ein menschliches Buch. Die heldin" ist gar keine Heldin, sie hat mindestens so viele Fehler wie Vorzüge, ihre Ge­nossen" sind durchaus nicht immer Genossen in Leid und Freud, ihre persönlichen Gegner find nicht sämtlich" feindselig" und" verbissen", was doch sonst die richtigen Romangegner stets zu sein pflegen kurz, die Dichterin sieht und gibt Leben, wie es ist, und das Buch ist ehrlich und gut, weil es im Seelischen eigenes Leben schildert. Maj Hirdman stammt aus Bärmland, der Heimat der großen Selma Lagerlöf , in ihrer Jugend lernte sie das Grau des Lebens kennen, bunt war ihr Abenteuergang dann durch die weite Welt, Ruhe und Befriedigung fand sie erst als Mutter. Und Anna Holberg fängt an in der Kantine, geht in die kalte Fabrit, verkauft Zeitungen, besucht ein Seminar. Verschlungener noch als ihre Bege sind ihre Ge­danken, Freundschaften verwirren fie, Liebschaften verzehren sie, taufendfältig nagt an ihr das Leid, quält fie der Zweifel, enttäuscht fie die Erfahrung. Brüder und Freunde, Lehrer und Priester, alle, Ile perfagen nah ist die Heldin ja, sie ist eine Heldin, denn eift eine Märtyrerin ihres Herzens! Rein eigentlich heiteres Buch, fein Wert der Kraftfülle, nicht inmal ein frömmelndes Schriftchen, aber ist dem, den das Leben fekt, ein Funke der Erkenntnis des Emigen nicht mehr als ei

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dem Tode.

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eine versteckte Drehung der an der Geschenkannahme beteiligten Kreise auf die Haltung der Sozialdemokratie irgendeinen Ein­fluß ausüben werde. Zu allem Ueberfluß aber wollen wir ganz deutlich erklären, daß weder die Sozialdemo= fratische Partei, xoch die Gemertschaften irgend etwas mit ben 700 millionen zu tun haben. Auch die Aufklärung über die während des Ruhr fampfes gezahlten Gelder an die Großindustrie wird von ihr nachdrücklichst betrieben werden.

Die Konstituierung des Untersuchungs­ausschusses wird Anfang der nächsten Woche stattfinden. Durch die Bertagung des Reichstags war eine frühere Er­nennung seiner Mitglieder schwer möglich. Der Untersuchungs ausschuß wird dabei an der Anregung aus industriellen Krei­sen, die im Berliner Tageblatt" erschienen ist, auch die ge­samten Ruhrkredite zu untersuchen, nicht vorbeigehen fön­nen. Denn wenn auch in dieser Buschrift bestritten wird, daß die Ruhrkredite allgemein zur Beschaffung von Sach werten und Devisen Verwendung fanden und nicht für den eigentlichen Ruhrkampf, so wird das Vorliegen solcher Fälle doch ausdrücklich zugegeben.

Wie start die Bevorzugung der fleinen Zahl von Ruhr industriellen die Auslandsdeutschen erregt hat, zeigt ein anderer Aufsatz im Berliner Tageblatt". Mit Recht wird dort darauf verwiesen, daß die Ruhrindustriellen fast das Doppelte derjenigen Summen erhalten haben, die dem Bon den 11,7 milliarden Goldmark jedoch, die nach den An­Reich auf Reparationstonto gutgeschrieben wurden. gaben der Reichsregierung für enteignetes deutsches Aus­landsvermögen gutgebracht werden müssen, haben die Aus­landsdeutschen insgesamt nur wenige dugend Millionen er­halten. Der einzelne fleine Geschädigte überhaupt nur 2 Mart für je tausend Mark Schaden!

Wenn ferner mitgeteilt wird, daß der frühere Reichsbank präsident von Havenstein als Gutachter dem Reichstags­ousschuß versicherte: Er sei mit der Reichsregierung darin einig, daß man den Geschädigten leider nur ein Almosen geben tönne, so zeigt auch das, das zweierlei Maß, mit dem Kleine und Große, Besitzende und Besißlose behandelt

werden.

Wie sie hetzen und fälschen!

Der Lokal- Anzeiger" veröffentlichte am Mittwoch ein ver. nichtendes französisches Urteil über die deutsche Sozialdemokratie anläßlich der Barmat- Affäre. Mit Recht weift das B. L." darauf hin, daß das Hugenberg- Organ feinen Raum für Auslandsstimmen über den Ruhrsfandal hat. Dieses Urteil stammt von der Humanité". Da die Leser des Lokal- Anzeiger" ausnahmsweise politisch vorzüglich geschult sind, hielt man es für überflüssig, zu bemerken, daß die Humanité" ein kommunistisches Organ ist. Ja, man verschwieg die Tatsache, daß der betreffende Schmähartikel von Henri Guilbeaug gezeichnet war, einem der berüchtigsten Lite raten im Solde Mostaus. Mit solchen vernichtenden Urteilen" französischer Kommunisten wird nun in deutschnationalen Spießer. französischer Kommunisten wird nun in deutschnationalen Spießer treifen Simmung gemacht!

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Bei dieser Gelegenheit sei an die grobe Fälschung erinnert, die fürzlich durch die gesamte Rechtspreffe ging, die aber heute noch), obwohl längst entlarvt, noch nicht in den Blättern berichtigt wurde, die davon mit Wolluft Gebrauch gemacht haben. Es handelt sich um einen angeblichen Schmähartikel bes Nieuwe Rotterdamschen Courant gegen die Führer der deutschen Republif, die, da sie sich burch Barmat torrumpieren ließen, mohl auch durch die Entente bei Kriegsende und Friedensschluß torrumpiert gemefen fein bürften! Nachforschungen ergaben, daß ein solcher oder ähnlicher Artikel niej mals in dem vornehmen Rotterdamer Blatt erschienen mar, viel mehr von der deutschnationalen, in Köln erscheinenden Rheinischen Tageszeitung" fabriziert und als holländische" Stimme veröffentlicht und weiterverbreitet worden war! deutschnationalen Blätter haben diese Fälschung in großer Auf­machung verwendet, fein einziges hat den Mut und den Anftand aufgebracht, fich zu berichtigen! Eine saubere Breffe, der Bartel würdig, der sie dient!

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Alle

Flammenmeer unflarer Gefühle? Anfang und Ende gibt es nir. gends, und was die Natur verknotete, tann der Mensch nicht lösen. Lösung" hin ,,, Erlösung" her jedes Geschöpf hat seine Tragif in sich. Aber eins lehrt Anna Holbergs Einzelfall, gleichgültig, wie hrfurcht! Ehrfurcht führt zum Berstehen, Berstehen schweli weit er nun wirklich einmalig sein mag, und dieses eine, das ist: zur Liebe, Ehrfurcht wird sein die Wurzel der Versöhnung auf Erden. Erich Gottgetreu . Genossen in Schweden , seid gegrüßt!

Der Judenfreie Alpenverein.

Bon Hans Bauer.

Der deutschösterreichische Alpenverein, die wichtigste deutsche Bergsteigerorganisation, hat nunmehr nach monatelangen Dis tuffionen und Abstimmungen den entscheidenden Schritt getan: er hat seine jüdischen Mitglieder vor die Tür gesezt. Das foll natürlich feine politisch gemeinte Demonftration fein, die dem Alpenverein fazungsgemäß durchaus fernliegt, sondern nur eine nationale Maz nahme, als was ja jede Borniertheit durch einen geschickten Dreh leicht zu deuten ist. Wir sind es in Deutschland lange gewohnt, im Namen der nationalen Phrase spießige Albernheiten begehen zu sehen, meinten indessen, daß deren Träger vornehmlich jenem klein bürgerlichen Milieu entstammten, bas an sich nicht geeignet ist, dem geistigen Blick Weite und Unbefangenheit zu verleihen. Da erleben wir nun, daß die antisemitische Verwirrtheit auch bei den Alpen­flettern herrscht. Es sollte ja fo fein, daß mit der Unbegrenztheit des Himmels, der sich über dem Menschlein Bergsteiger erstreckt, mit der Entfernung von den fleinen Tagesdingen, die in der Ewigkeit des Gletschereises wohnt, sich auch das Herz über den Artikel der Morgenzeitung erhebt und von dieser Erhebung dann etwas mit in die Welt hinunterbringt. Es sollte sein, daß die Freiheit, die dem Bernehmen nach in den Bergen braust, sich auch ein wenig auf die Gehirne auswirkt.

Nun, von der Freiheit ist bei den Alpenvereinlern nur übrig geblieben, daß sie eine von den Juden wollen und von der Erhebung, daß fie sie von den Stühlen vollzogen, als über den Ausschlußantrag abgestimmt wurde.

Erfüllung. Bilden nämlich allerdings diese einen Berein, ber die Ganz gehen ja leider die Wünsche der Alpenfletterer nicht in Juden auszuschließen vermag, so bilden die Alpen selbst eine Gebirgs= lette, in der die Schneeftürme auf die Beschlüsse aller Vereinler pfeifen und die den Zutritt zu sich weder von einer Blut- noch von einer Dinterschen Erfrementenprobe abhängig macht.

Es werden sich die achtzig durch den Beschluß des Alpenvereins um ihr organisatorisches Obdach gebrachten Juden also fürs erste mit jenem begnügen müssen, das ihnen Zugspige und Matterhorn gewähren und das schon immer ein liebevolleres und mütterlicheres war als sie es sonst in Bayern zu finden gewohnt waren.

Das Spiel auf der Bühne. Kennt ihr die Geschichte von den unteroffizier, der in der Instruktionsstunde seine Soldaten nach ihrer Religion fragt? Nein? Also der Einjährige antwortet, er wäre Dissident. Wat fin Se?" fährt ihn da der Interoffizier an, Dizident sin Se? Wenn Se sich bis morgen teenen anständjen Glauben angeschafft haben, schmeiß ich Se mang de Juden!"

Diskontermäßigung der Reichsbank. Reichsbankdiskont ab heute 9, Lombard 11 Prozent.

Die Reichsbank hat soeben einen entscheidenden Schritt unter­nommen, um durch Herabjetzung der amtlichen Gelbleihfäße eine Berbilligung der überteuerten Kredite herbeizuführen. Wie der Deutsche Handelsdienst" erfährt, ist in der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbant beschlossen worden, de:: Reichsbantdistont mit Wirkung ab heute von 10 auf 9 Proz, den 12 Lombardzinsfuß DON auf

11 roz. herabzusehen. In der Begründung wird ausge­führt, daß sich der Status der Reichsbank seit Ende Dezember zu­friedenstellend entwickelt habe und daß der Zahlungsmittelumlauf am 23. Februar auf 3800 Goldmillionen zurückgegangen sei. Auch die Absichten der Reichsbank zur Erzielung eines niedrigeren Privatdisfontfages haben sich verwirklichen Laffen. Die Kontingentierungspolitik der Reichsbank werde grundsäßlich beibe­

halten.

Auf die Herabsetzung der amtlichen Zinssäße hin eröffnete die heutige Berliner Börse in sehr lebhafter Haltung bei steigenden Kursen auf den meisten Märften. Anregend wirkte auch ein Beschluß der Interessengemeinschaft der Berliner Privatbantfirmen, der dahin geht, daß der bisher ruhende Effet­tentermin handel sobald als möglich wieder eingeführt werden felt. Am Devisenmarkt war wieder zu beobachten, daß der fran sel. Am Devisenmarkt war wieder zu beobachten, daß der fran­ zösische und der beigische Frank fich weiter abschwächten.

Luppe bleibt.

Nürnberg , 26. Februar.( Mtb.) Die Deutsche Demokratische Partei Nürnbergs tritt gegen die Angriffe, die in letzter Zeit gegen ihr Mitglied, den Oberbürgermeister Suppe, gerichtet wurden, nunmehr mit einer Erklärung an die Deffentlichkeit, in der sie Dr. Luppe ihr fortdauerndes und uneingeschränktes Vertrauen zufichert und ihn dringend bittet, trotz aller Angriffe auf seinem schwierigen Bosten im Interesse der Stadt auszuhalten und nicht zu er lahmen, damit sich durch solche Angriffe fein dauernder Schaden für die Stadt ergebe.

Zihewih- Geschäfte.

Die Untersuchung über die Landespfandbrief- Anstalt. Der Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages für die Kreditgewährung der 3izemiz- Geschäfte jejte heute die Ber nehmung der Zeugen fort. II. a. befundete Justizrat Behrend auf Befragen, fein Bureauvorsteher habe u. a. einmal Notariats. gebühre n in beträchtlicher Höhe auf der Landespfandbrief- Anstalt abgeholt, und dabei gehört, wie Geheimrat Nehring den Kassierer der Anstalt angewiesen habe, den Betrag zu Lasten der Städtischen Spartaffe Stettin zu schreiben. Einmal ist auch ein Betrag von 20 000 Mark für beratende Tätigkeit an das Bureau des Zeugen gezahlt worden, der zur Hälfte für Rech­nung des Herrn v. Ezdorf bestimmt war und nur 10 000 Marf für Rechnung der Landespfandbrief- Anstalt enthielt. Behrend erklärt, er selbst habe erst heute früh durch seinen Bureauvorsteher von der Stettiner Kaffe" gehört und selbst immer geglaubt, es nur mit der Landespfandbrief- Anstalt zu tun zu haben. Auf Befragen gibt Behrend zu, daß Nehring einige Male in der fraglichen Angelegen. heit in seinem Bureau war

Borf. Ceinert stellt feft, daß in dem amtlichen Bericht Nehrings sprechungen mit dem Anwalt nicht die Rede ist. an die Aufsichtsbehörde über die Zihewih- Angelegenheit von den Be­fprechungen mit dem Anwalt nicht die Rede ist. Nunmehr wird die Befragung des ehemaligen Direktors der Bandespfandbriefanstalt& iders fortgelegt. Dieser ertlärt, er habe vor feinem Ausscheiden aus der Anstalt Nehring vorgeschlagen, über das Gefchäft Rigewiß der Aufsichtsbehörde Bor trag zu halten. Im Auguft müffe dem Minister um bann offen­bar Don dritter Seite Mitteilung über dieses Geschäft gemacht worden fein. Damals habe Nehring erklärt, jegt hätte er Bericht erstatten müssen und auf Befragen bestätigt, daß er in seinem Bericht zum Ausdrud gebracht habe, daß die Landespfandbriefanstalt Trägerin des Geschäfts mit Zihewig fei.

Auf Fragen des Borsigenden erffärt Seuge Lüders, daß die Steffiner Spartaffe für die ersten Kreditgeschäfte der Landespfand­brief- Anstalt laufend mehrere hunderttausend Mart zur Verfügung gestellt habe.

Ueber den Militarismus von gestern zu lachen hat nur eint Recht, wer einem Militarismus von heute auch in feinerlei Abari huldigt. Da sprach also z. B. im Sturm" Karl Bogt über dos moderne Theater: sein Vortrag war ein Diftat und noch dazu Bogt bestimmt mang de Banaufen"." Wir schweben un" cin mäßiges. Wer sich dem Diftat nicht unterwirft, den schmeißt fo fing es ungefähr an, und ein Weh dem, der nicht mitschwebt!" war Bogts Konsequenz.

Es ist häßlich und arrogant, in Anspielung auf den Im preffionismus die Flucht in das Aesthetische " schlankweg als die " Ungeistigkeit des Snobs" zu bezeichnen. Trotzdem wird einem jungen Stürmer alles verziehen werden, wenn seine Ideen nicht nur revolutionär flingen, sondern auch wertvoll find. Vogt aber brachte alles das auf abftratte Formeln, was moderne Spielleite zum Teil mit Glück seit Jahren tun. Um ja gerecht zu sein, schrieb ich alle irgendwie marfanten Säße nach, und fiche da: fast jeder ihr eine Phrase. An den Gipfelpunkten des Referates wurden die hrajen gefährlich, denn Vogt neigt zur lleberspigung alles Pro­blematischen und des Intellekts, also just das, was er zurüc gedrängt wissen möchte, siegt übers Gefühl. Typisch ist, daß in der ganzen fleißigen und auch Kenntnis beweisenden Arbeit kaum ein einziges Mal das Wort Mensch portam , obwohl der Mensch, so wie er ist, das Primáre aller Kunstgestaltung sein muß.

ergo.

Bulfankontrolle vom Flugzeug aus. Der Aetna meist seit einiger Zeit wieder eine gesteigerte Tätigkeit auf. Einige neue Deffnungen sind entstanden, aus denen starte Dämpfe strömen. Zu Anfang des Jahres erfolgten einige fleinere Ausbrüche mit Flammensäulen und Aschenregen. Man hat nunmehr, um sich vor unliebsamen Ueberraschungen zu schüßen, eine ständige Kontrolle eingerichtet, die von Flugzeugen aus erfolgt. Es werden in der= schiedenen Höhenlagen vom Flugzeug aus Photographien hergestellt, die ein deutliches Bild von den Vorgängen auf dem Berge geben. Professor Pontes, der Bulkanologe der Universität in Catania , erklärt, daß die Photographien vom Flugzeug aus Resultate ergeben hätten, wie sie sonst nur nach zweimonatiger Beobachtung gewonnen werden können. Er hofft, daß man es auf diese Weise wird ver­hüten können, daß gänzlich unerwartete Ausbrüche die Bewohner des Aeinagebietes gewissermaßen über Nacht überfallen.

In der Boltsbühne, Theater am Bülowplak, findet die 25, Aufführung Seinrich George und Gerda Müller in den Hauptrollen statt. Anjang bon Rebfiichs er weint um Judenad" am 28. Februar mi

7 Ubr.

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Die Holforf- Trappe spielt Wedekinds Sonig Nicolo" am Sonntag den 1. März, mittags 1,12 Uhr in der Boltsbühne, Theater am Bülow plas. Ginlaßfarten zum Bieise von M. 1- Museumsführungen. Sonntag, 1. März, 10 Uhr borm, finden wiffen­fchaftliche Führungen durch Direktorialbeamte im Alten Museum ( Archaische Blaftit) Dr. Köfter und im Railer Friedric Museum( Vorderafien) Dr. Chelolf statt. Bulagfarten zu 50 f. find vor Beginn am Eingang der genannten Muleen in befchrärfter An­zahl erhältlich. Für die zweite( forifeßende) Führung des Dr. Köster am 8. März tönnen Bulagfarten berei 8 am 1. Mära mit gelöst werden. Saplan Fahlels Boch äge finden von jest ab in der Sing­atabemie ftatt. Der nächste Vortrag Schopenhauer ift am 4. März, abends 8 Uhr. Starten an der Abendtaffe und im Vorverkauf von Sonnabend ab bei Bote& Bod, Leipziger Straße. Die gekauften Ein­trittsfarten werben an der Abendlasse eingetauscht.