Seele, er war der lebendigifte Beweis für die Demokratie. So find die Trauerfahnen das geftrigen Tages, so schmerzlich der Anlaß, der sie wallen läßt, auch ist, Siegesbanner heiligster Idee. Der Mann fiel, das Banner soll stehen an die Arbeit!
Schwarz ragen die Pylone vor dem Trauerhause in der Wilhelm ftraße auf, Schupo rüstet sich zum Ordnungschaffen. Benige Menschen mur find auf dem Vorhof des Präsidentenhauses. Den Mittelgang überdacht ein schwarzer Baldachin, zwei Reichswehrposten stehen davor, stumm, fast regungslos. Und rechts und links von diesem tiefe Trauer perfündenden Portal pihen sich zahlreiche Kranz fpenden, letzte Grüße für den toten Präsidenten. Ein bunter Blumenflor, in dem das Schwarz- Rot Bald, das Weiß und Schwarz der Trauerschleifen hervorragt, und noch wird alles überragt von dem wuchtigen Schwarz des Baldachins am Eingang. Schwarzer Samt dedt die Treppen und Flure des Trauerhauses. Geräuschlos fchreitet der Fuß durch diese Räume. Keine laute Stimme stört des Toten Ruhe. Alles ist fast unwirklich leise. Jeder Ton wird pon dem schwarzen Trauertuch verschluckt. Dazwischen Hortenfien, weißer Flieder, Maiglöckchen, und dann leuchtet plöglich mitten aus diefem tiefernsten Schwarz die rotgerandete Fahne, die auf gelbem Grund den Reichsadler trägt, die Fahne, die den Sarg des ersten Präsidenten dedt. Sanft brennt das Licht der beiden großen Kerzen, die am Fußende des Sarges stehen, und ihr schmacher Licht fchein erhellt drei Kränze: Leßte Grüße der nächsten Angehörigen. Die treue Gefährten des Reichspräsidenten , die Genoffin feines Kampfes und Aufstieges hat in ergreifender Schlichthett nichts weiter als ihren Namen in goldener Schrift auf weißer Schleife als Abfchiedsgruß gewidmet. Daneben ein Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife: Unserem lieben Bater Friß, Karl, Wally, Johanna, Wil helm". Und dann ein Kranz der Familie Jaenice. Der große Saal, in dem der Sarg steht, scheint ins Endlose zu gehen. Die Spiegel, die ihn in früheren Zeiten so heiter machten, sind mit schwarzem Trauerflor verhangen, die Türen zu den Rebenzimmern find weggenommen. Sie bilden so mit dem großen Saal ein einheitliches Ganzes, das durch die Art der Ausschmückung noch unter strichen wird. Auch das Licht der Kronleuchter wird durch leichte Florichleier gedämpft, so daß der unermeßlichen Trauer der deutschen Republik würdevoler und wahrhaft ergreifender Ausdrud verliehen wurde. Neben dem Katafalt stehen in der letzten Stunde zwei Offiziere der Reichswehr . Mit gezogenem Degen halten fie die leste Ehrenwacht. Eine Biertelstunde vor dem Beginn der Trauerfeier sammelt sich die Trauergemeinde: Mitglieder des diploma. tischen Korps, die Botschafter und Gesandten mit ihren Damen, die Bertreter ausländischer Barlamente, deutsche Barla mentarier, die Vertreter der deutschen Regierungen und Behörden. Unter den geladenen Bertretern der ausländischen Sozialdemokratie fieht man neben anderen den früheren Staatskanzler Deutsch Lefterreichs Genoffen Dr. Renner, den früheren Arbeitsminister Genossen Tomas Sham, Genoffen Renaudet und den dänischen Genossen Nielsen. Tiefe Stille beherrscht diese große und ausgezeichnete Bersammlung, und doch wird dieje Stille scheinbar noch größer, als um 3 Uhr, in Benleitung von Staai fetretär Dr. Meißner, die Gattin des Präsidenten mit Tochter und Söhnen eintritt. Wie aus weiter Ferne schallt der Trauermarsch aus der„ Eroica " von Beethoven durch die Räume, jene seltsame Folge von Lönen, bie tiefe Ergriffenheit noch zu fleigern vermögen Und als die Schlußläge verhallt find in der Unwirtlichkeit dieser Räume, tönt von irgendwoher die Totenfeier von Jacobus Saendl, bie bar Domchor zum Bortrag bringt Dann tritt Reichs tangler Dr. Luther an den Katafalt und hält als stellvertretender Stepräsentant der deutschen Republik die Traverrede Er spricht von vergangenen Dingen und von dem Wirten des Reichs. präsidenten, und man hat das Gefühl, daß hier ein Mann steht, ber einer Pflicht genügen will. Jeht wird es offenbar, daß hier nur des Reichspräsidenten , aber nicht des Menschen Fritz Eberi gedacht wird. Und die Unermeßlichkeit der Räume wird eng und liein, fchrumpft zufammen und wird erbrüdend. Dann aber singt der Chor das Grablieb von Carl Maria n. Weber. Die„ Maurische Trauermufit von Mozart schwingt sich empor, führt hinaus aus der Enge und schließt die einfache Feier im Haufe des toten Präsidenten. Langsam leert fich der Saal. Dann heben schwarzgekleidete Träger den Sarg behutsam vom Katafall und tragen ihn hinunter. In dem Augen blid, wo der Sarg unter dem Baldachin des Hauses ist, wird die auf halbmajt mehende Flagge des Reichspräsidenten ein geholt: Das Haus des Bräsidenten ist verwaist. Die Rebe des Reichstanzlers Buther geben wir an anderer
Etelle wieder.
Der Garg verläßt das Haus.
3ur Rettung des Landes und zur Erreichung des Friedens empfahl er den Parteifreunden den Eintritt in die Regierung des Prinzen Mag und übermand den Widerstand dagegen in dan eigenen Rethen. Das unerschütterliche Berirauen zu ihm bewog die Staatssekretäre dieses Kabinetts, ihm die Reichstanzlerschaft anzutragen, und das unerschütterliche Bertrauen der eigenen Anhängerschaft, der Arbeiter und Soldaten, rief ihn auf den ersten Blaz eines werdenden Staates. Er hat dieses Bertrauen nie enttäuscht und doch begann mit diesen Tagen die unendliche Tragi feines Schidsals Bald zürnten die einen, deren Wünsche zu erfüllen die Lage des Landes nicht zuließ, bald zürnten die anderen, die ihn in den Tagen der Bedrängnis felbst so oft gerufen und ihm
Damals alles anzuvertrauen geneigt waren.
Im demokratischen Staat, den er als einzig mögliche Form der Wiederherstellung aufrichten half, hat die Nationalversammlung ihn zum Präsidenten der Republif gewählt, und dankbar erkennt heure die erdrückende Mehrheit des deutschen Volkes an, wie er dieses hohe Amt verwaltet hat.
Wilhelmshaven unb eine Batterie des 3. Artillerieregiments| Tage an seine ganze nationale Kraft für die Berteidigung des Landes Gulba an. Ein merkwürdig bellemmender Anblic, alle diese einfegte, der tann nicht daran zweifeln bei den Schruten, die später Soldaten im langsamen Schritt der Trauerparade vorbeigehen zu zu gehen sein Pflichtgefühl ihm gebot. sehen. Unmittelbar hinter dem Militär kam der Leichenwagen von schwarzvermummten Pferden gezogen. Der gelbe Eichen. farg stand schlicht und frei auf hohem Podest. leber ihn war die Fahne des Reichspräsidenten gebreitet, nichts weiler, fein Kranz, teine Blume, Hinter dem Sarg schritten die beiden Söhne des Präsidenten und der Schwiegersohn, die Verwandten und náchsten Freunde des Hauses. Daran schlossen sich der Reichstanzler Dr. Buther, der Reichstagspräsident& öbe, die Bertreter der ausländischen Regierungen, die Staats: und Ministerpräsidenten der Länder, die Reichs minister, die Minister der Länder, der Chef der Heeresleitung General v. Seedt, die Reichsratsbevollmächtigten und die Bertreter des Reichstages. Im Anschluß daran die Staatssekretäre, der Präsident des Reichsgerichts, der Generaldirektor der Reichsbahn, der Reichsbanfpräsident, der Oberbürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteher von Berlin . Nun tamen die schwarz und dicht verhängten Wagen mit den Angehörigen der Familie, ihnen folgten die Wagen mit Kränzen. Abgesehen von den preußischen und den deutschen Farben sah man hier in den Schleifen die Nationalfarben aller Länder. Eo bog der Zug aus der abgesperrten stillen Wilhelmstraße in die breite Straße Unter den inben ein, die weiterhin von gewaltigen Menschen maffen umfäumt mar. Bis auf den First der Dächer, bis auf die Höhe des Brandenburger Tores waren sie hinaufgeklettert. Die scheidende Sonne leuchtete über Tor und Dächer und Straße, über den Sarg und dieser ungeheuren Zahl von Trauernden. Unendlich langsam ging es durch das Brandenburger Tor hindurch und nunmehr schlossen sich hier die vielen Bereine, die bisher Epalier gebildet hatten, dem Zuge an. Hier stießen auch die ersten Abteilungen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mit ihren roten und schwarzrotgoldenen Fahnen und das Reichsbanner mit seinen schwarzrotgoldenen Bannern zu bem Trauerzug, hier fchloffen sich die parteidemokratischen Abordgoldenen Bannern an. Hier famen die vielen örtlichen Vereine mit mungen und die Berliner Bezirksvereine mit ihren schwarzrot ihren bunten, jetzt schwarzumflorten Bannern hinzu. Ein Verein der Reichspostbeamten mit schwarzrotgoldener Fahne schloß fich an. Unmöglich, einzelne Vereine zu nennen. Langsam 30g sich der endlofe Bug um die Oftfeite und die Nordseite des Reichstage herum, zum Rönigsplay. Ganz tief und schräg stand schon die Sonne am Himmel, ein fältender Wind fegte über den Plaz. Stunden lang hatten die Massen hier ausgehalten, und schon hatten die Samariter alle Hände voll zu tun, denn überall fanten ohnmächtige Menschen zu Boden. Der Anblick, der sich einem von erhöhtem Standpunkt über den Königsplatz bot, war überwältigend. Inabsehbar leuchteten die Scharen der roten und schwarzrotgoldenen Banner. Bon allen Häusern wehten bie Flaggen halbmast. Die deutsche Boltsvertretung entbot dem ersten Präfi benten der deutschen Republik den letzten Gruß und den letzten Dank..
Hunderttausende auf dem Königsplatz.
über ausgesprochen, daß mit ihm stolz sein dürfen auch diejenigen, Die ganze Welt hat sich so achtungsvoll und anerkennend dardie ihn damals aus ihren eigenen Reihen dem ganzen Lande gegeben haben. Durch die ärgsten Bedrohungen, durch die schwersten Erschütterungen, durch die Tage der Berzweiflung führte uns sein fester Wille, jein flares Urteil, feine zähe Energie, gepaart mit 3urudhaltung und Bescheidenheit.
Der schwere außenpolitische Leidensweg des deutschen Reiches füllt seine Amtszeit aus. Aber unbeugjam den Blick in die Zukunft gerichtet, ging er seinen Weg urd seit der Demütigung dur den Bertrag Don Bersailles arbeitete er unablässig, um emporzuheben Deutschland in der Welt wieder zu einer geachteten Stellung
In der Stunde, wo diese Bemühung Erfolg verspricht, gehst du von uns. Noch liegt Nacht über unserem Volte und nur von fern sahst du den Morgen dämmern. Es war dir nicht vergönnt, in den hellen Tag zu treten, wo die schwersten Sorgen für unser Bole fich mildern und auch für dein Werk erst ein abschließendes Urteil möglich war. deiner Mühen zu erleben. Das Schidjal versagt dir, eine ruhige Würdigung
Nun verläßt du Berlin , die Stätte deines Wirkens, deiner bis zur Erschöpfung gehenden Anstrengungen, deiner Erfolge, oft erst erreicht nach bitteren Enttäuschungen, während du soviel dem Lande gabst, daß für die treue Frau, für die Kinder faum eine Bauſe übrig blieb. Du ziehst hinaus aus der Stadt der raftlosen Arbeit und der politischen Kämpfe in die stillen Berge deiner badischen Heimat, die die forgenlosen Tage deiner Kindheit sahen. Im Rauschen des Nedars, an dem der Knabe gespielt, hebt sich jetzt die schwere Last, die auf deiner Brust geruht und die du für uns ge tragen.
As Löbe non dieser legten Heimfehr Eberts in seine badischen Heimatsberge sprach, umflotte fich feine helle, meithintragende Stimme einen Augenblid. In der Niederlegung eines pragtpollen ranges für den Reichstag flang die Rede aus. Tiefen Einbrud hinterließ diese wahrhaft republikanisch- demofra tische Würdigung des toten Mannes und feines Birkens und Werts. Man bemerkte, wie Eberts Familie dem selbst tiefbewegten Sprecher mit stummem Händedruck dankte.
Dann erflang Ich hatt einen Kameraden". Alles stand regungslos, die Offiziere und Polizeibeamten mit der Hand am Helm, die Soldaten grüßten befehlsmäßig den toten Oberbefehlshaber in militärischer Art. Kurze Kommandorufe und wie schon in der Wilhelmstraße, zog auch hier der ganze militärische Stonduft mit vor. schriftsmäßiger Ehrenbezeugung an Eberts Earg und feiner Familie vorüber. Nun zogen die schwarzgeschmüdien Pferde wieder an, der Sarg und hinter ihm die Familie, der Reichstag und die Reichs. regierung, die Blumenwagen, infere Genoffen aus den anderen Ländern und all die vielen Gäste dieser Boltstrauerfeier zogen von Rönigsplay, auf dem die umflorten Laternen brannten, zum Potsdamer Plag. Ueber der ungeheuren Menge aber, die zunächst zurückbleiben mußte, um sich später anzu und lampftindend, die Fahnen der Partei Eberts, der Sozial fchließen, webten nun wieber hoch im Frühlingsmind zukunftsfroh demokratie.
Eine unübersehbare Menschenmenge, jo groß wie fie Berlin noch niemals auf einem Blaze gesehen, hatte Und wenn über Deutschland und Europa einst die Fahne des sich auf dem Rönigsplay eingefunden, um von dem toten Reichs wahren Friedens meht und gerecht verteilter Wohlstand präsidenten Abschied zu nehmen. Stundenlang harrten sie aus, um zu sehen und zu hören, welche Ehren diesem aus dem Volfe hervor. herrscht, wird sich an deinem Hügel neigen die deutsche Nation. gegangenen Präsidenten des Deutschen Reiches von aller Welt bei An der Stelle, an der du im Angesicht von Sehntausenden den feiner legten Fahrt erwiesen wurden. Es war für die Schuh Kranz für die Gefallenen niederlegtest, der auch die eigenen Söhne polizei eine schwere Aufgabe, die sie mit großem Beehrte, bringe ich dir den letzten Gruß des deutschen Bolkes. hid erfüllte, fo baß ernsthafte Swischenfälle, abgesehen von einigen wenigen Feststellingen, nicht vortamen. Auch die Arbeiterfamariter walteten ihres Amtes. Sie hatten am Portal III eine Rettungs ftation eingerichtet und hatten reichlich zu tun. Ohnmachtsanfälle find mehrere hundert vorgekommen. Die Freitreppe des Reichstags war schlicht und einfach, aber um so wirkungsvoller mit Lebensbäumen ausgefchmidt. Die auf dem Plah stehenden Flaggenstangen waren mit Trauerflor umwunden, und in der Mitte der Treppe stand die Rednertribüne, die ebenfalls schwarz ausgeschlagen war. Im Reichstagsgebäude verfaminelten sich vom frühen Nachmittag an die Mitglieder des Reichstags, des preußischen Landtags und des Borläufigen Reichswirtschaftsrats, soweit sie nicht an der Totenfeier im Reichspräsidentenhaus teilnahmen, ferner zahlreiche Mitglieder der diplomatischen Miffionen, da nur für deren Chefs Platz im Trauerhaus geschaffen werden fonnte, und viele Bresse vertreter, deren allgemeine Reichstagsfarten gestern erst nach der Feier den Zutritt zur Bandelhalle erlaubten, während für alle Trauergäfte des Reichstags besondere schwarzumrandete Einladungen ausgegeben waren; fie laubeten zum Teil auch auf die Baltone des Barlaments, und so waren diese wie alle nach dem Königsplay gehenden Fenster Kopf an Ropi befeht. In der großen Doppel halle wartete eine stets dichter werdende Menge in ernster Stim die Rampe hinaustreten hürfe, aber dieser Zeitpunkt trat erheblich mung auf den Augenblid, da fie zur Ehrung des Berstorbenen auf später ein, als angefündigt war. Man stieg inzwischen ins Obergeldjos empor und fah von dessen Fenstern auf die ungeheure, gar nicht zu schätzende Menschenmenge herab, die dichtgeschart und von zahllosen roten und schwarzrotgoldenen Fahnen überwallt, fo viele Stunden lang den weiten Plak und alle angrenzenden Straßen und Alleen füllte. Dieses republitanische Massenaufgebot machte den tiefsten Eindruc; wir horien 3. B. ausländische Diplomaten ihre Be wunderung äußern. Leider wurde dieses underneßliche Bild geirübt burch die nicht wenigen Fälle, in denen unwohl Gewordene durch die unermüdlichen Sanitäter aus dem Gewühl getragen werden mußten; bas stundenlange Stehen im Drud der Maffe und unter den ganz tüchtig fühlbaren Strahlen dieser frühlingshaften Märzsonne, auf die man sich in der Kleidung doch noch nicht einrichten darf, war für fo manchen Teilnehmer dieser Riesentrauerfeier eben doch zu viel. Es ging auf 45, als man endlich in der Wandelhalle die Töne des Chopinschen Trauermarsches von draußen hörte: der Leichenzug nahte heran und umschritt feierlich das Gebäude der deutschen Beltsver tretumg. Rasch schritt das Präsidium des Reichstaas mit der Reichsregierung und den Bertretern der sozialistischen Parteien Europas , bie schon an der Feier in der Wilhelmstraße teilgenommen hatten, durch die Menge und traten auf die große Rampe hinaus. Eben tam der mit der Präsidentenflagge bedeckte Garg vom Reichstagsufer auf den Königsplatz und hielt nun zwischen den Reichsfahnen an halben schwarzen Trauermasten, während unter Trauerflängen all die Hunderttausende das Haupt entblößten, die vielen Fahnen sich sentten, Militär und Polizei stramme Etellung nahmen.
Das Haus Wilhelmstraße 73, das dem Präsidenten der Sepublit in den letzten Jahren als Wohnung gedient hatte, war rechtzeitig und früh nach allen Seiten hin gleichmäßig abgesperrt meiden. Früher auch als angekündigt, hatte die Sperre der Unter grumbbahnhöfe Botsdamer Platz und Kaiserhof eingefeßt, so daß es bereits um 2 Uhr niemandem mehr möglich mar, etma am Raiser hof in die Wilhelmstraße zu gelangen. Troßdem war gegen 2 Uhr die Wilhelmstraße von der Straße unter den Linden bis zur Bo Straße noch ziemlich leer, während sich in ben Seitenstraßen bereits gewaltige Menschenmengen anfammelten, die aber Don starten Schupotetten zurüdgehalten wurden. Heller, blanter Sonnenschein lag harmlos und fast ein wenig ermunternd über dem ganzen Trauerpieriel. Vor dem Palais waren zu beiden Seiten der Straße je zwei schwarze Bolonen aufgestellt, bie auf der Spige Feuerpfannen trugen. Die Ränder ber Bürgersteige waren in furzen Abständen mit fchlant aufstrebenden Borbeerbäumen bestellt. Die Lampen, schwarz umflort, brannten in trübem Licht. Schon früh wurden die Fenster, Baltone und Dächer der umliegenden Häuser von Schaulustigen befeßt. Als erster von den menigen Vereinen, denen es gestattet war, unmittelbar vor dem Trauerhaufe fidh aufzustellen, og ber Berein der Badener in Berlin " mit feinem gelbrotgelbem Banner auf. Der verstorbene Reichs präsident hatte diesem Babener Landsmannschaftsverein mehrere Jahre angehört. Um 3 Uhr rückt das zur Trauerparade befohlene Wilität unter dem Kommando des Rommanban ten der Stadt Berlin General Siehr an und formierte fich in dem füblich gelegenen Teil der Wilhelmstraße über die Boß Straße hinaus. Während um 3 Uhr in der Wohnung des Reichs präsidenten die Abschiedstrauerfeier ihren Anfang nahm, füllte sich bte Bilhelmstraße mehr und mehr mit zugelaffenen Bereinen, Gästen und den Berfiner, auswärtigen unb ausländischen Journa Liften. Sturz vor vier Uhr wurden die Flammen in den Pfannen trat vor und fprach folgende Worte: Der Bylonen entfacht und von allen vier Feuerstätten stiegen schwere fchwarze Molten auf, die sich über die sonnenbeschienene Straße halten. Wenige Minuten nach 4 Uhr fah man die ersten Trauer. gäfte das Balais verlassen und sich auf der Straße aufstellen. Zeha Minuten nach pier Uhr ertönte, weithin über die Straße dringend, bas militärische Kommando: Achtung, Augen rechts! Cin dumpfer furzer Trommelwirbel töfte sich. Dann fezte schwere, fastende Irauermusit ein. Alle Häupter entblößten sich. Der erschütternde Augenblid war gekommen: Der tote Reis präsident perließ fein Haus
Reichstagspräsident Löbe
Deutsche Boltsvertreter!
legten und das Ganze in einen meithin wallenden Trauermantel Auf seiner legten Fahrt grüßen wir das Oberhaupt des Reiches, den ersten Präsidenten der deutschen Republit, der aus den einfachen Schichten des Boltes emporstieg. Wie der Einzelne auch stehen mag zu den gewaltigen Erschütterungen der legten zehn Jahre, es ist kaum einer, der nicht die Würde und die Kraft bemunderte, mit der er fein Amt erfüllte.
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adhtung und Nespett feinen Namen eine ganze Belt Ms Jüngling In ärmlicher Gaffe stand seine Wiege, heute nennt mit Hoch zog er burdy die deutschen Lande, aber schon damals lebte in ihm der foziale Betft und bas Berantwortungsgefühl nicht nur für sich, auch für die Arbeitstameraden nüßte er feine Gaben, bis sie ihn zu hohen Bertrauensämtern riefen. So tam er in diefes Haus des deutschen Boltes und nahm von hier aus einen Weg, ber mit dem Schidial unseres Boltes tief verbunden, von niemandem geahnt werden tonnue, ain wenigsten von ihm felbft.,
Der gewaltige Trauerzug. Langfam zog das Trompetertorps des Reiterregiments 4 aus Botsdam vorbei, und es schloß sich die dritte Eskadron desselben Regiments an. Dann tamen Musik und Spiellente, aus den Mulit forps der Bachitruppe und des II./9 Braußischen Infanterie. regiments Berlin- Lichterfelde zufammengefeßt. Es fchloffen fich je Der Krieg brach aus. Ber an feiner nationalen Gesinnung eine Kompagnie babifche, banerife und württem bergische Truppen, eine Kompagnie der Reichsmarine nicht zweifelte in jenem ernſten August 1914, mo er nom erſten
Der Aufmarsch der Arbeitenden.
Das
Schon in den frühen Mittagsstunden hatten fich die ersten unserer Barteigen offen auf dem Königsplay einge runden. Und es bauerte nicht allzufange, als im Winde bie unt florton roten und schwarzrotgoldenen Fahnen flatterten. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold, das die schwierige Aufgabe hatte, den Bug der Partei anzuführen, nahm Aufstellung in der Siegesallee , und zwar an der Ede Charlottenburger Chauffee. Bohl 6000 Reichsbannerleute hatten sich hier versammelt. Fast alle Rameraden trugen Trauerflor, felbstverständlich auch die im Zuge zahlreich mitgeführten Reichsfahnen. Trok stundenlangen Bartens harrten die Reichsbannerleute auf ihrem Blage aus und sorgten oft gemeinsam mit der Schuhpolizei für eine ruhige Abwidlung des Berkehrs. Inzwischen marschieren auf der anderen Hälfte des Fahr. dammes unaufhörlich neue Züge der Partei auf. Dft bemerkt man an erster Stelle die Kindergruppen, die fieine rote umflorte Fähnchen tragen. Und oft hatte es den Anschein, als ob der jeweils anmarschierende Zug überhaupt fein Ende mehr finden sollte. Einige Minuten Unterbrechung. Die Bartei hat alle Ursache, stol zu ſein auf diesen Massenaufmarsch der Werktätigen Groß- Berlins , Viele be haupten, daß Berlin einen derartigen Zug überhaupt noch nie ge fehen hat. Und die es fagten, waren alte Kämpfer der Sozialdemo fratie. Wie oft bemerkte man einen der Miten, der es fich nicht nehmen ließ, gemeinsam mit feiner Bebensgefährtin Friz Ebert die letzte Ehre zu erweisen. Bald macht sich Blagmangel bemerkbar. Das Reichsbanner weiß einen Ausweg. Einige furze Kommandos und Zwölferreihen, die über die Hälfte des Fahrdammes der Siegesallee einneginen, werden gebildet. Der so gewonnene Blah ist aber bald ebenfalls befeht. Die Massenzüge wollen no immer banbe und andere proletarische Organisationen bahnen fich mühsam tein Ende nehmen. Die freigemerfiaftlichen Ber Blah. Belegschaft auf Belegschaft naht. Stumm und ernst Dem riesigen Buge voran wird eine einzige fchlichte rote Fahne ge tragen. Es würde zu weit führen, mollte man alle nennen, die hier aufmarschierten,
Endlich nach 5 Uhr fekte fich die Spike der Reichsbannerleute Schritt geht es bis zum sempervlak. Hier wird in die Belles in Bewegung. Boran 48 Kameraben. Dann die Fahnentompagnie. Nur langjam fann sich der Zug vorwärts bewegen. Im Gleich ueftraße, die schwarz von Menschen ift, und deren Dächer geradezu beängstigenb belagert find, eingebogen. Etodungen treten ein, mühlam bahnt sich der Zug den Weg, um am Potsdamer Barn hof am Earge Eberts vorbei zu defilieren. Zur gleichen Zeit rahm ein großer Teil der Barteigenossen den Weg durch die Budapester Straße über ben Botsdamer Blak und am Bahnhof vorbei. Über nur wenige erblidten noch den Garg, der inzwischen schon perladen tominen war. Grit gegen 8 ihr abenbs war ber Hauptvorbeimaric worden war, da die feftgelegte Abfahrtszeit des Sonderzuges ge beendet.