Nr. 108 42. Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
Der Trauerfeier letter Teil.
Polsos T
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Donnerstag, 5. März 1925
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Die Massen defilleren vor dem Katafalk im Portal des Potsdamer Bahnhofs.
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Puntt 2 Uhr begann die Schußpolizel den Potsdamer Plaz abzusperren. Der Bertehr wurde gestoppi, wahrlich feine einfache Sache bei dem Großstadtgewühl auf diesem verkehrsreidsten Blaz der Hauptstadt. Schnell passierte noch hier und da ein Wagen zug das große Straßentreuz; ein letztes Blinten der rot- grün- weißen Lichter des Turines dann war der Weg für den toten Reichspräsidenten zu seiner legten Fahrt frei. Drei Uhr! Eine un erhört große, unübersehbare Menschenmenge staut sich in der Bellevueftraße, der Potsdamer und Leipziger Strake. Eine drei-, pierfache Schupotette hält den Blay frei, versucht es wenigftens. Die Bürgersteige am Hotei Bellevue, von Café Softy und an der Zufahrtsstraße zum Wannsee bahnhof find dicht befent mit Menschen. Aus den Straßen drängen immer neue Menschen herzu. Der Druck wird stärker und stärker, die Boften halten nur mit größter Mühe stand. Blöglich findet der Menschenstrom einen Ausweg zur Seite; teigartig quillt er ausein ander. Einen Augenblick ist die Zufahrtsstraße zum Bahnhof ffir den Trauerzug in Gefahr, überlaufen zu werden. Mit guten Worten und fanster Gewalt gelingt es den Polizeibeamten, die Maffen in den abgegrenzten Raum zurüdzubringen. Da fegt der Drud von hinten wieder ein, das Wogen beginnt aufs neue, nochmals drängt die Malfe nach porn. Unausgejeßt haben die Sanitäter zu tun. Arbeiter. famariter und eine Hilfsmannschaft des Roten Kreuzes rennen und jagen über den Platz, den Bedrängten und Eingefellten Hilfe zu bringen. Am meisten sind es Frauen, die ohninachiig auf deri Bahren in das Krankenzimmer im Bahnhof gebracht werden. Einige Jungen, die von der Schulfeter in jugendlicher Neugierde gefommen maren, um auch dabei gewesen zu jein, gerieten in den Strudel und murden in Sicherheit gebracht. Die Lokale der Gegend maren fchon von Vormittag an start mit Schau. Iuftigen besetzt. Am begehrtesten waren natürlich die Fensterpläge; wer einen ergattert hatte, hielt ihn feft, ohne Rücksicht auf die Zeche. Hausdächer, Fenster, Baltons, Zäune, Bäume, ja felbit die ungeeignetften Mauervorfprünge mußten bazu herhalten, den Berwegenſten zum Aufenthalt zu dienen. Die Häuser haben reichen Trauerflaggenschmud angelegt, viele allerdings erst im letzten Augenblid und dann auch noch feine Reichsflaggen. Am würdigsten ist die Budapester Straße geschmückt. Kein Haus ohne Riefenfahne Schwararotgold auf halomast soweit das Auge sehen fann. Die Laternen, schwarz umffort, laijen elnen leisen Lichtschimmer hindurchscheinen. Trauerschmuck alert den Potsdamer Play, jo groß und weit er ist. Eben haben die Beamten wieder einen Ansturm des Menschenozeans zurückgedrängt da verkündet dumpf verifingend eine Uhr die fünfte Stunde. Um ein Wiertel nach 5 Uhr ist der Trauerzug angemeldet, alles blickt in die Richtung der Budanefter Straße, von wo er fommen muß. Noch fteht der schwarze Katafalt leer im mittelften Torbogen des Bahn hofseinganges. Ein Feuerwehrmann zündet die Feuer der offenen Schalen zu beiden Seiten des Podestes an. Erft zaghaft und suchend, dann groß und rot emporiobernd schlagen die Flammen hoch, Symbol und Signet zugleich. Da ertönen gebämpit aus der Ferne die ge tragenen Fanfaren des Zuges. Der Chopinsche Trauermarsch flingt näher und näher: Der Tranerzug erscheint in Sicht nähe. Und das eben noch so unruhig wogende meer der Abfdied: nehmenden steht plogliminandachtspoiler Stiffe: tein Mensch meat einen Lout, die Belhe des Augenblicks hat alle ergriffen. Spielleute der Reichsrsehr schreiten dem Zug voran. Dann ein Trompetertorps, erneut mit der Gelermufit beginnend. s folgt die Trauerparade der Wehrmacht: Kavallerie, Infanterie, Marine, Artillerie. Dle Menge ftebt entblößten Hauptes stumm er. griffen. Die Häupter fenten fich. Berlins Bevölkerung nimmt Abschied Dom Reichspräsidenten. Langfam fenft der Zug zum Haupteingang des Bahnhofs. Denn hält er. Einen Augenblid verschwindet der Sarg den Blicker der Umitehenden, dann ericheint er wieder auf dem de ft. Som über allen Köpfen stehend ver. neigen fich famille, Freunde und Mitarbeiter vor ihm. is erste in dem Riefenzuge der Teilnehmer marihiert die Berliner Fahnentompagnie des Reichsbanners, gefolgt pon ber meiteren Abteilung biefer republifanischen Schußtruppe. Cine Dele antion des Reichsbumbes ber Kriegsbeschädigten brachte mei Riefentränge. Dyfer bes Meltfrieges, tellmeise mit verftfimmelten Gliedmaßen. Dann aber erscheint der erste tote Banner unferer Partei, der Partei, die dem Reich den ersten Bräft. denten acb. Die Pfbteilna Trentom träat ihre Fahne poran, Doran der engeren Barteiabteilung, in der Genoffe Ebert im engsten Kreise der Bartei wirfte. Fast vozählig sind die Genossen und Genoffinnen angetreten, um ihrem Bertrauten Die letzte Ehre zu geben, Und nun marschiert der große Strom ber anderen Berliner Batteigenoffenschaft in Sechser, Achter, Zwölferreihen. Nun ist aber auch fein Halten mehr in den Massen.
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$ 15Blich ist der Polizeifordon durchbroden, bie| Stehenden die Köpfe entblößen, Abschied von dem Toten. Menge flutet auf den Plaz vor dem Bahnhof, im u ist fein Fleck chen Erde frei. Kopf an Kopf stehen Menschen, Wenschen. Ein letzter Gruß, ein legtes Kopfneigen. Die Fahnen fenten sich vor dem Katafalf, hinter dem das farbenprächtige Tuch des Gaubanners mit dem schwarzen Adler in der Mitte die Wacht hält. 3u beiden Seiten im schwarzen Ring der Opferschalen, fast verschwindend, halten Reichsbannerleute die Ehrenwacht.
Inaubischen werden in die amel Gepäckwagen die Kränze verfiaut. Stränge, Stränge und liminer wieder Kränze, unb boch ist es nur ein ganz einer Teil der Blumenspenden. In vier großen Lastautos find die Kranz- und Blumenfpenden aufgehäuft, die später nach Heidelberg gebracht werden follen. Heute nachmittag no ift aus holland ber Kranz der Königin von Hoi. land eingetroffen.
Des Präsidenten letzte Sahrt.
6 Uhr 35:
der diensttuende Stationsbeamte hebt die Scheibe, die Cotomotinen pfelfen gellend die Hunderttausende draußen halten den tém an Frig Ebert fährt in feine Seimat, um nie mehr wiederzu fommen.
Bahnhöfes. Die fünf großen goggien in der ersten Etage In tiefer, fchwerer Trauerfarbe steht die Fassade des Potsdamer und die fünf Säulen, welche die Loggien trennen und gliedern, find find vollständig durch tiefdunkelgrünes Tannenwert zugedect, von breiten Trauerfloren umwunden. Bor der großen Freitteppe liegt auf dem Estrich, der schwarz angestrichen ist, Tannengrün, Lorbeerbäume flantieren das Gebäude, und rechts und links com Haupteingang stehen fünf hohe schwarze Pylonen, von denen lange, breite schwarze Velarien flattern. Auf der ersten Stufe der Freitreppe ist der große, florumfleidete Katafalt aufgebaut, auf den der Sarg mit der Leiche des Reichs: präsidenten gestellt werden soll. 3u Kopfenden rechts und lints hat man mei lambeaus gestellt. Kommt man die Freltreppe in die Höhe, so befindet man sich in einem vollständig schwarz a is geschlagenen Borflur. Die drei großen Flügeltüren, die in bie Borhalle des Bahnhofes führen, sind ebenfalls von Trauer. flor verhängt, und die Borballe selbst ist fhmarz wie ein Erbber begräbnis. Epärliches Licht dringt durch Florschleier in diesen Raum. An den Seiten stehen zwischen Lorbeerbäumen ein paar Stühle, und an der Kopfseite, in der Nähe des Bahnsteiges, hat man eben runden Tisch mit Seifein trum herumgestellt, auf denen die nächsten Anverwandten des Verblichenen ruhen sollen.
Der Bahnsteig
ist ebenfalls mit Tannenreifig bedeckt und mit tieinen Lorbeerbäumen geschmüdt. Auf Gleis 1 hält der Sonderzug, der außer dem Sarg auch die Anverwandten und die Trauergäste Aur legten Fahrt nach Heidelberg aufnehmen soll. Ueber die Gleie hat man eine Brüde gebaut, damit die Träger mit dem schweren Sara leichter und bequemer vorwärts fommen. Denn der Sonderzug ist sehr lang, er besteht aus sechs Personenwagen erster und zweiter Klasse, vier Schlafmagen, einem Sperfewagen, einem besonderen Salonwagen für die Witme des Berstorbenen, drei Gepäckwagen und einem vierten Gepäckwagen, der mit Tannengrün über und über und innen bebeat ist und der den Garg aufnehmen soll. 3wet große D- 3uglokomotiven find an der Spige des Zuges. Schwar3er Flor verhüllt die Führerstände. Gegen 46 Uhr hat ble Spice bes Trauerzuges den Potsdamer Platz und den Potsdamer Bahn hof erreicht. Bor dem Botsdamer Bahnhof schwenkt der Sarg mit hof erreicht. Vor dem Botsdamer Bahnhof schwenkt der Sarg mit den Wagen der Leibtragenden aus dem 3ug und fährt langfam em Bortal des Bahnhofes vor. Hier steht eine Schupo Rapelle und spielt einen Choral. Swölf Leichenträger heben den Sarg vom Wagen und tragen ihn auf den Katafalt. Jetzt flammen die beiden Flambeaus hell auf und 3 wei Mitglieder des Reichs: Denners mit großen Fahnen Schwarz- Rot- Gold treien als Wadje eben den Garg. Inzwischen ist die Witwe, find die Anverwandten aus dem Wagen gefitegen. Am Arme des ältesten Sohnes febreitet Frau Ebert die Stufen empor, und hinter ihr tommt mit dem zweiten Sohn tie Tochter. Sie nehmen in dem Borflur Blay. Aber nur für furze Zeit, denn in dem Raum ist es falt, und der Rauch und Ruß von den Flambeaus bringt hier falt, und der Rauch und Ruß von den Flambeaus bringt hier herein und hat die Luft schwer zum Atmen gemacht. Oberbaurat Dührbott, der Borsteher des Betriebsamtes 7, der im Berein mit dem Eisenbahnoberinspettor Stahn für eine mustergüftige Ordnung auf dem Bahnhof gesorgt hatte, geleitet die Witwe und die nächsten Anverwandten zum Fürstenzimmer. Aber auch hier nur eine kurze Raft, und die Witwe steigt mit ihrer Tochter in ben Salonwagen, beffen Barhänge heruntergelaffen find. Und nun fommt der Sarg. Die Söhne des Verstorbenen begeben fich aufammen mit den Genossen els, Dittmann, hermann Iler noch einmal hinaus auf die Freitreppe, der Sarg wird vom Katafalt herabgenommen, die feds Beamten des ahr perfonals, welche den Zug nach Heidelberg begleiten follen. entzünden Magnesiumfadeln und fretten so dem Sorg voraus. Hinter dem Sarg die Söhne, Barteigenossen und eine Ab. ordnung des Reichsbanners. So geht es in langen Zuge, Schritt für Schritt an dem langen Zug vorbei bis zum Gepädwagen. Hier wird der Sarg hineingefegt und hier steht er inmitten des Grünen wie in einem ftillen Bald. Die Söhne und die nächsten Betannien gehen noch einmal an den Sarg und nehmen, während die draußen
Die Nachflut.
Nachdem der Sarg mit den irdischen leberreften des Reichs. präfiberfen mit dem größten Teile des Gefolges in dem schwarzum. florten Eingang des Potsdamer Bahnhofes verschwunden inat, etttstand auf dem Potsdamer Plag ein furchtbares Gedränge. Die Schußpolizei war diesem ungestümen Vor- und Nachdrängen der Majjen nicht mehr gewachsen; die doppeite Boftentette murde einfach burchbrochen. Mit Mühe tonnten die ichier unzäh beren Abordnun gen mit ihren fahnen in Ednedentempo am Bahnhof in Richtung allesches or vorüberziehen. Gegen 8 hr passierten die letzten Genofien den Bahnhof, le fid) in geradezu musterhafter Ordnung und Disziplin aulammenhielten. Gleich hierauf fegte auch der Verkehr ein, eigentlich ein wenig zu früh und es ist der Umficht der Polizei zu verbanken, daß bei der noch immer herrschenden fülle fein Unfall vortam. Bals erschienen bani bie ersten Feuerwehr. reitungswagen, um unablässig die Berlegten und Ohnmädti gen, die man im Warteraum des Batsbamer Bahnhofs provisorisch tätshilfe mußte immer wieder in Tätigteit treten und fle bat in auf. untergebracht hatte, abzutransportieren. Aud) bie freiwillige Saniopfernder Weise ihre Pflicht getan. Bei Anrüden des Trquerzuges war es der Schupo nicht möglich, genügend Raum zu schaffen, jo daß die berittene Bolizei die auf der Softy- Ede stehende Menge zurüddrängen mußte. Das zurildflutende Bublifum drückte dabei ben Baun des Cafés ein. Nad) und nach lichtete fich die noch immer harrende Menge und hier und da bildeten fich fleine Pinfammlungen. Um 9 Uhr bot der Potsdamer Plan das altgewohnte Bild und nur die schwarzumstorten Lampen und die tief im Duntet liegende Greitreppe des Bahnhofs mahnten an den Ernst der Stunde. Die Arbeit der fliegenden Rettungsstellen.
Lelder haben sich am geftrigen Tage bei der Maffenzusammenballung des Publikums eine ganze Reihe leichter unglüds. fälle ereignet. Das Hauptrettungsamt der Stadt Berlin batte gemeinsam mit den Arbeiterjamaritern( ASB.) und der freiwilligen Sanitätsfolonne des Roten Kreuzes vier fliegende Rettungsstellen, und zwar im Reichstag, am Brandenburger Tor , am Potsdamner Bahnhof und in der Boßstraße eingerichtet. Bie wir vom Hauptrettungsamt erfahren, wurden bort etwa 700 bis 1000 Berfonen behandelt. Erfreulicherweise waren die Unfälle niemals ernster Natur.
Die Trauerfeier in der Kroll- Oper.
Ats erste der Trauerfeiern fand am Mittmod) miitag die Ge dächtnisfeier in ber Strellaper ftatt. Sie war für die dier und Schülerinnen Berlins bestimmt, und es war eigentlich wie ein Symbol, daß man der Jugend, der immer haftig vorwärts. Strebenben und immer ungeduldigen, die erste Trauerfeier rüstete. Der große Gaal in der Dper hatte Trauerschmud angelegt. Der Kronleuchter war umflort, und Trauerflor zog sich um die Logenbrüftungen und verkisidete die Wände. Auf der Bühne Tannengrün und Lorbeer, perbunden durch Trauerflor. Als Hintergrund hatte man den Reichsapter gewählt in matiem Gold, Bas fich mirtungsvoll abheb von den schwarzen Borhängen. n ber Mitte der Bühne stand, fchpargumrahmt, das Rednerpult. Barfett und beide Ränge waren Kopf on Ropf belegt von Schülern und Echülerinnen, von den Behrern und von offiziellen Barjönlichkeiten des Brovingiaifchulfollegiums und der Stadt Berlin . Wuf ber Bühne hatten auf Stilhlen mit dem Minifterprasibenten Dr. Marg und dem Kultusminister Profeffor Dr. Beder bie anderen preu Bifchen Minister und Unterstaatssekretäre Bloß genommen, unb ihnen gegenüber faßen Staatsfetretäre und höhere Beanite der Reichsregierung. Mit dem Mauretischen Trauermarjd) bon Mozart, ben hie anelle ber Staatsoper unter Beinme bes Dirigenten Mage. Schillings fpielte, begann eindrucksvoll die Feier. Dann jang der Staats- und Dom dor unter Leitung des Dirigenten rofeffor Hugo Rüdel die Choralmotette von Bach. Als die legten feierlichen Töne verffungen waren, trat der Kultusminister Professor Dr. Beder an das Rednerpult. Er