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Gesinnungsfeigheit! Antwort. Ihr Herren' Schindluder wird mit dem deutschen Volte getrieben! Die Aufstellung des 80jährigen geistig und bald körperlich un- beweglichen Kriegsherrn ist eine unerhörte Provokation der republikanischen Mehrheit des deutschen Volkes, eine Heraus- forderung aller politischen Vernunft, eine Beleidigung aller wirtschafllichcn Einsicht! Außenpolitisch ist die Aufstellung allein schon em« Katastrophe. Hindenburg ist aufgestellt worden von den Deutschnationalcn und der Volkspartei,- v o n den P ar- Leien der Regierung Luthcr-Stresemann. Eine parlamentarische Regierung ist ein Ausschuß der Regie- rungsparteien. Wie hat der Herr Luther den Mund voll genommen!Als Reichskanzler bestimme Ich die Richt- knien der Politik". Hat sich was! In der Schicksalsfrage Deutschlands hat der Reichstanzlertandidat der Deutsch - nationalen. Herr von Tirpitz. haben Schlange- Schöningen und Freytagh-Loringhoven unter Beifall von Ludendorff und Hitler die Ent- icheidung bestimmt, und der Herr Loibl von der Bayerischen Volkspartei hat mehr zu sagen gehabt als der Herr Reichs» kanzler. Die Katastrophe beginnt. Das Vertrauen ist zer- stört, am meisten in England und Amerika . Aber der Träger der politischen Verantwortung schweigt st i l l: und doch ist er der Schuldigste. Er war es doch, der die groß« Koalition bewußt sabotierte, im Bunde mit der Deutschen Volkspartei sie zerstörte. Er war es, der Marx den Dolchstoß versetzte und den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung unter seiner Kanzlerschaft erzwang. Freilich, er hielt sich mehr im Hintergrund als Stresemann. Aber Luther , nicht Stresemann. der in seiner Fraktion nicht viel mehr hinter sich hat, war der eigentliche Vertrauens- mann de? Volkspartei und des gouoernementalen Flügels der Deutschnationalen . Run will er sich drücken? Zurückziehen hinter die Aus- rede, die Regierung dürfe die Wahl nicht beeinflussen? Aber nicht um die Wahl des Volkes handelt es sich, sondern um das Verhalten der Regierungspartei en bei der Ausstellung der Kandidatur. Da haben Luther und Strese- mann als verantworlliche Politiker versagt, da haben sie nicht einmal gehandelt wie ein einfacher, seiner politischen Pflicht halbwegs bewußter Staatsbürger. Luther und Strese- mann wissen, was mit der bloßen Kandidatur des alten Militärs angerichtet worden ist. Sie fürchten seine Wahl. S i e werden bestimmt Marx wählen. Schon aus Selbst- erhaltungstrieb. Sie wissen, daß es nach der Wahl Hinden- burgs für das Ausland keine verhandlungsfähige Regierung mehr geben würde. Es gäbe ,. keine diskontfähige Unterschrift" mehr. Aber daß sie beide jetzt sich ducken. in der Hoffnung, die Republikaner , die von ihnen für regie- rungsunfähig erklärten Sozialdemokraten, werden die Kala- strophe schon verhindern, das ist erbärmliche(Sc sin- nungsfeigheit. O, sie sind nicht allein. All die Wirtschaft?- sührer, alle, die englische und amerikanische Kredite haben oj>cr erhoffen, alle, die aus Belebung des deutschen Exports mprten, sie alle werden wählen, Marx wählen. Die Wahl ist ja geheim. Die Mutigeren vertrauen es sogar einem schon jetzt unter vier Augen an. Aber den Mund macht keiner auf. Zu sagen, welcher unverantwortl'che Wahn» sinn dieses Teufelswerk des Kriegshetzers, Kriegsverlän» gerers, Kriegsverlierers T r r p i tz ist, das wagt keiner! Luther und Richtlinien der Politik! Aber der Mann soll doch sagen, wie er sich die innere Politik vor- stelle, wenn Hindenburg gewählt wird. Er weiß doch wer gewählt wird. Hindenburg . das war der Strohmann Ludendorffs. Er erzählt ja selbst, daß nicht nur die militärischen, sondern auch alle politischen Entscheidungen im Kriege Beseitigung Bethmanns. Beseitigung Kühl- manns, Aufrechterhaltung des Dreiklassenwahlrechts. Bereite- lung aller Friedensmöglichkeiten. Herbeiführung des unbe» schrankten U-Boot-Krieges, überstürzte Erzwingung des Waffenstillstandes stets uneingeschränkte Villi» g u n g des politisch völlig ahnungslosen, völlig unselbständigen Hindenburg gefunden haben. Pseudonym Ludendorffs bis zur Niederlage, war er dann Parademann der Deutsch - nationalen, deren eingeschriebenes Mitglied der ist, den man als überparteilich auszugeben wagt. Wenn der Schildhaller des Deserteurs von Doorn gewählt wird, wird ein Pseudonym, ein Srohmann gewählt. Wer wirklicher Reichspräsident sein wird, wird nicht ge- sagt. Herr v. Tirpitz. der ihn gekürt, ist der nächste An- wärter. Herr v. L o e b e l l man ein anderer sein. Wird Hindenburg etwa Ludendorff oder den Obersten Bauer, seine alten Beherrscher, aus dem Hause des Reichs- Präsidenten weilen? Eine anonyme Horde von Monarchisten, Putschisten, Staatsstreichlern, Feinden der Republik und des Volkes wird gewählt, wenn Hindenburg ge- wählt wird. Aber Luther und Stresemann schweigen! Wie stellt sich denn der Herr Reichskanzler'dann seine politischen Richtlinien vor? Was denkt er zum Beispiel über die Reichswehr ? Reichspräsident Hindenburg Oberbefehlshaber der Reichswehr ! Glaubt inan General Seeckt, der Ludendorff haßt und ver- achtet, werde unter Hindenburg bleiben? Soll er viel- leicht von Ludendorff abgelost werden ober einem Vertrauensmann des Tirpitz? Hindenburg Präsi» dent und die Reichswehr würde völlig politisiert, würde zu einem monarchistischen Putschinstrumeni umgestaltet werden. Glaubt man, daß sich das die Republikaner gefallen lassen können? Dem Pseudonym eines Tirpitz oder eines Lo e b e l l oder eines Ludendorff oder eines Schlange-Schö- ningen oder eines anderen reaktionären X soll die Ver­fügung über den Ausnahmezustand oder das Derordnungs- recht des§ 43 gegeben werden? Dem unpolitischen, in dem schlimmsten Machtwahn einer versunkenen Vergangenheit be­fangenen Militär außenpolitischer Einfluß, der Verkehr mit den ausländischen Diplomaten gestattet werden? Dem Monarchisten das Hüteramt der Republik ? Was denkt denn der verantwortliche Reichskanzler? Ahnt er vielleicht,� daß die Wahl Hindenburgs Deutschland in innereKämpfestürzenwürdevonunerhörter Heftigkeit und Erbitterung? Wenn Hindenburg gewählt würde, wäre er der Erwählte einer Mino- r i t ä t, der seine Wahl nur der Sonderkandidatur der Kommunisten zu danken hätte. Hall Herr Luther «rnen solchen Präsidenten für morallsch möglich? Der Tag der Wahl des Reichspräsidenten wäre der Beginn des

Kampfes. der republikanischen Majorität zum Sturze des Reichspräsidenten ! Hindenburg , das Pseudonym, und Ludendorss, der Akteur, haben schon einmal Geschichte gemacht und die Weltgeschichte war das Weltgericht. War es an dem einen nicht genug, Ihr Herren. Haben Luther und Strese- mann aus Gesinnungsfeigheit den Mut, ein zweites Weltgericht über das deutsche Volk hereinbrechen zu lassen? Wir wollen wissen, was Ihre politischen Richtlinien sind, Herr Reichskanzler Luther , Herr Außenminister Stresemann! Stimmt ihr für Hindenburg ? Die Regierung soll Reüe unü Antwort stehen! Im Hauptausschuß des Reichstages versuchten gestern die Deutschnationalen, vom Reichswirtschaftsminister, ihrem Parteigenossen N eu h a u s, eine Erklärung über die außenpolitischen Wirkungen der Kandidatur Hindenburg zu erlangen, die sie in der Wahlagitation zu benutzen gedachten. Die Vertreter der republikanischen Parteien erhoben Einspruch und setzten durch, daß heute, Sonnabend, in einer de» sonderen Sitzung des Haushallsausschusses der Rsichsauhen- minister zur Auskunftertcilung aufgefordert wird. Herr Strese in ann wird sein Schweigen beenden und reden müssen!

die Grunüschule im Reichsrat. Preußens Einspruch abgelehnt. Der Reichsrat beschäftigte sich in einer öffentlichen Vollsitzung vom Freitag vormfttag mit dem vom Reichstag angenommenen Ge- setzentwurf über den Lehrgang der Grundschul«, wonach besonders leistungsfähige Schuler schon nach dreijährigem Besuch der Grundschule in mittlere und höhere Schulen aufgenommen werden können. Preußen wiederholte seinen schon in den Ausschüssen obgelehnten Einspruch in der Dollversammlung. Der bayerische Gesandte erklärte, daß Bayern keinen' Einspruch erheben werde. Er gab der Ansicht Ausdruck, daß schon das bestehende Grund- schulgesetz den Ländern«ine Ermäßigung im Sinn« des Gesetz- entwurfs zugestehe. Dem freien Ermessen der Länder müsse es über- lassen bleiben, ob und in welchem Umfang sie von der Ermächtigung Gebrauch machen. Der Vertreter Württemberg s wandt« sich gegen den preußischen Antrag. Die württembergische Regierung leg« den größten Wert darauf, daß sich alle Länder über Ausführungs- bestimmungen einigten und behalte sich«inen entsprechenden Antrag vor. Der Antrag Preußens, gegen den Reichstagsbeschluß Einspruch zu erheben, wurde mit 43 czegen 22 Stimmen a b- gelohnt. Für den preußischen Antrag stimmten außer dem Staats- Ministerium die Vertreter von Brandenburg , Berlin , Westpreußen - Posen, die Vertreter der Provinz Sachsen , von Schleswig-Holsteln imd Westfalen, weiter von den Ländervertretern die Vertreter von Hamburg , von Anhalt, Lippe , Waldeck. Es zeigte sich, daß wieder einmal im Reichsrat Vertreter preußischer Provinzen anders stimmten ols das Etaatsministerium. Gegen den Einspruch stimmten die Vertreter von Ostpreußen , Pommern , Ober- und Niederschlesien , Hannover , der Rheinprovinz und der Pro- vinz Hessen -Nassau._ KommumftenkbwunÜ. In Oldenburg find fie erledigt. Im ausgelösten oldenburgischen Landtag« war der Landesteil Birkenfeld auch durch einen Kommunisten oertreten. Er sst nun- mehr zur,., sozkaldemokratischen Partei über- getreten, nachdem«in anderer kommumstsscher Abgeordneter be­reits vor einiger Zell au» der konununif tischen Fraktion aus­geschieden war. Die kommunistische Dreimannerfraktion de» bisherigen Landtages ist damit auf« i n« n Kommunisten zusammen- geschrumpft. We Anzeichen deuten darauf hin, daß der neue Land- tag. der am 24. Mai gewähtt wird, überhaupt keinen Der- treter der Kommunisten mehr aufweisen wird.

Kriegszustattö in Sulgarleu. Außer der Höllenmaschine auch Bombenwürfe. Sofia . l7. April. (Eigener Drahkbericht.) Es steht nunmehr fest daß neben der Höllenmaschine, die das Hauptgewölbe der stakhedralc zum Einsturz brachte, auch noch durch zwei Bomben. würfe anderer schwerer Schaden angerichtet worden ist. Es sind bis jetzt 150 Leichen geborgen, die Zahl der Verwundeten steht noch nicht fest. Sämtliche Krankenhäuser der Stadl sind mit verletzten überfüllt. AllcMinister hoben bei dem Attentat Verletzungen erlitten. Die bulgarische Grenze ist vollkommen gesperrt, die Polizei hol in allen Städten Freilag zahl - reiche Verhaslungcn vorgenommen. ver Krie>" zustand soll bis auf weiteres anfrechlerhallcu werden. Offiziell: eine Verhaftung. Sofia , 17. April. (Bulg. Tel.-Agentur.) Räch den neuesten Feststellungen hat sich die Zahl der bei dem Bombenanschlag ge- töteten Personen aus 150 erhöht, unter denen sich mehrer« Frauen und Kinder befinden. Aus der Provinz liegen kein« weiteren Meldungen vor. außer daß auf dem Bahnhofe von Kost«netz e i n e P« r s o n bei dem Versuche verhaftet worden sst. E x p l o s i v- stoffe zu verbergen. Sonst ist olles ruhig. Die Züge verkehren regelmäßig. Das Dekret über die Derhängung des Be­lagerungszustandes wird heute veröffentlicht. furchtbare Einzelheite«. Sofia , 17. April. (TU.) Die Kathedrale, die ungefähr 2000 Personen faßt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine der beiden Kuppeln sst einaestürzt. Sofort nach der Erplosion wurde eine Hilfsaktion eingeleitet. Die Straßen in Sofia sind heute m e n s ch« n- leer. Jeder Wagenverkehr ist verboten. Nur mit Soldaten besetzte Kraftwagen fahren hin und her. Die Dürgermiliz ist mobilisiert. In N o v a s a g o r a allein wurden 150 Personen verhaftet. Nur einzelne Reikend« werden an der Grenze durchgelassen. Die Telegraphen- und Zugverbindungen mit dem Ausland sind teilweise unterbrochen. Ganz Sofia ist von Militär abgesperrt, um der Allentäter habhaft zu werden. Die Panik, die nach der Explosion entstand, läßt sich schwer be- schreiben. Im Gedränge wurden FrauenundKinder nieder- gerissen. Der größte Teil der Verletzten sind Frauen und K< n d e r. Zweifellos haben die Allentäter geglaubt, daß auch der König an der Einsegnung des ermordeten ehemaligen Kriegs Ministers Abg. Costa Georgieff teilnehmen werde. Sämtliche Zeitungen verdammen das Attentat als einen besonders fluch- würdigen Anschlag und weisen darauf hin, daß seit dem Attentat der Kommunisten a»f ein« Prozession in Madrid kein ähnliches Derbrechen begangen wurde.

Was wirü in Selgiea Z Remfozialistifche oder sozialistisch-katholische Regierung? Brüssel, 17. April. (Eigener Drohtbericht.) Maßgebend« libe­rale Führer haben am Frellag Dandervelde erklärt, die liberale Partei würde einer rein oder überwiegend sozialistischen Regierung kein« systematische Opposition machen; aber die liberale Partei wolle nach diesem Wahlausfall an keiner Regierung aktiv tell- nehmen. Andererseits machen angesichts der wachsenden Möglichkeit einer rein sozialistischen Regierung einflußreiche kachollsch« Kreis« Stimmung für eine Koalztion aus Sozialisten und. Katholiken, mtt gleiche» Rechten für beide Parteien, wobei alle» ding, die Person des Ministerpräsidenten noch strittig wäre. Mtt großer Spannung wird daher die für Sonnabend ein- berufen« erste Sitzung der neugewähllen kachollsch«« Parlaments- staktion erwartet, die vielleicht die Lage klären wird. Bei den Senatswahlen sst unter anderen der frühere Mi» nisterpräfident de Brvcqueville unterlegen.

Dainleves Amtsantritt. Vorstellung im Parlament nächste Woche.

parls. l?. April.(Eigener Vrahtbericht.) Da» neue Ministerivm. das um ll Uhr vormittags unter dem Vorsitz painleve» einen kurzen Kabinettsrat abhiell, hat sich vm lll? Uhr dem Präsidenten der Republik vorgestellt, vor die Kammer, die mit Rücksicht aus die Vorbereitungen der Gemeindewahlen über da» Wochenende verlagt worden ist. wird da» neue Kabinett erst am Dienstag treten. Sonnabend vormittag wird da» Kabinett die Reglerangserklärung beraten. Abg. Paul Boret hat das ihm zugedachte llnterstaatssekretarial sür den Wiederausbau abgelehnt: an seine Stell« tritt der radikal- soziale Abg. Schmidt. Finanzminister Eaillaux erklärle Zournalisten. daß er noch nicht zu einem abschließenden Urteil über die Loge gekommen sei. Die SIluatton sei jedenfalls außerordentlich ernst und er selbst wäre von der Größe der Schwierigkeiten, die er vorgefunden hebe, überrascht gewesen. Da» notwendigste sei, Geduld und Vertrauen zu haben, dann«erde e» gelingen. Ordnung zu schaffen. Kriegsfihulöüebatte in Sicht l Paris , 17. April. (Eigener Drahtbericht.) Dem Senator Poincare wird die Absicht zugeschrieben, das Ministerium durch ein« Interpellation zu einer Erklärung über die Frage der Kriegs- schuld zu zwingen. Caillaux hat die Bersailler These von der Alleinschuld Deutschlands wiederHoll öffentlich auf das schärfst« bekämpft. Man rechnet damit, daß die Senats- Debatte noch in der nächsten Woche geführt wird und die beiden Häuser des Parlaments sich dann über die Gemeindewahlen bis Mille Mai vertagen werden. Die durch die Uebernahwe der Ministerpräsidentschaft durch Painlev« erforderliche Neuwahl des Kammerpräsidenten dürfte bis dahin verschoben werden. Als Kandidat der Linken wird dafür im Fall« der deftnitlveii Ablehnung Herriots der Abg. Godard. bisher Arbeitsminsster, genannt. das politische Gesicht üer neue« Regierung. Paris . 17. April. (Eigener Drahtbericht.) Die Reaktion hat ihr eigentliches Ziel nicht erreicht. Sie hat zwar das Kabinett Herriot durch eine mit den vergifteten Waffen geführte Hetze aus den Angeln zu heben vermocht, aber das«igenlliche Ziel ihres Kampfes, die Sprengung des Kartells der Linken, das Bündnis zwischen Sozialismus und bürgerlicher Demokratie, das dem politischen Wollen der großen Mehrheit des Landes ent- spricht, ist ulwersehrt. Die sozialistisch« Fraktion Hot au? Grund der jüngsten Beschlüsse des Nationalrats zwar die aktive Be- teiligung an einer neuen Regierung abgelehnt, jedoch die parlamen- tarisch« Unterstützung zugesagt, allerdings unter der Bor. aussetzung, daß die Politik der Demokratie und de» sozialen

Fortschritts im Innern und die Polttik der friedlichen Berständigun g«und des internationalen Ausgleichs nach außen wie bisher weitergeführt wird. Entscheidend für die sozialistische Fraktion war. daß Painleve, we»« auch manche der von ihm zur Mitarbeft berufenen Polstiker bei einzelnen innen- und außenpolitischen Problemen keineswegs auf dem Boden der sozialsstischen Auffassung stehen, in der Zusammensetzung seines Kabinetts jedes Zugeständnis an die Recht« abgelehnt hat. Wohl hat sich Caillaux verschiedentlich als ausgesprochener Gegner der von der sozialistischen Partei beantragten direkten Erfassung des Vermögensbesitzes bekannt: aber sein« ganze polltisch« Bergangenheit bürgt dafür, daß er auch nicht entfernt die Absicht haben kann, die steuerliche Last der Finonzreform auf die Schullern der breiten Massen abzuwälzen. Cs ist unter diesen Umständen nicht anzunehmen, daß ein y Kompromiß in der Floanzfroge auf unüberwindliche Schwierigtesten stößt. Außenpolitssch sst dos neu« französische Ministerium der Fortsetzung der Politik internationaler Verständigung günstig. B r i a n d, der neue Außen- minister, hatte bereits vor drei Jahren auf der Konferenz von Cannes nicht nur in der Reparationsfrage, sondern auch auf dem Gebiete des Sicherheits Problems Lösungen in Aussicht ge- nommen, deren teilweise Durchführung erst Herriot nach dem Sturz« des Nationalen Blocks vorbehalten geblleben ist. Patn- leve ist ein überzeugter Pazifist, und Caillaux hat vor und während des Krieges zahlreiche Beweis« seines aufrichtigen Friedenswillens gegeben. Am deutschen Polte liegt es,«ich! seinerseits durch einen nicht wiedergutzumachenden Fehler, durch die Wohl des Militaristen und Monarchisten Hindenburg zum Reichs- präsidentlm die Tür für jede Verständigung auf Jahr« hinaus zuzuschlagen, und damit nicht nur Frankreich , sondern die gesamte Entente aufs neu« in eine scharfe Kampfstellung gegen Deutschland zu treiben. Ter National« Vlock gegen Caillaux . Paris , 17. April. (WTB.) Die Fraktion der deinvkrattsch-röpu. blitanischen Vereinigung der Kammer hat in Uebereinstimmung mir ihren 104 Mitgliedern in einer Tagesordnung die Ernennung Caillaux ' zum Minister als eine Provokation der öffentlichen Meinung bezeichnet. Caillaux sei vom Staatsgerichtshof wegen Ver- brechen? des Einverständnisies mit dem Feind« während des Krieges verurteill worden. In d« Tagesordnung wird fexner zum Ausdruck gebracht, daß dos jetzige Ministerium entgegen der Tagesordnung des Senats vom 10. April sich unter Nichtachtung des inneren Friedens und der mttionalen Emhett gebildet habe,«es- hall» dte Frattton schon jetzt erkläre, daß fie ihm ihr Vertraue» »erweigere.