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Srpaa gestorben. Nach seiuem Vorstoß gegen Darwin. 3tea Jork, TL Zog.(XDXS.) IBIQlaa Zeonlug» B rya« tst la Daylou(letmefstf) gestorben. Er wurde tot in seinem vekk aufgefunden, nachdem er sich nach einem kräftigen Abendeffea mit der Erklärung zur Ruhe begeben hatte, er fühle sich wohl. Sein plötzlicher Tod ist auf ein Herzleiden zurückzuführen. Es gibt Leute, die nicht oerstehen, in Schönheit zu sterben. Vor drei Wochen hätte die Welt die Nachricht des Ablebens von William Pennings Bryan mit respektvollem Interesse aufge­nommen. Diese Kunde hätte allerdings nicht allzu großes Auf- sehen erregt, da der demokratische Politiker in den letzten zehn Jahren fast gar nicht mehr aufgetreten war. Seine Glanzzeit war die Periode zwischen 1895 und 1915. Schon mit 25 Jahren(1896) war er demokratischer Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten gegen Mac Kinley und unterlag. Vier Jahre später erlitt er dasselbe Schicksal gegen denselben Gegner. Ein drittes und letztes Mol versuchten die Demokraten mit ihm ihr Glück, und zwar im Jahre 1998 gegen Taft. Wieder vergebens! Erst als feine Partei 1912 einen anderen Mann nominierte, näm- lich Wilson, kam sie durch. Unter Wilson war Bryan eine Zeitlang Staatssekretär des Auswärtigen, auch in der ersten Zeit des Krieges, dann verschwand er fast völlig von der poli- tischen Bildfläche. Erst vor wenigen Wochen tauchte er in ganz über- raschender Weise wieder auf: Die zivilisierte Welt erfuhr zu ihrem Entsetzen, daß ein Mann, der eine führende Rolle in dem angeblich modernsten Land der Erde gespielt hitte, in religiösen Dingen auf einem ebenso tiefen geistigen Niveau stand wie die Hexenrichter des dunkelsten Mittelalters. Der von ihm in der kleinen Stadt Dayton (Tennesiee) inszenierte vnd geführte Prozeß gegen die Entwicklungslehre Darwins offenbarte Abgründe im amerikanischen Seelenleben, die man islanz nicht vermutet hatte. Die Lächerlichkeit hatte William Jennnings Bryan bereits getötet, kurz bevor ihn die l'tcrienverkalkung niederstreckte. Dieser Tod ist vielleicht onch eine Erklärung für den ganzen Daytoner Affenprozeß: dir Verkalkung dürfte sich bei ihm schon nicht mehr auf die Arterien beschränkt haben._ Crnlt Eichhorn gestorben. Am Sonntagmorgen ist Emil Elch. dorn gestorben. Er gehörte der kommunistischen Reichstagsfrattion an. Von Beruf Metallarbeiter, trat er 1893 in die sozialistische ein. Noch der Spaltung der Vartei im Kriege trat er als "uhrer der USP. hervor. In der Revolution wurde er von der Ii auf den Posten des Berliner Polizeipräsidenten gestellt. Seine stunsenthebung gab den äußeren Anlaß zu den Strahenkämpfen im Januar 1919, nach derem Abschluß Karl Liebknecht und Rosa Luxem- ,g ermordet wurden. Eichhorn gehörte zu den Führern und Organisatoren de» linken Flügels der USP.. die ihn in die kommu- »ijtische Internationale führten. Er verkörperte jene starr richtungs- mäßige Einstellung in der Arbeiterbewegung, in der die Enttäuschung über Mißerfolge in bitteren Haß gegen Personen umschlägt, und in der dieser Haß schließlich mehr gilt, als die sachliche Erwägung. So niuhte er die große seelische Enttäuschung seiner Hoffnungen, noch zuletzt w der kommunistischem Partei, um so härter empfinden. Emil Eichhorn war in seinen letzten Jahren ein schwer kranker, gebrochener Mann. Sommerfest üer �ungsozialisten. Das Sommerfest der Jungsozialisten war wirklich alles in allem ein Fest junger Sozialisten. Abseits von der großen Heerstraße, in der Einsamkeit einer von Wald umschlossenen Wiese bei Teer- csen im Norden Berlins wurden Morgen- und Nachmittagsfeier begangen. Die Morgenfeier bracht« hauptsächtlich Vorträge von Liedern wie des Mendelssohnschen ,0 Täler weit, o Höhen' und Waldgedichte von Gerrit Engelke , Löns, Barthel und Sommer- gcdichte von Storm und Bierbaum. Ein feinfühlig ausgewähltes Programm, das fast zu viel der Sehnsuchtsfarben trug. Die jungen Vortragenden brachten alle» zur starten Geltung, am innigsten wirkte das Eichsndorfflied.O Täler weit', die beiden Geiger freilich hätten weniger Sonderlinge fein müssen und ihre Geigen zu etwas inehr Gemeinschaft abstimmen sollen. Nach der Morgenfeier riefen Wold, Wiese und ein naher schmaler Kanal zu Sommerfrohsinn. Rcichmittags führten Iungsozialiften Georg Büchners»Leone« und Lena' auf. Es wäre töricht, hier über Dilettantismus zu orakeln. Dielleicht hatte das Lustspiel gerade durch die Hingegebenheit von Laienspielern eine so starke Wirkung. Das Stück war als Sommer- spiel ausgezeichnet gewählt, denn Wiese und Wald und roman- tisch« und ironisches Motiv paßten hier so gut zu einsnder. Mit flatternden Schmetterlingen, Sonne, verhüllten Wolken, mit allerlei spielte die Natur freigibig mit. Wenn der in den 3<1«r Jahren des vorigen Jahrhunderts gestorbene revolutionäre hessische Dichter Büchner sich auch hier in Wortspielen weidlich über Kleinstaaterei, Schran- zentum und Monarchie lustig macht, so ist auf der anderen Seite ein so wundervolle Aufblühen naturlyrischer Stimmungen, die einmal gehört und hier wirklich gesehen, nicht wieder verklingen. Kein Wunder, daß die des Klatschens ungewohnten Zuhörer am Schluß ihre feierlichen Vorsätze durchbrachen und freudig Beifall klatschten. Der spätere Nachmittag galt frohen Spielen. Schwimmen, Länderball und Reigentänzen. Um 7 Uhr abends zog der Haupttrupp,«in« Schar von ein paar hundert Iungsozialiften mit roten Fahnen und Streich- niusit wieder über Sachsenhausen nach Oranienburg . Der ganze Weg war erfüllt von Kampfliedern und zeigte so, daß die kleine, ober erlesene Schar, über der Erfüllung romantischer Sehnsucht den Kamps des harten Tages nicht vergißt. in Nekoröfonntag. Der gestrige Sonntag hatte wieder Rekordziffern, nicht nur bei den Verkrhrsunternehmungen, sondern auch in den Freibädern und Vadeanstallen. aufzuweisen. Schon in den ersten Morgen- stunden, als der Himmel noch teilweise mit einem grauen Wolkenschle'ier bedeckt war. zogen die vielen Ausflügler zu den Bahnhöfen, um hinaus ins Freie zu gelangen, Erholung zu suchen und den Staub der Woche abzuschütteln. Wenn auch die Ziffern gegen die des Vorsonntags erheblich zurückbleiben, so hatte die Vor- ort- und Stadtbahn immerhin noch einen Riesenverkehr zu be- wattigen. Der Hauptsttom ergoß sich wiederum noch den Frei- bädern Wannse«, Grünau und nach dem Müggelsee. Tegel und Tegelort hatten gleichfalls einen Riesenbesuch auf- zuweisen. Eine rasche Zugfolge suchte den Verkehr nach hier zu bewättigen. Anders war es aber bei den Straßenbahnen. die nach Tegel hinausfuhren. Die Bahnen waren dem Riefenand ränge nicht gewachsen und die Fülle im Wageninnern und auf den Perrons nahm geradezu gefährliche Dimensionen an. Roch schlimmer ging es bei der Ruckfahrt zu. Auch die Autobusse, besonders auf der Strecke Pichelswerder. wurden so stark in Anspruch genommen, daß, wenn einige 59 Wogen mehr im Betriebe gestanden hätten, auch diese noch nicht die Menschen- menge hätten bewättigen können. Einen guten Tag hatten wieder die Gastwirte. Es soll sogar vorgetommeu sein, daß die Getränke, --------- igWMtafrr Der Höhepunkt öer frankfurter Glpmpiaöe. Der große Bolkstag. Eine halbe Million unterwegs. Die gastliche Stadt am Main sucht ihren Arbeitergästen au» aller Wev den Aufenthalt angenehm zu machen. Sie empfängt sie, wie man anno gestern die»Hochgeborenen' in norddeutschen Städten zu begrüßen liebte, nur nicht mit Ehrenjungfrauen und Parade- geklapper, sondern in einem ungleich würdigeren Stil. Sie läßt sie auch nicht in seidenen Betten schlafen und stellt ihnen keine Prunkgemächer zur Verfügung, dafür sind's zu viele: sie hat aber ihre Schulen zur Verfügung gestellt, hat die Schulbänke ausgeräumt und groß« Strohlager hineingefchafft, Decken und alles, was zur Beher- bergung gesunder und nicht verwöhnter Menschen notwendig ist. Andere wieder wohnen in den bunten und uralten kleinen Häuschen der Altstadt, in einer ihnen meist fremden Welt. Sie, die aus den großen Steinkästen kommen, den Mossenquartieren der Industrie, fühlen sich plötzlich in eine traute Märchenheimlichkeit verfetzt, von der in ihrem Bewußtsein kaum eine Vorstellung sich fand. Das alles konnte neben einer Ausschmückung der Straßen und Häuser, wie sie leider an keiner anderen Stelle des Reiches aus einem solchen internatio- nalen Anlaß zu beobachten war, die alte Stadt ihren Gästen bieten. Nicht aber konnte sie dem Regen gebieten, m weiteren Fernen niederzugehen. Am Sonnabend regnete es fast ohne Unterbrechung. Das tat allerdings den Kämpfen im Stadion kaum einen Abbruch, selbst der Massenbesuch blieb nicht aus. Man faß auf den ungedeckten Plätzen im Regen unter Schirmen, im Regen ohne Schirme. Man faß im rieselnden Naß bis auf die Haut durch- weicht, während unten auf der Kampfbahn die Kämpfe vor sich gingen, als flösse lauter Sonne hernieder. Und trotzdem wurde dann auf' dem etwas durchweichten Boden eine Tvellrekordleistnng ersten Ranges aufgestellt. Die deutsche 4X199-Meter-Sportle- rinnen-Stafette schlug den Weltrekord. Schlug ihn in einer fabelhaften Form von ungeheurem Beifallssturm be- gleitet, der die Regenwolken zu oerscheuchen schien, denn e» wurde zusehends heller. Das Wetter war aber einem Massenbesuch der Olympiade-Ausstellung für Spork und Körperkultur im Haus Werkbund auf dem Mossegelände günstig. Dieses Aus- stellungshaus steht auf dem»Platz der Republik' höre Berlin : Platz der Republik. Es ist da so ziemlich alles zu sehen, was für den körperlich tätigen Menschen und für den Sportler von Nutzen Ist. Er sieht an guten Modellen die Einwirkung der sport- lichen Betätigung auf die Entwicklung der Körperformen, er sieht grundlegende Beispiele für die Notwendigkeiten der allgemeinen Lebenshygiene, ferner die neuesten Sportgeräte und die neueste Sportkleidung. Viel ist auch von der gesamten Tages- und Druck- fchriftenliteratur des Arbeitersportes ausgestellt. Leider sind nicht viele sozialdemokratische Parteiblätter dem Beispiel de».vorwärts' gefolgt, der in einer schönen Mappe die gesamten Arbeitersport- beilagen seiner letzten Jahrgänge ausstellt und so einen Abriß der Entwicklung dieser Bewegung übersichtlich und vollständig darbietet. Was aber besonders erwähnt werden muß, das ist die glänzende Ausstellung des Tourlstenvereln»»Rakurfreunde'. die mehrere Säle anfüllt und ein Bild der erzieherischen Idee des Wanderns, wie es sein müßte, vor Augen führt. Da sind die wesentlichen Zeichen der Natur, die mit offenen Augen von dem proletarischen Wanderer gesucht und gefunden wurden, die Steine, die Versteinerungen, die Pflanzen aus Gebirge und Flachland, und hübsche Fund« aus vor- geschichtlicher Zeit und der Entwicklung der Erdoberfläche. Der Regen sang auch noch die langsam gewohnte Wesse, als die Ruderregatta auf dem Main ihren Anfang nahm._ Am Ziel an der Ober- mainbrücke feuchtete der Regen zunächst leere Bänke, die am Quai auf dem Sochsenhausener Ufer Spalier bilden: aber nicht lange, dann kamen die Menschen, dann kamen die ersten Boote in Sicht. Rorddeulschland. Führer im Wassersport, Berlin an der Spitze im Doppelzweier. Köln an de ? Spitze im Doppelkajak-Charpie. Berlin an der Spitze(itol- legia) im Riemeavierer. Noch einmal siegt Berlin am Schluß im Achter. Dann ist es klar geworden, bricht facht der blaue Himmel aus grauen Wolken. Es bleibt noch unsicher, aber die Straßen find schwarz von Menschen, Kopf an Kopf staut sich in der Kaiferstratze auf dem Platz vor dem Bahnhof. Neue Scharen strömen aus der Holle , die die schwerbepackten Züge brachten. Neue Scharen, denen nur der Sonntag zum Feiern zur Verfügung steht. Lernt von den Männern der Arbett, wie man die Ordnung bewahrt, selbst wenn das Herz hochgeht. Schließlich gehts noch zum Degrüßungsabend nach der Festhalle auf dem Blosse- gelände.(Am Bormittag hatte eine Akademische Be- grüßungsfeier im Palmengarten stattgefunden, die die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden versammette, über die wir bereits in der Sonntag-Nummer berichteten.) Nein, sie waren nicht zu zählen, kaum zu schätzen, die Taufende, die den Riesenraum bis unter das Dach füllten, feinem Dasein Zweck gaben. Meistersinger- Vorspiel, sieghafte Festkläng«, nirgend» so am Platze wie hier vor den Auditorium der Arbeitenden. Dam»»Wach auf' ans 12M Kehlen geschleudert. Hermann Wendel grüßt die erst« wirb- liche Olympiade, die einzige berechtigte Art de» Kampfes zwischen Kulturnationen, prägt das schöne Wort vom europäischen Patrio- tismus. Nie wieder Krieg, nie wieder Babarentum. Dana weiche Klänae aus der Zauberflöt« als Einleitung für«in« Probe fportlicher Glanzlesstungen. Die Tschechen gaben etwas Besonderes, «in symbolisches Spiel: Erhebung der Sklaven. Solang« es das Wetter anließ, fanden draußen noch Feiern statt, denen aber der wieder einsetzende Regen bald ein Ende machte. Der ganze Abend war von dem Eindruck wahrhafter internationaler Der- ständigung getragen. Der frühe Morgen am Sonntag lockte erste Sonnenstrahlen aus der Wolkenhülle. Richtige Sonne aus richtigem Himmelsblau. Es dauerte nicht lange, da klang es in den Straßen, da sangen die Flöten, da wirbelten die Trommeln. Erst leise, dann sing es an zu schallen, aus Straßenschluchten brachs hervor, aus Haus- winkeln und verwunschenen Nestern begann es sich zu ballen, zu vielen Melodien, zu einigen Melodien, zu einer Melodie. Die Internationale zog durch die Straßen, fand sich zusammen, wurde ein mächtiges Tönen, da» alle» erfüllte. Die Züge fammellen sich, die Spitz« nach Süden gerichtet, dem Eta» dion zu. Noch nie hat ein Sonntagmorgen solch« Massen aus den Frankfurter Straßen gesehen, noch nie stauten sich die Menschen in solcher Fülle an den Halle - stellen der Straßenbahn, die Zug auf Zug verkehren ließ. Am Wald- rand draußen bildeten die Böschungen ein unendliche» Parkett, bis auf den letzten Platz gefüllt. Würstelbuden, Brezeloerkäufer, fliegende Derkaufsstände, ein Volksfest von so unerhörtem Ausmaße begann sich zu entwickeln, daß in der Geschichte der Volksfest« de« ganzen Reiches nichts ähnliche» je gefunden wer- den dürfte. Im Stadion war jedes Plätzchen außerhalb der Kampf- bahnen und Spielwiesen belegt. Kopf an Kopf, Schutter an Schuller» dicht gedrängt. Alle Sprachen schwangen durch die Luft. Das ba- bylonische Svrachgewirr schien entwirrt. Jeder redete in seiner Sprache und jeder verstand jeden. Gegen 12 Uhr schob sich die Spitze des riesigen Festzuges, der alles und alle vereinte, in das Stadion. Eine glänzend geführte Marschmusik mit 199 Trommeln und Pfeifen voran, dann eine endlose Kavalkade von Radfahrern auf blitzenden Rädern, im weißen Dreß, rot und schwarzrotgold umbändert. Ein- zelne Gruppen führen die Symbole ihrer Heimat auf Rädern mit sich. Bierräderig naht eine Freiheitsgölkin mit der Friedenspalme. auch eine Hochzeitskutsche auf Rädern. Eine halbe Stunde dauerts gut, bis diese weißen Gestalten auf blanken Rädern vorübergezogen sind. Dann wieder Musik, und wettergebräunt, muskelblank, die Turner. Endlos, endlos, von Pfeiferkorps unterbrochen, Frauen und Männer in gewählter Ordnung, alle Länder, die hochbeinigen Nordländer, die Finnen, die Letten, die schlanken Franzosen, jene blauen Turnerinnen aus der Provence , die hundertmal photo- graphiert wurden und deren Kraushaarköpfe trotz Laufen und Springen in unverminderter Frische fortbestehen. Wieviel? Man schätzte diesen einzigarllgen internaNonalen Festzug ans SV 090. Man s6>äht alles, was sich im and um das Stadion versammelt hielt, auf eine halbe Million. Auf der Kampfbahn hebt ein lebendes Schachspiel an: Volk»- parket gegen Königspartei. Sie hüpfen, die Springer, auf munteren Pferden: sie laufen, die Läufer, mtt blankem Degen, sie stellen fich vor König und Königin, die tapferen Bauern: und schließlich schlägt der schwere Turm der Dolkspartei den König der Königspartei. Ja. es mußte schon schweres Geschütz aufgefahren werden, um den Ge- wattigen zu erledigen wer sollte da nicht klasschen? In der Kaffeestunde läßt man die Torner aufmarschieren. Front von einem Kilometer, eine Fahnenflucht von 990 bunt, buntesten Fahnen in einer Reihe aufmarschiert. An beiden Sellen dieser endlosen Linie verschwinden die anmarschierenden Turner. Das dauert so an 39 Minuten. Man rückt die Front vor und weicht, farbengoldumslallert, nach beiden Seiten zurück. Auf dem grünen Rasen sind nun die braunen, bloßen Körper erwachsen und scheinbar verwurzelt. Und plötzlich beginnts unter der Musik sich zu regen, Ringen, Sehnsucht nach der Sonne, Freude am Leben springt aus den Gliedern. Muskeln kreisen im Licht. Da» riesige Feld, von oben gesehen, ein einziger ringender Ausdruck. Man wendet nicht den Blick, sucht zu erklären, sucht nach Einzelheiten. Es gibt nur eins, aus der Masse aller Länder ist eins geworden. Der Sonntagnachmtttag schreitet voran, leichtes Rot flattert am klaren Himmel, auf der Kampfbahn gehen noch die Fußballkämpse vor sich: Belgien Deutschland , Finnland Schweiz . Im Walde, rund um das Stadion, ist ganz Frankfurt versammelt, ist Volks- trubel im Hochbetrieb, jeder Baum spendet Frankfurter Würstel, und aus den Brunnen fließt Aeppelwoi --- bis der Abend da» große Festspiel bringt, da... getrunken, das beliebte warme Getränt der Berttner. trotz Hitze und Sonnenschein. Ja, der alte Brauch wird nicht gebrochen.--- Leider hat der Sonntag auch gestern wieder eine groß« Anzahl Opfer gefordert. Obgleich der verstärkte Reichswasser- schütz und die vielen fliegenden Rettungsabteilungen den Badenden größte Obacht schenkten, ertranken eine ziemliche Anzahl Personen. In zahlreichen Fällen, wo ertrinkende Personen rechtzeitig gerettet werden konnten, traten die Samariter in erfolgreiche Tätigkeit. Es ist immer wieder zu beobachten, daß fast alle Unglücks- fälle auf eigenes Verschulden der Badenden zurück- zuführen sind. Alle Augenblicke ertönt« die Warnungshupe und bald ebenso oft mußte der Wasserschutz eingreifen, um Erschöpfte, die sich zu weit hinausgewagt hatten, zu bergen. Erst in den Abend- stunden zog strichweise Gewitter herauf, das fich besonder» in Wann- see, Zehlendorf , Lichterselde, Steglltz, Südende und Tempelhof aus- tobte. Wolkenbrüche verursachten an verschiedenen Stellen er- heblichen Wasserschaden. Am späten Abend aber fand man die Straßen bereits wieder trocken. Unfallbilanz de? SonntagS. Der gestrige Tag hat wiederum eine größere Anzahl töd- licher Badeunsälle gebracht. Insgesamt»Personen sind beim Baden tödlich verunglückt. Die Leichen tonnten nur zum Teil geborgen werden. Trotz oller vorangegangenen schweren Unfälle feiert der Leichtsinn weiterhin wahr« Orgien. Es sind nun schon in den letzten Hitzetagen an die SstMenschenleben. die das La-banque-Spiel allzukühner Schwimmer gekostet hat. Mordversuch auf offener Strahe. Als Mordversuch auf offener Straße erweist sich ein Anschlag, dem der 24 Jahre alte Arbeiter Erich Azurta aus Linden- berg am Freitag abend ausgesetzt war. Der junge Mann über- holte, als er von Lindenberg nach Weißens«« radette, in der Höhe des Kreuzpfuhles zwei Burschen, ohne daß«in Wort gewechselt wurde. Kaum war er einige Meter an ihnen vorbei, siel ein Schuß. Azurta, ein großer starker Mann, sprang vom Rad, um sich den beiden entgegenzuwerfen. Diese aber ergriffen jetzt die Flucht querfeldein und entkamen. Azurka lies ihnen noch einige Schritte nach, merkte aber jetzt, daß der Schuß ihn getroffen hatte. Mit Mühe radette er weller nach dem nächsten Lokal und hier brach er zusammen. Im Auguste-Dittoria- Krankenhaus zu Weißenfee wurde die Derletzung al» ein schwerer Beckenschuh festgestellt. Die Wegelagerer waren 2 Burschen in den zwanziger Jahren und trugen helle Anzüge. Angaben za ihrer Ermittlung nimmt Krinnnallommissar Lobbes im Zimmer 195 des___... Zusammenstoß zweier Autodroschken. Ein schweres Autounglück ereignete sich heute vormittag an der Ecke Mommfen- und Leibniz st ratze. Hier stießen zwei Autodroschken derartig zusammen, daß eine der Insassen, eine Dame. in weitemBogen, sich in derLuft überschlagend. auf das Straßenpflaster geschleudert wurde und mll stark blutenden Verletzungen am Kopfe und zerrissenen Kleidern liegen blieb. Die andere Insassin, anscheinend die Mutter, erlitt Schreiträmpfe, während der dritte Fahrgast, dem Anschein nach «in erwachsener Sohn, unverletzt blieb. Die beiden Domen wurden nach dem dicht dabei befindlichen Mommsen-Sanatorium gebracht. Während das eine Auto stark demoliert wurde, so daß es abtrans- portiert werden mußte, hatte das andere Auto nur Einbeulungen erlitten._ Cin gestörtes Kinderfest. Einen traurigen Ausgang nahm ein Kinderfest, das von den Bewohnern des Hauses Danckelmann- st r o ß e 44 am Sonntag abend auf dem Hofe veranstaltet wurde. Zwei junge Leute namens Paul Schulz und Karl Günther oersuchten gewallsam ohne Entgell in die Deranstallung zu dringen. Der im Hause wohnende Kellner B. Schlapowski trat ihnen entgegen und wurde tätlich bedroht. In der Notwehr zog Sch. einen Hirsch- f ä n g e r und verletzte beide Angreifer schwer durch Stiche jn die Brust, so daß dies« sofort ins Westender Krankenhaus übergeführt werden mußten. Das Fest wurde von der herbeigerufenen Schutz- Polizei sofort aufgehoben._ Großer Waldbrand in der Ostmark. Im Kreise Schwerin brennt fett Sonntag vormittag 19 Uhr längs der polnischen Grenze ein ungeheure» Waldgelnet von etwa 4999 Morgen, das zum Bezirk der Oberförsterei Woitze gehört. Das Feuer sst von Polen über die Grenz« gekommen und verbreitete sich bei dem starken Ostwinde mit rasender Geschwin- digkett durch die wetten Kiefernwaldungen zwischen Waitze, Forst- haus Rote Heide, Kaza, Kranzinbruch und Lubiath hinaus. Wie verlautet, soll das Feuer in den polnischen Wäldern in der Gegend der ehemal» deutschen Försterei Schlangenlug dadurch«nsstandeu sein, daß polnische Holzschäler bei der Arbeit Ziga- retten rauchten. Das Feuer zog mtt Windeseile über die Grenze. Auf polnsscher Seite sind nur etwa 89 109 Morgen ver­brannt. Der in der letzten Nacht mtt großer Heftigbell nieder- gegangene Gewitterregen hat den Brand glücklicherwess« vollkommen gelöscht. Jedoch sind dem Feuer, das fich sofort mll rasender Schnelligkeit ausbrellet«, etwa 4999 Morgen Wald zum Opfer gesollen, darunter auch zahlreiche Bestände staatliche� _______... L-wul*,--