Einzelbild herunterladen
 
  

Neichsarbeitsm«n»ste? gnmnte«, daß er etwa groß« Grundsätze oder starre Richtlinien des Reichsarbeitsministeriums zur Lohnlage aufstellt und nach außen veriritt. Wir wären selblt in keiner Weise Freunde solcher starren Richtlinienpolitik. da ja gerade beim Lohn Flüssigkeit besteht wie bei der Wirtschaftslage überhaupt. Dagegen erklärte ich an sich für erwägenswert, daß der Reichsarbeitsminister bei passender Gelegenheit auch wieder emmal mit einer Broschüre.Lohnpolitik� an die Oeffentlichkeit komme, die seiner Broschüre vor etwa drei Jahren entsprechend aus die gegenwärtigen Verhältnisse zugespitzt sein könnte, ohne damit unvergängliche Grundsätze für die Unendlichkeit auf- zustellen. Die Herren zeigten für diesen von mir vorgeschlagenen Weg voll- sie» Interesse, wie überhaupt erfreulicherweise festgestellt wer- de» muß, daß bei der Betrachtung der Lohn- und Wirtschaftslage wohl restlose llebereinstimmung bestand. Dr. S i tz l e r namentlich erklärte, daß er sich im Sinne meiner Ausführungen vor Tagen bei einer Schlichterbesprechung in Kassel geäußert habe, wobei er wieder feststellen konnte, daß ein großer Teil der Schlichter über das von ihm entrollte Wirtschaftsbild unorientiert war und daß die Schlichter überrascht gewesen wären, weil sie die Lage bislang doch noch viel rosiger angesehen hätten. Diese Schlich terbesprechung habe also zweifellos auf die Schlichter tiefen Eindruck gemacht und würde ihr« Auswirkung auch auf die Schlichtungsausschüsse nicht verfeh- l e n. Dr. Sitzler sagte weiter zu, er wolle in den sich ihm bietenden Fällen Begründungen im beregten Sinne geben und mir solche Ent scheidungen dann auch jeweils zur Kenntnis übersen- den: im übrigen wolle er dem Minister über die Unter- redung mit mir Kenntnis geben. Nach dieser Darstellung kann man das Neichsarbeits- Ministerium heute nur noch als die sozialpolitische Ab- teilung der Vereinigung der deutschen Arbeitgcberverbände bezeichnen. Der Reichsarbeits- minister ist nach dieser Darstellung nichts anderes als ein Syndikus der Unternehmer, der in deren Auftrag Vroschüren zu schreiben und die Schlichtungsstellen zu.in- formieren" hat. Das ganze Schlichtungswesen, das ganze Reichscrbeitsministerium wird zu einer bodenlosen Farce. Hat der Neichsarbeitsminister, nachdem Ende 1923 die Unternehmer offen die Beseitigung des Reichsarbeits- Ministeriums forderten, sein Ministerium nur dadurch retten können, daß er es mit Haut und Haaren an die Unternehmer- verbände ausgeliefert hat? Herr Dr. Brauns wird sich erklären müssen, um so mehr, als der unmöglich gewordene Ministerialdirektor Dr. Sitzler ihn, wie aus dieser Aktennotiz hervorgeht, über die Besprechung mit Dr. Meißinger unter- richtet hat. Doch zitieren wir weiter dies« Aktennotiz: Dr. Sttzler teilte ferner, zwar in vorsichtiger Welse, aber deutlich genug mit, daß dos Reichsarbeitministerium sich entschlosien habe, von dem Mittel der Verbindlichkeitsertlörung s o gut wie keinen Gebrauch mehr zu machen und selbst bei den lebenswichtigen Betrieben(Kohle, Braunkohle, Eisen- bahn) sich auch die Nichtanwendung von Fall zu Fall noch offen zu lassen. Sitzler bezeichnete als Ziel dieser Maßnahme, er wolle vorbeugen, daß bei einer künftigen Reform des Schlichtungswesens, die auch er erwarte, eine wesentliche Modifizierung der Be- dingungen über die Verbindlichkeitserklärungen den Anschein er- wecken könne, als würde dem Rsichsarbeitsminister bei dieser Echlichwngsordnung ein bislang von ihm in Anspruch genommene« und ausgeübte« Recht entzogen. Er würde vielmehr schon vor» her die Praxis darauf einspielen, sich dieses Mittels zu enthalten: dadurch wieder wird für dos Ministerium die Gesetzes- önderung ohne Prestigeverlust erträglicher und der Wirtschaft sei auch jetzt schon geholfen. Don allem erklärte sich Sitzler völlig mit mir darüber einig, daß es ganz ausgeschlossen wäre, der einsetzenden Wirtschaftstrisis, die auch er spätestens ab Ottober er- wart« und der damit verbundenen Tendenz des Lohnab- b a u« s durch das Mittel des staatlichen Tariszwanges entgegen- zuwirken, ein« llebereinstimmung, die ich mit besonderer Ge- nugtuung feststellte.

Wir stellen ausdrücksich fest, daß das Reichsarbeits- Ministerium die Zusage, die der Ministerialdirektor Sitzler gegeben hat, wonach die Schiedssprüche für die Reichsbahn usw. nicht für verbindlich erklärt würden, p ü n t t» licheingehalten hat. Daß die Schlichter den Wünschen der Unternehmer, die ihnen vom Reichsarbeitsmimsterium übermittelt werden, Rechnung tragen, das beweisen mit aller Deutlichkeit die Schiedssprüche der letzten Monate. Wir übergeben einen Teil der Aktennotiz, in dem ins- besondere die Uebereinstimmung zwischen Meißinger und Sitzler festgestellt wird in der Frage, daß es auf keinen Fall Lohnerhöhungen geben dürfe, obwohl die Unternehmer, durch die Deflationskrise gezwungen, bereit seien, die Löhne zu erhöhen, um ihre Betriebe aufrecht zu erhalten. Dann heißt es weiter: Im weiteren Verlaus der Besprechung bat mich Dr. Sitzler dringend, wir möchten doch jetzt nicht auf die Aenderung in der Haltung des Reichsarbeitsministeriums durch Rundschreiben usw. hinweisen und möchten vor allem doch den von uns aus- geübten Druck aus Beseitigung der Derbindlichkeitserklärung nicht in der Oeffentlichkeit fortsetzen. Es müßte für die Lage des Ministeriums und für seinen Einfluß auf die Gewerk sch asten mehr als störend sein, wenn die Ge- werkschaftcn nun etwa sagen könnten, die Rundschreiben und Kund- gebungen der Arbeitgeber bewiesen, daß das Reichsarbeits- Ministerium infolge unserer Eingabe an das Kabinett nun dem Druck der Arbellgeber und des Kabinekls doch nachgegeben habe und sich unsere Politik habe zu eigen machen müssen. Sitzler stellte mir die Information unserer Verbände über den Inhalt unserer Unterredung in geeigneter Weise frei, wollte uns auch ruhig in derselben Weise überlasten, von gewisten wichtigen Sprüchen und Begründungen in der Lohnpolitik Gebrauch zu machen, um daraus unsere Handhabe für richtige Erkenntnis der Politik des Reichsarbeitsministeriums zu gewinnen. Er würde aber d r i n g e n o darum bitten, hierüber nichts Schriftliches aus der haad. zu geben. Wir sollten doch auch den Weg beschreiten, den e r nimmt, wenn er die Schlichter informiert, die auf seine Einladung olle kämen, und die ihrerseits dann ebenso einheitlich die erscheinenden Schlichtungsausschußvorsttzenden mformicren würden. Ich stimmte dieser taktischen DeHandlung dieser Frage zu und erklärte mich bereit, unverzüglich in diesem Sinne zu verfahren, außerdem bei der bevorstehenden Geschäftsführerkonferenz in Pastau entsprechend zu berichten. In der Arbeitszeitfrage erklärte er, das Reichsarbeits- Ministerium werde keine Verordnung nach Z 7 mehr erlassen; es halte den jetzt gegebenen tatsächlichen Arbeitszeit- stand als der Wirtschaftslage für lang« Frist angemessen und werde auch die Verabschiedung eine« neuen Arbeilszeilgesehes mit allen MIkieln ln die Länge ziehen. Was vielleicht Ende des Jahre» erwartet werden könnte, wäre lediglich ein Referenten- e n t w u r f, der dann noch zur öffentlichen Diskussion gestellt, zum Ministerialentwurs verdichtet, zum Kabinettent- wurf ausgearbeitet und schließlich dann auch noch dem Reichs- wirtschaftsrat vorgelegt werden müßte. Man habe außerdem auch davon Abstand genommen, ein einheitliches Arbeits- z e i t g e s e tz zu machen und wolle die Forni des Arbeiterschutzgesetzes wählen mit folgenden Hauptkapiteln: 1. Geltungsbereich, 2. Betriebs- schütz, 3. Arbeitszeitschutz, 4. Fabrikaussicht, 5. Gesundheitsschutz für Frauen und Jugendliche, 6. Uebergang zu den Schlußbestimmungen. Höher geht es wirklich nimmer? Die ganze Sozialpolitik wird einfach an die Unternehmer und zwar an den reaktiv- närften Flügel der Unternehmerverbände ausgeliefert und mit diesem vereinbart, wie man unsere Sozialpolitik zum Gespött der Weltmacht und wie man die Gewerk- schaften hineinlegt. Wir werden ja hören, was ins- besondere die christlichen Gewerkschaften zu dieser Art Sozial- Politik zu sagen haben. Wir sind der Meinung, daß eine derartige Sozialpolitik und ein derartiges Reichsarbeits- Ministerium die schlimmste Korruption darstellen, die man sich nur irgend vorstellen kann.

voltspartek gegen Reichsjchulgesetz. In Sachse ». DieNationalliberale Korrespondenz" meldet mvt Dresden : Der Kuliurausschuß, an dem auch der sächsische Staatsmini st er Dr. Kaiser teilnahm, faßte nach einem Bor- trag des Studienrats Bartholome y-Annaberg zu dem Entwurf des Reichsfchulgesctzes folgende Entschließung: .Der Entwurf eines Reichsschulgesctzes zu Z 146 Absatz 2 der Reichsverfassung entspricht in seinen wesentlichen Punkten nicht /lnseren evangelisch-lutherischen, liberalen Kulturanschauungen. W i r lehnen ihn ab. Wir fordern nach wie vor die Bekenntnisschule, aber nicht als Kirchen-, sondern als Staatsschule. Deshalb lehnen wir auch die kirchliche Beaufsichtigung ab." Staatsminister Dr. Kaiser erklärte weiter, daß der Reichs- schulgesetzentwurf auch auf der eben stattgefundenen Ländertagung in Leipzig keine Aussicht auf Annahme gesunden habe. Auch Sachsen habe sich gegen ihn ausgesprochen. Der sächsische Landesschulausschuß der DBP. wird in seiner im Oktober stattfindenden nächsten Sitzung ebenfalls seine Stellung- nähme zum Reichsschulgesetzentwurf festlegen. Schon jegt dürfte feststehen, daß der Entwurf in den Kreisen der Deutschen Volkspartei in Sachsen so gut wie einmütige Ablehnung erfährt. Danach dürfte es nicht leicht sein, die Rechiskoalition in der Frage des Schulgesetzes unter einen Hut zu bringen. Preußen im Reichsrat. Wichtige Beschlüsse inr Berfassungsausschuß. Der Bersassungsausscbuß des Landtags beschäftigie sich in seiner letzten Sitzung mit der Vertretung Preußens im Reichs- rot. Im Reichsrat sind insgesamt 26 preußische Stimmen und 49 Stimmen der anderen Staaten vorhanden. Von den 26 preuhi- schen Stimmen sind 13 den preußischen Provinzen zuge- billigt worden. Die Wahl erfolgt durch die Provinzialausschüss«. die einen Hauptvertreter und einen Stellvertreter zu wählen hatten. Durch diese Bestimmung soll die provinzielle Note bei der Abjliin- mung Preußens im Reichsrat ebenfalls zur Geltung kommen. Der Verjassungsausschuß beschäftigte sich zunächst eingehenü mit der Frage der Stellvertretung der Proninzialmitglieder. Bisher war es vorgekommen, daß ein Haupivertreter nicht seinen auf einem anderem politischen Standpunkt stehenden provinziellen Vertreter im Bedarfsfalle mit seiner Vertretung beauftragte, sondern einen Parteifreund aus einer ganz anderen Provinz. Demgegenüber beschloß der Ausschuß, daß jedes Mitglied bei Behinderung mit der Vertretung seinen in der gleichen Provinz gewählten Stellvertreler zu beauftragen hat. Ein sozialdemokratischer Antrag, außer diesem provinziellen Stellvertreter nur die Bevollmächtigung an ein vom Staatsministerium bestelltes Mitglied zu gestatten, wurde mit den Stimmen der Rechtsparteien und des Zentrums gegen die Sozial- demokraten und Demokraten abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt wurde ein sozioldemokratlscher Antrag auf Einführung der D e r h ä l t n i s w a h l für die Bestimmung der provinziellen Vertreter durch die Provinzialausschüsse. Eine lebhaste Auseinandersetzung rief der sozialdemokratische Antrag hervor, die Frage zu prüfen, ob eine einheitliche Stimmabgabe sämtlicher preußischer Vertreter zweckmäßia und nach der Rcichsve'sai» na zulässig sei. Der Brncht- erstattcr Abg. Ladt(Soz.) bejahte Fragen. Die Abgg. von Eampe(D. Dp.) und Holl(Dem.» nimmten ebenfalls dieser Aus- fastung zu. Df-*<>«. f* f 1°>"e-'»>'--ckmanigke!' der einheitlichen Stimmabgabe, auch ihre juristische Zulässigke'll. und erklärte, man könne den Provinzen die von ihnen einmal ausgeübten Recht« nicht mehr nahmen. Auch die Abgg. hosimau!» und De? (Dtii.) äußerten verfassungsrechtliche Bedenken. Die Kommunist, n erklärten sich für die Vereinheitlichung der Stimmabgal-'. Schließlich sprach sich der Ausschuß mil Mehrheit gegen Zentrum und Deulschnatiouale für die Vereinheitlichung der Slimriuiusgabe aus. provinzialwahlen am 2�. November. Hinsichtlich des Wahltennins zu den Kreis- und Pro- vinziallandtogswahlen beschloß der Aeltestenausschuß des Landtags, daß der 29. November für diese Wahlen fest- gesetzt werden soll.

SröenfreuAe.

Don Max Bernardi. Er mutet mich immer etwas altertümlich an. Wie eine Ein- richtung aus guter alter Dorfahrenzsit. Aber nicht um alle Welt möchte ich mein« paar Groschen durch «in« Dank laufen lasten, nicht für alle Welt ein gestempelte» Scheck- papier in der Hand hallen müssen. Er naht! Er, der Geldbriefträger! Zwei, drei Tage vorher sagt es einem eine innere Stimme. Ein urmihig frohes Gefühl durchzieht einen. Ungefähr so, wie vor soundsoviel Jahren als man um dreiviertel bestimmt bei der Bismarcksäule warten sollte, sich immer wieder den neuen Schlips zurechtzog, auf die Uhr blickte und ausschaute. Er kommt, der kleine, dicke Mann mit dem blauen Uniformrock und der ledernen Tasche. Es ist herrlich, sein Kommen schon Tag« vorher genießen zu können. E» ist wie eine Lotterie, bei welcher man gewinnen muß. Nur gerade nicht bei der 1. oder 2. Klaste aber später um so sicherer. Ich trete aus dem Gartentor und blicke die Straße hinaus, hin- unter. Er kann um das Stroßeneck einbiegen, er kann auch aus dem Haus gegenüber treten. Aber er kann auch die ganze lange Straße heraufkommen. Oder von oben herunter. Es ist wunderbar alle Möglichkeiten auszukosten. Zwischen 9 und MIO Uhr diese halbe Stunde ist«in kokettieren mit göttlicher Allwistenheit,«in Spielen mit der Welt und ihren vorgeschriebenen Schicksalsbahnen, ein verirren in die Unendlichkeit seines Selbst. Kommt er? Kommt er nicht? Di« Uhr weist gleich auf halb zehn. Noch ist Wahrscheinlichkeit vorhanden. Wenn aber die Turmuhr schlägt, dann liegt noch Geld weit, weit drüben rrgendwo in einem Kossenschrant, gehört nicht mir, nicht dir emsig« Hände blättern in Akten, zählen, schreiben sckreiben eine Adresse, eine Zahl. Gleich schlägt die Turmuhr. Der Hammer muß schon zum Schst'ge ausholen. Also er kommt nicht. Für heute vorüber, vorbei. Oder wie? Di« Straße herauf keucht or? 2al E» ist kein Feuerwehrmann, auch kein Bahnbeamter!? Er ist es! Und die Turmuhr schlägt halb zehn. vor ihm gchen junge Mädchen. Herren mit Tennisschlägern pnd zwei Wolfshunde. Ei« sehen mich alle so erstaunt an. Aber was«ist«» die.«a« können die wissen! <k» ist eine so wunderbare Erregung, die nun bald ihrem End« zu flackert. Ich wende mich ab und trete in, Haus. Schließe die Tür ab. Lege die Kette vor. Eile in die Küche und pflanze mich vor meiner Frau auf. Sie sieht mich mißtrauisch an mich, den Müßig. gänger.

Da läutet es dreieinhalbmal. Das sind wir. Und das ist er! Ich grinse, meine Frau eilt an die Haustür. Gottlob, es gibt doch noch deutsche Dichter.-- Mit Würde unterfertige ich die 20-Mark-Anweisung. Meine Frau blickt geknickt zu mir auf. Die Tür fällt wieder ins Schloß, und der kleine, dicke Mann mit der ledernen Tasche beglückt ein anderes Heim. Das Spiel ist zu Ende. Neu bestellt muß der Acker werden. Noch wächst e» ja so schnell. Und neue Ernte reift heran. Dann pendle ich wieder am Gartentor so zwischen neun Uhr und halb zehn. Wie schön ist dann die Welt!

Klastit und Nachklassik in der Slosterstraße. Gestern leitete das Theater in der Klosterstraße bisher Goethe-Bühne seine Winter­spielzeit«in. Der projektierte Spielplan und die Wahl der Stücke in der Erösfnungsoorstellung zeigen, daß der Leiter der Bühne, Robert Pirk, seine Ausgabe ernst nimmt, daß er aus künstlerisches Niveau hält, wie es auch für den ganz auf Ernst und Feierlichkeit gestellten Raum am besten paßt. DieElektro" des Sophokles ist aber selbst für dieses weibeooll« Haus zu feierlich. Man mag über den großen griechischen Tragiker und oie heutige Lebensfähig- keit seiner Dramen denken wie man will, in der gestrigen Auf- führung derElektro" unter Emil Geyers Regie, herrscht nur e i n Eindruck vor: monumentale Langweil«. Soviel tragische Größe erdrückt, und zurück bleibt in uns das qualvolle Gefühl, Zeugen blutigen Geschehens zu fein, besten Motive uns barbarisch vor- kommen. Die Darstellung so gesteigerter schicksalhafter Tragik hat für uns nur Sinn in neuerdachtem Stil. Emil Geyer wählt das übliche: getragene Deklamation, wie wir ste aus jeder Schulau?- führung gewohnt stnd. Die Fehlbesetzung der Titelrolle mit Ellen Neustädter machte das Ganze noch unerträglicher. Zur Königs- tochter sehst ihr das äußere Format, sie glich einem vogierenden dämonischen Zigeunermädchen. Frei vom deklamatorischen Pathos war nur Rose L i e ch t e n st e i n als Königin, die eine eindrucks- volle persönliche Note in ihre Rolle legte. Eine Ueberraschung bildete Geyers Inszenierung von KleistsZerbrochenem K r u g". Dieselben Darsteller, eben noch'von bleischwerer Würde, wurden hier zu lustigen Koboldfiguren. Das Lustspiel, aus einem Kinderherzen geboren, erwies wieder feine fröhliche Lebensfrische. Franz Stein versuchte als Dorfrichter einen übergrotesken Typ zu schaffen. Es gelang ihm nur halb, weil es mit der Sprechtechnik haperte. Er brachte aber doch die Lacher auf seine Seite. Es wurde lehr brav gelpiell, am besten von Florian K i e n z l. Franz Pauli und Rose L i e ch t e n st e i n. Dgr. Rheingold" in der Stadioper. Die Städtische Oper ist noch in der Periode ihrer Borbereitung. Sie stellt mit Fleiß ihren künf- tigen Abonnenten ein Repertoire zusammen. So sei ihr«in« un- genügend präparierte, stimmungsschwacheRheingold"-Aufführunq verziehen. Nur Hast erklärt solche Unfertigkeit oder ein« etwas bequeme Uebernahme aus dem alten Bestand des Charlottenburger Opernhauses. Das sollt« nicht sein, auch nicht ein einziges Mal Der junge Kapellmeister Reuß hatte bei den Proben nicht ge-

nügend auf Klangreinheit, Zielsicherheit und Notenfestigkeit des Orchesters geachtet. Die schwellende Schönheit fehlte den Walhall- und Rheintöchterszenen ebenso, wie den Nibelungenszenen das rhythmisch Ausgearbeitete. Die Bilder blieben im Rahmen des üb- lichen. Licht, Dunkel und Wolkenzug hatten Lebendigkeit, aber die gigantisch aufragende Götterburg war in einen auf Wolken ruhen. den Kandelaber verwandelt. Bon den Sängern stellte nur Desider Z a d o r eine wirklich kernige, wahrhaftige in Ton und Sprache vorbildliche Figur auf die Zwergenbeine Alberichs. Alles um ihn her war Halbheit, am gcsestigsten noch D itters(Wotan). Hötie Floßhilde sich nicht schon müde gesungen, so wäre Erda eindrucks- voll geblieben. So aber stieg Äenne Mancher nicht nur sigür- lich, sondern auch tonlich in die Tiefe. Perrons Loge litt an einer Starre, die dem Symbol des Feuers nicht ähnlich war und weder Fricka noch Freia machten charaktervolle Figur. Auf den Singstimmen mit pointierter Sprache oder weichem Gesang aber ruht die Wirkung desRheinqold". das in seinen draniatiscben Festen sonst leicht erzittert. Eine gründliche Neueinstudierung tut not. Sie wird in vielen Proben zu erreichen sein, wenn Ruhe nach fiebriger Arbeit in das Haus eingezogen ist. In acht Tagen sieben Opern neu hergerichtet und blankgeputzt das geht eben nicht- K. S. Der Alpennaturfchuhpark In Salzburg . Der Berein Natur- fchutzpart bemüht sich, um die Ausaestaltuna eines Alpennaturschutz- partes im Solzburgischen. Durch das Entgegenkommen eines Aus- fchußmitgliebes war es bereits möglich, fünf im Privatbesitz stehend« Alpen im Flächenmaß von 12 Ouadratkilometern als Grundstock anzukaufen. Jetzt sind Verhandlungen mit dem öfter- reicknschen Staate im Gange, um den ringsum liegenden Staats- besitz ziizupachten und dadurch den Alpenpark auf ein natürlich a!>» geschlossenes Gebiet von 120 bis 150 Ouadratkilometern abzuninden. piejer neue Park umkaßt vier Seitentäler des Pinzgaues, nämlich das stubach-, Dorfer Oed-, Ammer- und Fclbertal mit dem Tauern- moorsee, Wcißsee, Grünsce, Ammersee , Hintcrsee, Glanzsee und Karsee . Er wird im Osten vom Hocheiser, Hohen Riffl und den Gletschern des Kaprunertals, im Westen vom Kamm des Hollers- asiGtals begrenzt. Im Süden lehnt sich das Gebiet an die gewallige Kette der Hohen Tauern an, vom Hochgaster über Sonnblick. Granat- spitze und Eiskögele bis zum Großqlockner, dem König der öfter- reichischen Alpen . Den Kern des Gebietes werden Ammertal und Dörfer Oedtal bilden, zwei weltentlegene Täler, die bisher von Touristen kaum besucht worden sind und sich durch Wildreichtun, (Gemlen und Rotwild) und herrliche Wälder, zum Teil Urwald auszeichnen.' 3« Zenfralchra'er gelangl heute«benb.Werak*«nr Auffiiiruna««x nicht wie irrtümlich in der»orgenauSgade stand,»Hilst, ein ttlnd ist vom Himmel gefallen". 1 lach« vrahe, Steruwarke. Auf der kleinen Instl Hveen im rer-fimv mitten»wischen Dänemark und Schweden , llegen die Ruinen von U?.ni?n. borg, der beiühmten Tlernwart« des Astronomen jh-fi.«ruh. 199« werden es 850 Jahre, das, der grobe«stronom htn 2Lunb ,'u Uranlendorg qrlogt bat. und au« diesem«nie* will vi- Schwedische Phvfiograpbifche Wesillschast, die es all Tbrenvflt-Ht Schweden « betrachtet, die Ruinen vor völliger vernichwng ,u bewahren eine«eld. M�Ä�m so».' äUC®r5<,UU"8 Mn Ur"rt«5«8«Wd-Alche.