iüsnfcer Heime in Deutschland gemacht oder gar durch- .iSführt wurden, beruhen sie auf dem Mißverstehen des ruffi- fchen Vorbildes. Kommt man nach Georgien und nach seiner Haupt- sticht T i f l i s, so tut sich ein weiteres Bildungsproblem auf. das auch für uns noch voller Aktualität ist. Wenn man nach dem Besuch des ganz europäischen Leningrad (Petersburg ) und des h a l b a s i a t i s ch anmutenden Mos- kau wegen der Gleichheit der Sprache noch an die Einheit eines russischen Volkes glauben konnte, so treten einem vom Betreten der grusinischen Heerstraße an so verschiedene Typen entgegen: es erklingen so verschiedene Sprachlaute, daß man die Nationalitätenfrage als brennende Kulturfrage Bv.ßlands begreift. Und hier ist zweifellos eine positive Lösung gefunden, die durchführbar war. weil sie ja keine besonderen Mittel erforderte. Hatte der Zarismus den ver- schiedencn Nationalitäten eigene Schulen im allgemeinen vor- enchalten, hatte er z. B. besonders die deutschen Schulen in der letzten Zeit in maßloser Weise verfolgt, so haben die Bolschewisten ihnen allen eigene Schulen, eigene Lehrer- bildungsstätten, ja sogar eigene Unioersitätsabtellungen ein- gerichtet. Es ist sicher, daß sie dadurch viele, namentlich von den Lehrern für sich gewonnen haben, die dem System an sich fremd, wenn nicht gar feindlich gegenüberstehen, aber genau wissen, daß die Wiederkehr des alten Regimes für sie sofort den Verlust dieser Rechte bringen würde. In deutschen Schulen und Kinderheimen, wo keine fremde Sprache zwischen uns stand, habe ich die Feststellung, daß die Nationalitäten sich natürlich bis zur�Grenze des politiscfzen Regimes frei entfalten können, mit Sicherheit machen können.
volksentstheiö über Locarno ! Statt Neichstagsauflösnng? D;e„B. Z. am Mittag" weiß zu melden, daß die Rumpf- regierung die Veranstaltung eines Volksentscheids über Locarno in Erwägung zieht. Diese Idee ist unseres Wissens zuerst im Pariser „Temps" aufgetaucht. Jetzt soll sie in der Konferenz der Rumpfkoalition, die der Reichs- kanzler zum Dienstag einberufen hat, erörtert werden. Für den Volksentscheid wird angeführt, daß er ein reineres Vild des Volkswillens ergebe, als eine Reichstags- Neuwahl, bei der z. B. auch Anhänger des Vertrags aus alter Parteianhänglichkeit für die Deutschnationalen stimmen könnten. Wäre dieses Argument ernst gemeint, so könnte man den erstrebten Zweck auch erreichen, indem man die Neuwahlen mit einer Volksabstimmung verbindet. In Wirklichkeit handelt es sich aber nur um ein taktisches Manöver zu dem Zweck, die Neuwahlen zu vermeiden und den alten Reichstag zu behalten, in dem die Rückkehr zum Rechtskurs immer noch leichter möglich ist, als sie in einem neugewählten sein würde. Nach der Reichsverfostimg hat aber die Regierung keine Nlöglichkeit. von sich aus im gegebenen Fall den Apparat des Volksentscheids in Gang zu bringen. Sie müßte zu diesem Zweck erst ein Zehntel der Stimmberechtigten für die Stellung eines Volksbegehrens mobilisieren. „ Aus dem Volksentscheid wird nichts werden: die R e i ch s- kagsauflösung allein kann tragfähige Grundlagen für die fernere Politik des Reiches schaffen.
Günstiger Stanü öer Entwoffnungsfrage. London , Zt. Oktober.(WT23.) Nach einer Meldung der ..Times" aus Berlin kann gesagt werden, daß das?l brüst ungs- Problem sei» endgültiges Stadium erreicht hat. De : in der letzten Zeil gemochte Fortschritt wird sehr befriedigend angesehen, und wahrscheinlich wird gesunden werden, daß die noch ausstehenden Forderungen der interalliierten Kommission vom mili- törischcn Standpunkt aus gesehen, nicht länger einen Grund für eine weitere Besetzung des Kölner Gebiets bieten.
Die Schule öer Dame von Welt. Dan Hans Tintner. Im froirzösischen Schnellzug, irgendwo an der belgischen Grenze. Wir fliegen an zerschossenen Dörfern vorbei. Dachgebälk, durck) das de? Wind bläst— Schutthaufen,— eingestürzte Mauern, auf denen bunte Blumen wachsen. Bei der letzten Station ist ein etwa fünfjähriges Mädchen mit ihrem Papa eingestiegen. Die beiden unterhalten sich ohne Unter. brechung. Halblautes Geflüster, hie nud da freundliches Lachen. Die Kloine ist entzückend. Sie sitzt neben mir und ich richte ein paar Worte an sie. Papa besucht mit ihr die Tante in£ Harleroi. Aus einem Futterkörbchen, das an einem Riemen um ihren Hals hängt, holt sie mit ungeschickten dicken Fingerchen eine kleine Papiertüte mit Bonbons hervor, angelt sich eine knollrote Zucker- Himbeere heraus und will sie ins Mäulchen stecken. Der freundliche junge Papa wird plötzlich ernst:„Denise!'"— Sie stutzt, erinnert sich— und bietet mir errötend den schönen Bonbon an. Papa ist scheinbar fassungslos:.Mais— Deniseil" Da zieht die kleine Denise erschreckend das Patschhändchen zurück und hält mir die kleine Tille mtt den unberührten Zuckerln entgegen. Ich kann nicht refüsieren. Papa lächelt entschuldigend: „Sie Hot Reisefieber— sonst macht sie so etwas wirklich nicht mehr!" Kleine wohlerzogene Denise! In zwanzig Jahren wirst du ein« auserlesene Gesellschaft in deinem entzückenden Salon versammeln. Wirst goldgelben Tee in dünne Porzellantäßchen gießen und mit weicher Bewegung anbieten. Ms Dame von Welt wirst du über fremde Länder und Dichter reizvoll zu plaudern oerstehen. Man wird deine Frisur, deine roten Lippen und deine schmalen weißen Hände bewundern. Du wirst in allen gesellschaftlichen Künsten so sicher sein, daß du mit einem Augenaufschlag den Himmel versprechen kannst. Aber erröten— so hold erröten, wie ich es sah—, das wirst du bcckd verlernt haben, klein« Denise!
Wahre Mauke und falsche Mauke und die Moral davon. Plötz. Ii r;cii bei Robert in Paris oll seine teueren Anverwandten aus d; ooinz und dazu noch ein Anhängsel, ein ganz komischer Kauz. '. u'ich dichtet, und Roberts Tante, die natürlich kom-oniert, Vi. Be.erllt man, daß Eugen Burg den Robert und Gisela W« r b« z i r k die Tante au« der Provinz spielt, dann weis, man ungefähr worum es sich handelt, wenn im Kleinen- Theater die ,Ä l a r m g l o ck e", Lustspiel von Hennegiün und El 0 0 l u S, beginnt. Am Ansang wird nämlich Robert von der Maute gczwicki. Zu Ende soll es plötzlich sein mit dem Bummel- leben. Seine Freundin, die nämlich«, die ihrem legitim« Gatt«
Der öeutsch-italienische tzanöelsvertrag. Gegenseitige Meistbegimstigmig. Rom . Zl. Oktober.(Agenda Stesam.) Der Ministerpräsident Mussolini und der deutsche Botschasler in Rom Freiherr von Neurath unterzeichneten gestern abend deu deutsch . italt?- nischcn Handels- und Schissahrtsvertrag. der aus der Grundlage der gegenseitigen Meistbegünstigung süßt.
§aschistsnbljanz für üeutsche Spießer. Ter römische Hugcnbcrg-Korrcspondeut erzählt... Der„Lokal-Anzeiger" hat in Rom einen Korrespondenten namens Gustav E b e r l e i n. Der Mann ist ein Verehrer Mussolinis und überschlägt sich den faschistischen Behörden gegenüber in Beteue- rungen seiner Ergebenhell. Aber er ist dabei so unbegabt, daß gerade er bereits zweimal wegen„ungeschickter" Bemerkungen in seinen Berichten aus Italien ausgewiesen werden sollte. Ilm sich wieder Licbkind zu machen, hat er einen Artikel„Drei Jahre Faschismus" verfaßt, der ein Musterbeispiel von Kriecherei ist. Danach wäre Mussolinicn so ziemlich das herrlichste Land Europas in polllischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht.„Der Arbeiter verdient gut. der Unternehmer verdient gut, der Kaufmann wird rund und rosig da» bei." Nun ist cm der Hand offizieller Statistiken nachzuweisen, daß der Barlohn der italienischen Arbeller seit der faschistischen Herrschaft ständig gesunken ist, obwohl die Teuerung ständig zunahm. 1922 betrug der Durchschnittsbarlohn, noch einer Ausstellung oer staatlichen Unfalloerstchcrungskasie, 18,13 Papier - liren pro Tag, 1924 nur noch 17,01. Der R c a l lohn ist seitdem noch mehr gesunken, zumal die Papierlira an Wert weiter verloren hat. Der llolienischo Arbeller hat einen Tagesverdienst von 3 bis 3,50 M. Für die w i r t s ck a f t l i ch e n Segnungen des Faschistenregimes spricht schon der Rückgang der llalienischen Währung. Und wie ..rund und rosig" die Kausleute dort werden, zeigt die Statistik der Konkurse: Im Jahre 1922 betrug deren Zahl 3570, im Jahre 1924 7280, im Jahre 1925 wird sie noch größer sein. Ueber die politischen Segnungen des Faschismus könnte sich der„Lokal- Anzeige?" und sein Korrespondent bei den Deutschen Südtirols erkundigen. Aber das Schicksal deutscher Minderheiten kümmert diese„nationalen" Herrschasten wenig. Die Hauptsache ist für sie. daß Mussolini im buchstäblichen Sinne des Wortes ein Sozialisten- töter ist. Hoch soll er leben! Die Probe auf daS Exempel. Rom . 31. Oktober. (WTB.)„Popow dPiolia" meldet, daß heute 2000 Arbeller in den F i a t w e r k e n von Turin entlassen werden sollen. Das Blatt teilt mit. daß die faschistischen Gewerk- schasten gegen eine derartige plötzliche Entlassung so vieler Arbeiter protestiert Höllen.
vor einen allgemeinen firabeeaufftanö! Kairo alS Zentrale. Paris . 31. Oktober. (WTB.) Der Berichterstatter der„Chicago Tribüne" in Damaskus berichtet, daß der dokumentarisch« Beweis Lit eine panarabische revolutionäre Bewegung gegen Frankreich , England und Italien mit dem Ziele einer Er. Hebung der islamitischen Bevölkerung und der Bertreibung der«uro. päischen Mächte aus Afrika und Asien erbracht worden sei. Die Dokumente befänden sich im Besitz des Bertreters der„Chicago Tri- bune". Der Ausgangspunkt der Bewegung sei Kairo . Der syrische Führer der Dolkspartei, Dr. S ch a b a n d c r. der aus Damaskus von den Franzosen vertrieben worden sei, steh« in Verbindung mit der Bewegung. Die Verbindung zwischen den syrischen Ausständi- schen und der panarabischen Bewegung gehe aus den Dokumenten hervor. In diesen Dokumenten würden gegen die als Generalresi- denten in Syrien herrschenden französischen Generäle die schwersten Anklage» erhoben, und es werde erklärt, die Stunde sei gekommen, Afrika und Asien von Frankreich , England und Italien zu befreien. Ein zweites Dokument sei von dem Komllee zur Befreiung Afrikas mit dem Hauptquartier in Kairo unterzeichnet worden. Es werde darin die syrische Aufstandsbewegung begrüßt und dazu aufgefordert. den Risleuten zu helfen. Eines der ersten Ergebnisse der Be- schießung von Damaskus durch die Franzosen sei die Bildung von politischen Abteilungen unter Führung von Mossto Bey Asbakri, eines Mitgliedes der syrischen Volkspartei.
so anmutige Harner aussetzt, und die von der klastischen Diva für solche Spezialitäten, von Frau Limburg , gespielt wird, zieht sofort die Marmglocke, Robert muß sich schonen, er muß vom Bummel ins Bett und in den Schoß der Familie. Und Robert fühlt, daß die Mauke scheußlich ist. Bald fühlt er, daß die Mauke entzückend ist, denn sein Nichichen aus der Provinz legt die Brille ab, die sie eben trug, und sie hat auch einen wunderschönen Mund. Kurz, verliebt sein, ein Rutsch bis noheran an die Grenze des Ehebruchs. Schließlich ein Ruck, der bis in die Zehe hineingeht. Allerdings scheint die Mauke, die am Anfang des Stückes echt war, jetzt geheuchelt. Robert will verzichten, damit das Nichtchen den braven Ehemann behält. Es bleibt nur noch die Tante, die sich von der Provinzeule zum Muiikstar von Folies Bergere entwickelt. Da Frau Werbezirk diese Entwicklung vornimmt, ist die Sache durchaus sehenswert. Eugen Burg jagt seinen Leillen den richtigen Schwank - furor in die Glieder. Man frage nicht, ob alles Hand und Fuß hat, es hat sehr häufig sogar Geist. M. H. Diskussion um die Volksbühne. In der düster-grauen Aula in der Weinmeisterstroße halle sich ein Teil der Doltsbühnen« j u g e n d versammelt. Um die Volksbühne sollte diskutiert werden. Der Abend war wohl nicht übermäßig fruchtoar im Erlebnis, erfreu- lich aber wegen der Frische und Kraft der jungen Theaterfreunde. Sicher wußten sie sich in ihrem Idealismus eins mit Direktor Holl, der in seinem einlellenden Referat Über den Bolksbühnen- spielplan eine Theotcrkunst propagierte, die einen Beitrag darstellen müsse zum Kampfe der Menschheit um ihre Befreiung, eine Theater- kunst also, die die Aussührungen der jetzt so beliebten leichtflüssigen Gesellschaftsstücke, zu denen uns jede innere Beziehung sehst, ab- lehnen muß. In der Aussprache wurde von feiten der Jugend mancherlei Lob und mancherlei Tadel ausgesprochen, vieles wurde angeregt, vieles an Schwierigkeiten und Differenzen aufgezeigt, wohl ein Dutzend Wünsche kamen zum Ausdruck. Zwei oder drei von ihnen könnten vielleicht in Erfüllung gehen. Sr»o. Tanzabend in Lichierfeld«. Wenn man über eine Stunde durch Berlin und sämtliche Vororte fährt und schließlich noch bei Nebel und Mondschein seinen Weg macht, so muh eigentlich etwas ganz Leson- deres locken. Oder man geht auf Entdeckungen aus. Denn man die Vorführungen der Schule für Körpererziehung von Dorothea Knosve in Lichterfelde gesehen hat, hat man nichts"Großes, Neues erlebt. aber die erfreuliche Entdeckung gemacht, daß da draußen, in diesem Lichterfelde der abgedankten Beamten und reaktionären Schulen, ein junges Wesen eristiert, das es fertig gebracht hat, die verknöcherte Lichterfelder Gesellschaft für gesundhellliche und tänzerische Gymnastik zu begeistern. Dorothea Knospe sieht die Aufgabe ihrer Schule darin, die verschiedenen Systeme— Mensendiek, Bode, Loheland usw. — in eins zu verschmelzen, das ohne Akrobatik und Aeußerlichkest tägliche Hebung zur Körperkultur werden soll. Die vorgeführten Uebungen wirkten durchaus einheitlich. Die Gefahr, dl« durch Ber- Mischung der verschiedenen Systeme mll verschiedenen Grundlagen zu erwarten war, schien glücklich überwunden. Die Tanze von Dorothea Knospe selbst zeigten gute Arbeit. Eine stärkere, eigenartigere Kunst ist leider noch wenig gepflegt. Warum? Geldfrage! Schüler nehmen Zeit und bringen Geld. Ohne Geld ka»» man nicht» machen, also muß man viel Zell oerkauf«. G«««.
Der Wahlsieg in öer Schweiz . Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Ein Gewinn von sechs Mandaten und etwa 20000 Stimmen lind der glänzende Erfolg der schweizer Sozial- demokrotie bei den Nationalratswahlen. Mll den neuen Mandaten beträgt die s o z i a l d e m o k r a» tische Lertretung im neuen Nationalrat 49, r u n d 2 5 P r o z. der gesamten 198 Mitglieder des Parlaments. "Ohne die polllische Spaltung der Arbeiterschaft würden noch einige Mandate mehr erobert worden sein, in Basel auch der Sitz im Ständerat, wo unser Genosse Wullschleger 9954 Stimmen, seine beiden bürgerlichen Gegenkandidaten 7289 bzw. 4489 Stimmen erhisllen, dem elfteren also zum absoluten Mehr nur 912 Stimmen fehsten. Auf den zweiten Wahlgang hin werden sich die feindlichen bürgerlichen Brüder voraussichtlich verständigen, um die Wahl des Sozialdemokraten zu verhindern. In Genf ist der bisherige sozialdemokratische Vertreter im Ständerat, Genosse B ü r k l i n, wiedergewählt worden. F a st in allen Kantonen(jeder Kanton ist ein Wahlkreis) und ebenso in den meisten Gemeinden erfuhren die sozialdemokra- tischen Stimmen gegenüber 1922 eine Vermehrung, so daß es wirklich auf der ganzen Linie seit drei Jahren vorwärts gegangen ist. Im Kanton Zürich allein ist unsere Stimmenzahl von 32 000 aus 41 000 gestiegen. Dieses gute Wahlresustat ist auch ein« erfreuliche wuchtige Vertrauenskundgebung des lohnarbeitend en Volkes für die Sozialdemo- k r a t i«. Umgekehrt steht es mll den Kommuni st en, die in der bekanten Weise den Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt haben und dadurch dieser bedeutenden Abbruch wn. für sich selbst aber einen großen Gewinn erzielen wollten. So haben sie allein in ihrem zweiten Hauptquartier Zürich (erstes Basel ) nur 3251 Stimmen erhalten gegenüber 4100 im März 1925 bei den städtischen Wahlen und gegenüber 3800 Stimmen bei den Nationalratswahlen in 1922: in der Industriestadt Winterthur (Kanton Zürich ) ging die kommunistische Stimmenzahl von 597 in 1922 auf 299, um die Hälfte zurück, trog oder vielmehr wegen der wilden Agitation gegen die Sozialdemokratie. Die Kommunisten erhielten 3 Mandate statt der bisherigen 2: das neue im Kanton Schaffhausen , wo unsere Partei k e i n e y eigenen Kandidaten ausstellte und daher manche unserer Genossen wie auch die Grütlianer für den Kam- munisten stimmten, so daß er nur dieser Hilfe seine Wahl verdankt. Der Gewinn unserer Partei ist auf Kosten dreier bürger- licher Parteien errungen worden, indem die Vertreterzahl der reaktionären Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei von 35 auf 30, der katholischen Partei von 44 auf 42 und der reaktionären protestantischen Partei(,.Lib«ra!-demo> kratische Partei� von 10 auf 5 zurückgegangen ist: dagegen hat die stärkste bürgerliche Partei, die freisinnig-dem akratische eine Vermehrung von 58 auf 60 erfahren, die sie z. B. im Kanton Zürich ausschließlich den Angestellten verdankt, die ein« umfassende Agitation entfalteten, um ihren auf der demokra- tischen Liste gestandenen Verbandssekretär durchzudringen. Unsere Fraktion ist nun an die zweite Stell« ge- rückt im Nationialrat und das energische Lestreben der katholischen Fraktion« diese von ihr bisher eingenommene Pofuion auch fernerhin zu behaupten, war nicht van dem erwarteten Erfolg begleitet: sie ist nun auf die dritte Stelle zurückgeschraubt worden. Obwohl ja die Verschiebungen in der Zusammensetzung des neuen Nattonalrotes nicht erschütternde sind, so hat man doch das Gefühl, daß cm politischer Sturmwind durch das Schweizerland fegte, die reaktionäre, volksfeindliche Polstik der bürgerlichen Parteien verurteilt und gebrandmarkt wurde. Muß doch die gesamte bürgerliche Presse den allgemeinen Ausschwung der sozialdemokratischen Partei offen zugeben und sie wird sich dann auch noch Rechenschast über dessen Ursachen geben und die bisherige roaltionäro Politik de? Bürgertums kritisch prüfen und in Uebereinstimnmng mit dem Linkskurs der Nationalrats- wählen entsprechend revidieren müssen. Wenn das Bürger- tum sein« reaktionäre Politik beibehält, so kann es nur der weiteren Erslartung unserer Partei förderlich sein. Die sozialdemokratische Presse bringt in ihren be- geisterten Wahlbetrachtungen die frohe Sieges st immung der Arbeiterjchast zum erhebenden Ausdruck. Mit besonderer De- friedigung wird daran erinnert, wie die bürgerliche Presse das ganze Jahr hindurch vom angeblichen„Niedergang der Sozialdemokratie" schwindelt, vom Massenobsall der Arbeiter, vom Bankrott der sozial- demokratischen Bewegung usw., was nun durch den wuchtigen Auf- marsch von 200 000 Wählern jür die Sozialdcmokratte gründlich widerlegt ist.
Zum Geburtstag de« Rundfunks . Der Berliner Rundfunk ist soeben zwei Jahre alt geworden. Daß man selbst einem zweijährigen Kinde an seinem Geburtstag gratuliert, verlangt die Häslichkeit. Aber unser Glückwunsch wird auch mit Herzlichkest dargebracht, well wir wissen, daß die Massen am Radiohörer schon manche schöne Stunde verlauscht und verlacht haben. Oesters tonnte man, be» sonders der republikanische„man", sich mich ärgern. Dann wurde dem Kinde ein Klaps gegeben, und wir sollen hoffen, daß es ihn gefühlt hat. Mutter Germania hat ihren Panzer längst beiseite ge- legt und ein schwarzrotgoldenes Kleid angezogen, da geht es nicht, daß das Rodiobaby in schwarzweißroten Windeln noch einen Troum von 1913 schlummert. Im übrigen kann den Ammen Knöpfte. Braun und wie sie noch heißen mögen, ein gutes Zeugnis ausgestellt werden. Sie bemühen sich um Vielfalt in Wort und Ton, Unter- Haltung und Belehrung. Vielleicht wäre es gut, wenn sie den Kinder- wagen nicht so oft in"den rosaroten Rosenhag unangebrachter Sorg. lofigkeit schieben würden. Aber es ist natürlich nicht einfach, ein Erzrehungsprogramm aufzustellen, wenn hunderttausend Tonten dazwischenreden, wamst sie allerdings nur von einem demokratischen Rechte Gebrauch machen, dos ihnen für ihre 2 M. monatlicher Cr- ziehungsbeihilfe gewährt worden ist. Der Junge wird schon groß werden. Und hoffentlich auch ein tüchtiger Staatsbürger. Da ja jetzt schon so viele auf den zweijährigen Buben hören, ist dos wirklich wichtig. Leo Makkhias bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung: Ich protestiere gegen die Ausführung meiner Komödie„Klavier " am Sonntag mittag im Theater in der Klosterstraße. Meine Einsprüche auf der Hauptprobe wurden in keiner Weise berücksichtiat. Ich wurde im Gegenteil vom Regisseur, Herrn Lhermann, mit Gewalt aus dem Hause entfernt. Mein Protest richtet sich keineswegs gegen die Schauspieler, die sich mit großen Opfern für die Sache eingesetzt haben, sondern allein gegen die schädigende Regie des Herrn Lhcr- mann.
Erflimifithrvngen der Woche Aloal Nenaissanceth.:.Da? Leben, da? ich dir gab'. Dienst. B e r I i n e r T b.:„Antonia".— Freit L es si v g. t b:.Die grüne Zlöte'.— Saanab DolkZbühne:. Judith'.— T h. am Schiffbauerdamm:„Die jüdische Ditive'.— D! e t r o p o I t h: .Ii« n», Kanette". Nraala vorträze-Theaser. Nont.(ö.T), Dienst.,!?!ittn>.. Donneret. 0»), streit.(5,9), Sonnabd.(5):.Neiseerlebnitse aus den Fidscht« ynsein'.— Sonnabd.(7). Tonnt.(5):„Johann Strauß'.— Äont.. Dienst..(9). Miiüv.(7), DonnerZI.(9):„Mit Meister Zilledurch Berlin'.— Dienet.(7):.Her�töneoerstürlung und st e r n. üdertraaung der menschlichen He r!,töne.'— Mtltw.(9): �henrtz stords Rielenbetriebe.'— DannerSi. 11), Tonnt.(9): .Da»»> n e si I ch« R ä t I e l.'— streit., Sonnabd, Sonnt.(7): ,D i« ranzösiiche und Ivanische st remden legis n.'— HZr aal: Sannab"., Sonnt.(6):.Andcrien. Märchen» Nachmittag".— Moni, bi» Sonnt.(8):.Ernährung und Kenug'— Moni. i7)! �Handichristund Tharatter.'— Dienst<S): ,D i h u a n a c u, der Untergang einer Welt.'— Mitlw.(7):.Goethe» starbenlehre'— Donneret.(?): ,D i e Grundlagen der Starkstromtechnik.'— streit.Heinrich Heine .» Zvdd? Zmpckove». die am S. November im Retropol-Theater ihren Tanzabend gibt, feiert am selb« Tag ihren 2t. Geburtstag.