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Nr. 18143. Jahrgang

3. Beilage des Vorwärts

Anhaltende Krise am Arbeitsmarkt.

Trotz steigender Börsenkurse und sinkender Zinssätze!

Die großen Hoffnungen, die ein Teil der deutschen Wirt­schaft an die Verflüssigung des Geldmarktes und an die steigenden Börsenkurse knüpfte, find bisher durch die Vorgänge am deutschen Arbeitsmarkt noch durch nichts gerechtfertigt. Gewiß verzeichnet die amtliche Statistik einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im März. Bis zum Borliegen genauerer Berichte jedoch muß abgewartet werden, ob nicht die Abnahme der Erwerbslosenzahl eine st ati­stische Täuschung ist, die dadurch entstehen kann, daß ein Teil der Erwerbslosen nach Ablauf ihrer Unterstützungsberechtigung nicht mehr als erwerbslos" gezählt wird. Jedenfalls ist in großen Industriegebieten die Lage noch anhaltend trost los. In Berlin hat in der letzten Woche die Arbeitslosigkeit fo­gar noch zugenommen, obwohl eine erhöhte Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und verwandten Berufen gemeldet wird. Im einzelnen berichtet hierzu das Landesarbeitsamt Berlin :

Die Arbeitsmartflage in Berlin .

Gegenüber den Borwochen, die eine Abnahme der Arbeitslosig­feit verzeichneten, weist die letzte Woche eine Steigerung mit 2500 Personen auf. Das Sinfen des Beschäftigungsgrades macht fich am stärksten in der Industrie bemerkbar. Die erhöhte Auf­nahmefähigkeit von Landwirtschaft, Gärtnereien und anderen fleinen Gruppen vermochte nicht den Zugang der Arbeit­suchenden auch nur annähernd auszugleichen. Der anhaltend hohe Stand der Arbeitslosigkeit wirft sich immer mehr auf den verschiedensten Gebieten der Boltswirtschaft aus. Insbesondere

wenn

man

Auch gegenwärtig widersprechen" sich wieder die Berichte der Wirtschaftspolitiker und Arbeitsmarktpolitifeer. Während dieser immer nur berichten kann, daß die Arbeitslosigkeit mit außerordentlicher 3ähigkeit andauert, find die Wirt schaftspolitiker der Ansicht, daß die Konsolidierung der Wirtschaft Fortschritte gemacht hat. Der Widerspruch verschwindet, berücksichtigt, daß die Konsolidierung dte Zusammenziehung der Produktion auf die leistungs­fähigsten Betriebe, die Anpassung der Erzeugung an den tatsächlich vorhandenen Absatz und die Senkung der Produk­tionskosten auf Kosten des Arbeitsmarktes gehen. Hält man sich diesen Gesichtspunkt vor Augen, so wird klar, daß man mit einer längeren Dauer der ungünstigen Lage des Arbeitsmarktes rechnen muß, wenn man auch mit der Fort­dauer des jetzigen Tiefstandes nicht zu rechnen braucht. Für den Arbeitsmarkt find zwei Tatsachen ausschlaggebend. Die Fähigkeit der Industrie, Menschen zu beschäftigen, finft, und die Fähigkeit, Güter zu erzeugen, steigt, und zwar ent­wickelt sich die Menschenbeschäftigung und Gütererzeugung schnell auseinander. Diese an sich normale Entwicklung wäre nicht so schlimm, wenn sie gegenwärtig nicht recht plöglich fäme. Ferner fehlt der Wirtschaft durch die ungünstigen allgemeinen Berhältnisse die Kraft, für die freigewordenen Arbeitsfräfte zum Ersatz der verlorenen Arbeitspläge in neuen Industrien, in den produktionsmittelherstellenden Industrien und im Baugewerbe neue Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. Die schlechte Beschäf tigung des Baugewerbes wirft jetzt besonders brüdend. Das Baugewerbe hat neben der Landwirtschaft und dem berg­männisch betriebenen Bergbau in besonders hohem Maße die Fähigkeit, Menschen zu beschäftigen.

Schwere Funktionsstörungen.

macht sich dieses in dem Ginten des Inlandskonsums bemerkbar. Hierbei ist erwähnenswert, daß sich auch das Export­geschäft durchaus nicht beleben will. Die Lage für Angestellte ist deshalb nach wie vor als ungünstig zu bezeichnen, wovon besonders ältere Kräfte betroffen werden. Der Rüdgang der Beschäftigungs - Es ist natürlich richtig, wenn die gegenwärtig noch anhaltende verhältnisse scheint deshalb nicht in letzter Linie in einem Auf- Arbeitslosigkeit zu einem wesentlichen Teile mit der Zusammen­tragsmangel begründet zu sein. In dieser Hinsicht ist beziehung der Produktion auf die leistungsfähigsten Betriebe be­merkenswert, daß selbst die Reichsbahn einer größeren Waggon- gründet wird. Die U mgruppierung der Arbeiterschaft, die in fabrik teine neuen Aufträge erteilen konnte. Troß des unzweifelhaft einem solchen Augenblick eintritt, pflegt nach allen Erfahrungen bei vorhandenen Bedarfs an Wohnräumen will auch die Neu- früheren Krisen niemals ohne schwere Erschütterungen des Arbeits­bautätigkeit nicht recht in Gang tommen. Auch die Umbau- und Reparaturarbeiten scheinen nur auf das allernotwen marktes vor sich zu gehen. Die Frage ist jedoch, ob die Arbeits­digste Maß beschränkt zu bleiben, ganz abgesehen davon, daß für losigkeit mit einer derartigen Schärfe und Hartnädigteit Industriebauten infolge der allgemeinen ungünstigen Wirtschaftslage um sich greifen mußte, wenn das Privatkapital alles getan hätte, so gut wie fein Bedürfnis vorhanden ist. um die rasche Ueberwindur ng der Krise zu fördern. Kon­zentration der Produktion bedeutet Kostensentung. Diese Kostensenkung kann durch eine Senkung der Preise einer erheb= lichen Steigerung des Absatzes und damit auch erhöhter Be­schäftigung dienst bar gemacht werden. Von einem Preis­abbau ist aber in der Industrie fast nirgends die Rede. So muß es kommen, daß infolge Absatzmangels die Beschäftigungslosigkeit weiter andauert.

Es waren 244 883 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein­gefragen, gegen 242 269 der Vorwoche. Darunter befanden sich r65 078( 163 968) männliche und 79805( 78 301) weibl. Personen. Unter­ftügung bezogen 134 674( 132 388) männliche und 56 235( 55 262) weibliche, insgesamt 190 909( 187 650) Personen. Am 16. April 1926 waren bei Notstandsarbeiten beschäftigt 3832 Personen. Außerdem wurden bei anderen Arbeiten der Stadtgemeinde Berlin am 16. April d. J. 12 080 Personen beschäftigt.

In allen Zweigen der Metallindustrie neigt die Entwid­lung zur weiteren Verschlechterung. Der Zugang beträgt in der Berichtswoche rund 800 Personen. Er dürfte in der Hauptfache auf Entlassungen aus einer größeren Waggonbau- und Reparaturwerk­statt zurückzuführen sein, in der sich infolge Mangels an Neuaufträgen die Arbeitsmöglichkeiten erheblich verringert haben. An Wasser­rohrlegern hat sich der Bedarf gesteigert.

Das Urteil aus der Rheinproving Zwischen dem Rüdgang der industriellen Beschäftigung und der vertrauensvollen Haltung der Börse flafft ein Widerspruch, der nicht mehr allein mit der Tatsache erklärt werden kann, daß die Börse die wirtlchaftlichen Vorgänge sozusagen vorwegnimmt. Diese Tatsache besteht, und wir haben schon früher darauf hingewiefen, daß die Beränderungen am Rapitalmartt erst allmählich fich in eine Umschichtung der Konsumfraft, größere Abfaßfähigkeit und damit wieder bessere Beschäftigungsmöglichkeit umzusetzen pflegen. Die widerstreitenden Tendenzen der gegenwärtigen Wirt­schaftslage aber sind derart, daß eine solche Erklärung nicht aus­reicht. Das Landes- und Berufsamt der Rheinprovinz versucht die Zusammenhänge zu würdigen, indem es in seinem letzten Bericht Schreibt:

Schwere Störungen aber erleidet die kapitalistische Wirtschaft noch immer von der Kapital- und Kreditseite her. Gewiß hat die Besserung am Kapitalmartte auch manchen Gewerbezweigen Borteile gebracht. In absehbarer Zeit müssen sich die großen, für werbende Zwecke aufgenommenen Anleihen der Körperschaften in Aufträge für die Industrie verwandeln. Die 3 ins politik der Banten jedoch mit der Aufrechterhaltung einer außerordentlich hohen Spanne zwischen Debet- und Kreditzinsen trägt dazu bei, die Kreditversorgung großer Industriezweige künstlich hintanzuhalten. Es ist zweifellos ein Verdienst, das sich der frühere Staatssekretär Prof. Dr. Hirsch erworben hat, wenn er darauf hinweist, daß noch heute eine außerordentlich toft spielige

private Zwangswirtschaft der Banten am Kapitalmarkt besteht. Die Kredite, damit auch die Finanzierung der Güterpro­duktion und des Absages, können nicht entsprechend den Bedürfnissen der Wirtschaft gesteigert werden, so lange durch übertriebene und ungerechtfertigte Forderungen der Banken die Zahl der Kredit nehmer und der Umfang der gewährten Kredite künstlich derart niedrig gehalten wird, wie das heute dar Fall ist. Wie weit derartige, dem fapitalistischen Wirtschaftsprinzip sogar wider.

Sonntag, 18. April 1926

fprechende Störungen in den Produktionsprozeß hinüberwirken, dafür liefert der soeben erschienene Bericht des Eisen und Stahlindustriebundes einen außerordentlich interessanten Beweis. Nachdem festgestellt wird, daß sich die Lage in diesem Gewerbezweig nicht gebeffert, sondern teilweise noch verschlechtert hat, wird hier über die märkische Kleineisenindustrie gesagt:

Der Mangel an Geld und die von manchen Käufern unverantwortlich hinausgeschobenen 3ahlungsziele haben fast alleWe rke der Kleineisenindustrie in eine äußerst schwierige Lage gebracht. Die Borr äte an Vorprodukten und vorbearbeiteten Erzeugnissen sind auf der ganzen Linie auf­gebraucht. Die Betriebe tönnen nur im geringften Mate rialien beziehen. So fommt der sonderbare Zustand, daß auch bei ganz fleinen Aufträgen hier und da lange Lieferfristen erscheinen, die fich nur daraus erklären, daß die Beschaffung der Materialien für solche Aufträge nicht mehr von den Lagern, fondern gewiffermaßen tropfenweise von den Händlerfirmen der eisenschaffenden Industrie erfolgen muß.

Das hier geschilderte Mißverhältnis wäre unmöglich, wenn die Kreditorganisation der Banten reibungslos funktionieren würde. Dann wüßte nämlich möglich sein, mit Bantkrediten die Rohstoffe zur Aufrechterhaltung der laufenden und abfaßfähigen Produktion in ausreichendem Maße zu beschaffen und damit auch der Schwerindustrie bessere Beschäftigung zu bieten. Statt dessen stauen sich gewaltige Geldsummen am offenen Geldmarkt, Spefulationsgewinne merden bereitwilligst gewährt, die Produktion aber tommt nicht in den Genuß der Vorteile, die ihr die Erleichterung am Geldmarte bringen fann. Die Krise wird so verlängert und verschärft.

die Banten selbst, die über der gegenwärtigen Anfurbelung des Berantwortlich aber für diese Entwicklung find in hohem Maße Effektengeschäftes zu vergessen scheinen, daß bei Aufrechterhal­tung der gegenwärtigen Kreditmethode die steigenden Kurse sehr bald wieder zusammenbrechen müssen. Denn ohne Absatz gibt es feine Rente, und ohne ausreichende Rentabilität lassen sich die von einer zufälligen Flüssigkeit des Geldmarktes hochge­triebenen Kurse nicht halten. Daran müssen die Banken gerade in diesem Augenblid erinnert werden. Es ist eine Selbst­täuschung, wenn gewisse Kreise glauben, daß bei einer darnieder­iiegenden Produktion und einer hungernden Arbeiter­schaft die Bäume des kapitalistischen Profits in den Himmel wachsen können.

Fertigindustrie und Sachlieferungen. Welche Industriezweige und welche Länder find beteiligt? Es ist von Interesse, einmal festzustellen, welche Entwicklung der Sachlieferungsverkehr nach dem Dawesplan seit dem Inkraft­treten des Londoner Abkommens genommen hat. Nach den An­reits im ersten Reparationsjahre Sachlieferungen im Gesamtwerte gaben des Reparationsagenten Parker Gilbert hat Deutschland bea von 454,4 Millionen Mart ausgeführt. Den Hauptanteil an diesem Betrage haben natürlich die Lieferungen von fosfilen Brenn stoffen Kohle, Kots und Braunkohle-, die einschließlich der Beförderungstoften rund 70 Proz. der gesamten Sachleiftungen ausmachten. Die sonstigen Lieferungen stellten im ersten Repara­tionsjahre einschließlich der fünftlichen Düngemittel sowie der Farb­stoffe und pharmazeutischen Erzeugnisse einen Gesamtwert von Bermischte Lieferungen" in dem Bericht des Reparationsagenten Gerade diese unter der Bezeichnung aufgeführten Sachleistungen Deutschlands find mun aber von großer Bedeutung für die Hebung der Beschäftigung in den einzelnen In­duftriezweigen der Halbzeug und Fertigfabritation.

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131,3 Millionen Mart dar.

Erfreulicherweise nehmen die Sachlieferungen, die auf Grund privater Handelsabkommen zwischen den einzelnen Käufern und Verkäufern zustande kommen, in wachsendem Tempo zu. Während seit dem 1. Mai 1925, dem Tage des Inkrafttretens der Berfahrensvorschrift für Sachleistungen"( der sog. Ballenberg- Borschrift) bis Ende August 1925 erst 235 folcher Sachlieferungsverträge von der Reparationsfommission genehmigt waren, hatte sich ihre Anzahl bis November 1925 bereits auf 805 gesteigert. Bis zum 31. Januar 1926 waren ohne die Farbstoffe -nicht weniger als 1816 Privatverträge über Sachlieferungen auf Reparationstonto abgeschlossen mit einem Gesamtwert von rund 245,6 Millionen Goldmart, und am 1. März 1926 waren es 2393 Verträge im Werte von 289,5 Millionen Mark.

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