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über einem anderen Gefangenen ausgestellte Bemerkung bestätigt: Den Mordplangegen Seve ring können die Abgeordneten nicht b e st r e i t e n, da Verbindungen bestehen und ich sie be- nutzen kann. Die Papiere, die von Dammers entnommen wurden, sind zwar verbrannt, aber die Zeugen sind noch vorhanden." Schließlich beschäftigt sich der Bericht noch mit den Beziehungen Grütte-Lehders zu deutschoölkischen Führern. Er verweist dabei auf die parteiamtliche Erklärung der Abgeordneten Wulle und Kube, daß Wulle nur eine Unterredung mit Grütte-Lehder gehabt habe. Diese Behauptung habe Wulle in mündlicher Unterredung im Februar 1926 vor dem Oberstaatsan- walt Sethe wiederholt. Nach Angaben Ahlemanns ist dieser, wälz- rend er Wulle vertrat, zweimal von Grütte-Lehder besucht worden. Der Adoptivvater des Grütte-Lehder erklärt, sein Sohn habe ihm öfter erzählt, daß er mit den Abgeordneten wulle und kube nicht nur im parleibureau, sondern auch im Reichstage zusammengewesen sei. Der Zeuge Böttcher behauptet, Grütte-Lehder sei im Parteibureau der Deutschvölkischen gut bekannt gewesen und wurde, wie Böttcher selbst erlebte, immer direkt aus dem Warlezimmer in das Zimmer des Abgeordneten Wulle geführt, während Wulle nach Meinung Böttchers dort anwesend war. Der Zeuge Zahnarzt heinze bekundet von einer Unterredung, an der er und Grütte-Lehder mit Wulle teilnahmen. Dabei sei ihm die Auffassung entstanden, daß Wulle den Grütte-Lehder gut kennen müsse. Auch nach der Tat müsse Grütte-Lehder einmal im Parteibureau gewesen sein oder Herrn Wulle im Reichstag besucht haben, denn der schon erwähnte Ausweis, den er als Belohnung für die Tat auffaßt, trägt das Datum des 20. November, ist also drei Tage nach dem Morde ausgestellt. Ein Vertreter des Justizministeriums äußert sich eingehend über die Bemühungen der Justizbehörden zur Aufklärung der Angelegenheit. Dabei kommt der Kassiber vom 7. November 19Z5 zur Verlesung, den Grütte aus dem Untersuchungsgefängnis versucht hat, auf illegalem Wege herauszubringen. Er war gerichtet an die Rationalsozialistische Freiheitspartei, zu Händen der Herren Wulle. kube und Ahlemann. In diesem Kassiber wird ausgeführt, es sei geradezu töricht, die Partei jetzt noch vor Schaden bewahren zu wollen. Ich will es aber, so heißt es weiter, tun, aber nur noch unter bestimmten Bedingungen. Von einer Verpflichtung gegen Sie ist kein« Rede, weil Sie selbst pflichtvergessen gegen mich handeln. Da» Verbrechen der Anstislung, desien Sie schuldig sind, haben Sie noch überboten durch rücksichtslose Preisgabe meiner Dcrsan. Meine Verteidiger sehen für mich in einer Verbindung mit Ihnen nur Schaden. Ich erkläre, daß ich die Anstiftung umgehen werde, aber nur unter der Bedingung, daß die Partei mir annehmbare Vorschläge macht, nach denen ich nicht schlechter fahren würde, als wenn ich die Wahrheit sage. Ich hätte vielleicht Opfer gebracht, wenn Sie nicht so schändlich gegen mich gehandelt Kütten. Wich anstisten zu lassen, war Zhre Schuld. Rachher haben Sie mich fallen lassen. Ich tötete einen Menschen, weil er Verrat begehen wollte. Ich will nicht viel Worte darüber verlieren, daß Sie nicht unschuldig daran sind, daß ich mich in allen möglichen Gefängnissen herumdrücken muß. Sie müssen einen Ausweg suchen! Sie müssen nicht vergessen, daß der Gerichtsbof Ihre Mitschuld viel- leicht wird aussprechen können. Zum mindestens würden Sie in einen Skandal verwickelt. Ich werde durch Sie gezwungen. Partei­mitglieder. die meine Freunde waren, als Täter des Wördes an­zugeben. Sowohl die Anstiftung als die Seoering-Sache will ich verschweigen, wenn ich annehmbare Vorschläge von Ihnen erhalte. Oberjustizrat Wirth führt weiter aus: Die Verteidiger des Grütte-Lehder haben sich die Behauptung des Angeklagten, daß er in krimineller Weise zum Morde angestistet worden sei, vor der Hauptverhandlung nicht zu eigen gemacht. Sie haben zwar in einem Schriftsatz am 7. Dezember 192S die Ladung der Ahlemann, Wulle, o. Graes e, Graf Reventlow und Kube bean- tragt, aber nur zum Beweise dafür, daß Grütte-Lehder aus po- litifchen Motiven gehandelt habe. Der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Bombe hat diesen Antrag abgelehnt, weil die in ihr Wissen gestellten Totsachen als wahr unterstellt werden können. Die Glaub- Würdigkeit des Angeklagten wird in der Urteilsbegründung des Landgerichtsrats Vormbaum als nicht einwandfrei bezeichnet. P o- litische Beweggründe seien dem Angeklagten bei seiner Tat nicht abzusprechen. Daher habe man auf seine Veweisanlräge in diesen Punkten nicht weiter einzugehen brauchen.(Bewegung links.) Ein Ermittlungsverfahren für das geplante Severing-Atten- tat ist aus Veranlassung des Justizministeriums bei der Staats- anwaltschaft eingeleitet worden. Es seien nach mehreren Richtungen hin Anhaltspunkte dafür gefunden, daß an den Aussagen Grütte- Lehders etwas fei. Die jreiwillige Darstellung der Abge- ordneten Wulle und Kube, daß sie mit Grütte-Lehder nur einmal gelegentlich zu einer Besprechung zusammengekommen seien. erschienen, wie der Redner weiter ausführt, durch die Ermittlungen im Falle Ahlemann als n i ch t r i ch t ig. Es sind in diesem Ermitt- lungsversahren bisher mindestens drei Besprechungen festgestellt. Der Abgeordnete Wulle soll auch in Sachen Severing als Anflifler in Frage kommen.(Abg. Dr. Körner(Völi.): Das ist mir ganz neu!) verfahren gegen Nulle und kube. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, daß zur Aus­klärung dieser Beschuldigungen eine strafrechtliche Untersuchung auch gegen den Abgeordneten Wulle erforderlich geworden sei, und es wird des­halb der Antrag auf Aushebung der Immuni- I ä t gegen den Abgeordneten wulle möglichst noch heute. vielleicht aber auch erst morgen, dem Landtag vorgelegt werden. Ein entsprechender Antrag wird wegen des Abgeordnelen kube an den Reichstag gerichtet werden. Ich gebe der Erwartung Ausdruck, daß in dieses zu ge- wärtigeude verfahren der Ausschuß möglichst schonend ein- greifen wird. Abg. Dr. Körner(Dölk.): Ergibt sich aus den Akten, daß Wulle immer im Zimmer anwesend war. wenn Grütte-Lehder, wie der Zeuge Böttcher behauptet, zu ihm hereinging? Oberjustizrat Dr. Wirth: Der Zeuge Böttcher bekundet dar- über:Wenn die Abgeordneten angeben, sie hätten nur ein einziges Mal mit Grütte-Lehder gesprochen, so kann das nach meiner Kenntnis der Dinge unmöglich wahr sein. In meiner Gegenwart ist Grütte- Lehder an drei verschiedenen Tagen zu dem Warlezimmer des Partei­bureaus unangemeldet in das Zimmer wulles hineingegangen, wulle «oar damals aus der Geschäftsstelle anwesend". Damit hatte die öffentliche Sitzung ihr Ende erreicht. Der Feme -Untersuchungsausschuß beschloß in seiner nicht öffent- lichen Sitzung, die nächste Sitzung am 31. Mai. vormittags 11 Uhr. abzuhalten, um den B e r i ch t des Bericht- e r st a t t e r s entgegenzunehmen. Ein Antrag auf sofortige Der- nehmung der völkischen Abgeordneten Wulle und Kube wurde ab- gelehnt._ Der Verbindungsmann bei der Reichswehr. ?!icht Zedlitz-Wartenberg, sondern Lüttwitz-Z�rankenberg. In seiner am Mittwoch vor dem Reichstage verlesenen Er- klärung hat der stellvertretende Reichswehrminister Dr. Külz behauptet, einen Major von Zedlitz-Wartenberg. der auf Prioatdienstvertrag bei der Reichswehr angestellt sei, gäbe es in der Reichswehr überhaupt nicht. Genosse H e i l m a n n hatte in seiner Landtagsrede am Montag von einem Hauptmann a. v. von Lüttwih-Frankenberg gesprochen. doch war im Pressebericht daraus«in Major v. Zedlitz- Wartenberg geworden, vermutlich weil infolge des Obstruktions- lürms der Rechten der betreffende Name auf der Journalisten- tribüne von den Berichterstattern falsch oerstanden wurde.

Dr. Külz wird sich jetzt über den Fall des Hauptmanns a. D. v. Lüttwitz -Frantenberg äußern müssen, nachdem seine Beamten aus dem Wehrministerium ihm ein« Erklärung in die Hand gespielt haben, die sich nicht auf das amtliche Stenogramm, sondern auf einen irrtümlichen Zeitungsbericht stützt.

Demokraten und Volksentscheid. Freigabe der Stimme. Der Parteivorstand der Demokraten beschäftigte sich am Donnerstag mit der Haltung der Partei zum Volksen t- scheid und kam dabei zu dem Ergebnis, daß der Partei nichts anderes übrig bleibt, als es den Parteimitgliedern zu überlassen. ihrem Gewissen entsprechend ihre Stimmen beim Volks- entscheid abzugeben. In der Entschließung, die zu dieser Frage an- genommen wurde, heißt es: Als das Volksbegehren stattfand, konnte die Deutsche Demo- kratische Partei noch hoffen, daß aus Grund der Verhandlungen mit der Regierung und den anderen Regierungsparteien die Ausein- anderfetzungen in annehmbarer Form auf gesetzlichem Wege vor dem Volksentscheid geregelt werden tonnte. Diese Hoffnung ist heute beinahe vernichtet. Es scheint, daß diejenigen, die im Gegensatz zur Deutschen Demokratischen Partei alles auf den Volksentscheid setzten, ihren Willen durchgesetzt haben. Hierbei ließen sich die einen von der Hoffnung leiten, der Volksentscheid werde mißlingen und hinterher ein Entgegenkommen bei der ge- setzgeberischen Regelung nicht mehr nötig sein, während sich die an- deren von der Hoffnung leiten liehen, der Volksentscheid werde um so eher gelingen, je weniger es zu einer gesetzgeberischen Rege- lung kommen würde. Unsere maßvollen Vorschläge zu einer rechtzeitigen gesetzlichen Regelung haben sich nicht durch- setzen lassen. Auch der Versuch der Deutschen Demokratischen Partei, die Fragestellung beim Volksentscheid dadurch zu verbessem, daß durch ein Gesetz zu dem begehrten Gesetz die Länder zu einer angemessenen Entschädigung der Fürstensamtlien verpflichtet werden sollten, ist im Reichstag gescheitert. Auslandsdeutsche. Vertriebene, Sparer, kriegsanleihebesttzer. hypothekengläubiger, Abgeltungsbesiher, Besitzer von ausländischen Werlpapieren. Kriegsbeschädigten und die große Zahl all der anderen durch Krieg oder Kriegssolgen beschädigten haben durch Kriegsmaß­nahmen und Eingriffe des Staates fast alles verloren. In einer solchen Zeit den Fürsten die großen vermögen zu lasten, die sie nur als Herrscher ansammeln konnten, und die sie auch nur als Herr­scher zu repräsentativen Zwecken gebrauchen, betrachtet der Partei­vorstand als Anrecht. Das hierin liegende Unrecht durch eine ge- rechte Regelung zu beseitigen, hat die Deutsche Demokratische Partei von ihrem ersten Antrage an durch die ganzen Berhandlungen sich bemüht und wird sich weiter bemühen. Aus der anderen Seite vermag der Parteivorstand der Deut- schen Demokratischen Partei zur Durchführung einer entschädiaungs- losen Enteignung nicht seine Hand zu bieten, da die Deutsche Demo- kratische Partei das Privateigentum als die Grundlage jeder pro- duklioen Wirtschaftsform betrachtet und als verfassungsmäßiges Eigentum anerkennt. Bei dieser nicht durch die Schuld der Partei bewirkten Sachlage lehnt die Deutsche Demokratische Partei es ab, eine Parole für den Volksentscheid auszugeben. Sie muß es jedem einzelnen ihrer Wähler überlassen, sich nach gewissenhafter Prüfung zu entscheiden. Die Parteileitung erwartet, daß auch die Partei- organifationen im Lande die Gewissensfreiheit ihrer Mitglieder in dieser Frage durch keinerlei Beschlüsse beeinträchtigen." Volkspartei und Volksentscheid. Die D o l k s p a r t e i gibt zum Voltsentscheid folgende Parole aus:Keine Beteiligung am Volksentscheid! Jeder bleibe am 20. Juni der Abstimmung fern! Die Zustimmung zu dem kam- munistischen(I) Gesetzentwurs ist mit den Grundlagen der Deutschen Dolkspartei unvereinbar." Der Aufruf der Voltspartei, in dem diese Parole ausgegeben wird, erklärt, eine entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser verstoße gegen Moral, Recht und Verfassung, sie sei ein Rechtsbruch, ja der Anfang einer neuen Revolution.

Keine Anerkennung üer Vorkriegsbanknoten Leipzig , 20. Mai. (MTB.) Der L Zivilsenat de« Reichs­gericht« hat heute unter dem Vorsitz de« Senatspräsidenten Dr. Meyer al« Revisionsinstanz die Klagen de» Oberfeuerwehr- mannes Jänsch-Dortmund und de« Betriebsanwalts Winter» Leipzig , hinter denen der Reichsbankgläubigerverband steht, gegen die Reichsbank auf Anerkennung der VorkriegSbank- noten abgewiesen. Die Kosten der RevistonSinstanz werden den Revisionsklägern anferlegt. Di« Ent- scheidungSgründe werden später bekanntgegeben. Panikstimmung in Paris . Die Großindustrie für Inflation. pari», 20. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Bis Ende der vergangenen Woche konnte man in französischen Blättern jawohl der Linken als der Rechten Hinweise auf die verhältnismäßig große Ruhe und Stabilität finden, deren sich Frankreich in den letzten Monaten erfreue, verglichen mit den schweren politischen oder wirtschasllichcn Krisen, die eine ganze Reihe europäischer Staaten durchzumachen hatten. In Frankreich wurde diese Ruhe lediglich hie und da durch immer noch glimpflich verlaufende Mlnisterkrisen unter» brachen. Da die Krisen jederzeit wieder verhältnismäßig leicht ein- gerenkt wurden, legte die breite Maße des Volkes diesen politischen Zwischenspielen keine allzu große Bedeutung bei. Das Ausbleiben einer tiefergehendcn Erregung im Dolk war in der Tat eines der chalakicristischsten Merkmale für die innerpolitisch« Lage in Frank- reich. Trotzdem der Franken ständig abglitt, war eher ein Ab- flauen der Panikstimmung festzustellen, wie sie etwa An- fang 192S ausbrach, als das englische Pfund zum erstenmal über 100 Franken kostete. Selbst das ständige Steigen der Preis«, das in den letzten Wochen in rascherem Tempo vor sich ging als bisher, hatte die verschiedenen Schichten der französischen Bevölkerung noch nicht aus ihrer vertrauensseligen Gleichgültigkeit aufzurütteln vermocht. Rur dünne Schichten waren es, die dem Laus der Dinge aus finan- ziellein und wirtschaftlichem Gebiet sorgenvoll ihre Aufmerksamkeit widmeten. Auch unter diesen bildeten diejenigen, die an«ine Ka- tastrophe, an einen Bankrott, an eineWiederholung der Mark-Tragödie" glaubten, nur eine verschwindende Zahl. Die Rechtspresse machte zwar verzweifelt« Anstrengungen, da« sogenannte Vertrauen" des französischen Volkes zum Franken als durch die Politik des Linkskartells erschüttert hinzustellen; in Wirklichkeit Halle nur die Hochfinanz und die Großindustrie das Per- trauen verloren, aber vor allem jenes Vertrauen, das sie bisher er- füllte, nämlich sich auf die Dauer um die Opser d r ü ck e n zu können, die eine systematisch durchgesührte Sanierung der französischen Fi- nonzen unbedingt von ihnen verlangen muh. Denn darüber, daß die notwendige Sanierung sich nicht mit den Palliatiomittelchen, die man bisher anwandte, verwirklichen läßt, sind sich heute auch die Leute Im Lager der Rechten klar. Die Ereignisse, die in den letzten Tagen auf dem Geldmarkt ein- getreten sind, haben endlich klärend und aufrüttelnd gewirkt. Der ungewöhnlich starke Sturz des Franke» und das Emporschnellen

der Preise, die sich als Folge der erfolglosen Rückkehr: des Finanzmini st ers aus England, wo eine Regelung der Schulden Zustandekommen sollte, einstellten, haben allen Kreisen die Augen geöffnet, welche Gefahr der französischen Währung und damit dem Volke selbst droht. Bisher hatte man sich In schönen Hoffnungen gewiegt: die französisch-amerikanische Schuldenfrage betrachtete man als geregelt: das Dawes-Abkemmen brachte die darin vorgesehenen deutschen Zahlungen voll und ganz: die Bilanz der Bank von Frank- reich stellte sich in der vergangenen Woche mit einem Rückgang von fast einer halben Milliarde ihrer Vorschüsse an den Staat, mit einem Rückgang von über einer halben Milliarde des Frankenumlaufs als die günstigste seit Monaten dar: das Gleichgewicht im Haushalt konnte, so schien es, durch das Abgleiten des Franken nicht erschüttert werden; der Steuerüberschuh in den ersten vier Monaten des Jahres 1926 beziffert sich auf fast 1? Milliarden: die sogenannten Loucheur- Steuern im Betrage von annähernd drei Milliarden waren beinahe vollständig eingegangen. Nun stellt sich plötzlich ein jähes Er- wachen ein. Der erneute, nahezu katastrophal empfunden« Franken- stürz läßt die bisherige Hoffnungsstimmung wieder einer r e g e l- rechten Panik st immung weichen. Das schwere Ringen zwischen den verantwortungsbewußten Politikern, die vom Standpunkt der Allgemeinheit aus«ine Stabilisierung des Franken unter allen Umständen zu erzielen suchen, und den Vertretern der G r o ß i n d u st r i e, die die Inflations - konjunktur ausnutzt, wird infolgedessen, angesichts des neuen Franken- sturzes, eine Neuauflage erleben. Eine rasche Entscheidung tut aber- mals not. Die sozialistische K a m m e r s r a t t i o n hat in- solgedessen die umgehende Einberufung der Kammer gefordert, um zu der gefahrvollen sinanz- und innerpolitischen Lag« Stellung zu nehmen. Es gilt, das französische Volk»or der größten Rot zu bewahren. DasBeispielDeutschlands schreckt.

Genfer Rbrüstungsüebatte. Eindrucksvolle Rede Bernstorffs. Genf , 20. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag vor- mittag sprachen auf der Abrüstungskonferenz zum erstenmal drei Vertreter von Nachbarstaaten Ruhlands: Rumänien , Finnland und Polen , die sämtlich mehr oder weniger deutlich aus ihre besondere Lage hinwiesen, die ihnen keine oder keine weitgehende Abrüstung erlaube. Sotal- Polen meinte serner, daß vorerst die Sicher- heitsgarantien weiter ausgebaut werden müßten, was durch eine Vermehrung der Kompetenz des Völkerbundsrats zum sofortigen Vorgehen gegen Friedensbrecher geschehen könnte. Eine einheitliche Stellungnahme trugen die Vertreter Chiles . Argenllniens und der Vereinigten Staaten vor: Amerika sei freiwillig aus Grund gegenseitiger Verträge auf ein Minimum abgerüstet und Europa müsse das gleiche tun. Das Abrüstungsproblem könne nur regional oder kontinental gelöst werden. Daraus folgte eine englische Rede von Graf Bernstorff- Deutschland. Er führte im wesentlichen aus, die deutsche Delegation sei der Diskussion mit größtem Interesse gefolgt, doch glaube sie. daß dieser bisher ein festes Z i e l f e h l e. Die Abrüstung werde wohl nur schrittweise erfolgen können. doch müsse dazu einmal der erste Schritt getan werden. Die vorgetragenen Befürchtungen verschiedener Redner übergingen die durch den Völkerbund ge- schafsene Lage: danach gebe es nur noch solche Kriege, die der Völkerbund gegen Angreiser auf seine Wikgliedstaalen führe. In bezug auf die Sicherheit sei es nach Beschluß der letzten Völker- bundsversammlung ausdrücklich in die Hand des Völkerbundsrats gegeben, zu erklären, wann die Sicherheit einen solchen Grad erreicht hat, daß mit der praktischen Abrüstung begonnen werden soll. Zur Frage des Luft- und Gaskrieges überraschte Graf Bernstorff mit der Erklärung: So fangen wir doch unsere Arbeit mit seiner Abrüstung, d. h. mit seiner Unmöglichmachung an. Der deutsche Delegierte betonte dann nochmals, daß Deutsch- land vollständig abgerüstet ist und nunmehr auch die anderen Staaten das ihrige tun sollten. Was die Kriegsfähigkeit angehe, so sei Deutschland nicht so begünstigt, weil seine In- d u st r i e n zum großen Teile nahe an den Grenzen liegen und es in bezug auf seine Ernährung und die Zufahrt zum freien Meere stark von der übrigen Well abhängig ist. Der Dis- kussionsentwurf der Konferenz fei zum Teil sehr detailliert, wogegen andere sehr wichtige Fragen, wie gerade die des Luft- und Gas- krieges und der schweren Artillerie, deren Deutschland keine mehr hat. darin vollständig fehlen. Graf Bernstorff schloß seine eindrucksvolle Rede mit der Feststellung, daß die Abrüstung absolut notwendig und von ihr ein guies Stück Prestige des Völkerbundes abhängig ist. Ms letzter Redner sprach Lord Robert C e c i l seine Freude über die Ausführungen des deutschen Delegierten aus und erklärte feine Zu st immung zu dessen Vorschlag eines Verbots des Luft- und Gaskrieges. Cecil Hütt es für ausgeschlossen, daß Eng- land jemals noch einen Krieg gegen zivilisierte Nationen führen werde, es fei denn im Rahmen einer Völkerbundsaktion. Gegen jede Kontrolle der Kriegsfähigkeit bleibt Lord Cecil sehr skeptisch. Er schlug schließlich vor, die allgemeine Aussprache und die erste Lesung der Diskussionsgrundlage zu schließen und den Rcdaktions- ausschuß an die Arbeit gehen zu lassen zur Ausscheidung und Ueber- Weisung der einzelnen Fragen an die beiden eingesetzten Kam- Missionen. Am Freitag vormittag wird der RedattionsauSschuß über die Ausscheidung der einzelnen Fragen des Diskussionsentwurfes und ihre Ueberweisung an die milttörische und wirtschaftliche Kam- Mission beraten.

Die Suüapester Anklage. Vom Staatsanwalt aufrechterhalten. Budapest , 20. Mai.<WTV.) In einer mehr als vier- stündigen Rede hak Oberstaatsanwalt Dr. Sztrache die Anklage gegen sämtliche Angeklagten im Frankenfälscherprozeß im Sinne der ursprünglichen Anklageschrift aufrechterhalle«: hinflcht- lich des Generaldirektor» der Postsparkasse, Voroß, wurde die bisherige Anklage noch ergänzt. In feiner Rede bezeichnete der Staatsanwalt die Berufung der AngeNagten auf patriotische Beweggründe als gravierendes(belastendes) Moment, da sie den dem Vaterlande zugefügten Schaden hätten vorhersehen müssen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß das zu erwartende gerechte Urteil des Gerichts im In- und Auslande Beruhigung hervorrufen und zeigen werde, daß die ungarische Ration ihre Aus- erfiehnag nicht durch Abenteuer erhoffe.

Reue Faschiflenüberfälle. Wie dieVoce Republicana" mitteilt, ist der Fuhrer der republikanischen Abgeordneten, Conti, vom Kammergebäude aus von einigen Faschisten aus Panna bis in eine Druckerei verfolgt worden, wo sie ihn mit einem Stock einen Schlag versetzten und eine Wunde oberhalb de« linken Auges beibrachten, so daß er sich ins Krankenhaus begeben mußte. Ebenso ist der sozialistische Abgeordnete P i z e l l i auf dem Pontheonplatz von zwei Faschisten angegriffen und leicht oerletzt worden.