Nr. 38643.Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
AUGUSTTAGE
In einer Zeit, da bei den meisten Unternehmungen und Organisationen Ruhe zu herrschen pflegt, geht es in der Leitung des Vereins Boltsbühne besonders lebhaft zu. Im Juli endete die Spielzeit der Theater und Anfang September öffnen sie wieder ihre Pforten. Da gilt es, den August auszunuzen, um all das zu erledigen, was der liebergang von Geschäftsjahr zu Geschäftsjahr mit sich bringt. Es soll garnicht gesprochen werden von so mancherlei Beratungen und Sigungen der leitenden Stellen des Vereins, die der Etatsgestaltung, der Aufstellung des Spielplans, organisatorischen Neuerungen und dergleichen dienen. Ebenso wenig soll von den Arbeiten die Rede sein, die der Verein in der Ferienzeit in den beiden ihm gehörigen Häusern dem prächtigen Theaterbau am Bülowplay und dem seit einem halben Jahr hinzugenommenen Theater am Schiffbauerdamm durchführen läßt, um für die neue Spielzeit alles in„ Schuß" zu bringen. Nur auf zweierlei sei eingegangen, was den August für die Volksbühne E. V. zu einem besonders unruhigen und arbeitsreichen Monat macht: auf den Umtausch der Mitgliedskarten und die Propaganda zur Gewinnung neuer Mitglieder.
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Der Kartenumtausch.
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feiner
Nach Ablauf der Spielzeit hat jedes Mitglied der Boltsbühne, bas dem Verein weiter angehören will, feine Mitgliedstarte abzu geben, um dann, nach Entrichtung einer für die Verwaltungskosten des Vereins erforderlichen Umtauschgebühr" von 1 Marf eine neue Karte mit der Ankündigung aller ihm im neuen Spieljahr zufallenden Vereinsvorstellungen zu erhalten. Das könnte für das laufende Jahr den Umtausch von 150 000 Mitgliederkarten bedeuten. Aber natürlich: 150 000 Mitglieder sind es nicht, die ihre Karten einreichen. Manche von denen, die sich im vorigen Jahre gemeldet hatten, starben inzwischen oder zogen von Berlin fort. Viele andere sehen ihre wirtschaftliche Lage zurzeit so verschlechtert, daß sie vor der Fortsetzung Der Mitgliedschaft zurückscheuen. Manche sind natürlich auch nicht von allem, was ihnen die Volfsbühne bot, recht befriedigt fann es ja allen recht machen, und zögern deshalb mit der Abgabe Der Karten. Hauptsächlich aber verbummeln" es natürlich Tausende und selbst Zehntausende, nach Ablauf der Borstellungen die Mitgliedsfarten einzureichen. Gleichwohl, an 100 000 Karten find rechtzeitig abgegeben. Meistenteils bei irgendeiner der mehr als 100 Zahlstellen des Vereins. Da heißt es mm, allwöchentlich durch Boten diese 100 Bahlstellen zwischen Potsdam und Karlshorst besuchen zu laffen; dann müssen die eingekommenen Karten in den Mitgliederlisten ,, ab gehaft" werden; dann gilt es, für jede alte eine neue Karte auszu fertigen, wobei manche Adressenänderung und mancher Wunsch nach Umschreibung in eine andere Abteilung zu berücksichtigen ist; aufgrund der neuen Karten sind weiterhin die neuen Mitgliederlisten anzufertigen und die Streifbänder für die erste Rundsendung der Vereinsschrift fertigzustellen; darauf müssen die neuen Karten forgfältig geordnet werden nach den Zahlstellen, bei denen sie eingereicht wurden, und von denen sie wieder abgeholt werden sollen, und innerhalb des Kontingents jeder Zahlstelle quch noch nach den Abteilungen, damit den Zahlstellenleitern das Herausfinden erleichtert wird. Eine besondere Behandlung erfordern natürlich jene Karten, die der Hauptgeschäftsstelle postalisch zugingen, und die ihren Abfendern auch wieder durch die Boft zugestellt werden sollen. Macht all das schon Arbeit genug, so wächst die Belastung noch durch die Notwendigkeit, jene Mitglieder, die ihre Karten nicht ablieferten, höflich aber dringnd an ihre Bersäumnis zu erinnern. Bei manchen wird es gewiß nichts nützen. Aber bei 10 000, vielleicht sogar 20 000 hat die Erinnerung Erfolg. Indessen: dieser Teil des Umtauschgeschäfts" gehört eigentlich schon in das Kapitel Propaganda.
Die Werbearbeit.
Es gilt, Ersatz zu schaffen für diejenigen Mitglieder, die fich nicht wieder melden( infolge der wirtschaftlichen Situation in diesem Jahr zweifellos mehr als sonst!), und es gilt, die Reihen des Ver
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Die Figurantin.
Roman eines Dienstmädchens von Léon Frapié .
Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde- Grazia.
,, Nein, mein Kind," sagte Frau Coqueho feierlich. ,, Ein Handel würde es sein, sie irrezuführen, fie, sagen wir, zu einer alten Dame zu schicken, die geeignet wäre, ihr später eine Rente zu hinterlassen. Ich habe eine derartige Sache unter meinen Adressen: ein isoliert stehendes Gartenhaus in Auteuil , Sie flingeln, die Wohnungstür öffnet sich vermittels einer vom Nebenzimmer aus in Bewegung gesetzten Zugvor richtung, Sie sehen niemand, nun gehen Sie vorwärts, die Tür schließt sich wieder hinter Ihnen, und anstatt einer alten Dame ist es eine Art Satir, der Sie anfällt. Nein, zu solchen Streichen gebe ich mich nicht her, allein da Sulette sehr gescheit ist, spreche ich so zu ihr: Ihre Jugend hat einen verwünschten Wert, ziehen Sie Vorteil daraus. Ob fie dieselbe nun nühen oder nicht, das Resultat ist in einigen Jahren das gleiche, Sie werden welk sein..."
Sulette beharrte bewegungslos. Frau Coqueho begann
wieder:
Ich will Ihnen sagen, daß Sie bei Enthaltsamkeit noch viel schneller verblühen, Sie werden gallenleidend, Ihr frischer Teint wird das Aussehen einer Zitrone bekommen. Sie haben ein lebhaftes, liebebedürftiges Temperament." Rosalie setzte sich, aus vollem Halse lachend, rittlings auf den Koffer.
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,, Soviel ist Tatsache, daß die Arbeit eines Dienstmädchens, die ewige Pladerei im Stehen dich nicht gerade frisch erhält. Ich wette, man ist ebenso verblüht nach zehn Jahren der Hauswirtschaft wie der Ausschweifung."
Röcken.
Sie pruſtete und fächelte sich in komischer Weise mit ihren Sulette zündete mit skeptischer und angewiderter Miene eine neue Kerze an.
Frau Coqueho fuhr fort:
Ich rate Ihnen keine unfittliche Zügellosigkeit; Sie blei ben Ihre eigene Herrin- nur würde Ihre Anmut als Trumpf zählen, während sie hier für nichts gilt. Sehen Sie, Katharine, die Elsässerin, Rosalie kennt sie gut, die war wie Sie weder auf die eine noch auf die andere Seite des Geländers beschränkt; fie ließ es an sich herankommen. Ich habe sie bei einem alten Lebemann, der am Magen zu leiden begann, untergebracht. Nun also! Sie hat ihn zur Mäßigkeit
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in
der
DIE KONST DEM VOLTE
Mittwoch, 18. August 1926
VOLKSBUHNE
eins darüber hinaus zu stärken. 40 000, 50 000 Mitglieder sollen neu geworben werden in einer Zeit wie der unsrigen teine fleine Aufgabe! Wochenlang wurde im Generalsekretariat an den Propagandadruckfachen„ getiftelt". Ein halbes Dutzend Plakatentwürfe mit möglichst fnappem, dabei erschöpfendem Text war zu liefern; ebenso viele Flugblätter mußten ausgearbeitet werden folche allgemeiner Natur, andere für die Jugendlichen, andere zur Berbreitung durch die gewerkschaftlichen Organisationen; daneben auch Zettel, Werbelisten, Inserate, Zeitungsnotizen, Terte für Rundfunkanjagen, besondere Werbeartikel für Zeitungen und Zeitschriften befreundeter Organisationen; dazu, als" Clou", eine Werbebroschüre mit umfaffendem Ueberblick über das Programm der Spielzeit 1926/27, mit wirkungsvollem, farbigem Umschlag, mit Bildern und Porträts von etwa 30 prominenten" Darstellern und Darstellerinnen, die für die Vorstellungen des Vereins verpflichtet rinnen, Druckereien, Sachverständigen waren erforderlich, nebenher wurden. Immer neue Konferenzen mit Zeichnern und Zeichne Werbeblätter beilegen sollen, auch Berhandlungen mit den OrganiBerhandlungen mit den Zeitungen, die die Inserate erhalten, die fationsvertretern, deren Mitarbeit bei der Verbreitung des Propa Maßnahmen zur Beschaffung von Adressenmaterial, Maffenfabri gandamaterials wichtig ist, dazu Anberaumung von Werbevorträgen, tation von Begleitschreiben für alle Kategorien von Materialempfängern, hundert andere Anordnungen im Interesse der Durch führung der Propaganda.
Der Apparat spielt.
Die Räume der beiden Geschäftsstellen der Volksbühne im
Theater am Bülowplay und im Anbau der Oper am Blag der Republik sind viel zu flein, um die mit dem Kartenumtausch, der Werbearbeit und den Mitgliederneuanmeldungen verbundenen Aufgaben erledigen zu lassen. Das Theater am Bülowplay muß feinen Probefaal, den Umkleideraum der Statisterie und feinen Sigungsjaal aushilfsweise zur Verfügung stellen. Zwei, drei Dugend Hilfskräfte waren einzustellen. Nun jizen 30 Personen und mehr an den Schaltern der Geschäftsstellen, in den Schreibräumen, an Sortiertischen, in Packsälen. Jede Post bringt Stapel von Briefen; täglich kommen Duzende von Ordnern und Helfern mit mehr oder weniger gefüllten Werbelisten; außerdem liefern die Bahlstellenfassierer Tag für Tag Pakete von Karten und NeuBroschüren, Werbeblättern, Mahnkarten, Anschreiben ein. Bor den anmeldungen ab. Von den Druckereien treffen Wagenladungen mit Schaltern stehen die Interessierten Schlange"; die Telephonleitungen haben wenig Ruhe. Dugende von Federn rasen über das Papier; Sortierfarten fliegen hin und her; Streifbänder werden geflebt, Ruverts gefüllt, große und fleine Plakate gepackt und ge= schnürt, mit Adressen beklebt und zur Post expediert, oder auf Wagen geladen, damit sie in der Stadt ausgefahren werden: Be sondere Sendungen für die Zahlstellen, besondere für die 600 Ordner des Vereins, besondere an die Betriebsräte, besondere an Aerzte
befehrt, beide gehen zusammen in die Kirche, das heißt ab= wechselnd: einmal in die katholische, einmal in die protestantische Kirche, weil Katharine Protestantin ist. Sie find Mitglieder des Vereins gegen Unfittlichkeit... Die Spekulation, das Glüd bes Spiels vrch schlage Ihnen
vor.
Die Schlußfolgerung machte Eindruck auf Sulette; fie ermangelte nicht des Geschicks. Die zum Fall entschlossenen Dienstmädchen sahen darauf, sich die Wahrheit selbst zu beschönigen. Ein Rest menschlicher Achtung hätte sie vor einem zweifellos unmoralischen Handel zurückschrecken lassen. Frau Coqueho überredete sie, daß sie nur ihr Glück versuchten; man mußte nicht... es fonnte ein ehrbarer Liebeshandel daraus hervorgehen.
,, Mit einem Wort," sagte Rosalie hönisch ,,, Sie wollen uns ganz einfach gefällig sein, ohne daß wir uns für ein anständiges oder liederliches Leben glatt entscheiden.
Ja, mein Kind, sprechen Sie bloß einmal wie Virginie, die Liebste von Fumeron: Ja, ich will von der Gaffe leben." Seien Sie überzeugt, daß der Rinnstein mit den Dieben und Mördern für Sie, die allzu gläubigen Dienstmädchen, vom ersten Schritt der Emanzipation an, die große Gefahr ist. Sie brauchen den Rat der Erfahrung."
In diesem Augenblick rief jemand im Gang nach Frau Coqueho, um ihre berühmten Billen zur Verhinderung der Schwangerschaft zu kaufen. Sie nahm mit den Worten Abschied:
,, leber acht Tage, meine Buttchen! Denten Sie gut über meine Worte der Moral nach!"
9.
Die nächste Woche ließ Sulette, die eine Freundin ergößlicher Geschichten war, Frau Coqueho nicht erst zu üblicher Anpreifung fommen. Sie wollte sogleich Näheres über Bir ginie, der Liebsten von Fumeron, erfahren.
Frau Coqueho segte sich, blickte in die Tasche, schloß sie wieder und fing an, ihr Herz mit der Nachsicht und geheimen Genugtuung einer Mama auszuschütten, die die Rüpeleien ihres Taugenichts von Sohn erzählt.
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Birginie es gibt fein größeres Phänomen als dieses Mädchen. Uebrigens sieht sie wie eine Zigeunerin aus. Den Charakter zu erklären, fann ich nichts Besseres tun, als ihre Ansichten wiederzugeben. Hören Sie, was sie einer Patronatsdame, die ich begleitete, antwortete. Die ist ihr bis ins Weinrestaurant gefolgt, um den Borschlag einer sittlichen Erneuerung zu machen."
und Anwälte, besondere an die Gewerkschaften, besondere an andere Organisationen und Stellen, besondere an die Zeitungen. Daneben versenden auch die Druckereien Broschüren und anderes Material. Fleißige Hände bekleben die Anschlagsäulen und versehen die Untergrundbahnhöfe und Stadtbahntreppen mit Plakaten. Und während noch diese Arbeiten laufen, beginnt auch schon wieder mit dem 18. Auguſt die Ausgabe der neuen Mitgliedskarten an alte und neue Mitglieder durch die Zahlstellen, durch die Hauptgeschäftsstelle hier allein holen in etwa 10 Tagen an 30 000 bis 40 000 Menschen ihre Karten ab, und sechs bis sieben Menschen sind erforderlich, um die Karten herauszusuchen, die Umschreibegebühr zu fassieren, somie die ersten Beitragsmarken für die Vorstellungen zu verkaufen-, durch postalische Zusendung an die Bequemen", die dafür das erforderliche Freituvert einschickten.
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Drei, vier Wochen sind es, auf die sich diese riefige Tätigkeit zusammendrängt. Drei, vier Wochen, in denen mit Aufbietung aller Kraft, mit Einsatz von Zehntausenden an Geldmitteln, mit größter Konzentration gearbeitet werden muß. Aber es ist eine Arbeit, die schließlich allen Beteiligten Freude macht um so mehr, je deutlicher sich der Erfolg der Werbearbeit und aller sonstigen Bemühungen zeigt.
Dircksenstraße.
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,, Berlin ! Berlin ! Du großes Jammertal, bei dir ist nichts zu finden, als lauter Angst und Qual." So schrieb Heinrich Heine im Jahre 1822. Er hat wahrscheinlich Berlin beffer gefannt als mancher Fremde, der einige schön gepflegte Straßen durchwandert und dann ob des Glanzes und der Herrlichkeit staunt, der sich höchstens wundert, wie so ein Riesenorganismus funktionieren kann. Aber was er sieht, ist meistens Kulisse. Wer dahinter schauen will, der gehe in die
Dircksenstraße.
Bon der Jannowigbrücke schlängelt fie fich längs der Stadtbahn bis Bahnhof Börse. Das Getöse der oben dahinfahrenden Züge
mischt sich mit dem ununterbrochenen Raffeln der unzähligen Wagen, Dirnen kann den Geruch der Armut nicht verdrängen. Betritt die eine Riesenstadt mit Lebensmittel versorgen. Das Parfüm der den Eindruck, als wäre sie etwas hinter der Weltstadt gelegen- feine man die Straße von der Jannowitzbrücke aus, so macht sie Straßenbahn, felten ein Auto, wenig Fußgänger, unbebaute Grundstücke. Bon der linken Seite fommt Hundegebell in allen Tonlagen. Hier hat der Tierschugverein sein Asyl für Obdachlose. Hier ist Hundepension. Wenn man sich eines Tieres entledigen will, wird es auf humane Art getötet, und Frauchen steht eine Träne im Auge, menn sie das Asyl verläßt. Weithin rotleuchtend steht rechts das Polizeipräsidium, davor das graue Gebäude der Stadtvogtei. An manchen Tagen herrscht hier reges Kommen und Gehen. Die Berliner Prostituierten stellen sich hier zur Kontrolle. Sie kommen, soweit fie der polizeilichen Kontrolle unterstehen, und das ist sicher
nur ein fleiner Teil. Blutjunge Dinger sieht man da und Alte, die
ſich mit Hilfe von Schminte verjüngen; manche armselig gekleidet, andere in Samt und Seide kommen im Auto vorgefahren und blicken ,, vornehm auf den großen Haufen derer, die zu Fuße laufen". Gegenüber, unter der Stadtbahn, die Wärmehallen; hier ist im flucht Winter Großbetrieb. Vor der Kälte suchen sie hier im Winter Zu gehüllten Gestalten, die im Kampf ums Dasein unterlagen. Daneben die zu Hause keine warme Stube haben, und die in Lumpen die Volksspeisung, wo es für billiges Geld, und bei Bedürftigkeit umsonst, ein schmackhaftes Effen gibt.
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Etwas weiter, und wir befinden uns im Gewühl des Markt. hallenbetriebes. Vom Bahnhof Alexanderplag bis Bahnhof Börse alles Lebensmittelhandel und was damit zusammenhängt. Sämtliche Parterreräume der ganzen Straße dienen der Lebens
,, Dante sehr für Ihre Bemühungen. Ich bin Dienstmäd. chen von meinem 16. bis 18. Jahr gewesen, war ausgehungert, schief angesehen, mie eine Gefangene gehalten. Muß beAber als ich von anderen Dienstmädchen hörte, daß man in Paris vom Vergnügen leben könnte Paris vom Bergnügen leben könnte oder vom Laster, wie Sie wollen, bin ich schnell auf die Straße gelaufen, zu sehen, wie das gemacht wird und von heute zu morgen habe ich mich von allein, trotz der Unannehmlichkeiten, die mir meine Unschuld verursachte, hineingefunden. Mein erster Liebhaber dachte, ich wäre frank, ja er hat sich für angeführt gehalten. Das Leben ist doch gut so! Die Keuschheit ist eine Krankheit! Aber schließlich welche Erleichterung für mich, auf der Straße zu sein! Denn am Ende bin ich weniger befudelt und entehrt worden als vorher! Wenn ein Dienstmädchen allen Schmuß der Herrschaft wegräumt, ihren Staub einatmet und hinunterschluckt, ist das eine saubere Sache? Wenn sie einem Wint des Fingers oder des Blides unter dem Druck der Unverfrorenheit gehorcht, ist das ehrenvoll? Wie? Ich fühle mich auf meinem Trottoir sehr wohl. Laffer Sie mich dort, wenn Sie mir feine angenehme, geachtete und gutbezahlte Arbeit zu bieten haben."
merken, daß ich die erste Stelle in meinem Heimatsort hatte.
Frau Coqueho lächelte zustimmend und zugleich miß
billigend.
Ich gebe der Virginie nicht recht und werde niemand veranlassen, fie nachzuahmen, noch vollends die vornehme Gas lanterie bei hohem Tarif zu versuchen, das ist zu gewagt. Nein, nein! Man muß der Wahrheit die Ehre geben: Bir ginie ist eine Ausnahme und ihre Lebensweise würde nicht einer jeden passen. Und außerdem hatte sie das Glück, gerade an einen ruhigen Mann, an Fumeron, gekommen zu ſein; der befißt reizende Eltern, so daß sie wie verheiratet ist und wie zur Familie gehört einige dunkle Buntte abgerechnet. Sie sehen, der Fall ist in jeder Beziehung eine Ausnahme."
Sulettes, die im Hemd auf dem Gang herumfpazierte( es Beim Hören des Namens Fumeron fam eine Kameradin war zehneinhalb Uhr abends), rasch über die Schwelle der offenen Rammer und rief begierig:
,, Ach, ich tomme ein bißchen herein, wenn Sie von Birginie sprechen."
Das war die Freude der von Frau Coqueho besuchten sechsten Etage: die Abenteuer Virginiens und der Familie Fumeron.
( Fortsetzung folgt.)