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Hebammen und Krankenkassen.

Um die neue Gebührenordnung.

Am 10. September fand auf Veranlassung des Preußischen Ministers für Bolkswohlfahrt eine Besprechung zwischen den Ber­tretern der Krantentassen und den der Hebammenver­einigungen unter Borsig eines Beauftragten des Ministeriums

ſtatt.

Das zweite Gesetz über Abänderung des 2. Buches der Reichs: versicherung vom 9. Juli 1926 legt den Krankenkassen die Ge­währung unentgeltlicher Hebammenhilfe als Pflicht leistung auf. Die Gebühren für die Hebammen setzt die oberst: Berwaltungsbehörde oder die von ihr bestimmte Stelle unter Mit­wirtung der beteiligten Krankenkassen und Hebammen oder ihrer Vereinigungen für beide Teile verbindlich fest.

Das Ministerium unternahm den Versuch, eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Es herrschte Uebereinstim­mung darüber, daß eine Pausch gebühr festgelegt werden soll. Diese Bauschgebühr soll für Pflichtversicherte, und zwar ohne Rücksicht darauf gelten, ob es sich um eine einfache oder regelwidrige Geburt handelt. Nicht einbegriffen soll die Entschädigung für Des­infektionsmittel sein. Schwangerschaftsbeschwerden sollen nach wie vor nach Einzelleistung berechnet werden. Die Gewährung von Wegegeldern soll dadurch ausgeglichen werden, daß von einer

Staffelung nach Ortsklassen abgesehen, die Bauschale vielmehr für ganz Preußen in gleicher Höhe Geltung haben soll. Ueber die Höhe der Bauschale gingen die Meinungen weit aus­einander. Die Vertreter der Krankenfassen, die ursprünglich etwas von 20 Mt. durchblicken ließen und dabei natürlich auf den energi­schsten Widerstand stießen, machten dann ein letztes Angebot von 30 Mr. Die Vertreter der Hebammen, deren erstes Angebot 50 Mr. mar, entschlossen sich trotz schwerster Bedenken, ein legtes Angebot von 40 Mf. zu machen. Der Vertreter des Städtetages hielt einen Betrag, der zwischen 40 und 55 Mt. liege, für angemessen. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß es diesem Bertreter im Ernst nicht darauf antam, nun wirklich den Hebammen zu helfen. sondern den Krankenkassen alle Lasten aufzubürden, damit die Städte feine Zuschüsse zu leisten hätten.

In diesem Stadium mußte die Verhandlung abgebrochen werden. Nach den oben erwähnten gefeßlichen Bestimmungen hat nunmehr das Ministerium eine Gebühr festzusetzen. Die Preußische Verfassung schreibt vor, daß dem Staatsrat das legte Wort zusteht. Diese Stellen mögen sich bei ihrer Entscheidung darüber klar sein, daß die noch bestehende Differenz im Etat der Krankenkassen einem bescheidenen Beilchen in einem großen Strauße gleichkommt, während die Eristenz der Hebammen mit der Festsegung dieser Gebühr steht und fällt. Wird dem Vorschlage der Heb­ammen Rechnung getragen und legt man, was viel zu hoch ge­griffen ist, 50 Entbindungen pro Jahr zugrunde, so ergibt sich ein Einkommen, das zwischen den Gruppen 5 und 6 der Besoldungs­ordnung liegt. Fürsorgerinnen, Wohlfahrtsschwestern werden nach Gruppe 6 und 7 der BD. bezahlt. Das mag als Richtschnur dienen. Ausstellung der Kleingärtner.

W

Im Steuerhaus Landsberger Allee 92 zeigten die Kleingärtner der beiden Bezirke Prenzlauer Berg und Friedrichs hain die Ergebnisse ihrer diesjährigen Ernte. Was gezeigt wurde, tönnte manchen Landwirt und Gärtner mit Neid erfüllen, und er würde die Ueberzeugung gewinnen, daß ein Teil der Großstädter mit Bodenkultur ganz gut Bescheid weiß. Der Großstädter ist luft­und lichthungrig und bringt deshalb der Kleingartenbewegung viel Interesse entgegen. Das bewies der außerordentlich starte Besuch, der faft wie eine Demonstration wirkte für die Kolonien, die hier starf gefährdet find. Der Bürgermeister des Bezirks, Gencsse Dr. Ostrowski, brachte in seiner Begrüßungsrede zum Ausdrud, daß er stets für die Erhaltung der Kleingärten eintreten wird. Die Ausstellung selbst zeigt die Vorliebe für Blumen und Edelob st; sie zeigt auch, daß der Kleingärtner mehr und mehr seine Erzeugnisse für den Winter fonserviert und auch seinen Bein selbst bereitet. Sogar die Schulgärten fehlen nicht in der Reihe der Aussteller. Bei jedem Gegenstand ist der Name an gegeben, und die Ausstellung bietet daher für den Laien einen guten Anschauungsunterricht. Die Preisrichter werteten die Kolonien nach Bunkten wie folgt: Neu- Kalifornien 28, Hoffnung 27, Wilhelms tal 26, Märkische Schweiz 26, Hungriger Wolf 24, Berg- Rolonie 22, Wilhelmshöhe II 21, Bögom 21, Blumenau, Transvaal , Alt- Berlin, Simplon und Ostsee je 20, Feldschlößchen 1919 und Friedrichshöhe je 19, Feldschlößchen und Jungfershöhe je 18, Rappland 17, Tief­land und Jubiläumstolonie je 16, Berg und Tal 15, Bauern vom Berge, Grönländer und Steuerhaus je 14, Nordring 13, Alt­Berlin II 12 Punkte. Die Schulgärten bekamen Ehrenpreise in Form von Diplomen.

Feuer in Blankenburg . Die freiwilligen Feuerwehren von Blankenburg und Buchholz wurden gestern morgen gegen 5 Uhr nach dem Kleingartengelände in Blankenburg gerufen, wo in dem Restau­rant Wiesenbaude" des Schantwirtes Lehmann aus bisher noch unbekannten Gründen Feuer ausgebrochen war. Es mußte längere Zeit aus zwei Rohren Wasser gegeben werden. Der Schank. raum und ein anschließendes 3immer brannten aus. Ber­fonen find glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

1011 Typhusfälle in Hannover .

21 Todesfälle.

heuerlicher Schnelligkeit aus. Die Typhusepidemie in Hannover breitet sich mit geradezu unge­Bis gestern, Dienstag, nachmittag hat die Zahl der Erkrankungen 1011 erreicht, und zwar find 445 Männer, 419 Frauen und 147 Kinder von der Seuche befallen worden. Die Zahl der Todesopfer hat sich ebenfalls in erschredendem Umfange erhöht und ist während der Zeit vom Vor­mittag bis Nachmittag von 17 auf 21 gestiegen.

Ein Notruf Hannovers .

Hannover , 14. September. ( Eigener Drahtbericht.) Da die Zahl der Typhuskranken in Hannover immer noch im Zunehmen ist, fällt es dem Magistrat äußerst schwer, genügend Betten für die Hilfs frankenhäuser zu erhalten. Ein Transport mit 450 Betten ist jetzt mit zwölfftündiger Verspätung aus Berlin eingetroffen. Doch auch dieser Transport genügt nicht, und da in Hannover alle Möglich­feiten zur Beschaffung von Matratzen und Betten so gut wie ausge­schöpft sind, sieht sich die Stadtverwaltung gezwungen, eine Rund­frage an die anderen deutschen Städte mit Hilfe des Minifteriums abzuschicken und um Hilfe zu bitten. Anfragen in Effen und Braunschweig blieben erfolglos. Am Dienstag morgen wurde nun eine dritte Schule als Hilfskrankenhaus beschlagnahmt und für Krankenhauszwede eingerichtet. Sie befindet sich in Linden in der Bennoftraße beim Katholischen Krankenhaus.

Unser Parteiorgan in Hannover , der Boltswille", übt an dem Verhalten des Magistrats scharfe Kritik und betont, daß bis jetzt der Magistrat die städtische Gesundheitskommission immer noch nicht einberufen hat und auch keine großzügigen Vorkehrungen zur Unter­bringung von mehreren tausend Kranten getroffen hat, obgleich derartige vorbereitende Maßnahmen selbst in einer Zeit, in der Typhuserkrankungen in großem Umfange nicht vorhanden waren, notwendig gewesen wären.

Das Wasser aus der Leineniederung. Obgleich amtliche Stellen das Wasser zurzeit als einwandfrei bezeichnen, haben die verantwortlichen Aerzte trotzdem die Wasser leitung in den Schulen abstellen und den Genuß von ungefochtem Waffer verbieten lassen. Die Schulkinder erhalten auf Berlangen gefochtes Wasser zu trinken. Die Aerzteschaft hat bisher über die Ursache der Infektion keine Meinungsäußerung abgegeben. Doch schon heute können wir zu der über die Krankenkassen und durch Bressestellen bekanntgegebene Meinungsäußerung sagen, daß der größte Teil der Aerzte eine Infektion durch Wasser für gegeben hält. Selbst in dem rechtsgerichteten Hannoverschen Courier" veröffentlicht Stadtrat Dr. Stolzenbach an leitender Stelle eine Meinungsäußerung, in der er die Notwendigkeit betont, daß die große Stadt Hannover Wasser aus den Bergen erhalten müsse und auf die Gefahren hinweist, die der Stadt durch das Wasser aus den fumpfigen Leine- Niederungen drohen. Er schreibt u. a.: " Der Hauch der Grüfte steigt nicht herauf in die reinen Lüfte. Es ist ein eigenartiger Gedanke, daß die Anlagen, aus denen unser Waffer kommt, wochenlang im schmuzigen Hochwasser versenkt liegen und nur mit den Spizen der Brunnen daraus hervorragten. Wer einmal als Ruderer oder als Spaziergänger am Leine- Ufer, nament­lich draußen an der Schleuse, die Tierfadaver gesehen hat, die dort meist schwimmen und nach ihrem Aussehen lange im Wasser gelegen

Ein Eisenbahnschwindel.

Bor kurzem wurde die Nachricht verbreitet, daß eine neue Eisen­behnlinie gebaut werden folle, die von Engen über Aach - Volfers­haufen- Steißlingen- Beuren- Friedingen nach Singen führen foll, und die von der Deutschen Eisenbahngesellschaft" in Berlin gebaut werden würde. Jetzt ist festgestellt, daß es sich um einen großzügig angelegten Schwindel eines früheren Eisenbahnbeamten Namens Asal handelt, der schon einmal vor Jahren auf Grund gefälschter Papiere eine Anstellung bei der Reichs­bahn gefunden hatte und in St. Georgen , wo er beschäftigt wurde, durch gefälschte Schreiben den Dienstvorsteher abgesezt und sich selbst zum Bahnhofsvorsteher ernannt hatte. Er ist damals zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Feststellungen haben weiter ergeben, daß die Unterschrift auf dem Einladungs­schreiben zur Besprechung der Frage, die der frühere badische Finanzminister Reinbold gegeben haben soll, gefälscht war und daß es dem Schwindler in der Hauptsache wohl auf die von ihm geforderte Anzahlung von 3000 Mart angefommen sein wird. Die Frechheit des Schwindlers ging fogar so weit, daß er den Präfi­denten der Reichsbahndirektion Karlsruhe und den Landrat von | Engen zu Mitgliedern eines für den Bahnbau gebildeten Komitees

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Die Bettennot.

| haben, also wohl von der Leine heruntergetrieben wurden, und wer, wie ich, schon menschliche Leichen hat heruntertreiben sehen und bergen helfen, den überkommt, wenn er sich mit den Zuständen, wie sie jetzt sind, beschäftigt, ein eigenartiges Gefühl. Möge man endlich daran denken, das Wasser aus den Bergen der Geister oder des Harzes zu holen."

Diese Aeußerung entspricht den Tatsachen, denn es ist Tatsache, daß bei dem großen Hochwasser der letzten Monate verunreinigtes Leinewasser in die Brunnen der Städtischen Wasserwerke eindringen fonnte.

Die Bettennot.

mehr schon über eine Woche andauern, ganz offenbar von Größe Die Stadt Hannover ist, obwohl die Typhuserkrankungen nun­und Umfang der Katastrophe überrascht worden und man hat bedauerlicherweise nicht die Vorkehrungen getroffen, die unbedingt notwendig gewesen wären, um eine weitgehende Isolation der Kranken sicherzustellen und damit ein Weitertragen der Seuche zu verhindern. Die Bellennot in Hannover steigert sich von Stunde zu Stunde und, wenn es nicht bald gelingt, die Typhusepidemie zum Stillstand zu bringen, läßt sich schon heute voraussehen, daß die Reichsbehörden zu außerordentlichen Maßnahmen greifen müssen, gemeldet, schon drei Schulen einräumen müssen, doch genügt diese um der Stadtverwaltung beizuspringen. Man hat, wie bereits Maßnahme noch immer nicht, um alle Patienten unterzubringen. Man hat in einem der Krankenhäuser noch alle möglichen Räume freigemacht und so 100 Betten aufstellen können, doch reichen diese Maßnahmen nicht entfernt aus, um die ftündlich eingelieferten Kranken so unterzubringen, wie es notwendig wäre. Man zieht jetzt ernsthaft in Betracht, außerhalb der Stadt ein riesiges Baraden­lazarett aufzubauen, doch wird sich diese dringend notwendige Maß­nahme nur dann erreichen lassen, wenn die Reichsgesundheits­behörden, das Rote Kreuz und andere charitative Organisationen sofort eingreifen und außer Arzneien und Schwestern sowie Pflegern auch schnellstens Baracken zur Verfügung stellen. Die in Hannover tätigen Aerzte sind jetzt schon am Rande ihrer Kräfte. Es ist nicht felten, daß Aerzte täglich 18 bis 20 Stunden unterwegs sind, da Hilferufe von allen Seiten fommen. Nicht immer handelt es sich um wirkliche Typhuserfrankungen, vielmehr spielt die Autosuggestion auch eine große Rolle. Die Stadtverwaltung hat sich merkwürdiger­meise noch immer nicht zu einschneidenden Maßnahmen entschließen fönnen, sondern versucht, mit Warnungen der Gefahr zu begegnen. So ist beispielsweise eine ausreichende Kontrolle der eingehenden Milch durch Bakteriologen noch immer nicht durchgeführt, vielmehr beschränkt sich der Magistrat darauf, in der Presse vor dem Genuß roher Milch und rohen Obstes zu warnen. Die von der Stadtver waltung ausgesprochene Hoffnung, daß in acht Tagen die Epidemie ihren Höhepunkt überschritten haben werde, wird von angesehenen Medizinern sehr skeptisch beurteilt.

Die am Dienstag nachmittag eröffneten drei Impfstellen sind von den Bewohnern bereits sehr stark in Anspruch genommen worden, doch werden jetzt bereits Stimmen laut, die eine Zwangs= impfung der gesamten Einwohnerschaft Hannovers fordern, um der Epidemie Einhalt zu gebieten. Der Magistrat der Stadt wird sich auch mit dieser Frage beschäftigen, doch verhehlt man sich nicht, daß eine solche Maßnahme auch auf sehr starke Widerstände stoßen würde.

ernannte. Auffallend war die Tatsache, daß weder die in erster liche Stellen hinzugezogen worden waren. Linie interessierten Städte Engen und Singen noch irgendwelche amt­

Maffenerkrankungen an Fleischvergiftung in Duisburg . Im Stadtteil Hochfeld in Duisburg sind etwa 40 Personen an Vergiftungserscheinungen erfranft. Bis jetzt mußten acht Erfrankte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Bergiftungen sind auf den Genuß von Fleisch zurückzuführen.

Frau Professor Lensch, die Gattin des früheren Chefredakteurs der Deutschen Allgemeinen", ist im Ostseebad Swinemünde er trunken. Sie wollte als gute Schwimmerin am letzten Tage ihres Badeaufenthalts weit in die See hinausschwimmen. Das ist ihr zum Verhängnis geworden.

Arbeitersport.

Schwimmverein ,, Borwärts", Berlin 97. Gruppe Güden: Die Badeabende der Gruppe Süden finden in diesem Winter wieder wie im vergangenen Jahre Mittwochs und Freitags statt, erstmalig am Freitag, den 17. September. Mitgliedsbücher müffen mitgebracht werden.

RAUCHE NUD BATSCHARI

Als älteste führende

Cigarettenfabrik

Deutschlands

versagen wir uns eine

wortreiche Anpreisung unserer Marken.

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Wir beschränken uns auf

die Nennung unseres Sortiments.

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